'Runa' - Seiten 147 - 238

  • Ich bin jetzt endlich auch soweit....
    Es geht mir wie vielen von Euch...Ich kann bei diesem Buch nicht mal eben ein paar Seiten lesen und dann weglegen. Das funktioniert hier nicht.


    Maxime kommt zu Wort. Hier hatte ich den Eindruck, dass er homosexuell ist. Vielleicht weil er gerne Gedichte schreibt, sich nicht gerne vor den anderen Jungs auszieht und über Gustave sagt: ...von dem ich spüre, dass er anders war als die anderen..." Die Buchstaben habe ich auch sofort als Metalle erkannt und da Burq in der Einleitung zum zweiten Teil zu Wort kommt, könnte das auch passen.


    Jori ist für mich der Typ "Weichei"..irgendwie "noch nicht fertig" in seiner Entwicklung. Lustig fand ich die Passage:..."Doch er wusste es. Pauline hatte ihn geritten. Er errötete angesichts der Zweideutigkeit dieses Gedankens." Na, wenn das sein Freund Paul wüsste....ich habe schon kurz überlegt, ob bei Pauline eventuell ein sexueller Missbrauch vorliegt (Vom Vater? Vom Bruder?) und die Briefe von Jori sie nie erreicht haben...Paul scheint ja alles dran zu setzen um Jori von seiner Verliebtheit abzubringen.


    Gerard ist auch jemand, den ich schlecht einordnen kann. Bei Jori scheint er nicht besonders beliebt zu sein. Und als faul und träge ist er verschrieen...



    Lecoq begibt sich auf die Suche nach Claire und klappert nach und nach die Kirchen ab. Dabei stößt er auf den armen Frederic, der sich heimlich aus dem Haus geschlichen hat um das Geheimnis der Zeichen in der Kutsche zu entschlüsseln. Komisch..ich hatte gedacht, Frederic wäre erwachsen oder zumindest ein junger Mann. Dabei ist er ja noch ein Kind... :gruebel
    Witzig finde ich, dass Lecoq immer wieder betont, dass er ein Verbrecher ist. Wen will er denn hier überzeugen? Uns oder sich selbst?


    Das Angebot von Luys ist moralisch natürlich das allerletzte. Aus seiner Sicht aber verständlich. Er braucht die Operation für seinen Ruhm nicht mehr, Jori, der sich viel zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, aber schon. Ich schätze Jori so ein, dass er es alleine niemals schaffen wird und das weiß Luys. Ihm wird nichts anderes übrig bleiben, als auf das "Angebot des Teufels" einzugehen. Luys rettet also quasi seine Haut und sackt sich den Ruhm ein - oder eben auch nicht. Wir werden sehen...


    Runa ist wirklich außergewöhnlich und ich glaube/hoffe dass sie den Göttern in weiß noch viele Schwierigkeiten machen wird.


    Eine Passage hat mir besonders gut gefallen...Ich glaube es stand in dem Abschnitt, wo Gerard seine ominösen Karten legt..


    "Doch einmal ausgesprochen, zerfielen seine Wörter in ihre Bestandteile. Die Bücherregale schluckten jeden Ton wie Staubkörner. Es war das geschriebene Wort, das an Orten wie diesem, etwas zählte."


    Sehr prosaisch, sehr schön... :-)


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht...


    :wave

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Irgendwas hat mir gesagt, dass er homosexuell ist. Aber ich habe vergessen was.


    Ich weiß, was du meinst!


    Das war auf S. 226, als der Ich-Erzähler (Maxime?) Gérard in der Bibliothek begegnet:


    Zitat:
    Als ich stehen blieb und aufsah, erblickten wir uns gleichzeitig. Gérard hatte sich einen Bart wachsen lassen, ds sah ich sofort. ... Mein Herz machte einen Sprung, obwohl ich hätte ahnen können, dass ich ihn hier treffen würde..."


    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Maxime in Gérard verliebt ist.

  • Ich fand auch den Abschnitt mit der Bäckerin Mademoiselle Bellier sehr lustig - wie ihr das Wasser im Mund zusammen lief bei den leckeren süßen Teilchen der Konkurrenz und wie sie schon auf dem Heimweg alles aufgegessen hat :lache


    Irgendwie beneidenswert, dass es für die Menschen zu dieser Zeit noch so viel Neues zu entdecken gab! :-] soviel leckere neue Lebensmittel, das ist für uns heutzutage schon gar nichts Besonderes mehr. Wir haben ja alles im Überfluss... muss echt mal überlegen, wann ich zuletzt die Erfahrung gemacht habe, etwas zu essen, was ich noch nie zuvor gegessen habe :gruebel


    Ich glaube, letztes Jahr im Sommer bei einer Freundin in Berlin, da gab es frische Mettbrötchen, sowas essen wir hier in der Gegend nicht...


    Den letzten Satz in dem Abschnitt fand ich lustig, als es hieß "Der Gestank hing noch immer über ihr, als Mlle Bellier mit einer neuen Leichtigkeit im Magen im Sessel einschlief, die Krümel des Feindes im Mundwinkel und um sich auf dem Fußboden verteilt".


    Wobei Vera Buck damit die eigentliche Aussage im Nebensatz versteckt hat: Was ist das wohl für ein Gestank?! Ich tippe stark auf eine verwesende Leiche!!


    Im übrigen bin ich wieder mal platt vor Staunen, was Vera Buck da noch alles recherchiert hat! Ich wusste das z.B. nicht, dass zu dieser Zeit die ersten Teigmaschinen erfunden wurden! Und schon gar nicht, dass man Hunde benutzte, um diese anzutreiben! :wow

  • Zitat

    Original von Engel43
    Ich habe den Abschnitt geschafft. Ich bin überrascht, wie langsam ich voran komme, aber dieses Buch liest man nicht einfach mal schnell eben so. Hier mache ich mir schon viele Gedanken und schaue auch hier und da mal bei Tante Google nach. Eine faszinierende Welt, aber auch eine sehr abschreckende, geradezu unwürdige Welt. Frauen werden vorgeführt, als Versuchskaninchen missbraucht und alles für Ruhm und Ehre einzelner Leute, die allerdings Medizingeschichte geschrieben haben. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ohne diese Behandlungsmethoden wären wir wahrscheinlich heute nicht so weit.


    Wie schon mehrfach erwähnt, finde ich es auch sehr erstaunlich, dass dieses Buch ein Debüt ist und die Autorin so jung. Ich kann jetzt schon sagen, Hut ab, tolles Buch.


    Das kann ich ganz genauso :write ! Ich lese ja gerne in jeder Minute, die sich mir anbietet. Bei diesem Buch habe ich aber immer die Befürchtung, bei so kurzen Lesezeiten der Geschichte nicht gerecht zu werden. Ich brauche auch immer einen kleinen Moment, um immer wieder in diese düster-melancholische Welt einzutauchen.


    Zitat

    Original von Belle Affaire
    Im übrigen bin ich wieder mal platt vor Staunen, was Vera Buck da noch alles recherchiert hat! Ich wusste das z.B. nicht, dass zu dieser Zeit die ersten Teigmaschinen erfunden wurden! Und schon gar nicht, dass man Hunde benutzte, um diese anzutreiben! :wow


    Das sind genau die Details, die das Gesamtbild der damaligen Zeit so eindrücklich abrunden und für mich eine der Stärken dieses Buches ausmacht! :fingerhoch



    Ein bisschen stolpere ich immer wieder über den Namen "Runa". Da er mir eigentlich gut gefällt, habe ich die Bedeutung nachgeschlagen: "Geheimnis, Zauber" - das also der perfekte Name für dieses geheimnisvolle Mädchen! :-) Und trotzdem passt dieser althochdeutsche Name für mich nicht so richtig nach Paris, wo er wahrscheinlich auch nicht ganz richtig ausgesprochen wird... :gruebel

  • Ich lese das Buch auch nur, wenn ich weiß, dass ich ein gutes Stück vorankomme. Nur so ein paar Seiten geht hier gar nicht ( und als mein "Bahnbuch" ist es mir einfach zu schwer zum Mitschleppen ).
    Dann würde ich überhaupt nicht mehr mitkommen.
    Es sind doch sehr viele Personen und Schauplätze.
    Die Teile mit Lecoq gefallen mir richtig gut und den Schreibstil mag ich sowieso.

  • Ich les jetzt nicht, was Ihr alle geschrieben habt, um mich nicht zu spoilern, aber das, was da im Gesangbuch steht, sind chemische Elemente und ihre gängigen Abkürzungen. Ich laß das mal so gier stehen und schaue später, ob ihr das auch so sehr...

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein

  • So, diesen Abschnitt habe ich jetzt auch beendet.


    Es wird immer verworrener, die einzelnen Handlungsstränge scheinen so gar keinen Zusammenhang zu haben, oder ich seh ihn nicht...


    Mal schauen, was mir in Erinnerung bleibt:
    Anisokorie, also zwei ungleiche Pupillen, das hatte David Bowie auch, bei ihm Folge eines Traumas. Es können aber auch Störungen im Gehirn dafür verantwortlich sin, warten wir mal ab, in welche Richtung sich das entwickelt.


    Die Mißbrauchsgedanken bei Pauline kamen mir auch, aber paßt das dazu, daß sie anscheinend massive Selbstbefriedigung betreibt?


    Luys ist ein hundsgemeiner Achuft, der Jori ausnutzt, ihm aber auch einn Ausweg aus sinem Dilemma bietet. Ohnr Luys sehe ich eher schwarz für Jori und seine Pläne.


    Pauls Abreise finde ich schade, den mochte ich. Aber Pauline scheint für Jori gar nichts zu empfinden, bildet sich Jori das alles nur ein?

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein