'Der Himmel über Amerika - Leahs Traum' - Seiten 265 - Ende

  • Die Soldaten waren ja von der ständigen Propaganda auch indoktriniert. Sie haben geglaubt, was man ihnen erzählt hat.

    So etwas gibt es gerüchteweise heute auch noch - oder wieder? (Stichwort Rußland)


    Ansonsten begegnet einem diese überhebliche Einstellung der "guten" Amerikaner gegenüber anderen Gruppen (um diesen neutralen Begriff zu verwenden) immer wieder im Laufe der amerikanischen Geschichte. So manche Formulierungen, die da oben angeführt sind, wurden beispielsweise auch in ähnlicher form für die Indianer verwendet. Nur daß es da oft nicht "bloß" bei Mißandlungen blieb...



    Da die Runde ihrem Ende entgegengeht, herzlichen Dank an KarinS für die gute Begleitung der Leserunde! :blume :wave

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Aber die Amish und sicher auch die Mennoniten waren doch schon amerikanische Staatsbürger, als solche geboren. Was will er da mit:

    Er schrieb:

    Ich bezweifle sehr, dass fünfzig Prozent der untersuchten Mennoniten aufgrund ihrer Unwissenheit und Dummheit überhaupt in die Armee hätten aufgenommen werden dürfen; ich bin sicher, dass neunzig Prozent von ihnen eine weitaus bessere Vorbereitung auf die Staatsbürgerschaft benötigen, als sie jemals erhalten haben.... Sie sind zweifelsohne gute Christen, aber sie sind im Grunde ein Typus von Amerikaner, auf den Amerika nicht stolz sein kann. "


    Das ist doch entweder schlecht formuliert und auch noch diskriminierend.

  • Dieser letzte Abschnitt hatte es für mich in sich und hat mich emotional mehr als einmal berührt. Allen voran war die Szene mit der Scheinhinrichtung schon heftig. Also bitte nicht falsch verstehen: ich finde die Szene absolut gelungen erzählt. Mir ging sie vom Inhalt her sehr an die Nieren. Auch die Geschehnisse rund um die Spanische Grippe waren sehr eindrücklich und wirken noch jetzt bei mir nach. Umso schöner war für mich dann die Szene als Leah aufgewacht ist und Joshua an ihrer Seite saß. Da hatte ich tatsächlich einen dicken Kloß im Hals. :schuechtern


    Obwohl ich Lillian nicht besonders mochte, traf es mich, als sie starb. So jung zu sterben verdient niemand. Ich hätte noch gerne erfahren, wie es Richard ergangen ist. Er war natürlich kein wirklicher Sympathieträger, trotzdem ließ mich sein Schicksal nicht kalt. Ich könnte mir vorstellen, dass er zwar geheiratet hat (auch schon weil es von ihm erwartet wurde), er aber nie wirklich glücklich war und Leah nie vergessen hat.


    Das Ende hat mir – auch wenn ich etwas wehmütig bin, die Amish jetzt ganz verlassen zu müssen – außerordentlich gut gefallen. Vor allem auch, dass Grace ihren Antonio „bekommen“ hat. Für mich war das ein wunderschöner und absolut passender Abschluss dieser beeindruckenden Reihe. :-]


    Vielen Dank nochmals, dass ich hier mitlesen durfte und vor allem auch dir, KarinS , ein herzliches Dankeschön für deine engagierte und lebendige Begleitung der Leserunde, die mein tolles Leseerlebnis zusätzlich zu einem Highlight gemacht hat. :knuddel1

  • Das ist doch entweder schlecht formuliert und auch noch diskriminierend.

    Sicher ist das diskriminierend - aber so, wie ich das einschätze, genau so gemeint, wie es da steht.

    Obwohl ich Lillian nicht besonders mochte, traf es mich, als sie starb.

    :write Wobei ich mir lange nicht ganz sicher war, ob nicht von den Hauptfiguren auch jemand der Spanischen Grippe erliegen würde. Das hätte zwar für meine Begriffe nicht zur Anlage der Bücher gepaßt, aber viele der Figuren waren im gefährdeten Alter - und Krankheit kennt keine (Standes)Grenzen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Vielen Dank nochmals, dass ich hier mitlesen durfte und vor allem auch dir, KarinS , ein herzliches Dankeschön für deine engagierte und lebendige Begleitung der Leserunde, die mein tolles Leseerlebnis zusätzlich zu einem Highlight gemacht hat. :knuddel1

    :write:write Ja, das ist der Autorin hoch anzurechnen, man bekommt Antworten auf Fragen und zwar nicht nullachtfünfzehn, sondern ausführlich und sehr erklärend. Das ist nicht bei jedem so. Dafür möchte ich mich auch noch extra bedanken.

  • Das ist doch entweder schlecht formuliert und auch noch diskriminierend.

    Das hat er genauso gemeint. Er hielt die Mennoniten ( da waren auch die Amisch eingeschlossen, die meisten Amerikaner kannten den Unterschied nicht) für minderwertig und eher dumm. Sicher spielt da auch eine Rolle, dass sie als rückständig galten ( wie ja immer noch). Nur damals machte sich niemand die Mühe, zu hinterfragen, warum sie so leben.

    Im Grunde ist es die gleiche Haltung, die die Amerikaner gegenüber der indigenen Bevölkerung hatten, wie Si Collier weiter obenauch anmerkt.

  • Ich hätte noch gerne erfahren, wie es Richard ergangen ist. Er war natürlich kein wirklicher Sympathieträger, trotzdem ließ mich sein Schicksal nicht kalt. Ich könnte mir vorstellen, dass er zwar geheiratet hat (auch schon weil es von ihm erwartet wurde), er aber nie wirklich glücklich war und Leah nie vergessen hat.

    Er hat sicher geheiratet. Ob er Leah vergessen hat? Sie hat seine Eitelkeit schwer gekränkt, ich denke nicht dass er sie wirklich geliebt hat. Aber ich mag auch den Gedanken, dass der Krieg ihn vielleicht verändert und reifer gemacht hat. Vielleicht wurde er doch noch eingezogen ...

  • Zitat

    man bekommt Antworten auf Fragen und zwar nicht nullachtfünfzehn, sondern ausführlich und sehr erklärend. Das ist nicht bei jedem so. Dafür möchte ich mich auch noch extra bedanken.


    Das gebe ich gerne zurück. :blume Die Beiträge hier sind auch nicht nullachtfünfzehn, sondern sehr fundiert und gehen weit über die Wiedergabe des Inhalts hinaus. Ich bedanke mich bei euch für diese, wieder einmal wunderbar lebhafte, Leserunde. Ich schaue weiterhin hier vorbei, falls noch Fragen aufkommen.


    Abgesehen davon hoffe ich, wir sehen uns nächstes Jahr wieder. :-)

  • So, nun ist meine Rezension auch geschrieben. Es hat ein wenig gedauert, weil ich einige unangenehme Termine hatte.


    Ich möchte mich noch ganz herzlich bedanken für das Leseexemplar, die tolle Leserunde und die vielen zusätzlichen Informationen. Es hat wieder einmal viel Spaß gemacht. Danke!

  • Ich wollte hier noch einmal kurz reinschauen - bin ja eigentlich keine Teilnehmerin der Leserunde, habe mich aber bereits im ersten Abschnitt zu Wort gemeldet und beim Lesen eurer Beiträge hier viel für mich mitgenommen. Auch ich möchte Karin danken für ihre Betreuung der Runde, den guten Tipps und zusätzlichen Informationen. Rezensionen folgen irgendwann im August, ich habe gerade etwas Zeitprobleme.


    Zur Spanischen Grippe - neben dem Buch von Laura Spinney kann ich noch folgendes Buch (in diesem Fall ein Roman) empfehlen:

    ASIN/ISBN: 3832166289


    Auch hier kommen schreckliche Szenen in einem Lager vor, in denen ein Kriegsdienstverweigerer schikaniert wird. Ich musste beim Lesen dieses Abschnittes mehrfach an das Buch denken.

  • Davon habe ich noch nicht gehört, klingt aber sehr spannend.


  • Zur Spanischen Grippe - neben dem Buch von Laura Spinney kann ich noch folgendes Buch (in diesem Fall ein Roman) empfehlen:

    ASIN/ISBN: 3832166289


    Auch hier kommen schreckliche Szenen in einem Lager vor, in denen ein Kriegsdienstverweigerer schikaniert wird. Ich musste beim Lesen dieses Abschnittes mehrfach an das Buch denken.

    Der Autor ist Klasse - off topic kann ich seine Trilogie sehr empfehlen. Da geht es um die ersten schwarzen Polizisten in Atlanta.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Kinder des Aufbruchs - Claire Winter


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Das Buch habe ich schon gefühlt lange beendet, aber zum Schreiben komme ich erst jetzt.


    Der letzte Abschnitt hatte es ganz schön in sich. Ich finde das alles wahnsinnig gut geschrieben.
    Z. B. die Scheinhinrichtung, die war richtig heftig gewesen. Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, wie ich wohl reagiert hätte. Ich habe mich aber gewundert, dass ihre Hände nicht zusammengebunden waren. Theoretisch hättens sie ja ihre Augenbinde abnehmen können. Hätte ich das getan? Vermutlich nicht. Wenn ich so entschlossen gewesen wäre wie die Jungs, dann hätte ich wohl lieber blind auf den Schuss gewartet.


    Mich haben die Umstände zur Spanischen Grippe auch an heute erinnert.


    SiCollier hat es ja angesprochen, dass der Tod keine Hauptfigur getroffen hat. Es wäre auch wirklich jammerschade gewesen, wenn es Leah oder Joshua getroffen hätte. Ein trauriges Ende hätte ich wohl nicht ertragen. Und was wäre wohl gewesen, wenn Leahs Vater gestorben wäre. Hätte Leah dann überhaupt Joshua heiraten können, weil eine Tochter ohne einen Vater vorerst nicht heiraten kann? Und wenn es die Mutter getroffen hätte, wäre sie ja nicht da, um Leahs Vater von Joshua zu überzeugen.


    Eli Weaver hat ja mal null Empathie. Und Joshua hat seine Gefühle ja ordentlich im Griff. Ich glaube, ich wäre an seiner Stelle explodiert, wenn ich mir solche Aussagen von Eli anhören müsste. Nun ja, beim Lesen bin ich allerdings explodiert. :fetch


    Auf Seite 336 unten steht, dass den Kindern Märchen erzählt wird. Da habe ich mich a) gewundert, dass überhaupt Märchen erzählt werden und b) mich gefragt, was das denn wohl für Märchen sind.


    Das Ende des Buches ist so schön. :love:


    Ich habe direkt nochmal den Anfang des Buches gelesen und ein paar weitere Stellen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir Leahs Vater nicht mehr so grummelig vorkam wie beim ersten Mal lesen und auch nicht so widersprüchlich was das Rumspringa angeht.


    Was die Linda-Castillio-Bücher angeht, da habe ich vor kurzem mal im ersten Band reingelesen. Ich musste feststellen, dass die Bücher leider nichts für mich sind. Zum einen ist es richtig heftig, was da passiert und zum anderen kann ich es irgendwie gar nicht leiden, wenn sich das Thema ständig um die Aufklärung des Vorfalls dreht.


    Wenn ich wieder Sehnsucht nach Amischen Romanen habe, dann lese ich einfach wieder KarinS' Romane.

    Und ansonsten gab es ja auch weitere Tipps hier. Die muss ich noch unter die Lupe nehmen. :lupe


    An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich dafür bedanken, dass die Leserunden zu diesen drei Büchern hier stattgefunden haben und natürlich auch herzlichen Dank an KarinS für die Begleitung der Leserunden. :blume


    Ich glaube, die Bücher hätte ich verpasst, hätte es die Leserunden hier nicht gegeben.

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende



  • Die Soldaten wussten ja, dass die Amisch sich nicht wehren. Wobei man in solchen extrem Situationen ja nie weiß, wie jemand reagiert. Es gab ja Vorfälle dieser Art, die sind dokumentiert ( Briefe, Tagebücher). Irgendwo weiter oben habe ich den Link dazu reingesetzt, Einer der Berichte hat mich besonders mitgenommen, da geht es um einen jungen Mennoniten (John Witmer), sein Nachfahre hat seine Briefe veröffentlicht. Er schreibt, wie die Soldaten ihm und seinem Freund die Haare geschoren haben. Später haben dann vier Soldaten ihn gepackt, ihn im Obergschoss der Kaserne kopfüber aus dem Fenster gehalten und gedroht, ihn bei "drei" fallen zu lassen. Haben dann nur bis zwei gezählt und fanden das lustig. Ein anderes Mal haben sie ihn abends komplett bekleidet mit kaltem Wasser übergossen ( es war Oktober und "frosty"). Er hatte keine Sachen zum wechseln. Daraufhin hat er krank geworden. Es ging ihm so schlecht, dass er ins Hospital gekommen ist, wo er dann auch gestorben ist. Angeblich an der Spanischen Grippe.


    Zitat

    SiCollier hat es ja angesprochen, dass der Tod keine Hauptfigur getroffen hat. Es wäre auch wirklich jammerschade gewesen, wenn es Leah oder Joshua getroffen hätte. Ein trauriges Ende hätte ich wohl nicht ertragen.


    Ich auch nicht. Ich mag keine traurigen Enden. Es muss nicht immer alles happy sein, ich mag auch "bittersüße" Enden, aber der Tod einer Hauptperson mag ich nicht.

    Ich habe es einmal (fast) gemacht, in meinem Roman über Anita Garibaldi ( die erste Frau von Giuseppe Garibaldi), die ja mit nur 29 Jahren gestorben ist. Aber ihren Tod habe ich ins Nachwort gepackt.



    Zitat

    Auf Seite 336 unten steht, dass den Kindern Märchen erzählt wird. Da habe ich mich a) gewundert, dass überhaupt Märchen erzählt werden und b) mich gefragt, was das denn wohl für Märchen sind.




    Das hat mich auch gewundert. Ich habe die Info bei Donald Kraybill gefunden, das ist der Spezialist für Amische in den USA. Ich vermute, sie erzählen die alten deutschen Volksmärchen.


    Zitat

    Was die Linda-Castillio-Bücher angeht, da habe ich vor kurzem mal im ersten Band reingelesen. Ich musste feststellen, dass die Bücher leider nichts für mich sind. Zum einen ist es richtig heftig, was da passiert


    Die sind schon sehr blutig, Das ist mir gerade bei den ersten Bänden auch fat zu viel.

  • Ich habe es einmal (fast) gemacht, in meinem Roman über Anita Garibaldi ( die erste Frau von Giuseppe Garibaldi), die ja mit nur 29 Jahren gestorben ist. Aber ihren Tod habe ich ins Nachwort gepackt.

    In solchen Situationen fände ich es dann wohl nicht ganz so schlimm, wenn die Hauptfigur stirbt, da es sich ja auf eine historische Tatsache beruht.


    Die Soldaten wussten ja, dass die Amisch sich nicht wehren.

    Ein gutes Argument. Dann war das ja eigentlich auch ein zusätzlicher Test, ob sie die Augenbinde abgenommen hätten und so eine Art Gegenwehr gezeigt hätten. :/:)

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende