Monsieur Jammet und der Traum vom Grand Hotel – Ines Thorn

  • Produktinformation (Amazon):

    • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (28. September 2022)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764508051
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764508050

    Kurzbeschreibung (Verlag):

    1940, Paris ist von den Deutschen besetzt. Nur in das weltberühmte Grand Hotel Le Bristol dürfen die Nazis keinen Fuß setzen …

    Mit Verstand und Leidenschaft geht Hippolyte Jammet seinem Lebenstraum nach: Er führt das Le Bristol, eines der großen Luxushotels von Paris. Selbst die Schatten des Zweiten Weltkriegs lassen ihn keine Sekunde daran zweifeln, wo er hingehört. Als die Deutschen Paris besetzen, braucht es sein ganzes diplomatisches Geschick, um das Hotel geöffnet und Gäste sowie Bedienstete sicher zu halten. Keine leichte Aufgabe – zumal er zwischen den Mauern auch einige Schätze des Louvre vor dem Zugriff des Feindes hütet. Doch als ein wertvoller Fragonard verschwindet und die Stadt immer grauer und trister zu werden droht, beginnt Monsieur Jammet langsam zu verzweifeln. Was kann er noch tun, um seine Heimatstadt wieder erstrahlen zu lassen?


    Inspiriert von der wahren Lebensgeschichte des Hoteliers Hippolyte Jammet, der unter großen persönlichen Gefahren sein Hotel und sogar Paris selbst rettete.


    Zur Autorin (Verlag):

    Ines Thorn wurde 1964 geboren. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie, um danach als Fotogestalterin, Werbetexterin und auch immer wieder als Buchhändlerin zu arbeiten. Die Liebe zum Schreiben hat sie schon der nächsten Generation vermacht, ihre Tochter Hella ist mittlerweile ebenfalls Schriftstellerin. Ines Thorn lebt mit Familie und Hund in einem 300-Seelen-Dorf in Nordhessen und träumt dort selbst immer gern von Besuchen in den Grand Hotels auf aller Welt.


    Meine Meinung:

    Hippolyte Jammet leitet das Le Bristol, eines der besten Häuser in Paris Anfang der 40er Jahre. Als der 2. Weltkrieg ausbricht beginnt der Direktor des Louvre seine Schätze zu evakuieren und ein Teil davon wird von Monsieur Jammet in seinem Hotel versteckt. Und obwohl niemand davon weiß, verschwindet ein Fragonard.

    Als dann die Deutschen in Paris einmarschieren gelingt es Jammet zunächst sie aus dem Hotel fernzuhalten und somit sein Hotel zu einem sicheren Hafen zu machen. Doch irgendwann muss auch er sich den Deutschen beugen.


    Hippolyte Jammet war ein sehr engagierter und sympathischer Mensch. Seine Angestellten müssen sich wohl gefühlt haben bei ihm und anhand des Schicksals des Concierges Jean und des Zimmermädchens Coralie wird auch klar warum. Die Geschichte der beiden ist wirklich anrührend, nehmen die beiden doch ein jüdisches Kind bei sich auf und verstecken es so vor den Nazis. Ohne die Unterstützung ihres Chefs wäre das sicher nicht so möglich gewesen.


    Ines Thorn erzählt mit diesem Buch die wahre Geschichte des Hotels Le Bristols und seines Inhabers in der Zeit der deutschen Besatzung. Hippolyte Jammet hat damals wirklich geholfen jüdische Mitbürger außer Landes zu schmuggeln und war auch bei der Befreiung von Paris maßgeblich an der Sicherung der Stadt beteiligt. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und sehr sympathisch. Und auch die Deutschen werden gut gezeichnet, nicht nur als grausame Besatzer, sondern in der Figur des Gerhard Schön auch als zweifelnde Kunstliebhaber, die eigentlich als Freund der Franzosen wahrgenommen werden möchten.


    Die Geschichte bietet einiges an Spannung, vor allem als Coralie in die Razzia gegen die Juden gerät und im Velodrome inhaftiert wird. Hier fiebert man als Leser mit, ob sie es wohl schaffen wird, zu entkommen. Und auch das Geheimnis rund um das verschwundene Bild bleibt lange ungelöst.


    Ich kann das Buch nur empfehlen, es zeichnet ein gelungenes Bild von Paris in der Besatzungszeit. Paris mag von größeren Kampfhandlungen und Bombenangriffen verschont geblieben zu sein, aber die Angst der Bewohner wird deutlich greifbar. Hier wird der Krieg in einer anderen Art spürbar.


    9 von 10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3764508051

  • Der Titel dieses Romanes ist tatsächlich sehr aussagekräftig. Eine der Hauptpersonen ist der genannte Monsieur Hippolyte Jammet, der im zweiten Weltkrieg - wie vorher schon sein Vater - das große Hotel Le Bristol mitten in Paris leitete. Er ist Hotelier mit Leib und Seele. Er versucht seinen Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Aber dabei sind ihm auch seine Angestellten und seine große Familie sehr wichtig. Er ist also ein durch und durch integerer und warmherziger Mann, weshalb die Atmosphäre in dieser Geschichte trotz der Tatsache, das hier Kriegsjahre beschrieben werden, fast immer eher positiv ist. Diese Grundstimmung ist es auch, die aus dem Buch etwas Besonderes für mich gemacht hat. Das Hotel ist lange Zeit eine Blase der Ruhe und Normalität in einer Welt die nach und nach von den Gräuel der Besatzer durchdrungen wird. Da es das Hotel und den Hotelier wirklich gegeben hat, beruhen die historischen Fakten überwiegend auf wahren Begebenheiten. Das gibt dem Ganzen ein gehörige Portion Authenzität. Aber auch die erfundenen Personen sind glaubhaft und erleben Dinge, die so damals vielen Parisern widerfahren sind. Hier steht ein junges Paar im Vordergrund, die als Angestellte des Hotels mitten drin sind im Geschehen.


    Ich habe fast alle Bücher von Ines Thorn gelesen und viele sind mir wegen ihres anschaulichen und empathischen Schreibstils ans Herz gewachsen. Mit diesem hier hat sie sich aber meiner Meinung nach nochmal übertroffen. Wunderbare Darsteller deren Schicksal mich berührt hat, ein Plot, der von Kapitel zu Kapitel spannender wird, eine ausgewogene Mischung aus Fakten und Fiktion und ein Nachwort, dass keine Fragen offen lässt. Leserherz was willst du mehr.


    Ganz dicke Leseempfehlung von mir. :love:

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Brandon Sanderson - Der Pfad der Winde

    Lars Kepler - Spinnennezt

    Melanie Metzenthin - Mehr als die Ehre


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Paris in den 194er Jahren, ein Grand Hotel und ein sympathischer Hotelier - perfekte Zutaten für spannende Lesestunden!


    Monsieur Jammet führt das Hotel Le Bristol mit Liebe, Hingabe und viel diplomatischem Geschick, er sorgt für seine MitarbeiterInnen ebenso wie für seine Gäste und er liebt seine Stadt Paris. Den Einmarsch der Deutschen beobachtet er mit Sorge und er nutzt all seine Möglichkeiten, um das Fortbestehen des Hotels zu sichern und gleichzeitig möglichst vielen Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu helfen.

    So wohnt ein jüdischer Architekt in einem offziell nicht vorhandenen Zimmer und ein Gast wird dabei unterstützt jüdische Kinder außer Landes zu schaffen. Die Geschichte des Hotels und der Hoteliersfamilie wird entlang historischer Fakten erzählt, was ich sehr interessant fand.

    Zusätzlich wird sie mit viel Fiktion gewürzt, so wird die Geschichte um die aus dem Louvre ausgelagerten Kunstwerke teilweise ins Hotel verlegt und es entspinnt sich ein kleiner Kriminalfall.


    Weitere Hauptfiguren neben dem Hotelier sind Zimmermädchen Coralie und Concierge Jean. Beide sind kunst- und literaturinteressiert und kommen sich schnell näher. Doch auch sie bleiben vom Einmarsch der Deutschen nicht verschont.


    Der Schreibstil gefiel mir sehr, die Seiten flogen nur so dahin und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Figuren waren mir teilweise ein wenig zu schwarz-weiß gezeichnet, da hätte ich mir mehr Grautöne gewünscht. Auch hatte ich nach dem Klappentext noch mehr historische Fakten und weniger Fiktion erhofft. Dennoch habe ich das Buch sehr gern gelesen und viel über Paris im 2. Weltkrieg gelernt.


    Schön finde ich außerdem, dass es ein in sich abgeschlossener Einzelband ist!

  • Paris, Anfang der 1940er Jahre. Es ist die Zeit der Besatzung und der Résistance, Paris ist wie eingefroren. Und mittendrin steht das „Le Bristol“, geführt von Hippolyte Jammet. Eine kleine Insel, die versucht, sich den Besatzern nicht zu beugen. Eine interessante Geschichte mit noch interessanteren Hauptfiguren, die hier erzählt wird.


    Hippolyte Jammet ist nicht nur Hotelier, er ist auch ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, der stets ein offenes Ohr, nicht nur für die Wünsche seiner Gäste, sondern auch für die Nöte seiner Angestellten hat. Einer, der alles zusammenhält, der Verantwortung für die Dinge, die im Hotel Bristol vonstattengehen, übernimmt. Denn alles, was im Le Bristol passiert, bleibt auch im Le Bristol, das ist die goldene Regel, an die sich alle zu halten haben. Ein Hotel der Verschwiegenen, was dem ein oder anderen Gast nicht nur zugutekommt, sondern sogar das Leben rettet.


    Als handelnde Personen stehen in diesem Roman die beiden Hausangestellten Jean und Coralie im Vordergrund. Sie sind jung, ihnen steht das Leben offen. Doch so schön die gemeinsame Zeit und die Verliebtheit sind, sie müssen auch mit den gegenwärtigen Widrigkeiten zurechtkommen und mit den Grausamkeiten, die um sie herum passieren. So müssen Entscheidungen gefällt werden, die das junge Glück auf eine Probe stellen, die sie aber auch noch enger zusammenschweißen. Natürlich dürfen sie auf die Hilfe der übrigen Hotelangestellten und nicht zuletzt der Jammets setzen.


    Mir hat dieser Roman insgesamt gut gefallen. Auf der einen Seite ist da das Lebensgefühl der Franzosen, die sich trotz der Besatzung nicht unterkriegen lassen, genauso könnte sich alles zugetragen haben. Auf der anderen Seite ist jedoch eine ständige Bedrohung spürbar, sowohl im Kleinen als auch im Großen. Die Ängste und auch die Sehnsüchte sind meines Erachtens sehr gut eingefangen und ich habe den handelnden Personen ihre Gefühlslage jederzeit abgenommen. Erlebbare Geschichte sozusagen, die nicht von Fakten überlagert wird, sondern den Menschen näherbringt.


    Vielleicht wurden manche Situationen ein wenig zu schnell gelöst, vielleicht gab es manchmal zu wenig Reibungspunkte. Aber das darf in einem fiktiven Roman so sein und natürlich ist nicht alles so rosig, wie man es sich wünschen würde. Ein lesenswertes Stück Zeitgeschichte. 9 Eulenpunkte von mir.