Der silberne Adler - Ben Kane

  • Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band der Forgotten-Legion-Chronicles. Wie schon der erste Band "Die vergessene Legion", wurde auch dieser hier im Forum im Rahmen einer Leserunde gelesen: Leserunde


    Kurzbeschreibung laut amazon:
    Parthia, 53 vor Christus. Monate sind seit der verheerenden Niederlage von Carrhae vergangen. Die Legionäre, die die Schlacht überlebt haben - die Vergessene Legion -, werden von den siegreichen Parthern gezwungen, die Grenze ihres Landes zu bewachen. Unter ihnen befinden sich auch Romulus, Brennus und Tarquinius. Dort, am Rande der bekannten Welt, droht den Gefährten immer wieder der Tod durch Angriffe der grausamen Skythen. Und noch jemand anderes hat es auf sie abgesehen: ein Mann aus den eigenen Reihen, ein Feind, der im Verborgenen lauert und alles daransetzt, die drei Freunde zu töten.


    Der Autor:
    Ben Kane wurde in Kenia geboren und wuchs in Irland auf, dem Heimatland seiner Eltern. Bevor er sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete er als Tierarzt. Schon als Kind übte die Geschichte Roms eine große Faszination auf ihn aus, weshalb mit der Veröffentlichung seines Debüts Die vergessene Legion ein lang gehegter Traum in Erfüllung ging. Mittlerweile ist Ben Kane Bestsellerautor und lebt mit seiner Familie in North Somerset, England.


    Meine Meinung:
    Zunächst einmal war ich positiv überrascht davon, dass in dem Buch eine Karte enthalten ist. Leider hat sich jedoch beim Lesen herausgestellt, dass die von den Protagonisten besuchten Orte dort zum Teil nicht eingezeichnet sind. Das hat mich dann doch etwas enttäuscht, denn ich hatte gehofft den Weg der Protagonisten so verfolgen zu können.
    Zudem sei erwähnt, dass im Anhang ein anscheinend recht umfangreiches Glossar zu finden ist. Mehr kann ich darüber nicht sagen, denn ich habe es so gut wie nie verwendet.


    Zum Inhalt des Buches: Hier muss ich sagen, dass ich sehr gut in das Buch hereingekommen bin, obwohl ich den ersten Teil der Reihe zu Beginn letzten Jahres gelesen habe. Kane versteht es sehr gut, die relevanten Informationen aus dem ersten Teil einzuflechten, ohne das komplette erste Buch nachzuerzählen. So hat man schnell die wichtigen Sachen wieder parat und findet sich auch gut in der Handlung wieder.
    Leider hatte ich beim weiteren Lesen des Buches das Gefühl, das Kane einen Marathon an Ereignissen hinter sich bringen will. Ständig passiert irgendwas - es bleibt kaum einmal Zeit zum Luft holen. Mir persönlich war diese dauernde Aneinanderreihung von Ereignissen zu viel. Ich hätte mir wirklich das ein oder andere ruhigere Kapitel gewünscht, um die ganze Handlung einfach etwas zu entschleunigen. Insbesondere auch bei Fabiola hätte man gerne etwas kürzen können.
    Dementsprechend wurde es mir auch inhaltlich etwas zu viel von allem. Fabiola benimmt sich zwischendurch wie ein kleines Mädchen, Romulus und Brennus sind unbesiegbar und Tarquinius rettet alle und sieht alles. Es scheint mir einfach alles zu überfrachtet. Nur Caesar kommt nicht so gut weg in diesem Roman. Zwar ist mir durchaus bewusst, dass Caesar ein Machtmensch war und dementsprechend wohl auch rücksichtslos gewesen ist, doch gefällt mir das Bild, das hier von ihm gezeichnet wird irgendwie so gar nicht. Leider kommt auch sein Talent als Rhetoriker gar nicht zur Geltung.
    Schade fand ich auch die historischen Ungenauigkeiten, die mir beim Lesen aufgefallen sind. Nachdem ich extra gegoogelt habe, ob es den Suez-Kanal oder etwas vergleichbares damals schon gab, wird mir dann im Nachwort gesagt, dass es so eigentlich gar nicht gewesen sein kann. Da hätte ich mir dann doch eine andere Lösung gewünscht, als eben ein offensichtlich fragwürdiges römisches Schiff im Roten Meer.
    Schließlich muss ich noch kurz auf die Sprache eingehen. Ich weiß nicht, ob es am Autor oder am Übersetzer lag, jedenfalls ergaben die Sätze häufig einfach keinen Sinn. Die Kausalität mancher Aussagen hat einfach nicht gepasst, sodass man sich gefragt hat, was der eine Satzteil denn mit dem anderen zu tun haben soll. Was soll z.B. der Satz "Obwohl in regelmäßigen Abständen Gehöfte auftauchten, war ihr das Land vollkommen fremd." von S. 478 aussagen? Für mich macht dieser Satz absolut keinen Sinn und auch im Zusammenhang des Abschnittes wurde es nicht besser.
    Schließlich scheint der Autor ein besonderes Faible für Adjektive zu haben. So wird Romulus zuweilen als "der junge Römer" betitelt und das leider ganze Absätze über. Bei Fabiola wird hingegen immer wieder darauf hingewiesen, wie schön sie doch ist, und wie perfekt ihr Körper. Auch hier wäre weniger einfach mehr gewesen. Was spricht dagegen einfach mal die guten alten Personalpronomen zu verwenden?


    Alles in allem war dieser zweite Teil der Reihe ein für mich eher mittelmäßiger Roman und ich zweifle noch ernsthaft daran, ob ich den dritten Teil noch lesen werde. Ich gebe dem Buch 4 Eulenpunkte.


    Zum Schluss würde ich mich gerne noch bei Alice bedanken, die sich durch das Buch gebissen hat und die Leserunde mit ihren Kommentaren enorm bereichert hat :grin


    Edit: TItel ergänzt

    :lesend Jay Kristoff; Nevernight - Die Rache

    :lesend Laura Imai Messina; Die Telefonzelle am Ende der Welt (eBook)

    :lesend Rebecca Gablé; Teufelskrone (Hörbuch: Detlef Bierstedt)

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  • :respekt und :danke, liebe chroi, dass du die Zeit und Mühe für eine Rezension aufgewendet hast.
    Ich habe es noch nicht mal geschafft, das Buch zu Ende zu lesen :-(.
    Bemüht habe ich mir wirklich, aber Sprache und Erzählstil waren für mich zu quälend.
    Sehr schade, denn dieser Stoff hätte für einen richtig spannenden historischen Abenteuerroman getaugt.


    Den ersten Teil habe ich noch ganz gern gelesen, aber schon dort offenbarten sich, vor allem dem Ende zu, die sprachlichen und erzählerischen Schwächen.
    Für den dritten Teil werde ich mich sicher nicht mehr motivieren können. Was aus Romulus und Fabiola wird, ist mir herzlich egal.

  • Zitat

    Original von Lumos
    :respekt und :danke, liebe chroi, dass du die Zeit und Mühe für eine Rezension aufgewendet hast.


    Ich habe es ehrlich gesagt auch immer ein bisschen vor mir her geschoben und gehofft, jemand anders würde den Anfang machen. Jetzt wollte ich es aber nicht noch länger aufschieben und unter den Tisch fallen lassen wollte ich sie auch nicht.


    Zitat

    Original von Lumos
    Ich habe es noch nicht mal geschafft, das Buch zu Ende zu lesen :-(.
    Bemüht habe ich mir wirklich, aber Sprache und Erzählstil waren für mich zu quälend.
    Sehr schade, denn dieser Stoff hätte für einen richtig spannenden historischen Abenteuerroman getaugt.


    Ich glaube auch nicht, dass es für dich besser geworden wäre. Ich hatte ja zu Anfang noch weniger Probleme mit der Sprache, aber gegen Ende hin wurde es auch mir zu viel. Von daher kann ich voll und ganz nachvollziehen, dass du aufgegeben hast. Ich glaube auch nicht, dass du wirklich viel verpasst hast.


    Ich hatte auch auf einen tollen historischen Roman im Umfeld Caesars gehofft. Von dem Ergebnis war ich kurz gesagt enttäuscht.

    :lesend Jay Kristoff; Nevernight - Die Rache

    :lesend Laura Imai Messina; Die Telefonzelle am Ende der Welt (eBook)

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  • Selten habe ich mich so durch ein Buch kämpfen müssen wie durch dieses. Es war einfach nur grottig schlecht, unglaubwürdig und übertrieben. Die vier Protagonisten sind lauter Gary Stus bzw eine Mary Sue, und das von der übelsten Sorte. Ich hatte die meiste Zeit beim Lesen in meinem Kopfkino unzerstörbare Comicfiguren vor mir. Roadrunner und Coyote aka Romulus und Brennus, nur ohne den Charme der Erstgenannten.


    Müsste ich das Buch mit einem Wort beschreiben, müsste ich nicht lange überlegen. Schund.


    Ich bedaure, dass ich nicht 0 Punkte geben kann.

    Kinder lieben zunächst ihre Eltern blind, später fangen sie an, diese zu beurteilen, manchmal verzeihen sie ihnen sogar. Oscar Wilde

  • Eine Erstrezi hätte ich nicht geschrieben, aber wenn es denn schon einen Thread gibt... (danke Chroi für die Mühe!).


    Der erste Band hatte mir noch recht gut gefallen. Diesen hier habe ich in der erwähnten Leserunde begonnen, dann unterbrochen; aus zeitlichen Gründen, aber auch, weil es mir mit den andauernden Katastrophen ohne die geringste Unterbrechung bzw. Erholung, weder für die Figuren noch für mich als Leser, zu viel wurde. Ich habe dann die Leserunde weiter verfolgt, und je länger die Unterbrechung dauerte, um so geringer wurde meine Lust weiterzulesen. Und irgendwie interessiert es mich auch eigentlich nicht mehr, wie die Trilogie am Ende ausgeht.


    Das Buch wird wohl zu den wenigen dieses Jahres gehören, die ich abgebrochen habe. Sehr schade, ich hatte mir deutlich mehr davon versprochen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von SiCollier


    Das Buch wird wohl zu den wenigen dieses Jahres gehören, die ich abgebrochen habe. Sehr schade, ich hatte mir deutlich mehr davon versprochen.


    Auch ich hatte mir viel mehr von diesem Buch versprochen. Vor allem, weil der erste Band doch recht interessant war. Die vergessene Legion ist kein Kunstwerk, aber bestimmt nicht schlecht. Es will mir einfach nicht in den Kopf, wie ein Schriftsteller, der eigentlich schreiben kann, einen solchen Murks abliefern kann wie mit dem silbernen Adler.


    :danke auch von mir an Chroi. Ich hätte nie die erste Rezension geschrieben, weil ich einfach nicht mehr halbwegs nett oder auch nur objektiv über dieses Buch schreiben kann.

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  • Zitat

    Original von Alice
    Es will mir einfach nicht in den Kopf, wie ein Schriftsteller, der eigentlich schreiben kann, einen solchen Murks abliefern kann wie mit dem silbernen Adler.


    :gruebel Ob es doch, zumindest zu einem Teil, an der Übersetzung liegt? Ich habe mir seinerzeit ja die Originalbände gekauft, jetzt aus Zeitgründen aber auf Deutsch gelesen. Vielleicht lese ich irgendwann mal in die englischen Bücher hinein. Sollte sich da ein anderer Eindruck ergeben, lasse ich es hier wissen. Kann aber noch etwas dauern, denn momentan bin ich lesemäßig mehr als ausgelastet.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von SiCollier
    Ob es doch, zumindest zu einem Teil, an der Übersetzung liegt?


    Es kann schon sein, dass einige Übersetzungsfehler im Buch sind.
    Ich gebe allerdings zu bedenken, dass sowohl die vergessene Legion als auch der silberne Adler von einem Dr. Holger Hanowell übersetzt wurden.
    Außerdem glaube ich nicht, dass ein Übersetzer ein Buch völlig umschreibt, aus normalen Charakteren völlig eigenmächtig Angeber, Allesbesserwisser und Tussis macht.


    Ich fürchte, wir müssen einfach eingestehen, dass wir ein schlechtes Buch gelesen haben. Kommt ja immer wieder vor...

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  • Oh, Leute, mir kullert eine ganze Legion an Steinen vom Herzen! :lache
    Der erste Band gefiel mir recht gut und so ging ich denn auch bester Laune an den zweiten Teil heran, bemerkte allerdings recht bald, dass ich mich nicht zu konzentrieren vermochte und irgendwie das Gefühl hatte, Kaugummi unter den Schuhen zu spüren, nicht vorwärts zu kommen. Ich führte das auf meine eigene Gemütslage zurück und unterbrach anstatt abzubrechen. Jetzt sehe ich, dass ich nicht allein stehe. Trotzdem möchte ich auch jetzt das Buch nicht endgültig "abschreiben" (und gebe deshalb auch keine Punktewertung ab). Vielleicht bekommt es irgendwann noch eine Chance, manchmal hilft das ja.
    Was den dritten Band angeht, kann ich noch nichts sagen.
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von maikaefer
    Oh, Leute, mir kullert eine ganze Legion an Steinen vom Herzen! :lache


    Eine vergessene Stein-Legion? :lache

    Kinder lieben zunächst ihre Eltern blind, später fangen sie an, diese zu beurteilen, manchmal verzeihen sie ihnen sogar. Oscar Wilde

  • Nachdem ich nun Imperium von Robert Harris gelesen habe, das ins Genre Krimis/Thriller geschoben wurde, muss ich entschieden protestieren, dass Ben Kanes Unfug weiterhin als historischer Roman eingestuft wird.


    Verkehrte Welt...

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