Leila Slimani - All das zu verlieren

  • Titel: All das zu verlieren

    Autorin: Leila Slimani

    Übersetzt aus dem Französischen von: Amelie Thoma

    Verlag: Luchterhand

    Erschienen: Mai 2019

    Seitenzahl: 218

    ISBN-10: 363087553X

    ISBN-13: 9783630875538

    Preis: 22.00 EUR


    Das sagt der Klappentext:

    Nach außen hin führt Adele ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adele dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.


    Die Autorin:

    Die französisch-marokkanische Autorin Le‹la Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Für den Roman Dann schlaf auch du® wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. „All das zu verlieren“, ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern. In den Essaybänden „Sex und Lügen“ und „Warum so viel Hass?“ widmet Leila Slimani sich dem Islam und dem Feminismus sowie dem zunehmenden Fanatismus. Seit 2017 ist Leila Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris.


    Meine Leseeindrücke

    Dieses ist eines jener Bücher, wo das Feuilleton mal wieder kollektive Schnappatmung bekommt – und sich der Lese fragt: Wieso eigentlich? Zugegeben, es ist ein lesbarer, ein guter Roman – aber eben kein Roman der einen vor Ehrfurcht erstarren lässt und dem man die Stiefel lecken möchte. Dazu besteht nämlich absolut kein Anlass.

    Die Hauptperson dieses Romans, die Journalistin Adele, geht einem sehr schnell auf den Zeiger, wenigstens mir ging es so. Eine Frau die offenbar der Ansicht ist, das alles was sich nicht um sie dreht nur von nach geordnetem Interesse ist, sie ist nicht nur der Nabel der Welt, nein sondern auch die Steigerung davon.

    Eine Frau, die einem gehörig auf die Nerven gehen kann – und es auch tut.

    Sie vögelt sich offenbar aus Langeweile durch die Gegend und ist irgendwann dann aus eigenem Verschulden das jammernde Elend.

    Es wäre wünschenswert gewesen, wenn dieser Roman an einigen Stellen nicht nur an der Oberfläche kratzen würde, sondern auch versucht hätte sie ohne Wenn und Aber zu durchbrechen.

    Ein lesenswerter Roman, allerdings mit einigen Schwächen.

    Vermessen ist allerdings wenn man Adele als „moderne Madame Bovary“ bezeichnet. Da hat dann jemand den Roman von Gustave Flaubert wohl nicht aufmerksam genug gelesen.

    6 Eulenpunkte – mehr war leider nicht drin.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • All das zu verlieren – Leila Slimani

    Mein Eindruck:

    Bei mir hat das Buch darunter gelitten, dass es nicht wirklich der neue Roman der Autorin ist (wie ich gedacht habe) sondern älter als ihr Erfolgsroman „Dann schlaf auch du“, nur eben jetzt erst in Deutsch übersetzt.

    Mir war auch die Thematik nicht wirklich bewusst. Eine so zerrissende Figur, die aus Langeweile und Ziellosigkeit selbstzerstörerisch agiert, ist mir selten vorgekommen.

    Kein Wunder, dass Adéle kaum als Sympathieträgerin oder Identifikationsfigur taugt.

    Überzeugend dann aber wieder Leila Slimanis schnörkelloser Schreibstil, der sachlich wirkt und nicht wertet.


    Ich gebe Voltaire aber vollkommen Recht, dass man noch deutlich mehr daraus hätte machen können . Die Figur und die Situation hätte sich weiter entwicjkeln können. Dafür wären aber vermutlich mindestens 100 Seiten mehr erforderlich gewesen und Leila Slimani bevorzugt die kurze Form.

    Doch man sollte wohl nicht unterschätzen, was es noch immer für eine Autorin mit maghrebinischen Wurzeln bedeutet, so offen und kompromisslos über Themen der Sexualität zu schreiben.

  • Lustig - ich fand, das war ein ganz wunderbares Buch. :)


    Wie froh ich bin, dass ich es gelesen habe - ich hätte sonst etwas (in meinen Augen) Gutes verpasst.


    Das Buch scheint auf den ersten Blick hochgradig sexuell zu sein - es gibt quasi auf jeder Seite Sex. Doch es erzählt im Grunde keine Geschichte der Leidenschaft, keine Liebegeschichte. Es erzählt die Geschichte eines weiblichen Eingesperrtseins.


    Wie kann man einen Roman schreiben, in dem man über das Bild der Sex-Sucht etwas anderes erzählen möchte, das aber ebenso über Grenzen geht? So wie Leila Slimani es tut: in einer herrlich unterkühlten Sprache.


    Im Grunde ist das ein Buch, das man in einem einzigen Satz inhaltlich zusammenfassen könnte, die Story ist dünn. Aber es geht für mein Gefühl auch nicht um die Story - es geht um einen Zustand, den die Autorin zu zeigen versucht.


    Sie erzählt von einem extremen (Lebens-)Hunger, der nicht durch Selbstverwirklichung gefüllt wird und sich andere "Füllung" sucht.

    Dabei hätte es übrigens nicht die Sexsucht sein brauchen, wie hier. Die Autorin hätte auch Drogen, Alkohol, Fresssucht, Pornografie, Spielsucht für ihre Protagonistin wählen können - das hätte alles genauso gut funktioniert und dasselbe erzählen können. Sie wählt die Sexsucht, das macht es natürlich etwas "pikanter", damit zu einem Roman, den wir wahrscheinlich als "typisch französich" bezeichnen würden.


    Leila Slimani erzählt in diesem Buch n i c h t über eine Frau, die sexuell selbstbestimmt ihre Lover wählt, um sich damit zu befrieden - sie erzählt von einer wilden Suche nach etwas, was die Protagonistin, nicht richtig fassen kann und - aus Verzweiflung - im Sex zu finden versucht. Sie bleibt immer unbefriedigt, denn es ist eben nicht diese "Füllung", die sie braucht.


    "All dies zu verlieren" zeigt eine Frau, die unter ihrer inneren (geistigen & emotionalen) Unausgefülltheit leidet, unter dem Fehlen einer Verantwortung, die übers enge Private hinausgeht, unter einem falschen Lebensweg, den sie selbst gewählt hat, um "dazuzugehören", es zeigt damit auch das Eingesperrtsein in einer Geschlechterrolle.


    Ich habe dieses Buch sehr genossen. Es hat mich in seiner stillen Art des Erzählens an Marlen Haushofers "Die Wand" erinnert - auch das eine scheinbar kleine Geschichte, die aber ein größeres (feministisches) Thema trägt.


    Warum trotzdem nur acht Punkte?

    Ich bin sehr verwöhnt von "Uns gehört die Nacht" von Jardine Libaire, das zwar inhaltlich viel schwächer ist als "All das zu verlieren", aber sprachlich eine Bombe. Ich hätte mir schlicht und einfach ein wenig mehr Sprachkraft gewünscht - dann wäre dieses Buch (für mich) perfekt gewesen.


    So aber ist für mich es ein guter und zu empfehlender Roman!

  • Meine Meinung zum Buch:



    Titel: Eine Frau, die zu viel will...


    Auf Empfehlung habe ich diesen Roman gelesen und ich wusste nach der Lektüre gar nicht so richtig was ich empfinden soll. Die optische Aufmachung finde ich sehr gelungen, da man in der rauchenden Frau die Hauptakteurin wiedererkennt.



    In der Geschichte geht es um die verheiratete Adèle, die alles im Leben hat und dennoch nicht glücklich ist. Immer wieder bricht sie aus dem Ehealltag aus und vernachlässigt ihre Pflichten. Wird ihr das bald zum Verhängnis werden?



    Adèle als Charakter war keine Person, die ich sonderlich mochte. Sie wirkte auf mich sehr arrogant und ichbezogen. Ihre sexuellen Eskapaden lasen sich für mich zwar äußerst interessant, aber viele ihrer Stelldicheins fand ich eher abstoßend und ich konnte nicht ganz nachvollziehen warum sie dies tut. Erst als man ihre Mutter kennenlernt, ahnt der Leser warum sie so geworden ist.



    Richard als gehörnter Ehemann hat mir persönlich recht gut gefallen, weil er sehr viel für seine Familie tut. Allerdings haben seine Abwesenheit durch zu viel arbeiten und seine Beziehung zum Thema Sex sicher dazu beigetragen, dass Adèle so agiert.



    Der kleine Lucien, der Sohn des Ehepaares, hat mir unheimlich Leid getan. Man spürte wie sehr er seine Mutter braucht, die ihn aber immer wieder irgendwo abgibt und schlichtweg vernachlässigt.



    Der Autorin ist es sehr gut gelungen aufzuzeigen was in einer Gesellschaft passiert, in der die Menschen alles haben und dennoch nicht glücklich sind.



    Auch wenn ich den Roman nicht mit großem Genuss gelesen habe, so hat er doch bei mir einen Punkt getroffen, da mich das Ganze letztendlich doch irgendwo berührt hat.



    Fazit: Interessante Lektüre, die mich sehr nachdenklich gestimmt. Gern spreche ich eine Empfehlung aus.


    Bewertung: 8/ 10 Eulenpunkten

  • Auf den ersten Blick führt Adèle das perfekte Leben, von dem andere Frauen nur träumen. Sie arbeitet als Journalistin, ist mit dem erfolgreichen Chirurgen Richard verheiratet, hat einen kleinen Sohn und die perfekte Wohnung in Paris, in einer guten Lage. Doch innen drin sieht es bei Adèle anders aus. Nie ist sie zufrieden mit ihrem Leben, nichts ist ihr genug. Getrieben von ihrer Sucht nach Sex, nimmt sie jedes Abenteuer mit. Immer tiefer gerät sie in diesen Abgrund. Auf der anderen Seite wirkt sie hilflos, oftmals wie ein kleines Kind. Ohne Richard würde sie nicht zurechtkommen. Adèle ist gut im vertuschen, hat sie doch eine riesige Angst davor, all das zu verlieren.

    Lakonisch und eindringlich beschreibt die Autorin hier Adèles innere Zerrissenheit. Für den Einstieg habe ich etwas gebraucht, da sich hier ihre sexuellen Eskapaden aneinander reihen. Sympathisch wurde sie mir bis zum Schluss nicht, sie tritt mit einer unglaublichen Arroganz ihren Mitmenschen gegenüber auf, immer mit einem Blick von oben herab. Sie gerät immer tiefer in den Sog, braucht es immer härter, während sie oftmals ihren Sohn Lucien völlig vernachlässigt.

    Die Autorin gewährt Einblicke in die Kindheit, doch wirklich nachvollziehen, warum sie so agiert, warum sie nie zufrieden ist, konnte ich zu keinem Zeitpunkt. Meine Neugier darauf und der Gedanke, wohin das alles führen mag, machten das Buch für mich durchaus spannend und lesenswert.

    Später bekam man ebenso Einblicke in Richards Seelenwelt, was mir sehr gut gefallen hat. Doch leider bleiben am Ende einige Fragen offen, vieles ist ungeklärt, vor allem auch die Frage nach dem Warum konnte mir nicht ausreichend beantwortet werden.


    Insgesamt vergebe ich dafür 7 Eulenpunkte

  • Ratlos


    All das zu verlieren, Roman von Leila Slimani, 224 Seiten, erschienen im Luchterhand Verlag
    Roman über eine Arztfrau die sich in ihrer Sexsucht verliert.
    Adele schön, gutaussehend, stilvoll könnte eigentlich mit ihrem Leben zufrieden sein. Sie hat einen kleinen Sohn Lucien, der ihr lästig ist. Ihr Mann ist Chirurg, sie leben in einem angesehenen Pariser Viertel, in der Nähe von Montmatre. Sei reisen viel, er beschenkt sie. Nebenbei arbeitet sie als Journalistin bei einer Pariser Tageszeitung. Sie ist trotz allem nicht mit ihrem Leben zufrieden. Und obwohl sie weiß, dass sie alles verlieren könnte gibt sie sich wildfremden Männern hin. Es ist wie eine Sucht.
    Ich bin wirklich ratlos über dieses Buch. Ich verstehe die Protagonistin nicht, ich verstehe auch nicht was die Autorin mit dieser Geschichte ausdrücken will. Das Buch hat mich absolut nicht erreicht. Eher fühle ich mich immer wieder vom Verhalten der Protagonistin angewidert, die kultivierte schöne Frau hat es nicht nötig sich, von zum Teil von sogar sehr abstoßenden Männern, so erniedrigend benutzen zu lassen. Obwohl immer wieder Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend beschrieben werden, konnte ich für ihre Promiskuität keine Ursache finden. Ihr Mann kann ihr seine Liebe nicht so richtig zeigen, trotzdem stößt er sie nicht von sich. Die Szenen sind unpornografisch dargestellt. Mich hat das Buch traurig gestimmt. Selbst die Spannung ist hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Das Ende wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Der Vergleich mit der „Bovary“ hält bei mir nicht stand, die einzige Parallele konnte ich nur durch die Gegebenheit erkennen, dass es sich bei beiden um Arztfrauen handelt die sexsüchtig sind. Es fehlt in dieser Erzählung einfach an Tragik und auch an Romantik. Auch hätte man aus den Figuren mehr herausholen können. Weil es sich um kurze Kapitel und eine niedrige Seitenzahl handelt, hatte ich das Buch an einem Tag ausgelesen. Da ich vor einiger Zeit schon ein Buch von Slimani gelesen habe, welches mir gefallen hat. (Dann schlaf auch du) Bin ich überhaupt erst auf diesen Band aufmerksam geworden. Es hat sich nicht gelohnt.

  • Auf den ersten Blick führt Adèle ein angenehmes Leben: Die Journalistin arbeitet für eine Pariser Tageszeitung. Mit ihrem Mann Dr. Richard Robinson, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn Lucien lebt sie in einem schicken Pariser Viertel. Finanziell geht es der Familie gut, sie reist gerne einmal übers Wochenende ans Meer. Dennoch ist Adèle unglücklich und führt ein Doppelleben. Sie trifft sich heimlich mit anderen Männern und lebt mit Fremden ihre sexuellen Obsessionen aus. Dabei setzt sie alles aufs Spiel, denn sie könnte viel verlieren…


    „All das zu verlieren“ ist der gelungene Debütroman von Leïla Slimani.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus kurzen Kapiteln, die sich zum Teil aus mehreren Abschnitten zusammensetzen. Erzählt wird zunächst aus der Perspektive von Adèle, später aus der von Richard. Der Roman ist chronologisch aufgebaut, allerdings gibt es mehrere Rückblenden. Diese Struktur ist gut durchdacht.


    Der Schreibstil wirkt eher reduziert, schnörkellos, detailarm und nüchtern, ist aber gleichzeitig auch intensiv, schonungslos und eindringlich. Die Autorin beweist eindrucksvoll, wie gut sie mit Sprache umgehen kann und wie viel sich in wenigen Sätzen vermitteln lässt. Schon nach wenigen Seiten entwickelt die Geschichte dadurch einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.


    Mit Adèle steht eine interessante Protagonistin im Vordergrund, die das Potenzial hat zu polarisieren. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, sie auf Anhieb als sympathisch empfunden zu haben. Obwohl ihre Gedanken und Gefühle recht deutlich werden, konnte ich ihr Verhalten größtenteils nicht nachvollziehen oder gar gutheißen. Dennoch hat der Charakter etwas an sich, das ihn spannend und reizvoll macht, sodass ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt habe. Stellenweise drängt sich der Eindruck auf, dass die Protagonistin etwas überspitzt dargestellt wird. Das hat mich beim Lesen allerdings nicht gestört. Absolut authentisch finde ich Richard. Die Nebenfiguren bleiben größtenteils recht blass, was in diesem Fall aber zur Geschichte passt.


    Mit nur etwas mehr als 200 Seiten ist der Roman ziemlich kurz. Trotzdem steckt inhaltlich eine Menge darin, denn die Geschichte verfügt über viel Tiefgang. Es geht um mehr als nur die Lebensgeschichte einer zerrissenen Frau und die Abgründe, die sich dabei offenbaren. Ein Pluspunkt ist die gesellschaftskritische Komponente, durch die der Roman immer wieder aufwühlt und zum Nachdenken anregt.


    Das Cover gefällt mir gut, weil es die innerliche Zerrissenheit von Adèle illustriert. Der deutsche Titel weicht leider stark vom französischen Original („Dans le jardin de l'ogre“) ab, den ich um einiges passender finde.


    Mein Fazit:

    Mit „All das zu verlieren“ konnte mich Leïla Slimani überzeugen. Es ist ein fordernder, aber sehr besonderer Roman, der mich in seinen Bann gezogen hat. Mit Sicherheit wird es nicht die letzte Geschichte der Autorin bleiben, die ich gelesen habe.


    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  • Zwei Satzzeichen und ein Fazit


    ! Ein Ausrufezeichen setzt eindeutig die Sprache. Klar, kurz, präzise, schnörkellos. Da sitzt jeder Satz, jedes Wort, kein einziges ist zu viel. Dadurch erzeugt das Buch sprachlich einen Sog, dem ich mich unschwer entziehen konnte. Mit einem sehr genauen Blick fürs Detail wird sehr viel zwischen den Zeilen erzählt, so dass das Buch mit wenigen Worten sehr viel zu sagen hat.


    ? Ein Fragezeichen für den Inhalt. Sinn-entleert treibt die Pariserin Adèle durch die Geschichte und weiß nichts mit ihrem Leben anzufangen. Auch wenn sie eigentlich alles hätte: Familie mit Ehemann und Kind, einen guten Beruf, Freunde, ein schönes Haus. Aber der Sinn des Lebens fehlt – ein Fragezeichen. Ein Fragezeichen aber auch, was mir die Autorin sagen möchte. Dass ein äußerlich gelungenes Leben die innere Leere nicht ersetzten kann? Ja, das habe ich verstanden. Aber danach? Als es in Adèles Leben einen Bruch gibt? Leider entglitt mir die schon vorher „schwierige“ (weil schwer durchschaubare) Protagonistin immer mehr, so dass ich ihre Handlungen und Beweggründe gar nicht mehr einordnen konnte. Das liegt wohl auch daran, dass ab dem Bruch nur noch sehr distanziert über sie ohne Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt erzählt wird. Warum? Und auch der Schluss lässt mich eher ratlos zurück. Wars das jetzt?


    Fazit: Die Autorin hat es sehr gut verstanden, die Leere im Leben von Adèle durch die spröde stilistische Sprache zu unterstreichen und auszudrücken. Sie wird dabei nahezu greifbar – nicht immer angenehm zu lesen, da teilweise wirklich deprimierend - aber sehr präsent.


    Auf Dauer reichte mir das aber nicht, ich hätte gern vor allem am Ende mehr über Adèles Innenleben erfahren. Auch die schönste Sprache konnte mich da über den für mich fehlenden Inhalt hinwegtrösten. Insgesamt aber ein interessantes Buch, so bleibe ich bei 7 Eulenpunkten.

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020

  • dark swan : Deine Überlegungen habe ich mit großem Interesse gelesen. Eine Sichtweise über den eigentlich Inhalt hinaus, vielen Dank dafür! :thumbup:


    Herr Palomar : Danke für den Link, den Beitrag werde ich mir als Buch- und Tagesabschluss gleich mal gemütlich anschauen. :)

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020

  • Leïla Slimani

    All das zu verlieren

    Luchterhand


    Autor: Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. »All das zu verlieren«, ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern. In den Essaybänden »Sex und Lügen« und »Warum so viel Hass?« widmet Leïla Slimani sich dem Islam und dem Feminismus sowie dem zunehmenden Fanatismus. Seit 2017 ist Leïla Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris. (Quelle: Luchterhand)


    Adéle führt ein eigentlich tolles Leben, ist verheiratet mit ihrem Mann Richard und den Sohn der beiden. Doch in Wirklichkeit ist es nicht so, wie es nach außen hin scheint. Adéle ist in ihrem Leben hin und hergerissen. Wünscht sich auf der einen Seite ein anderes Leben, hat auf der anderen Seite jedoch Angst davor, alles zu verlieren. Das was die Sache nochmals erschwert, ist die Tatsache, dass Adéle Sex mit anderen Männern hat, wovon ihr Mann Richard jedoch nichts wissen darf.


    Das Buch “All das zu verlieren” hat keine typischen Kapitel, sondern viel mehr Absätze. Einige der Absätze behandeln dabei die Vergangenheit der Protagonistin (welche von Beginn an nicht sonderlich sympathisch zu sein scheint), wodurch sich der/die Leser/-in nach und nach, immer mehr Puzzleteile der Protagonistin bekommt. So lässt sich das Verhalten der Charaktere, im Laufe des Buches auch immer besser verstehen. Leider wurde hier einiges an Potenzial nicht ausgeschöpft und es bleibt noch Luft nach oben, denn 100 % nachvollziehen lässt sich das Verhalten der Protagonistin leider nicht immer (und das bis zum Ende des Buches). Allgemein wird die Protagonistin des Buches deutlich genauer beleuchtet, als alle anderen, im Buch vorkommenden Charaktere. Dies ist aber auch zu verstehen, da es im Buch eindeutig um das Leben von Adéle geht, einer Frau, die ständig auf der Suche nach Glück ist, dies jedoch nie vollends erreicht. Dementsprechend Negativ ist die Grundstimmung des Buches und das bis zum Ende hin. Auf jeder Seite bekommt der/die Leser/-in dabei einen neuen, teilweise erschreckenden Einblick in die psyche der Protagonistin, der garantiert polarisiert.

    Positiv zu nennen sind bei dem Buch allerdings der Schreibstil der Autorin (Leïla Slimani), denn dieser ist die ganze Zeit über recht flüssig zu lesen und zu jedem Zeitpunkt leicht verständlich (wenn auch nicht immer nachvollziehbar, siehe oben).


    Cover: Das Cover des Buches “All das zu verlieren” ist in zwei Farben (gelb und grau) unterteilt. Hier zeigt sich eventuell schon die Tatsache, dass die Protagonistin zwei Seiten/Leben hat?! Eventuell ist die gelbe Farbe dabei sogar ein Indiz auf Frankreich, wenn man an den Eifelturm denkt?! Außerdem sehen wir eine rauchende Frau, bei der es sich scheinbar, um die Protagonistin selbst handelt. Diese Frau steht dabei genau in der Mitte, der zwei kontrastreichen Farben (wie im Leben der Protagonistin selbst). Der Titel (All das zu verlieren) des Buches, steht auf der gelben Seite und passt wirklich gut zum Inhalt des Buches (spätestens nach dem Lesen wird einem klar, wieso das Buch diesen Titel trägt).

    Insgesamt gefällt mir das Cover von “All das zu verlieren” gut und es ist passend zum Inhalt. Es wirkt zwar leicht minimalistisch und ist nicht auf den ersten Blick zu verstehen, allerdings ist das für mich keineswegs negativ.


    Fazit: Leïla Slimani hat ein Buch geschaffen, welches bis zum Ende hin, mit Trauer durchtränkt ist. Die Handlungen der Charaktere sind dabei erschreckend zu lesen, leider aber nicht immer nachvollziehbar und das ist in meinen Augen, für ein Top Buch, wichtig. Auch nach dem Ende des Buches bleibt eigentlich nicht viel zurück, außer einer eventuell negativen Stimmung, von der man sich hat anstecken lassen. Der Schreibstil und die Sprache des Buches lassen sich allerdings gut und flüssig lesen.

    Mich konnte das Buch also nicht wirklich überzeugen, weshalb ich nur auf 3/5 Sterne komme.


    Klappentext: Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel. (Quelle: Luchterhand)


    Autor: Leïla Slimani

    Titel: All das zu verlieren

    Verlag: Luchterhand

    Genre: Roman

    Seiten: 352

    Preis: Hardcover:22,00 // eBook:17,99

    Erstveröffentlichung: 2019

    ISBN: 978-3630875538