'Die Hyperion-Gesänge' - Seiten 0245 - 0324

  • Martin Silenus glaubt also, er habe das Shrike geweckt.

    Seine Geschichte ist wieder ganz anders als die der beiden Vorgänger, aber ebenso spannend.


    Sein Teil steckt auch voll mit humoristischen Anspielungen. Betty's Ford z. B. mit zwei Alkoholikern unter den Pilgern oder "Windsor-im-Exil". Der Blick des Dichters auf sein Leben ist teilweise sehr zynisch, aber ich empfinde auch eine gewisse Gelassenheit in diesem Jahrhunderte alten Mann, der schon zu viel gesehen hat, als dass er alles ernst nehmen könnte.


    Diese Pilgerei ist auch irgendwie widersinnig. Die allermeisten werden ja sowieso aufgespießt. Welche Erleuchtung sie dabei wohl erlangt haben?

    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist diese Pilgerfahrt so "hochkarätig besetzt", weil es darum geht, Hyperion nicht an die Ousters zu verlieren. Rechnet die Hegemonie tatsächlich damit, dass ausgerechnet diese Truppe das Shrike besiegen kann? Ich habe da meine Zweifel. Und warum sollte man die Ousters nicht einfach dem Shrike überlassen? Es macht ja auch kurzen Prozess (oder auch nicht ganz so kurzen) mit ihnen. Aber die Angst, doch etwas machtvolles in die Hände zu bekommen und es auf gar keinen Fall den anderen zu überlasse, rechtfertigt wohl diese Menschenopfer. Auf ein paar mehr oder weniger kommt es ja nicht an. Das ist schon sehr zynisch.


    Mir ist der Begriff "Shrike" bis jetzt zweimal begegnet. Hier und in einem anderen Sci-Fi-Roman (Mortal Engines-Reihe). Ich habe gerade nach Bedeutungen gesucht und bin auf "Würger"-Vögel gestoßen, die die Reste ihrer Mahlzeit gerne auch auf Dornen aufspießen, sozusagen als kleinen Snack für später. Ein "Dornenvogel" also.

  • Ich fange erst gerade mit diesem Abschnitt an.

    Das mit den Dornen erinnert mich gleich wieder an den riesigen Metallbaum mit den meterlangen Stacheln, von dem im vorigen Abschnitt die Rede war. Da wurde auch aufgespießt...


    Ich mutmaße zur Zeit auch eher, dass diese hochkarätige Pilgergruppe nichts aufhalten kann oder soll. Ich sehe sie momentan eher als mit Hyperion eng Verbundene, die geopfert werden.

    Und noch hoffe ich, dass ich nicht recht habe.

  • Wow, das hätte ich nicht erwartet, dass mich die Geschichte des Dichters Silenus doch so packt.

    Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber nicht das.

    Martin Silenus glaubt also, er habe das Shrike geweckt.

    Er beschreibt das sehr bildlich, und vielleicht ist es im Sinne von in Erinnerung rufen sogar richtig, dass er das Shrike geweckt hat. immerhin taucht es ja sogar auf und meuchelt mit seinen Dornen den König.

    Diese Pilgerei ist auch irgendwie widersinnig. Die allermeisten werden ja sowieso aufgespießt. Welche Erleuchtung sie dabei wohl erlangt haben?

    Keine, zumindest keine, von der sie hätten noch berichten können. Vielleicht genügt ja dem, der glaubt auch der Moment der Erkenntnis im letzten Augenblick des Lebens. Ich will mal hoffen, dass sie es so empfinden konnten. Alles Andere wäre einfach nur schrecklich und sinnlos.

    Und warum sollte man die Ousters nicht einfach dem Shrike überlassen? Es macht ja auch kurzen Prozess (oder auch nicht ganz so kurzen) mit ihnen. Aber die Angst, doch etwas machtvolles in die Hände zu bekommen und es auf gar keinen Fall den anderen zu überlasse, rechtfertigt wohl diese Menschenopfer. Auf ein paar mehr oder weniger kommt es ja nicht an. Das ist schon sehr zynisch.

    Ein großes Opfer, das seinen Namen wirklich wert ist?:gruebel

  • Das ist das, was ich im ersten Abschnitt gemeint habe. Jede Geschichte ist fesselnd. Ich freue mich jetzt auf die nächste.

    Fesselnd auf faszinierende oder auch brutale oder abstoßende Weise.

    Ich bin gespannt auf Weintraubs Geschichte, der von sichvsagt, er wäre noch nie auf Hyperion gewesen:gruebel

  • Was mir gleich zu Beginn der Geschichte des Dichters auffällt: Es ist wieder von dem "Großen Fehler" auf der alten Erde die Rede. Was ist das in eurer Vorstellung? In meiner Phantasie ist es eine Kriegswaffe, die die Menschen eingesetzt haben und die den Planeten so nachhaltig geschädigt bzw beschädigt hat, dass er auf Dauer unbewohnbar geworden ist und die Menschheit gezwungen war, auf umliegende Planeten auszuweichen.


    Edith: Okay, ich sehe, es wird im weiteren Text jedenfalls ansatzweise erklärt, aber so wirklich klar wird es mir nicht, was da genau passiert ist.

    SUB 216 (Start-SUB 2020: 215)


    :lesend Dan Simmons - Die Hyperion-Gesänge (Band 2: Sturz von Hyperion)

    :lesend Philip Kerr - Wolfshunger (Bernie Gunther 9)

    :lesend R. A. Salvatore - STAR WARS. Angriff der Klonkrieger (Hörbuch)

  • Was mir gleich zu Beginn der Geschichte des Dichters auffällt: Es ist wieder von dem "Großen Fehler" auf der alten Erde die Rede. Was ist das in eurer Vorstellung? In meiner Phantasie ist es eine Kriegswaffe, die die Menschen eingesetzt haben und die den Planeten so nachhaltig geschädigt bzw beschädigt hat, dass er auf Dauer unbewohnbar geworden ist und die Menschheit gezwungen war, auf umliegende Planeten auszuweichen.


    Edith: Okay, ich sehe, es wird im weiteren Text jedenfalls ansatzweise erklärt, aber so wirklich klar wird es mir nicht, was da genau passiert ist.

    Ich glaube , dass die Menschheit mittlerweile keinen Krieg mehr braucht, um ihre Lebensgrundlage zu zerstören.:(

    Wird explizit gesagt, was genau zum Sterben der Alten Erde geführt hat?:gruebel

  • Die Geschichte des Poeten hat mir bisher sogar am besten gefallen. Ich finde,man kann Simmons hier anmerken wie er Spaß daran hatte das Verlagswesen satirisch zu überspitzen.


    Was genau mit der Erde passiert ist, wird etwas im Unklaren gelassen, aber letztlich lässt es sich auf die Gier der Menschheit zurückzuführen, wie am Ende ja klar wird. Wie er am Ende auf die Hybris eingegangen ist, zusammen mit dem Shrike, das war schon beeindruckend. Wobei ich da auch glaube, dass er die Hybris mit auf sich bezieht, dass er sich anmaßt zu glauben, das (?) Shrike sei seine Muße und er hätte es erweckt. Als ob das ein Mensch könnte.


    Am liebsten würde ich das Kapitel gleich nochmal hinterherlesen. :grin

  • Das Gleiche habe ich gestern gedacht. Ich glaube, dass ich beim ersten Lesen gar nicht alles erfasse, Wichtiges nicht in den Zusammenhang bringe und eigentlich gleich nochmal lesen müsste.

    Ich stelle fest, wie sich meine Sicht in der Leserunde und dem Austausch mit euch verändert. Das ist wirklich ein Roman, der nach Austausch schreit!


    Was Silenius angeht: er hält schon ziemlich viel von sich und seiner Bedeutung für die Welt. Ich teile auch nicht seine Ansicht, dass das Shrike als Muse zu ihm gekommen ist. Gekommen aber schon.

    Ich sehe den Dichter mehr als Werkzeug.

  • Die Musen sind ja die Töchter von Mnemosyne. Und bei Kahsaad haben wir ja Mnemosyne kennen gelernt. Ob Mnemosyne und Shrike identisch sind oder nicht ist die andere Frage. Aber aus der Sicht macht es schon Sinn, dass die Muse von Silenius mordend auf Hyperion zu Tage tritt.


    Ich genieß das Buch und lass meine Gedanken in viele Richtungen schweifen, ohne wirklich eine Ahnung zu haben was passiert.

  • Die Kinder/Töchter des Shrike?

    Wäre ein typischer ScFi-Buchtitel:lache


    Ja, warum sollte es ein Widerspruch sein, dass das Shrike selbst mordenden zutage tritt oder ein Kind/Diener des Shrike. Wenn man sich den Kult betrachtet oder was wir bisher davon erfahren haben, so hat es einen gottähnlichen Status.

    Herr der Schmerzen - sehr archaisch, dieses Verlangens von Opfern und Leiden...

  • Es wird erwähnt, dass das "gottverdammte Schwarze Loch des Kiew-Teams" Teile des Ermittelpunkts verschlingt. Das klingt nach einem arg fehlgeschlagenen wissenschaftlichen Experiment oder einer Waffe, die falsch eingeschätzt wurde.


    Die Pilgerfahrt der sieben hat irgendwas mit den Zeitgräbern zu tun, die sich demnächst öffnen sollen. Warum dann aber das Shrike einem Pilger einen Wunsch erfüllen soll - keine Ahnung.


    Dass Silenius als einziger in der Stadt überlebt, ist schon eigenartig. Dass er allerdings das Shrike verursacht hat glaube ich nicht, da nimmt er sich vermutlich zu wichtig.


    Bei dem Shrike muss ich immer an eine Mischung aus Terminator ohne Hülle und den gruseligen Robotfiguren in Five Nights at Freddy's denken, und an die Klingenhände der Roboter aus dem alten Film Das schwarze Loch. Stahl, Chrom und leuchtende rote Augen, das klingt nach außer Kontrolle geratenem Maschinenwesen. Wenn die Zeitgräber rückwärts durch die Zeit reisen, könnte es aus der Zukunft stammen.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Wenn die Zeitgräber rückwärts in der Zeit reisen können, könnte aber auch bedeuten, dass sie sich schließen werden oder, weil sie beim Auffinden durch die ersten Siedler offen und leer waren, zum bevorstehenden Zeitpunkt X wieder gefüllt sein könnten.

    Sind es vielleicht sieben Zeitgräber?:gruebel

  • Es wurde davon geschrieben, dass sie sich öffnen. Direkt im Prolog. Die Anti-Entropiefelder um die Zeitgräber dehnen sich rapide aus. Hyperion soll ja auch wegen der Öffnung der Zeitgräber evakuiert werden. Dass etwas darin sein wird, davon gehe ich dann auch aus.

    Die Hegemonie hat Angst, dass in den Zeitgräber wertvolle Geheimnisse enthalten sind, und diese sollen nicht den Ousters in die Hände fallen. Und es ist möglich (aber nicht sicher), dass die Ousters wegen der bevorstehenden Öffnung der Zeitgräber Kurs auf Hyperion genommen haben.


    Im vorherigen Abschnitt hieß es ja, dass einige der sieben auf den Dornen des Metallbaums gesehen wurden. Mit allzu vielen Überlebenden rechne ich nicht, womöglich sogar nur mit einem (plus dem Säugling).


    Ich habe jetzt auch das mit der Bewerbung für die Pilgerfahrt wiedergefunden:

    >>Keiner von uns gesteht ein, daß er sich dem Dogma des Shrike-Kults unterwirft, und doch haben die Ältesten dieser scharfsichtigen Gruppe uns aus vielen Millionen gläubigen Bewerbern ausgesucht, die Zeitgräber zu besuchen ... und ihren Gott des Zorns ... möglicherweise die letzte Pilgerfahrt überhaupt.<<


    Das kommt direkt vor dem Vorschlag, sich gegenseitig die Geschichten zu erzählen.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Aha.

    Ich bin von räumlich offenen Zeitgräbern ausgegangen, weil sie ja bereits erforscht werden konnten oder das versucht wurde und bekannt ist, dass sie leer sind.

    Mir ist klar, dass die Öffnung der Zeitgräber bevor steht, ist ja ständig davon die Rede, aber ich habe das als endgültiges Ereignis gesehen, als Offenbarungsmoment.

    Was auch immer sich da offenbaren wird...

  • Danke für die Textstelle breumel .


    Bei den Überlebenden bin ich mal gespannt. Bei den vorherigen Pilgerfahrten waren es doch auch immer 7, und nur eine Person überlebte, oder habe ich das falsch im Kopf? Da es aber nur 6 Kapitel sind bei 7 Pilgern mit den Geschichten, gehe ich davon aus, dass unsere Pilger in diesem Buch gar nicht bis zum Shrike kommen. Daher glaube ich, in diesem Buch überleben von den sieben alle, zumindest die meisten.

  • Aha.

    Ich bin von räumlich offenen Zeitgräbern ausgegangen, weil sie ja bereits erforscht werden konnten oder das versucht wurde und bekannt ist, dass sie leer sind.

    Mir ist klar, dass die Öffnung der Zeitgräber bevor steht, ist ja ständig davon die Rede, aber ich habe das als endgültiges Ereignis gesehen, als Offenbarungsmoment.

    Was auch immer sich da offenbaren wird...

    Nur weil sie erforscht werden, heißt es ja nicht dass sie nicht veränderbar sind. Vor allem wenn es um eine göttliche Macht geht.

  • Ich habe das so interpretiert, dass es verschlossene Gebäude sind, in denen per Röntgen/Ultraschall/Wärmebild oder was auch immer nichts gefunden wurde, aber niemand konnte näher als bis zu den Anti-Entropiefeldern heran.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis