'Und sie werden nicht vergessen sein' - Seiten 654 - Ende

  • Nur ganz kurz, zum vorherigen Abschnitt schreibe ich morgen.


    Eva geht mir furchtbar auf den Senkel! Immer geht es nur um sie. Sie will chaja und sie will Arman. Auch wenn die sie nicht wollen.
    Im Moment möchte ich sie nur schütteln......

  • Zitat

    Original von streifi
    Eva geht mir furchtbar auf den Senkel! Immer geht es nur um sie. Sie will chaja und sie will Arman. Auch wenn die sie nicht wollen.
    Im Moment möchte ich sie nur schütteln......


    So geht es mir mit der Dame - trotz allem, was ihr widerfahren ist - vom 1. Leseabschnitt an. :write :knuddel1
    Und so ging es mir in weiten Strecken auch mit Amarna. Lassen wir die Arman-Geschichte einmal ganz weg. Allein die Tatsache, dass es Armans Initiative bedurft hatte, Amarnas Vater aus Deutschland zu retten (zu dem sein Verhältnis nicht das beste war!), ist doch bezeichnend. Für mich sind - und bleiben wohl auch - beide Damen trotz aller "mildernden Umstände" wie Vorleben, Künstlerseele und was weiß ich noch alles relativ egoistische Typen.


    Das Eierlied ist mir zufällig lesetechnisch in den letzten 4 Wochen auch schon irgendwo anders über den Weg gelaufen, aber ich weiß nicht, wo. Ich kenne die Melodie als den River-Kwai-Marsch. In grauer Vorzeit sang man darauf auch
    "(Die ersten beiden Silben weiß ich nicht mehr) Soraya kriegt kein Kind!" (das war, als vor den Augen entzückter Friseurbesucherinnen die Yellow Press genüsslich die vergeblichen Fortpflanzungsversuche von Farah Dibas Vorgängerin und der belgische Königin Fabiola breittratschte) sowie - da die Melodien einander ähneln, auf Berlinerisch "Puppchen, du bist mein Augenstern!".
    Der mir bekannte Eier-Text lautete allerdings, wenn ich mich richtig erinnere:
    "Hitler has only got one ball,
    Göring had two, but very small,
    Himmler had something sim'lar
    and poor old Goebbels got no balls at all!"


    Ja, was für ein Ende!
    Zugegebenermaßen bin ich mir in zwei Dingen nicht ganz sicher:
    1. Ist Chaja wirklich nicht Evas Tochter?
    Oder soll das so eine Art "Kaukasischer Kreidekreis"-Aktion sein? Traue ich Eva eigentlich nicht zu, aber möglich wäre es.
    Dagegen sprächen einige im Nachhinein natürlich "verdächtige Indizien" wie beispielsweise, dass Wilma das Kind in den letzten Tagen vor der Abreise nicht mehr mit den üblichen französischen Kosenamen bedachte, sondern sie konsequent "Chaja" nannte. Könnte aber auch Zufall oder in der Absicht geschehen sein, ihr den Namen noch einmal richtig einzuprägen, damit sie in England nicht etwa umbenannt wird. Auch Paul benahm sich, was den Kindsnamen angeht, beim Abschied etwas auffällig, rückwirkend betrachtet.
    2. Habe ich etwas übersehen oder blieb tatsächlich offen, was aus Paul, Wilma und Hugo geworden ist? Ich meine, natürlich muss nicht immer alles bis ins letzte I-Tüpfelchen auserzählt werden. Und natürlich ist es mir lieber, auf diese Weise mir selbst ausmalen zu können, dass sie "überlebt" haben (ist schon irgendwie komisch, so etwas von Romanfigurten zu schreiben :grin), aber sie so einfach aus der Geschichte zu entschwinden zu sehen, nährte meinen leise gehegten Verdacht, etwas überlesen zu haben. Obwohl es andererseits auch wieder passen würde, da ja damals viele Menschen einfach so verschwanden.

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Das Hitler-Balls-Lied ist durch den River-Kwai-Film berühmt geworden. Es heisst Colonel Bogey March, und mir ist gerade von sehr netten, sehr amüsierten Lesungsbesuchern eine Version mit dem Text "Komm doch mit auf den Underberg" beigebracht worden. Was das heisst, weiss ich nicht, aber es war sehr lustig. Die Hitler-Balls-Version aus WW II gibt es mit etlichen Strophen und Variationen. Wenn daran Interesse besteht, schreibe ich die mal ab, wenn ich wieder zu Hause bin, hier hab ich nur die eine. Ich habe die Albert-Hall-Strophe, die mit grosser Wahrscheinlichkeit die erste ist und möglicherweise (da gibt's auch andere Theorien) während eines Konzertes in der Albert Hall (die ja erst durch die Zerstörung der Queen's Hall zu den Ehren kam, die sie heute inne hat, erstmalig gesungen wurde.
    Dort wurde es auch zu den VE Day Feiern 2015 spontan von der vollbesetzten Halle gesungen.


    Paul und Wilma hätten ein Abschlusskapitel haben sollen, in dem sie sich miteinander - und mit Hund - das Leben nehmen. Ich habe mich entschlossen, das herauszunehmen, weil ich fand, es ist erzählte Vernichtung von Leben genug. Dass es nicht anders kommen kann (Wilma steht bei der Gestapo auf der Liste, und Paul hat einen Einberufungsbefehl), ist klar, aber ich fand, wenn ich es nicht auserzaehle, steht es jedem Leser (einschliesslich mir) frei, sich fuer die drei ein anderes Ende zu denken.

  • Underberg ist ein Kräuterlikör, die haben das Lied für ihre Werbung verwendet ;-)


    Ich hab das Buch gestern Abend beendet und bin gedanklich immer noch dabei.


    Evas Verhalten kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sie hat doch bei der ersten Begegnung gesehen, dass Chaja nicht ihre Chaja ist.... Und sie muss doch auch ihre Abneigung gespürt haben. Warum sie unbedingt das Leben der drei Artsrunis fast zerstören musste? Sehr befremdlich....



    Die Geschichte von ihrer Tochter war ja mehr als traurig. Eva muss sich in dem Moment, wo sie die Wahrheit durch Wilmas Briefe erfährt doch selbst die Schuld gegeben haben. Sie hat der Gestapo ja Wilmas Namen genannt....


    Amarna greift ja wirklich zum äussersten Mittel und verschwindet zu Sedat. Das hätte auch gefährlich enden können. Wobei ich sie tatsächlich verstehen kann. Sie und Arman haben ja eh ein Kommunikationsproblem miteinander. Und er spricht scheinbar nur ungern über seine Pläne. Natürlich hätte sie ihm vertrauen können, aber in dem Fall war das schon schwierig.
    Glücklicherweise schafft Arman es ja doch noch sie von sich zu überzeugen.
    Obwohl er mit Eva auftaucht.


    Die neue Skulptur fand ich toll. Da hat Arman diejenigen, die ihm Frieden gebracht haben auf seinen leeren Sockel gestellt :-)



    Wilma und Paul und Hugo.... Da kann ich deine Entscheidung nachvollziehen Charlie, das wären der Tränen zuviel gewesen.


    Danke für dieses tolle Buch! Ich habe es wirklich gerne gelesen und werde es wohl auch noch einmal ein zweites Mal lesen. Dann zusammen mit dem ersten.


    Und danke für deine wie immer tolle Leserundenbegleitung! Eigentlich mag ich Deine Bücher gar nicht ohne Leserunde mehr lesen, da muss ich mich eigentlich immer austauschen.

  • Zitat

    Original von streifi


    Eva geht mir furchtbar auf den Senkel! Immer geht es nur um sie. Sie will chaja und sie will Arman. Auch wenn die sie nicht wollen.
    Im Moment möchte ich sie nur schütteln......


    Mir ging auch schon lange keine Romanfigur mehr so auf die Nerven wie Eva mit ihrem Selbstmitleid und ihrem Egoismus, natürlich hat sie Schreckliches durchgemacht und es mag ja auch realistisch sein, dass ein Mensch über seinem eigenen Leid völlig den Blick für das Elend um ihn herum verliert, aber ich habe michtrotzdem maßlos über sie geärgert.


    Zitat

    Original von streifi
    Evas Verhalten kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sie hat doch bei der ersten Begegnung gesehen, dass Chaja nicht ihre Chaja ist.... Und sie muss doch auch ihre Abneigung gespürt haben. Warum sie unbedingt das Leben der drei Artsrunis fast zerstören musste? Sehr befremdlich....


    Ich denke zuerst wollte sie einfach nicht wahrhaben, dass Chaja nicht ihre Tochter ist (ich habe mich allerdings schon länger gefragt, wie die blonde Eva und der blonde Martin eine schwarzhaarige Tochter zeugen konnten) und dann wollte sie ja auch noch Arman haben und da sah sie ihre einzige Chance darin, ihn mit Chaja regelrecht zu erpressen, nimm mich, dann kannst du deine Tochter behalten.


    Zitat

    Wilma und Paul und Hugo.... Da kann ich deine Entscheidung nachvollziehen Charlie, das wären der Tränen zuviel gewesen.


    :write
    und so konnte ich mir für die drei mein eigenes, wenn auch unrealistisches Happy End bauen. ;-)


    Zitat

    Danke für dieses tolle Buch! Ich habe es wirklich gerne gelesen und werde es wohl auch noch einmal ein zweites Mal lesen. Dann zusammen mit dem ersten. Und danke für deine wie immer tolle Leserundenbegleitung! Eigentlich mag ich Deine Bücher gar nicht ohne Leserunde mehr lesen, da muss ich mich eigentlich immer austauschen.


    :write

  • Zitat

    Original von Zwergin


    und so konnte ich mir für die drei mein eigenes, wenn auch unrealistisches Happy End bauen. ;-)


    [


    Nicht nur du ...


    (Ich sag jetzt nicht, was ich mir alles für sie ausgedacht habe.)

  • Zitat

    Original von streifi
    Underberg ist ein Kräuterlikör, die haben das Lied für ihre Werbung verwendet ;-)
    .


    Das passt ja dann zu meinem Pimm's.
    Danke!
    Ich hab mich nicht getraut, zu fragen, um ehrlich zu sein. Ausser mir schien das jeder zu kennen ...


    Willkommen im Ziel.


    Dass du das Buch noch einmal lesen willst, Streifi, das ist das schönste.
    Danke.

  • Stimmt, den "Underberg" hatte ich vergessen (dafür weiß ich jetzt die ersten beiden Silben vom Soraya-Text: "Schade, Soraya kriegt kein Kind..." - was den Leuten doch so alles einfällt!).
    Und die Briefe auch. Also nix mit Kreidekreis. Umso schlimmer ist Evas Verhalten Arman und Amarna gegenüber.
    Ja, Paul, Wilma und Hugo sind in meiner persönlichen Version mit Hilfe von Wilmas Familie über Frankreich nach Casablanca gekommen, wo sie in Ricks Café rechtzeitig Ausreisetickets bekamen. :grin
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Chaja ist nicht Evas Tochter, sondern ein namenloses Kind. Jetzt wird die Reaktion, sich nicht mehr zu melden, von Wilma und Paul klar. Als die Stelle mit den Datteln kam ahnte ich, daß es das Kind der ostjüdischen Frau ist.
    Ganz schön verwegen von Amarna diese Reise zu wagen in dieser Zeit. Wenigstens noch ein bisschen Armenien, davon hätte ich mir mehr gewünscht.


    Paul und Wilma , das offene Ende fand ich so gut.


    Arman und Amarna haben mich zeitweise ganz schön genervt. Diesmal konnte ich nicht so mitfiebern mit den Beiden. Arman erinnerte mich zum Ende an Benito, der Schlingel, ist er jetzt wirklich schwach geworden. Die Erwähnung des grünen Pullover fand ich witzig.
    Armans Wandlung zum "very british man" kam mir wie eine Maske vor. Es wurde dann ersichtlich, warum er England so verbunden war.


    Eine Frage zum British Museum: Gab es damals eine reale Ausstellung, die zum Besuchermagnet wurde?


    Wieder ein Roman mit Nachhall.
    Vielen lieben Dank für deine Begleitung und den Austausch mit dir. Vielleicht treffen wir uns wieder auf ein Pimm´s oder ne Molle.

  • :anbet :knuddel1
    Der Film an sich ist ja Kult und doch gleichzeitig irgendwie diffus bezüglich Ilsas tatsächlicher Liebe, was wohl an dem bis fast zum Ende nicht vollständig vorhandenen Drehbuch gelegen haben soll.
    Aber ich schaue ihn immer wieder mal gern an und bekomme weiterhin zuverlässig jedes Mal eine Gänsehaut, wenn die Sängerin mit der "Marseillaise" die "Wacht am Rhein" quasi übernimmt.
    Hier bei Charlies Geschichte ist dieses Ende zwar unwahrscheinlich - und im Endeffekt natürlich auch vollkommen belanglos, da es ja nur um einen Bruchteil der damals betroffenen Menschen und noch dazu nur um Romanfiguren geht -, aber man darf ab und an auch träumen, finde ich.
    :wave


    EDIT: @ Charlie: Wie kam das Buch eigentlich zu diesem Titel (und darin dem "Und" davor)?
    Danke für Antwort und Begleitung der Leserunde!
    Rezension folgt zeitnah.
    Allen einen guten Start in erholsames Wochenende :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Zitat

    Original von jusch



    Eine Frage zum British Museum: Gab es damals eine reale Ausstellung, die zum Besuchermagnet wurde?


    Ja!
    (Hach, ich lieb solche Fragen. Wenn ich nicht gleich den Comp abschliessen müsste, weil wir in Leipzig ankommen, würde jetzt eins meiner Endlos-Postings folgen.)
    Die gab es. Die Recherche über das British Museum during the war war natürlich mein privates Heimspiel, dementsprechend hab ich darüber vermutlich auch zuviel geschrieben, aber von der Beteiligung meiner Figuren Wally (den ich sehr mochte) und Amarna abgesehen habe ich mich bemüht, da so dicht wie irgend möglich an den Fakten entlangzuschreiben. Weil ich die so beeindruckend finde, weil die mich in Bezug auf die aktuelle Lage oft so guttun.


    Die Ausstellung, die zum größten Teil aus nachgestalteten Artefakten bestand (plus ein paar Auftragswerke beliebter Künstler), befand sich in dem Abschnitt des Museums, den ich beschrieben habe, und wurde tatsächlich intern als "Suicide Exhibition" bezeichnet, da man damit rechnete, dass diese Werke getroffen werden könnten.
    Der von mir hoffentlich nicht respektlos dargestellte Sir John, der etliche lateinische Schriftsteller auswendig hersagen konnte und fuer den Saal fuer die Elgin Marbles kämpfte, ist ein echter Typ - nicht unumstritten, sehr kauzig, nicht einfach als Vorgesetzter, aber fuer seinen brillanten Einsatz zur Bewahrung der Museumsschätze bis heute zu Recht (finde ich) geliebt.


    Und da ich dabei bin und das gerade noch schaffe: Auch der Direktor der walisischen Bibliothek ist "echt" (hoffe ich!), und seine Briefe gehören zu dem zauberhaftesten, was mir während der Recherche begegnet ist. Er hat tatsächlich oft in dem Tunnel, wo die Dokumente des Museums (heute ausgelagert in der British Library) bewahrt wurden, übernachtet und erstattete Sir John dann immer per Brief Bericht. Wirklich wundervoll - als würde er jemandes Enkel betreuen, die sich im Dunkeln fürchten.

  • Zitat

    Original von Charlie
    Das Hitler-Balls-Lied ist durch den River-Kwai-Film berühmt geworden.
    Wenn daran Interesse besteht, schreibe ich die mal ab, wenn ich wieder zu Hause bin, hier hab ich nur die eine.


    Also, ich hätte Interesse. Auch an der Auflösung, was es mit den Positionen der Coverpersonen und den wehenden Schleiern(?) auf sich hat. Es wäre nett, wenn Du Dir nach Deiner Rückkehr dafür Zeit nehmen könntest.
    Ferner interessiert mich noch, wie das Buch zu seinem Titel kam.


    Meine Rezension habe ich inzwischen verfasst.
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Das ist gar kein Problem, das mache ich gern, ich hab nur die Kladden nicht mit, also den Text nicht bei mir.
    Sicher kann man sich auf den Standpunkt stellen, aufmerksam machen ist immer gut, sogar mit Filmen wie Holocaust. Ich habe dieselbe Rechtfertigung auch für mich selbst benutzt, als ich mich gefragt habe, ob ich das eigentlich in Ordnung finde, einen Unterhaltungsroman zu dem Thema zu schreiben. Ich habe aber dazu keine abschließende Meinung, ich weiß, dass ich im Grunde das Buch geschrieben habe, weil ich es schreiben musste - und die Rechtfertigung habe ich mir erst später gesucht.


    Rezensionen schreibe ich nicht bzw. nur in Ausnahmefällen.


    Zum Cover kann ich, wie gesagt, nichts sagen.


    Den Titel hat der Verlag ausgesucht.

  • Also so sehr mich Eva auch manchmal genervt hat und so unmöglich ich einige ihrer Entscheidungen fand so sehr kann ich sie verstehen dass sie Chaja ... und Arman ... will
    Sie will wieder ein normales Leben, sie ist durch und durch gebrochen und braucht etwas an dem sie sich festhalten kann
    Und an was denn sonst wenn nicht an einem Kind das irgendwie vielleicht ihr eigenes werden kann


    Eva tut mir einfach nur leid , nichtsdestotrotz finde ich es wirklich schön dass Chaja bei A&A bleiben darf

    LG Inge


    Ryle hira - Life is what it is


    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore


  • Zitat

    Original von Inge78


    Und an was denn sonst wenn nicht an einem Kind das irgendwie vielleicht ihr eigenes werden kann


    und an dem der Mann und die Welt, das Stück Sicherheit hängen, an die sie sich auch krallt.


    Ich verstehe sie auch. Ich verstehe ihre Weigerung, anzunehmen, dass auch ihr Kind tot ist, dass ihre Familie wahrhaftig ausgelöscht ist, mit Stumpf und Stiel, wie man sie aus der Welt haben wollte, dass ihr niemand und nichts bleibt. Sie kann da erst heraus, als sie ganz zaghaft und nur im Ansatz begreift, dass sie einen Weg finden wird, zu überleben.


    Mir hat ja eine gewisse Testleserin an den Rand geschrieben: "Soll Eva doch Wally nehmen!", und eine Sekunde lang hab ich ernsthaft gedacht: Das schreib ich jetzt rein. (Nicht Carmen sagen, nee? Die arme ersaeuft sonst in meinem Kitschpott.)


    Faelle von so starker Verdrängung sind vorgekommen und kommen immer noch vor. Als könnte die Seele Schmerz nicht annehmen, ehe sie von irgendwoher die Kraft dazu bekommt.

  • "Hitler Has Only Got One Ball" (Colonel Bogey March)


    Nachfolgend alle Versionen, die wir ausfindig machen konnten (und wollten). Es gibt fraglos noch etliche weitere:


    "Hitler has only got one ball
    The other is in the Albert Hall
    Himmler's got something sim'lar
    And Goebbels has no balls at all!"
    (Das ist die, die man hier am meisten hört)


    Dann gibt's noch die, die recht häufig ist:
    "Hitler has only got one ball,
    Göring has two but very small,
    Himmler has something sim'lar,
    But poor old Goebbels has no balls at all."


    Diese ist mir seltener begegnet:
    "Hitler has only got one ball,
    The other is in the Albert Hall
    His mother, the dirty bugger,
    Cut it off when he was small."


    (Dazu manchmal mit zweiter Strophe gesungen:
    "She threw it into a great big tree
    It fell then into the deep blue sea
    The fishes, they grabbed their dishes
    And they ate scallops and bollocks for tea")


    Und davon gibt's dann noch diverse Variationen, entweder Verquatschungen, ausgetauschte Nazi-Groessen oder Zudichtungen. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass unter dem Militär durchaus auch Versionen kreisten, in denen Rommel "four to five balls" hat, was als Ausdruck von Respekt fuer die militärischen Leistungen Rommels verstanden werden muss.

  • Ich habe den letzten Abschnitt gestern Abend gelesen und musste es erst auch mal sacken lassen.


    Chaja ist also eigentlich nicht die, für die wir sie gehalten haben, sondern ein anderes Kind einer anderen jüdischen Frau. ;-(
    In einer gewissen Weise kann ich Eva verstehen, sie will ein normales Leben. Sie will ihr altes Leben zurück, leider hat es kaum einer zurück bekommen zu der damaligen Zeit.


    Arman und Amarna, sie hätte ich auch schütteln können, bzw. die Meinung geigen können. Ich bin mir nicht sicher, ob die beiden es wirklich bis ins hohe Alter miteinander aushalten können :gruebel


    Paul, Wilma und Hugo, leider gab es kein Wiedersehen, aber deine Erklärung Charlie ist verständlich. Für mich erleben sie ein Happy End.


    Auch ich bedanke mich für die tollen Lesestunden und die Begleitung der Leserunde. In so einer Runde ein Buch zu lesen, macht einfach ungleich mehr Spaß!

  • Zitat

    Original von Eliza08
    Sie will ihr altes Leben zurück, leider hat es kaum einer zurück bekommen zu der damaligen Zeit.


    Damit triffst du wohl leider weit mehr als den Nagel auf den Kopf.


    Damals in den Achztiger/Neunziger Jahren, als ich Jugendreisen nach Auschwitz begleitet habe, hatten wir häufig das Glück, von ehemaligen Häftlingen begleitet zu werden und vieles, was diese Menschen uns gesagt haben, bleibt mir fuer immer im Gedächtnis. Das zweifellos Eindrucksvollste war fuer mich, auf dem freien Feld, beim Lager Canada in Birkenau: "Hier liegen nicht nur Menschen und Träume, hier liegt unser Jahrhundert begraben."


    Das ist so bei mir geblieben, weil ich es - ohne dass ich es hätte ausdrücken können - immer so empfunden habe. Trotz Nachgeboren-sein. Ich bin damit aufgewachsen, damit, dass keine Welt und kein Leben hinterher je wieder sein konnte wie zuvor.


    Danke, Eliza.
    Ich habe mich auch sehr gefreut.


    Alles Liebe von Charlie