Der Dunkle Garten - Tana French

  • Klappentext

    Toby Hennessy, 28, führt ein unbeschwertes Leben in Dublin. Bis er eines Nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird. Toby überlebt nur knapp, kann sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Er flüchtet sich in das »Efeuhaus« – das alte Anwesen der Familie, wo er sich um seinen sterbenden Onkel Hugo kümmern soll. Doch der dunkle Garten des Hauses birgt ein schreckliches Geheimn



    Die Autorin

    »Pflichtlektüre für alle, die unnachgiebige Intelligenz und raffinierte Plots zu schätzen wissen«, sagt die New York Times über Tana French. Die irische Autorin wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet; ihre Romane und ihre Kriminalliteratur stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Tana French wuchs in Irland, Italien und Malawi auf. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitete für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer eindrücklichen Sprache zeichnet sie markante Porträts der irischen Gesellschaft und schaut tief in die Seelen von Tätern, Opfern, Ermittlern. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im nördlichen Teil von Dublin.





    Tana French liefert diesmal keinen Polizeikrimi ab. In ihren anderen Büchern standen immer Detektives im Vordergrund. Ihr Privatleben und ihre Arbeit an einem komplizierten Fall waren das Herzstück ihrer Geschichten. Hier gibt es zwar auch Polizisten, aber die bleiben weitgehend Randfiguren. In diesem Buch steht ein junger Mann, Toby, im Mittelpunkt, und er ist kein Polizist. Zwar ist auch Toby mit all seinen Fehlern ein sehr realer Charakter, aber er ist wesentlich uninteressanter als alle Figuren, die Frenchs Bücher bisher bevölkerten und auch ausmachten.


    Toby geht leichtfüßig und sorglos durch die Welt. Ihm ist bisher alles in den Schoß gefallen. Er ist gutaussehend, seine Eltern sind gut situiert, er hat eine liebende Familie und einen guten Job. Er war beliebt in der Schule, findet überall Anschluss, hat eine reizende Freundin. Oberflächlich gesehen scheint er ein netter Kerl zu sein. Und das denkt er von sich auch. Aber er hat kleinliche Standesdünkel, ist ignorant und selbstzentriert, oberflächlich und von seinem eigenen gottgegebenen Charme völlig überzeugt. Er konnte sich bisher aus jeder Situation erfolgreich herausreden. In diesem Wissen um sein sonniges Gemüt ruht er selbstverliebt in sich selber. Bis er eines Abends in seiner Wohnung überfallen wird und nur knapp überlebt. Er behält ein paar körperliche Einschränkungen zurück. Vor allem sein Gedächtnis macht ihm Probleme. Dieser Vorfall wirft ihn total aus der Bahn und lässt ihn schwer traumatisiert zurück. Da er arbeitsunfähig ist, erklärt er sich bereit, sich um seinen sterbenden Onkel zu kümmern. Im Efeuhaus, wie das Haus seines Onkels genannt wird, hat er als Kind und Jugendlicher zusammen mit seinen Cousins viel Zeit verbracht. Eines Tages wird in einem alten Baum ein Skelett gefunden. Das bringt die Polizei auf den Plan.


    Die Handlung des Buches ist im Grunde rasch erzählt. Tana French ist nun nicht dafür bekannt, kurz und knapp zu schreiben. Ihren Erzählstil muss man mögen, denn er ist langsam und sehr ausführlich. Dabei kann sie aber so gut schreiben, vor allem auch Dialoge, das man ihr gerne über viele Seiten folgt und über Dinge liest, die im Grunde nicht besonders wichtig sind für die Grundhandlung, aber einfach viel erzählen, ergründen und die Seiten nur so verfliegen lassen. Aber um es nochmal deutlich zu sagen: Das Buch ist extrem dick. Die Geschichte um das Skelett kommt erst sehr spät ins Spiel. Es geht um viele andere Dinge, die Krimihandlung, nämlich wer ist der Tote, wie er in den Baum kam und wer dafür verantwortlich ist, ist zwar wichtig und wird auch geklärt, aber sehr langsam, sehr spät im Buch und nach vielen vielen Seiten. Man muss sich bei diesem Buch auf langsame, dialoglastige Geschichten, Familienkram und Charaktere, die viel Nabelschau betreiben, einstellen. Mehr noch als ein Krimi ist das Buch eine Charakterstudie. Toby wird vom selbstbewussten Golden Boy von einen Tag zum anderen zu einem Schatten seiner selbst. Der Überfall verursacht eine starke Persönlichkeitsveränderung. Er verliert sich selber und weiß nicht mehr, wer er ist. Denn alles, was er vorher war, wie er sich fühlte und agierte, hat sich verändert. Diesen Vorgang erleben wir in aller Länge als Leser mit.


    Die Krimihandlung ist leidlich interessant. Der Kreis der Personen ist übersichtlich, aber French fährt ein paar Twists auf, wie es dazu kam, das die Leiche eines Schulfreund von Toby im Garten des Efeuhauses landete. Interessanter ist hier eher, wie unterschiedlich die Erinnerungen sind, die Toby und seine Cousins von ihrer Schulzeit haben. Toby ist nicht nur durch seine Gedächtnisprobleme ein unzuverlässiger Erzähler. Er ging vor dem Überfall mit einer Sorglosigkeit und Ignoranz für anderer Menschen Probleme durch den Tag, das ich mich echt gewundert habe, warum ihn überhaupt jemand mochte. Toby ist ein flacher Charakter aber auch nicht gänzlich uninteressant. Er ist kein richtig typischer Unsympath oder A****loch. Und trotzdem ist er kein Sympathieträger.


    Ich finde dieses Buch sehr schwer zu bewerten. Ich bin ein großer Tana French Fan und ich habe auch dieses Buch gerne und trotz seines Umfangs recht zügig gelesen. Ich bin über weite Teile durch das Buch geflogen, einfach weil es sich so gut weglesen lässt. Aber ein wenig Straffung hätte ihm gutgetan. Oft geht es einfach zu sehr ins Detail. Muss wirklich erwähnt werden, dass jemand während eine Spaziergangs ein weggeworfenes Schokoladenpapier vom Weg aufhebt? Einfach so, ohne jeden Zusammenhang und weitere Erwähnung:unverstanden. Das mag was über den Charakter der Figur aussagen in dem Moment, das bei allem, wozu er/sie fähig ist, sich doch über die Umwelt Sorgen macht. Aber brauchte es das wirklich? Vor allem, wenn solche Dinge öfters vorkommen. Ich habe glaube ich noch nie so viel übers Rauchen gelesen. Wie man sich dabei bewegt, dass man den Rauch ausbläst, wo der Aschenbecher steht, wer das Feuerzeug hat etc. Das erschafft zwar ein plastisches Bild, aber es füllt auch einfach sehr viele Seiten mit drittrangiger Information.



    Ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe. Es hat mich unterhalten. Es hat mir auch etwas besser gefallen als ihr letztes Buch „Gefrorener Schrei“. Ich werde auch auf jeden Fall Tana Frenchs nächstes Buch lesen



    Ich habe die englische Originalversion "The Wych Elm" gelesen.

  • Danke für Deine Rezi. :-)


    Dann gebe ich dem Hörbuch noch eine zweite Chance. Hatte es nach vier Stunden entnervt abgebrochen.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Danke für Deine Rezi. Ich habe bis jetzt noch nichts von Tana French gelesen. Deine Rezi macht aber Lust darauf.:) Gerade weil Du schreibst, dass die Handlung hier etwas ausschweifend und detailreich ist. So was mag ich eigentlich ganz gerne. Ich schau mal, ob meine Biblithek das Buch vielleicht hat.