Die Rache der Polly McClusky - Jordan Harper

  • Die Rache der Polly McClusky - Jordan Harper

    Verlag: Ullstein

    288 Seiten

    15,00 €


    Inhalt:

    Jordan Harpers Debüt wird auf der Titelseite als Roman bezeichnet, doch handelt es sich hier eher um einen Thriller, der eine Menge Action enthält.


    Nate McClusky gelingt es, sich aus dem Gefängnis zu befreien. Er setzt alles daran, seine 11-jährige Tochter zu beschützen. Denn auf sie ist ein Kopfgeld ausgesetzt, nachdem Nate den Bruder des Anführers der Verbrechergang Aryan Steel umgebracht hat. Ihre Mutter und deren Freund wurden bereits getötet. Diese Gangster gehen mit harten Methoden vor und nehmen keine Rücksicht, nicht mal auf ein unschuldiges Mädchen. Nate reist in einem geknackten Pkw mit seiner Tochter quer durch Kalifornien. Er bringt ihr Kampftechniken bei und zeigt ihr, wie sie sich behaupten kann. Auch mental wird Polly immer stärker. Die gemeinsame Flucht schweißen Vater und Tochter eng zusammen. Immer dabei ist Pollys über alles geliebter Teddy. Während sie durch die Erlebnisse an Stärke und Härte zunimmt, bringt der Teddy ihre innere, gefühlvolle Seite zum Vorschein. Denn Polly kommt von der Venus, nach außen hin ruhig, doch in ihr brodelt es.

    Gemeinsam begegnen sie verschiedenen Menschen, begehen Raubüberfälle und versuchen durch ihre kriminellen Handlungen, ihrem Ziel näherzukommen. In der kalifornischen Wüste kommt es letztendlich zum großen Showdown.


    Meine Meinung:

    Jordan Harper hat mich mit seinem knackigen, präzisen Stil gleich zu Beginn in die Geschichte heineinkatapultiert. Besonders hervorgehoben wurde die untere Gesellschaftsschicht, die Kriminellen, die sich am Rande bewegen und vom kalifornischen Schein wenig abbekommen, die kaum eine Chance auf ein ehrenwertes Leben haben.

    Die Kapitel sind kurz und spannend, im Wechsel aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Am besten hat mir Pollys Strang gefallen. Liebenswert, intelligent und tapfer hält sie sich an der Seite ihres Vaters. Durch ihren Teddy, dem sie wie eine Handpuppe eigenes Leben einhaucht, bekommt die doch sehr rasante Flucht durch Kalifornien eine emotionale und manchmal auch humorvolle Seite. Durchgehend musste ich mit Polly mitfiebern, sie konnte einem nur leid tun. Diese Dinge sollte ein so junges, unschuldiges Mädchen wirklich nicht erleben müssen.

    Temporeich wurde das Geschehen erzählt, allerdings wurde es mir zum Ende hin doch zu sehr actiongeladen, das war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack. Doch trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, es war durchweg spannend und absolut mitreißend. Immerzu wollte ich als Leserin erfahren, wie es denn mit Polly und ihrem Vater weiter ging. Auch wenn die Voraussetzungen nicht die besten sind, besteht doch noch Hoffnung für Polly, ich würde es ihr wünschen.


    8 Eulenpunkte

  • Der Autor: Der 1976 geborene Jordan Harper war als Musikjournalist tätig, bevor er als Drehbuchautor bei „The Mentalist“ und kürzlich „Gotham“ arbeitete. Auch für die Serienversion von James Ellroys „L.A. Confidential“ wird er verantwortlich sein.

    Außerdem arbeitet er am Drehbuch für den vorliegenden Roman.....



    Das Buch: Das wichtigste, das Polly McClusky über ihren Vater weiß ist: Er ist ein böser Mann! Und trotzdem geht sie mit ihm, steigt in sein Auto ein, als er plötzlich vor ihr steht.


    Nate hatte geglaubt, das ihn keiner dabei beobachtet hat, wie der den Wichser der „White Supremacy“ abgestochen hat.


    Das war ein Irrtum!


    Der Boss der „Aryan Steel“ verhängt ein Todesurteil über Nate und seine Familie. Seine Frau kann Nate nicht mehr retten, doch der Teufel soll ihn holen wenn er es zulässt das sich jemand an seine Tochter vergreift! Er wird alles tun um sie zu schützen!


    Wirklich alles!


    Meine Rezension: …..was wirklich gut ist, denn schreiben kann der Mann! Immer wieder stößt man in dem Buch auf Sätze, auf Ausdrücke, die es wert sind sie zu notieren und sich – bei passender Gelegenheit – ihrer zu erinnern.


    Die Geschichte wird rasant erzählt, und es macht wirklich Spaß sich ihr voll und ganz hinzugeben, wenn man bereit ist für den Debütanten über einige „Anfängerfehler“ hinwegzusehen. So muss man auch die Entwicklung des 11-jährigen Mädchens einfach so akzeptieren, wie sie hier geschildert wird – sonst kann man schnell die Freude an dem wirklich gut erzählten Buch verlieren.


    Da auch erfahrene und routinierte Erzähler daran oft scheitern scheint es – mir fehlt da die Erfahrung – recht schwer zu sein ein Buch mit einem Höhepunkt abzuschließen, der nicht übertrieben wirkt. Harper gelingt dieses nur bedingt, er ist hier ganz auf das Wohlwollen seiner Leser angewiesen. Meinereiner macht hier Mildernde Umstände für Romandebutanten gelten, bei denen man bei einem mehr als positiven Gesamteindruck schon mal ein Auge zudrückt!


    Ich habe diesen rasanten Thriller wirklich genossen, und wenn wir annehmen das sich ein Autor (erstmal) von Roman zu Roman steigert, dann haben wir hier den Beginn einer wirklich vielversprechenden Karriere vor uns, und von dem Autor noch so einiges zu erwarten!


    Und diese Buchverfilmung werde ich mir garantiert ansehen!

  • Von dem Moment an, als der gerade aus dem Gefängnis entlassene Nate McClusky seine 11-jährige Tochter Polly von der Schule abholt, sind ihre Chancen auf ein normales Leben dahin. Denn Nate steht auf der Abschussliste einer brutalen Gang. Seine Exfrau und deren Ehemann haben sie bereits ermordet, ihr nächstes Ziel ist Polly. Quer durch die USA flüchtet Nate mit seiner Tochter und zieht sie immer tiefer mit hinein in einen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Mord.


    Kurze Sätze, schlichte, derbe Sprache, wechselnde Perspektiven, hohes Erzähltempo. Ganz am Anfang hatte ich das Gefühl, es könnte sich um ein Jugendbuch handeln, da aus Pollys Perspektive heraus erzählt wird. Ich wurde aber sehr schnell eines Besseren belehrt.


    Völlig egal, ob diese Geschichte auch nur einen Funken realistisch wirkt, ich finde sie einfach nur furchtbar und erschreckend brutal. Aber wir sind in Amerika und da ist es ja normal, schon kleinen Kindern Waffen in die Hand zu drücken und ihnen das Schließen beizubringen. Polly ist ein schüchternes Mädchen, eine Einzelgängerin, ihr einziger Freund ist ein Teddybär, den sie immer bei sich hat. Nur über ihn kann sie sich richtig ausdrücken. Und nun kommt ihr Vater daher und macht aus ihr eine Kämpferin, die vor nichts zurückschreckt und es auch mit skrupellosen Gangstern aufnimmt. Mehr hat Nate ihr nicht zu bieten. Das finde ich einfach nur tieftraurig. Wohin das führt, offenbaren die letzten Seiten des Buches. Dieses 11-jährige Mädchen kann einem wirklich leid tun. Ein bisschen mehr Sensibilität des Autors gegenüber seiner jungen Protagonistin hätte dem Buch gut gestanden, Emotionen sucht man vergebens. Aus meiner Sicht ist es ihm nicht gelungen zu verdeutlichen, warum aus einem schüchternen kleinen Mädchen in wenigen Wochen eine Kampfmaschine wird.


    Ich kann der Geschichte die Spannung – vor allem in der zweiten Hälfte - nicht absprechen, doch die detailliert beschriebene Gewalt kostet meine Bewertung einen weiteren Punkt. Amüsant fand ich hingegen, dass sich der Autor bei der Beschreibung des Gangster- und Bandenumfelds tief in der Klischeekiste bedient.


    Jordan Harper schreibt am Drehbuch zum Film, den ich mir garantiert nicht ansehen werde.

  • Polly McClusky ist elf Jahre alt und hat ihren Vater seit Jahren nicht mehr gesehen, weil dieser im Gefängnis einsitzt. Doch eines Tages steht Nate McClusky überraschend vor ihr, um sie aus der Schule abzuholen. Im Knast hat er sich die Gang Aryan Steel zum Feind gemacht, die nun ein Kopfgeld auf ihn und seine Familie ausgesetzt wird. Pollys Mutter, seine Exfrau, konnte er nicht mehr retten. Nun soll auch das Mädchen getötet werden. Und das will Nate auf jeden Fall verhindern. Auf der Flucht durch Kalifornien vor den Mördern und der Polizei werden Vater und Tochter bei ihrem gefährlichen Roadtrip zu einem starken Team. Dabei ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.


    „Die Rache der Polly McClusky“ ist der Debütroman von Jordan Harper.


    Meine Meinung:

    Das Buch besteht aus vier Teilen, die jeweils in mehrere Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, die sich kapitelweise abwechseln: aus der Sicht von Polly, Nate und anderen Personen.


    Der Schreibstil ist recht nüchtern und rau, liest sich aber sehr angenehm und flüssig. Zudem passt er gut zum Inhalt. Einige tolle Sprachbilder werden verwendet. Mir fiel der Einstieg in die Geschichte nicht schwer.


    Neben der Grundidee haben mir auch die Charaktere des Romans gut gefallen. Polly und Nate sind zwei reizvolle Hauptprotagonisten. Vor allem der Vater ist durch seine Vergangenheit mit Sicherheit kein typischer Romanheld. Dennoch gelang es mir ganz gut, mich in beide einzufühlen und mit ihnen mitzufiebern. Lediglich die Entwicklung von Polly empfand ich als übertrieben. Dagegen wirken Nate und die sonstigen Figuren recht authentisch.


    Durch die wechselnden Perspektiven, aber auch den Inhalt ist der Roman fesselnd. Die Handlung ist schlüssig, an einigen Stellen allerdings überspitzt und daher etwas realitätsfern. Auch waren mir manche Szenen ein wenig zu brutal. Dennoch fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten.


    Das Cover finde ich sehr gelungen. Der deutsche Titel weicht zwar stark vom amerikanischen Original („She Rides Shotgun“) ab, passt aber auch durchaus.


    Mein Fazit:

    „Die Rache der Polly McClusky“ von Jordan Harper ist ein spannender Roman mit nur kleineren Schwächen, der mir unterhaltsame Lesestunden bereitet hat.


    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Buchmeinung zu Jordan Harper – Die Rache der Polly McClusky


    „Die Rache der Polly McClusky“ ist ein Kriminalroman von Jordan Harper, der 2018 bei Ullstein Hardcover in der Übersetzung von Conny Lösch erschienen ist. Das amerikanische Original ist 2017 unter dem Titel „She rides Shotgun“ erschienen.


    Zum Autor:

    Jordan Harper wurde 1976 in Missouri geboren. Er war Musikjournalist, Filmkritiker und Fernsehautor. Als Drehbuchautor war er u.a. Lead Writer bei den Fernsehserien „The Mentalist“ und „Gotham“. Zurzeit lebt er in Los Angeles und arbeitet am Drehbuch von „Die Rache der Polly McClusky“. Er wird außerdem das Script zur TV-Serie "L.A. Confidential" schreiben.


    Klappentext:

    Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater Nate vor ihr steht. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die Nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch besticht durch die beiden Hauptfiguren und die Entwicklung, die sie im Laufe der Geschichte nehmen. Nate McClusky ist ein eher kleiner Gangster, der kurz vor seiner Entlassung von den Aryan Steel aufgefordert wird, nach der Entlassung ein paar Jobs für sie zu erledigen. Als er ablehnt kommt es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, die mit dem Tod des Vertreters der Aryan Steel endet, der ein Bruder des Chefs der Aryan Steel gewesen ist. Dieser reagiert mit einem Todesurteil gegen Nate, seiner Ex-Frau und seiner Tochter. Nate versucht nun seine Angehörigen zu retten. Er holt seine elfjährige Tochter, die ihn kaum erkennt, von der Schule ab und flieht mit ihr. Als er seine Ex aufsucht findet er diese und ihren Mann ermordet vor und er erkennt, dass der Mörder vergeblich auf seine Tochter gewartet hat.

    Dieses Buch schafft den Spagat zwischen harten und grausamen Ereignissen und der sich langsam entwickelnden Beziehung zwischen Nate McClusky und seiner Tochter Polly. Polly ist ein intelligentes kleines Mädchen, das ein wenig gemobbt wird, aber sonst ein normales Leben führt. Dann taucht ihr Vater auf und Pollys Leben ändert sich schlagartig. Sie kennt diesen Mann kaum und überlegt anfänglich, einfach zu fliehen. Im Laufe der Geschichte keimt eine starke Bindung und Vater und Tochter kommen sich näher. Nate erkennt schnell, dass er niemand trauen kann und doch sucht er immer weiter nach der rettenden Idee. Er versucht mit Gewalt die Geschäfte der Aryan Steel zu stören, doch er kann nur Nadelstiche setzen. Seine Verzweiflung wächst und er ist schließlich zu allem bereit. Mittlerweile versucht er seine Tochter zum Überleben zu befähigen. Zuerst soll sie nur beobachten und ihre Feinde erkennen. Dann beginnt er ein körperliches Training. Polly beginnt als Zuschauerin und beginnt bald, aktiver zu werden.

    Das Buch schildert auch ein Amerika, das von gewalttätigen kriminellen Banden geprägt ist. Die Staatsmacht schaut weitgehend hilflos zu, viele ihrer Vertreter sind korrupt und einige arbeiten sogar eng mit den Gangstern zusammen. Die Strukturen der Banden sind gefestigt und für viele Betroffene stehen deren Gesetze über denen der Vereinigten Staaten.

    Das Erzähltempo ist hoch und es gibt keine Umwege und Ruhephasen in der Geschichte. Man verfolgt das Geschehen aus mehreren Perspektiven und einige Handlungen werden von unterschiedlichen Seiten betrachtet. Dies nutzt der Autor auch, um die Annäherung zwischen Polly und ihrem Vater zu zeigen. Gewalt ist jederzeit ein Thema, wird aber nicht zum Selbstzweck. Nate ist für mich die zentrale Figur und er nimmt eine schier unglaubliche Entwicklung vom Kleingangster zum strahlenden Helden. Er fasziniert durch seinen eisernen Willen und seine Bereitschaft, alles für das Leben seiner Tochter zu geben. Der Showdown setzt der Geschichte die Krone auf, auch wenn die Realität den Bildern geopfert wird.


    Fazit:

    Dieses Buch hat mich von Anfang an überzeugt und dann sogar begeistert. Atmosphärisch stimmig, mit hohem Tempo und keinem Wort zu viel wird die Geschichte vorangetrieben. Dazu wird die Entwicklung der Beziehung zwischen Vater und Tochter sehr eindringlich beschrieben. Von mir gibt es fünf Sterne (10 von 10 Eulen-Punkte) und eine klare Leseempfehlung.

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