Die Berufene - M. R. Carey

  • Taschenbuch: 512 Seiten
    Verlag: Knaur TB (1. Oktober 2014)
    Originaltitel: The Girl With All the Gifts


    Klappentext:
    Großbritannien, in nicht allzu ferner Zukunft: Ein grauen hafter Parasit befällt die Menschheit. Millionen sind bereits infiziert und bedrohen die wenigen Gesunden. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Schar Kinder, die anders auf den Erreger reagieren. Auf einer ent legenen Militärbasis halten Wissenschaftler sie gefangen – zu allem entschlossen, um ihnen ihr biologisches Geheimnis zu entreißen. Doch es läuft nicht nach Plan ...


    Der Autor:
    M. R. Carey ist das Pseudonym eines britischen Fantasy-Autors, der bisher besonders im Comic-Bereich erfolgreich war (er schrieb unter anderem für die Reihen "X-Men" und "Fantastic Four"). Seine eigenen Comics sind regelmäßig auf der New York Times Comic-Bestsellerliste vertreten. Außerdem hat er bereits weitere Romane und ein Hollywood-Drehbuch verfasst.


    Meine Meinung:
    Großbritannien. Melanie ist anders. Sie ist eine Hungrige, hochintelligent, braucht nur einmal in der Woche ein spezielles Essen und wird vom Militär festgehalten und untersucht. Draußen gibt es nichts mehr, das Land ist so gut wie tot, wird nur noch von den Hungrigen und sogenannten Schrottwühlern belagert.
    Ein Pilzbefall hat die Welt für immer verändert.
    Eines Tages wird die Militärbasis überfallen, und Melanie kann mit ihrer Lehrerin, einer Forscherin und zwei Soldaten fliehen...


    "Die Berufene" ist ein etwas anderer Zombieroman, wobei hier das Wort "Hungrige" gebraucht wird. Aus der Sicht von Melanie kann sich der Leser zuerst ein Bild von den anderen Figuren machen, so wie das Mädchen sie sieht. Auf der Flucht lernt man sie besser kennen und merkt, dass jeder für sich allein kämpft. Dabei könnten die fünf nicht unterschiedlicher sein. Gerade das macht das Buch so spannend. Der Autor versteht es, ein Schreckensszenario aufzubauen, das zum Nachdenken anregt und eine Gänsehaut verursacht.
    Wer wird überleben? Wer sterben? Wer ist bereits tot?


    Das Buch ist so viel mehr als eine blutige Dystopie mit hungrigen Monstern, denn emotional gesehen geht es an die Substanz.
    Mir hat besonders gefallen, dass es sich von den gängigen amerikanischen Zombiebüchern abhebt - kein Pathos, kein Einerlei.


    Erschreckend, tragisch, anders.


    10 Punkte.

  • Ließ der Klappentext mich noch vermuten, dass es sich um eine Dystopie handelt, belehrte der Inhalt schon bald eines besseren: es ist ein Zombieroman. Und die sind zu Zeit sehr angesagt, auf der Erfolgswelle der amerikanischen Serie „Walking Dead“ mitreitend.


    Eine Seuche, ausgelöst durch einen Pilz, hat die Menschheit befallen und macht aus den Infizierten die sogenannten Hungrigen: gnadenlose Fressmaschinen ohne Verstand mit unstillbarem Hunger auf Menschenfleisch. Nur noch wenige nicht infizierte Menschen gibt es und einige von ihnen versuchen in einem abgeschiedenen Militärstützpunkt verzweifelt ein Gegenmittel gegen die Seuche zu finden. In diesem Lager begegnen wir Melanie, ein zehnjähriges Mädchen, das genauso wie einige andere Kinder unter nahezu unmenschlichen Bedingungen lebt und als Versuchskaninchen dient. Denn die Kinder sind anders als die erwachsenen Hungrigen. Zwar wurden auch sie infiziert, die Seuche hat sie jedoch nicht ihres Verstandes beraubt. Solange sie kein Menschenfleisch riechen, jedenfalls. Als das Camp eines Tages von außen angegriffen wird, beginnt für fünf höchst unterschiedliche Menschen eine abenteuerliche Flucht, die sie nur dann lebend überstehen können, wenn sie sich zusammenraufen.


    Das Buch spielt in der Zukunft im völlig verwüsteten England und ist im Präsens geschrieben. Zunächst erinnerte es mich an „Die 5. Welle“ von Rick Yancey, auch Ähnlichkeiten zum Fim „28 days after“ sind nicht von der Hand zu weisen. Doch die Geschichte entwickelt schnell ihre eigene originelle Handlung. Die Sprache ist einfach, die Sätze sind oft kurz und prägnant. Die Umgebung wird so beschrieben, dass man sich ein gutes Bild von dem schrecklichen Szenario machen kann. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, als stünde ich unmittelbar neben dem Protagonisten, aus dessen Sicht der Erzähler das Geschehen gerade betrachtet. So wurde ich schnell vertraut mit den Figuren, die die Geschichte tragen.


    Mit der 10-jährigen Melanie hat der Autor eine Protagonistin geschaffen, die man einfach ins Herz schließen muss: intelligent, neugierig und liebenswert. An ihrer Seite Miss Justineau, die Lehrerin der Kinder, die voller Sympathie und Mitgefühl ihre Schützlinge betreut. Ganz anders tritt Dr. Caldwell auf, die skrupellose Wissenschaftlerin, die nur ihre Experimente interessieren. Sergeant Parks’ Interesse gilt der Sicherheit der Basis und der Überwachung der Kinder. Der junge Soldat Gallagher ist nett und unerfahren und ein typischer Befehlsempfänger. Diese fünf packt das Schicksal zusammen und schickt sie auf den Weg hinaus auf die Suche nach einer neuen, sicheren Zufluchtsstätte.
    Die Charakterisierung der Protagonisten ist dabei recht simpel und gradlinig. Und doch ist es den Figuren gelungen, mich zu überraschen. Glaubwürdig dargestellt ist ihre Entwicklung, so dass ihre Handlungen nachvollziehbar und konsequent erscheinen. Ihre Interaktionen regen zu der Überlegung an, wie sich Menschlichkeit definieren lässt. Die kleine Liebesgeschichte zum Ende hin passt zur Entwicklung der Figuren und findet somit ihren Platz in der Geschichte.


    M. R. Carey versorgt die Leser mit vielen Hintergrundinformationen über den Pilz und die Seuche, die das Szenario erstaunlich authentisch wirken lassen. Auf ekelige Szenen kann in einem Roman dieses Genres natürlich nicht verzichtet werden. Die Handlung entwickelt sich spannend, den Schluss finde ich absolut überzeugend und dabei nicht vorhersehbar.


    Das Ende hat mir ausgesprochen gut gefallen und ich muss dem Autor meinen Dank und ein großes Kompliment aussprechen: hier gelingt es, eine spannende und phantasievolle Geschichte zu erzählen, die mit einem Band beendet ist und weder zu einer Trilogie aufgemotzt wurde noch in endlosen Fortsetzungen unterzugehen droht. Hervorragend.

  • x Autor: M. R. Carey
    x Übersetzer: Charlotte Lungstrass-Kapfer, Momo Evers
    x Titel: Die Berufene
    x Originaltitel: The Girl with all the Gifts
    x Genre: Science-Fiction/Horror
    x Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2014
    x bei Knaur
    x 288 Seiten
    x ISBN: 342651513X
    x Erste Sätze: Ihr Name ist Melanie. Das kommt von einem alten griechischen Wort und bedeutet “schwarzes Mädchen”, aber ihre Haut ist eigentlich sehr hell, deshalb glaubt sie, dass der Name vielleicht doch nicht so gut zu ihr passt. Ihr gefällt der Name Pandora sehr gut, aber das kann man sich eben nicht aussuchen.


    Klappentext:


    Nicht jede Gabe ist ein Segen


    Großbritannien, in nicht allzu ferner Zukunft: Ein grauenhafter Parasit befällt die Menschheit. Millionen sind bereits infiziert und bedrohen die wenigen Gesunden. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Schar Kinder, die anders auf den Erreger reagieren. Auf einer entlegenen Militärbasis halten Wissenschaftler sie gefangen – zu allem entschlossen, um ihnen ihr biologisches Geheimnis zu entreißen. Doch es läuft nicht alles nach Plan …


    Rezension:


    Der Titel von M. R. Careys Buch – “Die Berufene” – sagt auch in Verbindung mit dem Cover und dem Klappentext nur wenig darüber aus, worum es in der Geschichte genau geht. Jedoch war es für mich gerade genug, um mich richtig neugierig darauf zu machen.


    In 72 Kapiteln wird aus der dritten Person meist über die 10-jährige Protagonistin Melanie berichtet, wobei der Leser auch manchmal in andere Szenen eintauchen kann, in denen Melanie nicht dabei ist, was für einen perfekten Überblick sorgt. Der Schreibstil fesselte mich von der ersten Seite an. Die Sätze sind prägnant und kommen auf den Punkt, es gibt kein lückenfüllendes ‘Bla-bla’ – der Autor hat etwas zu erzählen.


    Die Geschichte beginnt in einer alten Militärbasis. Wir lernen Melanie kennen. Sie sitzt, wie weitere Kinder, in einer Einzelzelle und hat auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu reagieren, wenn man sie herausholt. Sie ist intelligent, denkt viel weiter, als ein normales 10 Jahre altes Kind – man merkt: Sie ist etwas Besonderes. Nur stellt man sich schnell die Frage, wieso sie nur unter extremen Sicherheitsvorkehrungen aus ihrer abgeriegelten Zelle geholt wird – selbst ihr Kopf wird fixiert.


    Nach und nach stellt sich heraus, was auf der Welt in den letzten Jahren geschehen ist und was es mit den Kindern auf sich hat, deren Leben auf dem Stützpunkt in allen unschönen Einzelheiten beschrieben wird. Großbritannien liegt in Trümmern, teils hat sich die Natur Städte bereits zurückgeholt. Der im Klappentext beschriebene Parasit zerstört das Gehirn seines Opfers, bis dieses nur noch eines spürt: Hunger! Jedem, der schon einmal etwas von Zombies gehört hat, dürfte nun klar sein, von welcher Art Erreger die Rede ist.


    Dummerweise bleibt die Militärbasis nicht unentdeckt und nur wenige – die Lehrerin Miss Justineau, die leitende Wissenschaftlerin und einige Sicherheitsmänner – schaffen es, zu fliehen. Im Schlepptau haben sie Melanie und wollen in eine Stadt, in der sie Hilfe vermuten. Soviel sei gesagt: Die Reise wird kein Zuckerschlecken und man hat als Leser viel Zeit, sich mit den sehr gelungenen Hauptcharakteren anzufreunden – oder sie hassen zu lernen.


    Ich habe bei weitem nicht erwartet, dass ich eine dermaßen geniale Geschichte in “Die Berufene” finden würde. Zwar habe ich für das Buch aus persönlichen Gründen etwas länger gebraucht – am liebsten hätte ich es aber in einem Rutsch gelesen, da dem Leser ein stimmiges Bild mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Endzeitstimmung und unterschwelligem Horror geboten wird, und dabei einzigartig bleibt.


    Fazit:


    Zwischenmenschliches, Endzeitstimmung, latenter Horror – eine Zombiestory, die sich mit dem gewissen Etwas von der Masse abzuheben weiß.


    Bewertung:


    10 von 10 Sternen

  • 'Ihr Name ist Melanie.' (Erster Satz)
    Melanie lebt auf einem Stützpunkt und der Höhepunkt ihres Tages ist der Unterricht mit ihrer Klasse, bei dem sie jedoch an einen Stuhl gefesselt ist. Jedoch ist sie dort zumindest sicher vor den Hungernden und kann bei Miss Justineau sein, Während der größte Teil der Menschheit einem Pilz names Ophiocordyceps zum Opfer gefallen ist und sich in Hungernde verwandelt hat. Aber Melanie muss erkennen, dass nicht alles auf dem Stützpunkt so ist, wie es zunächst scheint. Spätestens als eine Horde Hungernde den Stützpunkt und Melanie's einziges Zuhause angreifen, muss sie erkennen, dass sie anders ist. Und der einzige Grund für ihren Aufenthalt auf dem Stützpunkt war um sie zu studieren und sie am Ende aufzuschneiden. Aber das kann Melanie auf keinen Fall zu lassen.


    Rezension
    Zu einem angenehmen und sehr verständlich Schreibstil, bei dem die Seiten nur so dahinfliegen, ist das Buch vor allem von Intertextualität geprägt. Der Bezug zu Büchern scheint dem Autor sehr wichtig zu sein und zeigt auch seine Verbundenheit zu Klassikern, aber auch zur griechischen Mythologie, die er so auch mir als Leser näher gebracht hat.
    Interessant sind auch die unterschiedlichen Perspektiven, da die Protagonisten sehr individuell und unterschiedlich sind. Dadurch darf man auch die sehr eigene Geschichte aus einigen interessanten Blickwinkeln erleben. Zum einen erscheint die Geschichte dadurch nicht so einseitig und zum anderen kann man das Buch so auch aus der Perspektive von Erwachsenen erleben.
    Denn auch wenn Melanie sehr reif ist, kommt natürlich ihre kindliche Seite das ein oder andere Mal zum Vorschein. Vor allem zu Beginn des Buches fällt auf, dass sie keine Entscheidung der Erwachsenen hinterfragt und ihnen auch nie widerspricht. Außerdem verschließt sie ihre Augen die meiste Zeit vor der Wahrheit und erkennt offensichtliche Dinge erst sehr spät. Dennoch hat mich dieses Mädchen immer wieder mit ihrer eigenen Art begeistert, nicht nur die Tatsache, dass sie Bücher verehrt. Nein, auch ihr Mut ist bemerkenswert.
    Vor allem begeistert sie aber mit ihrer Entwicklung im Verlauf des Buches, denn mit ihrer Reise macht sie sich nicht nur die Suche nach der Wahrheit, sondern auch auf die Suche nach ihrer Persönlichkeit. Allgemein spielen die Persönlichkeitsfindung, aber auch Gefühle in diesem Buch eine große Rolle.
    Natürlich hat das Buch einiges mehr zu bieten, denn man durchlebt zusammen mit Melanie viele spannende und aufreibende Momente und muss sich immer wieder in Geduld üben, bevor man schlussendlich über einige Geheimnisse aufgeklärt wird. Besonders fällt das Ende auf, dass aus dem Rahmen fällt und bei mir für einige Überraschung sorgte.


    Fazit
    Mit diesem Buch erlebt man ein angsteinflößendes, aber wissenschaftlich nicht ganz unrealistisches Szenario, dass das ein oder andere Mal für Gänsehaut sorgt. Außerdem gibt es dazu auch noch ein paar tolle und vor allem individuelle Charaktere und eine mythologisch angehauchte Handlung, deren Spannung meine Geduld immer wieder bis zum zerreißen spannte.
    Insgesamt kann ich dieses Buch vor allem an Leser empfehlen, für die eine logische Erklärung, wie auch einzigartige Charaktere, zu einer guten Story gehören.


    Hier* findet ihr die Rezension.

  • Am Anfang störte mich die Gegenwartsform und die naive Schreibweise aus der Sicht von Melanie. Das legte sich allerdings, als die Perspektive wechselte. Dafür wurde die Geschichte immer bedrückender, weswegen ich es beinahe abgebrochen hätte. Andererseits wurde es aber auch immer fesselnder, so das ich es kaum aus der Hand legen konnte.
    Leider gab es immer wieder Ereignisse und Wendungen die ziemlich vorhersehbar waren. Aber die Story hielt auch einige Überraschungen bereit - vor allem das Ende. Wobei mir das fast zu schnell kam und abgehandelt wurde.


    Eigentlich passt dieses Buch so gar nicht in mein bevorzugtes Beuteschema. Dem Klappentext nach dachte ich es erwartet mich einfach eine Endzeitstory. Hätte ich vorher gewusst das darin Zombies auftauchen, hätte ich es wohl gar nicht erst begonnen. Allerdings bin ich froh um diese "Täuschung", weil ich sonst ein gutes und unterhaltsames Buch verpasst hätte.
    Außerdem ist es ja auch gar nicht schlecht, mal über seinen Tellerrand hinweg zu schauen.

  • Dieser Roman spielt im Großbritannien der Zukunft, in der die Menschheit gegen einen Parasiten zu kämpfen hat, der sie in "Gesunde" und "Hungernde" teilt. Dieser Parasit hat bereits einen großen Teil der Menschheit befallen und bedroht nun auch die restlichen Menschen. Nachdem ein Mensch sich mit diesem Parasiten infiziert hat, verliert er sein Bewusstsein und wird nur noch von dem Parasiten kontrolliert. Anders verhält es sich jedoch bei einigen Kindern, die scheinbar weniger stark von den Parasiten gesteuert werden und aus diesem Grund auf einer Militärbasis gefangen gehalten werden. Dort müssen sich die Kinder grausamen Tests unter der Leitung der Wissenschaftlerin Dr. Caldwell unterziehen, die wie besessen versucht, einen Weg zu finden, den Parasiten auszurotten. Als die Militärbasis von so genannten Schrottwühlern angegriffen wird, gelingt es Dr. Caldwell zusammen mit einem der Kinder, der zehnjährigen Melanie, einer der Lehrerinnen Miss Justineau und zwei Soldaten zu fliehen. Ein weiter und gefährlicher Weg liegt vor den fünf Protagonisten...


    Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht dieser Protagonisten geschildert, wobei der Schreibstil der Persönlichkeit der erzählenden Personen angepasst ist. Dies hat mit persönlich gut gefallen, da der Leser auf dieser Weise einen noch tieferen Einblick in die Gedankenwelt dieser Personen erhält. Dabei offenbaren sich einige menschliche Abgründe, die zeigen dass es um die geistige / seelische Gesundheit der „Gesunden“ auch nicht besonders gut steht.


    Das Cover spricht mich persönlich nicht besonders an, da es mir zu einfach gehalten ist. Es passt allerdings meiner Meinung nach gut zur Rolle von Melanie, die sie im Laufe des Romans spielen soll. Die Thematik einer Seuche, die die Menschheit in naher Zukunft befällt, ist nicht neu, aber in diesem Roman interessant neu interpretiert! Dennoch würde ich dem Zitat aus dem Guardian auf dem Klappentext des Buches, es handele sich um einen der originellsten, spannendsten und stärksten Romane der letzten Zeit nur bedingt zustimmen. Meiner Meinung nach ist die Handlung zeitweise zu abwegig und stellenweise auch etwas zu makaber. Auch bleibt zwischenzeitlich die Spannung der Geschichte etwas auf der Strecke.


    Außerdem stellt sich mir die Frage, warum der Fokus dieses Romans so sehr auf der „Gabe“ Melanies liegt, da es offenbar noch viele weitere Kinder wie sie gibt. Viel stärker wäre hier der Einfluss ihrer Lehrerin Miss Justineau hervorzuheben, die sich trotz der Gefahr, die von den Kindern ausgeht, liebevoll um diese kümmert. Ob dieses Verhalten wirklich als so edelmütig einzuschätzen ist, ist allerdings fraglich, da sie anscheinend von einem schlechten Gewissen geplagt wird. Zudem hätte sie sich bereits im Vorfeld stärker für die Kinder einsetzen können.


    Insgesamt handelt es sich hier um einen interessanten Dystopie-Roman, der zwar lesenswert, aber stellenweise etwas langatmig und schwer nachvollziehbar ist.

  • Erschreckendes Szenario


    Inhalt:
    England, in nicht allzu ferner Zukunft. Eine Seuche hat sich breit gemacht. Ein Pilz befällt die Menschen, die sich daraufhin schnell in eine Art Zombies verwandeln und noch nicht Infizierte bedrohen. Doch einige Kinder reagieren anders auf die Infektion. Sie werden in einem Militärbunker zu Forschungszwecken gefangen gehalten. Dr. Caldwell ist dabei willens, die Wissenschaft über alles zu stellen. Für sie sind die infizierten Kinder einfach Testobjekte. Miss Justineau dagegen sieht in den Kindern Menschen. Eines Tages geschieht etwas Unvorstellbares und die zehnjährige Melanie findet sich mit Dr. Caldwell, Miss Justineau, Seargent Parks und Private Gallagher auf der Flucht. Die wild zusammengewürfelte Gruppe ist auf Zusammenhalt angewiesen, um „draußen“ zu überleben, was nicht einfach ist, denn jeder von ihnen hat andere Ziele.


    Meine Meinung:
    M. R. Carey hat mit „Die Berufene“ ein erschreckendes Szenario entworfen, das gar nicht unbedingt so abwegig erscheint. Gut, dass ein Pilz die Menschen in Zombies verwandelt, kann ich mir nun nicht wirklich vorstellen, doch wie die verschiedenen Handelnden mit der Situation umgehen, wird sehr authentisch beschrieben. Sehr schön wird hier herausgestellt, dass es nicht nur Gut und Böse, Schwarz und Weiß gibt. In jedem steckt ein bisschen von allem, auch wenn es anfangs nicht den Anschein hat. Dadurch wirken die Protagonisten sehr interessant und glaubhaft. Sie alle haben eine Vergangenheit, die sie geformt hat und in die Gegenwart hineinspielt. Mir hat es sehr gut gefallen, dass die Charaktere sich im Lauf des Buches immer weiter entwickeln. So waren sie für manche Überraschung gut.


    Die Hauptrolle spielt eindeutig das Mädchen Melanie, aus deren Perspektive ein Großteil des Romans erzählt wird. Aber auch die Sicht der anderen Figuren wird dargestellt. Hierbei verwendet Carey die personale Erzählperspektive in der Gegenwart. Auffällig ist, dass die Sprache kindlicher wirkt, wenn es um Melanie geht. Das ist aber keineswegs störend, sondern passt einfach.


    Die Handlung bietet etwas Außergewöhnliches und ist von vorne bis hinten logisch durchdacht. Neben anschaulichen Beschreibungen der Umgebung oder der Situation gibt es immer wieder sehr spannende Szenen, Kämpfe, Fluchten, Ängste. Teilweise werden aber auch Vorkommnisse beschrieben, die beim empfindlichen Leser Ekel erregen können. Allzu empfindlich sollte man daher besser nicht sein.


    „Die Berufene“ ist ein Einzelband, was ich mir 50 Seiten vor Schluss noch nicht vorstellen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wie Carey die Geschichte zu einem Ende führen könnte. Dementsprechend überrascht war ich dann von der „Lösung“, aber sie gefällt mir recht gut.


    Fazit:
    Diese spannende Dystopie mit einer sympathischen Protagonistin und einer durchdachten Handlung empfehle ich gerne weiter.

  • Mich konnte die Geschichte leider nicht ganz so mitreißen, wie meine Vorschreiberinnen.
    Nach den ersten 80 Seiten wollte ich das Buch sogar schon abbrechen aber irgendwie hat es mich dann doch interessiert, wie es weitergeht.
    Die Zombies bzw. die Hungernde haben mich sehr an "The Walking Dead" erinnert und ich glaube, ich habe die beiden Bücher/Serien immer wieder miteinander verglichen :bonk


    Ich kann gar nicht genau sagen, was mir nicht gefallen hat :gruebel Vielleicht teilweise der ausschweifende Erzählstil des Autors und auch andere Kleinigkeiten wie


    Von mir gibts leider nur 6 Punkte!

  • Ich bin kein großer Fan von Dystopien und ich weiss gar nicht mehr, wie dieses Buch den Weg in mein Bücherregal fand. Ich habe aber irgendwie etwas anderes erwartet, hatte eine andere Vorstellung, worum dieses Buch sich dreht.
    Trotzdem habe ich es recht gerne gelesen. Ich bin zwar nicht rundum begeistert, dafür war es mir zu trocken erzählt. Auch fand ich die Figuren sehr eindimensional und klischeehaft. Alle sind ziemlich verbockt. Mich hat vor allem die Lehrerin genervt. Auch gab es den ein oder anderen Anschlußfehler, wenn z.B. Melanie mit den Armen fuchtelt obwohl sie ihr vorher hinter dem Rücken gefesselt wurden.


    Das Ende hat mich auch befriedigt, auch wenn es dann etwas schnell ging. Ich bin ebenfalls froh, das es keine Folgeband geben muss. Die Story ist zum Glück beendet.


    Bin recht aber insgesamt recht zufrieden mit dem Buch und ich bin auch froh, das ich mal wieder etwas anderes als meine üblichen Genres gelesen zu haben.

  • Im Februar kommt die Verfilmung ins Kino. Jetzt muss ich es doch noch ganz schnell vorher lesen. :grin

    Hollundergrüße :wave




    :lesend


    Ulf Schiewe - Die Mission des Kreuzritters

    Chris Hammer - Ein Ort voller Lügen

    Anthony Doerr - Wolkenkuckucksland


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Großbritannien in der nahen Zukunft: die Menschheit wurde von einem ominösen Pilz infiziert. Die Infizierten nennt man "Hungernde", denn sie kennen nur ein Ziel: alles was noch lebt zu fressen. Auf einer kleinen Militärbasis verschanzen sich Wissenschaftler, Zivilisten und Soldaten um herauszufinden, was es mit dem Parasiten auf sich hat. Zur Untersuchung dienen infizierte Kinder, die immun gegen den Pilz zu sein scheinen. Doch wie weit darf die Forschung gehen? Und was denken die Kinder selbst darüber?


    "Die Berufene" von M.R. Carey hat mich schon länger neugierig gemacht, doch mit dem Start des Kinofilms hatte ich nun einen sehr guten Grund die Romanvorlage zu lesen. Und ich habe es nicht bereut. Der Autor schafft es, ein beklemmendes Szenario so lebensnah und für mich beängstigend darzustellen, dass ich das Buch in 2 Tagen durchgelesen habe.


    Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise dem Kommandanten Perks, der die Militärbasis leitet, der Wissenschaftlerin Dr. Caldwell, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Pilz zu besiegen, der Lehrerin Miss Justineau, die die infizierten Kinder auf der Basis unterrichtet und Melanie, auch Testobjekt Nummer 1 genannt. Melanie ist eines der infizierten Kinder und muss als Versuchskaninchen herhalten. Jedes Kapitel passt sich sprachlich an seinen Protagonisten an.


    So war ich zu Beginn verwundert, in welch einfacher Sprache M.R. Carey seinen Roman gehalten hat. Schnell wurde mir klar, dass er seinen Stil Melanie angepasst hat. Die Infektion nimmt normalerweise jedem Menschen das Menschliche. Das immune Mädchen hingegen ist lernfähig, kann sprechen, denken und zeigt dies deutlich, wenn auch sprachlich in einfachen Sätzen. Das hat mich sehr fasziniert. Denn die Grausamkeiten, die man den Kindern antut, schildert sich mit solch kindlicher Präzision, dass es mir kalt den Rücken hinunterlief.


    M.R. Carey wirft einen sehr bunten Mix an Charakteren zusammen, der im Laufe der Geschichte ums Überleben kämpfen muss. Grandios zeigt er die Gruppendynamik auf, regte mich zum Nachdenken über das eigene Verhalten an und zeigte deutlich, wie weit Entmenschlichung im Namen der Wissenschaft gehen kann. Ich war stellenweise stark gerührt, wütend, aggressiv und schüttelte den Kopf über die Gedankengänge der Personen, obwohl ich sie irgendwo auch wieder verstehen konnte. Es war immer wieder ein innerer Kampf mit der eigenen Überzeugung.


    Die Story an sich hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen. Der Autor schafft es, den Horror der Situation gezielt und hintergründig zu setzen. Er wartet nicht mit Splatter und geifernden Zombies auf, sondern zeigt fast schon nüchtern, zu was Menschen werden können, wenn das eigene Überleben auf dem Spiel steht. Dabei setzt er geschickt jede Haltung gegeneinander ein, so dass ich beim Lesen selbst immer wieder in meiner eigenen Überzeugung erschüttert wurde. Grandios!


    Das Ende hat mich stark berührt. Es passt sehr gut zum gesamten Werk, ist schlüssig und logisch. Und dennoch hätte ich mir gewünscht, es hätte ein anderes gegeben. Einfach, damit ich weiter an das Gute glauben könnte.


    Der Stil von M.R. Carey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise passt sich situativ an, reißt mit und beschreibt schonungslos, aber ohne Sensationsgier, die einzelnen Szenen.


    Fazit: leiser Horror, große Gedanken und viel Spannung. Ich kann es sehr empfehlen.

  • Das Buch ist eine wirkliche Lese-Überraschung für mich gewesen. Also ich habe ja immer gesagt, ich lese keine Zombie-Bücher. Und ehrlich, ich hasse Zombie-Filme. Wenn meine Männer Walking Dead anschauen, verlasse ich fluchtartig den Raum.
    ABER dieses Buch ist so ganz anders... OBWOHL es durchaus das Zombie-Genre bedient.
    Da ist zum einen der Schreibstil, der sehr eindringlich, ist ohne kompliziert oder aufgesetzt zu wirken. Außerdem hat es stark dystophische Züge, ist eine Parabel auf eine Endzeit-Gesellschaft, eine Hommage an die Menschlichkeit, eine Horrorgeschichte mit feinen Zwischentönen, eine Zombiegeschichte in einem ganz neuen Gewand.


    Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Von mir 9 von 10 Punkten.
    Und diesen Film werde ich mir definitiv anschauen. Ich mag auch die weibliche Hauptrolle. Gemma Aterton.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend


    Ulf Schiewe - Die Mission des Kreuzritters

    Chris Hammer - Ein Ort voller Lügen

    Anthony Doerr - Wolkenkuckucksland


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Mich fasziniert von jeher das Zombie-Thema, obwohl ich Splatterfilme, in denen Hirn und Blut nur so spritzt, nicht mag. Von "The Walking Dead" habe ich keine einzige Folge gesehen. Ich suche eigentlich immer nach Zombie-Geschichten, die das Thema von einem anderen Gesichtspunkt aus aufrollen, als sich von einem maximal ekelerregenden Horrormoment zum anderen zu hangeln. "Die Berufene" ist so eine. Es ist sehr untypisch für mich, Geschichten zu lesen, von denen ich von vorneherein weiß, dass sie sehr bedrückend sind, trotzdem hat mich dieses Buch derart angezogen, dass ich meine Bedenken über Bord warf. Ich habe es nicht bereut. Mich hat die Geschichte des so unschuldig wirkenden, süßen kleinen blonden und weißen Mädchens sehr fasziniert und ihre Entwicklung, die Ereignisse und das Ende waren gut aufgebaut, nachvollziehbar und stimmig. Ja, weißes Mädchen und die sympathische Lehrerin ist dunkelhäutig in der Buchvorlage. Warum man das in der Verfilmung wohl abgeändert hat? Politische Korrektheit?


    Der Schwerpunkt der Geschichte liegt nicht auf den Horrormomenten, die in einem Zombieroman nicht fehlen dürfen, sondern auf den Interaktionen der letzten Menschen. Was macht eine derartige Katastrophe aus der Menschlichkeit? Die Antwort fällt nicht gut aus. Angesichts dessen hatte ich wenig Mitleid und bedauerte die Protagonisten und die Menschheit nicht im geringsten.


    Wenn die Rezensoren schreiben, dass in der Welt nach der Katastrophe nichts mehr ist, dann stimmt das nicht ganz. Ja, es sind keine Menschen mehr da, aber die Natur erorbert sich die Welt zurück und es ist keine trostlose zerbombte Landschaft, in der diese Geschichte spielt. Im Gegenteil, die Lehrerin Justineau bringt ihren bedauernswerten Schülern einmal den Frühling in ihre abgeschiedene eingeschränkte Welt unter Tage. Blüten und Blumen, bei deren Anblick die besonderen Kinder, besonders Melanie, in Entzücken ausbrechen.


    Bei der Berufenen oder "The Girl with all the gifts" erkennt man kleine und feine Unterschiede zu den üblichen Genreverwirklichungen. Zum einen nennt er sie nicht Zombies sondern Hungrys und diese Bezeichnung entspricht eher deren Natur. Sie sind keine lebenden Toten, sondern sie sind ein Wirtskörper, der von einem Parasiten gesteuert wird, der sich durch Fleisch ernährt und weiterverbereitet. Ein grauenvoller Pilz, den es im Kleinen bei den Ameisen gibt und der mutiert ist, vermutlich mit Hilfe der erfinderischen Menschheit. Das lässt der Autor offen und es ist auch nicht wichtig. Immer wieder zeigt Carey auf, wie der Befall des Parasiten wirkt und wie er sich entwickelt, was ein zentraler und sehr wichtiger Faden der Erzählung ist.


    Die Charaktere und deren Vielschichtigkeit haben mir sehr gefallen. Einzig die "diabolische" Wissenschaftlerin Dr. Caldwell ist ein kleiner Ausreißer. Sie bleibt eindimensional, getrieben einzig durch ihre Forschungen. Dabei hat man das Gefühl, die Motivation für ihre Forschungen ist nur sekundär die Rettung der Menschheit, sondern sie will ihre Reputation reparieren, nachdem man sie und ihre Fähigkeiten in den ersten Tagen des Befalls als zweitrangig aussondiert hat. Diejenigen, die dafür verantwortlich waren, sind vermutlich längst tot oder Hungrys, aber Dr. Caldwell hat diesen Schlag für ihr Ego anscheinend nicht verkraftet und für mich hatte diese Figur die stärksten "verrückten" Züge, richtig Frankenstein mäßig. Daher waren die Konfrontationen zwischen ihr und Miss Justineau immer sehr befriedigend zu lesen. Leider lässt uns Carey nicht hinter die Fassade von Miss Frankenstein blicken, nicht so wie er es mit Melanie, Justineau und Sergeant Parks tut.


    Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber wer liest schon gerne einen ellenlangen Leseeindruck. Deswegen zügle ich mich jetzt schwerzen Herzens und empfehle "Die Berufene" für alle, deren Ekelempfinden nicht allzu hoch liegt und die eine fundierte, gut durchdachte Studie des Untergangs der Menschheit haben wollen, deren Verlauf anhand von wenigen Personen und deren Entwicklung anhand der Ereignisse sehr eindrücklich beschrieben wird.

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    "Es hat alles seine Stunde und ein jedes seine Zeit, denn wir gehören dem Jetzt und nicht der Ewigkeit."