Wer gab dir, Liebe, die Gewalt von Viola Alvarez

  • Zitat

    Original von Kalypso
    :-] Das freut mich ganz besonders, wo du doch sooo lange darum herum geschlichen bist.


    Ich hab ja bloß in den Startlöchern zappelnd aufs TB gewartet. ;-)

    Surround yourself with human beings, my dear James. They are easier to fight for than principles. (Ian Fleming, Casino Royale)

  • Liebe Kalypso,
    Deine Rezension trifft den Kern des Romans voll und ganz. :knuddel1


    Ich habe gerade die Lektüre abgeschlossen und bin immer noch ganz ergriffen.


    Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem wirklich alles stimmig erscheint:
    Die Handlung, die Sprache, der Tiefgang, die Emotion.


    Vielleicht mal einige Zitate, beispielhaft für sehr viele, die mir gefallen haben:


    "Der Abend seines ersten Triumphes sollte sich für Walther später in ein einziges Geräusch verwandelt haben; die vielen so klar gesehenen Einzelheiten waren lauter bunte Fäden, die nicht mehr voneinander zu trennen waren, ineinander verschlungen und verwoben, am Ende verfilzt und abgenutzt von der Zeit und der Häufigkeit, mit der er es in den späteren Wiener Jahren aus den Taschen seiner Erinnerung hervorziehen musste, als ihm das Leben am Hofe die Hoffnungen verdarb." (S. 268 )


    "So drastisch sein Leben sich verändert hatte, als er nach Wien berufen worden war, so leise wandelte es sich nun, da Wien ihn langsam ausspeien wollte und ihn endlich dem Schicksal der Straßen zuführte, das schon immer seines hatte werden müssen." (S. 312)


    Ich schätze die schriftstellerische Leistung von Viola Alvarez sehr, denn es war nicht viel, was ihr für diesen Roman an die Hand gegeben wurde. Neben einigen Werken von Walther von der Vogelweide ist nur eine Rechnung über einen Mantelkauf erhalten geblieben. Daraus einen Roman zu machen, und dann noch einen so beachtlichen, ist eine wirklich große Leistung.


    Prädikat: Unbedingt lesenswert!!!


    Liebe Grüße,


    die Fride. :wave

  • Ich habe heute auf dem Flohmarkt ein schön aufgemachtes Buch von 1937 erstanden - Gedichte von Walther von der Vogelweide! Ich habe versucht, es auf die Schnelle durchzublättern, um herauszufinden, ob die Zeile "Wer gab dir, Liebe..." darin vorkommt, aber bei der altdeutschen Schrift (ihr wisst schon, die mit der Lust und der Luft ;-) ) kann es gut sein, dass ich es übersehen habe. Allerdings sind die Texte dort zugänglicher als die im Roman wiedergegebenen; sie reimen sich und singen sich sicher auch gefälliger. Ich bin mir noch nicht schlüssig, wie ich das finde, muss unbedingt noch ein bisschen weiterstöbern. Aufgefallen sind mir bei diesem Blättern aber auch so manche Stichwörter und Namen, die im Roman auftauchen - das muss eine Freude für Viola Alvarez gewesen sein, aus einer Gedichtesammlung eine Romanhandlung zu erfinden.

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  • Na, da hast Du ja einen kleinen Schatz erstanden, MaryRead. :-)
    Altdeutsche Schrift, die kleinen Buchstaben gehen ja noch, aber die Großbuchstaben sind zumeist so verschörkelt, dass ich da auch selten Sonne sehe. Falls da jemand mal eine "Übersetzung" oder ähnliches finden sollte, wäre ich dankbar.


    Ich möchte auch unbedingt wissen, wie dieser Titel zustande kam...
    Die Frage ist fest für die Leserunde notiert, ein paar Fragen zu anderen Büchern der Autorin werden hoffentlich gestattet. :-)


    Die Texte von Walther von der Vogelweide im Roman haben mich an einigen Stellen auch verwundert. Sie liessen meiner Meinung nach manchmal die Poesie vermissen. Sie waren so schlicht, was ja nicht negativ sein muss. Reime waren da auch nur selten zu erkennen. :gruebel
    Was den Lesegenuß des Buches aber keinesfalls schmälert!


    :wave

  • Ein wirklich schöner Roman- der nur ein Pech hatte in meinen Augen- er wurde etwas zu sehr gelobt in euren Posts und deswegen waren meine Erwartungen zu hoch.


    Ich hätte bei den Gedichten eine Nachdichtung in Versform und Sprachrhytmus des Mittelaters lieber gehabt als die bloße wortgetreue Übersetzung, einige Figuren sind mir doch etwas schwach gezeichnet und ihre Motive unklar.


    Das Buch hat aber ein wunderbares Bild der Zeit heraufbeschworen, der Zerissenheit der Person Walthers und der Zerissenheit seiner Umwelt. An Autismus habe ich bei Walther eigentlich nie nie gedacht. Die Autorin stellt die Frage nach dem Sinn der Ordnung - göttlicher Einordnung im Chaos und des Chaos in der göttlichen Ordnung daher ist für mich kein Zufall, dass die wesentlichen Worte zu diesem Thema ein Gärtner spricht, der Ordnung und scheinbares Chaos der Natur täglich erlebt und doch mitgestaltet. Die Autorin verführt ihren Leser mit einer Sprache, die zwar zeitangemessen erscheint, aber dennoch immer lesbar und schön bleibt.


    Ein wirklich gelungenes Buch.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • So, ich habe in meiner Neuerwerbung heute noch ein bisschen mehr geschmökert und bin vielleicht fündig geworden, was den Titel betrifft - ich bin gespannt, ob Viola das bestätigt! Das Problem ist, dass der Text wohl sehr bearbeitet worden ist. Bei den Übersetzungen im Roman hatte ich den Eindruck, dass sie recht nah am Original sind, aber ich glaube, hier ist ziemlich in den Text eingegriffen worden ("erneuert", heißt es, von einem gewissen Hermann Stodte). Die Ausgabe, die ich da habe, stammt wie gesagt von 1937. Das Vorwort trieft vor Deutschtümelei, dass es kaum auszuhalten ist (in der sowjetischen Besatzungszone war das Buch offenbar verboten klick), aber mit einem hat der Autor des Vorworts wohl Recht:

    Zitat

    Der Wandel der Sprache hat seit sieben Jahrhunderten seine Dichtung, eine eigentümlichste Ausprägung unseres Wesens, in eine Ferne gerückt, die dem heutigen Deutschen in unmittelbarerm Erlebnis nicht mehr zugänglich ist. Denn Dichtung und Sprache sind wie Seele und Körper unlösbar eins. Walther ist für unser Volk in seiner Gesamtheit tot, eine Ruine, zwar schön und verklärt von unserem Gefühl, aber man kann nicht darin wohnen. Und doch könnte er, ein voller Gegenwartsmensch, mitten unter uns stehen.


    Um ihn eben "mitten unter uns" zu stellen, d.h. seine Sprache für uns zugänglich zu machen, hat dieser Hermann Soundsoviel den Text bearbeitet. Das Gedicht, das ich gefunden habe (um endlich mal auf den Punkt zu kommen ;-) ), heißt in seiner Fassung (ich zitiere das ganze Gedicht, weil ich davon ausgehe, dass es bei diesem alten Buch keine Urheberrechtsprobleme mehr geben kann) folgendermaßen, und der fettgedruckte Teil könnte meiner Meinung nach unserem Titel entsprechen:


    Ich muss zugeben, dass ich die gefälligeren Reime zugänglicher finde und dass sie mir Walther in einem gefälligeren Licht erscheinen lassen. Aber ist das für das Buch passend? Dass er ein großer Dichter seiner Zeit ist, kommt im Buch gut hervor. Dass seine Texte, wie sie dort wiedergegeben sind, mir sperrig erscheinen, schafft mehr Zeitkolorit und ist auch stimmiger für die Zerrissenheit Walthers.


    Hier übrigens noch ein Foto, weil das Buch so schön ist :-)


    (edit: Foto wegen Urheberrecht entfernt)


    gefunden hier, ich hab's auf dem Flohmarkt aber für einen Euro gekriegt. ;-)


    edit - meine Güte, so lange steht das schon hier, und keiner sagt mir, dass ich statt "Walther" "Werner" geschrieben habe?! :yikes

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  • Meine Meinung


    „Wer gab dir, Liebe, die Gewalt“ erzählt die fiktive Lebensgeschichte von Walther von der Vogelweide. Nur seine Gedichte und ein Dokument, das den Kauf eines Pelzmantels für den Dichter belegt, sind uns erhalten geblieben und daraus hat Viola Alvarez eine wunderschöne, ergreifende Geschichte gewebt. Vor allem seine berühmten Gedichte dienten der Autorin als Quelle, die sie wunderbar in den Roman eingeflochten hat. So wirkt das Leben Walthers von der Vogelweide absolut glaubhaft und ich musste mir immerzu in Erinnerung rufen, dass es nur eine Möglichkeit ist.


    Stilistisch und vor allem sprachlich hebt sich der Roman deutlich von den durchschnittlichen historischen Romanen ab. Man muss sich auf das Buch einlassen können, es wirken lassen, damit es all seine Facetten entfalten kann. „Wer gab, dir, Liebe, die Gewalt“ ist auf keinen Fall „mal schnell weg zu lesen“, man sollte sich Zeit für diesen anspruchsvolleren Roman nehmen, damit einem nicht nur die Handlung und die Figuren nahe kommen können, sondern auch die Sprache und die Feinheiten ans Herz gehen können.


    Viola Alvarez schreibt sehr weich, einfühlsam, ergreifend und vor allem sehr berührend. Mehr als einmal musste ich vergeblich gegen meine Tränen ankämpfen und zum Ende brachen alle Dämme. Aber ich habe auch viel gelacht, denn die Autorin erzählt teilweise sehr bissig und ironisch. Wütend war ich, enttäuscht, traurig, glücklich, ich habe alle möglichen Emotionen durchlebt und dabei war mein Herz immer vollkommen dabei.


    Walther ist eine sehr interessante, kaum greifbare Figur. Äußerst facettenreich und mit sehr viel Tiefe. Wenn man glaubt, ihn endlich zu kennen, ihn zu durchschauen, handelt er so widersinnig, dass man feststellen muss, dass man keine Ahnung hatte, wer er ist und was in ihm vorgeht. Nur selten kann man in seine Seele sehen und das macht den Reiz der Figur aus. Er ist grob, in sich gekehrt, scheinbar ohne Liebe. Er sucht sein ganzes Leben nach sich selbst und den Sinn seines Lebens, zweifelt an sich, doch ist in seiner Dichtkunst von sich überzeugt, er liebt nicht, doch wird er von den großmütigsten Menschen geliebt. Er ist ein Sonderling, aber für mich ein sehr liebenswerter.
    Aber nicht nur Walther ist als Figur großartig gelungen. Die Nebenfiguren, allen voran die, die Walther geliebt haben und alles für ihn taten, sind ebenso wichtig für die Handlung und vor allem für Walthers Leben, und so hat Viola Alvarez sie auch geschaffen. Figuren mir unglaublich viel Güte und Zuversicht, aber mit eigenen Sorgen und einer eigenen schweren Vergangenheit. Alle haben sie ihr Päckchen zu tragen und doch geben sie noch dem schwierigen Walther Kraft und Mut und ihre Liebe.
    Diese Figuren haben mich sehr beeindruckt und eine ist mir ungeheuer ans Herz gewachsen: Dietrich.


    Charakterisierungen und äußerliche Beschreibungen sind so treffend und prägnant, dass man sich jede Figur, sofort vorstellen konnte. Besondere Spitznamen wie z.B. „das Murmeltier , Umschreibungen wie „Maikäferpersönlichkeit“ oder der schwäbische Dialekt Philipps von Schwaben zeichnen ein unverwechselbares Bild der Figuren.


    Walthers Leben ist aufregend, abwechslungsreich und wurde mir nie langweilig. Im Gegenteil, das Buch hätte gerne nochmal so viele Seiten haben können und es wäre mir immer noch nicht genug gewesen. Walthers ewige Suche durchläuft verschiedene Stufen und auch Welten. Seine Begegnungen mit den historischen Persönlichkeiten haben mir sehr gefallen, allen voran seine Begegnung mit Philipp von Schwaben und dessen Frau Irene. Ein tolles Pärchen, das ich sofort ins Herz geschlossen habe. Alle Lebensstationen Walthers empfand ich als sehr spannend und ergreifend.


    Die in die Geschichte eingewobenen Gedichte bekommen in dem Roman einen besonderen Platz und sind in Mittelhochdeutsch und einer Übersetzung von der Autorin abgedruckt. Ich persönlich finde, Viola Alvarez hat diese wunderbar ausgewählt und uns durch sie einen wahren Einblick in Walthers Seele ermöglicht.
    „Wer gab, dir, Liebe, die Gewalt“ hat mich sehr ergriffen und wird mir unvergesslich in Erinnerung bleiben. Es ist ein Highlight und für jeden Liebhaber historischer Romane absolut zu empfehlen, auch wenn einem das Leben des großen Dichters zunächst nicht als erzählenswert erscheint. Auch ich wurde eines Besseren belehrt und bereue es nicht, im Gegenteil, mir wäre etwas ganz Besonderes entgangen.


    Eines meiner Lieblingszitate zum Abschluss (gebundene Ausgabe 2005, Seite 385):


    „Vielleicht war das Alleinsein gar nicht das Schlimmste am Leben, wenn man das Alleinsein mit jemandem teilte, und dann war dieser Jemand nicht mehr da. Das Schlimmste am Leben, dachte Walther in der Dunkelheit, ist, wenn man jemanden gern hat, der stirbt und zu dem man nie wieder zurückgehen kann.“


    Meine Bewertung


    11 von 10 Punkten :grin

  • Vom ersten Satz an hat mich die wunderbare Sprache von Viola Alvarez in ihren Bann gezogen. Sätze wie Lieder, wie von Walther von der Vogelweide selbst, der Dingen einen neuen Namen gab. Wir begleiten Walther auf seinem fiktiven, aber immer glaubhaften Lebensweg von der Geburt bis zum Tod, spannend geschildert, detailreich und ohne rosa Brille entsteht ein farbiges Bild des Mittelalters. Walthers vielschichtiger Charakter enthüllt sich nach und nach und wird begleitet von Selbstreflexionen am Ende jeden Abschnittes.


    Fesselnd, emotional, spannend: historische Fiktion vom Feinsten.

    :lesendCharlotte Roth - Grandhotel Odessa


    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • Wer gab dir, Liebe, die Gewalt
    Viola Alvarez, 2005

    Lübbe, ISBN: 9783404922383


    Schon oder vor allem auf den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich ein ungewöhnliches Buch in Händen halte. Walther von der Vogelweide als ein Kind, dass seine Welt mit malerischen Namen versieht, den Pfarrer zum Staunen bringt und vom Vater so geliebt wird, dass dieser sich jeder Liebesbekundungen in Form von Umarmungen enthält, ist einfach grandios.


    Denn Walther, wie er in diesem Buch beschrieben wird, ist den Menschen fremd, er ist nahezu unfähig seine Gefühle zu schreiben, oder so wie die anderen zu sein. Verschrieen als Verrückter, gefeiert als Dichter, immer steht er im Abseits.


    Erst wenn er etwas oder jemanden verliert, wird ihm klar, welche Gefühle er mit demjenigen oder der Sache verbunden hat. Die einzige Person, für die er Liebe empfindet, ist Anna, die treue religiöse Anna. Doch auch bei ihr kann er nicht bleiben, denn wie schon in einer seltsamen Prophezeihung zu Beginn dargelegt wurde, deren Nötigkeit, abgesehen von der Einführung der immer wieder auftauchenden Phrase "Sand in den Schuhen" sich mir nicht erschloss, muss er wandern, darf nicht ankommen.
    Die Liebe zu Anna steht immer im Vordergrund, sie bleibt ein Bild, dass Walther vor Augen hat, mir ist sie in Allgegenwärtigkeit zu stark gezeichnet.


    Da wenig über Walthers Leben bekannt ist, entspricht vieles der Fiktion. Also darf ich meine Kritikpunkte an der Figur der Autorin anlassten. Denn so schön und abwechslungsreich die Handlung ist, die Person Walther erschließt sich mir nicht. Sie wirkt auf mich völlig unglaubwürdig in ihrer Distanziertheit.
    Weder die Unterbrechungen, in denen er reflektiert, was gewesen wäre, wenn er ein anderer gewesen wäre, noch das, was man aus der Handlung erfährt, lassen ihn greifbar werden. Er ist da, aber irgendwie abwesend.


    Das mag gewollt sein, da er ja so menschenfremd geschildert wird, führte aber dazu, dass mich teilweise überhaupt nicht interessierte, was aus ihm wird. Nur am Anfang, der mich auf ein tolles Buch schließen ließ, war er wirklich sympathisch - das lag auch an der Wahrnehmung durch den Vater.
    Doch immer mehr verwandelt er sich in eine gebrochene, verwirrende Person, die sich mir entfremdete. Die ich nicht verstand und die nicht zu ihren Gedichten passte.


    Neben der Hauptperson und der mit ihr verknüpften Handlung, ist der Roman allerdings gut gelungen. Viola Alvarez Sprache ist einfach sehr faszinierend, ihr gelingt es gut, sofort Bilder entstehen zu lassen und ihre Sprachbilder auch in Bezug auf Walther sind sehr gelungen. Allein aufgrund der Sprache bereue ich es nicht, den Roman gelesen zu haben.


    Zudem bringt er einem Geschichte auf eine sehr sympathische Weise entgegen. Der sächselnde Philipp von Schwaben samt Gemahlin sind einmalig. Ihr gelingt es ein überaus überzeugendes Bild des Mittelalters entstehen zu lassen. Das ist neben der Sprache ein Grund dafür, dass ich mir weitere Romane von ihr zu Gemüte führen werde. Allein dieser Roman hat es mir trotz des schönen Anfangs und des schönen Titels nicht angetan.


    Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich die abgedruchten Texte Walthers betreffend noch anmerken. Ich fand die Übersetzungen schade, da sie durch fehlende Reime viel weniger Wirkung entfalteten - des wegen habe ich mich auch an die Originaltexte gehalten. Schade fand ich es auch, dass die Gedichtübersetzungen von Zitaten aus den Gedichten, die im Haupttext vorkamen, abwichen.


    Fazit
    Viola Alvarez schreibt sehr malerisch und bringt einem das Mittelalter gut nahe, weswegen ich weitere Bücher von ihr lesen werde. Allein dieses hat mir von der Handlung weniger zugesagt.


    6/10 Punkten


    :wave bartimaeus

  • Mit Entsetzen stelle ich grade fest, daß meine Rezi hierzu ja auch noch fehlt...


    Wird schleunigst nachgeholt:


    Dies war mein erster Roman von Viola Alvarez, obwohl ein anderes Buch von ihr noch auf dem SuB liegt; es erreichte mich als Büchereulen-Wanderbuch.


    In einem eindringlichen Szenario stellt uns Viola Alvarez das Leben des Walther von der Vogelweide vor. So, wie es hätte sein können - nach dem, was die Autorin über den Minnesänger gelesen und recherchiert hat. Wohlgemerkt, sie besteht darauf, daß es EINE mögliche Lebensgeschichte ist; wenige Dinge über Walther von der Vogelweide sind bekannt oder belegt, nichts von ihm geblieben außer seinen Liedern. Und doch beschreibt Viola Alvarez ein Leben, das zwiegespaltener und zerrissener gar nicht sein kann. Ein Sänger und Dichter, gefangen in seiner Kunst und kaum fähig, seine Gefühle nach außen zu zeigen außer in den wenigen Momenten, in denen ihn die Muse überkommt.


    Zwar fehlte mir in diesem Roman eindeutig die Identifikationsperson, der Protagonist, mit dem man Lachen und Leiden kann, trotzdem hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen, da es anschaulich und glaubwürdig schildert, wie jemand zwischen seinen eigenen Grenzen und Extremen hin und her pendeln kann und niemals zur Ruhe finden wird.


    Mein Prädikat: Traurig-schön.

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein

  • Ich habe dieses wunderbare Buch gestern Abend zu Ende gelesen und ich war wirklich, wirklich dankbar, dass ich alleine zu Hause war. Die Tränen ließen sich gegen Ende hin einfach nicht mehr aufhalten.


    Selten hat mich ein Buch und vor allem seine wunderbaren Charaktere, allen voran natürlich Walther, so berührt. Walther als unberechenbarer, zweifelnder und auch wieder von sich überzeugter Dichter war für mich überzeugend dargestellt. Ich liebe solche Charaktere, die überraschend handeln, nicht immer populäre oder nachvollziehbare Entscheidungen treffen.
    Aber eigentlich fand ich alle vorkommenden Personen gut beschrieben und getroffen. Sie paßten einfach alle irgendwie in die Geschichte.


    Aber nicht nur die einfühlsamen Momente haben mir gut gefallen, auch die ironischen, humorvollen Szenen fand ich sehr gelungen.


    Rundherum ein klasse Buch. Viola Alvarez hat sich ja schon mit "Das Herz des Königs" in mein Regal geschrieben, aber mit diesem Buch steht sie ganz oben auf meiner Favoritenliste und ich müßte mich schon sehr wundern, wenn das nicht mein Jahres-Highlight wird.


    Mindestens 10 von 10 Punkten.

    Viele Grüße
    Shirat


    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

  • Mein Buch war's auch. Bisher mein liebstes von Viola Alvarez.
    Aber jetzt habe ich gerade das brandneue angefangen und habe das Gefuehl, das laesst sich tatsaechlich noch steigern.


    Alles Liebe von Charlie

  • Ich fand das Buch auch sehr gut. Mir hat Alvarez leicht altertümliche Sprache gefallen. In vielen Büchern wirkt das gestelzt, aber sie macht das sehr behutsam.
    Gefallen hat mir auch Walthers Zerissenheit. Die Sperrigkeit der Hauptfigur hebt das Buch über die übliche Darstellung in vielen historischen Romanen und hilft der Autorin Klischees zu umgehen.
    Sehr lesenswert!

    :lesend Walter Kempowski "Das Echolot"

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