'Wölfe' - Teil 5

  • Im 5. Teil


    Thomas Cromwell wird hier wieder von seiner privaten Seite geschildert, wie er z.B. Helen und ihre Kinder aufnimmt, weil sie ihm leid tut, oder auch Christophe in Frankreich, weil er ihm eine Chance auf ein vernünftiges Leben geben möchte.


    Anne und Henry heiraten in einer kleinen Zeremonie, das hat mich überrascht. Zum einen, weil sie es fast heimlich tun, zum anderen, weil sie nicht auf die Entscheidung des Papstes warten. Allerdings ist sie schwanger, wie es uns Mary Boleyn wissen lässt...

    Das war für mich so ein wenig merkwürdig. Sie soll Henry ja immer abgewiesen haben, um ihn zur Ehe zu bringen, Und doch wurde sie vor Eheschließung schwanger. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie Henry wirklich liebt, sondern nur aus Berechnung handelt.

    Wisst ihr, was ich meine? Wieso hat sie nicht gewartet?

    Da gefiel mir der Stil, wie Hilary Mantel das bewertet: S.500 "Aber das Leben ist eben nie vollkommen..."

    Aber die große Zeremonie wird ja nachgeholt.


    Die Nachricht von der Geburt seiner Tochter ist für Henry allerdings hart. Doch offiziell bekundet er "Glaubt mir, Gott beabsichtigt einen besonderen Segen mit dieser Prinzessin" S. 563 Ob er das wirklich gesagt hat? Wäre ja fast prophetisch.


    Der Kampf um Thomas More und den Eid - auch da war ich hin und her gerissen. Er ist mir absolut nicht sympathisch, doch wie er darauf besteht, dass er ihn nicht schwören kann, hat irgendwie Größe.



    S. 610:

    Hier kann man übrigens das Porträt von Thomas Cromwell, gemalt von Holbein sehen.

    Gemälde Cromwell


    Dieser Abschnitt las sich sehr flüssig, gefiel mir richtig gut,

  • Die Nachricht von der Geburt seiner Tochter ist für Henry allerdings hart. Doch offiziell bekundet er "Glaubt mir, Gott beabsichtigt einen besonderen Segen mit dieser Prinzessin" S. 563 Ob er das wirklich gesagt hat? Wäre ja fast prophetisch.

    Wenn ich mich recht erinnere, hat er, Cromwell ihm diese Worte eingegeben.

    Und ja, für uns klingt es durchaus prophetisch *g*, aber bis sie in Erfüllung geht bzw. die positiven Auswirkungen zum Tragen kommen ist es noch ein langer und bitterer Weg.



    Das war für mich so ein wenig merkwürdig. Sie soll Henry ja immer abgewiesen haben, um ihn zur Ehe zu bringen, Und doch wurde sie vor Eheschließung schwanger. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie Henry wirklich liebt, sondern nur aus Berechnung handelt.

    Wisst ihr, was ich meine? Wieso hat sie nicht gewartet?

    Ich weiß was du meinst, geli73 . Aber ich glaube, da gab es eine Schlüsselstelle, aber ich weíß nicht mehr so genau wo, als Anne irgendwann fürchtete, dass ihr die Felle langsam davonschwimmen könnten, weil Henry seine Augen auf anderen Frauen ruhen ließ - mehr als gewöhnlich ;). Könnte kurz nach der Reise nach Calais gewesen sein :gruebel. Daraufhin hat sie dann doch Nägel mit Köpfen gemacht.

    Für mein Empfinden ist das sowieso eine kranke Beziehung zwischen den beiden. Ich habe ja schon viel zu diesem Thema gelesen, aber noch sie dermaßen ausführlich wie hier. Anne pokert hoch. Sie wird wahrscheinlich geahnt haben, dass sie sein Interesse nicht lange wachhalten kann, wenn sie ihn erst einmal rangelassen hat. Sie hat wohl darauf gebaut, dass sie ihm den männlichen Erben schenken wird und dadurch ihre Position zementieren kann.

    Irgendwie tut sie mir inzwischen leid, wir wissen ja wie es für sie ausgeht. Schon ein Sch...leben für die ambitionierten Frauen damals, vor allem, wenn sie Werkzeuge für ihre ambitionierten männlichen Familienmitglieder gewesen sind.


    Gut, dass Richard Cromwell Mary (Annes Schwester) nicht geheiratet hat. Rafes Überlegungen zu diesem Thema auf S. 510 fand ich sehr vorausschauend und klug: "...Leben und Geschick von uns allen hängen jetzt von dieser Dame ab, die nicht nur launisch, sondern auch sterblich ist, und die Ehegeschichte des Königs sagt uns, dass ein Kind im Mutterleib noch lange kein Thronerbe in der Wiege ist". Auch das prophetisch zu diesem Zeitpunkt.


    Was mich in diesem Abschnitt am meisten befremdet hat, ist die ausführliche Beschäftigung mit "Dame Eliza", die mal Nonne, mal Magd genannt wird. Was ist sie denn nun? Beides? Diesen ganzen religiösen Mist, der um sie herumkreist, fand ich ermüdend. Und letztlich ist auch sie nur eine Frau, die für die Zwecke anderer instrumentalisiert wurde.


    Sätze wie dieser, lassen mich immer schmunzeln, ab und zu streut Mantel sie ein: "Er hört sie rufen: Thomas, Thomas... Es ist ein Name, der den halben Haushalt aufschreckt und aus Nachgebeten, gar aus Betten stürzen lässt". :lache


    Ansonsten ist dieser Hof echt eine Schlangengrube, wobei man den Schlangen sicher unrecht tut ;).Ich weiß garnicht, wo es schlimmer zugeht, bei den Frauen oder den Männern.

  • Diese Eliza hat ihre Zeitgenossen ziemlich beschäftigt. Sie war tatsächlich eine Magd bei einem Verwalter von Kirchengütern in der Grafschaft Kent. Sie hieß Elizabeth Barton.

    Nach einer Krankheit hatte sie Visionen und prophezeite die erstaunlichsten Dinge. Viele Pilger machten Wallfahrten zu ihr.

    Sie wurde von hohen und weniger hohen Würdenträgern beschützt und wohl auch aufgewiegelt. Im Rahmen der religiösen Auseinandersetzungen spielte sie durchaus eine wichtige, weil öffentliche Rolle.

  • Sie wurde von hohen und weniger hohen Würdenträgern beschützt und wohl auch aufgewiegelt. Im Rahmen der religiösen Auseinandersetzungen spielte sie durchaus eine wichtige, weil öffentliche Rolle.

    :write Ja, ich meine mich zu erinnern, auch schon vor der Erwähnung in "Wölfe" von ihr gehört bzw. gelesen zu haben. Aber für mich bleibt dieses Gewese um religiöse Auslegungen ätzend, und diese Folterungen und Verbrennungen einfach grauenvoll. Ich mag darüber nichts mehr lesen und meide deshalb auch Bücher mit dem Thema Inquisition.

  • Lumos, verstehe ich gut. Ich finde aber, die Grausamkeiten werden noch ziemlich diskret dargestellt. Da habe ich kürzlich ganz anderes gelesen, scheinbar bin ich leicht abgestumpft.

    Mir ist bei dieser "Heiligen" die Verbindung mit Johanna von Orleans durch den Kopf gegangen. Vielleicht war das auch ein Grund, dass diese Frau und ihr Anhang so heftig verfolgt wurden.

  • Lumos, verstehe ich gut. Ich finde aber, die Grausamkeiten werden noch ziemlich diskret dargestellt. Da habe ich kürzlich ganz anderes gelesen, scheinbar bin ich leicht abgestumpft.

    Mir ist bei dieser "Heiligen" die Verbindung mit Johanna von Orleans durch den Kopf gegangen. Vielleicht war das auch ein Grund, dass diese Frau und ihr Anhang so heftig verfolgt wurden.

    Stimmt. Die Grausamkeiten sind relativ dezent in der Darstellung. Dafür wird das "Gewese" um die religiösen Auslegungen extrem detailliert ausgeführt, was eigentlich auch stimmig ist hinsichtlich der Schwerpunkte, die Hilary Mantel setzt.

    Doch je älter ich werde, umso mehr entsetzen und nerven mich die religiösen Auswüchse und Scheinheiligkeiten, ihre machtpolitische Instrumentalisierung - in der Gegenwart ebenso wie in der Vergangenheit, und inzwischen sogar beim Lesen historischer Romane, besonders wenn diese ernst zu nehmen sind ;).