'Der Meister und Margarita' - Seiten 342 - 408

  • Ich hätte vielleicht doch keine 2 Tage Pause über das WE machen sollen...ich merke, wie die Luft raus ist.:(


    Der Satan und seine Gefährten Tafeln mit Margarita, und ich dachte nur die ganze Zeit, dass nun aber mal der Meister auftauchen könnte. Immerhin hat sich Margarita nur seinetwegen auf diesen Ball eingelassen.

    Sie trinken Sprit, habe ich lange nicht mehr gehört, Prima-Sprit hieß der in der DDR und ist richtig hochprozentig.

    Margarita ist im Roman die Gute, die Reine, Aufrechte. Sie denkt nicht zuerst an sich, sondern fordert als Lohn Gnade für Frida ein, was schon beeindruckt. Aber sie kriegt ja ihren Meistern noch, einen kranken, wirren , gebrochenen Mann. Die Liebe muss wirklich groß und tief sein, dass sie sich den aufbürdet. Ich glaube nicht, das sie wirklich lange mit ihm Leben kann, so wie er jetzt ist. Schreiben kann und will er auch nicht mehr...

    Er ist der Zerstörte, Wie er meint nicht mal mehr ein Mensch, denn er hat keinen Ausweis und keine Berufung mehr, kein Dokument - kein Mensch. Durch sein Wegsperren hat die Obrigkeit erreicht, dass er gebrochen ist, leer.


    Was bleibt ist sein Pilatus-Roman.


    Interessant, dass Pilatus den Judas ermorden lässt. Ein gewandelter Mensch? Durch Ha-Nozri vom Saulus zum Paulus?

    Ganz ehrlich, ich verstehe die Stellung der Pilatuskapitel im Gesamtkonzept des Romans noch nicht ganz...

  • Ich hätte vielleicht doch keine 2 Tage Pause über das WE machen sollen...ich merke, wie die Luft raus ist.:(

    Ich habe gestern nichts darin gelesen, heute früh mit diesem Abschnitt weitergemacht - und mir geht es wie Dir.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • ...ich merke, wie die Luft raus ist.

    Ach das ist schade. Ich bin nach wie vor schwer begeistert von dem Buch. Ich könnte ewig so weiterlesen , mir macht es einfach unglaublichen Spaß . Es sind immer wieder so kleine Szenen dabei, die ich einfach herrlich finde. Zum Beipsiel im Kapitel 14. Wenn Voland sagt: " Es bleibt mir wohl nur eins: mich mit Lappen einzudecken und alle Ritzen meines Schlafzimmers damt zu verstopfen." Dann Margarita: "Wovon sprechen sie?" Voland: "Ich sprechen von der Barmherzigkeit. Manchmal schleicht sie tückisch und ganz unerwartet durch den schmalsten Ritzen herein. Darum spreche ich von Lappen":lache:lache:lache

    Ganz ehrlich, ich verstehe die Stellung der Pilatuskapitel im Gesamtkonzept des Romans noch nicht ganz...

    Das verstehe ich auch noch nicht ganz. Ich hoffe mal, das wird zum Ende noch aufgelöst.

  • Wenn Voland sagt: " Es bleibt mir wohl nur eins: mich mit Lappen einzudecken und alle Ritzen meines Schlafzimmers damt zu verstopfen." Dann Margarita: "Wovon sprechen sie?" Voland: "Ich sprechen von der Barmherzigkeit. Manchmal schleicht sie tückisch und ganz unerwartet durch den schmalsten Ritzen herein. Darum spreche ich von Lappen"

    Ich will ja nicht rumdeuten, aber das finde ich nun gerade nicht so lustig. Die arme Frida büßt ihr ganzes Dasein, sogar nach ihrem Tod dafür, dass sie ihr Kind tötete. Das ist Hölle! So stelle ich sie mir vor! Und keine Möglichkeit zu entrinnen, etwas zu verändern...

    Voland hat die Macht, das zu ändern. Die Tüchlein zum symbolischen Verstopfen der Ritzen zu benutzen, damit die Milde und Barmherzigkeit nicht eindringt, finde ich herablassen, aber so ist der Teufel wohl.

  • Ich will ja nicht rumdeuten, aber das finde ich nun gerade nicht so lustig. Die arme Frida büßt ihr ganzes Dasein, sogar nach ihrem Tod dafür, dass sie ihr Kind tötete. Das ist Hölle! So stelle ich sie mir vor! Und keine Möglichkeit zu entrinnen, etwas zu verändern...


    Voland hat die Macht, das zu ändern. Die Tüchlein zum symbolischen Verstopfen der Ritzen zu benutzen, damit die Milde und Barmherzigkeit nicht eindringt, finde ich herablassen, aber so ist der Teufel wohl.

    Vielleicht habe ich mich ein wenig falsch ausgedrückt. Also ich fand diese Formulierung von Voland einfach herrlich, und die Verwirrung die er dabei kurzfristig sowohl bei Margarita und auch beim mir als Leser stiftet weil man sich überlegt, was er mit diesen Lappen gemeint hat. Und so schlimm finde ich den Teufel jetzt insgesamt auch gar nicht. Schließlich wird Frida doch eine Seite weiter dann erlöst von ihrem Schicksal und muss sich nicht mehr weiter quälen.

  • Vielleicht habe ich mich ein wenig falsch ausgedrückt. Also ich fand diese Formulierung von Voland einfach herrlich, und die Verwirrung die er dabei kurzfristig sowohl bei Margarita und auch beim mir als Leser stiftet weil man sich überlegt, was er mit diesen Lappen gemeint hat. Und so schlimm finde ich den Teufel jetzt insgesamt auch gar nicht. Schließlich wird Frida doch eine Seite weiter dann erlöst von ihrem Schicksal und muss sich nicht mehr weiter quälen.

    Ach so, ich hab an der Stelle auch überlegt, wie es gemeint ist.

    Satan ist hier in Gönnerlaune. Eigentlich interessiert ihn die ganze Sache gar nicht genug. Die Begnadigung Fridas hat etwas wie Abwinken, wie "ist doch egal". Er ist nur gespannt auf Margarita eigenen Wunsch, den Wunsch für sich selbst.

    Denke ich.

  • Wenn das mit diesem Buch so weitergeht, nage ich zu Ostern noch an ihm herum.


    Eine der leichteren Fragen, weil es vielleicht gar nicht wichtig ist: Wieso wird Margarita ausgerechnet mit der unglücklichen Margarete (genannt Margot) de Valois in Verbindung gebracht?

    Interessant ist ja, dass Margot recht umfangreich Aufzeichnungen hinterlassen hat, die ein recht genaues Bild des Lebens am französischen Hof liefern.


    Was ich im Moment aber ganz wesentlich finde, ist die Szene, die Clare angesprochen hat. Die unglückliche Frieda, Kindsmörderin, in der Hölle gelandet und jeden Tag ihres "Lebens" durch das Auftauchen des Tüchleins gequält.

    Und niemand hat Mitleid mit ihr. Kein Gott, kein Heiliger. Niemand bis auf Margarita bittet für sie.

    Und gerade der unwahrscheinlichste auf der ganzen Welt, Satan hat Mitleid. Er muss sogar, um diesem Mitleid, um der Barmherzigkeit zu entgehen, Lumpen in die Ritzen stecken.

    Und zeigt, zwar nicht freiwillig, aber immerhin, Erbarmen.


    Wäre ich ein gläubiger Mensch, müsste ich über diese Szene verzweifeln.

    Wo ist denn in diesem Buch Gott? Der Gnädige, Barmherzige? Gibt es ihn denn hier überhaupt? Wäre es nicht

    an ihm gewesen, Barmherzigkeit zu zeigen?

    Bisher sind mir ein paar "heidnische" Götter begegnet. Ansonsten ist die Welt ein gottloser Ort, an dem nur Satan sein (Un)wesen treibt.


    Ich habe mir gerade vorgenommen, die Pilatus Szenen noch einmal zu lesen, gerade unter diesem Gesichtspunkt.

  • Eine der leichteren Fragen, weil es vielleicht gar nicht wichtig ist: Wieso wird Margarita ausgerechnet mit der unglücklichen Margarete (genannt Margot) de Valois in Verbindung gebracht?

    Interessant ist ja, dass Margot recht umfangreich Aufzeichnungen hinterlassen hat, die ein recht genaues Bild des Lebens am französischen Hof liefern.

    Tja, vielleicht sind die ausführlichen Anmerkungen doch eher ein Fluch?

    Vielleicht denkt der Satan da an eine frühere Ballkönigin?

    Ich habe da gar nicht so viel Wert drauf gelegt.

    Was ich im Moment aber ganz wesentlich finde, ist die Szene, die Clare angesprochen hat. Die unglückliche Frieda, Kindsmörderin, in der Hölle gelandet und jeden Tag ihres "Lebens" durch das Auftauchen des Tüchleins gequält.

    Und niemand hat Mitleid mit ihr. Kein Gott, kein Heiliger. Niemand bis auf Margarita bittet für sie.

    Oh, jetzt wird es schwierig.

    Vergebung bei hat viel mit Reue zu tun. Von Reue lese ich nichts, nur davon, dass sie gequält ist von den Tüchern, die immer wieder vor ihr liegen, wie eine stete Erinnerung.

    Sie war verzweifelt vor ihrer Tat, vielleicht wusste sie sich auch keinen anderen Ausweg, aber trotzdem: das Kind töten, ersticken lassen unter der Erde? Ich weiß nicht...

    Wäre ich ein gläubiger Mensch, müsste ich über diese Szene verzweifeln.

    Wo ist denn in diesem Buch Gott? Der Gnädige, Barmherzige? Gibt es ihn denn hier überhaupt? Wäre es nicht

    an ihm gewesen, Barmherzigkeit zu zeigen?

    Das ist wieder typisch, dass GOTT als das liebe, alles verzeihende Väterchen gesehen wird. Das ist er nicht nur.

    Barmherzigkeit für den, der bereut. Glaube ist kein Freifahrtschein.


    In diesem Roman kommt Gott nicht vor. Er ist auch nicht das Thema, und ich glaube kaum, dass der Roman sonst nicht mal so spät, also nach Bulgakows Tod, veröffentlicht werden durfte.

  • Ich finde es ja wahnsinnig interessant, wie unterschiedlich wir dieses Buch lesen oder was wir uns dabei für Gedanken machen. Ich habe jetzt einfach alles mehr oder weniger hingenommen und nicht groß hinterfragt. Ich habe mir beim Lesen zu keinem Zeitpunkt überlegt, wo Gott ist. Aber ich kann die Gedanken von Rumpelstilzchen schon gut nachvollziehen.

    Vergebung bei hat viel mit Reue zu tun. Von Reue lese ich nichts, nur davon, dass sie gequält ist von den Tüchern, die immer wieder vor ihr liegen, wie eine stete Erinnerung.

    Sie war verzweifelt vor ihrer Tat, vielleicht wusste sie sich auch keinen anderen Ausweg, aber trotzdem: das Kind töten, ersticken lassen unter der Erde? Ich weiß nicht...

    :writeSehe ich genauso. Friedas Situation mit dem unehelichen Kind zu der damaligen Zeit war bestimmt nicht einfach. Aber ich finde nicht, dass es einen Mord an einem unschuldigen Baby rechtfertigt. Und dann noch dieses Ersticken mit dem Tuch, dass finde ich schon recht brutal. Deswegen hatte ich auch erst mal gar kein so großes Mitleid mit ihr. Aber Margarete schon, sie ist ja die Reine und kann Frieda erlösen.

    Ich habe mir gerade vorgenommen, die Pilatus Szenen noch einmal zu lesen, gerade unter diesem Gesichtspunkt.

    Ich werde auch die Pilatus-Kapitel zusammenhängend noch mal lesen. Ich habe das Gefühl, in diesen Szenen viel überlesen bzw. etwas verpasst zu haben.....

  • Ich werde auch die Pilatus-Kapitel zusammenhängend noch mal lesen. Ich habe das Gefühl, in diesen Szenen viel überlesen bzw. etwas verpasst zu haben.....

    Oh ja, ich denke auch, dass ich da vieles überlesen habe.

    Ansonsten geht es mir wie dir, Rouge: vieles habe ich beim Lesen auch einfach hingenommen, wenn sich mir der Zusammenhang nicht gleich erschloss.

  • Clare, gerade um Vergebung ging es mir nicht. Erbarmen ist für mich etwas anderes, nämlich sich einer Kreatur, die schon lange gelitten hat, zu erbarmen, ihr Leiden zu beenden.

    Und da ausgerechnet beim Teufel anzufragen, das finde ich schon fast grotesk. Darum geht es mir hier.


    Die Frage ihrer (Allein) Schuld hat sich mir nicht gestellt - Margarita aber schon, mit der Frage nach dem Vater des Kindes. Aber wie gesagt, darum geht es mir nicht.


    Aber findet ihr nicht, dass die Abwesenheit Gottes in diesem Buch, das ja von religiösen Themen voll ist, eben auch ein Thema ist? Satan als Herrscher zumindest der damaligen Sowjetunion?


    Und gerade durch die Beschäftigung mit der Frage zur Bedeutung von Satan kommen für mich die Pilatus Kapitel ins Spiel.

    Jesus wird hier ja nicht verurteilt, weil er sich selbst oder von anderen als Messias, Sohn Gottes oder ähnliches bezeichnet wird. Sondern weil er an das Gute in Menschen glaubt.

    Weil er glaubt, dass eine andere Welt möglich ist, dass diese kommen wird.

    Und genau das glaubten viele Anhänger der Kommunisten zu Anfang ja auch. Und wurden erstens bitter enttäuscht und zweitens in vielen Fällen umgebracht. Wie Jesus.

  • Aber findet ihr nicht, dass die Abwesenheit Gottes in diesem Buch, das ja von religiösen Themen voll ist, eben auch ein Thema ist? Satan als Herrscher zumindest der damaligen Sowjetunion?

    Die Kommunisten haben GOTT versucht zu vertreiben, mit allen Mitteln, in der Sowjetunion viel extremer als in den anderen soz. Staaten. Ich verstehe jetzt auch, was du meinst. Vielleicht wollte Bulgakow das wirklich ausdrücken.

    Danke für diesen Gedanken!

  • Die Kommunisten haben GOTT versucht zu vertreiben, mit allen Mitteln, in der Sowjetunion viel extremer als in den anderen soz. Staaten. Ich verstehe jetzt auch, was du meinst. Vielleicht wollte Bulgakow das wirklich ausdrücken.


    So habe ich das auch verstanden. Bei Bulgakow ist Gott nicht nur abwesend, weil der Roman sonst nie hätte erscheinen dürfen, sondern weil Gott als Metapher für das Gute in dieser Gesellschaft nicht anwesend ist, Satan als Metapher für das Böse aber sehr wohl. Zumindest deute ich das für mich so.


    Indirekte Verweise auf Gott und die Frage von Erbarmen und / oder Vergebung kann man übrigens erkennen, wenn man sich klarmacht, dass diese Szene um die Erlösung von Frieda im Prinzip eine Umarbeitung der letzten Szene von Faust I ist, nur mit komplett anders verteilten Rollen. Bei Goethe sitzt ja die Kindsmörderin Margarete im Kerker, der dort auch mehrfach mit einer Hölle verglichen wird. Margarete verzweifelt an der Schuld, die sie auf sich geladen hat, und möchte ihrem ehemaligen Liebhaber Faust, der sie aus dem Kerker retten will, nicht in eine Pseudofreiheit folgen, in der sie das Geschehene doch nie hinter sich lassen könnte. Beim Anblick Mephistos fängt sie an zu schreien, dass er verschwinden soll, und übergibt sich dem Gericht Gottes. Mephisto daraufhin: "Sie ist gerichtet." - Stimme von oben: "Ist gerettet."

    Margarita, die im Faust Erbarmen sucht, ist jetzt diejenige, die es spendet.


    Mit dieser Szene im Hinterkopf frage ich mich natürlich, welche Funktion es für Bulgakow nun hat, dass ausgerechnet Margarita Frieda "rettet" und dem Satan das so einerlei zu sein scheint. Zum einen denke ich, dass Bulgakow damit vielleicht sagen will, dass das Böse nicht in letzter Konsequenz personalisiert werden kann und sich auch nicht Menschen für ein böses Schicksal bewusst aussucht (auch hier im direkten Kontrast zum Faust I und nun gar auch dem Alten Testament, nämlich dem Prolog im Himmel sowie dem Buch Hiob), sondern eben einfach existiert und man ihm nur mit Menschlichkeit und Milde begegnen kann, personifiziert in dieser Szene durch Margarita und im Pilatus-Strang durch den harmlosen, menschenfreundlichen Jeschua. (Womit auch gleich noch Teile von dessen Lehren aus der Bergpredigt umgesetzt wurden, ohne dass dies explizit so benannt werden musste. :grin )


    Vielleicht werde ich irgendwann mal die Aufzeichnungen von Bulgakows Frau sowie entsprechende Fachliteratur zu Bulgakow lesen, weil mich - jenseits meiner eigenen Interpretationen - wirklich sehr interessiert, was er sich nun tatsächlich bei dem Ganzen gedacht hat oder ob es gar für ihn nichts als ein großer Klamauk mit vielen wild gestreuten Anspielungen war.

  • So habe ich das auch verstanden. Bei Bulgakow ist Gott nicht nur abwesend, weil der Roman sonst nie hätte erscheinen dürfen, sondern weil Gott als Metapher für das Gute in dieser Gesellschaft nicht anwesend ist, Satan als Metapher für das Böse aber sehr wohl. Zumindest deute ich das für mich so.

    Für mich auch.


    Vielleicht werde ich irgendwann mal die Aufzeichnungen von Bulgakows Frau sowie entsprechende Fachliteratur zu Bulgakow lesen, weil mich - jenseits meiner eigenen Interpretationen - wirklich sehr interessiert, was er sich nun tatsächlich bei dem Ganzen gedacht hat oder ob es gar für ihn nichts als ein großer Klamauk mit vielen wild gestreuten Anspielungen war.

    Hat Bulgakows Frau derartige Bemerkungen zum Roman geschrieben?


    Gerade in diesem Moment schießt mir durch den Kopf, dass Frau Bugakowa (macht man das im Russischen auch so, im Polnischen und Tschechischen jedenfalls) ja auch wie Margarita ist. Jahre-, ja jahrzehntelang begleitet sie einen Mann, der an einem wichtigen Roman herumschreibt genau wie der Meister. Hat Bulgakow hier seiner Ehefrau ein Denkmal gesetzt?:gruebel

  • Mit dieser Szene im Hinterkopf frage ich mich natürlich, welche Funktion es für Bulgakow nun hat, dass ausgerechnet Margarita Frieda "rettet" und dem Satan das so einerlei zu sein scheint. Zum einen denke ich, dass Bulgakow damit vielleicht sagen will, dass das Böse nicht in letzter Konsequenz personalisiert werden kann und sich auch nicht Menschen für ein böses Schicksal bewusst aussucht (auch hier im direkten Kontrast zum Faust I und nun gar auch dem Alten Testament, nämlich dem Prolog im Himmel sowie dem Buch Hiob), sondern eben einfach existiert und man ihm nur mit Menschlichkeit und Milde begegnen kann, personifiziert in dieser Szene durch Margarita und im Pilatus-Strang durch den harmlosen, menschenfreundlichen Jeschua. (Womit auch gleich noch Teile von dessen Lehren aus der Bergpredigt umgesetzt wurden, ohne dass dies explizit so benannt werden musste. )


    Aber warum dann Satan in Person überhaupt auftreten lassen?


    Um Margarita die Möglichkeit zu geben, anders zu sein?