Beiträge von MelanieM

    Die Geschichte geht dann 1913 weiter und viele offene Fragen werden beantwortet. Milli und Moritz bleiben noch wichtig. Martha und Paul haben im nächsten Band zu Beginn schon ihre drei Kinder. Rudolf, Alfred und Elli. 1905, 1907 und 1910 geboren. Aus dem vorlauten Rudolf, genannt Rudi (er hat aber nix mit dem "schönen" Rudi gemein, das war damals eben ein häufiger Vorname) wird später der reiche Onkel aus Amerika. Wie es dazu kommt, wird dann aber erst in Hafenschwester 3 erzählt.

    Millie weis nicht genau was sie will. Sie weis was für einen Traum sie hat, aber ob es soweit kommt weis sie nicht. Daher hält sie sch den armen Trottel als Notnagel, nicht die feine Art, aber eben was soll sie machen.

    Also Moritz wird m.E. nicht hingehalten, sondern sie sagt ihm von Anfang an, was sie vorhat und erwartet. Sie ist immer ehrlich zu ihm. Er hofft nur, dass er sie noch umstimmen kann.

    Ich bin ja schon sehr froh, dass wir die Studts ja auch nach dem Buch noch eine Weile weiter begleiten werden. Ich mag dieses Umfeld von Martha und ihrer Familie einfach zu gerne

    Aktuell schreibe ich gerade Band 4 mit der jungen Ärztin Renate Studt, der Schwiegerenkelin von Martha, und bin im Jahr 1962 angekommen. Martha hat gerade mit der Hamburger Sturmflut und einem schweren Verlust zu kämpfen. Sie bleiben uns also erhalten ;-)

    Dass es Heinrich so gut geht freut mich sehr. Er wird seinen Weg machen. Und auch dass es Vater Westphal schafft, dank Koko und Leierkasten einigermaßen über die Runden zu kommen. Koko ist ja auch so eine Art Kind um das er sich kümmern muss und er hat Ansprache.

    Genau, Koko ist das Wesen, das ihn zurück ins Leben holt, und er hat nun wieder eine Aufgabe. Damals waren Leierkästenmänner mit Affen ja sehr beliebt, auch wenn der Tierschutz heute aufschreien würde. Aber damals dachte man sich nichts Böses dabei. Und Marthas Vater behandelt den Affen auch gut.

    Millis Trick mit dem widerlichen Vormund von Anna gefällt mir auch. Nur nichts gefallen lassen. 👍 Hoffentlich zieht Joseph sie aber nicht noch weiter runter. Aber im Moment versucht sie ja wohl durch die Auswahl ihrer Kunden in die besseren Kreise zu kommen.

    Joseph ist in den Büchern um Renate schon verstorben, aber er wird erwähnt ;-) . Der begleitet uns auch durch alle drei Bände und macht eine interessante Entwicklung durch.

    Der politische Teil kommt mir vor als bestünde er aus Orginalzitaten, furztrocken und blutleer. Die Autorin beschreibt ihre Figuren mit viel mehr Emotion, mit Liebe und Kraft. Das Dozieren über die Sozialdemokratie ist dagegen einschläfernd.

    Ich habe mich von Originalschriften inspirieren lassen, aber versucht, das dann entsprechend anzupassen. Ich wollte versuchen, die tatsächliche Denkweise der damaligen Sozialdemokraten darzustellen, die ja noch ganz anders waren als die heutige SPD.



    Marthas Vater scheint nunals Leierkastenmann und mit dem Affen Koko sein Auskommen zu machen –ich hoffe, er bleibt auch weiterhin trocken. Stark fand ich seinenAuftritt beim Fest im Krankenhaus, als er Augustes Vater souverän indie Schranken weist. Bei so einem Vater wie Feldbehn braucht man sichnicht wundern, warum die Tochter so ein Widerling ist. Wobei einem Auguste dennoch auch ein bißchen leid tun kann, mit so einem Vater gestraft zu sein. Ob die Mutter wohl auch so ein Aas ist? Oder eher Opfer ihres Mannes? Ob wir das noch erfahren werden?


    Und nun erfolgt auch dervon mir erwartete Auftritt des frisch gebackenenMaschinenbauingenieurs Paul Studt! Er kommt ja aus ähnlich kleinenVerhältnissen wie Martha, doch er konnte studieren, auch wenn beideElternteile der Cholera zum Opfer fielen. Er geht Martha nicht ausden Gedanken. Stark ihrer beider Engagement, als es um den Streik derHafenarbeiter geht. Hierzu habe ich mich gerade auch eingelesen, denndarüber wußte ich bislang auch nur, dass es diesen Streik einmalgab. Das birgt natürlich mehrere Gefahren, sowohl ihr politischesEngagement als auch ein möglicher (und wie wir wissen ) künftiger, intensiverer Kontakt zu Studt.

    Bei mir entstehen bleibende Beziehungen ja immer durch gemeinsame Interessen der Protagonisten, nicht durch das klassische Verlieben auf den ersten Blick, das sonst so gern in historischen Romanen beschrieben wird. Dafür bleiben die Beziehungen dann stabiler ;-) - meine Geschichten enden deshalb nicht mit dem Happy End, wenn sie sich kriegen, sondern das ist der Anfang einer neuen Geschichte mit zwei Hauptfiguren ;-).


    Und ja, Marthas Vater brauchte einfach wieder ein neues, erreichbares Ziel.

    Ich kenne da auch noch Geschichten - zum Glück nur vom Hörensagen und nicht von der eigenen Familie - von Familienvätern, die am Freitag die Lohntüte in die Hand gedrückt bekamen und auf dem Heimweg erst mal ordentlich in der Kneipe versackt sind. Zuhause hat die Frau dann versucht, der Tüte habhaft zu werden, um Miete, Strom und Lebensmittel zu bezahlen. Früher war auch das "Feierabendbier" auf dem Heimweg von der Arbeit noch ganz selbstverständlich.


    Ich kenne sowas gar nicht. Auch wenn meine Familie durchaus feuchtfröhlich gefeiert hat, wurde bei uns im Alltag zum Glück schon immer wenig getrunken. Ich fand das auch immer sehr befremdlich, wenn bei Bekannten bereits zum Mittagessen oder auch zum Abendessen ganz selbstverständlich Bier oder Wein auf dem Tisch standen. Das gab es bei uns nur ausnahmsweise bei feierlichen Anlässen. :gruebel

    Bis in die 80er Jahre war es noch normal, auf Baustellen während der Arbeit Bier zu trinken.

    Was mich hier wirklichschockiert: Martha und Milli sind Teenager. Heinrich gerade mal 12.Was diese Menschlein schon mitmachen müssen und zu leisten imstande sind.Auch wenn es damals ganz andere Zeiten waren – wenn ich mir damanche Kinder von heute ansehe, die gefühlt noch nicht mal in derLage sind, ihre Schuhe zuzubinden. Andererseits: angesichts derdamaligen Zustände hatten wohl nur die Kinder reicher Familien eineKindheit. Alle anderen mussten schnellstens erwachsen werden.

    Ich denke, Kinder können auch heute noch sehr schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. In der Psychiatrie nennt man das "Parentifizierung" - wenn ein Elternteil ausfällt und die Kinder diese Aufgabe übernehmen, um den verbleibenden Elternteil oder jüngere Geschwister zu versorgen. Kindheit, wie wir sie heute kennen, ist ein Luxus. Marthas Eltern haben sich darum bemüht, sie ihren Kindern zuzugestehen, aber das Schicksal ließ ihnen nicht die Chance dazu. Wir befinden uns in einem Aufbruch - zum ersten Mal kann die Unterschicht, zu der Martha und Milli gehören, vorsichtig die Barriere zur besseren Schicht durchbrechen. Marthas Eltern wollten das ja schon für Heinrich, mit dem Gymnasium. Aber dann scheiterte es an den Gegebenheiten. Im Laufe der Trilogie wird man erleben, was Martha und Milli trotz all der Widrigkeiten, die sie in dieser Zeit auch zu erwarten haben, aus ihrem Leben machen.

    Ich frage mich, ob ich den Anhang mit den "Psychologischen Biographien" jetzt bereits lesen dürfte oder besser noch abwarte?

    Die habe ich erst für die Taschenbuchausgabe geschrieben, im Original waren sie nicht dabei. Lies sie lieber erst am Ende. Sie spoilern.

    Wobei immer daran zu denken ist, Volljährig nichts mit noch zwei Jahren ab 16, das waren noch fünf bis 21.

    Und bis dahin hätte der Stiefvater ihr die Ehe auch noch verbieten können, damit sie weiter Geld ranschafft. Außer, Moritz hätte ihn windelweich geprügelt, damit er nachgibt ;-)

    Denn Schwestern im Geiste werden sie wohl werden, auch wenn Martha in der Hinsicht noch recht unbedarft ist. Ich musste schmunzeln, als Carola bei bestimmten Nachfragen Marthas die Augen rollte.

    Warten wir es ab ;-)

    Aber wenn ich mir einen 12jährigen allein auf einem Schiff, nur dem Wohlwollen eines Kapitäns und der Mannschaft ausgesetzt, vorstelle, finde ich schon, dass da Mut dazugehört.

    Er war zuhause so verzweifelt, Mutter und eine Schwester tot, die zweite Schwester außer Haus und der Vater versinkt saufend im Selbstmitleid. Da kam ihm alles besser vor. Er war mehr verzweifelt als mutig, aber mutig genug, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und sich einen Traum zu erfüllen.

    Die Autorin beschreibt nicht das Verhalten einer Co- abhängigen Familie, die heutzutage die Krankheit Alkoholismus schambehaftet verdrängt. Offenbar war diese Scham noch nicht entwickelt.

    Damals gehörte Saufen dazu. Gerade in der Unterschicht. Da wurde die Familie eher bemitleidet, und mein Vater erzählte mir noch Geschichten von Frauen, die den Lohn selbst abholten, damit die Männer ihn nicht gleich vertranken. Das war damals Gang und Gäbe, und das habe ich dann einfach mit eingebaut.

    Dass der Heinrich geht verstehe ich auch. Aber da gehört schon Mut dazu, als 12jähriger allein in die Welt zu segeln

    Damals war Schiffsjunge ein richtiger Beruf. Das war das erste Lehrjahr zur dreijährigen Vollmatrosenausbildung. Deshalb ist es auch so wichtig, dass der Vater den Ausbildungsvertrag unterschreibt. Und wie überall kommt es darauf an, wo man anheuert. Ein anständiger Kapitän legt wert darauf, dass der Vater den Vertrag unterschreibt. Ein zwielichtiger Bursche, der Kinder ausbeuten will, nicht.


    Zu deiner Spoiler-Frage - nein, das ist er nicht.

    Ja, der Alkohol war und ist ein völlig anerkanntes "Beruhigungsmittel" - was dann später zu großen Problemen führt.

    In der Psychiatrie haben wir ja auch mit Entzugsbehandlungen zu tun. Aktuell arbeite ich zwar als Gutachterin, aber ich lese dann auch immer wieder Arztbriefe über Suchtpatienten. Oft ist der Alkohol der Versuch der Selbstmedikation bei einer depressiven Entwicklung dahinter - bis die irgendwann unsichtbar wird, weil die Suchterkrankung alles überlagert.


    Worüber ich dann immer den Kopf schüttle - schon als ich noch direkt am Patienten gearbeitet habe, aber auch jetzt als Gutachterin: Man bietet den Alkoholikern an, ihre Depression mit Medikamenten sinnvoll zu behandeln. Und was sagen Leute, die sich täglich 1-2 Flaschen Korn einkippen dann oft: "Nee, das sind ja Psychopharmaka, die will ich nicht, die sind schädlich."


    Wenn mir das damals Patienten gesagt haben, habe ich denen erst mal erklärt, dass Psychopharmaka ein Oberbegriff ist, das Antidepressiva nicht abhängig machen und auch nicht schädlich sind, sondern gezielt die Botenstoffungleichgewichte behandeln, die die Depression auslösen. Schädlich ist es, wenn man täglich 1-2 l scharfen Schnaps in sich schüttet und damit seine inneren Organe zerstört. Ich habe das natürlich deutlich diplomatischer erklärt. Meistens hat es dann gefruchtet, aber es gab auch die Hardcore-Alkoholiker, die meinten, alles, was nur auf Rezept erhältlich ist, ist schädlich, Alkohol sei nicht so schädlich, weil man den überall so kriegt. Dann wusste ich, da war der Verstand schon mit betroffen ...