Das Labyrinth der Wörter - Marie Sabine Roger

  • Nun ist das Buch durchgelesen und es hinterlässt doch einen guten Eindruck. :-) Es hat mich doch zum nachdenken angeregt und ich bin noch immer mit meinen Gedanken bei dem Buch. Es ist schon schlimm zu wissen, dass sich manche Menschen mit dem Nichtwissen Dritter bereichern und sich über ihn lustig machen. Dann wiederum gibt es so nette alte Damen, welche dich auf den rechten Weg führt. Es ist ein Buch, welches man vielleicht mit ein wenig Bedacht lesen sollte, denn ansonsten bekommt man schnell den Eindruck, dass Germain ein naiver Typ ist - dabei kann er doch nicht allein etwas für seinen Wissensstand. Ein witzig geschriebenes Buch mit einem schönen Abschluss.

  • Dieses Buch wäre mir beinahe entgangen, da jemand zu mir sagte: "Ich habe da reingelesen und fand den Schreibstil furchtbar naiv". Daraufhin beschloss ich, die Finger davon zu lassen.


    Nach der Verfilmung mit G. Depardieu (die ich noch nicht gesehen habe), lief es mir jedoch als 1-Euro-Buch über den Weg und ich dachte, probieren geht über studieren.


    Nun neige ich nicht dazu, Belletristik auseinanderzunehmen und wie meinetwegen zeitgenössische Literatur zu bewerten, sondern einzig und allein danach, welches Lesegefühl es mir vermittelt hat.
    Und das waren Gefühle, die mir glatte 9 Punkte wert sind.


    Ich glaube übrigens nicht, dass Germains Erzähl-Stil unfreiwillig komisch ist, sondern genau so sein sollte: dass man auch mal lachen kann, obwohl die Hauptfigur von ihrem nicht gerade erbaulichen Leben erzählt und in diesem ordentlich Sch... gefressen hat.


    Es war schön zu lesen, wie ein mittelalter Mann von Lethargie zu Empathie gewechselt hat, so ganz nebenbei; neben Geschichten hören, die ihm vorgelesen werden (wer hat das Glück heutzutage schon noch?) und den ersten eigenen Lese-Versuchen.


    Auch bei diesem Buch kann ich nur sagen: lieber selber reinlesen und abbrechen, wenn es dir nicht gefällt, aber aufgrund anderer Meinungen die Finger davon lassen? Da könnte dir etwas entgehen.


    Gruß vom killerbinchen :wave

  • Zitat

    Original von killerbinchen
    Auch bei diesem Buch kann ich nur sagen: lieber selber reinlesen und abbrechen, wenn es dir nicht gefällt, aber aufgrund anderer Meinungen die Finger davon lassen? Da könnte dir etwas entgehen.


    Das sehe ich genauso. Gerade in diesem Fall ist die schlichte Sprache ein Stilmittel und nicht dem Unvermögen der Autorin geschuldet. Sie hat aus Sicht von Germain erzählt und der besitzt nun mal keine ausgefeilte Rhetorik. Ich mochte das Buch ebenfalls gerne. :wave

  • Das Buch ist in diesem Sommer auch meine Lektüre gewesen und es hat mir gut gefallen. Meine Kollegin hatte vom Kinofilm geschwärmt, als Film möchte ich ihn auch nun gern noch sehen. Ich bin froh das Buch gelesen zu haben, es ist ja ein schnell zu lesendes liebevolles Buch.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Von diesem Buch hatte ich im Vorfeld schon oft gehört. Positives. Fast schon zuviel Positives. Denn wie oft wurde man schon enttäuscht, wenn etwas so sehr in den Himmel gelobt wurde? Doch dies ist hier persönlich für mich absolut nicht der Fall. Eher im Gegenteil.


    Wir treffen auf Germain, der sich bisher eher schlecht als recht durchs Leben gekämpft hat. So richtig zufrieden ist er nicht, würde dies aber nicht einmal vor sich selbst zugeben. Er pflegt einige derbe Männerfreundschaften, in denen es überwiegend um Bier und eine Menge Sprüche geht. Oft eckt er an und wird komisch von seiner Umgebung angeschaut und er kann sich selbst nicht erklären, warum das eigentlich so ist.


    Bis er eines Tages auf einer kleinen Bank im Park auf Margueritte trifft. Die Seniorin beobachtet genau so gerne wie er die zahlreichen Tauben und genießt die frische Luft im Park abseits des Altenheims. Und eine weitere Leidenschaft hegt sie: Die zu den Büchern und geschriebenen Worten. Eine Welt, die sich Germain noch nie so ganz erschliessen wollte. Bücher? Nein, die braucht er nicht, der Sinn will sich ihm nicht erschließen.


    In ihren Gesprächen wird Margueritte schon bald klar, dass es nicht an den Geschichten zwischen den Buchseiten hapert, sondern vielmehr am Lesen und Textverständnis. Und so nimmt eine ganz wunderbare Freundschaft ihren Lauf, in der bald solch schöne Dinge wie Bücher, Texte und Vorlesetreffen auf dem täglichen Plan stehen. Germain entdeckt ganz neue Seiten an sich selbst – sowie auch an der Welt um ihn herum…


    Dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen. Sprachlich finde ich es einmalig toll. Man wird in Germains Welt hineingestossen und freut sich an jedem Schritt, den er aus seinem kleinen Einsiedlerleben hinausmacht. Die Freundschaft zwischen diesen beiden eigentlich so unterschiedlichen Personen ist einmalig und dabei zu Herzen gehend schön beschrieben. Und auch die anderen Personen in Germains Leben kommen nicht zu kurz. Kurz gesagt: Eine wunderschöne Geschichte, die ich nicht mehr missen möchte. Und leider viel zu schnell ausgelesen.


    Ich habe dieses Buch gerne gelesen und vergebe 5 von 5 Punkten.

  • Vorweg: Der Film hat mir viel besser gefallen.


    Wir lesen das Buch gerade im Französisch-Kurs und ich kapiere so gut wie nichts. Das liegt an der Gossensprache Germains, der von seinem Leben erzählt, indem er sich daran erinnert. Ärgerlich: Für einen Non-Native-Speaker ist Germain schlechter zu verstehen als der Ich-Erzähler in Prousts „Eine Liebe Swanns“.


    Zwar habe ich den Deutsch sprechenden Germain besser verstanden, aber den Vorgang des Sich-Erinnerns hat die Autorin bestenfalls suboptimal umgesetzt. Gerade am Anfang wären mir fast die Füße eingeschlafen. Mit zunehmender Lesedauer wurde es besser und über einige Eskapaden konnte ich dann doch schmunzeln. Und natürlich ließ die eine oder andere Träne sich nicht unterdrücken, obwohl doch einige Episoden ein wenig aufgesetzt und klischeehaft wirken.


    Meistens ist das Buch besser als der Film. In diesem Fall ist es umgekehrt.

  • Es war mein erstes Buch nach einer langen Lesepause. Ich hab nach einer klugen,aber kurzweiligen Geschichte gesucht, und das hab ich auch vorgefunden.
    Ich fand den Schreibstil ein wenig anstrengend, aber wenn man sich auf das Buch einlässt, und bis zu Ende durchhält, dann wird man belohnt mit lustigen, bisweilen aberwitzigen Sätzen,kleinen, versteckten Lebensweisheiten, und einem rührendem Abschluß.
    Sehr zu empfehlen.


    Aber nur drei von fünf Sternchen.

    "Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene."
    (Carl Hillty)

  • Dieses kleine, aber sehr feine Buch war für mich seinerzeit ein Eulen-Büchertisch-Fund und lag schon ein paar Monate auf dem SuB. Doch einmal angefangen zu lesen, konnte ich nicht damit aufhören, so zauberhaft erzählt Marie-Sabine Roger von Germain und Margueritte!


    Das Buch ist aus der Sicht des eher tumben Germain geschrieben. Entsprechend einfach gehalten ist die Sprache. Germain berichtet umgangssprachlich von seinem Leben, seiner Begegnung mit Margueritte und wie sich sein Denken durch ihre Impulse verändert. Dabei fehlt es nicht an dem ein oder anderen Kraftausdruck. Aber in diesem Buch darf (oder muss!) das einfach so sein.


    Der Leser wird auf eine Reise in Germains Innerstes mitgenommen, darf an seinen Gefühlen teilhaben und an seinem Blick auf die Welt. Ganz besonders an der Welt der Buchstaben und der Wörter. Das Lesen gewinnt für Germain an Bedeutung, weil er von Margueritte ernst genommen wird. Es ist schön zu lesen, wie ein erstes Herantasten an Literatur für den erwachsenen Germain funktioniert.


    Und Margueritte? Sie ist vor allem eines: Eine warmherzige, alte Dame voller Herzensgüte, die Germain nicht vorverurteilt ob seiner sprachlich einfachen Ausdrucksweise. Sie lässt ihn teilhaben an ihrer Welt der Bücher und begeistert ihn sogar dafür, ohne belehrend zu wirken.


    Mir hat das Buch rundum gefallen. Es ist einfach ein Wohlfühlbuch, das für mich gerne noch ein paar Seiten mehr hätte haben können. 10 von 10 Eulenpunkten.

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