Laienspiel - Volker Klüpfel, Michael Kobr

  • 368 Seiten


    Kommissar Kluftingers 4. Fall.


    Kurzbeschreibung
    Lodenbacher, der Chef von Kommissar Kluftinger, tobt. Ausgerechnet bei ihnen im schönen Allgäu hat sich ein Unbekannter auf der Flucht vor der österreichischen Polizei erschossen. Verdacht: er plane einen terroristischen Anschlag. Bloß wo? Nun muss Kluftinger nicht nur mit Spezialisten des BKA, sondern auch noch mit den Kollegen aus Österreich zusammenarbeiten. Doch das ist nicht sein Hauptproblem. Er soll mit seiner Frau Erika und dem Ehepaar Langhammer einen Tanzkurs absolvieren. Dabei hat er gar keine Zeit, denn er steckt mitten in den Endproben für die große Freilichtspiel-Inszenierung von »Wilhelm Tell« ...


    Über die Autoren
    Volker Klüpfel, geboren 1971 in Kempten, aufgewachsen in Altusried, studierte Politologie und Geschichte. Er ist heute Leiter der Kulturredaktion bei der Memminger Zeitung und wohnt in Memmingen. Mit seinem Co-Autor Michael Kobr ist er seit der Schulzeit befreundet. Nach ihrem Überraschungserfolg »Milchgeld« erschien ihr zweiter Allgäu-Krimi mit Kommissar Kluftinger: »Erntedank«, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2005 in der Sparte Literatur, und zuletzt Kluftingers neuer Fall »Seegrund«.


    Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten, aufgewachsen in Kempten und Durach, ist Realschullehrer für Deutsch und Französisch. Mit seiner Frau und seiner Tochter lebt er in Memmingen. Mit seinem Co-Autor Volker Klüpfel ist er seit der Schulzeit befreundet. Nach ihrem Überraschungserfolg »Milchgeld« erschien ihr zweiter Allgäu-Krimi mit Kommissar Kluftinger: »Erntedank«, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2005 in der Sparte Literatur, und zuletzt Kluftingers neuer Fall »Seegrund«.


    Meine Meinung
    Nachdem ich die ersten drei Fälle von Kommissar Kluftinger sehr gerne gelesen habe, war natürlich auch der 4. Fall ein Muss.


    Doch passen Kommissar Kluftinger und internationaler Terrorismus wirklich gut zusammen? Die erste Hälfte des Krimis fand ich eher enttäuschend, der bekannte Kluftinger-Charme und seine Kabbeleien mit Doktor Langhammer und seine Probleme mit technischen Neuerungen wirkten ziemlich aufgesetzt und auch der eigentliche Fall kam nicht so richtig in Fahrt. Es gab einen Toten und die Vermutung, dass irgendwelche Anschläge geplant wären - und irgendwie passierte nicht viel.
    Die neuen Personen fand ich ziemlich klischeehaft, egal ob der Leiter der Task Force, ein absoluter Traum-Chef ohne Fehler oder der garstige Kollege aus Österreich, der alle Frauen anbaggert. Selbst die Nebenrollen wie die Tanzlehrerin oder der Regiesseur der Freilichtspiele wirkten übertrieben.


    Doch in der 2. Hälfte kam die Geschichte in Schwung und es wurde richtig spannend. Da fand ich die Ermittlungen fesselnd und auch Kommissar Kluftinger wurde wieder zu dem Kommissar Kluftinger, den ich so gerne mag: ein bißchen tollpatschig, clever und liebenswert.


    Am Ende war ich mit dem enttäuschenden Beginn wieder versöhnt und so gibt es von mir 8 Punkte. Aber mein Lieblingsfall bliebt weiterhin "Erntedank".


    Schön fand ich, dass die Altusrieder Freilichtspiele eine Rolle spielen, denn da wollte ich schon immer mal hin, habe ich es bis jetzt aber noch nicht geschaftt. Hier der Link.


    Das Buchformat ist wesentlich größer als ein normales Taschenbuch, fand ich beim Lesen recht unpraktisch.

  • Mir gefällts bis jetzt sehr gut. Mal schauen, ob es Seegrund noch toppen kann.
    Irgendwann hol ich mir bestimmt auch noch das Hörbuch, ich hab in Leipzig auf der Messe die Lesung bei 3SAT mitbekommen, das hat mir gut gefallen.


    Meine Rezi gibt's wenn ich fertig bin, dauert nicht mehr lang :-)

  • Ich hab's heute mittag beendet und muss sagen, ich bin total von den Socken!
    Was für ein furioses Ende! Am Schluß konnte ich gar nicht mehr schnell genug lesen, so spannend war das.
    Was mir richtig gut gefallen hat, war das Thema Terrorismus und Otto Normalverbraucher. Ich glaube die meisten von uns gehen auch davon aus, daß Terrorismus immer woanders stattfindet. Das Buch zeigt meines Erachtens sehr gut, wie schnell es gehen kann, das man selbst davon betroffen ist. Gerade Klufti, der ja eine doch sehr bodenständige, heimatverbundene Figur ist eignet sich da hervorragend.


    Mich hat der "nur gute" Chef nicht gestört, im Gegenteil, ich fand es mal angenehm, daß ein Vorgesetzter im Krimi nicht nur eine Witzfigur ist, die vom eigentlichen Helden überstrahlt wird. Kluftinger mal als echtes untergeordnetes Teammitglied zu erleben fand ich gut.
    Bydlinski war mir auch sehr unsymphatisch, allerdings ist das wohl auch eine Figur die noch mehr Seiten hat. Wer weiss, vielleicht taucht er in der Zukunft ja noch einmal.
    Am nächsten Kluftinger wird ja wohl schon geschrieben :-] Da freu ich mich jetzt schon drauf.
    Für mich wird die Serie immer besser!

  • Man muß ihn mögen, de Kluftinger. Wer das nicht tut, dem wird das Buch nichts sagen.


    Mir hat es wieder sehr gut gefallen. Die Provinz verliert ihnre Unschuld. Der Terrorismus ist unter uns, im Wortsinn gemeint. Es sind unsere Nachbarn, die sich in unseren Augen von Menschen zu Monstern wandeln, die wir nicht mehr verstehen, weil sie uns nicht mehr verstehen (wollen), die von sich fühlen Menschen zu sein, die von Monstern umgeben sind. In der Idylle zwischen neuen Schuhen für den Tanzkurs, Proben für das Theater und dem Umzug der Dienststelle, die sich sonst mit solch schwerwiegenden Fällen nicht befassen muß, wird Kluftinger vom Chef zu jemand der zu einem anderen Chef sagt, dazu noch zu einem aus Wiesbaden, einen von denen vom BKA, die arroganten Deppen, die ein aufrechter Allgäuer eh nicht leiden kann. Gemeinsam wird im Team ermittelt und Kluftinger muß erkennen, dass die Idylle trügt. Das Drohpotential baut sich langsam auf und das Buch bekommt gegen Schluß fast noch Actionfilmqualität (Ein Schelm der Böses dabei denkt). Was sich aber- Flmrechte hin oder her- dann doch wohl nur im Buch transportieren lässt- wie auch immer es ausgeht: Die Terroristen haben gewonnen, die Provinz hat ihre Unschuld verloren.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • ich habe es noch nicht ganz fertig gelesen, aber ich bin extrem fasziniert. Ich muss immer wieder laut lachen und kann es überhaupt nicht mehr aus der Hand legen so spannend finde ich es.


    Irgendjemand hier im Forum, ich glaube es war Tom, hatte geschrieben dass das Buch sehr klamaukig ist. Das stimmt schon, manche Stellen sind wirklich übertrieben witzig, aber ich finde ein Krimi muss nicht immer toternst sein und ich habe mich sehr gur unterhalten und das ist für mich die Hauptsache.


    Vom Fall her am spannendsten fand ich aber Seegrund.


    LG Luthien

  • Ich habe das Buch geschenkt bekommen. Kenne aber keinen der Vorgänger. Ist die Reihenfolge egal oder habe ich etwas wichtiges verpasst, wenn ich erst Laienspiel lese? Oder komme ich gar nicht erst in das Buch rein, weil mir wichtiges aus den anderen Büchern fehlt?


    Danke schon mal für eure Antworten.
    Yvi :wave




    edit: Fehlerteufel hatte ein h gemopst.schnelll nachgetragen

    Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.
    Ludwig Feuerbach (1804-1872)

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  • Ich schliess mich Chiclana an, der Fall an sich ist abgeschlossen, es werden aber auch Anspielungen auf die anderen Fälle gemacht.


    Und die Eigenheiten der einzelnen Personen sind natürlich besser zu verstehen, wenn man die Bücher vorher auch schon gelesen hat.

  • Hallo chiclana und streifi,


    ich danke euch für eure Antworten. Also werde ich mir wohl mal den ersten Band holen müssen. Denn ich möchte schon verstehen, um was es geht. :-]


    Dank euch,
    yvi

    Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.
    Ludwig Feuerbach (1804-1872)

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  • Da es absolut keine Entwicklung innerhalb der Figuren gibt, ist m.E. völlig egal, in welcher Reihenfolge man die Kluftinger-Romane liest. Die ersten beiden sind meiner unmaßgeblichen Meinung nach besser, weil origineller, die letzten beiden fand ich bescheiden. Vorsichtig ausgedrückt.

  • Beim Kommissar Kluftinger daheim, also im Allgäu, erschießt sich ein Unbekannter auf der Flucht vor zwei österreichischen Polizisten, die, im Glauben, einen Waffenschieber zu verfolgen, "dör Gschicht " mit der Grenze nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Die beiden gehen dem Kluftinger gewaltig auf die Nerven - vor allem als er mit gewohnt schwachem Magen vor dem Toten steht ("An Koopf! Weggschossn. Bumm. Bumm"). Ach, wenn das nur sein einziges Problem wäre. Der junge Mann war ein frisch bekehrter Muslim und Dschihad-Krieger, und auf seinem Laptop sind die Anzeichen für einen Terroranschlag beim besten Willen nicht zu übersehen. Behilft sich das Team zunächst mit Karl May und einem Xavier Naidoo-Text (!!!!!!!), um die Extremisten mit mehr Glück als Verstand hinzuhalten, gibt es bald Hilfe von ganz oben, vom BKA. Und der Kluftinger hat plötzlich einen Chef, der keine Witzfigur ist. Faruk Ildrim, Terrorexperte, beeindruckt ihn wirklich - wie ungewöhnlich. Dennoch haben sie nichts in der Hand. Und die Stunde Null rückt immer näher.


    Volker Klüpfel, 1971 in Kempten geboren, studierte Politologie und Geschichte und ist heute Leiter der Kulturredaktion der Memminger Zeitung (gibt's da mehr als einen Kulturredakteur??).
    Michael Kobr wurde 1973 ebenfalls in Kempten geboren. Er ist in Kempten und Durach aufgewachsen und verdient sein Brot als Realschullehrer. Gemeinsam haben die beiden die Kommissar-Kluftinger-Reihe veröffentlicht: Milchgeld, Erntedank, Seegrund und jetzt Laienspiel.


    Al Kaida im Allgäu? Na geh her. Wer wird denn alles so ernst nehmen. Gut, der Kluftinger tut's - und genau das rettet diese völlig überdrehte Geschichte. Dem Kluftinger passiert's nur einmal, dass er Duschhaube liest, statt Duschanbe. Der Kluftinger beim Tanzkurs mit seinem Erzfeind, dem Dummschnösel Langhammer? Slapstick pur. Viel schriller und viel schräger als jemals zuvor. Ebenso der Schuhkauf mit der Mama oder die Proben für die große Freilichtspiel-Inszenierung von Wilhelm Tell.
    Niemand kann so recht erklären, warum der Kluftinger kein Kasper ist. Und nur die Doofen und die Müden finden ihn langweilig. Ich glaub' mittlerweile, dass ungeachtet all der absurden, auf die alleräußerste Spitze getriebenen Klischees, irgendwo da draußen tatsächlich ein Kluftinger rumläuft. Vielleicht hängen sie ja wirklich manchmal Fotos auf, die ihn in irgendeiner lächerlichen Pose zeigen - aber ganz sicher respektieren sie ihn als einen, der so bieder gar nicht sein kann, dass sich Instinkt und Intellekt nicht immer wieder durchsetzten .

  • Ich habe den vierten Band gerade zu Ende gelesen und bin schlichtweg begeistert. Zum Ende hin ist das Buch so spannend, da mußte ich gerade einfach weiterlesen, obwohl ich keine Zeit dafür gehabt hätte.


    Ich mag den tollpatschigen Kluftinger und kann mich der Rezi von B.Linzel nur anschliessen.


    Ich warte schon gespannt auf Band 5....

  • Ich fand die Story in der ersten Hälfte „typisch Klufti“. Der Schuhkauf mit Frau und Mutter, die Tanzstunde mit Langhammers, das ließ mich das eine oder andere Mal heftig schmunzeln. In der zweiten Hälfte des Buches kam ein Thriller-Effekt dazu, die Spannung war richtig mitreißend. Aber auch da zogen sich die Proben für das „Laienspiel“, der Kampf mit dem übereifrigen Maier und andere Running-Gags weiter durch die Geschichte.
    Wie aber hier schon mehrfach geschrieben wurde, gab es in diesem Buch einen Aspekt, der über einen typischen Regional-Krimi mit seinem Lokalkolorit hinausgeht. Der internationale Terror hält Einzug in der Provinz und was das für Auswirkungen auf Klufti und seine Weltsicht hat, das fand ich sehr nachvollziehbar erzählt. Am Ende gab es einen gewaltigen Showdown wie ich ihn liebe.


    Dass das gesamte Buch slapstikhafte Züge aufweist, ist für meinen Geschmack eher noch ein zusätzlicher Gewinn. Im Geiste hatte ich immer die Autoren bei ihrer Comedy-Lesung vor mir, die ich genießen durfte. Unterhaltung pur!