Erin Kelly - vier zwei eins - Vier Menschen, zwei Wahrheiten, eine Lüge

  • Spannender Roman mit leichten Schwächen


    Vier Menschen treffen auf einem Festival in Cornwall aufeinander. Kit und seine Freundin Laura, Beth und Jamie. Laura wird die Zeugin eines Verbrechens, so glaubt sie. Jamie stellt sich als zu Unrecht beschuldigt dar. Und Beth, das Opfer in der Konstellation, ist zunächst wie betäubt. Neben dem auf die Anschuldigungen folgenden Prozess entspinnt sich die Spannung vor allem in den Zwischentönen der Beziehungen und Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten.


    Gut gefallen hat mir neben Erin Kellys Schreibstil die Fähigkeit der Autorin, mich immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen in der Geschichte zu überraschen.


    Weniger gut fand ich, dass einige Wendungen und Ereignisse aufgrund eher unglaubwürdig oder nur auf Basis weit hergeholter Zufälle möglich wirken. Dem Spannungsbogen hat das nur wenig geschadet, dieser wurde für mich konstant aufrecht erhalten. Die Frage nach der Wahrheit wird von der Autorin geschickt in den Mittelpunkt des Thrillers gestellt und die Perspektiven können sich dabei durchaus verschieben.


    Interessant fand ich dabei, dass ich eigentlich keinen der Charaktere wirklich durchgängig sympathisch fand und mich ihr weiteres Schicksal dennoch interessierte. Die Geschichte wird abwechselnd in der Vergangenheit und er Gegenwart erzählt, mal durch Kit, mal durch Laura. Manchmal folgen mehrere Abschnitte aus einem Zeitraum aufeinander. Manchmal lässt einen die Autorin mit einem Cliffhanger in der Luft hängen. Auch das hat mir gut gefallen.


    Insgesamt komme ich daher auf eine Bewertung von acht Eulenpunkten.

    "Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

    Franz Kafka, Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904






    :lesend

  • Inhalt:

    Am Anfang stand der Betrug. Es folgte die Lüge. Dann war es nur noch Feigheit.

    Und keiner hatte die leiseste Ahnung, in welche Katastrophe uns das alle führen würde.

    Im Sommer 1999 erleben Kit und Laura eine totale Sonnenfinsternis in Cornwall.

    Beide sind jung und verliebt, sie sind fest davon überzeugt, dass sie noch viele solche Naturereignisse gemeinsam beobachten werden.


    Im fahlen Dämmerlicht danach, als sich der Schatten auflöst, glaubt Laura etwas gesehen zu haben. Eine brutale Vergewaltigung. Doch der Mann bestreitet alles. Die Frau schweigt. Seine Aussage gegen die von Laura.

    Monate nach der Gerichtsverhandlung steht die Frau plötzlich vor Lauras und Kits Tür. Schleicht sich auf merkwürdige Weise in ihr Leben. Nur Kit scheint zu sehen, was Beth Taylor wirklich ist: eine Bedrohung.


    15 Jahre später leben Laura und Kit unter falschem Namen an einem geheimen Ort. Keine Kontakte in die sozialen Medien, kein Eintrag im Telefonbuch, nur gelegentliche Telefonate. Etwas liegt noch immer im Dunklen, Laura fürchtet es, und sie ahnt, dass sie nur einen Teil des Bildes sieht. Doch dann steht Beth Taylor plötzlich vor Lauras Tür. Und jetzt drängt die Wahrheit mit aller Macht ans Licht…


    Rezension:

    1999 erleben Kit und Laura die Sonnenfinsternis in Cornwall und Laura glaubt, direkt danach eine brutale Vergewaltigung beobachtet zu haben. Doch es steht Aussage gegen Aussage und der Fall tritt etwas los, das Kit und Laura auch fünfzehn Jahre später noch in Angst und Schrecken versetzt.


    "Vier.Zwei.Eins - 4 Menschen, 2 Wahrheiten, 1 Lüge" von Erin Kelly ist ein Einzelband, der aus den abwechselnden Ich-Perspektiven von Laura und Kit erzählt wird.

    Besonders ist, dass die Handlung sowohl aus der Gegenwart im Jahre 2015 erzählt wird, als auch fünfzehn Jahre in die Vergangenheit springt und man so Stück für Stück erfährt, was dazu geführt hat, warum Kit und Laura unter falschen Namen in ständiger Angst leben von einer gewissen Person gefunden zu werden.


    Die Leseprobe konnte mich noch nicht so mitreißen, aber die Geschichte hat mich echt neugierig gemacht, sodass ich ihr doch noch eine Chance gegeben habe - zum Glück, denn sonst hätte ich eine geniale Geschichte verpasst!

    Die Handlung ist am Anfang noch nicht sonderlich spannend und es brauchte etwas Zeit die Charaktere kennenzulernen, aber die Geschichte entwickelte sich und nahm immer mehr an Fahrt auf, bis ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte!


    Laura und Kit sind zusammen, seit sie einundzwanzig Jahre alt sind. Kit ist ein Sonnenfinsternisjäger, der schon viele Sonnenfinsternissen erlebt hat und schon genau geplant hat, wie viele er in seinem Leben noch sehen kann. Er ist sehr intelligent und eher ruhig. Laura ist eine Feministin, die früher eine starke junge Frau war und heute, dank der damaligen Ereignisse, unter starken Angstzuständen leidet.

    Ich mochte besonders Laura sehr gerne und ihre Perspektive erlebt man am intensivsten. Ich war sehr neugierig darauf, warum sie so schreckliche Angst hat, dass sie sogar Bilder von sich im Internet entfernen lässt, um bloß keinen digitalen Fußabdruck zu hinterlassen, der dazu führt, dass sie und Kit gefunden werden könnten!


    Ich mochte auch die Erzählweise richtig gerne, denn sie konnte mich immer stärker packen und fand es sehr spannend, dass man erst nach und nach erfahren hat, was damals passiert ist. Wir lernen Laura und Kit kennen, aber auch Beth und Jamie. Vier Menschen, deren Leben durch eine einzige Begegnung unwiderruflich verbunden sind. Doch was ist damals wirklich passiert?


    Am Anfang sind sehr viele Fragen aufgeworfen worden und man hat im Verlauf der Handlung viele neue Erkenntnisse gewonnen. Ich musste das Bild, das ich mir von der Geschichte und den Charakteren gemacht hatte, so oft revidieren, denn man wusste einfach nicht, wer lügt und wer die Wahrheit erzählt. Wem man vertrauen kann und wem nicht. Erin Kelly hat mich oft richtig an der Nase herumgeführt und besonders das Ende hatte es noch mal in sich, denn dort gab es einen großen Showdown. Es wurden alle Fragen beantwortet, aber die Geschichte noch einmal völlig auf den Kopf gestellt und das Buch lässt mich begeistert zurück!


    Fazit:

    Am Anfang konnte mich "Vier.Zwei.Eins - 4 Menschen, 2 Wahrheiten, 1 Lüge" von Erin Kelly noch nicht komplett packen, aber die Geschichte nahm immer mehr an Fahrt auf, bis ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte!

    Ich liebe die Erzählweise, wie man erst Stück für Stück alles erfährt, und fand es großartig, dass mich Erin Kelly so oft überraschen konnte!

    Ein wirklich mitreißendes Buch, das mich begeistert zurück lässt, sodass ich fünf Kleeblätter vergebe!

  • Mich hat das Buch leider nicht ganz begeistern können.


    Der Klappentext sagt genug über den Inhalt. Mehr braucht man nicht zu wissen. Die Story ist im Grunde schlicht. Ein junges Paar ist in Cornwall auf einem Festival 1999 um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Dort wird das Mädchen Zeuge einer Vergewaltigung. Danach ist für mehrere Menschen nichts mehr so, wie es vorher war.


    Die Story an sich ist recht clever und komplex. Erzählt wird auf zwei Zeitenenen. Das Problem hier ist, das man sich mit keiner Figur so recht identifizieren oder gar mitfühlen kann. Laura fand ich schon sehr schnell sehr anstrengend. Ihre Angstzustände in der heutigen Zeitebene erschienen mir übertrieben. Die ganze Sache und die Reaktionen darauf empfand ich als etwas überzogen. Warum Laura und Kit 15 Jahre lang in Panik lebten, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Beth wird recht schnell als schwieriger Charakter abgestempelt. Da wir nur Lauren und Kit als Erzähler auf allen Zeitebenen haben, hat Beth nie eine eigene Stimme. Das eigentliche Problem für mich mit diesem Buch aber ist, das es unglaublich langatmig ist. Die Story wird endlos ausgedehnt. Zuerst fand ich die Sache mit der Reise zu den Sonnenfinsternissen sehr interessant. Aber als Kit dann aufbricht zu den Färöer Inseln, wird es echt langatmig. Überhaupt wird die Spannung sehr oft ausgebremst. Die Story dehnt sich extrem und wirkt im weiteren Verlauf ein wenig überkonstruiert. Alle Erzähler sind unzuverlässig. Jeder lässt etwas aus, was er erst spät preisgibt. Alle sehen sich über allem stehend, dabei lügen alle. Das ist durchaus interessant und clever ausgedacht, aber es zieht sich so unglaublich. Zum Schluss hin gibt es noch einen Twist und dann noch einen weiteren. Jeder verheimlicht etwas. Und alle glauben, dass sie alles richtig gemacht haben.


    Das Buch hat jede Menge begeisterte Rezensionen. Ich kann das leider nicht wirklich nachvollziehen. Wie ich schon sagte, die Grundidee, ist wirklich gut aber leider extrem ausgedehnt. Manchmal verliert sich die Story auch auf Nebenplätzen. Die Sache mit Kids Bruder bzw. dessen Vater ist irgendwie unnötig. Auch braucht es nicht so viel Infos über die Familie von Jamie.

    Dafür bleibt Beth, das Opfer, irgendwie zu sehr im Dunklen.


    Für mich ist das Buch leider hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. Das Stilmittel der unglaubwürdigen Erzähler wird leider etwas überstrapaziert und gerade gegen Ende wird doch der ein oder andere Twist zu viel rausgehauen. Ich bin ein wenig hin und her gerissen. Ich sehe die Brillanz der Storyidee und auch ihre Aussage. Gerade die Figuren Beth und Kit bekommen eine ganz eigene Tiefe und Aussage. Aber es dauert so ewig bis wir dahin kommen. Es gibt zu viele Nebenschauplätze und zu viele Details. Die Spannung blieb für mich auf der Strecke. Beinahe hätte ich sogar abgebrochen. Der Schluss gibt der Story zwar die nötige Tiefe und das Gefühl, ein großartiges Buch gelesen zu haben. Aber der Weg dahin war etwas zu mühsam und langatmig.



    Ich habe die englische Original(kindle)version He Said/She Said gelesen.

    “Wer kleine Kinder und Hunde nicht mag, kann kein schlechter Mensch sein!”



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  • Cornwall im Sommer 1999: Kit und Laura sind noch jung, als sie eine totale Sonnenfinsternis erleben. Auf dem Weg zurück glaubt Laura eine brutale Vergewaltigung gesehen zu haben. Doch der Mann, Jamie, bestreitet alles. Elizabeth Taylor, kurz Beth, die Frau, schweigt. Monate nach der Gerichtsverhandlung, bei der der Mann verurteilt wird, steht die Frau plötzlich vor Lauras und Kits Tür und schleicht sich in deren Leben. 15 Jahre später leben Laura und Kit unter falschem Namen und haben Angst vor Beth. Was ist damals wirklich passiert? Und ist Beth eine Bedrohung?


    „Vier. Zwei. Eins“ ist ein ungewöhnlicher Psychothriller von Erin Kelly.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus fünf Teilen, die nach den einzelnen Phasen einer Sonnenfinsternis benannt sind – eine schöne Idee. Zudem gibt es insgesamt 66 Kapitel mit einer angenehmen Länge, die einheitlich und übersichtlich beschriftet sind. Vorangestellt ist ein Prolog. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Laura und Kit – jeweils aus der Ich-Perspektive. Die Handlung spielt einerseits im Jahr 2015 und andererseits im Jahr 2000. Dieser sorgfältig durchdachte Aufbau kommt gut bei mir an.


    Der Schreibstil ist flüssig, anschaulich und detailliert. Von Anfang an herrscht eine bedrohliche, etwas düstere Atmosphäre, die mich schnell gefesselt hat. Obwohl die ersten Seiten ziemlich verwirrend sind und die Geschichte nur allmählich an Fahrt aufnimmt, habe ich das Buch wegen dieser unterschwelligen Spannung nur ungern zur Seite gelegt.


    Die Personen des Romans bleiben lange Zeit schwer durchschaubar. Das gilt auch für die beiden Hauptprotagonisten Laura und Kit, deren Gedankenwelt man teils gut nachvollziehen kann, teils jedoch auch nicht, weil man immer wieder rätselt, worum es genau geht. Lange Zeit bleibt unklar, wer gut und wer böse ist. Die Charaktere werden realitätsnah dargestellt.


    Inhaltlich hat der Roman einige Überraschungen zu bieten. Die Handlung kann mehrere kreative Wendungen bieten, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Trotz der eher hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Die Geschichte bleibt spannend und unterhaltsam. Die Auflösung erscheint mir absolut schlüssig.


    Das Cover gefällt mir optisch und inhaltlich sehr gut. Der deutsche Titel macht neugierig. Allerdings finde ich die Formulierung im englischen Original („He said – she said“) etwas treffender.


    Mein Fazit:

    „Vier. Zwei. Eins“ von Erin Kelly ist ein clever konstruierter Psychothriller, der mich überraschen und überzeugen konnte. Eine empfehlenswerte Lektüre für Fans von Spannungsliteratur.


    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  • Wenn ein Augenblick alles verändert....

    Cover: Das Cover macht neugierig auf mehr. Es verrät nicht zu viel über den Inhalt, passt für mich aber sehr gut dazu.



    Inhalt: Vier Jugendliche Kit, Laura, Beth und Jamie beobachten im Sommer 1999 die Sonnenfinsternis. Doch das ist nicht alles was Laura sieht, Beth wird brutal vergewaltigt, doch sie schweigt. Doch Beth verändert sich und Kit und Laura fliehen nun vor ihr....bis sie sie eines Tages wieder findet.



    Meine Meinung: Die Geschichte wird aus verschienenden Perspektiven erzählt, zudem kommen noch die unterschiedlichen Zeitebenen dazu. Das ist nicht alles leicht zu durchschauen, aber dran bleiben hat sich gelohnt.

    Schön finde ich die Charaktere, keiner scheint auf den ersten Blick die Wahrheit zu sagen, vieles bleibt erstmal im Verborgenen.

    Dadurch bleibt es auch spannend und wendungsreich.



    Fazit: Ein wenig mühsam durch die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenden, aber lohnenswert und spannend. Interessante Charaktere.

    8 Eulenpunkte

    Das Buch ist wie eine Rose, beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz.


    (Sprichwort aus Persien)


    LG büchervamp :flowers

  • Kit ist ein Sonnenfinsternisjäger, seine Freundin Laura begleitet in 1999 nach Cornwall. Laura trifft auf Beth, die gerade Sex hat. Laura glaubt an eine Vergewaltigung und muss im Prozess gegen den reichen Jamie aussagen, der alles bestreitet. Monate später steht Beth vor Lauras Tür.

    Das Cover des Buches ist auffällig und absolut passend gemacht.

    Der Schreibstil der Autorin ist insoweit sehr gut, das die Orte und Protagonisten perfekt dargestellt werden, allerdings konnte ich für keinen Charakter wirklich Sympathie empfinden. Dies kann aber von der Autorin auch gewollt sein, denn jeder hat in diesem Buch seine Geheimnisse. Die Nebencharaktere wie Mac, Ling oder Richard werden nur oberflächlich beschrieben, sodass man sich nicht wirklich ein Bild von ihnen machen kann.

    Der Beginn des Buches (das 1. "Überkapitel") zieht sich sehr in die Länge, nicht nur weil natürlich die Protagonisten hier vorgestellt werden, was ja absolut passend ist. Aber leider werden auch seitenlange Erklärungen über Reiserouten und ein Schiff geliefert. Dies nahm jedesmal den Lesefluss und machte das Buch zum Teil langweilig, dann kamen aber wieder spannende Momente, zu denen im ersten Abschnitt natürlich die "Vergewaltigung" und der Prozess gehörten.

    Die Sonnenfinsternisse als Rahmenhandlung fand ich eine gute Idee, auch manche Erklärungen, allerdings wurde auch dies im 1. Abschnitt total übertrieben,

    Danach entwickelte sich aber eine spannende Story, die die vorgefertigten Meinungen sofort über den Haufen warf, denn überraschende Wendungen konnten hier absolut überzeugen.

    Das ganze Buch ist zum einen in verschiedenen Zeitebenen geschrieben (1999 und 2015), zum anderen aus wechselnder Perspektive von Laura und Kit. Beides fand ich total passend und gelungen für dieses Buch.

    Der deutsche Titel des Buches konnte mich nicht wirklich überzeugen, obwohl er passend ist. Der englische Originaltitel "he said - she said" war hier besser gewählt, würde aber auf deutsch nicht funktionieren, insoweit ist der deutsche Titel doch nicht so schlecht.

    Laut Cover wird das Buch dem Genre "Roman" zugeordnet, das ist clever gemacht, denn oft wird es in den Weiten des Internets auch als Thriller angepriesen, dies wirkt aber nicht wirklich passend. Das Buch ist vielmehr eine Mischung aus Psychodrama, Psychothriller und "Roman".

    Fazit: Wer sich durch teilweise langatmige Erklärungen im 1. Fünftel durcharbeitet, wird mit einer überraschenden und spannenden Story belohnt, der nur am Schluss noch das gewisse Etwas fehlt. 4,5 von 5 Sternen