Mr. Saitos reisendes Kino - Annette Bjergfeldt

  • Mr. Saitos reisendes Kino

    Annette Bjergfeldt

    HarperCollins Hardcover

    ISBN: 3365009361

    544 Seiten

    24 Euro HC, 19,99 Kindle


    „Wenn der Wind weht, halte dich an etwas fest! An einem Geländer, einem Rettungsring oder einfach nur an dem Menschen neben dir. Sauge das letzte Licht aus den Birken. Nutze des Tag und mach dich hübsch. Sonst verpasst du das Glück.“


    Schon in der Überschrift wird das Buch als „das wundervollste Buch seit Mariana Leky“ beworben. Wer „Was man von hier aus sehen kann“ der genannten Autorin gelesen hat, wird tatsächlich deren Schreibstil in diesem Buch wiederfinden und genau das macht es für mich zu einem der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Was macht das Buch zu so einem seltenen Juwel?


    Die Geschichte an sich ist erst einmal kein aufsehenerregendes Abenteuer, doch die Art der Schilderung ist einfach unfassbar schön. Die Erzählerin Lita blickt auf ihr Leben zurück, auf ihre Mutter Fabiola, die in einem Schuhkarton vor einem Kloster in Buenos Aires aufgefunden wurde und die ihr Leben dem Tango und allen Schuhen der Welt verschrieben hat. Lita wurde 1927 auf einer Tanzfläche gezeugt, Vater unbekannt, doch Fabiola erinnert sich noch genau an dessen wunderschöne Schuhe…


    Beide landen auf Umwegen auf einer Insel in der Gegend von Neufundland und obwohl Fabiola immer wieder weg will, finden Sie in einem Seemannsheim und bei dessen Bewohnern ihre neue Heimat. Regelmäßig kommt Mr. Saito zu Besuch, lebt einige Zeit in diesem Seemannsheim und führt seine Kinofilme der Inselgemeinschaft vor. Genau das verändert das Leben von Lita für immer entscheidend.


    Klingt ein wenig unspektakulär? Das mag sein, doch hier ist tatsächlich die Erzählstimme das große Highlight. Annette Bjergfeldt erweckt die Inselbewohner mit all ihren liebenswerten Macken zum Leben, schildert deren harten Alltag, setzt sie in eine nahezu verwunschene Landschaft, lässt uns an ihren Freuden, Ängsten und Aberglauben teilnehmen. So dauert es nicht lange, da hat man sie alle ins Herz geschlossen. Dieser Roman ist so wunderschön, dass keine Beschreibung ihm vollkommen gerecht werden kann. Wer also schon Mariana Lekys Roman geliebt hat, der wird sich mit Lita, Fabiola und Mr. Saito wunderbar wohl fühlen.

    Daumen hoch und eine begeisterte Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: 3365009361

  • Verträumt


    Eine ferne Insel abseits der Zivilisation. Eine Frau, die für ihr Leben gern tanzt. Und ein Reisender, der waghalsige Geschichten erzählt. All das wird in „Mr. Saitos reisendes Kino“ thematisiert.

    (Carme) Lita wird als Tochter von Fabiola, einer Frau mit eingeschränkten Gehör, in Argentinien geboren. Doch die Frauen verlassen Argentinien Richtung Neufundland, wo sie auf einer Insel leben. Hier werden sie von einer buntgemischten Gemeinschaft aufgenommen. Neben Tanzabenden in Fabiolas Salon wird die Filmvorführung durch Mr. Saito, den wandernden Schausteller, zum Highlight….

    Das Buch ist angenehm geschrieben. Leicht poetisch mit einer Prise Humor, Gefühlen und detaillierten Beschreibungen kommt die Geschichte daher. Es fällt auf, dass- ähnlich wie in Mr. Saitos Vorführungen- Episoden aneinander gereiht werden. Das verleiht dem reisenden Kino zusätzlich Authentizität. Interessant ist zudem, wie die magischen Elemente immer wieder kehren. So kann Fabiola durch ein Geschenk des Reisenden hören, was vorher nicht so gut geklappt hat. Das finde ich faszinierend.

    Allerdings hat das Buch ein Ungleichgewicht: gerade der Anfang zieht sich, das reisende Kino kommt verhältnismäßig spät und auf Mr. Saito wird aus meiner Sicht zu wenig eingegangen. Insgesamt ein Buch, was zum Nachdenken und Träumen einlädt, aber mehr Potenzial hat. Vier Sterne.

  • Fabiola Cordero de Dios wurde im Jahr 1910 in Buenos Aires geboren. Nur 17 Jahre später wird sie schwanger. Ihre Tochter Carmelita, genannt Lita, wächst ohne ihren Vater auf. Als die beiden die Heimatstadt in Argentinien verlassen müssen, landen sie bei ihrer Flucht mit dem Schiff auf Upper Puffin, einer abgelegenen Insel vor Neufundland. Dort trifft Lita auf ungewöhnliche Menschen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen…


    „Mr. Saitos reisendes Kino“ ist ein Roman von Annette Bjergfeldt.


    Der Roman umfasst sieben Teile, die wiederum aus kurzen Kapiteln bestehen. Erzählt wird - mit mehreren Zeitsprüngen - in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lita. Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte, beginnend im Jahr 1910.


    Der Schreibstil ist anschaulich und atmosphärisch, sodass der Roman viele Bilder vor dem inneren Auge erscheinen lässt. Mit seinen ausschweifenden Passagen und dem langsamen Erzähltempo habe ich mich teilweise allerdings etwas schwergetan.


    Die Figuren, allen voran Protagonistin Lita, sind interessant und werden mit warmherzigen Blick gezeichnet. Auffallend ist jedoch, dass einige Charaktere sehr speziell dargestellt werden.


    Auf der inhaltlichen Ebene ist gleich zu Beginn von einer Liebesgeschichte die Rede. Doch der Roman beinhaltet noch viel mehr. Es geht unter anderem um Themen wie Herkunft, Abstammung und Heimat, aber auch um Träume, Zusammenhalt und Freundschaften. Das macht die Geschichte facettenreich und besonders.


    Auf den mehr als 500 Seiten hält die Handlung einige Überraschungen bereit, die mal mehr, mal weniger realistisch wirken. Die Geschichte ist sehr emotionsbetont und weiß zu berühren, ohne zu sehr ins Kitschige abzudriften.


    Das hübsche Covermotiv mit dem Papageientaucher und der Filmrolle fängt den Inhalt und die Stimmung des Romans gut ein. Der deutsche Titel weicht ein wenig vom dänischen Original („Mr. Saitos Rejsebiograf“) ab, was ich in diesem Fall für unerheblich halte.


    Mein Fazit:

    Meine hohen Erwartungen hat „Mr. Saitos reisendes Kino“ von Annette Bjergfeldt zwar nicht in Gänze erfüllt. Dennoch habe ich den unterhaltsamen Roman gerne gelesen und kann ihn durchaus bedenkenlos weiterempfehlen.


    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Wir begleiten Lita mit ihrer blutjungen Mutter Fabiola durch die Tanzsäle und Schuhgeschäfte von Buenos Aires bis hinauf auf die Insel Upper Puffin vor Kanada. Dort lernt Lita Oona kennen, die gehörlose Tochter des Seemannsheims Bethlehem. Die 2 werden unzertrennlich. Zusammen lernen sie Freundschaft, Liebe, Verlust, Trauer und Freude kennen. Das ganze Spektrum des Lebens.


    Mr. Saito, mit seinem Wanderkino, macht regelmässig halt im Upper Puffin und führt die 2 Mädchen an die Kunst des Filmevorführens und des Filmemachens heran ohne zu ahnen, daß es die Beiden für den Rest ihres Lebens in den Bann ziehen wird.


    Von den 30ern bis nach den 2. Weltkrieg erzählt die Autorin eine Geschichte des Lebens und wie es zum Teil auch mit dem Weltgeschehen zusammenhängt, obwohl die kleine Insel so abgeschieden liegt.

    Mit viel Humor, einer süffigen und wortgewandten Erzählweise schenkt uns Annette Bjergfeldt ein wunderbares Buch das zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregt. Ein Märchen für Erwachsene, das ich sehr empfehlen kann.


    9/10 Punkten.

  • Als Fabiola aus politischen Gründen mit ihrer Tochter Lita fliehen muss, landen sie auf der kanadischen Insel Upper Puffin, die vor Neufundland liegt. Dort werden sie aufgenommen und bleiben für viele Jahre dort. Lita freundet sich mit Oona McGregor an und lernt Mr. Saito kennen, der mit seinem Wanderkino Nachrichten aus aller Welt auf die abgelegene Insel bringt.


    Ich war mir nicht sicher, ob dieser Roman von Annette Bjergfeldt mich ansprechen würde, wurde aber beim Lesen schnell gepackt. Die Geschichte verläuft eher ruhig, ist aber berührend und zauberhaft aus der Perspektive von Lita erzählt.


    Die Charaktere sind skurril, aber liebenswürdig dargestellt. Fabiola liebt Schuhe und Tango. Wo sie ist, ist das Chaos nicht weit. Daher muss sie auch mit Lita fliehen und landet statt in Paris auf der entlegenen Insel. Sie und ihre Tochter kommen in einem Seemannsheim unter. Lita ist ein fantasievolles Mädchen. Sie freundet sich mit der gehörlosen Oona an. Fabiola will eigentlich weiterziehen, doch Lita weiß, was sie anstellen muss, um bleiben zu können und so vergehen die Jahre. Als Mr. Saito auftaucht, verändert sich Litas Leben.


    Ich mochte diesen wundervollen Roman von Anfang an und habe mich auf Upper Puffin sehr wohlgefühlt. Meine Leseempfehlung!


    10/10

  • Mit „Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt“ (Pos. 44) beginnt der Roman, und dieser erste Satz hat mich direkt gepackt und in den Roman gezogen. Dann berichtet die Ich-Erzählerin Carmelita, Lita genannt, allerdings zunächst über ihre Mutter Fabiola, die 1910 neugeboren vor dem Kloster Santa Magdalena ausgesetzt und von den Nonnen groß gezogen wurde. Fabiola ist bald nicht mehr zu halten, sie liebt Schuhe und das Tangotanzen, und wird jung Mutter. 1937 ist Fabiola gezwungen aus Argentinien zu flüchten und landet mit Lita auf der kleinen kanadischen Insel Upper Puffin Island im Seemannsheim der Familie McGregor.


    Lita freundet sich mit Oona, der tauben Tochter der Familie, an, die beiden gehen bald zusammen durch dick und dünn, müssen aber lange fürchten, dass Fabiola die Insel verlassen will. Und dann tritt Mr. Saito mit seinem Wanderkino in Litas Leben.


    Die Autorin malt regelrecht Bilder mit einer wunderbaren, poetischen, manchmal auch sehr humorvollen Sprache, die das Lesen zu einem Fest macht. Dazu liefert sie einzigartige Charaktere, die man, zumindest zum größten Teil, schnell liebgewinnt. Bei mir wurden wieder einmal sehr viele Emotionen geweckt, ich habe gelacht, gekichert, geweint, mich geärgert, gestaunt, gehofft – man findet hier Tragisches und Dramatisches, aber auch Lustiges und Skurriles, Hoffnung, Freude und Trauer, sowie ziemlich viel Humor.


    Das Meer kommt auf Upper Puffin Island in sieben Wellen, „sechs mittlere und die siebte mit einem gewaltigen Tosen“ (Pos. 951), und so wird auch diese Geschichte erzählt, als Liebesgeschichte in sieben Wellen (so das vorangestellte Motto des Romans). Liebesgeschichte sollte man hier nicht zu eng sehen, Liebe gibt es hier auf vielfältige Weise.


    Für mich war dieser Roman mit seiner mal poetischen, mal humorvollen Sprache, und den liebenswerten Charakteren eine wunderschöne und emotionale Lektüre, die ich unbedingt weiterempfehlen kann.

  • Wenn mal wieder Unruhe in der Kajüte herrscht ... 😉

    Fabiola, eine Tango tanzende, Schuh verrückte junge Mutter hat ihre Heimat in Buenos Aires, wo sie – manchmal mehr schlecht als recht - ihre kleine Tochter Carmelita großzieht. Sie hat ein großes Herz, aber irgendwie ist sie mit ihren 17 Jahren selbst noch ein Kind. Umstände, die nicht mehr in ihrer Hand liegen, zwingen sie eines Tages dazu, die Heimat zu verlassen und so begeben sich Fabiola und ihre kleine Lita auf eine Fahrt ins Ungewisse. Das Schicksal spült sie an Land der kleinen Insel Upper Puffin vor der kanadischen Küste, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Außer Fischern und ihren Familien gibt es nicht viel und so finden die beiden Aufnahme in einem Heim für gestrandete Seeleute, wo sie zwar neugierig beäugt, aber dennoch herzlich aufgenommen werden. Die skurrilen Inselbewohner bestimmen von nun an ihr Leben, doch das Highlight eines jeden Jahres ist der Besuch von Mr. Saito, der mit allerlei Neuigkeiten und vor allem neuen Filmen auf Upper Puffin aufschlägt. Die Jahre ziehen ins Land und irgendwann stellen Mutter und Tochter fest, dass sie in Kanada eine neue Heimat gefunden haben und Teil geworden sind von dieser eingeschworenen Gesellschaft …

    Die magische Geschichte rund um Lita, ihre Freundin Oona, ihre Mutter und natürlich Mr. Saito hat mich von Anfang an in den Bann gezogen und regelrecht verzaubert. Schon lange war ich nicht mehr so traurig, ein Buch beendet zu haben, für mich hätte die Geschichte immer weiter gehen können. Lita hat mir mehr als einmal beim Lesen die Augen geöffnet und mich gelehrt, glücklich durchs Leben zu gehen, auch wenn dasselbe mal wieder Zitronen verteilt. Ganz klar gibt es von mir zauberhafte und sehr verdiente fünf funkelnde Sterne verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung an alle Menschen da draußen, die mal wieder ein wenig Märchenhaftes gebrauchen können.