Mörderische Côte d'Azur - Christine Cazon

  • Frau Cazon, Sie haben sich verhoben


    ****


    Nach der Leseprobe war ich schon skeptisch, bzw. nur mäßig interessiert. Ich hoffte darauf, dass das Buch als Ganzes noch etwas herausreißen könnte. Ich möchte der Autorin nun keineswegs zu nahe treten, und auch nichts unbegründet "verreißen". Tatsache bleibt aber, dass ich mich bei diesem Buch, so leid es mir tut, größtenteils einfach nur gelangweilt habe.


    Mein erster Kritikpunkt: ich finde, die Personen werden durch die Bank ein wenig lieblos beschrieben. Jeder bekommt hübsch brav eine Macke angedichtet, und das war's dann. Und - natürlich! - hat der Kommissar ein privates Familienleben, das man nur als desaströs bezeichnen kann. Manchmal habe ich mir die Haare gerauft, etliche Sätze waren das reinste Klischee! Überhaupt hat mich insbesondere die Schilderung der Männer oft gestört, ja sogar verärgert. Es muss doch wohl mehr über französische Männer zu sagen geben, als dass sie anzügliche Witze über Frauen reißen, ständig "oh là là" sagen und hemmungslos flirten...?!


    Der Fall an sich plätschert so dahin, und strotzt wieder nur so vor Klischees, die man allenthalben in Krimis schon gelesen hat. Der Vorgesetzte, der Druck macht. Der Bürgermeister, der wichtig tut. Die Akte, die "rein zufällig" verschwindet. Die Richterin, die verärgert ist. Gäääähn... Und der entscheidende Hinweis zur Lösung des Falles kommt nicht mal vom Kommissar, sondern von einer Journalistin. Eigentlich hat sie die wichtige Arbeit getan.


    Über die Sprache habe ich mich auch oft gewundert. Aber das kann ja ein Problem der Übersetzung sein. Ich fand befremdlich, wie auf Teufel komm raus "französisiert" wurde. "Monsieur le commissaire", das geht ja noch. Aber "Commissaire Duval"? Und ständig diese französischen Begriffe in Kursivschrift, das sollte dem Ganzen wohl Flair verleihen. Flic, fric, oh là là, merde... wirkte alles sehr gewollt auf mich. Das hätte man "eindeutschen" können. Und dann auch noch diese ständigen Konjunktive! Im Französischen ist der Konjunktiv viel häufiger, ja, das stimmt. Aber im Deutschen wirkt das sperrig, vor allem, wenn gleich im nächsten Absatz Ausdrücke wie "sich verdünnisieren" oder "Dampf ablassen" vorkommen... nein, das hat alles nicht gepasst.


    Halbwegs gefallen hat mir die Schilderung von Cannes, und dem ganzen Drumherum des Festivals. Das war fast schon interessanter als das Verbrechen! Ich habe ja einen Verdacht: die Autorin hat eigentlich "nur" ein Buch über ihre Heimatstadt verfassen wollen, und da ist dann mehr oder weniger zufällig ein Krimi draus geworden. Und auch noch einer mit einem - letztendlich - eher abgeschmackten Tatmotiv.


    Nun gut - man kann dieses Buch wohl lesen, wenn man unbedingt möchte. Aber in der Liga wirklich guter Krimi-Autoren wird Frau Cazon, pardonnez-moi, noch länger nicht mitspielen.


    ASIN/ISBN: 346204642X

  • Hm, ist das wirklich eine Übersetzung?
    Zumindest bei amazon habe ich weder eine andere als die deutsche Originalsprache, noch einen Übersetzer gefunden.
    Mir scheint, da will eine deutsche Autorin (oder der Verlag) auf diesen neuen Trend aufspringen: frankophile Deutsche legen sich ein französisches Pseudonym zu und schreiben einen Regionalkrimi, der nicht in Ostwestfalen, sondern in der Bretagne/Cotes d'Azur/Provence spielt. Passenderweise sind das beliebe Urlaubsregionen der Deutschen, Lothringen, Pas de Calais oder Ile der France scheinen eher unattraktive Schauplätze zu sein (aber in diesen Regionen siedelt ja schon Manotti ihre übrigens hervorragenden Krimis an).
    Ein Schelm, der Böses dabei denkt :gruebel

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Hier ist noch meine Meinung:


    Serge Thibaut, ein Naturfilmer wurde bei seiner Filmvorführung erschossen. Kommissar Léon Duval gerade erst aus Paris hergezogen bekommt den Fall übertragen. Es entwickelt sich ziemlich schwierig für ihn die ganze Sache aufzuklären, da er seine Kollegen nicht kennt und ihm großer Druck von Oben gemacht wird da der Fall diskret, aber am besten gestern geklärt werden soll.
    Die Handlung war einfach, an manchen Stellen konnte ich mir die Cote d'Azur sehr gut vorstellen. Das Filmfestival und das ganze Drumherum werden gut beschrieben. Sehr gut haben mir die Szenen gefallen, in denen Duval zum Essen ist und seine Mahlzeit beschrieben wurde. Hingegen wurde mir auf die einzelnen Charaktere zu wenig oder nur zu oberflächlich eingegangen.
    Duval ist ein totaler Workaholic, wobei er auch seine Familie vergisst (die weiterhin in Paris lebt) oder für sich einzukaufen. Doch leider kommt es erst gar nicht zu großen Ermittlungen, da er immer wieder ausgebremst wird. So kommt gar kein Schwung in die Geschichte rein und leider gibt es keine überraschenden Momente. Für einen Krimi war die Handlung sehr flach und Spannung kam gar nicht auf. Teilweise langatmig, so das ich das Buch öfters mal aus der Hand gelegt habe und so länger für das Durchlesen gebraucht habe. Ich hatte mir etwas mehr von diesem Erstlingswerk versprochen, aber vielleicht wird Duvals zweiter Fall ja besser und spannender!

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    Hm, ist das wirklich eine Übersetzung?
    Zumindest bei amazon habe ich weder eine andere als die deutsche Originalsprache, noch einen Übersetzer gefunden.
    Mir scheint, da will eine deutsche Autorin (oder der Verlag) auf diesen neuen Trend aufspringen: frankophile Deutsche legen sich ein französisches Pseudonym zu und schreiben einen Regionalkrimi, der nicht in Ostwestfalen, sondern in der Bretagne/Cotes d'Azur/Provence spielt. Passenderweise sind das beliebe Urlaubsregionen der Deutschen, Lothringen, Pas de Calais oder Ile der France scheinen eher unattraktive Schauplätze zu sein (aber in diesen Regionen siedelt ja schon Manotti ihre übrigens hervorragenden Krimis an).
    Ein Schelm, der Böses dabei denkt :gruebel




    Meine Güte, darauf bin ich noch gar nicht gekommen...! Das erklärt natürlich so manches! Vielen, vielen Dank für den Hinweis!


    (Jetzt bin ich mir noch sicherer, dass ich bei meiner eher schlechten Bewertung bleibe...)

  • Kommissar Léon Duval ist noch nicht ganz in seiner neuen Dienststelle in Cannes angekommen, als er bereits mit einem Mordfall konfrontiert wird. Während des Filmfestivals wurde ein bekannter Dokumentarfilmer erschossen.


    Der Aussage auf dem hinteren Buchdeckel „Ein hochspannender Krimi aus Südfrankreich“ kann ich nicht zustimmen. „Mörderische Côte d’Azur“ entpuppt sich als netter, ruhiger Krimi mit sehr viel Lokalkolorit, dem es allerdings an Spannung fehlt.
    Cannes spielt die eigentliche Hauptrolle im Buch, seine Straßen, seine Restaurants, sein Filmfestival, und nicht zuletzt der Polizeialltag werden sehr ausführlich beschrieben und drängen die eigentliche Krimihandlung dabei schon mal in den Hintergrund. Es ist wenig Tempo in der Geschichte, auch wenn Kommissar Duval bei seinen Ermittlungen kaum zur Ruhe kommt. Er ist ein recht sympathischer Protagonist, der sich an seiner neuen Dienststelle erst noch beweisen muss. Da steckt sicher noch einiges an Potenzial für weitere Bände drin.


    Es kann ein Krimi auch mal ohne große Spannung oder Überraschungen auskommen, wenn er gut geschrieben ist und am Ende alles ineinanderpasst. Ein großer Wurf ist hier nicht gelungen, aber nett zu lesen war es allemal. Ich weiß allerdings noch nicht, ob das ausreicht, mein Interesse an einer Fortswetzung zu wecken.
    7 Punkte gibt es von mir.

  • Inhalt:
    Es ist Mai, die Zeit des berühmten Filmfestivals in Cannes, die ganze Stadt vibriert, überall wimmelt es von Fotografen, Journalisten, Filmstars und solchen, die es werden wollen. Und mittendrin wird plötzlich während einer Pressevorführung für seinen neuen Dokumentarfilm der berühmte Regisseur Serge Thibaut ermordet. Kommissar Léon Duval, frisch aus Paris an die Côte d’Azur gezogen, muss seine unausgepackten Umzugskisten stehen lassen und sofort mit den Ermittlungen beginnen. Schließlich kann das Festival keine Negativschlagzeilen gebrauchen. Ein schneller Erfolg muss her. Wer hatte ein Interesse am Tod des Filmemachers, der sich so unermüdlich für die Erhaltung des Regenwalds einsetzte? Und war dieser Serge Thibaut wirklich so ein uneigennütziger Gutmensch? Seine Nachforschungen führen Duval bald in ein scheinbar unentwirrbares Dickicht aus Eitelkeiten, Intrigen und Korruption.


    Meinung:
    Solide, aber eher langweilig und definitiv ausbaufähig. So würde ich es am ehesten beschreiben. Das Buch lässt sich schnell und flüssig "runter" lesen. Mir hat jedoch insgesamt die Spannung gefehlt - die Ermittlungen plätschern seicht dahin und ich habe immer darauf gewartet, dass die ganze Sache mal so langsam ins Rollen kommen müsse. Daher kam die eigentliche Auflösung des Falls für mich nicht als großes Finale, in dem alle Handlungsfäden wieder zusammenfinden, sondern eher auf die letzten Seiten gezwängt, damit der Abschluss noch da ist.


    Ich hätte mich auch mehr gefreut, wenn hier ein Ermittler die Hauptrolle spielt, der ausnahmsweise mal kein zerrüttetes Privat- bzw. Eheleben hat und mit der Exfrau im Clinch liegt.


    Den "hochspannenden Krimi aus Südfrankreich" habe ich auch bis zum Ende nicht finden können, ich konnte das Buch ganz gut zwischenzeitlich aus der Hand legen.

  • Wie meine Vorschreiber schon gesagt haben, ist Mörderische Cote d'Azur kein spannender Krimi, der einen dazu bringt, das Buch mit ins Bett zu nehmen, weil man unbedingt den Schluss erfahren muss. Es ist eher ein französischer Wohlfühlkrimi mit schönen Beschreibungen von und Hintergrundinformationen zu Cannes, dem Filmfestival und dem Essen. Im Laufe seiner Ermittlungen deckt Commisaire Duval zwar jede Menge mögliche Verbindungen auf, doch er wird immer wieder in seinen Ermittlungen gestoppt, sodass der Fall nicht richtig Fahrt aufnehmen kann. 30 Seiten vor Schluss habe ich noch gerätselt, wo denn plötzlich die Falllösung herkommen soll. Das Buch war leicht und schnell zu lesen, ein Wohlfühlkrimi, der mir trotz der fehlenden Spannung gut gefallen hat. Ich vergebe 8 von 10 Eulenpunkten.


    Edit: Das Cover finde ich wunderschön. Ich musste es beim Lesen ständig anschauen :-)

  • Mord auf den Filmfestspielen


    Buchmeinung zu Christine Cazon – Mörderische Cote d’Azur


    „Mörderische Cote d’Azur“ ist ein Kriminalroman von Christine Cazon, der 2014 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.


    Zum Autor:

    Christine Cazon, Jahrgang 1962, hat ihr altes Leben in Deutschland gegen ein neues in Südfrankreich getauscht. Sie lebt mit ihrem Mann und Katze Pepita in Cannes, dem Schauplatz ihrer Krimis mit Kommissar Duval.


    Klappentext:

    Es ist Mai, die Zeit des berühmten Filmfestivals in Cannes, die ganze Stadt vibriert, überall wimmelt es von Fotografen, Journalisten, Filmstars und solchen, die es werden wollen. Und mittendrin wird plötzlich während einer Pressevorführung für seinen neuen Dokumentarfilm der berühmte Regisseur Serge Thibaut ermordet. Kommissar Léon Duval, frisch aus Paris an die Côte d’Azur gezogen, muss seine unausgepackten Umzugskisten stehen lassen und sofort mit den Ermittlungen beginnen. Schließlich kann das Festival keine Negativschlagzeilen gebrauchen. Ein schneller Erfolg muss her. Wer hatte ein Interesse am Tod des Filmemachers, der sich so unermüdlich für die Erhaltung des Regenwalds einsetzte? Und war dieser Serge Thibaut wirklich so ein uneigennütziger Gutmensch? Seine Nachforschungen führen Duval bald in ein scheinbar unentwirrbares Dickicht aus Eitelkeiten, Intrigen und Korruption.


    Meine Meinung:

    Leon Duval wirkt meist sympathisch und ist auch den schönen Seiten des Lebens nicht abgeneigt. Seine Ehe steckt in einer Krise und er ist von Paris nach Cannes, in die Heimat seiner Vorfahren, geflüchtet. Er mag gute Essen, Chansons von Brassens und schöne Frauen. Sein erster Fall ist spektakulär und er muss sein neues Team kennenlernen und seine Duftmarken bei den wichtigen Leuten der Stadt setzen. Die Autorin packt eine Reihe schwerer Themen in den Roman wie konkurrierende Umweltschutzorganisationen, den Umgang mit indigenen Menschen und das Wegschauen bei erfolgreichen und einflussreichen Menschen. Trotzdem bleibt der Mordfall im Mittelpunkt, auch wenn Leon Duval sich an die neue Region und ihren Lebensrhytmus gewöhnen muss. Der Kommissar versucht permanent hinter die Fassaden der Beteiligten zu schauen und eckt dabei schon mal an. Er wirkt kompetent und verfügt über eine Reihe wichtiger Kontakte. Manchmal übertreibt es die Autorin mit der Freiheitsliebe des Kommissars ein wenig. Nach anfänglichen Störungen klappt es auch mit seinem Team immer besser. Leon ist die einzige Figur, die umfassend charakterisiert wird, die übrigen Figuren werden nur skizziert, bieten aber Raum für Eigenschaften, die ihnen der Leser zuordnet. Der Schreibstil ist angenehm und leicht verdaulich. An einigen Stellen kommt das Mittelmeerflair zum Tragen, aber davon hätte ich mir mehr gewünscht. Die vielen Nebenhandlungen drücken ein wenig auf die Spannung, aber dann steigt die Spannung bis zum Ende permanent.


    Fazit:

    Insgesamt hat mich dieser Kriminalroman gut unterhalten mit einer interessanten Hauptfigur und dem gelungenen Plot. Gerne bewerte ich das Werk mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde eher ruhiger Romane mit einer komplexen Handlung aus.

    :lesend Ulf Schiewe - Die Mission des Kreuzritters

    :lesend Mark Franley - Der Angst verfallen

    :lesend Mac P. Lorne - Sie nannten ihn Cid

    :hörend: Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

  • Eigentlich liebe ich Regionalkrimis. Geschichten von Orten, an denen man sonst Urlaub macht, werden zu Kriminalschauplätzen. Nicht zuletzt auch ein erfolgreiches Fernsehkonzept. Nur hier hat es leider nicht funktioniert. Die Geschichte war bis auf wenige Highlights irgendwie nicht ausgereift. Der Protagonist gerät in eine Welt, in die er nicht passt und die er nicht versteht. Er will das auch gar nicht und die Gegenwehr macht seine Arbeit nicht leichter. Doch gerade seine Hartnäckigkeit, sich von den Umständen nicht einnehmen zu lassen, bringt den Kommissar dann auf die richtige Spur – man bekommt unweigerlich das Gefühl, man hat das doch schon mal gelesen ... Die vom Autor in das Milieu der südfranzösischen Filmstadt Cannes eingebettete Story ist zwar wegen ihrer Entfernung zum realen Leben klug gewählt, weil der Leser einen Einblick in das Leben der Reichen und Schönen bekommt, den er sonst nur aus der Boulevardpresse erlangen kann. Aber dieser Blick enttäuscht am Ende, weil die Lösung vorhersehbar ist. Man hätte einfach ein bisschen mehr erwartet. Aber das kann ja noch werden, es war ja der erste Fall.


    Fazit: Der erste Fall des neuen Kommissars zum Warmwerden.