'Hiobs Brüder' - Seiten 400 – 478

  • In diesem Abschnitt geht es um Alans Gefährten, die sich mit seiner Abwesenheit schwer abfinden. Vor allem Oswald und Regy können die Tatsachen nicht akzeptieren.


    Interessant fand ich auch den Teil, in dem erklärt wird, dass die normannischen Eroberer das Lehenssystem eingeführt haben, und die dänischen Einfälle abwehrten. Verlierer sind wie immer die Bauern, die zu Pächtern wurden und ihre Freiheit verloren.
    Solche Einschübe begrüße ich immer sehr, weil sie mir die Romanfiguren in der Zeit, in der sie lebten, näher bringen, und ich will mir ja immer vorstellen, wie es gewesen sein könnte.


    Was ich nun wieder weniger realistisch fand, ist die Geschichte um Alans uneheliche Tochter Agatha. Ich glaube nicht, dass ein Ritter und Kämpfer in diesen kriegerischen Zeiten seine Bastarde überhaupt gekannt, geschweige denn Notiz von ihnen genommen hätte. Ob die kleine Agatha spricht oder nicht, hätte in der Wirklichkeit wohl weder den Vater noch die Großmutter gekümmert.
    Und ich glaube auch nicht, dass man auf Behinderte wie Oswald und Luke soviel Rücksicht genommen hätte, nicht einmal in einer Gruppe so unterschiedlicher Schicksalsgefährten. Da wäre wohl auch jedem das Hemd näher als der Rock gewesen, und wer nicht alleine zurechtkommt, bleibt eben auf der Strecke. Meiner Meinung nach waren die Zeiten früher wirklich viel härter, und solche Geschichten sind für mich immer mit der Toleranz und dem sozialen Gedankengut unserer modernen Zeit im Hinterkopf konstruiert.
    Dennoch ist der Roman nach wie vor gut und flüssig zu lesen; vom schriftstellerischen Talent der Autorin bin ich ja auch voll und ganz überzeugt.


    Ebenso erfahren wir in diesem Teil des Buches, dass Josuas Behandlung nur teilweise erfolgreich war. Der Arzt ist der Meinung, das Alan mit Robert of Gloucester Kontakt aufnehmen muss, weil er dort die Schlüssel zu seiner verdrängten Vergangenheit vermutet. Und genau so ist es auch. Näheres wage ich nicht zu schreiben, um nicht auf spannende Ereignisse vorzugreifen.
    Klar wird allerdings auch, dass der Earl of Gloucester die Begeisterung für Mauds Sache verloren hat, genauso wie sie selber, doch alle sind sich einige, dass es sich lohnt, für Henry weiterzukämpfen.
    Langsam wird Alan nun klar, wie sehr er sich verändert haben muss. Obwohl ihn seine Kampfgenossen in Bristol stürmisch begrüßt haben, merken sie sehr wohl, das Alan ein anderer geworden ist und gehen spürbar auf Distanz.

  • Zitat

    Original von Sylli


    Was ich nun wieder weniger realistisch fand, ist die Geschichte um Alans uneheliche Tochter Agatha. Ich glaube nicht, dass ein Ritter und Kämpfer in diesen kriegerischen Zeiten seine Bastarde überhaupt gekannt, geschweige denn Notiz von ihnen genommen hätte. Ob die kleine Agatha spricht oder nicht, hätte in der Wirklichkeit wohl weder den Vater noch die Großmutter gekümmert.
    Und ich glaube auch nicht, dass man auf Behinderte wie Oswald und Luke soviel Rücksicht genommen hätte, nicht einmal in einer Gruppe so unterschiedlicher Schicksalsgefährten. Da wäre wohl auch jedem das Hemd näher als der Rock gewesen, und wer nicht alleine zurechtkommt, bleibt eben auf der Strecke. Meiner Meinung nach waren die Zeiten früher wirklich viel härter, und solche Geschichten sind für mich immer mit der Toleranz und dem sozialen Gedankengut unserer modernen Zeit im Hinterkopf konstruiert.
    Dennoch ist der Roman nach wie vor gut und flüssig zu lesen; vom schriftstellerischen Talent der Autorin bin ich ja auch voll und ganz überzeugt.


    Wir lesen ja auch einen Roman und keinen Tatsachenbericht. Soweit ich weiß, ist Agatha Alans einziger Bastard/ Tochter und dass er sich jetzt um sie kümmert passt doch zu seiner Veränderung. Was mich eher irritiert hat war die Zeitangabe. Agatha soll 2 Jahre alt sein und er war drei Jahre verschwunden. oder hab ich mich da verlesen???


    Dass die Gefährten in dem Dorf gut behandelt werden hängt auch eher mit der Zugehörigkeit zu Alan zusammen. Und Oswald hat ja das Glück zu der Frau zu kommen, die ein ebensolches Kind hatte.

  • Ich fand die Szene furchtbar, als Alan in das Dorf kommt und gerade noch rechtzeitig die Kindesmisshandlung aufhalten kann. Dass es solche Menschen gibt, werde ich wohl niemals begreifen. :schlaeger


    Jetzt erinnert sich Alan ja wieder an seine Vergangenheit, aber das muss ganz schön viel auf einmal sein. Wie er selbst sagt, sucht er die Schnittstellen zwischen seinem alten und seinem neuen Ich.


    Die Geschichte mit Miriam finde ich sehr schön und ich hoffe, die beiden finden eine Lösung, um irgendwie zusammen sein zu können. Ein wenig schnell ging das mit der Liebe schon, aber naja, wir lesen hier ja keinen romantischen Liebesroman. ;-) Es war auch richtig süß und naiv von Miriam wie sie sich nachts in Alans Zimmer schleicht, ihn küsst, aber davon ausgeht, er sei stark genug, um zu widerstehen. :keks


    Heutzutage wäre das ja ein absolutes No-Go, was Alan anschließend tut, um Miriams Anziehungskraft vorübergehend zu vergessen.... Macht ihn für mich jetzt auch nicht gerade sympathischer.


    Was das mit Regy war frage ich mich wirklich. Warum hat er Simon nicht getötet? Ich hoffe, wir finden es noch heraus (wenn es am Ende des Abschnitts vorkommt, tut mir das leid, mir fehlen noch zehn Seiten ;-) ).

  • Aus Regy schlau zu werden, schafft glaube ich keiner. Aber er ist zumindest interessant. ABer die Gänsehaut bleibt.


    Dass Alan sich abreagiert, war wohl damals noch eher üblich als heute. Oder man müsste Mann sein um es zu verstehen.

  • Zitat

    Original von Findus


    Wir lesen ja auch einen Roman und keinen Tatsachenbericht. Soweit ich weiß, ist Agatha Alans einziger Bastard/ Tochter und dass er sich jetzt um sie kümmert passt doch zu seiner Veränderung. Was mich eher irritiert hat war die Zeitangabe. Agatha soll 2 Jahre alt sein und er war drei Jahre verschwunden. oder hab ich mich da verlesen???


    Naja, das Kind ist ja ein ganzes Jahr lang 2. ;-) Also angenommen, Agatha wird bald schon 3, kommt das zeitlich doch ganz gut hin, wenn man die Schwangerschaft noch dazu zählt.

  • Zitat

    Original von Sylli


    Was ich nun wieder weniger realistisch fand, ist die Geschichte um Alans uneheliche Tochter Agatha. Ich glaube nicht, dass ein Ritter und Kämpfer in diesen kriegerischen Zeiten seine Bastarde überhaupt gekannt, geschweige denn Notiz von ihnen genommen hätte. Ob die kleine Agatha spricht oder nicht, hätte in der Wirklichkeit wohl weder den Vater noch die Großmutter gekümmert.
    Und ich glaube auch nicht, dass man auf Behinderte wie Oswald und Luke soviel Rücksicht genommen hätte, nicht einmal in einer Gruppe so unterschiedlicher Schicksalsgefährten. Da wäre wohl auch jedem das Hemd näher als der Rock gewesen, und wer nicht alleine zurechtkommt, bleibt eben auf der Strecke. Meiner Meinung nach waren die Zeiten früher wirklich viel härter, und solche Geschichten sind für mich immer mit der Toleranz und dem sozialen Gedankengut unserer modernen Zeit im Hinterkopf konstruiert.
    Dennoch ist der Roman nach wie vor gut und flüssig zu lesen; vom schriftstellerischen Talent der Autorin bin ich ja auch voll und ganz überzeugt.


    In beiden Teilen hast du Recht. Das ist die Krux an diesen ganzen historischen Romanen, dass die Autoren sie mit modernen Augen schreiben und die Leser das auch verlangen, denn die meisten würden wohl blöd gucken, wenn die Gedanken und Motivation der handelnden Personen tatsächlich so dargestellt würden, wie sie waren. Allein die vielen starken und höchst selbstständigen Frauen, die durch diese ganzen historischen Romane hindurchgeistern, sehr oft als völlig unglaubwürdige Heldinnen, haben mit dem, was einer Frau damals gestattet war und auch möglich war überhaupt zu denken, nichts zu tun. Auch die Menschenfreundlichkeit und Zuwendung, der Gedanke der Gleichberechtigung gegenüber den Gefährten wäre wohl einem echten mittelalterlichen Menschen nicht möglich gewesen, nicht weil er schlechter gewesen wäre, sondern weil es die Denkstrukturen seiner Zeit einfach nicht zuließen.


    Aber Gablé begeht zumindest nicht den Fehler, eine oben geschilderte Frau zur Protagonistin ihrer Handlung zu machen und versucht - wenigstens in Ansätzen - die Denkweisen der Zeit darzustellen. Dass ihr dann doch immer wieder Anachronismen unterlaufen bzw sie diese absichtsvoll erzeugt, liegt eben an unserer Denkweise und den Mechanismen des Marktes. Deshalb lesen viel mehr Menschen Gablé anstatt das Nibelungenlied oder den Beowulf oder Hartmann von Aue usw.


    Ich bin erst am Anfang dieses Kapitels und gespannt, was es noch über Alans Vorleben enthüllt. Das, was in der ersten Sitzung herauskam, war ja kein persönliches Verschulden Alans, sondern eine durch kindliche Erfahrungen erzeugte Zwangsneurose.

  • Zitat

    Original von LadyTudor


    Naja, das Kind ist ja ein ganzes Jahr lang 2. ;-) Also angenommen, Agatha wird bald schon 3, kommt das zeitlich doch ganz gut hin, wenn man die Schwangerschaft noch dazu zählt.


    Mit viel gutem Willen kommt es hin ja. Nur, wenn es tatsächlich so war, dann wusste er ja nichts von der Schwangerschaft und woher weiß er nun, dass und wo er eine Tochter hat???

  • Ich weiß nicht mehr wann bzw. in welchem Abschnitt, aber Susanna wirft ihm das quasi an den Kopf, um ihn zu treffen. Er wusste vor seinem Gedächtnisverlust nicht, dass er Vater wird. So kommt es dann aber zeitlich auch hin.

  • Stimmt, das war Susanna, und sie hat ja glaube ich auch den Schmied "gefunden" der die Mutter mit Kind oder schwanger dann genommen hat.


    Das muss trotzdem sehr knapp zugegangen sein.

  • Ich wollte euch mal fragen, ob ihr eine Ahnung hat, was es mit der Schlange im Bauch auf sich hat. Dass Oswald das Down Syndrom hat, habe ich erkannt ;-) Auf die Schlange kann ich mir aber keine Reim machen. Es scheint ja immer aufzutreten, wenn er Angst hat oder verunsichert ist.


    Ich bin übrigens mit dem Buch so gut wie durch. Gestern habe ich 400 Seiten gelesen. Ich hatte irgendwie keine Zeit mittendrin zu stoppen und hier zu lesen und zu schreiben, habe das aber später vor.

  • Das Nachwort habe ich ja noch nicht gelesen ;-)
    Dann warte ich mal bis dahin ab. So lange dauert es ja nicht mehr ;-)

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Ich wollte euch mal fragen, ob ihr eine Ahnung hat, was es mit der Schlange im Bauch auf sich hat. Dass Oswald das Down Syndrom hat, habe ich erkannt ;-) Auf die Schlange kann ich mir aber keine Reim machen. Es scheint ja immer aufzutreten, wenn er Angst hat oder verunsichert ist.


    Ich bin übrigens mit dem Buch so gut wie durch. Gestern habe ich 400 Seiten gelesen. Ich hatte irgendwie keine Zeit mittendrin zu stoppen und hier zu lesen und zu schreiben, habe das aber später vor.


    Ich hatte ja auf einen Tumor oder sowas getippt der immer wieder Schmerzen bereitet aber er hatte wohl doch "nur " sowas wie Verfolgungswahn.

  • In diesem Abschnitt hat die Autorin es geschafft, dass mir Susanna doch ein klein wenig leid tat. Ich fürchte, sie muss nach ihrer Untreue ganz schön viel durchmachen. Der arme Henry entgegen gar nicht...


    Ich wünsche es Alan und Miriam sehr, dass sie einen Weg finden, um ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Die Szene mit der Bauersfrau im Wald fand ich unnötig und ich habe keine Ahnung was sie mir sagen sollte, außer dass sie mir Alan gleich wieder etwas unsympathischer gemacht hat. Aber so waren die Männer damals wohl. :rolleyes


    Die Stelle mit den Kinderschändern fand ich schrecklich. Es ist so widerlich, was solche Monster fertig bringen können. Ich bin froh, dass Alan sie gerettet hat.
    Es muss schlimm für ihn gewesen sein, als seine Erinnerung wieder auf ihn ein geprasselt ist.

    :lesendIlsa J. Bick - Brennendes Herz


    Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel... und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen. (Walt Disney )

  • Zitat

    Original von Jessamy


    Ich wünsche es Alan und Miriam sehr, dass sie einen Weg finden, um ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Die Szene mit der Bauersfrau im Wald fand ich unnötig und ich habe keine Ahnung was sie mir sagen sollte, außer dass sie mir Alan gleich wieder etwas unsympathischer gemacht hat. Aber so waren die Männer damals wohl. :rolleyes


    Ich fürchte, viele sind auch heute noch so. :pille

  • Zitat

    Original von LadyTudor


    Ich fürchte, viele sind auch heute noch so. :pille


    Ja da hast du leider Recht. Heutzutage ist es für die Frau nur leichter sich zu trennen oder sich scheiden zu lassen als damals.

    :lesendIlsa J. Bick - Brennendes Herz


    Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel... und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen. (Walt Disney )

  • Alan begibt sich bedingungslos in die Behandlung durch den jüdischen Arzt. Ich frage mich nur, ob er bei dem ganzen Zeug, das er schlucken muß, nicht süchtig wird.
    Na ja der Arzt scheint zu wissen, wann er aufhören muß und schickt ihn nach dem Ort des vermuteten Geschehens.
    Alan scheint auch die Erinnerung wiederzufinden als er auf seinen Cousin William of Gloucester und dessen Vater trifft. Aber es ist noch nicht komplett – ob es etwas mit dem gerade noch so verhinderten Verbrechen an dem Kind zu tun hat?


    Wieso Regy Simon verschont hat, als er die Möglichkeit zu einem nächsten Mord hatte, ist mir auch vollkommen schleierhaft. Ob er auch durch irgendein Vorkommnis so geworden ist wie er jetzt ist.?