Tom Liehr "Idiotentest"

  • Nachdem ich beide Bücher kenne, war mir eigentlich klar, dass sie beiden auch gegenseitig gefallen...wobei es mich schon überrascht, dass ihr sie jetzt erst gelesen habt...:-)

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Hm, also "Idiotentest" stand schon länger auf meiner Wunschliste - ich hatte aber ganz leise ein zweites "Herr Lehmann" befürchtet, was sich glücklicherweise gar nicht bewahrheitet hat.


    Ich hoffe nun natürlich, dass Toms Kritik genau so ehrlich ist wie meine ... (bin noch ganz hin- und weg).
    Ich schreibe ja wöchentliche Buchempfehlungen, das heißt, ich fange ziemlich viele Bücher an - es "überleben" aber nur wenige. Und nur eine Hand voll bleiben so präsent wie Toms, hab es auch schon eifrig weiterempfohlen :-)

  • soderla.
    dann reihe ich mich auch mal ein in die riege der idiotentest-buch-mögenden.
    hat mir nämlich wirklich gut gefallen.


    grüssli, blaustrumpf

    Wer einmal aus dem Schrank ist, passt nicht mehr in eine Schublade.
    Aber mein Krimi passt überall: Inge Lütt, Eine Bratsche geht flöten. ISBN: 978-3-89656-212-8. Erschienen im Querverlag

  • Also nun dann möchte ich mich auch einmal äußern. Allerdings nicht ganz so durchweg positiv.


    Mir hat der Schreibstil gut gefallen und die Idee an sich auch. Viele Szenen waren witzig und haben mir ein Lächeln entlockt.


    Allerdings konnte ich mich (zumindest bis fast zum Schluss) nicht mit Henry anfreunden. Und auch mit dem Thema Aids/Krebs fiel es mir etwas schwer. Bis Henry zum Schluss das Trinken einstellt, da ging es dann ;-) aber das war ja ganz am Schluss.


    Die Gründe dafür liegen darin, dass ich in meinem Umfeld bzw. meiner Familie die Probleme Alkohol hatte. Es hat mich ziemlich an diese Erfahrungen erinnert und ich fand das irgendwie zu locker erzählt, als wäre es nichts. Doch vielleicht ist es auch einfach aus der Sicht desjenigen erzählt, der viel trinkt. Denn für diese Person ist es sicherlich anders, als für mich, deren Mutter dieses Problem hatte und ich die Leidtragende war.


    Das Thema Krebs ist für mich schwierig. Ich fand, Tom, du hast die Momente sehr einfühlsam erzählt in denen es darum ging. Aber vielleicht liegt es an mir, an meinen Erfahrungen. Da mein Vater daran starb, bin ich immer etwas sensibel wenn es um dieses Thema geht. Und ich bin deshalb froh, dass diese Thematik im Buch etwas anders geschildert wurde als das Alkohlproblem.


    Diese beiden Dinge haben mir es etwas schwer gemacht, mit mancher Figur in dem Buch warm zu werden oder mit der Geschichte an sich. Das Buch ist wirklich gut geschrieben und hat viele Stellen, bei denen ich schmunzeln musste. Es liegt sicher an meinen persönlichen Erlebnissen, dass ich diese Schwierigkeiten hatte.


    Aber ich möchte es trotzdem weiter empfehlen, denn es ist lesenswert. :-) Es sind persönliche Gründe, die aber das Buch an sich nicht schlecht machen.


    Ich danke dir, dass du es mir signiert geschenkt hast Tom und ich dadurch dazu kam, es zu lesen. :wave

    Auch aus Steinen,
    die dir in den Weg gelegt werden,
    kannst du etwas Schönes bauen

    Erich Kästner

  • Huhu, Branka.


    So kann's gehen, das kann man als Autor natürlich nicht ausschließen. Nur soviel, was kein Argument für oder gegen irgendwas sein soll: Ich habe mit beiden Themen auch persönliche Erfahrungen, wenigstens mittelbare. Und eine fiktionale Verarbeitung muß immer einen Standpunkt und eine Sicht wählen. Da ist es unvermeidlich, daß jemand mit seiner ganz persönlichen Sicht/Erfahrung dies als unangemessen oder sogar falsch empfindet.


    Ich hoffe, die Stellen, die Dich zum Schmunzeln usw. gebracht haben, konnten die Eindruck etwas abfedern. ;-)

  • Auf jeden Fall. Vielen Dank nochmal! :-)
    Es ist aber doch sehr interessant für mich gewesen zu erfahren wie es ist, über Dinge zu lesen, die man selbst erlebt hat oder zumindest im nahen Umfeld mitbekommen hat. Das ist doch anders. :wave

    Auch aus Steinen,
    die dir in den Weg gelegt werden,
    kannst du etwas Schönes bauen

    Erich Kästner

  • „Idiotentest“ ist eines der wenigen Bücher die ich ein zweites Mal gelesen habe. Ich hatte es an einen Freund verliehen der es mir dann nach einiger Zeit zurückgab mit der Bemerkung „Sag mal, hat der Vogel noch andere Bücher geschrieben? Von dem würde ich gern alles lesen.“ Ich habe ihn dann auf „Radio Nights“ hingewiesen. So weit so gut. Ich packte den „Idiotentest“ also in meinen Rucksack und begab mich zur S-Bahn. Autofahren kam nicht infrage, da diese Abende in der Regel so einigen Flaschen Rotwein das Leben kosteten.
    In der Bahn lese ich immer. Nur diesmal hatte ich mein Buch vergessen, alles Durchwühlen des Rucksacks half nicht. Was also tun? Na klar, noch einmal ran an den „Idiotentest“. Und sofort war ich wieder gefangen von diesem Buch.
    Die Erzählweise von Tom Liehr ist so, dass man ihm einfach gern zuhört. Denn ist es ja leider nicht selbstverständlich, dass ein Erzähler auch erzählen kann – Tom Liehr kann das und wenn man seine Texte liest, die er hier und da mal loslässt, dann mögen sie vielleicht provozierend sein, sie mögen einen aufregen – aber eines sind sie nicht, sie sind niemals langweilig. Sie polarisieren, sie wühlen auf und sie regen die Diskussion an. Er schwafelt nicht, er sagt etwas – mit Nachdruck – so dass man auch hinhört.
    Auch der „Idiotentest“ ist ein Buch, das vielleicht nicht jedem gefällt, ich wette aber, dass dieses Buch kaum einen Leser kalt lassen wird. Auf 243 Seiten wird eine kompakte Geschichte erzählt, nie rutscht sie ins Triviale ab, nie schafft es die Primitivität, in dieses Buch reinzukommen. So schreibt wirklich nur ein Vollbluterzähler.
    „Idiotentest“ ist ein Buch, dass man bedenkenlos verschenken kann, als Mitbringsel viel besser geeignet als irgendein Blumenstrauß, der eh nach drei Tagen zur Zierde des Komposthaufens wird, die Blumen vergisst man, der „Idiotentest“ verschwindet unter Garantie nicht so schnell aus dem Gedächtnis.
    Ein sehr empfehlenswertes Buch.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Ich habe mir heute dieses Buch in zwei - drei Etappen eingeteilt durchgelesen. Was soll ich dazu noch sagen, was nicht schon gesagt worden ist? Zunächst war ich doch sehr skeptisch- so ein bischen sehr letztes Jahrhundert, so etwas Sven Regner, so etwas Bukovski, so etwas, ja ich weiß nicht was, aber je mehr man sich in das Büchlein hineinliest, desto mehr merkt man, der hat es nicht nötig irgendwas anderes als Tom Liehr zu sein.
    Auch wenn mich überrascht hat, das Tom ein Happy ender sein kann- eine wirklich schöne Geschichte über Freundschaft und Liebe, über Versagensangst und Verantwortung.


    Wo bleiben die im Herbst 2006 angedeuteten Bücher von Tom Liehr?

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Hallo, Beowulf.


    Sorry, ich hatte Deine Anmerkungen schlicht übersehen. Schön, daß Dir das Buch gefallen hat! :-)


    Zitat

    Wo bleiben die im Herbst 2006 angedeuteten Bücher von Tom Liehr?


    Im Oktober erscheint mein nächster Roman, der "Geisterfahrer" heißen und deutlich länger als der "Idiotentest" sein wird, und mit neunundneunzigkommavierprozentiger Wahrscheinlichkeit gibt es kurz darauf oder sogar im gleichen Monat noch einen, ein Buch zu einem Film, aber darüber darf ich leider nicht mehr sagen.


    Hier ist das voraussichtliche Cover von "Geisterfahrer":

  • :hop
    und das Cover ist ja schon mal wieder klasse! :grin
    (na gut, bisschen viel Himmel für meinen Geschmack, aber die Idee mit den Schildern ist toll!)

    Surround yourself with human beings, my dear James. They are easier to fight for than principles. (Ian Fleming, Casino Royale)

  • Ich habe das Buch jetzt auch gelesen.


    Mein kurzes Fazit:
    Das Leben eines maßlos Bier vertilgenden Taxifahrers, geschrieben im frei Schnauze-Stil, bei dem ein gelegentliches Schmunzeln nicht ausbleibt.
    Von mir gibt es 7 von 10 Punkte
    Das nächste Buch ist auf der Wunschliste notiert :write :grin