'Der Untertan' - Seiten 247 - 361

  • Ich bin mit dem Abschnitt noch nicht durch aber ich finde es genial wie Mann die Theatervorstellung mit der Unterhaltung vor der Tür verbindet.

    Ich frage mich nur, wie Diederichs Mutter darauf kommt, dass Guste die voreheliche Tochter des alten Buck sei und der junge quasi seine Schwester ehelichen wolle. Klatsch und Tratsch, was anderes bleibt den Frauen wohl nicht.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Ich bin mit dem Abschnitt noch nicht durch aber ich finde es genial wie Mann die Theatervorstellung mit der Unterhaltung vor der Tür verbindet.

    Ich frage mich nur, wie Diederichs Mutter darauf kommt, dass Guste die voreheliche Tochter des alten Buck sei und der junge quasi seine Schwester ehelichen wolle. Klatsch und Tratsch, was anderes bleibt den Frauen wohl nicht.

    "vorehelich" ? - so habe ich das eigentlich nicht verstanden, eher, dass da während der Ehe fremd gegangen wäre . . .

    Viel Abwechslung hatten die Frauen damals wohl wirklich nicht - über Politik oder Wissenschaft konnten sie nicht reden, weil sie da gleich von den Männern als nicht kompetent betrachtet wurden. Also blieben kaum andere interessante Gesprächsthemen.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Charlotte Bronté: Shirley

  • "vorehelich" ? - so habe ich das eigentlich nicht verstanden, eher, dass da während der Ehe fremd gegangen wäre . . .

    Das ist durchaus möglich. Mein Kopf ist die letzten Tage etwas wattig, was zu Konzentrationsproblemen führen kann. Aber die Krux ist wohl eher nicht, dass Guste seine Tochter sein könnte, sondern, dass sein Sohn sie heiraten will. Also die mögliche Schwester. Was für ein Skandal für das Städtchen.

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  • Ja, das artete richtig in Schlammschlacht aus. Aber Wolfgang Buck hat auch die Gelassenheit weg - ihn scheint das gar nicht zu interessieren.

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    :lesend Charlotte Bronté: Shirley

  • Ich bin mit dem Abschnitt noch nicht durch aber ich finde es genial wie Mann die Theatervorstellung mit der Unterhaltung vor der Tür verbindet.

    Ja, das war eine raffinierte Zusammenstellung.


    Was mich etwas wundert ist einerseits die Verachtung der professionellen Theaterleute und dann spielen die ehrbaren Bürger selber Theater und zeigen sogar öffentliche Küsse auf der Bühne :hmm

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  • Ja, das artete richtig in Schlammschlacht aus. Aber Wolfgang Buck hat auch die Gelassenheit weg - ihn scheint das gar nicht zu interessieren.

    Ich glaube, er nimmt Diederich nicht ernst, hält das für jugendliche Flausen. Er spricht ihn ja sogar darauf an, dass dieser erst seinen Platz finden müsse und dadurch, dass er Aufmerksamkeit erregt, wenn auch nicht auf angenehme Art, wird er ihn irgendwo finden. Dass ihn die Sache ruinieren kann, das schätzt er nicht so ein. Er ist so denke ich, ein älterer, gefestigter Herr, der sich durch Jungspunde nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Und Diederich bewundert ihn ja immer noch, leidet ihm aber sein Ansehen, das er für sich abhaben will. Dass man sich sowas erarbeiten und verdienen muss, das hat er nicht gelernt. Wie auch, bei der Erziehung.

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  • Wolfgang Buck ist etwa gleichaltrig mit Diederich und der Verlobte von Guste Daimchen. Du verwerchselst ihn hier mit dem alten Buck, auf den Deine Aussagen so zutreffen.

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    :lesend Charlotte Bronté: Shirley

  • Ja, und ich sprach vom jungen Buck. :bluemchen

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  • Ich glaube, er nimmt Diederich nicht ernst, hält das für jugendliche Flausen. Er spricht ihn ja sogar darauf an, dass dieser erst seinen Platz finden müsse und dadurch, dass er Aufmerksamkeit erregt, wenn auch nicht auf angenehme Art, wird er ihn irgendwo finden. Dass ihn die Sache ruinieren kann, das schätzt er nicht so ein. Er ist so denke ich, ein älterer, gefestigter Herr, der sich durch Jungspunde nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Und Diederich bewundert ihn ja immer noch, leidet ihm aber sein Ansehen, das er für sich abhaben will. Dass man sich sowas erarbeiten und verdienen muss, das hat er nicht gelernt. Wie auch, bei der Erziehung.

    Der alte Buck ist einfach zu gut für diese Welt. Er glaubt scheinbar, dass Diederichs Verhalten nur eine Stufe zum Erwachsenwerden ist, eine Phase, die sich wieder gibt. Er will in ihm etwas Gutes sehen und würde ihm wahrscheinlich noch die Hand reichen und wieder aufhelfen, wenn er am Boden liegt. Leider täuscht er sich da, Diederich würde ihn im umgekehrten Fall wohl in einen Graben schubsen, wenn das zu seinem Vorteil wäre.

    Ich mag den alten Mann. Ob er diese außereheliche Affaire mit Gustes Mutter tatsächlich hatte, weiß ich nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass er als junger Mann auch mal über die Stränge geschlagen hat. Daher kommt vielleicht sein Verständnis für den jugendlichen Leichtsinn für Diederich und natürlich auch für seine eigenen Kinder und Schwiegerkinder.

    Der junge Buck ist da schon ein anderes Kaliber. Er ist intelligenter und weltoffener als Diederich. Der Vater ermöglicht ihm aber auch sich auszuprobieren, sei es nun als Jurist oder als Schauspieler. Hier sieht man deutlich wie unterschiedlich die beiden jungen Männer erzogen wurden. Dem jungen Buck scheint der vermeintliche Skandal ja auch gerade recht zu kommen. So kann er die Verlobung auflösen und ans Theater gehen.

  • Ich fand gerade die Unterhaltung zwischen dem jungen Buck (nicht, dass es wieder Verwechslungen gibt) und Diederich interessant. Wie er Diederichs Nationalismus auseinandernimmt, auf die Bilder mit der Trikolore hinweist, und Diederichs Argumente dazu hernimmt sie zu entlarven und sie zu widerlegen. Was Diederich aber nicht begreift.

    Da zeigt sich die liberale und politisch freie Erziehung, er ist imstande, zu denken ohne Phrasen zu dreschen oder sich an althergebrachte Denkweisen zu klammern.

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  • Ich fand gerade die Unterhaltung zwischen dem jungen Buck (nicht, dass es wieder Verwechslungen gibt) und Diederich interessant. Wie er Diederichs Nationalismus auseinandernimmt, auf die Bilder mit der Trikolore hinweist, und Diederichs Argumente dazu hernimmt sie zu entlarven und sie zu widerlegen. Was Diederich aber nicht begreift.

    Da zeigt sich die liberale und politisch freie Erziehung, er ist imstande, zu denken ohne Phrasen zu dreschen oder sich an althergebrachte Denkweisen zu klammern.

    Das stimmt bzw. das sehe ich auch so. Der junge Buck hat viele Dinge verstanden, die Diederich nie begreifen wird.

  • Kann mir jetzt mal bitte jemand sagen, warum Diederich unbedingt die Firma verkaufen musste? Was war denn mit diesem Wulckow? Womit hat er ihn in der Hand? Mein Kopf ist so Schnupfen geplagt, dass der das nicht so mitbekommt. Will Diederich nun vom Vermögen seiner Frau leben? Das reicht doch nicht, bei dem Lebensstil den er pflegt. Und Mutter und Schwester muss er doch auch mit versorgen. Geht es da um das Grundstück? Oder die Konkurrenz im Papierhandel?

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  • So ganz habe ich das auch noch nicht durchschaut. Mir schien es vornehmlich um eine Machtdemonstration von Wulckow zu sein. Er fühlte sich durch Diederich in Richtung Begünstigung seiner Papierfabrik manipuliert und hat da rigoros mit der Drohung der Beamtenbestechungsanklage reagiert und gleich noch gefordert, dass Diederich sein Grundstück dem Säuglingsheimplan zur Verfügung stellt. Bei der Szene habe ich mich gefragt, wer da eigentlich der Hund ist.


    Mit diesem Abschnitt bin ich noch nicht ganz durch. Die Idee von Diederich mit der Mitgift seiner Guste nach Berlin zu ziehen widerspricht doch seinen Plänen in der überschaubaren Heimatstadt ein einflussreicher Bürger zu werden. In Berlin hätte er doch darin gar keine Chance.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Charlotte Bronté: Shirley

  • Mit diesem Abschnitt bin ich noch nicht ganz durch. Die Idee von Diederich mit der Mitgift seiner Guste nach Berlin zu ziehen widerspricht doch seinen Plänen in der überschaubaren Heimatstadt ein einflussreicher Bürger zu werden. In Berlin hätte er doch darin gar keine Chance.

    Ich glaube das war nur Angeberei. Nie würde er die errungenen Positionen freiwillig aufgeben.

    Danke, ich dachte sie wollten, dass er die Fabrik verkauft, das Grundstück grenzt doch an, oder? :gruebel

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  • Ich glaube auf dem Grundstück steht sein Elternhaus - bin mir aber nicht ganz sicher, ob es nicht doch das angrenzende Grundstück ist, das er für seine Fabrikerweiterung vorgesehen hatte.

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  • Gerade habe ich den Opernbesuch von Diederich und Guste gelesen und habe mich sehr amüsiert über seine dummen Bemerkungen danach. Er will Richard Wagner ein Glückwunschtelegramm für seinen Lohengrin schreiben. Guste weiß wenigstens, dass Wagner schon (etwa) zehn Jahre tot ist. :chen

    Dann seine Abstufung und Klassifizierung der Kunst - Romane gehören nicht dazu, weil so undeutsch - was ja schon der Name sagt :chen um von ihm als deutsche Kunst angesehen zu werden, müsste es wahrscheinlich nicht Roman sondern German heißen!

    :rofl

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


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  • Der Opernbesuch war Persiflage pur. Das fand ich köstlich. Allerdings war mir im Magen gelegen, dass Wagner Hitlers Lieblingskomponist war. Sehr vorausschauend von Mann, diesen Komponisten bzw. seine Opern zu entlarven.

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