Sarah Kuttner - Mängelexemplar

  • Ich muss gestehen, ich fand Karo am Anfang einfach ein wenig nervig.
    Sie geht zurPsychotherapie, weil es eben vieleicht auch schick ist dahin zu gehen und sie ja schliesslich alles mitbringt, was man dafür braucht.


    Daß sich dann rausstellt, daß sie tatsächlich depresiv ist, kam amAnfang für mich eher wie Zufall raus. So nach dem Motto, jetzt bist Du schon mal da, dann haste auch was.
    Wobei sich ja herausstellt, daß sie tatsächlich ihr Päckchen zu tragen hat und auch eine entsprechende Vorgeschichte.
    Im Nachhinein hat mir das Buch gut gefallen, die Entwicklug von Karo war glaubhaft und nachvollziehbar. Und nebenbei lies das Buch sich sehr zügig und angenehm lesen. Die kurzen Kapitel haben da ein übriges getan.


    Aber irgendwie hat es mich auch ein wenig an Bridget Jones auf Psychopharmaka erinnert.


    Von mir 8 von 10 Punkten, es hat mich doch gut unterhalten.

  • Zitat

    Original von streifi
    Aber irgendwie hat es mich auch ein wenig an Bridget Jones auf Psychopharmaka erinnert.


    Bridget Jones kann ich ja gar nicht ab....


    Für mich war das eher so, als würde sich Karo eben einreden, dass die ja nur hingeht, weil es Mode nicht und nicht wahrhaben will, wie dreckig es ihr doch eigentlich geht :gruebel

    With love in your eyes and a flame in your heart you're gonna find yourself some resolution.


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  • Nachdem die 26 – jährige Karo Herrmann ihren Job und danach auch ihren Freund verliert, beginnt sie aufgrund einer Depression an Angstzuständen und Panikattacken zu leiden. Von da an versucht sie mit Hilfe ihrer Therapeutin und ihren Freunden den Grund für ihre Ängste zu finden und will dadurch gleichzeitig zu sich selbst finden.
    Sarah Kuttner hat für mich mit ihrem Romandebüt „Mängelexemplar“ ein gutes, amüsantes, fesselndes und zugleich nachdenkliches Buch geschrieben. Sie schildert Karos psychische Probleme auf eine lockere aber auch ernst zunehmende Art. Man fühlt mit der Hauptprotagonistin und versucht sich während des Lesens in deren Perspektive hineinzuversetzen. Dabei wird das eigentliche Problem, Karos Angst, nicht heruntergespielt oder gar verharmlost. Im Gegenteil, man leidet und fühlt mit ihr.
    Die Atmosphäre, die in diesem gelungenem Buch herrscht, ist sehr angenehm und bannt den Leser auch sofort an die Geschichte. Leider war das Buch für mich zu schnell zu Ende.
    Mit Karo Herrmann schafft Sarah Kuttner eine liebenswerte und sympathische Person, die man sofort ins Herz schließt.
    „Mängelexemplar“ fand ich einfach nur grandios und ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.


    5 von 5 Sternen!

  • Ich habe mich gefreut, dass es mal ein Buch zu diesem Thema gibt, dass es geschafft hat bekannter zu werden.
    Ich finde, dass Thema Depressionen wird gut behandelt, vor allem weil deutlich gemacht wird, dass es nichts schlimmes ist und weit mehr Menschen betroffen sind als man zuerst denkt.
    Leider habe ich mich etwas am Schreibstil gestört: manchmal war es mir echt zu viel "Jugendsprache", da hätte ich mir eine ernstere ausdrucksweise gewünscht.
    Tortzdem ein sehr schönes Buch!

  • Hallo, Jessy.


    Zitat

    Ich habe mich gefreut, dass es mal ein Buch zu diesem Thema gibt, dass es geschafft hat bekannter zu werden.


    Mit Verlaub. Das Buch hat es keineswegs "geschafft", bekannter zu werden. Das hat die Autorin vorher geschafft. Und nur deshalb ist dieses Buch bekannt geworden. Sarah Kuttner ist eine Medienfigur, die diese Präsenz auch weidlich genutzt hat, um für ihren Roman zu werben. Ohne diesen Vorteil und von einem anderen, noch unbekannten Autor verfasst (oder unter einen Pseudonym veröffentlicht) hätte es dieser Titel nie in die Bestsellerlisten geschafft.

  • Ich hab das Buch zwar nicht gelesen, aber ich muss in diesem Thread unbedingt mal die Geschichte loswerden von der Frau, die im Bücherladen eine halbe Stunde lang darauf bestand dieses Buch zurückgeben zu wollen, es hätte ihr ja niemand gesagt, dass das ein Mängelexemplar wäre und sie hätte den vollen Preis bezahlt :rofl

  • Ich habe "Mängelexemplar" gleich als es neu war gelesen, bin jedoch eher zufällig darauf gestossen. Kannte Sarah Kuttner vorher nur so vom hören sagen ^^


    Das Buch ist mir wegen der Aufmachung aufgefallen, sieht cool aus, finde ich! Und es sieht nicht nur cool aus, sondern ists auch! Ein "fucking event", oder so.
    Die Geschichte ist leicht und flüssig zu lesen, darum kam ich sehr schnell vorwärts. Dies natürlich auch, weil mich die Handlung wirklich packte. Ich konnte mich gut in die Hauptperson hineinversetzen. Ausserdem wird das Thema Depression auf eine humorvolle, aber trotzdem realistische (so weit ich das beurteilen kann...) Art behandelt. Macht Mut sich damit auseinanderzusetzen und sich Gedanken darüber zu machen!


    Kann ich weiterempfehlen!

  • Zitat

    Original von Tom
    Mit Verlaub. Das Buch hat es keineswegs "geschafft", bekannter zu werden. Das hat die Autorin vorher geschafft. Und nur deshalb ist dieses Buch bekannt geworden. Sarah Kuttner ist eine Medienfigur, die diese Präsenz auch weidlich genutzt hat, um für ihren Roman zu werben. Ohne diesen Vorteil und von einem anderen, noch unbekannten Autor verfasst (oder unter einen Pseudonym veröffentlicht) hätte es dieser Titel nie in die Bestsellerlisten geschafft.


    Das finde ich übertrieben. S. Fischer ist ein renommierter Verlag und wie viele Newcomer sind mit ihm schon in die Bestsellerlisten eingestiegen. Sicher war Kuttners Medienpräsenz förderlich für den Verkauf des Titels, das will ich gar nicht bestreiten, aber ich finde es arg schikanierend zu behaupten, das Buch hätte ohne Trommelwirbel keinen Erfolg gehabt.


    Das weißt du nicht und kannst du auch nicht wirklich wissen, sorry. :rolleyes

  • Zitat

    Original von Tom
    Hallo, Jessy.



    Mit Verlaub. Das Buch hat es keineswegs "geschafft", bekannter zu werden. Das hat die Autorin vorher geschafft. Und nur deshalb ist dieses Buch bekannt geworden. Sarah Kuttner ist eine Medienfigur, die diese Präsenz auch weidlich genutzt hat, um für ihren Roman zu werben. Ohne diesen Vorteil und von einem anderen, noch unbekannten Autor verfasst (oder unter einen Pseudonym veröffentlicht) hätte es dieser Titel nie in die Bestsellerlisten geschafft.


    Hm, mir war die Autorin vorher nicht bekannt.

  • Hallo, Tam.


    Zitat

    S. Fischer ist ein renommierter Verlag und wie viele Newcomer sind mit ihm schon in die Bestsellerlisten eingestiegen.


    Aha. Welche?


    Zitat

    Sicher war Kuttners Medienpräsenz förderlich für den Verkauf des Titels, das will ich gar nicht bestreiten, aber ich finde es arg schikanierend zu behaupten, das Buch hätte ohne Trommelwirbel keinen Erfolg gehabt.


    Das hat mit "Schikane" nichts zu tun. Kuttners Buch ist "Promiliteratur", und die verkauft sich derzeit nicht nur gut, sie wird auch gerne verkauft - Buchhändler wissen das ganz genau. Die Verlage und Verlagsvertreter bieten solche Bücher zuvorderst an, und es wird ins vorrangig Sortiment genommen, weil - wie hier - mit dem Erscheinungstermin die Medienmaschine anspringt und die Autoren durch die Sendungen gereicht werden. Rund um das Publikationsdatum gab es kaum eine Magazinsendung, in der Kuttner nicht auftrat.


    Mit Verlaub. Ich habe von "Mängelexemplar" nur die Leseprobe zur Kenntnis genommen, und mehr davon hätte ich auch nicht lesen wollen. Es kam mir aufgesetzt, selbstverliebt und (zu gewollt) lässig vor, außerdem ist das Buch, vorsichtig ausgedrückt, nicht sonderlich gut geschrieben. Ein Debütant ohne ihr Backing wäre mit diesem Buch auf dem Bauch gelandet.

  • Zitat

    Original von Tom
    Aha. Welche?


    Bspw. Tana French (Scherz-Verlag, gehört zu S. Fischer) ;-)


    Zitat

    Original von Tom
    Das hat mit "Schikane" nichts zu tun. Kuttners Buch ist "Promiliteratur", und die verkauft sich derzeit nicht nur gut, sie wird auch gerne verkauft - Buchhändler wissen das ganz genau. Die Verlage und Verlagsvertreter bieten solche Bücher zuvorderst an, und es wird ins vorrangig Sortiment genommen, weil - wie hier - mit dem Erscheinungstermin die Medienmaschine anspringt und die Autoren durch die Sendungen gereicht werden. Rund um das Publikationsdatum gab es kaum eine Magazinsendung, in der Kuttner nicht auftrat.


    Das mag durchaus sein und ist ja auch nicht unbedingt etwas Schlechtes. Aber wie viele Kunden kamen zu mir "Eine Freundin von mir hat mir da von einem ganz tollem Buch erzählt...", "Katja hat heute in der Pause Mängelexemplar von Kuttner gelesen..." usw. Mag sein, dass die Leute vorrangig durch Medien auf das Buch aufmerksam wurden, aber es ist auch nicht zu bestreiten, dass das Buch für manche so gut geschrieben war, dass sie es weiterempfohlen haben, wie z. B. auch einige Eulen hier.



    Zitat

    Original von Tom
    Mit Verlaub. Ich habe von "Mängelexemplar" nur die Leseprobe zur Kenntnis genommen, und mehr davon hätte ich auch nicht lesen wollen. Es kam mir aufgesetzt, selbstverliebt und (zu gewollt) lässig vor, außerdem ist das Buch, vorsichtig ausgedrückt, nicht sonderlich gut geschrieben.


    Mit Verlaub. ;-) Man kann ein Buch nicht nach einer Leseprobe bewerten. Klar, man kann mit dem Schreibstil unzufrieden sein, aber wie viele Bücher waren für unsereins anfangs lausig und wurden im späteren Verlauf immer besser? ;-)

  • Zitat

    Original von Tom
    Es kam mir aufgesetzt, selbstverliebt und (zu gewollt) lässig vor, außerdem ist das Buch, vorsichtig ausgedrückt, nicht sonderlich gut geschrieben.


    Wie definiert man denn ,,nicht gut geschrieben"? Ich denke das ist eine sehr weite Aussage und teilweise auch sehr subjektiv beurteilt. Ich habe Mängelexemplar noch nicht gelesen und kann mit der Aussage nichts anfangen, um mir ein Urteil zu bilden.

  • Zitat

    Original von Lucy1987
    Wie definiert man denn ,,nicht gut geschrieben"?


    Würde mich auch interessieren. Natürlich sind Kuttners Sätze nicht "intellektuell" (was immer das auch heissen mag), sondern eher pubertär, einfach und alltäglich. Das ist aber nichts Schlechtes, denn es passt perfekt zur Ich-Erzählerin. Klar, Sätze à la "Der nächste Morgen war ein Arschloch" sind gewöhnungsbedürftig ;-) Aber schlecht ist was anderes.


    Mängelexemplare ist nicht das beste Buch, das je geschrieben wurde, aber eine positive Überraschung.

  • Zitat

    Man kann ein Buch nicht nach einer Leseprobe bewerten.


    Nicht? Seltsam. Die Verlage arbeiten beim Ankauf von neuen Manuskripten so gut wie ausschließlich auf diese Art.


    Ja, "schlecht geschrieben" ist keine werthaltige Aussage. Sondern ein Ausdruck des zutiefst subjektiven Empfindens. Wenn Sprachmelodie, eine angemessene Diktion, künstlerischer Umgang mit Sprache fehlen, empfinde ich ein Buch als nicht gut - oder, präzise: schlecht - geschrieben. Und das war bei ebenjener Leseprobe der Fall. ;-) Und das hat mit "intellektueller Schreibe" nichts zu tun.

  • Zitat

    Original von Tom
    Nicht? Seltsam. Die Verlage arbeiten beim Ankauf von neuen Manuskripten so gut wie ausschließlich auf diese Art.


    Verlage fordern aber auch eine komplette Inhaltsangabe bzw. Rahmenhandlung an. Von daher kann sich ein Lektor ein Bild davon machen, ob das Buch in das Verlagsprogramm passen würde. Aber auch mit einer Leseprobe kann ein Lektor noch nicht sagen, ob das Buch gut oder schlecht ist. Ist ja eigentlich nur logisch, oder? Schließlich liest man eben nicht den gesamten Text.

  • Hallo, Tam.


    Zitat

    Aber auch mit einer Leseprobe kann ein Lektor noch nicht sagen, ob das Buch gut oder schlecht ist.


    Nun, wenn die Leseprobe schlecht ist, dann ist das gesamte Buch mindestens "auch schlecht", selbst wenn unerwarteter- und unwahrscheinlicherweise gleich nach der Leseprobe ein Feuerwerk des Witzes, der Lakonik, der fulminanten Sprache und der ausgefeilten Dramaturgie folgen würde (wobei ich mich dann fragen würde, warum der Autor ausgerechnet den schlechten Anteil versendet). Und umgekehrt mag manch einer grandiosen Leseprobe, die vierzig Mal überarbeitet wurde und neunzig Prozent des Autorenherzblutes enthält, noch würdeloser literarischer Dünnschiss folgen. Alleine, die Wahrscheinlichkeit für ersteres ist geringer als diejenige für zweiteres, weshalb die Lektoren vermutlich nicht viel falsch machen, wenn sie nach einer guten Leseprobe das Gesamtmanuskript anfordern und bei der schlechten eine Formablehnung versenden. Die können sie als Antwort auf das schlechte Manuskript, das einer guten Leseprobe folgte, ja immer noch verschicken.


    Und ein Buch, das schlecht anfängt, ist aus meiner Sicht (als Leser) schlecht. Wobei ich auch nicht annehme, dass sich Frau Kuttners Werk nach den zwanzig oder dreißig Seiten, die auf der Verlagssite als Leseprobe veröffentlicht sind, noch großartig ändert. ;-)


    Um nicht falsch verstanden zu werden - niemand muss dieses Buch schlecht finden, weil ich es schlecht finde, oder sich gar dafür schämen, es zu mögen. "Gute" und "schlechte" Bücher gibt es ja nicht wirklich, es gibt nur die falschen Leser. Ich bin der falsche Leser im vorliegenden Fall. Was an meinen Promiliteraturanmerkungen aber nichts ändert. Ohne den TV-Bonus hätte es dieses Buch nicht in die Bestsellerlisten geschafft, und vielleicht nicht einmal in den Buchhandel.

  • Hatte es heute in der Hand, habs auch durchgeblättert, und fand super, was ich so sah.. aber das liebe Geld.. habe diesen Monat vier Bücher gekauft, und mehr ist einfach nicht drin. Eigentlich ist nur eins im Monat vorgesehen... :schlaeger

  • Als ich das Buch angelesen hab fand ich es ja gut geschrieben. Aber auf dauer nervt es. Karo nervt auch. Sie ist nicht nur abgedreht, sie steckt auch in einer sich immer wiederholenden schleife.
    Ja, sicher sie ist depressiv und alles, aber darauf hab ich keinen Bock.


    Abgebrochen nach 100 Seiten
    (bei dem dünnen Buch relativ viel)