Ragnar Jónasson – Dunkel / Dimma

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Ragnar Jónasson, 1976 in Reykjavík geboren, ist Mitglied der britischen Crime Writers‘ Association und Mitbegründer des »Iceland Noir«, dem Reykjavík International Crime Writing Festival.

    Seine Bücher werden in 21 Sprachen in über 30 Ländern veröffentlicht und von Zeitungen wie der New York Times und Washington Post gefeiert.

    Ragnar Jónasson lebt und arbeitet als Schriftsteller und Investmentbanker in der isländischen Hauptstadt. An der Universität Reykjavík lehrt er außerdem Rechtswissenschaften. Die preisgekrönte Hulda-Trilogie erscheint bei btb erstmals auf Deutsch.


    Allgemeines

    Erster Band der Trilogie um Hulda Hermannsdóttir

    Titel der Originalausgabe: „Dimma“, ins Deutsche übersetzt von Kristian Lutze

    Erschienen am 25. Mai 2020 im btb Verlag mit 384 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen, entsprechend jeweils einem Tag und mit nummerierten Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven, hauptsächlich aus Huldas Sicht

    Handlungsort und -zeit: Reykjavík und Umgebung in der Gegenwart, mit eingeschobenen Rückblicken


    Inhalt

    Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und befindet sich in ihrem letzten Dienstjahr vor der Pensionierung, der sie mit Unbehagen entgegensieht, da sie nach dem Tod ihrer Tochter und ihres Mannes vor vielen Jahren alleinstehend ist. Als ihr Chef sie in den vorzeitigen Ruhestand schicken will, um ihr Büro mit einem jungen Mitarbeiter zu besetzen, ist sie schockiert und bittet sich aus, noch einen ungeklärten Fall bearbeiten zu dürfen. Sie entscheidet sich für den Fall der russischen Asylbewerberin Elena, deren Leiche ein Jahr zuvor in einem Fluss gefunden wurde. Alexander, der ebenso inkompetente wie faule Kollege, der für den Fall zuständig war, hat diesen als „Unfalltod durch Ertrinken oder Selbstmord“ zu den Akten gelegt, doch Hulda kommen einige Umstände verdächtig vor…


    Beurteilung

    Die Handlung des Romans wird auf drei Zeitebenen erzählt. Neben der Haupthandlung, die Huldas Ermittlungen im cold case der verstorbenen Asylbewerberin schildert, gibt es Kapitel, die das Leben einer unverheirateten Mutter und ihrer Tochter in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schildern. Ein dritter, kursiv gedruckter Handlungsstrang beschäftigt sich mit dem Ausflug einer nicht namentlich genannten jungen Frau mit einem seltsamen Mann in die menschenleere verschneite Berglandschaft außerhalb Reykjavíks.

    Hulda ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Zunächst wirkt sie wie eine ruhige, kontaktarme ältere Frau, in deren Leben es jenseits des Berufs nichts Bemerkenswertes gibt. Im Beruf wurde sie offenbar trotz guter Leistungen zugunsten männlicher Kollegen übergangen. Es zeigt sich allerdings, dass Hulda ihrem Chef gegenüber immer bestimmter auftritt und auch bei ihren Ermittlungen entpuppt sie sich als äußerst beharrlich und verbeißt sich wie ein Terrier in ihren letzten Fall.

    Der Leser erfährt durch die wechselnden Handlungsstränge nicht nur mehr als Hulda über die Vorgänge, die seinerzeit zum Tod der jungen Russin führten, sondern er lernt auch alle Facetten von Huldas Persönlichkeit und Vorleben kennen, wobei die Vorstellung von der langweiligen, harmlosen älteren Frau ad absurdum geführt wird. Durch den Perspektivwechsel und die portionsweise erfolgenden Enthüllungen ist der Roman von einer für einen isländischen Krimi recht hohen Spannung geprägt.

    Der Kriminalfall ist nicht spektakulär, aber gut und glaubwürdig konstruiert. Das Faszinierendste ist jedoch die Persönlichkeit der Protagonistin Hulda, die der Leser in den beiden Folgebänden, die chronologisch früher angesiedelt sind, in deren jüngeren Jahren wiedertreffen kann.


    Fazit

    Ein vergleichsweise spannender Kriminalroman, der für den Leser einige Überraschungen bereithält!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3442758602

  • Nachdem ich gelesen hatte, dass der Autor Ragnar Jónasson für dieses Buch so gelobt wurde, wollte ich „Dunkel“ natürlich lesen. Doch so ganz konnte mich dieser Auftakt einer Trilogie nicht überzeugen. Dies ist übrigens mein erstes Buch des Autors.

    Die Polizei Reykjavík will sich verjüngen und daher soll Kommissarin Hulda Hermannsdóttir vorzeitig in den Ruhestand gehen. Ein letztes Mal darf sie ermitteln, da man ihr erlaubt, sich einen alten Fall nochmal vorzunehmen. Allerdings hat sie dafür nicht viel Zeit. Sie weiß ganz genau, mit welchem cold case sie sich beschäftigen will. Eine junge Russin ist damals gestorben und alles war sehr rätselhaft. Mit dieser Sache aber bringt sich Hulda selbst in Gefahr.

    Der Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen und dem Autor gelingt es auch, mir die isländischen Landschaften so aufzuzeigen, dass ich ein Bild vor Augen habe. Interessant finde ich, dass die Trilogie sich zurückbewegt. Diese Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Zeitsträngen erzählt.

    Hulda Hermannsdóttir ist sehr menschlich dargestellt. Sie mag ihren Job, hat es aber nie leicht gehabt, denn man hat sie nicht wirklich akzeptiert. Das hat auch auf ihr Seelenleben beeinflusst. Sie wirkt etwas verbittert und deprimiert, allerdings lässt sie sich auch nicht unterbuttern. Auf ihren Ruhestand ist sie nicht vorbereitet, obwohl sie ja wusste, dass er auf sie zukommt. Im Laufe der Geschichte lernt man sie immer besser kennen und kann sich daher gut in sie hineinversetzen.

    Es gibt eine ganze Reihe von Wendungen, die dafür sorgen, dass man im Ungewissen bleibt und so die Spannung immer da ist. Es braucht seine Zeit, bis sich die Handlungsstränge zu einem Gesamtbild zusammenfinden.

    Es ist ein solider Thriller mit einer etwas düsteren Atmosphäre, bei dem die Spannung zwar vorhanden, aber nicht so hoch ist. Trotzdem bin ich neugierig, wie es weitergeht.


    7/10

  • Hulda ist eine ambivalente Figur, deren Handeln erst mit fortdauerndem Lesen klarer wird. Ihre Persönlichkeit wurde von Ereignissen der Vergangenheit geprägt. Glaubhaft aber auch, das Hulda als einzige Polizistin im Revier es lange Jahre schwer hatte, sich aber durchsetzte. Logische Folge das Eigenbrötlerische, das ihr dann auch noch als mangelnde Teamfähigkeit ausgelegt wird.


    Hulda setzt Ermittlungen in einem Cold Case da fort, wo weniger fähige Kollegen schon aufgeben.


    Ich mochte die verschachtelte Erzählweise mit Episoden der Vergangenheit, die sich erst mit der Zeit erklären, dann aber gut passen. Der Plot bietet auch noch einige Überraschungen.


    Ein gutes Buch, aber ob ich weitere Teile um Hulda lesen muss, weiß ich jetzt noch nicht. Eigentlich steht Dunkel auch für sich.

  • Immer skeptisch wenn ein Titel als einer der besten 100 Krimis seit 1945 angekündigt wird, kann man eines nicht leugnen. Dunkler geht es kaum noch !


    Geschichte: Hulda 64 Jahre alt und kurz vor der Pensionierung in 8 Monaten soll lt. Ihrem Chef doch schon früher aufhören bei vollen Bezügen. Ihre Fälle wurden an andere übergeben und am liebsten könnte sie heute noch aufhören. Damit konfrontiert stürzt für Hulda eine Welt zusammen, da sie sich bislang noch nicht einmal mit dem Gedanken befasst hat, dass in 8 Monaten nichts mehr zu tun ist.

    Sie ringt ihrem Chef das Eingeständnis ab , sich einen ungelösten Mordfall auszusuchen und noch 2 Wochen zu arbeiten bis der Nachfolger kommt. Aus den Akten sucht sie sich einen Todesfall einer Asylbewerberin aus Russland aus, die sich angeblich weit von aller Zivilisation ins Meer gestürzt hat... Hulda kann nicht an Selbstmord glauben und fängt an zu ermitteln.


    Eindruck : Ich habe selten so ein düsteres und schwermütiges Buch gelesen und das, obwohl aus Skandinavien schon oft sehr düstere Geschichten eingeschlagen haben. Dieses Buch toppt alles ! Der Schreibstil ist sehr gut und vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte einen so richtig mit herunter ziehen kann. Hulda hat keine Freunde und wenn man die Kollegen kennt, dann will man auch keine Freunde haben. Unlust und Unfähigkeit des Kollegen, der den Fall schnell ad akta gelegt hat, sowie die grundsätzliche Unlust der Menschen zu helfen. Hulda, die eigentlich ein großes Herz hat und helfen will, bekommt es eigentlich nie gedankt und wird sogar von einer Frau noch gelinkt, von der sie es gar nicht erwartet hat.

    Es ist wirklich sehr düster und es drückt extrem die Stimmung !


    Wer glaubt hier irgend etwas gutes über Island zu lesen, der denkt nicht im Entferntesten nach diesem Buch daran, seinen Urlaub da zu verbringen. So fremd und fern diese Mentalität in meinem Kopf ankommt, hätte das auch im fernsten Asien spielen können. Das Ende ist einfach unglaublich. Anscheinend ist diese Geschichte als Trilogie ausgelegt und ich bin wahnsinnig gespannt auf die Folgeteile die auch dieses Jahr erscheinen werden.


    Empfehlung in jedem Fall. Für mich volle Punktzahl, weil dieses Buch fantastisch geschrieben ist und auch lange nachwirkt. Negativ … die 365 Seiten hätten vermutlich auf in weniger als 300 Seiten gepasst und so war das Buch sehr schnell gelesen, aber wie gesagt... auf mich war die Wirkung extrem stark.

  • Brillanter Thriller mit aufsehenerregendem Ende


    Hulda ist eine Kommissarin aus Reykjavik, die frühzeitig in Pension gehen soll. Ein neuer Kollege soll ihren Posten übernehmen. Davor soll sie noch einen letzten Fall lösen. Sie wählt sich einen ungeklärten Cold Case aus, wo eine Frau unter rätelhaften Umständen gestorben ist. Hulda nimmt die Ermittlungen auf.


    Der Krimi ist wahnsinnig spannend. Die ersten 100 Seiten sind das noch nicht. Aber danach konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, und habe es in einem Rutsch fertig gelesen. Das Ende ist der Wahnsinn. Ich spoilere hier jetzt nicht. Vielleicht wird einiges klarer im nächsten Band.

    Die Komissarin Hulda wird als sehr ehrgeizig und zielorientiert dargestellt. Man erfährt auch einiges aus ihrem früheren Leben. Aber vieles bleibt im dunkeln. Mir war sie von Anfang an sympathisch. Ich bin gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Der Schreibstil war sehr flüssig, zu lesen. Das Buch war in mehreren Erzählebenen geschrieben. Auch das trug enorm zur Spannung bei.


    Der Autor Ragnar Jonasson ist aus Island und hat die Hulda Trilogie geschrieben. Jetzt endlich erscheint der erste Teil auf Deutsch. Das Buch wurde vom Englischen übersetzt. Hoffentlich ist da nicht einiges aus der Orginalsprache verloren gegangen. Die Handlung spielt in Reykjavik. Die Örtlichkeiten sind sehr gut beschrieben. Auf den ersten Seiten ist eine Karte abgebildet, damit man sich die Orte der Handlung besser vorstellen kann.


    Volle Leseempfehlung für Thriller-Fans! Ich freue mich auf den nächsten Band.

  • Eindrucksvoller Stil

    Der isländische Autor Ragnar Jónasson hat mit seinem Thriller einen Dunkel etwas ausgefallen gutes geschaffen.


    Die Protagonistin Hulda, ist eine 64jährige Kommissarin. Sie wurde als Frau bei den Aufstiegschancen übergangen. Jetzt meint der Chef noch, sie könnte eher in Rente gehen, weil ihr Büro gebraucht wird.

    Sie befasst sich aber mit einem alten Fall, um den Tod einer Emigrantin aus Russland.

    Hulda lässt uns an ihren Ermittlungen und Gedanken teilnehmen.


    Nebenbei gibt es noch eine junge alleinstehende Mutter, die Probleme mit Beruf und Kind hat.


    Der Autor lässt beide Geschichten abwechselnd spielen.

    Mit besonders eindrucksvollem Stil wird der Thriller immer spannender.


    Von dem Ende war ich total überrascht.

  • Sehr düster und bedrückend


    Die Kommissarin Hulda Hermannsdottier, 64 Jahre alt, schaut besorgt ihrem Ruhestand entgegen. Sie hat nur noch ein Jahr zu arbeiten und weiß nicht genau, was sie dann machen soll, die Arbeit ist ihr Leben. Da eröffnet ihr ihr Chef, dass er bereits einen jungen dynamischen Nachfolger für sie gefunden hat und sie eigentlich sofort ihren Schreibtisch räumen soll. Alle ihre aktuellen Fälle wurden bereits den anderen Kollegen zugeteilt, da sie aber nicht sofort gehen möchte, willigt ihr Chef ein, dass sie sich einen Cold Case aussuchen und noch 14 Tage ermitteln darf.

    Vor einem Jahr wurde eine junge Frau tot an der isländischen Küste aufgefunden und genau diesen Fall möchte Hulda sich noch einmal genauer ansehen. Dabei stellt sie fest, dass der Kollege, dem der Fall damals anvertraut wurde, schlampig gearbeitet hat und sie begibt sich auf Spurensuche. Dabei muss sie nicht nur gegen Widerstände in den eigenen Reihen kämpfen, auch ihr eigenes Leben gerät in Gefahr, als sie der Wahrheit näherkommt.


    Meine Meinung:

    Die Handlung ist im wahrsten Sinne des Titels Dunkel, ich habe Hulda von Anfang an bemitleidet. Sie hat nicht einen Kollegen, der zu ihr hält und ihr den Rücken stärkt. Bei den Beförderungen wurde sie regelmäßig übergangen und irgendwann hat sie sich stoisch damit abgefunden. Der Gipfel ist nun, dass sie vorzeitig und gegen ihren Willen in den Ruhestand befördert wird.


    Auch ihr Privatleben sieht nicht rosig aus, Kind und Mann sind schon lange verstorben, einzig in Pieter hat sie einen Freund gefunden, mit dem sie ab und zu etwas unternimmt.


    Die Geschichte ist typisch isländisch, sehr düster und trostlos. Nach und nach erfährt man mehr aus ihrer Vergangenheit, die auch sehr tragisch war.


    Obwohl Hulda mir sympathisch ist, macht sie eklatante Fehler, die einer erfahrenen Polizistin nicht unterlaufen sollten. Das hat mich sehr schockiert.


    Den Epilog fand ich sehr gelungen und war an Ironie schon fast nicht zu überbieten.


    Besonders an dieser Trilogie ist, dass sie von hinten aufgerollt wird, dass heißt die nächsten beiden Bücher spielen vor diesem Buch. Ich bin sehr gespannt, ob es dem Autor gelingt, trotzdem Spannung aufzubauen.


    Ich habe das Hörbuch gehört, Katja Bürkles Stimme passt perfekt zu der Handlung.


    Fazit: Sehr düsterer Island-Thriller, den man nicht lesen sollte, wenn man zu Depressionen neigt.