Der Junge im gestreiften Pyjama – John Boyne (Ab 12 Jahren)

  • Eine Fabel


    Fischer Schatzinsel, Gebunden Ausgabe, 166 Seiten


    Originaltitel: The boy in the striped pyjamas, 2006
    Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit


    Unter der ISBN 3866103638 erscheint das Buch beim Argon Verlag auch als Hörbuch, gelesen von Ulrich Matthes


    Handlung laut Amazon:
    Berlin 1942: Als Bruno eines Tages nach Hause kommt, werden gerade alle seine Habseligkeiten in Kisten verpackt. Sein Vater wurde befördert und die Familie muss umziehen, an einen weit entfernten Ort, wo es niemanden gibt, mit dem er spielen kann. Ein hoher Zaun trennt ihn von den seltsamen Menschen in gestreiften Anzügen in der Ferne. Aber Bruno beschließt, dass es mehr an diesem verlassenen Ort geben muss, als es den Anschein hat. Er trifft auf einen Jungen, dessen Lebensumstände ganz anders als seine eigenen sind. Die beiden Jungen freunden sich an - und das hat verheerende Folgen.


    Leseprobe des Fischerverlages unter www.fischerverlage.de zu finden.


    Über den Autor (Klappentext):
    John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt, und studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben in Dublin und Norwich. Er hatte schon zahlreiche Kurzgeschichten sowie drei Romane für Erwachsene veröffentlicht, als ihm mit seinem vierten Buch, »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der internationale Durchbruch gelang.
    Der Roman wurde in über 25 Sprachen übersetzt und weltweit zu einem großen Erfolg.
    Eine Verfilmung ist in Vorbereitung.


    Über die Übersetzerin:


    Die Übersetzerin Brigitte Jakobeit lebt in Hamburg und übersetzt seit rund 15 Jahren englischsprachige Literatur für Kinder und Erwachsene.
    Brigitte Jakobeit hat auch Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger und Tnder Bar von J R Moehringer übersetzt.
    Sie übersetzte auch Autobiografien von Miles Davis und Milos Forman.


    Meine Meinung:
    Ein bewegendes Buch, über das nur schwer etwas zu sagen ist, da es so sprachlos macht.
    Stilistisch begeht der Autor einen Tabubruch, den ich sehr begrüße. Er schreibt trotz des Themas zugänglich und gut lesbar. Dadurch wird die bedrückende Atmosphäre nicht geschmälert.
    Das funktioniert nur durch das äußerst geschickte Vorgehen bei der Umsetzung.


    Dieser Roman hat den Ansatz, das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte in Form eines Kinderbuches, geschrieben von einem Iren, zu erzählen.
    Der 9jährige Junge Bruno kommt mit seinen Eltern und seiner Schwester aus Berlin an einen ungemütlichen Ort namens „Aus-wisch“, wie er ihn ausspricht.
    Der Vater nimmt dort eine hohe Position für den „Furor“ ein.
    Bruno fühlt sich hier alles andere als wohl. Erst als er den gleichaltrigen Jungen Schmul von der anderen Seite des Zaunes kennen lernt, findet er einen Freund, auch wenn er ihn merkwürdig findet. Er ist völlig Ahnungslos, warum sich auf der anderen Seite des Zauns so viele Menschen befinden.


    Die Figuren des Romans geben anfangs nicht viel von sich preis. Das gilt für das Dienstmädchen Marie sowohl als auch für den Kellner, der früher Arzt war. Wenn sie es dann zögerlich doch tun, ist es für Bruno eine Überraschung. Das Gehörte lässt sich erst einmal nicht mit seinem Weltbild vereinen. Mit zunehmender Fülle wird sich das ändern.


    Für den deutschen Leser ist es lange schwierig zu glauben, dass der in Berlin als Sohn eines hohen Nazifunktionärs aufgewachsene Bruno nichts von der Situation des Landes weiß und nicht einmal den Führer kennt.
    Da er in Auschwitz sehr isoliert ist, und kaum mit seiner Schwester spricht, kommt da schon etwas Glaubwürdigkeit auf, aber hätte er nicht in Berlin, wo er ja bestimmt zur Schule gegangen ist, einiges über die Juden und die Einstellung des Vaterlandes erfahren müssen?


    Aber, dass der Leser sich solche Fragen stellt, ist sicherlich die Absicht des Autors.



    Das Covermotiv der deutschen Version entspricht erfreulicherweise der Originalausgabe.
    Auf die Verfilmung durch Regiesseur Mark Herman (Little voice) darf man gespannt sein.

  • Das Buch ist erschütternd.
    Die Freundschaft der beiden Jungen, trotz aller Widrigkeiten und Zäune, die so schrecklich endet hat mich getroffen.



    Ein absolut lesenswertes Buch, das auf eine ganz besondere Art mit der Thematik der Vernichtungspolitik der Juden beschäftigt.


    erschütterte Grüße von Elbereth :wave

    “In my opinion, we don't devote nearly enough scientific research to finding a cure for jerks.”

    ― Bill Watterson

  • Gestern wurde mir dieses Buch von der Bücherute im hiesigen Buchladen empfohlen. Ich stolperte etwas über ihre Empfehlung, weil ich noch nie ein Buch in den Händen hatte, was so gar keinen Klappentext vorwies.


    "Die Geschichte von "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch- so glauben wir- ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht.


    Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungens namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun.


    Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.



    Dies steht im inneren des Buchumschlages, man ahnt worum es gehen könnte, und genau dies hat mich neugierig gemacht es zu lesen (ich gebe zu, daß die Bücherute mir ein wenig mehr zum Inhalt erzählte).


    Gestern Abend begann ich, und war sofort gefangen von der naiven, und doch so neugierigen, liebevollen (wenn man das in diesem Buch als liebevoll bezeichnen kann bei diesem sehr traurigen Thema) Erzählweise des kleinen Bruno.


    Gerade eben hab ich es beendet, und ich hab jetzt noch eine Gänsehaut, und muß das Gelesene erstmal verdauen.


    So oft hätte ich Bruno- nochmehr aber den kleinen Schmuel- einfach umarmen mögen. Bruno für sein immer positives Denken, wenn er Dinge ahnt- Schmuel für sein Wissen und seine trotzdem daraus wachsende ohnmächtige Stärke.


    Auch ich habe überlegt, warum Bruno der ja bei Buchbeginn 9 Jahre alt war so gar nichts über das Hitlerregime wußte. Ich kann es mir nur damit erklären, daß sein Vater ein sehr hoher Kommandeur war, und wahrscheinlich möglichst wenig von seinem Wissen, seinen Besuchen nach Außen dringen sollte. Umso weniger Bruno wußte, umso weniger konnte er ausplaudern.


    Besonders deutlich wurde mir dies an dieser Stelle im Buch:



    Man ahnt ziemlich schnell, daß der Furor der Führer ist, spätestens als Eva erwähnt wird, und bei den ganzen Szenen in denen der Furor oder die Soldaten im Haus sind, spürt man regelrecht die beklemmende Stimmung im Haus.



    Ein Buch was wirklich nicht für 9- jährige ist, trotzdem sollte es meiner Meinung nach zur Pflichtlektüren älterer Schüler gehören, denn es macht einen sehr sehr nachdenklich- und genau das bezweckt der Autor auch.


    Dieser Roman ist mit Sicherheit eines meiner Buchhighlights dieses Jahres. Ich hoffe es werden noch viele viele Eulen, und Menschen in der ganzen Welt lesen.

    LG Katja :wave


    "Die reinste Form des Wahnsinns ist es ,
    alles beim alten zu lassen .
    Und gleichzeitig zu hoffen , das sich etwas ändert."-Albert Einstein ."


    :lesend "FÜNF "- Ursula Poznanski

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  • Es ist jetzt schon drei Tage her, dass ich dieses Buch beendet habe, und ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Einerseits eine sehr fazinierende Geschichte, die an manchen Stellen für eine unschöne Gänsehaut sorgt und vor allem am Ende sehr unter die Haut geht. Aber andererseits erscheint Bruno stellenweise auch unglaubwürdig. Manchmal schafft er es nicht, die einfachsten Wörter auszusprechen ("Führer"), während er in anderen Situationen die Weisheit eines 30-jährigen zeigt. Kann ein 9-jähriger gleichzeitig unglaublich naiv und unglaublich weise sein? Vielleicht kann er es. Vielleicht bin ich einfach zu weit von diesem Alter entfernt, um es noch einschätzen zu können.


    Gestört hat mich vor allem die Verniedlichung zweier sehr wichtiger Wörter, nämlich "Furor" für Führer und "Aus-Wisch" für Auschwitz. Dass er "Auschwitz" nicht aussprechen kann, kann ich noch hinnehmen. Aber "Führer" kann er nicht sagen, während ihm das Wort "Führungsstab" keinerlei Probleme bereitet? Nee, das nehme ich ihm nicht ab. Auch sonst werden sämtliche wichtige Wörter der Nazizeit verschwiegen. Das Wort "Jude" taucht erst recht spät auf und hier war ich sogar überrascht, dass es der Autor überhaupt ausgesprochen hat. Der Hitler-Gruß wird nur angedeutet und auch sonst gibt es desöfteren mal Pünktchen, damit keine bösen Wörter erwähnt werden müssen. Ich frage mich, was der Autor damit bezwecken wollte. Wenn er die Kinder zum Nachdenken anregen will, ist es so ok, für mich kam das aber erstmal nicht so rüber.


    Jetzt aber zurück zu den schönen Stellen des Buches, denn trotz der ganzen Meckerei fand ich das Buch doch ansprechend! Vor allem den kleinen Schmuel habe ich ins Herz geschlossen. Ich wünschte,
    [sp]Bruno hätte einfach den Zaun gelüftet und Schmuel durchkriechen lassen, aber dazu hätte Schmuel vermutlich viel zu viel Angst gehabt. Außerdem hätte man ihn bestimmt erwischt, und über die Strafe möchte ich gar nicht erst nachdenken.[/sp]


    An einer Stelle sind mir auch die Tränen gekommen, nämlich als Schmuel
    [sp]seinen Vater nicht mehr finden konnte. Später, als Schmuel und Bruno gemeinsam in die Gaskammer spaziert sind, wurde es mir auch ganz anders.[/sp]


    Alles in allem kann ich jedem empfehlen, sich selbst ein Bild über dieses Buch zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in 10 Jahren Pflichtlektüre in der Schule sein wird, denn das ist ein Buch, das einem nach der Lektüre nicht loslässt und über das man viele interessante Diskussionen führen kann - der Autor hat sein Ziel erreicht.

  • Eine schlimme Geschichte aus Kindersicht zu erzählen, in einfachen, unbeholfenen Worten, die versuchen, das Unbegreifliche fassbar zu machen, Erklärungen suchen für Dinge, die unerklärlich sind; das ist in diesem Roman Stilmittel und Gänsehautauslöser zugleich.


    Gerade die Stellen, in denen Bruno "Heil Hitler" als "eine andere Möglichkeit, einen schönen Tag und Auf Wiedersehen zu sagen" auffasst, in denen er mit seiner Schwester darüber spricht, dass die Menschen hinter dem Zaun vielleicht Bauern sind, oder als er Schmuel erklärt, dass es in dem Zug, mit dem er hergekommen ist, bestimmt Türen gab ("gleich hinter dem Speisewagen!"), sind die, die am meisten unter die Haut gehen.


    Auch wenn die Naivität und das Nichtwissen stellenweise sehr unglaubwürdig sind bei einem neunjährigen Jungen, der in Berlin aufwächst, ist es doch eben diese beklemmende Leichtigkeit, mit der er mit der Situation umgeht, die ihn mit Schmuel Freundschaft schließen lässt und mit der er die Welt erklärt (deren Schrecken beim Lesen dadurch umso mehr Wirkung entfaltet), von der das Buch dann lebt, die es so nah und bewegend macht.

  • Ich habe das Buch schon mehrmals in der Hand gehalten und auch das erste Kapitel gelesen, es mir aber nicht gekauft, weil ich (als arme Studentin) es mir gerade nicht leisten konnte. Ich liebe Taschenbücher. ;-) Aber ich denke hier lohnt es sich doch mal etwas mehr Geld auszugeben.
    Werde mir das Buch (nach den hier gelesenen Rezensionen) bei meinem nächsten Besuch im Buchladen kaufen.

  • Gerade habe ich dieses Buch beendet, ein Gänsehautgefühl blieb zurück und auch gedanklich kann ich mich momentan noch nicht so ganz von diesem Buch lösen.


    Als erstes fiel mir der ungewöhnliche Klappentext auf, der ausnahmsweise gar nichts verrät, sondern explizit darauf hinweist, dass es für den Leser besser ist, wenn er nichts vorher weiß.


    Unter dem Titel stand "Fabel". Hmmm. Ich erwartete ja einen Roman und mit der entsprechenden Verwunderung und Neugier begann ich das Lesen. Über den Inhalt will ich hier auch nichts weiter schreiben, nur über die Wirkung. Das Buch las sich schnell und flüssig und nur ungern unterbrach ich. Schnell stellte ich auch fest, es ist wirklich eine Art Fabel.


    Der Stil von John Boynes Buch ist geprägt durch Vergleiche, Auslassungen, Andeutungen und durch die große Naivität des Protagonisten. Vieles bleibt unausgesprochen, doch der Leser weiß, es ist das Grauen für das es keiner Worte bedarf. Gerade das war es, was mich in den Bann dieses Buches zog. Viele Romane über das 3. Reich habe ich bereits gelesen. Aber meistens zeichneten die sich durch detailgetreue Schilderungen von Gräuelteten und den Zuständen in Konzentrationslagern aus. "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist wegen des bewussten "Wegblendens" nicht weniger intensiv. Denn die eigene Phantasie beginnt dann aktiv zu werden, wenn der Autor aufhört zu beschreiben. Es muss den jugendlichen Lesern der Schrecken nicht detailliert präsentiert werden. Sicher werden die Jugendlichen dazu Fragen haben, dann sollten die Eltern, Großeltern oder auch die Lehrer entscheiden, in wie weit die Jugendlichen mit Einzelheiten konfrontiert werden können. Ich persönlich würde dieses Buch einem Schüler erst als Lektüre empfehlen, wenn der Geschichtsunterricht die notwendigen Grundlagen gelegt hat. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall für Jung und Alt.

  • Der Autor John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren. Dort lebt er auch heute noch. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben in Dublin und in Norwich.


    Auf der Titelseite wird das Buch als „Eine Fabel“ klassifiziert. Laut Wikepedia versteht man unter einer Fabel folgendes:


    „Die Fabel bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kurze Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber auch Pflanzen und andere Dinge oder fabelhafte Mischwesen, menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation) und handeln (Bildebene).“


    Wenn dieses Buch eines sicher nicht ist, dann ist es eine Fabel.
    Es handelt von dem neunjährigen Bruno, der mit seiner Familie von Berlin nach „Aus-wisch“ umzieht, weil sein Vater dort seinen „Arbeitsplatz“ hat und der „Furor“ ihn dort haben wollte. Mir ist nicht ganz klar, warum der Autor hier nicht klar von „Auschwitz“ und dem „Führer“ gesprochen hat, als ein eventueller satirischer Seitenhieb wirkt es nur peinlich und völlig deplaziert. Denn es ist klar, dass sich dieses Buch mit der Verfolgung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger während der Zeit des Dritten Reichs beschäftigt.


    Brunos Vater erinnert an Rudolf Höss, den Kommandanten von Auschwitz. Ob der hier allerdings für die Figur des Vaters von Bruno Pate gestanden hat, kann ich nicht beantworten, will es auch gar nicht.


    Boyne schreibt nicht als Ich-Erzähler aus der Sicht eines Neunjährigen, er erzählt zwar über einen neunjährigen Jungen, und seine Erzählweise soll wohl dem Leser suggerieren, hier würde die Geschichte so geschildert, wie sie vielleicht ein neunjähriger Junge erzählen würde.


    Da ist aber eine ganze Menge in diesem Buch schief gelaufen. Die Naivität, die einem Neunjährigen durchaus zugestanden werden muss, wirkt hier nicht authentisch sondern lediglich aufgesetzt und oberflächlich. Die Person des Bruno erreicht nicht die Tiefe, die sie hätte haben müssen, um diese Geschichte zu einem wirklich tiefen, eindrucksvollen Leseerlebnis zu machen. Man merkt, das Boyne ein Nicht-Zeitzeuge ist, er verwendet viele Klischees und nimmt seiner Geschichte so eine Menge Luft, die sie zum Atmen dringend nötig gehabt hätte. Zudem verwickelt er sich vor einem ganz konkreten Hintergrund in eklatanten Fantastereien. Das was Boyne erzählt, hätte in dieser Form ganz einfach so nicht passieren können.


    Das Buch befasst sich mit einer Zeit, in der es für die betroffenen Menschen nicht einmal den Silberstreif am Horizont gab, Boyne streift dieses Grauen aber nur, vielleicht hat er Angst davor, wirklich konkret zu werden, vielleicht hat er Angst davor grausam zu sein, wo man ganz einfach grausam sein muss. Das Verschweigen, das Nichterwähnen von Dingen nutzt niemanden und schadet nur. Schonung da wo sie angebracht ist, hier war sie nicht angebracht.


    Zudem ist das Thema absolut nicht geeignet für irgendwelche satirischen Seitenhiebe. Die Menschen, die zu Tode gekommen sind, taugen nicht als Bestandteil für eine Satire, ihr Tod war real und ihr Lebenswille existent.


    John Boyne ist an diesem sehr sensiblen Thema gescheitert, ein Thema, dass ein paar Nummern zu groß für ihn war.


    Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch, ein Buch das ohne Frage polarisiert und über das sicher noch so manche Diskussion geführt werden wird. Die euphorischen Bewertungen des GUARDIAN „Ein kleines Wunder von einem Buch“ und des WALL STREET JOURNALS „Tief bewegend und von karger Schönheit“ wirken eher peinlich als das sie zuträfen. Das Buch ist weder ein kleines Wunder noch ist es von karger Schönheit, es ist vielleicht sogar eher als „Rohrkrepierer“ einzustufen.


    Wie müssen sich jüdische Menschen fühlen wenn sie dieses Buch gelesen haben?

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Ich habe die englische Ausgabe gelesen:


    Bruno und seine Familie ziehen um. Sie verlassen ihr großes Haus in Berlin und ziehen an einen Platz namens „Out-With“. Bruno mag den Ort nicht, das Haus ist kleiner als das Haus in Berlin und rundherum gibt es nichts, vor allem keine anderen Kinder, mit denen er spielen kann. Bis Bruno einen großen Zaun entdeckt, hinter dem sich viele Menschen befinden, und alle tragen gestreifte Pyjamas.


    Der Autor nähert sich diesem sensiblen Thema mit kindlicher Naivität. Er erzählt die Geschichte aus Brunos Sicht, einem 9jährigen Jungen, der von dem Grauen hinter dem Zaun keine Ahnung hat. Das Buch lebt von leisen Andeutungen, denn Bruno versteht nicht, was sich vor seinen Augen abspielt. Der Leser aber versteht sehr wohl, was um Bruno herum vorgeht. Und genau deshalb sind die ganzen Andeutungen fast genauso schockierend, als hätte der Autor nicht die grausamen Einzelheiten ausgelassen.


    Einiges an diesem Buch ist nicht wirklich realistisch, der Zaun erscheint nicht gut bewacht, Bruno wirkt selbst für einen neunjährigen teilweise zu naiv. Aber kommt es wirklich darauf an? Nicht umsonst bezeichnet der Autor seine Geschichte als eine Art Fabel, und so sehe ich sie auch, zumindest im übertragenen Sinne. Wenn selbst Erwachsene sagen, sie hätten von der Judenverfolgung nichts mitbekommen, ist es dann so unrealistisch, dass auch ein 9jähriger Junge seine Augen vor den Geschehnissen verschließt?


    In meinen Augen ein wichtiges Buch, dass mir mehr als einmal Kalte Schauer über den Rücken laufen ließ und mich noch immer beschäftigt. Dabei wirkt der Verzicht auf die grausamen Einzelheiten nicht verharmlosend, da der Leser sich sein eigenes Bild von dem macht, was angedeutet wird. Für das Verständnis des Buches ist es allerdings unerlässlich, dass sich der Leser bereits im Vorfeld mit dem Holocaust auseinandergesetzt hat. Daher bin ich mir nicht sicher, ob die Andeutungen auf ein 12jähriges Kind den gleichen Effekt haben.

  • Meine Rezension:


    Bruno ist 9 Jahre alt und das Kind eines Vaters, den er als gutmütig ansieht. Vielleicht meint man als Leser ab und zu, dass Bruno äußerst naiv ist, was die Begebenheiten auf der anderen Seite des Zaunes angeht, über den er von seinem Kinderzimmerfenster aus blicken kann. Aber er ist nicht naiv. Nur unwissend. Wie viele andere Menschen es damals auch waren. Darauf, dass Menschen etwas so grausames hinter einem Zaun veranstalten können, kommt man bei gesundem Menschenverstand nicht. Schon gar nicht als Kind.


    Und so verleitet uns der Autor immer wieder dazu, dass man Bruno am liebsten sagen würde "Hey pass auf Dich auf und es ist nicht so, wie Du denkst", aber natürlich hat man als Leser nicht den Hauch einer Chance, der Geschichte eine Wende zu geben. Hilflos schauen wir dabei zu, wie Bruno sich gutmütig und leichtgläubig in das größte Abenteuer seines jungen Lebens reißen läßt. Angespornt durch die Freundschaft zu Schmuel, dem Jungen im gestreiften Pyjama.


    Das Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen und obwohl, oder vielleicht gerade WEIL, die Schreibweise sehr einfach gehalten ist, konnte ich mich sehr gut in das Leben von Bruno hineinversetzen. Eine gewisse Traurigkeit und Melancholie begleitete mich das ganze Buch hindurch. Ich habe es gerade eben erst beiseite gelegt, aber ich weiß, dass ich noch oft an Bruno denken werde. Zumal es mir immer wieder in den Sinn kommt, dass eine so fiktive Geschichte dennoch so real hätte sein können.


    Ein wunderschönes Buch, das zum Nachdenken anregt, mich aber dennoch mit einem flauen Gefühl im Magen letztendlich alleine läßt.


    LG,
    Andrea

  • Zitat

    Original von Herr Palomar
    Für den deutschen Leser ist es lange schwierig zu glauben, dass der in Berlin als Sohn eines hohen Nazifunktionärs aufgewachsene Bruno nichts von der Situation des Landes weiß und nicht einmal den Führer kennt.
    Da er in Auschwitz sehr isoliert ist, und kaum mit seiner Schwester spricht, kommt da schon etwas Glaubwürdigkeit auf, aber hätte er nicht in Berlin, wo er ja bestimmt zur Schule gegangen ist, einiges über die Juden und die Einstellung des Vaterlandes erfahren müssen?


    Das ist eine Frage, die ich mir auch immer wieder gestellt habe.
    Wenn Bruno 6 oder 7 Jahre alt gewesen wäre, hätte vieles plausibler geklungen, aber mit 9 bzw. 10 Jahren war manches schwer nachzuvollziehen.


    Was aber nichts daran ändert, dass es sich hier um ein sehr gutes und wichtiges Buch handelt.



    Ich gebe dem Buch 9 von 10 Punkten.

  • Der Junge im gestreiften Pyjama


    Mir ging es bei diesem Buch wie den meisten hier. Auch ich kann mir nicht vorstellen, dass ein 9 jähriges Kind so naiv ist wie es hier dargestellt wird. Wenn ich daran denke, wie meine Kinder in diesem Alter waren (und jünger)… da haben sie schon sehr viel an dem heutigen Weltgeschehen mitbekommen und natürlich wie alle Kinder dementsprechend Fragen gestellt, darum verwundert es mich doch sehr, dass ausgerechnet Bruno davon nichts mitbekommen haben soll.
    Trotzdem fand ich das Buch sehr beeindruckend und lesenswert. Auch an einem Mangel an Gänsehauteffekt braucht man sich bei diesem Buch keinesfalls beschweren.


    9 von 10 Punkten

  • Dieses Buch hat mich sehr berührt und ich fand es sehr lesenswert.


    Natürlich war der Junge sehr naiv. Für uns, die wir WISSEN, was passiert ist, ist das schwer vorstellbar, dass er nichts gewußt hat. Man könnte es sich erklären damit, dass die Eltern ihn von allem isolierten, was außerhalb passierte, dass Kinder zu dieser Zeit zu kuschen und nicht zu fragen hatten, dass selbst manche Erwachsene nicht wußten, was passiert (zumindest wurde das nachher so dargestellt).
    Ich finde, dass der Autor es sehr gut geschafft hat, ganz überspitzt den Blick eines unschuldigen, unbeeinflussten Kindes auf Dinge, die um ihn herum sind, zu zeigen und die dieser sich in seiner Naivität versucht zu erklären. Und dieses ist es auch, was das Buch außergewöhnlich macht: der Autor deutet an, der Junge erklärt sich selbst die Dinge und wir als Leser wissen, was es bedeutet.

  • Ich habe das Buch am Wochenende gelesen. Insgesamt fand ich es gut und fesselnd zu lesen. Natürlich ist das Buch ein kleiner Tabubruch da hier mit dem Hilfsmittel der Phantasie die Geschichte aufbereitet und auch sehr komprimiert wird. Das stört mich aber eigentlich nicht.


    Etwas störend fand ich ein paar handwerkliche Mängel:


    - die Erzählperspektive: Brunos kindlich naive Perspektive trägt ja eigentlich die Grundidee des Buches. Ich hätte mir gewünscht, dass es dann aber konsequenter durchgezogen würde, denn eigentlich erzählt hier ein allwissender Erzähler, denn es wird häufig die Perspektive gewechselt. Möglicherweise ist es auch ein typisches Stilmittel von Märchen und Fabeln? Ich weiß es nicht. In Brunos und Schmuels Treffen wechselt die Perspektive oft von Satz zu Satz. Extremstes Beispiel ist die letzte Seite, wo plötzlich aus der Sicht von Brunos Vater erzählt wird (das letzte Kapitel ist aus meiner Sicht das schwächste im Buch und eigentlich vollkommen überflüssig).


    - kleinere Schnitzer auf Detailebene. Eigentlich ein schönes Detail: Bruno hat drei Freunde aus seiner Berliner Zeit. Irgendwann vergisst den Namen von einem. Einige Kapitel später hat er dann hat er einen weiteren Namen vergessen. Nur leider werden alle drei Namen zwischendurch einmal erwähnt (wieder das Perspektivenproblem).


    - vielleicht nicht ein Mangel, sondern ein Stilmittel der Jugendliteratur vielleicht?, sind die Wiederholungen von Wörtern und Wendungen. Oft funktioniert das, aber das mit dem "sein Mund formte ein O" kam mir dann doch etwas zu häufig vor.


    Trotz dieser Kritikpunkte ein gutes und lesenswertes Buch.

  • Ja , ich habe es bereits gelesen und ich finde es wirklich sehr gut.
    Ich habe mir dieses Buch als Referat ausgesucht und habe bereits das Referat schon geschrieben,aber das einzige was mir fehlt ist die Interpretation.Ich komme einfach nicht dahinter.Bitte,kann mir jemand helfen :-(
    Ich habe es versucht,ehrlich.


    Lg Vani