'Verachte nicht den Tod' - Seiten 082 - 146

  • In den Niederlanden wird davon ausgegangen, dass mit der aktiven Sterbehilfe tatsächlich jede Menge Tötungen, die meisten tatsächlich als Morde (Geldgier, Heimtücke) begangen werden. Eine Unterschrift auf so einem Papier aus dem Internet (Mama das Bräuchen wir, wenn dir mal was passiert und du im Krankenhaus liegst) ist schnell beschafft.


    In Deutschland ist Selbstmord nicht strafbar. Mir ist klar, dass das für Nichtjuristen zunächst komisch klingt. Wer aber weis, dass Beihilfe gem. § 27 StGB definiert wird als Hilfe zu einer von einem anderen begangenen vorsätzlichen rechtswidrigen Tat, erkennt, dass daher Beihilfe zum Selbstmord nicht strafbar sein kann, da der Selbstmord ja keine rechtswidrige Tat ist. Daher ist gem. § 216 die Tötung auf Verlangen ein eigenes Delikt. Abgegrenzt wird dabei in der Regel nach der Lehre von der Tatherrschaft. Knüpfe ich dem Selbstmörder das Seil und stelle ihm den Stuhl bereit, er steigt darauf und stößt den Stuhl um bleibe ich straffrei, stoße ich- selbst wen der Andere mich flehentlich bittet, den Stuhl um, dann kann mich das fünf Jahre Höchststrafe in sicheren Räumlichkeiten ohne Internetzugang kosten.


    Also Morde (ich will nicht länger auf das Erbe warten) sind gerade bei Patientenverfügungen nicht auszuschließen und eines der Argumente der Gegner von Lockerungen. In der Praxis ist aber die Abgrenzung häufig sehr schwer, es war niemand Drittes dabei und objektive Beweise sind nicht immer vorhanden.

  • Vielen Dank, beo, für die Erklärungen! :wave


    In Belgien gab es gerade einen Fall von eineiigen Zwillingen. Hier der Artikel dazu. Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, dass es Länder gibt, in denen auch aktive Sterbehilfe erlaubt ist.

  • Zitat

    Original von JaneDoe
    Über die so problemlose Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht habe ich mich auch gewundert. Noch viel mehr aber darüber, dass Evelyn von Saksia verlangt, ihr den Inhalt der Handtasche zu zeigen. Kann sie das so einfach? Also ehrlich, da hätte ich mich vehement gegen gesträubt, egal was in der Tasche ist.


    Bei der Handtasche bin ich auch ins Grübeln gekommen.


    Sport betreibt Evelyn ja schon ziemlich exzessiv - obwohl sie ihr Pensum ja schon um einiges zurückgeschraubt hat.

  • Wenn Saskia sich geweigert hätte, den Inhalt der Tasche zu zeigen, wäre sie mit Sicherheit auf die Polizeidienststelle mitgenommen worden. Bei vorliegendem Verdacht darf die Polizei m.E. Taschen durchsuchen.


    Rosenstolz, das stimmt. Evelyn treibt viel Sport. Ich will hier nicht so viel klugschwätzen, aber diese fachliche Anmerkung erlaube ich mir mal:


    Evelyn neigt ja zur Anorexie, und die ist häufig mit exzessivem Sport verbunden.
    Dafür gibt es einen Krankheitsbegriff: Bigorexie (manchmal liest man auch Vigorexie).

  • Also, der Mann der Verstorbenen verhält sich ja wirklich komisch. Ich glaube ihm aber, dass er nichts mit ihrem Tod zu tun hat. Zur Zeit könnte ich mir denken, dass sie selbst es zu verantworten hat. Dass der Krankenpfleger versucht das zu vertuschen (durch sein komisches Benehmen) erkläre ich mir so, dass sie ihm das erzählt hat.


    Was zur Hölle macht Saskia denn da mit Kyrill? So ein seltsamer Mann. Und sie lügt ihn doch an, wenn sie sagt, dass sie etwas für ihn empfindet. Was sind denn bloß ihre Motive?


    Evelyn mag ich. Obwohl ich ihre Magersucht nicht verstehen kann. Ist sie denn geheilt? Denn am Ende bei ihrem Bruder nimmt sie noch eine zweite Portion nach. Ich finde es bemerkenswert, wie ihr Vater mit seinem bevorstehenden Tod klar kommt. Ob es so ist, dass man im Alter sowas gelassener sieht? Ich meine, man hat ja schon viel erlebt und bestimmt schon viele Träume verwirklicht.


    Die letzte Szene mit der Katze fand ich wirklich schlimm. Und das nicht nur, weil ich selbst zwei Katzen habe. Ich finde Szenen, in denen Tiere oder Kinder verletzt oder getötet werden total grausam. Meistens sogar das schlimmste am Buch.


    Zitat

    Original von Lesehest


    Bzgl. des Sports in der Mittagspause kenne ich aber auch persönlich ein paar Leute, die das so machen.
    Bei einem ist es einfach so, dass er nicht gerne noch früher aufstehen will und nach der Arbeit oft zu k.o. ist - also nutzt er seine Mittagspause :unverstanden


    Mir geht das auch so, daher gehe ich ganz früh morgens. Ich kann Evelyn sogar verstehen. Das wäre ja auch noch eine Alternative für mich, da wir das Fitness Studio, das direkt an der Arbeit ist kostenlos nutzen dürfen.


    Ach so, die Familie Dombrowski tut mir total leid. An sowas kann die Ehe doch nur zerbrechen. Vor allem, wenn jeder mit Trauer anders umgeht.


    Zitat

    Original von beowulf
    Ich meine, dass die ANgehörigen eigentlich glücklich über die Stabiltität und Ruhe des Kranken sein müssten und daher Tränen unsinnig sind.


    Dazu habe ich mal was nettes gehört, was eigentlich wahr ist, aber meiner Meinung nach Umsetzbar. Nämlich, dass man gar nicht um den Verstorbenen trauert, sondern um sich selbst (weil man unglücklich ist). Eigentlich ist das ja richtig, aber ich kann trotzdem dann nicht aufhören zu flennen.


    Ach, was mit noch eingefallen ist. Diese Einschübe von "der Mensch". Wer zur Hölle ist das? Der Mensch kann ja männlich oder weiblich sein. Zur Zeit denke ich, er ist männlich. Oder ist es Saskia?


    Und noch was: Saskia scheint ja ständig Männer anzumachen, von denen sie einen Vorteil haben kann. Erst der Arzt und dann dieser Kyrill. Was ist sie bloß für eine Frau? Schrecklich.

  • Zitat

    Original von Nadja Quint


    Rosenstolz, das stimmt. Evelyn treibt viel Sport. Ich will hier nicht so viel klugschwätzen, aber diese fachliche Anmerkung erlaube ich mir mal:


    Evelyn neigt ja zur Anorexie, und die ist häufig mit exzessivem Sport verbunden.
    Dafür gibt es einen Krankheitsbegriff: Bigorexie (manchmal liest man auch Vigorexie).


    Danke Nadja, da werde ich bei Gelegenheit mal googeln.......... :wave

  • Zitat

    Original von Nadja Quint
    Hallo Booklooker,


    ja, in dem Buch passieren viele schlimme Sachen - und schwierige Menschen gibt es auch. Aber soviel sei verraten: Es kommen auch noch Katzen vor, denen es gut geht. Und was Saskia angeht: Da wird's noch lustig (jedenfalls bei uns hier).


    Na, das beruhigt mich ja :-)

  • Ich habe für den zweiten Abschnitt nun eine ganze Woche gebraucht, das lag aber definitiv nicht am Buch! Ich mag den Schreibstil nach wie vor und möchte natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht (habe ja auch schon ein wenig in den nächsten Abschnitt gespinkst... :grin).


    Zu vielen Dingen ist ja hier schon was geschrieben worden. Auch ich bin über die Sache mit der ärztlichen Schweigepflicht und die Darstellung im Buch erstaunt gewesen. Dank beowulfs und Nadjas Ausführungen bin ich aber jetzt etwas schlauer, auch wenn ich die Darstellung in der Geschichte immer noch etwas grenzwertig finde. Hier meine ich speziell das Verhalten von Saskia, die ja als Angestellte doch eigentlich überhaupt keine Befugnis hat, die Patientenakte ungefragt rauszugeben. Aber andererseits ist es ja auch nur eine Geschichte.


    Zitat

    Original von Nadja Quint
    Wenn Saskia sich geweigert hätte, den Inhalt der Tasche zu zeigen, wäre sie mit Sicherheit auf die Polizeidienststelle mitgenommen worden. Bei vorliegendem Verdacht darf die Polizei m.E. Taschen durchsuchen.


    Hier frage ich mich, welcher Verdacht vorgelegen hat, so dass die Durchsuchung Saskias privater Tasche notwendig war? Nur das Verstauen im Schrank lässt doch noch keinerlei Verdacht aufkommen? Aber ich habe die Szene auch nicht mehr so detailliert vor Augen...


    Die Szene um den Saunagast hatte für mich teilweise absurde Züge (wenn nicht gar komische Momente ;-)): Da wird der Arzt zum Notfall gerufen - bekannt ist nur, dass der Patient bewusstlos ist, aber noch nicht tot - und die Behauptung, er habe rein vorsorglich schon mal die Kriminalpolizei verständigt wird dann einfach so akzeptiert? Mir ist nicht so ganz klar, wie ich die Szene einordnen soll, mit der eigentlichen Handlung hatte das eher weniger zu tun.


    Es gibt so viele Facetten dieser Geschichte, ich habe reichlich Anstösse, um über verschiedene Ansichten und Dinge nachzudenken, das gefällt mir sehr gut. Sterbehilfe ist ein schwieriges Thema, auch diskussionswürdig, keine Frage. Ich finde die Bearbeitung in der Geschichte bisher gut. Die kurze Szene zu den Dombrowskis und die Gedankengänge des Vaters sind sehr gelungen. Ich kann das Empfinden irgendwie nachvollziehen, auch die Gewissenskonflikte und Spannungen zwischen den Eheleuten. Leonies Schicksal geht nah.
    Und auch Irene taucht wieder auf (was ich schon erwartet habe). Ich bin gespannt, welche Rolle sie noch spielen wird - denke aber nicht, dass sie mit pro digno in direktem Kontakt steht.


    Die kursiv gesetzten Textstellen kann ich auch noch nicht einordnen. Wer ist "der Mensch"? Wohl offensichtlich der Täter auf der Suche nach der idealen, für ihn praktikablen Mordmethode... Aber was hat die Szene mit den beiden Frauen und dem Mann damit zu tun? Bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt bzw. am Ende auflöst...

  • Zitat

    Original von Booklooker


    Die letzte Szene mit der Katze fand ich wirklich schlimm. Und das nicht nur, weil ich selbst zwei Katzen habe. Ich finde Szenen, in denen Tiere oder Kinder verletzt oder getötet werden total grausam. Meistens sogar das schlimmste am Buch.


    Ich musste da gestern Abend erstmal unterbrechen. Mir ist das sofort unser ganz goldiger Nachbarskater namens Mikesch eingefallen. :-(