Trauriger Buchmarkt ...

  • Schau ich mir heute die Bestsellerlisten an, auch bei Amazon, bekomme ich ein ganz übles Gefühl in der Magengegend.


    Schau ich mir an, wie die amerikanische und englische Literatur vom Buchmarkt gefördert werden, und einheimische talentierte Autoren wie Dreck behandelt werden, wird mir noch mehr übel.


    Da kommen bei mir immer öfter die Gedanken, mich von der Trivialliteratur aus Protest zurückzuziehen und mich den Klassikern zu widmen, anstatt die Volksverblödung zu fördern. Derzeit kaufe ich eigentlich nur mehr qualitätvolle Bücher, unterstütze damit besonders deutsche Autoren, und boykottiere den amerikanischen Mist.


    Wie seht ihr das? Wie kann man den Buchmarkt wieder zum Guten wenden?


    mfg

  • Hallo, His.


    Das ist kein Problem des Buchmarktes alleine. Schau Dir an, welche Fernsehprogramme konsumiert werden, welche Platten gekauft werden, welche Klamotten die Leute tragen, welche Autos sie fahren, wo sie ihre Möbel kaufen, welche Radioprogramme sie hören, in welche Filme sie gehen, .... die Liste ließe sich fortsetzen. Kultur verflacht rasch, von oben gesehen (technisch!), das Bedürfnis nach Konformität und leicht konsumierbarem Krempel ist groß. Dagegen ist nichts zu machen. Und, wie andernorts schon geschrieben: Kulturchauvinismus ist auch keine Antwort. Man muß den Terz ja nicht mitmachen, das ist das Gute dabei. :-)


    Natürlich kann man etwas unternehmen, klein-klein, nicht zuletzt hier. Mein Romänchen ist ein "Manifest gegen den Mainstream", wie einige Rezensenten festgestellt haben. Und tatsächlich schruben mir viele Leser, daß sie ihre Radiohör- und Plattenkaufgewohnheiten umgestellt haben. :-)

  • Also prinzipiell gebe ich dir Recht, aaaber....


    Schau dich doch mal um. Die Masse der Leser sind nicht DIE, die hochgeistige Literatur verkonsumieren, sonder eher die goldene Mitte und drunter. Nicht jeder kann mit Büchern, die du gern magst etwas anfangen.
    Ich würde es schon toll finden, wenn jeder, der lesen kann auch mindestens 2-3 Bücher im Jahr liest.
    Wenn DAS so wäre, würde sich auch der Grad des Intellekts erhöhen. ;-)

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    Grüßle, Heaven


    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Goethe) ;-)

  • Hallo, Heaven.


    Hast mich ein bißchen mißverstanden. Ich finde schon, daß man sich über die Qualität von Kultur und die Mechanismen des dahinterstehenden Marktes Gedanken machen kann, aber nicht muß (siehe Thread mit diesem dusseligen Daniel-Film :grin). Es regt mich zwar ein wenig auf, wenn Leute Grütze wie Effenberg- und Bohlen-Bios kaufen oder in besagten Film laufen, aber sie haben zweifelsfrei die Freiheit, das zu tun. Und wenn sie das gerne tun und dabei Spaß haben, hey, immer noch besser, als die eigenen Kids zu vertrimmen oder sich rund um die Uhr die Hucke zuzusaufen.


    Ansonsten hast Du recht. Die Masse der Buchkäufer sind Gelegenheitsleser. Wenige Menschen lesen mehr als 2, 3 Bücher im Jahr. Und - leider, könnte man sagen - kaufen sie dann auch noch Easy Readening. Das bestimmt die Verkaufszahlen, den Markt, die Neueinkäufe, die Vorschüsse usw. usf. Kann man sich drüber aufregen, muß man aber nicht. Ich versuche es, wie gesagt, in kleinen Schritten. Ich empfehle Leuten Bücher, von denen ich weiß, daß sie deren üblichem Leseverhalten nicht entsprechen. Da gibt es dann häufig Überraschungen positiver Art. Aber manchmal eben auch nicht. Jedenfalls besteht keine Verpflichtung, sich auf intellektuell hohem Niveau kulturell zu betätigen. Und auch ich lese ab und zu gerne mal sehr triviale Bücher, aus ganz verschiedenen Gründen.

  • Hallo His und Tom!


    Es ist nicht nur die Nachfrage, die den Markt bestimmt, sondern es gibt ein Gleichgewicht zwischen beiden Faktoren. Dass die Bücher aus dem englischsprachigen Raum den Markt extrem dominieren, liegt an der Unternehmenspolitik der Medienkonzerne, in die die großen Publikumsverlage weitgehend integriert sind. Diese Konzerne (u.a. Bertelsmann, Holtzbrinck) beherrschen den Buchmarkt sowohl in den USA als auch bei uns!
    Dadurch können Lizenzen quasi en bloc von drüben "vererbt" werden, oft genug dient der deutschsprachige Buchmarkt als Testmarkt für die USA.
    Nebenbei konzentriert sich das Marketing inzwischen nahezu vollständig auf ein paar (extrem teuer eingekaufte) Lizenzen von Trademarks wir Crighton, Grisham, Brown etc. Diese konzentrierte PR und ein offensiver Vertrieb sorgt dafür, dass die Dinger Selbstläufer werden.
    Es ist wie mit Persil oder Tempo: Mit einem Grisham glaubt der Käufer nichts falsch machen zu können, weil es ja ein Grisham ist.


    Interessanterweise schrumpft zur selben Zeit die Nachfrage.


    Da stellt sich mir doch die Frage, ob die Konzentration aufs Lizenzgeschaft als Unternehmensstrategie nicht eine Milchmädchenrechnung ist??? :wow


    Leider denken die Manager genau andersherum und spitzen die Lage noch weiter zu. In Konzernen entwickeln solche Strategien leider einen Automatismus, der nur schwer zu korrigieren ist ...


    Allerdings könnten die Leser als Konsumentengruppe durch eine verstärkte Nachfrage nach nich-Lizenz-Projekte (ich rede nicht von Boykott, sondern von einer Bevorzugung deutschsprachiger Originalausgaben und Übersetzungen aus nicht-englischen Sprachen z.B. beim Gelegenheitskauf!) auf Dauer eine unübersehbare regulierende Wirkung haben.


    Liebe Grüße,


    Iris :wave

  • Zitat

    Derzeit kaufe ich eigentlich nur mehr qualitätvolle Bücher, unterstütze damit besonders deutsche Autoren, und boykottiere den amerikanischen Mist.


    Das mache ich schon immer so. Es gibt so viele gute Bücher, das man um Neuerscheinungen einen großen Bogen machen kann, bis sich wirklich mal herausstellt, das es Qualität ist.


    Bücher sind aber heute ein Geschäft. Die großen Verlage brauchen Umsatz, da spielt Qualität keine Rolle. Und wie Heaven schreibt, die Mehrzahl der Leute ist mit dem Zeugs ja auch zufrieden. Hier im Forum wird ja auch zu 95 % Trivialliteratur besprochen.

  • Trotzdem Leute, irgendwie bin ich schon etwas frustiert. Es geht mir gar nicht darum, dass so wenige Leute auf hohem Niveau lesen, sondern kritiklos den größten Mist schlucken. Und dann kommt es eben dazu, dass Effenberg ein Bestsellerbuch macht.


    mfg

  • Lieber His,


    doch nicht schon wieder DAS Thema... *stöhn*


    Hatten wir das nicht jetzt schon ein paar mal, oder irre ich mich? :gruebel

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Zitat

    Original von Historikus


    Tut die Wahrheit denn so weh, Morgana? :wow


    Jedenfalls ist so ein Thema sinnvoller als das abertausendste Wortspiel. :lache


    Nein His, die Wahrheit tut nicht weh, aber so langsam finde ich persönlich diese Diskussion nervig. Meiner Meinung nach ist da doch schon alles in tausenden von Threads und Beiträgen gesagt. Aber wenn ihr da noch einmal drüber diskutieren wollt, dann bitte... :-]

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Zitat

    Nein His, die Wahrheit tut nicht weh, aber so langsam finde ich persönlich diese Diskussion nervig.


    Dann werde ich absofort eben keine kritischen Diskussionen eröffnen, wenn es der Madame nicht gefällt. ;-)


    Dann gibts halt keine Buchdiskussionen oder sonstigen Threadanfänge von meiner Seite, denn tausendmal über "Was magst du an Büchern besonders " und über die angeblich so heile Welt zu diskutieren ist mir persönlich zu langweilig. :-(


    mfg


  • Lieber His, jetzt sei doch bitte nicht eingeschnappt. Ich habe nur meine persönliche Meinung zu diesem einen Thema gesagt, welches meiner Meinung nach schon oft genug abgehandelt wurde. Und meine Meinung werde ich dazu doch wohl noch sagen dürfen?


    Es ging mir einzig und alleine um dieses eine Thema und um nichts anderes.

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Ich weiss nicht, ich les eigentlich ganz gerne englische oder amerikanische oder meinetwegen auch chinesische Autoren. Ich hab gerne ein grösstmögliche Auswahl. Ich unterstütz doch nicht pauschal deutschsprachige Autoren, nur weil sie deutsch sind. Entweder spricht mich ein Buch an oder nicht, dann ist es egal, wo es herkommt. Und wenn ich mir mein RUB anschaue, dann gibt es offenbar mehr, was mich anspricht als ich lesen kann. So traurig bin ich also nicht. ;-)

  • Zitat

    Ich unterstütz doch nicht pauschal deutschsprachige Autoren, nur weil sie deutsch sind.


    Rofl, nicht mit dem kommen, kleines Fischen, dass ergibt in Deutschland und Österreich immer wildeste Diskussionen. :lache


    Ich denke einfach, dass gerade die deutschen Autoren unter der amerikanischen Überlast zu leiden haben, und meiner Meinung nach gibt es nun bereits einen großen Qualitätsunterschied, weshalb ich deutsche Literatur besonders förderbar halte ... :-)


    Schöne Grüße
    Historikus

  • Zitat

    Original von Historikus
    Trotzdem Leute, irgendwie bin ich schon etwas frustiert. Es geht mir gar nicht darum, dass so wenige Leute auf hohem Niveau lesen, sondern kritiklos den größten Mist schlucken. Und dann kommt es eben dazu, dass Effenberg ein Bestsellerbuch macht.


    mfg


    mal schelmisch gegenhalt


    Ich bin absolut nicht davon überzeugt, das nur "Minderbemittelte" zum Bsp. einen Bohlen gekauft haben. Es gab reichlich "Hochgeistige", die sich über das Buch ausgelassen haben. Aber um seine Meinung dazu kund zu tun, hat man es ganz sicher zuvor gekauft und gelesen, oder? :grin


    Viele werden das aus purer Neugier gekauft haben. Ich hab auch das zweite, aber nicht gekauft, sondern es hat mir jemand aus dem Net gefischt, BEVOR es geändert wurde. Ich war auch neugierig, was der so zusammenfaselt. Naund??
    Allerdings bin ich nie über das zweite Kapitel hinaus gekommen, weil es erstens nicht vom Hocker riss und zweitens es furchtbar anstrengt am PC zu lesen. Für das Ausdrucken wäre es mir allerdings zu schade um Papier und Tinte gewesen. :grin


    Tom
    Ja, immer mal ein gutes Buch empfehlen, das mache ich auch. Aber es ist schon erschreckend, wie wenige überhaupt lesen.
    Ich bin der Meinung, dass da im Kindesalter schon der gute Ansatz fehlt. Die Eltern lesen wenig oder sind kaum bereit Geld für gute Bücher auszugeben bzw. sich über gute Bücher zu informieren. Und wenn ich sehe wie wenig gute Literatur in den Schulen Thema ist, wundert mich nichts.
    Und auch die Bibliotheken, wo Kinder sich kostenlos Bücher holen und gut beraten werden können, müssen zunehmend schliessen, weil einfach kein Geld dafür übrig ist.


    Sollten nicht die vielen Autoren in Deutschland sich mal in der Richtung Gedanken machen, ob da nicht in irgendeiner Weise geholfen werden könnte? Fände ich gut. Und somit würden sich doch auch neue Interessenten für ihre Literatur finden lassen, oder? ;-)

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    Grüßle, Heaven


    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Goethe) ;-)