Lesejahr 2009: Welches Buch ist Euer persönlicher Geheimtipp?

  • Das Buch fand ich erschütternd - und machte mich nachdenklich. Ob es jetzt ein Geheimtipp ist, weiß ich nicht, aber für mich eine Autorenentdeckung des Jahres.


    Weißes Licht von Marina Heib


    Der Körper lag sorgsam aufgebahrt auf einem Bett aus Reisig und Stroh. Bedeckt mit einem weißen Laken. Es gab kaum noch Spuren, seit Tagen regnete es. Christian Beyer, Leiter der Ermittlungsgruppe, trat unter den Plastikbaldachin, um den toten Jungen genauer anzusehen: das vierte Opfer, das vierte tote Kind. Wut stieg in ihm hoch, denn sie hatten nicht viel mehr als die kryptischen Psalmen des Mörders. Die Medien nannten ihn nur den »Bestatter«. Beyer und seine Leute mußten ihn kriegen, bevor es ein fünftes Opfer gab. - »Weißes Licht«, Marina Heibs erster psychologischer Kriminalroman, geht unter die Haut und wird niemanden kalt lassen.

  • Dieses Buch hat mich 2009 am meisten beeindruckt.
    Eine fantastische Geschichte, die so real und wirklich geschildert wird, dass man hinterher wieder an Engel glaubt.

    "Das Schicksal macht Fehler. Eigentlich sogar ziemlich oft. Es kommt nur selten vor, dass jemand in der Lage ist, es auch zu bemerken."
    aus Eine Hexe mit Geschmack von A. Lee Martinez

  • Rushdie ist zwar alles andere als ein Geheimtipp, aber bei den Eulen scheint er nicht so recht beliebt zu sein. Ich habe dieses Jahr dank der Eulen viele schöne Bücher gelesen (und viel weniger abgebrochen als normal), doch die bezaubernde Florentinerin hat mich am meisten begeistert. Die schöne Sprache (ich ziehe den Hut auch vor dem Übersetzer), der Humor, die schräge Geschichte und - last but not least - ist Rushdie mit Akbar dem Großen eine fantastische Romanfigur gelungen, die zwar wahrscheinlich nix mit dem historischen Vorbild zu tun hat, aber wen kümmert's?

  • Im Bereich Reiseliteratur hat mich Iris Alanyali mit ihrer "Gebrauchsanweisung für die Türkei" beeindruckt. Die Autorin mit türkischen Wurzeln ist in Deutschland aufgewachsen und hat es verstanden, Vermittlerin zwischen zwei Kulturen zu sein und ihre Sichtweisen in einem ansprechenden Stil darzulegen.


    Im Bereich Belletristik/zeitgenössische Literatur haben mich dieses Jahr
    "Die Liebenden von Dschidda" und "Keiko" positiv überrascht.

  • Schwierig, sehr schwierig. Ich habe dieses Jahr einige Highlights gehabt, darunter vorwiegend Romane, die mir sehr gut gefallen habe. Unter diesen jedoch einen Geheimtipp auszumachen fällt mir schwer.


    Daher ist mein Geheimtipp ein Sachbuch über Meeresschildkröten, in dem über den Aufbau verschiedener Forschungsprojekte und die Entwicklung des Schutzes von Meeresschildkröten in den letzten Jahrzehnten v.a. in den USA berichtet wird. Zudem erfährt man sehr viel über die gesundheitliche Situation der wildlebenden Tiere.
    Da ich vor einigen Jahren mit Meeresschildkröten gearbeitet habe und es i. d. R. nur wenige wissenschaftliche Literatur über diese gibt, ist das mein absolutes Jahreshighlight!

  • Für mich ein echter Geheimtipp dürfte das Buch "Clara fährt nach Capri" sein.


    Eine Geschichte, so kompliziert sie eigtl nur das Leben selbst schreiben kann. Klara, die in der Stadt als "Schlampe" verschrien ist, ist die Erste, die gegen Ende der 50er mehrere Liebschaften zu Männern pflegt. Ihr bester Freund Adi, der bereits damals erkannt hatte, dass seine Triebe in eine andere "abnormale" Richtung zeigen, nämlich die eines Homosexuellen, ist auch verschrien...


    In diesem Buch nieselt es leise vor Tabuthemen. Homosexuealität, Selbstbefriedigung, Aids als "Schwulenkrankheit" und vorallem Kuckuckskinder.



    Habe hier leider in meiner Suche nichts über das Buch gefunden. Hat das bisher noch niemand gelesen?! :yikes


    You're like a splinter to my mind
    Like a nail to my wrist
    A dagger to my heart
    Like needles through my soul

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  • Zitat

    Original von Sigrid2110
    Ein Geheimtipp, der eigentlich gar nicht so geheim ist, aber so wunderschön, dass ich das Buch nur wärmsten empfehlen kann:


    Bridie und Finn - Harry Cauley


    Kurzbeschreibung
    Bridie O'Connor ist das seltsamste Mädchen, das Finn und seinen Klassenkameraden je untergekommen ist: Sie ist frech und furchtlos, und alles an ihr ist ein bisschen schlampig. Finn, ein stiller Junge und Einzelgänger, kann sie zuerst nicht ausstehen. Aber das ändert sich bald. Die beiden werden unzertrennlich. Doch die Feuerprobe steht Bridie und Finn noch bevor ...



    Das Buch habe ich jetzt mal bestellt. Bin schon gespannt!

  • Zitat

    Original von Tübinger91
    Ich finde das ein echter Geheimtipp ist. Inbesonders das Ende hat es echt in sich und ihr werdet staunen :wow


    naja, als der Autor ist nun wirklich kein Geheimtipp bei den Eulen mehr. die Bücher werden hier gelesen, wie sonst woanders Harry Potter...

  • Für mich eines der absoluten Highlights dieses Lesejahrs:
    Eine Geschichte von Schmerzen, vom Alleinsein, von der Liebe als Herausforderung. Und die Geschichte von Leah und Helene, die bei der Suche nach dem verloren geglaubten Leben mehr finden, als sie jemals hätten erahnen können.
    In einer Zeit, als ihr das Weiterleben als die größte Strafe jenes Gottes erscheint, an den sie nicht glaubt, kehrt Helene in das kleine Dorf an der rauhen spanischen Nordwestküste zurück. Ein Ort, der ihr eigentlich fremd ist, an dem jedoch auch ihre eigenen Erinnerungen leben. Alles hier, der Strand, das Meer und die schattigen Gänge des Klosters, trägt Spuren ihres verlorenen Sohnes. Um dem Schmerz zu entfliehen, rennt Helene jeden Morgen am Strand entlang, atemlos. Aber die Flucht vor ihrem Leben wird ihr nicht gelingen ... Auch Leah flieht irgendwann nicht mehr. Sie trifft Helene. Leah, die mit ihren 18 Jahren erst am Anfang des Lebens steht und als Au-Pair-Mädchen zum Onkel nach Spanien geschickt wurde, findet in Helenes früherem Leben den Traum von ihrem eigenen: erfolgreiche Fotografin, geliebte Ehefrau und Mutter. Sie will nicht wahr haben, dass es diese Helene nicht mehr geben soll, und beginnt rücksichtslos, die Geheimnisse der Vergangenheit aufzubrechen ...

  • Genau wie dieses hier, absolut lesenswert:


    Zwei Brüder ertrinken auf hoher See, eine Schwester stirbt als Kind einen verdächtigen Tod, ein Vater und sein Sohn werden zufällig Zeuge der Untreue der Ehefrau und Mutter, ein Chirurg erkennt im letzten Moment, dass die obsessive Schmetterlingssammlerei seines Großvaters fast sein eigenes Leben zerstört, eine Mikrobiologin entdeckt, dass sie ungewollt schwanger ist und trifft inmitten einer Cholera-Epidemie den Mann, der der Vater ihres Kindes werden könnte… In acht Geschichten, die vor leidenschaftlicher Intensität und tiefer Menschlichkeit geradezu überschäumen, erzählt uns John Murray von den entscheidenden Momenten im Leben seiner Helden. Von der Liebe und der Angst, von der Wahrheit eines Lebens und dem Glück des Unwissenden. Und davon, dass jeder Stern am Himmel ein Wunsch ist, vor Jahrmillionen ausgesprochen – und erfüllbar. Erfüllbar.

  • Für mich ist Theresa Révay die Autorin des Jahres


    Die weißen Lichter von Paris --> Theresa Révay


    Der Club Über dieses Buch:
    Paris, 20er Jahre. Xenia Ossolin flieht vor der Oktoberrevolution nach Paris, wo sie als Näherin ihr Überleben sichert. Doch als ein Modeschöpfer die Russin entdeckt, ändert sich ihr Schicksal: Sie steigt zum Mannequin auf, die Illustrierten reißen sich um ihr unnahbar wirkendes Gesicht. Auch der Berliner Modefotograf Max ist von Xenia hingerissen. Und obwohl Xenia ihn liebt, weist sie ihn zurück - zu sehr hat ihre Vergangenheit sie misstrauisch gemacht gegenüber Gefühlen. Erst Jahre später begegnen sie sich unter dramatischen Umständen wieder, denn die Welt steht vor dem 2. Weltkrieg.

    Bilder

    • Lichter.jpg

    :lesend Der letzte Harem - Peter Prange

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  • 2.


    Der Himmel über den Linden --> Theresa Révay


    Der Club Über dieses Buch:
    Die Fortsetzung der unvergesslichen Liebesgeschichte von »Die weißen Lichter von Paris« vor der bewegenden Kulisse der Nachkriegszeit in Europa. 1944. Paris ist befreit und erwacht ganz allmählich zu neuem Glanz. Auch die russische Adlige Xenia ist von Zuversicht erfüllt. Mit knapp über 40 ist sie noch immer schön und gefragt in der Modewelt. Doch für Xenia zählt jetzt nur eins: Sie muss Max wiedersehen, den einzigen Mann, der je ihr Herz berührt hat. Wird sie ihn in den Ruinen von Berlin finden? Und wird sie mit ihm leben können, zusammen mit Natascha, der Tochter, die Max nicht kennt?

  • 3.
    Das Erbe der Fonteroys --> Theresa Révay


    Kurzbeschreibung
    Die großartige Familiensaga der Fonteroys einer mächtigen Pariser Dynastie von Pelzhändlern zwischen Aufstieg und Fall, Liebe, Hass und Geheimnissen. Über drei Generationen hinweg wird von bewegenden Schicksalen erzählt - zwischen Paris, Leipzig und Leningrad, zwischen großen Pelzmessen und prachtvollen Salons.Sie sind eine mächtige und berühmte Dynastie von Pelzhändlern. Um 1900 trägt ganz Paris die Kreationen der Fonteroys. Aber der junge Leon Fonteroy sucht das Abenteuer. Während er nach Kanada und Russland reist, muss sein Bruder Andre die Tradition des Hauses weiterführen. In seiner Ehe mit der schönen Valentine ahnter nicht, dass sie ein Geheimnis vor ihm verbirgt. Andres Kinder werden in die Wirren der Geschichte verstrickt, als sie im Zweiten Weltkrieg Sergei begegnen, dem Sohn von Leon. Eine verbotene Liebe droht die Familie der Fonteroys zu zerreissen.



    Über den Autor
    Theresa Révay, 1965 in Paris geboren und aufgewachsen, studierte französische Literatur an der Sorbonne. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman mit Anfang zwanzig. Danach arbeitete sie viele Jahre als Übersetzerin und Gutachterin für verschiedene französische Verlage.

  • Alice Herdan-Zuckmayer, die Ehefrau Carl Zuckmayers hat nur gerade vier Bücher geschrieben, leider.
    Sie hat erst spät das Schreiben für sich entdeckt, und es fehlte ihr auch an der notwendigen Zeit um zu schreiben, sie hat ihr Leben ganz auf ihren berühmten Mann ausgerichtet.


    Zwei davon habe ich vor längerer Zeit mal gelesen. Eines hat mir eine liebe Bekannte, die ich bei den Eulen kennenlernte, zugeschickt. Es heisst: DAS SCHEUSAL. Das Vierte und Letzte liegt noch auf dem SuB. Manchmal lasse ich Bücher auch mit grosser Absicht dort liegen, um mich noch bisschen länger auf sie freuen zu können.


    Einige ganz entspannte, vergnügliche Lesestunden habe ich also dieses Jahr mit dem SCHEUSAL verbracht.
    Entspannt daher, weil ich gerne von Menschen lese, welche mit grosser Achtung mit ihrer Umwelt, insbesondere auch mit den Tieren umgehen.


    Kurzbeschreibung
    Das Scheusal heißt Mucki und ist ein alter, blinder, unsäglich verwöhnter Hund. Alice Herdan-Zuckmayer erbte ihn - als »Verpflichtung« von einer schrulligen Tante. Als Zuckmayers 1938 aus Österreich flohen, mußten sie den wertvollsten Teil der Erbschaft zurücklassen, aber Mucki begleitete sie auf allen Wegen des Exils. Mucki erlebte die Überfahrt in die USA in trunkenem Zustand, passierte den Zoll als »wertloses« Hundetier und erreichte auch noch die »Farm in den grünen Bergen«, wo er hochbetagt und tief betrauert starb. Dieses Buch zählt zu den großen Tiergeschichten, die über den Menschen so viel aussagen wie über die Kreatur, aber es gehört auch zu den großen autobiographischen Zeugnissen unserer Literatur.



    Über den Autor

    Alice Herdan-Zuckmayer wurde in Wien geboren. Sie war in den frühen zwanziger Jahren Schauspielerin in Berlin und heiratete 1925 den Schriftsteller Carl Zuckmayer. 1939 wanderte das Ehepaar in die Vereinigten Staaten aus, wo sie während der Kriegsjahre eine Farm im Staat Vermont betrieben. Alice Herdan-Zuckmayer starb am 11. März 1991 in Wallis (Schweiz).

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

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