Jane Harper - Der Sturm

  • ASIN/ISBN: 3352009686


    Kiernan Elliott kommt mit seiner Freundin Mia und der kleinen Tochter Audrey zurück in seinen Heimatort Evelyn Bay auf Tasmanien, um seiner Mutter beim Umzug zu helfen, denn sein Vater ist an Demenz erkrankt. Wirklich wohl fühlt sich Kiernan nicht, denn zwölf Jahre zuvor starb sein Bruder Finn und Kiernan ist voller Trauer und Schuldgefühle. Wenig später wird am Strand die junge Kunststudentin Bronte Laidler tot aufgefunden, die für einige Monate in den Ort kam und im Surf and Turf kellnerte. Alte Wunden brechen auf, dabei will niemand in dem kleinen Ort, dass die Geschehnisse von damals nochmals aufgerührt werden. Doch der aktuelle Fall muss aufgeklärt werden und Detective Inspector Sue Pendlebury aus Hobart sowie Sergeant Chris Renn stellen eine Menge Fragen.

    Ich mag die Bücher von Jane Harper und auch dieser Roman hat mich wirklich gepackt, aber als Thriller würde ich dieses Buch nicht unbedingt bezeichnen, denn es geht doch eher ruhig zu. Die Atmosphäre in dem kleinen Ort Evelyn Bay ist sehr gut eingefangen. Im Sommer gibt es zwar eine Menge Touristen dort, doch nun sind die Einheimischen unter sich.

    Die Charaktere sind wunderbar und authentisch gezeichnet. Im dem kleinen Ort kennt jeder jeden und ist über alles informiert. Die Bewohner stehen zusammen und können sich nicht vorstellen, dass einer von ihnen etwas Böses getan hat. Dass bei dem Sturm vor zwölf Jahren ein Mädchen verschwand und Kiernans Bruder und sein Freund zu Tode kamen, war zwar schmerzhaft und ist es immer noch, doch man hat zusammengestanden und nicht weiter nachgefragt, warum das passiert ist. Fast jeder scheint aber auch etwas zu verbergen oder seine wahren Gefühle unter Verschluss zu halten. Doch wie lange kann das gutgehen?

    Es ist ein intensiver und dramatischer Roman, der mich von Anfang an gefesselt hat. Ich wollte wissen, was vor zwölf Jahren passiert ist und warum eine junge Frau, die mit dem Geschehen von damals nichts zu tun hat, sterben musste. Ein empfehlenswerter Spannungsroman.


    10/10

  • Herausgeber ‏ : ‎ Rütten & Loening; 1. Edition (20. September 2022)

    Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 396 Seiten

    ISBN-10 ‏ : ‎ 3352009686

    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3352009686

    ASIN ‏ : ‎ B09XVN6RSD



    Kurzbeschreibung


    Ein Sturm hat Kiernans Lebens vor zwölf Jahren von einem Tag auf den anderen verändert: Ein Mädchen verschwand spurlos in der See, sein Bruder kam durch seine Schuld ums Leben. Als er nun in seinen Heimatort auf die australische Insel Tasmanien zurückkehrt, spürt er die Schuld noch immer. Nun aber hat er mit seiner Freundin Mia ein Kind und glaubt, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Kurz nach seiner Rückkehr jedoch wird am Strand eine tote Frau gefunden – und plötzlich brechen alte Wunden wieder auf. Bald wird Kiernan klar, dass dieser Mord mit ihm zu tun hat – und mit all dem, was während des Sturms vor zwölf Jahren geschah und niemals wirklich ans Tageslicht kam.



    Autorin


    Jane Harper ist Journalistin beim Herald Sun. Sie lebt in Melbourne. Mit ihrem Erstling «Hitze» gewann sie neben zahlreichen anderen Preisen auch den wichtigsten britischen Krimipreis, den «Gold Dagger». «Hitze» schaffte es auf Platz 1 der Bestsellerliste der Times. Zuletzt wurde sie mit dem Prix Polar für den besten internationalen Thriller ausgezeichnet.



    Meine Meinung


    Schauplatz Tasmanien

    Kiernan ist mit Mia und der gemeinsamen Tochter Audrey zurückgekommen, um der Mutter beim Umzug behilflich zu sein. Der Vater Brian ist dement, muß ständig betreut werden und deshalb haben sie sich zu einer Veränderung der Wohnsituation entschlossen.


    Kieran hat den Ort verlassen, weil er Schuldgefühle hat, für den Tod seines Bruders Finn und dessen Freund Toby verantwortlich zu sein. Kiernan war mit einer Freundin in einer Höhle in Not geraten und Finn und Toby wollten mit ihrem Boot zu Hilfe kommen. Leider kamen sie dabei ums Leben. Dies geschah vor 12 Jahren. Und jetzt wird am Strand an genau der gleichen Stelle Bronte tot aufgefunden und alle Erinnerungen und Traumata kommen knallhart zurück. Aber nicht nur bei Kieran, sondern bei allen Bewohnern. Jeder erinnert sich ganz persönlich daran, was damals geschah und auch daran, wie der Ort durch den Sturm verwüstet wurde. Sergeant Chris Renn, der damals schon ermittelt hat, übernimmt auch jetzt die Nachforschungen zusammen mit Detective Inspector Sue Pendlebury aus Hobart.


    Bronte hat zusammen mit Olivia in einem Cottage gewohnt und hat im Lokal Turf & Surf gearbeitet. Olivias Schwester Gabby war damals bei großen Sturm verschwunden, lediglich ihr Rucksack ist nach einigen Tagen aufgetaucht.


    Bei den Ermittlungen um den Tod von Bronte werden immer wieder Vergleiche angestellt, was damals geschah und plötzlich kommen Unstimmigkeiten zu Tage, von denen vorher noch nie die Rede war.



    Es ist mein erstes Buch der Autorin und mich hat es begeistert. Sie schreibt flüssig und packend, schildert die Örtlichkeiten, die Atmosphäre und vor allem das Sturmgeschehen sehr bildhaft, so daß man als Leser auch vom gesunkenen Wrack und dem Denkmal der „Überlebenden“ eine klare Vorstellung hat. Die Figuren dieser Dorfgemeinschaft - und hier vor allem auch das Trauma und die Bewältigung - werden lebendig beschrieben, ich fühlte mich als Leserin mitgenommen. Die Auflösung fand ich durchaus realistisch und nachvollziehbar.


    Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung und ich werde mich nach weiteren Büchern der Autorin umsehen!

  • Zwölf Jahre, nachdem ein verheerender Sturm in dem kleinen australischen Küstenort gewütet hat, kehrt Kiernan zusammen mit seinem Baby und seiner Freundin Mia zurück. Der Sturm hat nicht nur Häuser zerstört; zwei Männer ließen ihr Leben und ein Mädchen verschwand spurlos. Einer der beiden getöteten Männer war Kiernans Bruder, der ihm mit dem Schiff zur Hilfe eilen wollte. Diese alte Schuld trägt Kiernan mit sich herum und auch im Ort scheint man ihm immer noch Vorwürfe zu machen. Als kurz darauf die Leiche einer Frau am Strand gefunden wird, muss sich Kiernan erneut seiner Vergangenheit stellen…


    Das Buch ist ein typischer „Whodunit“. Nach und nach werden die Geschehnisse von damals durch Kiernan rekonstruiert. Er erinnert sich an den furchtbaren Tag, an dem er seinen Bruder verlor und an dem die Schwester seiner damaligen Freundin Olivia verschwand. Immer noch versucht er, das Unglück zu begreifen und sich damit auseinanderzusetzen, was damals passiert ist. Auch seine Eltern scheinen ihm die Schuld an dem Geschehen zu geben und so ist die Rückkehr in sein Elternhaus eine besonders belastende Situation für ihn, zumal sein inzwischen dementer Vater ihn mit dem Namen seines verstorbenen Bruders anspricht. Einige Bewohner des Ortes werden nach dem erneuten Todesfall ganz anders betrachtet und langsam finden sich Zusammenhänge, an die niemand gedacht hat.


    Das Buch ist ein internationaler Bestseller geworden, seine große Stärke sind die gut gezeichneten Figuren und die Beschreibung der Landschaft. Mir persönlich fehlte ein wenig die Spannung. Die Handlung zieht sich eine lange Zeit und die Ermittlungen zu dem aktuellen Mordfall laufen auch eher gesittet ab.

    Insgesamt also ein eher ruhiger Roman, als „Thriller“ mag ich ihn nicht bezeichnen. Wer starke Figuren und gute Landschaftsbeschreibungen liebt, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.