'Schloss Liebenberg - Hinter dem hellen Schein' - Seiten 101 - 213

  • Zwar bin ich noch lange nicht durch mit diesem Abschnitt, aber trotzdem mag ich schon etwas dazu schreiben.


    Mir hat die Episode um den Hauptmann von Köpenick gut gefallen. Die Figur kennt man ja, mir war aber gar nicht so klar, dass sie tatsächlich historisch ist. Sind die eingeschobenen Passagen der Zeitungsartikel aus der Berliner Morgenpost und dem Berliner Tagblatt Originalzitate?


    Diese Obrigkeitshörigkeit ist schon enorm. Und ich bezweifle, dass Budde einem "falsch uniformierten" Hauptmann tatsächlich Respekt verweigern, geschweige denn ihn auf falsch sitzende Kleidung aufmerksam machen würde. Unter seinesgleichen hat er eine große Klappe, aber wenn es hart auf hart kommt, wird er kuschen.


    Je niedriger die Rangordnung, desto weniger wird man gehört. Das muss leider auch Hedda spüren - Opitz ist so ein Schwein! Und sie bekommt keine Rückendeckung durch die Mamsell, sondern soll sich fernhalten... Und wenn sie schwanger wird, ist sie es am Ende selber schuld. Ich kann nur hoffen, dass Opitz irgendwann durch seine eigenen Fehler (das ständige Einschlafen, die vergessene Post) doch irgendwann unangenehm auffällt und sich vielleicht um einen anderen Posten bemühen muss. Viktor sollte ihm nicht mehr aus der Patsche helfen...


    Dass Adelheid mit Schlafmittel ruhiggestellt wird, ist ja allerhand. Ganz sicher stecken Lydia und Gerda dahinter. Wie auch immer sie es anstellen mögen. Aber Adelheid hält tapfer durch - kein Wunder, sie hat ja auch keine andere Wahl.

    Aktuelle Lektüre: Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein - Hanna Caspian| Das Zeitalter der Unschärfe - Tobias Hürter
    SUB: 101

  • Jetzt bin ich doch irritiert, ein paar Seiten davor ein eigenartiger Schreibfehler und nun ein Sinnfehler? Seite 169 sinniert Viktor über seinen Vater und dessen Gesundheitszustand. Dann: wenn sein Vater starb würde mit ihm der Makel des vorbestraften "Tagelöhners" auch sterben? Ich dachte, Viktors Vater war Gymnasiallehrer gewesen?

  • Jetzt bin ich doch irritiert, ein paar Seiten davor ein eigenartiger Schreibfehler und nun ein Sinnfehler? Seite 169 sinniert Viktor über seinen Vater und dessen Gesundheitszustand. Dann: wenn sein Vater starb würde mit ihm der Makel des vorbestraften "Tagelöhners" auch sterben? Ich dachte, Viktors Vater war Gymnasiallehrer gewesen?

    Viktors Vater war früher Gymnasiallehrer. Nach seiner Verurteilung ist er zum Tagelöhner abgerutscht.

  • Alles wird ein wenig positiver hier. Man sieht einige zarte Freundschaften wie zwischen Hedda und Constanze. Die arme Constanze, ihr Job ist auf der einen Seite zwar bequemer, aber auch nicht unbedingt einfacher. Wie müde sie immer ist, ließ mich öfter mal schmunzeln. Aber auf eine kleine Schar junger Erwachsener Mädchen aufzupassen, stelle ich mir auch nicht leicht vor und irgendwie verwunderlich aus heutiger Perspektive zu lesen, dass man die Erziehung komplett (!) in fremde Hände legt.

    Aber auch die kleine Szene, in der die Köchin Adelheid Brot schenkt, ist doch ein Leichtblick. :)


    Hedda tut mir sehr leid. Die Situation mit Herrn Opitz war wirklich furchtbar. Und wie dann die Mamsell reagiert und wirklich grausig. Hat Opitz was gegen sie in der Hand? Wieso kann sie da nichts tun? Auch dass niemand dazwischen gegangen ist, als er den kleinen Moritz so verdroschen hat... Da muss doch irgendetwas hinterstecken.


    Die arme Adelheid! Hat sich gerade eingefunden, versucht nur das Beste zu machen, freut sich auf den ersten Menschen, der offensiv freundlich ist und nun ist sie Hausmädchen. Immer noch besser als gar keinen Job, aber dennoch... Sie könnte das Geld wirklich gut gebrauchen, aber vielleicht wird es ohne den ganzen Neid ihr am Ende auf der Position auch besser ergehen? Mal schauen und aufsteigen kann sie bestimmt auch wieder.


    Mich erfreut auch die kleine Romanze zwischen Viktor und Adelheid. Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht und ob die beiden sich irgendwann trauen, dazu zu stehen.

    Viktor mag ich immer mehr. Wie er sich um die Familie sorgt, ist rührend und auch so merkt man, dass das Herz am rechten Fleck hat.

  • Je niedriger die Rangordnung, desto weniger wird man gehört. Das muss leider auch Hedda spüren - Opitz ist so ein Schwein! Und sie bekommt keine Rückendeckung durch die Mamsell, sondern soll sich fernhalten... Und wenn sie schwanger wird, ist sie es am Ende selber schuld. Ich kann nur hoffen, dass Opitz irgendwann durch seine eigenen Fehler (das ständige Einschlafen, die vergessene Post) doch irgendwann unangenehm auffällt und sich vielleicht um einen anderen Posten bemühen muss. Viktor sollte ihm nicht mehr aus der Patsche helfen...

    verrückt, wie das funktioniert, was? Allerdings gibt es ja auch heute noch Personen (Monarchie im Ausland, berühmte Persönlichkeiten), die ähnlich glorifiziert werden und uns (und unserem Konsum) sehr beeinflussen. Aber auch wie viel "umsonst" reiche Menschen bekommen, die es sich eigentlich leisten könnten.

    Aber spannend finde ich auch, mit welcher Inbrunst gerade die untere Schicht der oberen folgt. Hat aber vielleicht auch viel mit mangelnder Bildung zu tun. Kaum einer hat Zugriff auf die Tageszeitung - und wenn nur auf bestimmte, wie man an Viktor ja gesehen hat.

  • Mir hat die Episode um den Hauptmann von Köpenick gut gefallen. Die Figur kennt man ja, mir war aber gar nicht so klar, dass sie tatsächlich historisch ist. Sind die eingeschobenen Passagen der Zeitungsartikel aus der Berliner Morgenpost und dem Berliner Tagblatt Originalzitate?

    In diesem Abschnitt ist ja so einiges aus dem realen Leben. Das fand ich alles sehr interessant. Die Köpenick-Geschichte war echt Klasse. Das es auf Tatsachen beruht wusste ich schon aber dass es so einen großen Aufruhr deshalb gab noch nicht. :)


    Das muss leider auch Hedda spüren - Opitz ist so ein Schwein! Und sie bekommt keine Rückendeckung durch die Mamsell, sondern soll sich fernhalten

    Was weiß Opitz von der Mamsell? Warum hält sie so still?

    Wobei die Mamsell jetzt mehr Tiefgang bekommt nach dem Gespräch mit Adelheid. Sie verspricht ihr Hilfe, wenn es nötig ist. Natürlich muss sie sie trotzdem degradieren.


    Überhaupt diese Degradierung. Erst mal war ich froh, dass es nicht wegen einem Diebstahl war. Da wäre sie wohl rausgeflogen. Aber der Grund ist für mich nahezu lächerlich.

    Warum darf man denn die Bediensteten nicht sehen? Was ist so schändlich daran? Stört man die hohen Herrschaften? Oder sollen die nicht daran erinnert werden, dass sie ohne Hilfe der Bediensteten alt ausschauen würden?

    Budde ist auf jeden Falll unten durch. Adelheid so für seine Zwecke auszunutzen und sich danach wieder versuchen einzuschleimen. So ein Idiot.

    Aber Viktor ist auch anstrengend. Wie er zwanghaft unfreundlich und abweisend ist. Puh. Der ist ja schon sehr in seiner Angst gefangen, dass man ihn entlarven könnte.


    Da komme ich zu dem zweiten Punkt. Ja, der Vater von Viktor ist in Ungnade gefallen. Aber dennoch bin ich der Ansicht, er müsste versuchen, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Wenn das in der Stadt nicht geht muss er eben irgendwo anders Arbeit suchen. Er kann doch nicht ernsthaft im Bett sitzen und den Rest seines Lebens nichts tun sondern seinen Söhnen auf der Tasche liegen. 8| Sorry. Das kann ich nicht akzeptieren. Und auch seinen Töchtern zuliebe müsste er etwas ändern. Das die ganze Familie nun mit ihm gesellschaftlich am Bodensatz angekommen ist liegt ja auch daran, dass er in dieser Stadt bekannt ist. Andernorts wäre es sicherlich ein wenig leichter.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

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    Freiheitsgeld - Andreas Eschbach


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Alles wird ein wenig positiver hier.

    Aber nur ganz wenig. Der Hunger, der hier an einigen Stellen beschrieben wird, hat mich sehr berührt. Und die Angst von Adelheid war nicht unbegründet. Ich suche noch nach richtigen Lichtblicken.

    Hollundergrüße :wave




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  • Mich erfreut auch die kleine Romanze zwischen Viktor und Adelheid. Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht und ob die beiden sich irgendwann trauen, dazu zu stehen.

    Romanze würde ich das noch nicht nennen. :/ Wir erhoffen uns hier natürlich berechtigter Weise etwas. Aber im Augenblick ist er ablehnend und sie ängstlich. Ich fürchte, wenn sie sich näher kommen, wird die Angst noch größer.

    Hollundergrüße :wave




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  • Ich verstehe das mit dem Tagelöhner immer noch nicht. Seite 204 oben kommt es wieder vor, eine Seite vorher heißt es Gymnasiallehrer aber verurteilt und dann die Tochter, dabei sind es Töchter eines ?? was auch immer. Ich glaube hier wurde nicht ordentlich lektoriert. Denn auch wenn er verurteilt ist, so ist er immer noch von der Bildung her Gymnasiallehrer. Und um Tagelöhner sein zu können, müsste er erstmal als solcher arbeiten.


    Romanze würde ich das noch nicht nennen. :/ Wir erhoffen uns hier natürlich berechtigter Weise etwas. Aber im Augenblick ist er ablehnend und sie ängstlich. Ich fürchte, wenn sie sich näher kommen, wird die Angst noch größer.

    Sie scheut ja auch davor zurück, als sie die bittere Armut und Kälte in ihrem Elternhaus immer wieder vorgeführt bekommt. Lieber keine Kinder, wenn man eh nicht weiß, wie man sie ernähren soll.

    Die Degradierung scheint mir zu hart, vor allem deshalb, da sie ja für den Umstand "sichtbar" geworden zu sein, gar nichts kann. Ungerechtigkeit macht mich ganz wild, da könnte ich aus der Haut fahren. Und wer hat überhaupt geredet? Budde? Den soll der Blitz beim ... treffen, sagt ma doch so. Gehört hab ich es zumindest schon mal.

  • Und wer hat überhaupt geredet? Budde?

    Ich habe es so verstanden, dass der Fürst es seiner Frau gesagt hat, die dann Opitz und der der Mamsell. :gruebel

    Hollundergrüße :wave




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  • Ich habe es so verstanden, dass der Fürst es seiner Frau gesagt hat, die dann Opitz und der der Mamsell. :gruebel

    Ich habe es nochmal nachgelesen, die Mamsell sagt: irgendwie ist es der Fürstin zu Ohren gekommen. Also genaues weiß man nicht, nur dass Viktor die näheren Umstände erklärt hat. Das hilft Adelheid aber nun nicht wirklich weiter. Das arme Ding, rechnet jeden Pfennig in Brot und Heizmaterial um das ihre Familie nun weniger hat.

  • Seite 169 sinniert Viktor über seinen Vater und dessen Gesundheitszustand. Dann: wenn sein Vater starb würde mit ihm der Makel des vorbestraften "Tagelöhners" auch sterben? Ich dachte, Viktors Vater war Gymnasiallehrer gewesen?

    Genau, bis er wegen Majestätsbeleidigung in Gefängnis musste, und dann natürlich nicht mehr im Staatsdienst als Lehrer tätig sein durfte.

  • Ja, der Vater von Viktor ist in Ungnade gefallen. Aber dennoch bin ich der Ansicht, er müsste versuchen, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Wenn das in der Stadt nicht geht muss er eben irgendwo anders Arbeit suchen. Er kann doch nicht ernsthaft im Bett sitzen und den Rest seines Lebens nichts tun sondern seinen Söhnen auf der Tasche liegen. Sorry. Das kann ich nicht akzeptieren.

    Majestätsbeleidigung war damals eins der größten Verfehlungen, die man sich leisten konnte. Also, er ist per se schon mal bei allen Obrigkeitstreuen, und das war die Mehrheit, unten durch.

    Und dann ist er auch noch ein Kopfarbeiter, kein Arbeiter. Aber die Jobs für Tagelöhner waren mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Eine sehr ungünstige Ausgangsposition.

    Dazu komt, dass er stolz ist und findet, dass er Recht hat. Deswegen geht er nicht aus Charlottenburg weg, wo jeder ihn kennt und jeder weiß, was er getan bzw. gesagt hat.

  • Majestätsbeleidigung war damals eins der größten Verfehlungen, die man sich leisten konnte. Also, er ist per se schon mal bei allen Obrigkeitstreuen, und das war die Mehrheit, unten durch.

    Und dann ist er auch noch ein Kopfarbeiter, kein Arbeiter. Aber die Jobs für Tagelöhner waren mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Eine sehr ungünstige Ausgangsposition.

    Dazu komt, dass er stolz ist und findet, dass er Recht hat. Deswegen geht er nicht aus Charlottenburg weg, wo jeder ihn kennt und jeder weiß, was er getan bzw. gesagt hat.

    Das kann ich alles verstehen. Dennoch. Ich habe nicht das Gefühl, dass er erkennt, was er seiner Familie angetan hat mit seinem Stolz. Und ich sehe auch nicht, dass er sich schämt oder irgendwie versucht, etwas zu verbessern. Er kommt halt bei mir so an, dass ich ihn und sein Verhalten nicht verstehen kann. Muss ich ja auch nicht. Hat man im realen Leben auch.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

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    Freiheitsgeld - Andreas Eschbach


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Hedda tut mir sehr leid. Die Situation mit Herrn Opitz war wirklich furchtbar. Und wie dann die Mamsell reagiert und wirklich grausig. Hat Opitz was gegen sie in der Hand? Wieso kann sie da nichts tun? Auch dass niemand dazwischen gegangen ist, als er den kleinen Moritz so verdroschen hat... Da muss doch irgendetwas hinterstecken.

    Ja, das fand ich auch sehr merkwüdig von der Mamsell.

    Sie wirkte sehr verlegen, hat Hedda auch geglaubt, aber durch irgendetwas kann sie nix machen.

    Vermutlich hat Opitz sie auf irgendeine Art & Weise in der Hand, denke ich mal.

    Die arme Adelheid! Hat sich gerade eingefunden, versucht nur das Beste zu machen, freut sich auf den ersten Menschen, der offensiv freundlich ist und nun ist sie Hausmädchen. Immer noch besser als gar keinen Job, aber dennoch... Sie könnte das Geld wirklich gut gebrauchen, aber vielleicht wird es ohne den ganzen Neid ihr am Ende auf der Position auch besser ergehen? Mal schauen und aufsteigen kann sie bestimmt auch wieder.


    Das sind dann die Momente, wo ich echt wütend werden könnte ob der bigotten Zeit damals.

    Der blöde Kerl will sich profilieren, stellt Adelheid eine Falle und dann wird sie bestraft und degradiert.

    Eigentlich hätte ja der dämliche Budde absteigen müssen, zum Schuhputzer oder sonst was.



    Die Hauptmann von Köpenick Geschichte fand ich toll - ich hab da immer Heinz Rühmann spazieren sehen :grin


    Viktor ist mir bisher nur halbsympathisch.

    Noch ist er mir zu sehr in seinen Ängsten gefangen. Die mögen zwar teilweise berechtigt sein, trotzdem ist mir sein Verhalten noch zu unzugänglich.

    Einerseits hilft er Adelheid, andererseits behandelt er sie offen nicht gut.


    Schön finde ich, daß er so für seinen lütten Bruder kämpft, bzw. dafür spart, damit dieser dann studieren kann und nicht zum Wehrdienst muß.


    Was das nur alles 5 Jahre später bringt? Ich vermute, da wird kein Studium helfen, daß die jungen Männer nicht an die Front müssen :(

  • Schön finde ich, daß er so für seinen lütten Bruder kämpft, bzw. dafür spart, damit dieser dann studieren kann und nicht zum Wehrdienst muß.


    Was das nur alles 5 Jahre später bringt? Ich vermute, da wird kein Studium helfen, daß die jungen Männer nicht an die Front müssen :(

    Das weiß zu der Zeit aber noch keiner. Wahrscheinlich erscheinen dann die Schikanen beim Wehrdienst nur noch als harmlose Streiche, was sie beileibe nicht sind, wenn sich Männer deshalb sogar umbringen.

  • Viktors Vater war früher Gymnasiallehrer. Nach seiner Verurteilung ist er zum Tagelöhner abgerutscht.

    Und da gibt es nichts dazwischen? Tagelöhner ist doch wirklich die unterste Schicht. Aber er bemüht sich ja nicht mal um eine andere Arbeit. Da sind Adelheids Vater und Brüder doch noch engagierter, sie schippen den ganzen Winter Schnee. und Nehmen jede Arbeit an, die sich ihnen bietet.

  • Und da gibt es nichts dazwischen? Tagelöhner ist doch wirklich die unterste Schicht. Aber er bemüht sich ja nicht mal um eine andere Arbeit. Da sind Adelheids Vater und Brüder doch noch engagierter, sie schippen den ganzen Winter Schnee. und Nehmen jede Arbeit an, die sich ihnen bietet.

    Dafür bewundert Viktor Adelheids Vater auch.

    Aber man muss bedenken, dass Adelheids Vater es nicht anders kennt. Klar, ist es besser, wenn man für Geld und das Wohl seiner Kinder nicht allzu wählerisch ist, aber gehasste Arbeit kann einen Menschen auch wirklich schaden, psychisch.

  • Bevor ich es vergesse: über den einzelnen Abschnitten findet sich jeweils ein Datum. Auch wenn es sich um den selben Tag handelt. Ich persönlich fände es übersichtlicher, wenn erstmals ein Tag kommt, das Datum zu schreiben und dann „Später“, „Zur gleichen Zeit“, „Am Abend“ etc. Oder noch besser: das Datum plus die erwähnten Zeitangaben zusätzlich.


    Es passiert der Hauptmann von Köpenick. Da mußte ich doch etwas Grinsen - und hatte immer das Bild der Verkörperung durch Heinz Rühmann vor Augen. :chen


    Lydia versprüht weiterhin ihre Gemeinheiten und stellt Adelheid vor Viktor bloß. Anscheinend gibt es da doch eine gewisse Anziehungskraft zwischen den beiden. Sollte das so sein, tippe ich darauf, daß das erst im dritten Band „akut“ wird. Mindestens gemein ist auch, daß Lydia Schlafpulver in Adelheids Getränk mischt. Zum Glück merkt die das irgendwann und kann sich wehren. Dagegen jedenfalls.


    Das Fürstenpaar kümmerte sich in der Regel nicht um die Dienstboten.“ (S. 145) Das erklärt vieles, für mich zum Beispiel auch, weshalb Opitz noch immer in Amt und Würden ist. Wobei der ein ganz gerissener Typ sein muß - oder die Mamsell hat sich in der Vergangenheit in irgendeiner Weise etwas zuschulden kommen lassen, wovon Opitz weiß, der davon Gebrauch macht. Ob er darum so unanfechtbar in seiner Stellung ist, weil er andere erpressen kann? So ist Hedda seinen „Annäherungsversuchen“ wohl auch künftig ausgesetzt, und das zudem weitgehend wehrlos.


    Als das Waschhaus beschrieben wurde, kamen Erinnerungen an meine frühe Kindheit hoch. Es muß zwischen 1961 und 1965 gewesen sein, genauer kann ich das nicht mehr eingrenzen, da hatten wir noch keine Waschmaschine. Ich entsinne mich, mit meinem Vater in der Waschküche für die Kochwäsche den Kessel eingeheizt zu haben. Wie es dann weiter ging, weiß ich nicht mehr. Allerdings entsinne ich mich noch, daß irgendwann (ob zu jeder Zeit, was ich annehme, oder später) die Wäsche in der Badewanne „gestampft“ wurde. Spätestens ab 1965 hatten wir dann eine Waschmaschine und eine Schleuder.


    Dann kommt die im U4-Text erwähnte Falle. Budde stellt die, um selbst glänzen zu können! Wie absolut hinterhältig. Und dann erwartet er gegen Ende des Abschnitts, daß Adelheid ihm verzeihen möge? Ich hoffe, er wartet, bis er schwarz wird.


    Obwohl die Mamsell Bescheid weiß, wird „natürlich“ nur Adelheid bestraft und degradiert. Ob nun wenigstens die Schikanen Lydias aufhören? Allerdings glaube ich das nicht, ich vermute, sie wird nun ihre „höhere Stellung“ gegenüber Adelheid ausspielen und diese weiterhin oder sogar mehr trietzen.


    S. 206 habe ich gestutzt, als es hieß, eine Zeitung würde 50 Pfennig kosten. Stimmt der Preis? Der kommt mir ziemlich hoch für die damalige Zeit vor.


    Am Ende des Abschnitts dann die ersten Vorboten des Skandals, der vermutlich die weitere Handlung beherrschen wird.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")