Der politische Teil kommt mir vor als bestünde er aus Orginalzitaten, furztrocken und blutleer. Die Autorin beschreibt ihre Figuren mit viel mehr Emotion, mit Liebe und Kraft. Das Dozieren über die Sozialdemokratie ist dagegen einschläfernd.
Ich habe mich von Originalschriften inspirieren lassen, aber versucht, das dann entsprechend anzupassen. Ich wollte versuchen, die tatsächliche Denkweise der damaligen Sozialdemokraten darzustellen, die ja noch ganz anders waren als die heutige SPD.
Marthas Vater scheint nunals Leierkastenmann und mit dem Affen Koko sein Auskommen zu machen –ich hoffe, er bleibt auch weiterhin trocken. Stark fand ich seinenAuftritt beim Fest im Krankenhaus, als er Augustes Vater souverän indie Schranken weist. Bei so einem Vater wie Feldbehn braucht man sichnicht wundern, warum die Tochter so ein Widerling ist. Wobei einem Auguste dennoch auch ein bißchen leid tun kann, mit so einem Vater gestraft zu sein. Ob die Mutter wohl auch so ein Aas ist? Oder eher Opfer ihres Mannes? Ob wir das noch erfahren werden?
Und nun erfolgt auch dervon mir erwartete Auftritt des frisch gebackenenMaschinenbauingenieurs Paul Studt! Er kommt ja aus ähnlich kleinenVerhältnissen wie Martha, doch er konnte studieren, auch wenn beideElternteile der Cholera zum Opfer fielen. Er geht Martha nicht ausden Gedanken. Stark ihrer beider Engagement, als es um den Streik derHafenarbeiter geht. Hierzu habe ich mich gerade auch eingelesen, denndarüber wußte ich bislang auch nur, dass es diesen Streik einmalgab. Das birgt natürlich mehrere Gefahren, sowohl ihr politischesEngagement als auch ein möglicher (und wie wir wissen ) künftiger, intensiverer Kontakt zu Studt.
Bei mir entstehen bleibende Beziehungen ja immer durch gemeinsame Interessen der Protagonisten, nicht durch das klassische Verlieben auf den ersten Blick, das sonst so gern in historischen Romanen beschrieben wird. Dafür bleiben die Beziehungen dann stabiler
- meine Geschichten enden deshalb nicht mit dem Happy End, wenn sie sich kriegen, sondern das ist der Anfang einer neuen Geschichte mit zwei Hauptfiguren ;-).
Und ja, Marthas Vater brauchte einfach wieder ein neues, erreichbares Ziel.