Die zwölfte Nacht - Charlotte Lyne

  • Ich bin auch durch und bin ehrlich gesagt traurig darüber, dass es schon vorbei ist und dass die Geschichte Cathie so übel mitgespielt hat :cry


    Meine Rezension:


    Über Heinrich VIII. wurden unzählige Bücher geschrieben und mindestens ebenso viele Filme und Dokumentationen gedreht, doch von seinen sechs Frauen ist den meisten höchstens seine ehemalige Mätresse Anne Boleyn ein Begriff. In Charlotte Lynes neuem Roman "Die zwölfte Nacht" steht jedoch des Königs sechste und letzte Frau, Catherine Parr im Mittelpunkt, deren Geschichte rückblickend von ihrer besten Freundin Kate Suffolk erzählt wird. Schon als kleines Mädchen ist Catherine ebenso wissbegierig wie verliebt in Thomas Seymour - beides wird sich ein Leben lang nicht ändern. Im Strudel der sich überschlagenden Ereignisse begleiten wir sie von einer unglücklichen Ehe in die nächste, verlieren Freunde an den Henker und wünschen uns mit ihr nichts mehr, als dass sich die neue anglikanische Kirche frei entfalten kann und sie den Mann ihres Lebens endlich ehelichen kann. Charlotte Lyne gelingt es auf fesselnde Art und Weise, die aufregende und nicht minder gefährliche Zeit des Umbruchs und der Willkür lebendig werden zu lassen. Ihre Figuren sind menschlich und facettenreich, spielen mit den Emotionen des Lesers und machen die Geschichte dadurch so authentisch. Historische Persönlichkeiten erscheinen in neuem Licht und die heraufbeschworene Zeit fühlt sich durch und durch "echt" an. Poesie und historische Fakten werden auf wunderbare Weise miteinander verknüpft, so dass jede Seite ein Lesevergnügen der besonderen Art ist. Wie schon bei ihrem Vineta-Roman gelingt es der Autorin auch hier, die Neugier und das Interesse des Lesers zu wecken und ihre eigene Begeisterung für diese Epoche und die Menschen, von denen sie erzählt, auf den Leser zu übertragen.


    Ein MUSS für alle Freunde opulenter historischer Romane und für alle, die sich für spannend und gefühlvoll erzählte, englische Geschichte interessieren!


    Dicke, fette 10 Punkte von mir! :anbet

  • Jeden Tag, wenn ich hier einlogge, finde ich wieder eine wundervolle Rezension - so darf das Leben sehr gern weitergehen!


    Vielen Dank, milla, ich freu mich, dass Dir der dicke Blaue auch gefiel. Du hast ihn sehr schoen und treffend zusammengefasst!


    Alles Liebe von Charlie

  • Mit diesem Buch hat Charlotte Lyne mir einen Abschnitt englischer Geschichte näher gebracht, der bis dahin allenfalls oberflächlich bekannt war. Natürlich hat jeder schon mal von Heinrich dem Achten gehört, auch die Namen Katharina von Aragón und Anne Boleyn sind noch irgendwo rumgespukt und dass eine der Damen den Kopf verlor. Damit war aber auch schon Ende der Fahnenstange. Über das Enstehen der anglikanischen Kirche hatte ich mir bis dato noch gar keine weiteren Gedanken gemacht.


    Nun habe ich das Buch gelesen und bin um viele Informationen und wunderbar verbrachte Lesestunden reicher. Ich durfte Catherine Parr, Thomas, Edward und Jane Seymour persönlich kennen lernen und sie über große Teile ihres Lebens begleiten, ihren Kampf um persönliches Glück, religiöse Erfüllung und politischen Einfluss hautnah miterleben. Es bleibt dabei nicht aus, dass man sein Herz an diese Menschen hängt, die schon vor hunderten von Jahren gelebt und geliebt haben und schließlich gestorben sind. Dieses Gefühl der Nähe zu erzeugen ist einer der großen Verdienste von Charlies Roman. Gleichzeitig historische Fakten zu vermitteln und dabei aber die menschliche Komponente nicht zu vernachlässigen, einen Hintergrund für die getroffenen Entscheidungen zu liefern. Selbst unsympathische Figuren sind nicht einfach nur böse, sie haben ein Leben das sie zu dem geformt hat was sie letztendlich wurden.


    Dieses Buch und seine „Einwohner“ haben es nicht nötig, dass man sie mit vielen Worten lobt oder heraushebt (außerdem hab ich in der Leserunde schon mehr als genug geschrieben*g*), sie sprechen für sich selbst und auch ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen und eine absolute Leseempfehlung für diese Geschichte, Charlies Lebenswerk, aussprechen.


    10 von 10 Punkten

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Ich kann nur jedem Leserundenautor raten, sich unbedingt Paradise's Teilnahme zu sichern. Sie schreibt die schoensten, treffendsten Zusammenfassungen ueberhaupt. (Ich werd' spaeter noch mal nachfragen, ob ich dieses oder jenes davon benutzen darf.)


    Vielen Dank fuer Deine tolle Begleitung und Dein schoenes Schlusswort!
    Dass mein Buch ein bisschen Interesse fuer meine Lieblingsepoche und ihr Voelkchen weckt, war mein groesster Wunsch, den Ihr erfuellt habt.


    Alles Liebe von Charlie

  • Und es wurde geschrieben von dem gluecklichsten Autor, der dir jemals begegnet ist.


    Edit: Christine de Pizan interessiert mich brennend. Liest Du sie selbst, ein Buch ueber sie oder einen Roman? Gibt es ueberhaupt einen? Und wenn ja - empfehlenswert?

  • Meine Meinung:


    Unterteilt anhand der zwölf Strophen des Liedes "The twelve days of Christmas" wird eine ganz besondere Geschichte aus der Zeit Heinrich VIII erzählt. Die Geschichten von zwei Brüdern, von Liebe und Schmerz, die weit über unsere Vorstellungskraft hinausgehen, von Versagen und Triumph und nicht zuletzt von der Gründung der anglikanischen Kirche in England.


    Und das alles in so schönen Worten, dass ich wirklich mit dabei war, wie Catherine fühlte und mit ihr litt, dass die zwölfte Nacht auf Hampton Court und der Untergang der Mary Rose sich praktisch vor meinen Augen abgespielt haben. Dieses Buch ist so voller Poesie, so voller Liebe, so voller Gefühle, so voller Zärtlichkeit, so voller Schönheit, ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen.


    Danke für dieses wundervolle Buch, das im Schätzchenregal immer den vordersten Platz einnehmen wird.

    :lesendCharlotte Roth - Grandhotel Odessa


    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • Zitat

    Original von Charlie
    Edit: Christine de Pizan interessiert mich brennend. Liest Du sie selbst, ein Buch ueber sie oder einen Roman? Gibt es ueberhaupt einen? Und wenn ja - empfehlenswert?


    Guckst du hier

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Vielen Dank, Nachtgedanken! Freue mich so sehr auf Dezember.


    Beo, danke fuer den Link, das Buch hoert sich an, als haette ich's laengst gelesen haben sollen.


    Alles Liebe von Charlie

  • Beendet habe ich dieses Buch schon vor ein paar Tagen. Mit der Rezension wollte ich mir Zeit lassen, damit es erstmal sacken konnte. Das ist es auch. Vom Kopf ins Herz. Und da wird es wohl auch bleiben, dieses wunderbare Buch. Ich bin ganz sicher, daß es einen besonderen Platz in meinem Bücherregal einnehmen wird. Und dass es schwer werden könnte, die Büchereulen-Leserunde dazu zu toppen. Autorin und Leser haben sie informativ, interessant und mit viel Humor ausgestattet, es empfiehlt sich, sie buchbegleitend mitzulesen.


    Ein gewaltiges Buch. Ein Buch, bei dem ich beim Lesen manchmal fast zu atmen vergaß. Eine poetische, eigenwillige Sprache, die mich viele Sätze gleich zweimal lesen ließ. Und eine Bildgewalt, die in ihrer Macht und Farbigkeit mir Gänsehaut verursachte und manche Träne ins Auge trieb.


    Die Geschichte der Catherine Parr, sechste Ehefrau von Heinrich VIII., erzählt die Autorin so kraftvoll, lebendig und mitreißend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. 670 Seiten vergehen wie nichts. Vor dem Hintergrund des religiösen Umbruchs in England entfaltet sich das Leben der Protagonisten in all seinen Facetten. Man kommt den Personen ganz nah, denn die Autorin lässt uns an ihren Gedanken teilhaben, lässt uns das Geschehen aus ihrer Sicht miterleben.


    Schon „Die Glocken von Vineta“ hatte mich begeistert, aber dieses Buch ist eine Klasse für sich. Ich bin sicher, dass es nicht beim Einmallesen bleiben wird. Ich bin schon sehr gespannt, was die Autorin als nächstes vorlegen wird.


    Es gibt dicke 10 Punkte für diesen Lesegenuss.


    Ach ja: Sämtliche Personen des Romans sind historisch belegt. Die Geschichte, die Charlotte Lyne daraus gemacht hat, könnte sich also durchaus so abgespielt haben.

  • Vielen, vielen Dank, Jane!


    Was die Leserunde angeht, kann ich Dir nur lauthals zustimmen: Wenn Pelican den Verlag gruendet, muss sie die als Bonus-Pack herausgeben, die ist einfach toll.


    Alles Liebe von Charlie

  • Amazon macht's moeglich!


    Ansonsten gar nicht, leider.
    Es gibt zwei kleine - und liebenswerte - Shops mit internationalen Buechern und natuerlich die Uni-Bibliotheken, wo ich Stammgast bin. Aber die Auswahl ist arg beschraenkt.


    Weshalb Amazon mir demnaechst mal die goldene Nadel mit Aufschrift "An uns arm geworden" verleihen sollte.


    Alles Liebe von Charlie

  • Das Problem hatten wir damals in Dubai auch. Es gab keine deutschen Bücher, höchstens ein paar "Easy Readers" für Leute, die Deutsch lernen.
    Die Bücher für die Kinder mussten wir immer aus Deutschland mitschleppen oder in der leider recht kleinen Bücherei der deutschen Schule ausleihen.
    Ich weiß nicht, ob es amazon schon gab, aber die Versandkosten wären sicher auch enorm gewesen.
    Dafür gab es aber mengenweise englische Bücher, wesentlich mehr als (früher) in den deutschen Buchhandlungen. Heutzutage gibt es in München glücklicherweise sogar eine ganze Hugendubel-Filiale nur mit englischen Büchern :-]

  • Da hat sich so vieles geaendert. Als ich in Campanien studiert hab (ein Vierteljahrhundert ist's her ...), waere ich nicht mal auf die Idee gekommen, ausserhalb der Uni nach deutschen Buechern zu suchen. Gab's eben nicht. Es gab auch kein Internet, keine SMS, keine billigen Ferngespraeche. Im Grossen und Ganzen: kein Deutsch. Als ich nach zwei Jahren nach Hause fuhr, sass mir im Zug ein distinguierter freundlicher aelterer Herr aus Muenchen gegenueber, der sich sehr fuer die von mir gegessenen neapolitanischen Orangen interessierte. Wir kamen ins Gespraech. Nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich wie ein Doofling stotterte und ich nicht in der Lage war, mich fluessig zu unterhalten. Mir war's peinlich, also bemerkte ich: "Bitte entschuldigen Sie. Ich habe im Augenblick etwas Probleme mit der Sprache."
    "Aber nicht doch", erwiderte er galant. "Sie sprechen doch recht ordentlich Deutsch."


    Bin sehr dankbar, dass wir heute hier in taeglichem Kontakt mit Deutschland stehen. Ansonsten koennte ich mich beruflich bald vergessen.


    Alles Liebe von Charlie