LR-Vorschlag: "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir

  • Ich fürchte Simone de Beauvoir ist in dieser Hinsicht wenig hilfreich. Transmenschen hätte sie wahrscheinlich als psychisch Verwirrte eingestuft.


    Mich würde mal interessieren, wie die moderne Gender-Forschung ihre Gedankengänge sieht.


    Auf jeden Fall ist heutzutage die Definition, was eine Frau ist, nicht mehr so eindeutig wie damals.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Tom Liehr: Die Wahrheit über Metting

  • Transmenschen hätte sie wahrscheinlich als psychisch Verwirrte eingestuft.


    Mal sehen, ob sich im Laufe der Lektüre Hinweise dazu finden. Ich vermute aber eher, dass sie da tolerant war.


    In ihrem "Bio-Kapitel" kommt ja immerhin schon der Hinweis vor, dass es Menschen (und Tiere) mit männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen gibt.


    Eigentlich ist die Biologie gar nicht ihr Thema, allerdings hat man noch lange im 20. Jh versucht, die Benachteiligung von Frauen mit ihrer biologischen Schwäche zu begründen. Dem wollte sie wohl etwas entgegensetzen.

  • Mal sehen, ob sich im Laufe der Lektüre Hinweise dazu finden. Ich vermute aber eher, dass sie da tolerant war.

    Das hat weniger mit Toleranz sondern mehr mit dem damaligen Verständnis zu tun.


    Ich habe meine Vermutung aus ihrer Schlussfolgerung auf Seite 53 abgeleitet:

    >>...; diese Haltung wird dazu führen, daß es später als Frau im klitoralen Stadium steckenbleibt, frigide wird oder sich der Homosexualität zuwendet.<<

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    :lesend Tom Liehr: Die Wahrheit über Metting

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  • So weit wie ihr bin ich noch nicht, lese wohl auch eine andere, alte Ausgabe von 1961 aus der Reihe "Knaur - Bücher der Welt in der Übersetzung von Eva Rechel-Mertens (Buch 1) und Fritz Montfort (Buch 2).

    Ich schreibe jetzt über die Einleitung, die bei mir bis S. 30 geht.

    Beauvoir beginnt, indem sie die Unterschiede zwischen dem Anders einer Gruppe, z.B. den Juden oder "Schwarzen", gegenüber den "Weißen" definiert im Unterschied zu dem anderen, weiblichen Geschlecht, das eine unterschiedliche Wertigkeit hat. Während sich die Männer der oben genannten Gruppen unter sich selbst als das "Eine" setzen können und damit zum Subjekt werden, ist dies der Frau bisher nicht möglich, weil sich 1. alle Männer - auch die der anderen Gruppen - darüber definieren, dass sie das eine und einzige vollkommen Menschliche sind, 2. weil die von den Männern gesetzte Andersartigkeit der Frau innerhalb des Menschseins von Anbeginn existiert, also keiner historischen Phase zugehört und daher nicht mit der Perspektive auf Befreiung gesehen werden kann, 3. weil sich die Frauen je nach Klassen-, Gruppen- und Familienzugehörigkeit in einer Art Symbiose mit den Männern befinden, obwohl diese die Macht haben und die Frauen sich daher nicht untereinander solidarisieren.
    Sie will die Frage ergründen, wie es zu dieser jahrzehntausende langen Unterjochung kam und warum sich die Frauen, obwohl sie die Hälfte der Menschheit umfassen, nie dagegen gewehrt haben.

    Ich habe vorher - zu meiner Schande sei es gesagt - noch nie ein feministisches Werk außerhalb der Belletristik gelesen und finde Beauvoirs Ansatz bisher sehr erhellend und gar nicht zopfig. Natürlich sind wir heute weiter als zur Mitte des letzten Jahrhunderts, aber gerade jetzt gibt es wieder Rückschritte, weil viele Männer im Zuge der Chauvinisierung von Politik und Gesellschaft zu der von Beauvoir geschilderten Einstellung der Annahme von sich als des Einen zurückkehren (falls sie sie jemals überwunden haben sollten).


    Ich störe mich aber immer noch daran, dass wir hier vermutlich monatelang unter dem Titel "Leserundenvorschlag" über das Buch diskutieren sollen. Kapiteleinteilungen finde ich jetzt nicht so wichtig, da wir so wenige sind, aber der Thread sollte wenigstens seinen irreführenden Titel ändern, bzw, der Teil, in dem es in die Diskussion geht, vom Vorschlagsthread abgetrennt werden. Kann das nur der Thread-Eröffner oder auch ein/e Moderator/in?

  • Natürlich sind wir heute weiter als zur Mitte des letzten Jahrhunderts, aber gerade jetzt gibt es wieder Rückschritte, weil viele Männer im Zuge der Chauvinisierung von Politik und Gesellschaft zu der von Beauvoir geschilderten Einstellung der Annahme von sich als des Einen zurückkehren (falls sie sie jemals überwunden haben sollten).


    Jeder Fortschritt muss verteidigt werden. Das jedenfalls können wir für die Gegenwart lernen.



    Bei S. 53 bin ich noch nicht angekommen. Dieses erste Kapitel ist mir in vielen Aussagen fremd. So die Vermenschlichung von Verhaltensweisen von Tieren.

  • Ja finsbury mach das doch wie Sidonie vorgeschlagen hat und nimm Deine schöne Zusammenfassung der Einleitung gleich als ersten Beitrag.

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    :lesend Tom Liehr: Die Wahrheit über Metting

  • Danke, Tante Li und Herr Palomar .

    Dann mache ich das mal, aber dann fehlen eure Beiträge zur Einleitung. Kopiert ihr dann bitte die entsprechenden Stellen dann auch mit hinein? Ich eröffne den Thread für das erste Buch "Fakten und Mythen". Mehr Einteilung brauchen wir wohl nicht, weil wir nur so wenige sind. Da verliert man nicht so schnell den Überblick und da es kein Roman ist, nimmt man auch niemandem die Spannung weg.