Schreibwettbewerb Dezember 2005 - Kommentare

  • In diesem Thread könnt Ihr in der Zeit vom 25. - 28.12.2005 Eure Kommentare und Meinungen zu den Beiträgen des Schreibwettbewerbs Dezember 2005 schreiben.


    Hier geht es noch einmal zu den Beiträgen des Schreibwettbewerbs: klick



    Die Punkte und Autoren werden dann am 29.12.2005 bekannt gegeben!

  • Experiment IV
    Zu gewollt schräg. Passable Formulierungen, aber insgesamt zu wenig los. Das Wie und Warum bleibt mir zu undefiniert, oder gar unmotiviert?


    Der moralische Zeigefinger
    Einige Formulierungen finde ich im Gesamtzusammenhang der Story aufgesetzt (z. B. hätte ich den gesamten Absatz "Meine Wohnung..." gestrichen). Technisch ok, aber mir fehlt da noch was, um richtig gepackt zu werden. Vielleicht liegt es daran, daß der Erzähler zu ich-bezogen rüberkommt? Den Titel finde ich wenig gelungen, als ob der Verfasser sich nicht getraut hätte zur Moral zu stehen, die am Ende vermittelt werden soll und das vorneweg schon abschwächen möchte.


    Nur der Wille zählt
    Die kurzen abgehackten Sätze, die ich in diesem Fall bestimmt Stilmittel der Story sein wollen, wirken nach den ersten 200 Worten ermüdend, holprig. Ein bisschen mehr Abwechslung im Satzbau hätte da nicht geschadet. Zu früh wird deutlich, daß der Protagonist keinem guten Ausgang entgegenhastet, die "Pointe" ist letztendlich auch zu schwach, um das Ganze rauszureissen. Die Zeitungsmeldung am Ende ist überflüssig, trägt nichts zur Story und damit für den Leser bei. Aus dem Marathon-Stoff hätte man mehr herausholen können.


    Bungge-Jumping
    Nicht einfach einen schlüssigen Mord in 500 Worten unterzubringen. Das ist dem Verfasser auch hier nicht gelungen. Das Szenario wäre zwar spannend, aber der Text verliert sich in vielen unnötigen Adjektiven, Doppelungen, Wiederholungen.
    Dazu kommt dann noch ein Schuß Unglaubwürdigkeit dazu. Was die Protagonistin alles in den wenigen Sekunden, die so ein Fall dauert alles fühlt, schreit und ausruft ist mir arg dick aufgetragen. Der Schlußabsatz ist in dieser Form unnötig und verkompliziert das mit der Glaubwürdigkeit nur zusätzlich.
    Sprachlich eher sehr seicht, gehört da Einiges überarbeitet und entrümpelt, auch die Logik.


    Der Geist in der Maschine
    Witzig! Habe ich höchst amüsiert gelesen und wurde auch vom Ende nicht enttäuscht. Bis auf Kleinigkeiten, sprachlich i. O. und sehr verspielt formuliert. Der Verfasser lässt seinen Spaß am geschriebenen Wort deutlich spüren. Gut! (2 Punkte)


    Rauschmord
    Die "Betrunkenensprache" wirkt zu gekünstelt. Neben so einigen Kommas und Buchstaben, fehlt eine Handlung. Der Text ist eine einzige Szene, viel zu kurz, um irgendetwas rüberzubringen. Ist mir zu ideenlos.


    Mein Prinz
    Konfus, spricht mich nicht an. Der Stil ist mühsam, der gesamte Text sollte nochmal entgratet werden. Der Satzbau ist manchmal etwas zu beladen und viele kleine Fehler summieren sich und stören einfach.

    Die Pilzpfanne
    Wunderbar! Schöner Text. Sprache, Stil, alles ohne erkennbare Schwächen. Pointiert auf den Punkt gebracht und noch dazu das Thema so schön eingefangen. Bitte mehr davon! (3 Punkte)


    Geputzt wird morgen
    Die dritte Mordgeschichte. Besser als die beiden anderen, aber auch hier mit zu vielen sprachlichen Haken und Ösen versehen. Zwar ganz gefällig, aber nicht mehr. Netter Schluß.


    Du stehst im Wald
    Hm.Hmm. ...ja, ganz nett, aber mir zu wenig. Eine Zustandsbeschreibung, ok. Handlung: Fehlanzeige.


    Folter einmal anders
    Lässt mich als Leser etwas unbefriedigt zurück. Die Beweggründe bleiben unklar, ebenso die Protagonisten. Sprachlich, bis auf Kleinigkeiten, i. O., aber ziemlich schwafelig vom Stil her.


    Schall und Rausch
    Da bleibt mir ein Bezug zum Themenwort völlig verborgen, was den Text zwar nicht schlechter macht, das Ganze aber noch undurchsichtiger werden lässt. Sprachgewandt sicherlich, aber lässt bei mir außer einem "ja, ganz nett" nicht viel mehr aufkommen. Wirkt zu polemisch, manchmal bemüht sarkastisch.


    Es ist nie zu spät
    Respekt, neun (9!!) Adjektive allein im allerersten Satz. Eine weitere dieser Geschichten "Arme Ehefrau wehrt sich gegen dummen Mann". Stereotyp, letztendlich keinerlei neuen Aspekte aus dem ausgelutschten, schon zigmal in Kurzgeschichten aufgewärmten Plot herausgeholt. Langweilig.


    Dreivierteltakt
    Zwar nicht wirklich mitreissend, aber ordentlich erzählt. Die Pointe verpufft allerdings zu früh. Gehört mMn nochmal überarbeitet und im Satzbau gestrafft.


    Wat haste jemacht
    Schöner Nachruf. Könnte auch so aus dem Kulturteil einer Zeitung entnommen sein. Gefällig, locker runterzulesen und ohne technische Schwächen. (1 Punkt)



    Gruss,


    Doc

  • Dann leg ich mal los:


    Experiment IV:
    Insgesamt ganz amüsant, mir gefällt, dass das alles auf so ne Art Endlosschleife rauslaufen soll, wenn ich das richtig verstanden habe.


    Der moralische Zeigefinger:
    Das Thema ist einfach nur ausgelutscht, Umsetzung immerhin passabel.


    Nur der Wille zählt:
    Mmh?Dazu kann ich leider nichts sagen, die Geschichte sagt mir ja auch nichts.


    Bungee- Jumping:
    Zitat: Was die Protagonistin alles in den wenigen Sekunden, die so ein Fall dauert alles fühlt, schreit und ausruft ist mir arg dick aufgetragen.
    Besser hätt ichs nicht beschreiben können.


    Der Geist in der Maschine:
    Originell, stimmig, schöne Geschichte.


    Rauschmord:
    Hätte Potenzial, ist aber leider viel zu kurz, um Atmosphäre zu vermitteln.


    Mein Prinz:
    Wieder eine Geschichte, die ich nicht kapiert habe...


    Die Pilzpfanne:
    Sensationell!


    Geputzt wird morgen:
    Klischee an Klischee. Sorry, hat mich überhaupt nicht angesprochen...


    Du stehst im Wald:
    Tu ich auch oft, sehr treffend beschrieben.


    Folter einmal anders:
    Schön! Da hat sich aber mal jemand was einfallen lassen. Darf ich das bei Bedarf anwenden? ;-)


    Schall und Rauch:
    Der Titel spricht für sich.


    Es ist nie zu spät:
    Vor allem nicht dafür, überflüssige Adjektive auszumerzen...


    Dreivierteltakt:
    Mit einigen Überarbeitungen könnte da noch was draus werden.


    Wat haste jemacht:
    Hat mir gut gefallen.


    @Doc: Hab erst jetzt gesehen, dass Du "ausgelutscht" benutzt hast, mir fällt aber jetzt auch nichts Treffenderes ein, deshalb lass ich das so stehen.


    Lg Sarah

  • Experiment IV
    Schnell veröffentlicht, schien mir, als wäre da bei Themenstellung sofort die Idee des Experimentes da gewesen, originelle Einfälle, schöne Bilder, herrlich abgedreht...wenn ich nur wüsste, welches i-Tüpfelchen da fehlte, das mich hätte einen Punkt verteilen lassen...


    Der moralische Zeigefinger
    Eben der machte den schönen Ansatz mit den zwei Gesichtshälften leider kaputt. Manchmal ist der letzte Satz einer Story der Höhepunkt... in diesem Fall ist er für mich das Gegenteil.


    Nur der Wille zählt...?
    Ähnliche Schlussfolgerung wie zuvor, nur dass statt „Satz“ jetzt „Abschnitt“ einzusetzen ist.


    Bungee Jumping
    Eine wunderbare Vorstellung - Regisseur ruft zur Schauspielerin: „Das war jetzt schon der zehnte Versuch, den du verpatzt. Es kann doch nicht so schwer sein, während des Sprungs den kurzen Satz zu rufen: Deshalb wolltest du also unbedingt nach mir springen! Starre endlich deinen Mann etwas erschrockener an ! Und beim Aufprall will ich eine Mischung aus Wut, Enttäuschung und Verwirrung in deinem Gesicht sehen ! Also ab nach oben. Last jump – Klappe, die elfte!“


    Der Geist in der Maschine
    Wunderbar schräg, tolle Idee, sprachlich eindrucksvoll umgesetzt. Hätte in jedem der letzten Monate von mir drei Punkte bekommen. Diesmal ging’s nicht.


    Rauschmord
    Wirkt auf mich wie der Versuch, den Eulen „mal was anderes“ zu präsentieren mit der Frage: Mal sehen, ob es für so etwas Punkte gibt ? Von mir nicht.


    Mein Prinz
    Auch auf die Gefahr hin, völlig daneben zu liegen und Stürme der Empörung zu verursachen: Versucht hier eine noch recht junge Autorin, ihre ganze (allerdings recht überschaubare) Schreib- und Lebenserfahrung in einer quasisatirisch angelegten Kurzgeschichte einzubringen? (Und schon ziehe ich mich aufgrund dieses unweihnachtlich unverschämten Kommentars in eine sichere Ecke zurück)


    Die Pilzpfanne
    Gelesen, gestaunt, resigniert... (Wer nach diesem Beitrag noch einen eigenen veröffentlicht hat, war entweder verrückt oder mit dem zweiten Platz als Maximum zufrieden). Da stimmt einfach alles.


    Geputzt wird morgen
    Eher klassische Geschichte, ziemlich vorhersehbar, löste nicht so viel bei mir aus, zumal der durchaus originelle Schlusssatz im Titel schon vorweggenommen wurde.


    Du stehst im Wald
    Hat was. Wenn auch optisch ein bisschen viel Leerzeilen dazwischen. Aber zu wenig, um Punkte zu bekommen.


    Folter einmal anders
    Zitat: "Meine Phantasie geht mit mir durch". Echt? Ist doch eigentlich ganz harmlos... Scheint fast aus einer realen Begebenheit entstanden zu sein. Nett zu lesen, ohne dass es mich vom Stuhl reißt.


    Schall und Rausch
    Hm....was wollte uns der Autor damit nur sagen? Ist er ein Verfolgter? Ein Provokateur ? Ein verkannter Sprachkünstler? Oder einfach nur – ein Mann???? Jedenfalls kein Punktesammler...


    Es ist nie zu spät
    Doc, du solltest nicht so ungerecht urteilen, sondern sauber zwischen Adjektiven und Adverbien unterscheiden ;-) Außerdem scheint mir gerade zu Beginn Absicht vorhanden zu sein, um den atmosphärischen Kontrast zum folgenden Abschnitt zu verdeutlichen. Im Gegensatz zu anderen Geschichten ist der Schluss in diesem Fall besser, als der Text zuvor vermuten lässt.


    Dreivierteltakt
    Hat mir einfach gefallen, schön zu lesen, auch der ausgedehnte Schluss stimmig.


    Wat haste jemacht
    Spät veröffentlicht, schien mir, als wäre entweder ein Jahresrückblick in Presse oder Fernsehen oder aber eine weihnachtlich sentimental angehauchte „Wir-haben-uns-alle-lieb“ – Stimmung der Auslöser zur last-minute-story gewesen. Punkte waren nicht drin.



    Zusammenfassung:
    Zweiklassengesellschaft: Einige gute, mehrere schwache Texte, kein Mittelfeld. In jedem Fall war es spannend, die „Rauschvielfalt“ zu erleben. Schade, dass sich die Wertungen quantitativ so in Grenzen hielten. Von einigen Eulen, die sonst regelmäßig dabei waren, fehlen mir einfach die Bwertungen....auch, um den eigenen Text einordnen zu können....

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

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  • Experiment IV
    Die teilweise abgehackten Sätze ließen mich gut die Situation nachempfinden. Der Stil ist für diese Art von „Erlebnisbericht“ gut gewählt. Die Beschreibung der Einstichstelle und deren Entwicklung fand ich richtig eklig, aber passend. Der Schluss ist sehr gut gelungen und der Cut für die Endlosschleife kam an der richtigen Stelle.


    Der moralische Zeigefinger
    Ich frage mich, ob das anfängliche „Ich bin eine Schönheit“ selbst eingeredet ist, um nicht verrückt zu werden oder einfach nur übersteigertes Selbstbewußtsein.
    Die „Moral“ hat mich nicht von der Geschichte überzeugt. Was war berauschend? Der Rausch, den sie hatte, bevor sie ins Auto stieg oder der Rausch der Gefühle, der jedes Mal über sie hereinbricht, wenn sie in den Spiegel sieht?


    Nur der Wille zählt...?
    Einen halben Tag Training und dann einen Stadtmarathon mitlaufen? Unwahrscheinlich, dass derjenige so lange durchhält. Das "Auspowern" wurde nicht gut genug wiedergegeben.


    Bungee Jumping
    Ich bezweifle stark, dass Sina ihren Mann oben an der Klippe grinsen sieht und erkennen kann, dass er das Seil losmacht – mal davon abgesehen ist es sicher nicht ganz so leicht, ein Seil zu lösen, wenn ein nicht unerhebliches Gewicht daran zerrt. Ich glaube auch nicht, dass sie noch die Zeit hat, etwas zu rufen, geschweige denn, dass er es hört. Der Fall dauert nur Sekunden – in der Geschichte bekommt man den Eindruck, dass sie Minuten Zeit hätte, bevor sie auf dem Boden aufkommt. Fallschirmspringen wäre vielleicht ein besserer Ansatz gewesen.
    Sie spürt Wut, Enttäuschung und Verwirrung als sie auf dem Boden aufschlägt? „Ein Mann überprüft noch einmal die Ausrüstung und lässt sie dann allein“ - und derjenige verschwindet einfach so?
    Der Schluss ist leider nicht gelungen und erklärt nicht unbedingt überzeugend, warum Sina sterben musste.


    Der Geist in der Maschine
    „... dass es einen zweifelsfreien Indikator für die beiden Negativzustände „dreckig“ und „unordentlich“ gibt – den Gesichtsausdruck einer Frau...“ Bei diesem Satz habe ich herzhaft lachen können.
    An dieser Geschichte gibt es nicht viel zu motzen. Sie ist gut geschrieben, nur der plötzliche Schnitt und die unterschiedlichen Einheitenbezeichnungen stifteten etwas Verwirrung.


    Rauschmord
    Ein kurzes nichtssagendes Ding, das schwer zu lesen ist und m.M.n. keine Handlung hat. Die Mischung aus Berliner Dialekt (?) und Rauschgelabere war sehr anstrengend zu lesen.


    Mein Prinz
    „... denn ich habe heute Nachmittag noch 2 Sachen zu erledigen...“ Welche 2 Sachen? Wenn das für die Geschichte nicht wichtig ist, hätte man es auch weglassen können. „... steht er mit seiner Kiste...“ Auto, Motorrad, Bierkasten, Umzugskiste? Wird erst durch den Helm deutlich.
    Warum grinst sie am Schluss? Sie träumt doch nicht mehr, sondern ist wach und sieht die ungeliebte Schwester. Ich denke nicht, dass man noch grinst, wenn man verzweifelt versucht, den Traum festzuhalten und wild um sich schlägt.


    Die Pilzpfanne
    „... die Sonne rutschte vom Himmel...“ sehr schönes Bild. Die Geschichte ist interessant, die Situation und das Erleben sehr schön beschrieben. Nur mit dem Titel kann ich mich noch nicht richtig anfreunden.


    Geputzt wird morgen
    Die Idee der misshandelten Ehefrau... hat mich nicht angesprochen, obwohl man es dem Mann schon gegönnt hat, dass er sich das Genick bricht.


    Du stehst im Wald
    Die riesigen Absätze dazwischen waren beim Lesen störend.
    Die Geschichte hat mich leider nicht gepackt.


    Folter einmal anders
    Der Punkt kommt HINTER eine sich schließende Klammer!
    Wie und was das mit der Kündigung auf sich hat, ist nicht zu erkennen. Es scheint, als ob nur ein Vorwand für den „Traum“ gefunden werden musste.
    „Meine Phantasie geht mit mir durch:“ schlechte Überleitung.
    Einziger Bezug zum Thema: Das rauschende Blut in den Ohren.


    Schall und Rausch
    ?


    Es ist nie zu spät
    „...mit dem sie den Rausch der Leidenschaft noch einmal erleben würde...“ ...und gerade noch die Kurve zum Thema irgendwie bekommen.


    Dreivierteltakt
    Man hätte aus der Geschichte mehr machen können, denn die Idee ist eigentlich ganz goldig. Schade, sie hat mich leider nicht angesprochen.


    Wat haste jemacht
    Diese Geschichte ging völlig an mir vorbei.


    Momo

    Momo


    Alles Wissen und alle Vermehrung unseres Wissens endet nicht mit einem Schlusspunkt, sondern mit einem Fragezeichen.
    -Hermann Hesse-

  • So, nachdem der Umzugsstress nun vorbei und fast alles an seinem neuen Platz ist, habe ich wieder Zeit gefunden, um die Geschichten aus meiner Sicht heraus zu kommentieren. Es sei an dieser Stelle nochmal gesagt, dass das folgende ausschließlich meine persönliche Meinung ist und ich niemanden auf den Schlips - so er denn einen trägt - treten will.

    Experiment IV
    Mein Favorit - und deshalb auch meine Nr. 1. Ich fand die Geschichte eindrucksvoll geschrieben, kurze einprägsame Sätze, die Endlosschleifen-Lösung am Schluss kam excellent rüber. Mich würde nur noch interessieren, worum es in dem Experiment geht: Um ein neues Medikament? :gruebel

    Der moralische Zeigefinger
    Der Grundgedanke war nicht der Schlechteste: Alkohol am Steuer tötet bzw. in diesem Fall verunstaltet. Ich hätte es aber besser gefunden, wenn die Geschichte mit dem Unfall und dem anschließenden Erwachen im Krankenhaus, der Erkenntnis der Verunstaltung, begonnen hätte. Man hätte das Entsetzen drastischer rüberbringen können. So Rückerinnerungen wirken meistens fade.

    Nur der Wille zählt
    Hier kann man deutlich sehen, was passiert, wenn man sich und seine Fähigkeiten überschätzt. Was ich etwas unrealistisch finde, ist, dass die Frau, die zuerst warnt, dann an der Strecke steht und ihm zujubelt und ihn anfeuert.

    Bungee Jumping
    Ich glaube kaum, dass sich ein Bungee Seil so leicht lösen lassen würde. Und der Mann, der den Sprung anbietet, würde bestimmt auch nichtvor oder während des Sprunges weggehen. Er ist schließlich verantwortlich für das Leben des Springers und würde bei einem Unglücksfall auch zur Verantwortung gezogen. Wie erklärt er wohl, dass sich das Seil einfach so gelöst hat? Die gute Sina würde wohl kaum noch was rufen, wenn ihr klar wird, was passiert. Angst paralisiert einen in so einem Fall - könnte ich mir zumindest vorstellen. Und beim Aufprall ist man in der gleichen Sekunde tot, da denkt man nichts mehr.

    Der Geist in der Maschine
    Hat mir gut gefallen, wäre meine Nr. 4 gewesen. Die Idee eines Haushaltroboters ist nicht neu, aber was daraus werden kann, nein, ich denke, ich putze meine Bude weiterhin selber. :lache

    Rauschmord
    Ich frage mich die ganze Zeit: Wo hat der Kerl die Waffe her? Ich gehe davon aus, dass es sich hier um Obdachlose handelt und die haben normalerweise doch keine Schusswaffen in der Jackentasche stecken. Oder etwa doch?

    Mein Prinz
    Mh, die gute Frau rast wie verrückt durch die Straßen und ihre Frisur sitzt nicht perfekt. Ein schlechtes Vorbild - wo ist der Helm? Mich würde außerdem noch interessieren, warum die Frau das Morphium bekommt?

    Die Pilzpfanne
    Meine Nr. 3. Die Halluzinationen wurden sehr gut beschrieben, allerdings frage ich mich die ganze Zeit, warum die beiden Frauen eine Pilzvergiftung haben? Wenn ich das richtig gelesen habe, dann wurden Champinons verspeist und die stammen heutzutage aus Zuchtbetrieben. Oder waren die Pilze vielleicht schlecht? :gruebel

    Geputzt wird morgen
    Eine nachvollziehbare Handlung, denn ein saufender und schlagender Partner kann einen zu Grunde richten. Allerdings frage ich mich, warum ihn die Frau nicht verlassen hat, wäre besser gewesen, als ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Und was hätte sie gemacht, wenn der Mann beim Sturz nicht gestorben wäre?

    Du stehst im Wald
    Ist nicht mein Ding, mehr kann ich dazu nicht sagen.

    Folter einmal anders
    Fand ich ganz witzig. Sollte man viel öfter bei den Männern der Schöpfung anwenden. Welche Art von Folter? Kein weiterer Kommentar. :lache

    Schall und Rauch
    Ein ernstes Thema - aber viel zu kompliziert rübergebracht. Schade.

    Es ist nie zu spät
    Meine Nr. 2. Mir gefiel diese Geschichte ganz gut, besonders die Aussage, die dahintersteckt: Es ist nie zu spät etwas in seinem Leben zu ändern. Ansonsten fand ich es auch gut erzählt, hat mir Spaß gemacht, es zu lesen.

    Dreivierteltakt
    Hier wurde ich nicht ganz schlau: Ist das nun eine Putzfrau, die Zeit ihres Lebens von einer Bühnenkarriere geträumt hat oder eine Ex-Ballerina, die nicht mehr tanzen kann und sich deshalb ihren Lebensunterhalt mit putzen verdienen muss? :gruebel

    Wat haste jemacht
    Das ist nun überhaupt nicht mein Ding, weil hier meiner Meinung nach der übermäßige Alkohol-Konsum eines Mannes verniedlicht wird. Denn zum Schluss findet nicht mal Gott das schlimm. Ne, das macht mich irgendwie richtig wütend!

    churchill : Was bin ich froh, dass du beim Lesen von "Folter einmal anders" nicht vom Stuhl gefallen bist. Nachher hätten dich die Eulen noch gesund pflegen müssen. 8)

    Momo : Das mit den Punkten und den Klammern irritiert mich etwas. So wie du es schreibst, war es in der alten Rechtschreibung, aber ich habe es auch so in der Schule gelernt, nämlich, dass die Punkte nun vor die Klammern gehören. Ich finde, es sieht abartig aus, aber... Vielleicht können da die anderen Eulen helfen und mir sagen, was nun stimmt. Bin wirklich total verunsichert jetzt. :help

    LG, Inge :wave

  • Zitat

    Original von Sinela
    Momo : Das mit den Punkten und den Klammern irritiert mich etwas. So wie du es schreibst, war es in der alten Rechtschreibung, aber ich habe es auch so in der Schule gelernt, nämlich, dass die Punkte nun vor die Klammern gehören. Ich finde, es sieht abartig aus, aber... Vielleicht können da die anderen Eulen helfen und mir sagen, was nun stimmt. Bin wirklich total verunsichert jetzt.
    LG, Inge :wave


    Sinela : An der Punktsetzung nach der Klammer hat sich mit der NDR nichts geändert.
    Ich zitiere aus dem Duden: Andere Satzzeichen (also auch der Punkt) stehen nach der schließenden Klammer, wenn sie auch ohne den eingeklammerten Satz stehen müssten.
    Und weiter:
    Der Schlußpunkt steht nur dann vor der schließenden Klammer, wenn ein ganzer Satz eingeklammert ist, der nicht an den vorhergehenden Satz angeschlossen ist.
    Das war aber in der Geschichte nicht der Fall. Die eingeklammerten Sätze oder Anmerkungen können nicht für sich alleine stehen und gehören zu dem vorherigen Satz.
    :wave


    Momo

    Momo


    Alles Wissen und alle Vermehrung unseres Wissens endet nicht mit einem Schlusspunkt, sondern mit einem Fragezeichen.
    -Hermann Hesse-

  • Momo : Danke für die detaillierte Aufklärung. Komisch, dass das in der Weiterbildung falsch rübergebracht wurde. Allerdings sah ich das mit den Klammern und dem Punkt auch schon in Büchern und Zeitschriften so wie in der hier abgedruckten Geschichte. Aber bei dem Mist blickt ja eh kaum noch einer durch. Ich bin froh, dass das mit dem Punkt und den Klammern so bleibt wie es ist, denn ich finde es so viel ansprechender (ja, auch das Auge liest mit - was den sonst? :grin).

    LG, Inge :wave

  • Und wieder einmal stellt sich heraus, dass ich mich über die Art mancher Kommentare mehr aufrege als über schwache Geschichten...:rolleyes

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Mein lieber Churchill: Nicht aufregen, nur wundern. Und "leben und leben lassen". Mit deinem etwas überheblichen Beitrag wirst du so manchen Laien abschrecken, auch etwas zu den Geschichten zu schreiben und das finde ich schade. Bei manchen Sachen ist es besser, man denkt sie nur.


    LG, Inge :wave

  • Hallo Sinela, wo bin ich überheblich?


    Ich hätte vielleicht meine Bemerkung konkretisieren sollen:
    Für mich ist es immer ein Problem, wenn unangenehme, unbequeme oder ungewöhnliche Themen in den Geschichten dazu führen, dass die Geschichte an sich abgelehnt wird, ohne dass dabei auf die Qualität des Textes eingegangen wird.


    In meinen Kommentaren war ich sicherlich manchmal etwas überspitzt, habe aber versucht, eben dies auch zu kennzeichnen.


    Laie bin ich selbst. Wodurch schrecke ich andere ab?


    :wave

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

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  • Also - ich lass mich nicht abschrecken und leg als absoluter Neuling mal mit meinen ersten Kommentaren los:


    Experiment IV
    „10.00 Uhr, Mir ist langweilig, es tut sich nichts.“ – möchte ich direkt auf die Geschichte beziehen. Ich kann mit dem Experiment nicht besonders viel anfangen, die durchaus gewollten Sprünge der Ereignisse innerhalb der Zeiten sind mir etwas zu heftig und bringen einfach zu viel Unruhe in die ganze Sache.


    Der moralische Zeigefinger
    Leider ein schon viel zu oft durchgekautes Thema. Die Geschichte war vom ersten Zeitpunkt an durchschaubar und konnte mich auch mit nichts überzeugen.


    Nur der Wille zählt…?
    Hier wurden die Momente des Laufes und die Empfindungen des Läufers sehr gut transportiert. Bis zur Meldung macht das Lesen Spaß. Der Schluss letztendlich ist nicht besonders gut gelungen und reißt die Sache richtig ab. Schade drum.


    Bungee Jumping
    Mit dieser Geschichte konnte ich gar nichts anfangen. Unfälle beim Bungee Jumping mögen passieren, aber einen Mord würde ich ausschließen. Das Erlebnis des Todes in dieser Art ist äußerst unrealistisch. Selbst wenn es möglich sein sollte, noch etwas zu rufen, dann ist das wohl am wenigsten mit „erschrocken“ zu beschreiben.


    Der Geist in der Maschine
    Eine sehr peppige Geschichte, die mich schon mit dem ersten Absatz in den Bann zog. Die Geschichte baut sich sehr schnell auf und endet sehr pointiert in einer aberwitzigen Katastrophe– ein kreativer Lacherfolg.


    Rauschmord
    Hätte Jonne nicht geschossen, könnten wir sagen „ja genau - tausendmal erlebt“. Er hat es aber und lies mich mit einem Kopfschütteln zurück.


    Mein Prinz
    Ein Mädchen riskiert wohl unbewusst alles um dem Auserwählten, Umworbenen aufzufallen und lächelt selig noch im Krankenbett. Ganz nette Idee, die Umsetzung hat mich nicht besonders angesprochen. So braucht man nicht unbedingt eine angewiderte Krankenschwester (gibt es die denn überhaupt?) um die anhaltende Seligkeit zu beschreiben.


    Die Pilzpfanne
    Sehr verrückt und vielleicht gerade deshalb ausgesprochen gut. Die Fröhlichkeit und Leichtigkeit sowohl im Stil als auch in der Szene selbst hat mich sofort eingenommen.


    Geputzt wird morgen
    Eine Geschichte – mehr leider nicht. Frage: Warum müssen so viele Geschichte immer mit Mord und Todschlag enden?


    Du stehst im Wald
    Eine schöne Momentaufnahme, die wohl sehr gekonnt das beschreibt, was man erleben kann/möchte/wird oder auch eben genau deshalb nicht. Gefällt mir.


    Du stehst im Wald
    Es gibt viele Möglichkeiten jemandem etwas heimzuzahlen, auch diese. Nette Idee, man lernt nie aus


    Schall und Rausch
    Erkenntnis, Selbsterkenntnis, Selbstgeiselung – was auch immer. Beim Lesen dieser Abhandlung fühle ich mich nicht nur erschlagen, sondern habe auch das Gefühl, sie erschlägt sich selbst.


    Es ist nie zu spät
    Ja es stimmt, es ist nie zu spät. Das ist die Botschaft und dabei sollte die Geschichte auch bleiben.


    Dreivierteltakt
    Diesen Text zählt zu meinen Favoriten. Ich finde sie sehr gut komponiert. Schon am Anfang ahnt man einen möglichen Schluss, er zieht sich aber wieder zurück, lässt warten, macht erneut neugierig, fordert auf und ergibt sich ähnlich, wie zuerst erdacht aber doch nicht ganz.


    Wat haste jemacht
    Hier bin ich völlig planlos. Diese Geschichte hat mich leider so wenig angesprochen, dass ich sie gar nicht beendet habe.

  • Eigentlich wurde das meiste schon fabelhaft gesagt, deshalb habe ich leider nur noch Minikommentare, und Dank Feiertage und Congress sind sie auch nicht so konzentriert wie sie sein müssten :-(.


    Experiment IV
    Köstlich. Lapidar geschrieben, sehr konsequent in der Absurdität gesteigert. Mir gefällt vor allem, dass die Art des Experiments nicht aufgelöst wird. Ein toller Einstieg in den Wettbewerb, 3 Punkte.


    Der moralische Zeigefinger
    ... ist eher eine moralische Keule, die am Ende zuschlägt.


    Nur der Wille zählt... ?
    Wurde das Wichtigste schon mehrfach genannt.


    Bungee Jumping
    Dito.


    Der Geist in der Maschine
    Eigentlich ein höherer Punktekandidat, aber das Thema – ich kann schon, abgesehen von R.A.U.S.C.H., einen Bezug konstruieren, aber der ist nicht zwingend. Ansonsten: sehr gut geschrieben, die Idee ist witzig, vor allem die Auflösung überzeugt. 1 Punkt


    Rauschmord
    Naja, und hier überzeugt mich die Auflösung gar nicht. Auch die „Funktion“ von Kess wird mir nicht deutlich, die dritte Figur macht die Szene nur unübersichtlicher.


    Mein Prinz
    Hab ich etwas überlesen *rötl*. Machte auf mich keinen besonderen Eindruck, weder negativ noch positiv.


    Die Pilzpfanne
    Der letzte Satz gefällt mir.


    Geputzt wird morgen
    Für meinen persönlichen Geschmack ist das „Ekel“ zu überzeichnet – es muss dann unbedingt ein Moment der Indifferenz hinein, damit die Geschichte nicht im Klischee bleibt. Sie ließ sich aber flüssig lesen, das „putzen würde sie morgen“ gefiel mir.


    Du stehst im Wald
    Mir gefallen grundsätzlich „Geschichten“, die keine sind. Als Augenblick ist sie mir aber noch nicht „scharf“ genug gezeichnet. Das Bier am Ende passt nicht zum Joint, und es wird zuviel erklärt („Du bist glücklich und zufrieden.“).


    Folter einmal anders
    Die Idee der lustvollen Folter gefällt mir, den Wechsel in die „echte“ Folter kann ich mir allerdings nicht vorstellen – da dürften längst andere Gedanken/Gefühle vorherrschend sein : )


    Schall und Rausch
    Sarkasmus pur, wird aber die „Zielgruppe“ kaum erreichen. Gern gelesen. Thematisch etwas außerhalb.


    Dreivierteltakt
    Schön. Hier hätte ich auch gern einen Punkt gegeben. Letztlich ist die Geschichte für mich ein wenig zu umständlich erzählt.


    Es ist nie zu spät
    Der Perspektivwechsel am Schluss bleibt ohne Funktion, das heißt er vermag es nicht, das Klischee aufzubrechen.


    Wat haste jemacht
    Sehr schöner Rückblick auf ein „rauschhaftes Leben“. Wirkt am Anfang eher wie ein Essay, am Ende wird es dann mit einem Augenzwinkern doch noch eine Geschichte. Was mir besonders gefallen hat ist die „gegenläufige Moral“, über die sich ja auch schon mokiert wurde. Alkoholverherrlichende 2 Punkte von mir.

  • Zitat

    Original von churchill
    Für mich ist es immer ein Problem, wenn unangenehme, unbequeme oder ungewöhnliche Themen in den Geschichten dazu führen, dass die Geschichte an sich abgelehnt wird, ohne dass dabei auf die Qualität des Textes eingegangen wird.


    Kann ich gut verstehen. Allerdings gibt es dafür nicht wirklich eine Lösung, höchstens ein paar wenige Möglichkeiten: Schreib' nicht unbedingt das, was Dir gefällt, sondern zielgruppenorientiert (mein Selbstversuch mit der Geschichte "Die Schokoladenmacherin" hat mir gezeigt, daß das hier zum Erfolg führen kann ;-) ) ODER schreib' nach Lust und Laune und akzeptiere, daß selbst sehr gute Texte hier eben nicht unbedingt immer gut ankommen (siehe so manche Geschichte z. B. von Tom).


    Ansonsten habe ich Dir ja bereits per PN noch eine andere Option ans Herz gelegt. ;-)


    Gruss,


    Doc

  • Wat haste jemacht – Meine Nummer eins. Schon das Zitat, das am Anfang steht, ist faszinierend, und es ist in der Tat wie für Harald Juhnke geschrieben. Ein sehr schöner Nachruf, den die jüngeren Leser möglicherweise nicht einordnen konnten.


    Der Geist in der Maschine – Phantasievoll, witzig, pointiert. 2 Punkte.


    Die Pilzpfanne – Ein glaubwürdiger Dialog, herrlich abgedreht, perfekt geschrieben. 1 Punkt.


    Experiment IV – Hm. Trotz einiger stilistischer Unsicherheiten („elendiglich“, „…ringe mir ein verkniffenes Lächeln ab“) recht gut geschrieben. Reißt mich aber nicht mit.


    Der moralische Zeigefinger – Wer ein zur Hälfte entstelltes Gesicht hat, schaut nicht mehr bewundernd in den Spiegel. Die dünne Narbe aus der Kindheit führt den Leser in die Irre: Sie scheint eine wichtige Rolle zu spielen, tut sie aber nicht. Der letzte Satz ist ernüchternd. Vermutlich ist es der „moralische Zeigefinger“, der diese Geschichte stört.


    Nur der Wille zählt…? – Idee gut, Umsetzung mäßig. Der Plot hätte dramatischer erzählt und sauberer geschrieben werden können.


    Bungee Jumping – Eine lustige Geschichte. Gestutzt habe ich bereits, als die Aufsichtsperson die beiden Bungee-Jumper sich selbst überlässt. Aber es kommt noch besser: Die Springerin rast „mit einer unbeschreiblichen Geschwindigkeit“ auf den Boden zu und hat dabei die Zeit und die Gelassenheit, darüber nachzudenken, dass das Seil nun spannen müsste, kurz vor dem Aufprall das Grinsen ihres Mannes zu erkennen (!) und ihm noch einen längeren, klar artikulierten Satz zuzurufen. Dass sie nach einem solchen Aufprall zunächst Wut, Enttäuschung und Verwirrung verspürt, erscheint mir auch nicht gerade glaubwürdig. Und dann wird ihr Mann auch noch Vorstandsvorsitzender einer GmbH (das geht doch gar nicht!). An dieser Stelle wäre eine rettende Pointe angebracht gewesen. Statt Büromöbel hätte sie Seile vertreiben können – mit dem Slogan „Vertrauen zu Tauen“. Oder so.


    Rauschmord – Zunächst hatte ich auf Penner getippt, aber mit Ausweis und Pistole…? Ich mag ja lieber Geschichten als isolierte Szenen, die den Leser über die Hintergründe im Unklaren lassen.


    Mein Prinz – Bis auf ein paar Stilböcke ganz o.k. Ein schöner Traum im Morphiumnebel.


    Geputzt wird morgen – Jeder ist seines Glückes Schmied. Männer, die saufen und schlagen, und Frauen, die das jahrelang erdulden, schreiben einerseits tragische, andererseits schwer nachvollziehbare Geschichten. Auf jeden Fall gibt es für solche Zwickmühlen andere Lösungen als Mord.


    Du stehst im Wald – Du liest diese Geschichte und fragst dich: Warum ist sie eigentlich in der zweiten Person erzählt? Du wunderst dich über die unübersichtliche Formatierung und du denkst: zu viel Beschreibung, zu wenig Bilder.


    Folter einmal anders – Lieber als bloße Rachegedanken hätte ich eine echte Rachegeschichte gelesen. Was ich nicht verstanden habe: Warum sollte ein Mann einer Frau vormachen, er habe seine Arbeit verloren?


    Schall und Rausch – Ich sehe keinerlei Themenbezug und verstehe die Motivation dieses Beitrags nicht. Ich habe nicht das Gefühl, von „Tausenden von potentiellen Mördern und Kinderschändern umgeben zu sein“, ich weiß aber, dass es Kindesmissbrauch gibt. Und die Täter sind nun mal meistens männlich.


    Es ist nie zu spät – Siehe mein Kommentar zu „Geputzt wird morgen“.


    Dreivierteltakt – Hübsche Geschichte, allerdings mit einer Pointe, die der Leser früh erahnt.

    Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.

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  • Bin leider wegen dem Feiertagsstreß nicht mehr dazu gekommen, alle Beiträge zu lesen, geschweige denn meine Punkte abzugeben, was aber glaube ich am Endresultat doch nichts mehr geändert hätte.


    Schön zu sehen, wie vielseitig das Thema „Rausch“ interpretiert wurde.
    Irgendjemand hat hier schon gesagt, daß diesmal ein paar ausgezeichnete Geschichten dabei waren, es allerdings kaum ein Mittelfeld gab. Von mir bekommen zwei Beiträge das Prädikat „sehr gut“, und zwei das Prädikat „gut“
    Der Rest ist „befriedigend“ bis „ausreichend“ in allen Schattierungen, von mehr oder weniger, über gerade noch bis hin zu eigentlich kaum noch und überhaupt nicht.


    Experiment IV
    Die Idee ist nett, wenn auch nicht sehr originell.
    Zwar gut und routiniert geschrieben, aber stellenweise einschläfernd (oder war das die Absicht dahinter?). „Zu gewollt schräg“, um mich Doc anzuschliessen.
    Der Autor (m/w) hat Talent, versucht allerdings m.M.n. manchmal zu krampfhaft den Publikumsgeschmack zu treffen.
    (mein Platz 4)


    Der moralische Zeigefinger
    „Ein moralischer Zeigefinger ist meistens von Gewicht. Deswegen sollte man sich mit ihm nie zu weit aus dem Fenster lehnen“, hab ich mal irgendwo gelesen.
    Das aber hat der Autor (m/w) leider sowohl sprachtechnisch als auch inhaltlich getan.
    Die Geschichte überzeugt mich nicht.


    Nur der Wille zählt
    Die Idee an sich ist nicht schlecht, die Umsetzung hapert jedoch etwas. Bis zu dem Satz „Mir wird schwarz vor Augen“ wäre die Geschichte bei mir vielleicht in die Punkteränge gerutscht oder auf jeden Fall knapp dahinter.
    Aber der letzte Abschnitt zerstört den Gesamteindruck irgendwie und hinterläßt einen säuerlichen Geschmack auf der Zunge. Schade!


    Bungee Jumping
    Geplatzter Gummi, einmal anders!
    Ich bin kein Liebhaber von Extremsporten, aber das hatte auf mein Urteil keinen Einfluß. Was die Springerin in den legendären 17 Sekunden ihres Lebens alles denkt, unglaublich!
    Zero Points.


    Der Geist in der Maschine
    Na endlich, es gibt sie noch, die humorvollen geistreichen Erzähler. Chapeau! Der gut aufgebauten von Anfang bis Ende gut komponierten Geschichte hätte ich meine 3 Punkte gegeben. Und einen dicken Bonuspunkt für die besonders originelle Interpretation des Themas.
    Und zur Beruhigung eine Bemerkung an den Autor: Keine Angst, wir Frauen tun nur so, denn eigentlich können wir ohne euch Männer gar nicht leben.


    Rauschmord
    War’s das schon? Kaum ist man drin in der Story ist man auch schon wieder draußen. Schade, da hätte man deutlich mehr draus machen können. Oder hat der Autor (m/w) sich vor dem Schreiben versucht, sich in die richtige Stimmung zu versetzen und bleierne Finger bekommen?
    Warum heißen diese Typen eigentlich immer Mike?


    Mein Prinz
    Irgendwie komme ich in die Geschichte nicht rein. Vielleicht bin ich ganz einfach zu blöd dazu oder ich brauche eine neue Lesebrille.


    Die Pilzpfanne
    Herrlich, herrlich, herrlich. Meine Nummer zwei – schweren Herzens, aber man kann halt nur einem Beitrag 3 Punkte geben.
    Die gute alte Pilzpfanne, so populair in den 70ern, wiederentdeckt Ende der 90er Jahre und vieeelll gesünder als xtc oder acid.
    Mit dem Autor würde ich gerne mal eine Pilzsuppe essen – auf einer Eisscholle in der Antarktis.


    Geputzt wird morgen
    Durchaus gute Ansätze aber im großen und ganzen hat’s halt nicht gereicht für die Punkteränge.
    Gibt es eigentlich wirklich so viele Frauen, die ihren Göga gerne zwei Meter unter dem grünen Gras sehen würden? Wenn man sich die Wettbewerbsgeschichten der letzten Jahre so ansieht, könnte man das durchaus meinen.


    Du stehst im Wald
    Da hat jemand scheinbar von der Pilzpfanne genascht, aber bei weitem nicht mit so viel künstlerischerischem Flair. Hab damit so meine Verdauungsschwierigkeiten.


    Folter einmal anders
    Kein Kommentar!


    Schall und Rausch
    Klingt wie ein Lexikoneintrag aus dem Jahre Annodazumal, als der Storch noch die Kinder brachte.
    Sorry, das geht an mir vorbei.


    Es ist nie zu spät
    Ein Klischee jagt das andere. Ich glaube hier ist es selbst für eine gründliche Uberarbeitung zu spät.


    Dreivierteltakt
    Meine Nummer drei.
    Flüssig und unterhaltsam geschrieben. Ja, die Geschichte gefällt mir. Ich seh die Korowenko bildhaft vor mir.


    Was hast jemacht
    Nett geschrieben aber Punkte hätte es von mir dafür auch nicht gegeben. Und das nicht nur, weil mir dieser Juhnke als Mensch wahnsinnig widerwärtig ist.

  • @ Sinela


    Nach intensiven Nachfragen bei meiner Familie muss ich zähneknirschend konstatieren, dass der Eindruck der Überheblichkeit von Zeit zu Zeit durchaus entstehen kann ;-)

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Liebe Trixi,
    liebe Foris,


    nur mal eine Frage zu Trixis Kommentar:

    Zitat

    "... Leider ein schon viel zu oft durchgekautes Thema..."


    Kann es ein ... schon viel zu oft durchgekautes Thema in der Literatur überhaupt geben?


    Ziehen sich nicht manche Themen von der Bibel bis zur heutigen Zeit durch?


    Hat nicht jede/r seine ureigene Auffassung von "durchgekauten" Themen?


    Sorry, aber WARUM schreiben WIR dann überhaupt noch?


    fragt sich das Sternenkind