Bücher über D/DDR, die vor der Wende veröffentlicht wurden

  • Hallo Büchereulen!


    Ich habe mich ganz neu hier angemeldet, weil ich hoffe, ein paar Tipps zu bekommen.


    Ein Thema, das mich sehr interessiert, ist die deutsche Teilung, vor allem der Alltag in dieser Zeit. Durch Zufall habe ich vor einigen Jahren auf dem Bücherflohmarkt an der Uni das Buch "Mit dem Wind nach Westen" von Jürgen Petschull entdeckt und fand es so fesselnd, dass ich es seitdem schon mehrmals gelesen habe. Darin war unter anderem eine Leseprobe des Buchs "Leben in der DDR" von Eva Windmöller und Thomas Höpker abgedruckt - das habe ich mir dann gebraucht bestellt. Ebenfalls auf dem Flohmarkt fand ich ein weiteres, sehr spannendes Buch: "Operationsgebiet Bundesrepublik" von F.-W. Schlomann. Und dann besitze ich noch einen Zitty-Reiseführer "Anders reisen Berlin" von 1987.


    Allen diesen Büchern über die deutsch-deutsche Teilung ist gemeinsam, dass sie noch vor der Wende geschrieben wurden. Da die Sicht aus dieser Zeit einen besonderen Reiz für mich darstellt, würde ich mich über Tipps für weitere solche Bücher freuen!


    Viele Grüße,

    Chalet :)

  • Wolfgang Hilbig: Ich

    Der Schriftsteller und Stasi-Spitzel »Cambert« soll einen mysteriösen Autor beschatten, der »feindlich-negativer« Ziele verdächtigt wird. Da dieser Autor nie den Versuch macht, seine Texte zu veröffentlichen, ist der Verdacht jedoch schwer zu erhärten. »Camberts« Zweifel an der Notwendigkeit seiner Aufgabe, die ihn zu unheimlichen Expeditionen durch Berliner Kellergewölbe zwingt, wachsen mit der Unsicherheit, ob sich das Ministerium für Staatssicherheit für seine Berichte überhaupt interessiert. Immer öfter plagt ihn die Ahnung, nicht einmal seine Person werde ernst genommen. In dem muffigen Zimmer zur Untermiete bei Frau Falbe, die ihm keineswegs nur Kaffee kocht, verschwimmen ihm Dichtung und Spitzelbericht so sehr, daß er bald nichts mehr zu Papier bringen kann. Tief sitzt die Angst, unter dem Deckmantel »Cambert« könnte der lebendige Mensch längst verschwunden sein. Hilbigs Thema in diesem Roman ist die Verwicklung von Geist und Macht. Er untersucht sie am Beispiel eines Literaten, der zu einem Spitzel der Staatsgewalt geworden ist.


    Novak: Vogel federlos zeitlich anschließend, hat die Schuljahre in der Nähe von Berlin zum Thema, Jahre, in denen das Bewußtsein der Schüler allein von der Utopie eines sozialistischen Lebens in einem neuen, ganz anderen Deutschland geprägt ist. Gleichzeitig erzählt Helga M. Novak aber, wie dieses Bewußtsein an sich selbst zu zweifeln beginnt, wie gerade das, was die Schüler vor allem lernen und begreifen sollen, mit den Jahren immer fragwürdiger wird.

    Wie kein zweites Werk schildern "Die Eisheiligen" und »Vogel federlos« eine Kindheit und Jugend in Deutschland während des Faschismus und in den frühen Jahren der DDR. Heute, zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR, läßt sich bei Helga M. Novak nachlesen, wie dort begann, was vierzig Jahre später zusammenbrach.

  • Ich habe Der Erste, Der Zweite und Der Letzte gelesen. Der Erste bereits vor zwanzig Jahren als das Thema noch aktueller war. Damals hatte es mir sehr gut gefallen. Landolf Scherzer begleitete den ersten SED-Kreissekretär von Bad Salzungen einen Monat lang und seine Erfahrungen und Gedanken wie ein Tagebuch geschrieben. Sehr interessant und sehr ehrlich. Und besonders, da dieses Buch auch noch in der DDR selbst erschienen ist.


    In Der Zweite wird Bad Salzungen nach der Wende besucht. Einige Personen des ersten Buches tauchen darin wieder auf, einen Kreissekretär gibt es nicht mehr, dies ist nun ein Landrat und den Posten hat eine ehemaliger Bundeswehrsoldat inne. Als Ergänzung zum Ersten gefiel mir das auch gut.


    Der Letzte habe ich erst vor einigen Jahren gelesen. Hier fehlte mir nach der langen Zeit auf dem SUB die Aktualität und der Zugang. Ich fand es letztlich langweilig.

  • Auch von mir nochmal ein Dankeschön! Ich kann mich in dem Zusammenhang auch noch an ein dickes Buch (eventuell von Reader's Digest herausgegeben?) erinnern, das wohl kurz vor der Wende erschienen ist. Darin wurden deutsche Städte in West und Ost beschrieben, ungefähr 1-2 Seiten pro Stadt, und jeweils ein Bild dazu. Das Buch war ein ziemlicher Wälzer mit weißem Einband, und zuerst waren in alphabetischer Reihenfolge die westdeutschen Städte dran, und danach die ostdeutschen. Bei einer ostdeutschen Stadt ist mir in Erinnerung geblieben, dass das zugehörige Bild das Schaufenster eines Ladens zeigte. Dort waren keine Waren ausgestellt, sondern nur Bilder und Sozialismus-Parolen (wegen des Engpasses an Waren, so wurde erklärt). In der Einleitung zum Ost-Teil des Buches stand, dass man viel öfter "rüber" fahren sollte, weil sich die Menschen in der DDR sehr freuen würden, wenn man sich mehr für ihr Land interessiert.

    Sagt das irgendwem vielleicht was?


  • Auch nach dem Mauerfall erschienen:


    SED SCHÖNES EINHEITS DESIGN


    Gibt es nur gebraucht.

    Wie lustig, genau auf diesem Buch steht gerade mein Laptop drauf. ^^ (Das verwende ich wegen des passenden Formats immer als Laptop-Unterlage, wenn ich abends im Bett noch am PC bin.)


    Vor ca. 10 Jahren hatte ich das Buch in einem Museums-Shop entdeckt und sofort gekauft. Das kann man echt immer wieder ansehen und wird nicht langweilig.


    Danke auch für den Link zu dem Verlag, werde ich mal durchforsten!