• Ich muss ehrlich zugeben, dass ich es irgendwie nicht so ganz verstehen kann, warum Pseudonyme nicht so gern gesehen werden :gruebel


    Insbesondere wenn es dabei um verschiedene Genres geht. Ich habe es für mich immer so ausgelegt, dass man als Leser unvoreingenommen an ein Buch heran gehen sollte, wenn man jedoch im Kopf hat: Ah, von diesem Autor habe Buch XY gelesen und fand es nicht so gut, dann wird mir dieses mit Sicherheit auch nicht so gefallen. Ich kann daher die Verlage/Autoren recht gut verstehen.


    Wobei mir das auch nicht wirklich etwas ausmacht. Ich lese ein Buch wegen dem Inhalt, da ist es mir egal ob XY Müller oder AB Smith drauf steht. Und wenn ein Autor für sich entscheidet, dass er lieber unter einem Pseudonyme veröffentlichen möchte, warum nicht. An dem Inhalt ändert sich ja dadurch auch nichts. Im Vordergrund sollte ja eigentlich immer die Geschichte stehen und nicht der Autor. Empfinde ich zumindestens so :-)

    Und manchmal ist ein Buch die Welt für mich!


    Mein Blog



    :lesend Laini Taylor - Daughter of Smoke and Bone - Zwischen den Welten



    Langzeitprojekte:
    Margaret George - Maria Stuart LR

  • Naja, mir geht's wie SiCollier. Es gibt Autoren, von denen möchte ich auf keinen Fall noch ein Buch lesen. Auch kein anderes Genre. Es könnte sogar sein, dass mich der Inhalt interessiert, aber ich mag einfach den Stil nicht. Und es gibt einfach Autoren, die können nicht besser, auch nicht in einem anderen Genre, da will ich das Buch dann auch nicht unter einem Pseudonym untergejubelt bekommen.

  • Zitat

    Original von SteffiB
    Ich persönlich glaube ja daran, dass sich Qualität früher oder später durchsetzt, nur leider ist ein Buch auf Graswurzelmarketing und Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen


    Ich hab den Glauben daran irgendwie schon lange verloren ... Qualität mag sich durchsetzen, aber Qualität, die sich allein deshalb durchsetzt, das gibt es wohl extrem selten. Da waren dann sicher noch einige andere Faktoren im Spiel. Dito Graswurzelmarketing. Ist Dark Canopy nicht das beste Beispiel, dass es sich hätte durchsetzen müssen, wenn Graswurzelmarketing funktionieren würde?

  • Zitat

    Original von Mulle
    Es gibt keine Garantiemaßnahmen, mit denen man ein Buch dazu bewegen kann, sich gut zu verkaufen, aber zwei ziemlich große Sicherheitsaspekte sind der Programmplatz und der Werbeetat. Die beiden Herzchen entscheiden darüber, ob das Buch in den Läden irgendwo ins Regal kommt (wo es keine realistische Chance hat, sich "gut" zu verkaufen) oder auf die prominenten Tische im Eingangsbereich.
    Wer diese Spitzenplätze bekommt, scheint oft genug eher eine Lotterie zu sein. Und hat - meiner Beobachtung nach - nicht zwingend mit Qualität zu tun.


    Oder müssen wir jetzt darüber diskutieren, ob "Shades of Grey" ein qualitativ gutes Buch ist?


    *kopf schüttel* Nein, da sind wir uns sicher einig O :yikes
    Wobei das Buch ja einen vollkommen anderen 'Werdegang' hatte, als normale Bücher. [aber wir können hier natürlich alternativ Twilight einsetzen *husthust*]


    Ich verstehe den wirtschaftlichen Aspekt durchaus. Wäre das Geheimnis, warum es manche Bücher zum Hype schaffen und andere nicht, bereits geklärt, würden sich gewisse Verlage schließlich eine goldene Nase verdienen.


    Ich verstehe nur nicht, was das Ganze mit den Pseudonymen zu tun hat. Wenn z.B. ein Verlag einen großen Werbeetat für mein neuestens Buch bereit stellt, obwohl mein vorheriges sich nicht sonderlich verkauft hat, macht es dann einen Unterschied, ob dieses neue Buch unter demselben Namen erscheint oder unter einem Neuen? Schließlich ist anzunehmen, dass die Anzahl der Leser, die Flopp Nr. 1 gelesen haben, im Vergleich zur Große der gesamten Zielgruppe eher gering ist und wenn dann diese fünf Hänschen und Gretelchen das neue Buch nicht kaufen, macht das sicher nicht die Welt aus. Ich hänge Delphin Frage an, denn genau das war auch mein 'Problem' mit dem Verständnis.

    Zitat

    Wenn ein "geflopptes Buch" eh schnell in Vergessenheit gerät, oder überhaupt nie wahrgenommen wurde, wieso braucht man dann für die zweite Chance einen neuen Namen?



    Oder verstehe ich hier etwas grundlegend falsch?
    Weil wenn es dann wirklich nur an den Buchhändlern liegt, die dann diese Bücher einfach nicht mehr bestellen, dann liegt der Hund meiner Meinung nach verdammt tief begraben und ich finde, das ist ein Ernstzunehmendes Problem. [wobei in den Tagen von amazon, bzw. allgemein des Onlineverkaufs hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet, dass das Problem so schwerwiegend sein könnte].



    ²SteffiB:

    Zitat

    Denn, liebe Asmos, und hier beziehe ich mich auf das Fettgedruckte in deinem Zitat, so einfach ist es nämlich nicht. Ich denke, jede/r Autor/in stellt sich diese Frage, und zwar mehr als einmal. Aber ein Buch floppt eben nicht nur, wenn es schlecht ist. (Im Umkehrschluss fanden zum Beispiel eine Menge Leser/Eulen die Grauschatten grottig, aber das Buch ist alles andere als gefloppt.) Angenommen, da ist ein Buch, dass eigentlich ziemlich vielen Lesern gefallen könnte, nur leider finden die es nicht, weil der Buchhändler das Cover scheußlich fand und es deshalb nicht bestellt hat. Oder er hat es bestellt, aber nur zwei Stück, und die stehen hinten im Regal. Oder das Buch liegt zwar in der Stapelware, aber leider zwischen Sara Lark und Ini Lorenz. Die meisten potenziellen Käufer entscheiden sich dann doch für den bekannten Namen. Die Liste ließe sich noch endlos fortführen.


    Ich stimme dem absolut zu. Mein Satz bezog sich speziell auf SabineWs Satz. Dieser vermittelte mir den Eindruck, als würde der Name des Autors auf dem zweiten Buch automatisch zu einem Flopp führen, wenn das erste Buch sich nicht verkaufen ließ.
    Dass der Erfolg eines Buches von sehr vielen Dingen abhängt, ist mir durchaus klar. Ich finde nur, dass der Name des Autors dabei für den Leser eigentlich das Wenigste ausmacht. Klar, wenn man sich zwischen dem Buch eines [noch] Noname Autors und dem eines Bestseller-Autors entscheiden kann, den man kennt und liebt, dann gibt man sein Geld wahrscheinlich für Letztes aus. Aber in dieser Beziehung sehe ich auch nicht, wie ein Pseudonym dem Noname-Autor helfen könnte, außer er klaut sich den Namen eines bekannten Autors und klebt vielleicht nur einen Buchstaben irgendwo dran ^^"
    Aber ansonsten...


    ²Mulle.

    Zitat

    Man kann sich das gar nicht vorstellen, an was für Punkten manchmal alles steht und fällt.
    Nimm mal mein Dark Canopy als Beispiel: Die Buchblogger nennen es ein "Hype-Buch". Weil es auf zahllosen Bloggs besprochen wurde. Offenbar gefiel es den Bloggern. Es hat Fans. Es hat seit heute 100 mal die volle Punktzahl beim großen Fluss.
    Thalia hat dieses Buch komplett ignoriert, d.h. es wurde allenfalls auf Kundenwunsch bestellt und hinten ins Regal gestellt, 9 von 10 Thalia-Fillialen hatten es im Erscheiungsmonat überhaupt nicht. Keine Ahnung, was die gegen dieses Buch hatten, aber für das Buch war das schon eine kleine Katastrophe und es hätte mir als Autorin um Haaresbreite eine wahnsinnige "Katsche" in die Karriere gehauen. Unangenehm war es in jedem Fall.
    An solchen Details kann man komplett scheitern. Wäre schade drum. Finde ich.


    Ich hatte auch gedacht, dass das Buch eigentlich ein Verkaufsrenner sein müsste. Es taucht eigentlich in jedem Buchvideo und jedem Blog auf, der sich mit dem Genre beschäftigt :yikes
    Das schockiert mich jetzt ehrlich gesagt ein wenig.
    Und dann wundert es mich auch nicht mehr, wenn amazon und allgemein der Onlineverkauf bevorzugt wird. Da braucht sich der lokale Buchkauf gar nicht zu beschweren. Mit dem Kopf durch die Wand, tze.



    Allgemein lese ich aus diesem Thread heraus, dass das Kernproblem der Buchhandel ist, nicht zwingend der Leser. Aber ich verstehe nach wie vor nicht, wie ausgerechnet ein Pseudonym dabei helfen soll. Einerseits begreife ich, dass es eine Möglichkeit ist, ÜBERHAUPT wieder einen Platz im Regal der lokalen Buchhandlungen zu bekommen, andererseits... es ist keinerlei Garantie für bessere Verkaufszahlen. Wie sieht also der Plan mit den Pseudonymen aus? Es so lange mit ständig neuen Namen zu probieren, bis bei einem irgendwann einmal die Verkaufszahlen stimmen?

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Zitat

    Original von DraperDoyle


    Und was heißt überhaupt floppen? Wenn es bedeutet, dass das entsprechende Buch viele schlechte Kritiken bekommen hat, würde ich auch erstmal an meiner Kompetenz als Schriftstellerin zweifeln.


    Bei "Floppen" geht es immer nur um Verkaufszahlen. Rezensionen spielen da keine Rolle.


    Vielleicht, wenn das Für und Wider, ob man einem Autor einen weiteren Vertrag gibt, bei Fifty-fifty liegt. Da kommt dann nach einer langen Lektoratskonferenz vielleicht einer auf die Idee zu sagen: "Lasst uns doch mal gucken, was die Leser über das letzte Buch eigentlich gesagt haben".


    Naja, bisschen überspitzt vielleicht. ;-)

  • Zitat

    Original von SabineW: Zitat: Original von Salonlöwin Die Vielzahl der wirklich üblen, unoriginellen Namen sorgt bei mir nur für eines, nämlich den Schluss, dass ich vom augenscheinlich lieblosen Pseudonym auf einen eben solchen Inhalt eines Buches schließe. Das kann man auch nicht verallgemeinern. Ich wähle meine Pseudonyme ohne jede gefühlsmäßige Bindung aus. Es soll passend und gut klingen, das genügt mir. Manchmal wird man ja sogar aufgefordert, eine ganze Liste zu schicken, aus dem der Verlag dann auswählt. Ich seh das völlig nüchtern und ziehe daraus keinerlei Verbindung zum Schreiben, dessen Leidenschaft allein vom Inhalt abhängt.


    De gustibus non est disputandum ;-).


    SabineW, mir ging tatsächlich nur um die aktuellen Auswüchse unter den Pseudonymen, die an Skurrilität nicht mehr zu überbieten sind.
    Ich habe kein Problem damit, wenn ein Schriftsteller sich einen alternativen Namen zulegt, weil er seine Privatsphäre geschützt wissen will. Das ist in Ordnung und den Wunsch nach Privatheit kann ich verstehen.
    Wenn allerdings wie bei der Flut an aktuellen Romanen, die in Mexiko, in der Karibik etc. spielen rassige bis vollblumige Namen verwendet werden, um als Verkaufsargument herzuhalten, dann halte ich diese Verkaufsstrategien für lächerlich.
    Warum gehen die Verlage eigentlich nicht noch einen Schritt weiter und unterstreichen die lokale Note ihrer Produkte nicht noch mit einer zusätzlichen Erwähnung der grandiosen Übersetzer, die natürlich nicht minder eindrucksvolle Namen tragen?


    Hinter üblen Pseudonymen mögen sich wahre Perlen der Unterhaltungsliteratur verbergen, die entdeckt werden wollen. SteffiB erwähnte in diesem Strang das Stichwort Notwehr. Genau diese bemühe ich bei der Auswahl meiner Literatur und wenn bei mir der Eindruck entsteht, dass ein Pseudonym verkaufsverstärkend eingesetzt wird, so ist das für mich Grund genug, einen potenziellen Lesekandidaten gar nicht erst in meine Wunschliste aufzunehmen. Ich denke, dass ich mit dieser Art von Kollateralschaden leben kann.

  • Zitat

    Original von Asmos
    Mein Satz bezog sich speziell auf SabineWs Satz. Dieser vermittelte mir den Eindruck, als würde der Name des Autors auf dem zweiten Buch automatisch zu einem Flopp führen, wenn das erste Buch sich nicht verkaufen ließ.


    Ja, das ist so. Physikalisches Gesetz. Ich wunder mich darüber auch immer wieder. :grin


    Du als Leser kannst es auch feststellen: Die folgenden Bücher eines Autors generieren idR weniger Vorschauseitenzahlen (für jeden einsehbar), schlechtere Amazonränge, weniger Lizenzen (kann man ja oft auf Homepages sehen), weniger Rezis, weniger Präsenz im Netz. (Ich rede nicht von Bestsellern.)


    Ist es beim Wichtigsten, den Verkaufszahlen, etwa anders? Da kann man jetzt drüber nachgrübeln ...


    Wenn man nun bedenkt, dass sich ein Buch meistens nicht so gut verkauft hat, wie sich der Verlag das erhofft hat (Flopps sind verdammt häufig) ... Wird er für den Nachfolger dann nochmal so viel Vorschaupräsenz, Werbung usw. investieren? Wenn das physikalische Gesetz doch sagt, nein, das Folgebuch WIRD nicht besser laufen?


    Oder probiert man was Neues aus? Denn simmer doch mal ehrlich: Die erfolgreichen Bücher sind fast immer die bekannten Namen - oder komplett unbekannte. Also macht man aus einem Klepper im Stall, von dem man weiß, der kommt nicht mehr in die Hufe, ein unbekanntes Gesicht.



    Gelegentlich kommt es übrigens vor, dass so ein Klepper mit altem Namen, aber neu aufpoliert bei einem anderen Verlag wieder auftaucht. Und plötzlich Erfolg hat. Das geschieht aber praktisch nur bei einem Verlagswechsel. Der alte Verlag macht das nicht.

  • Zitat

    Original von Mulle: Thalia hat dieses Buch komplett ignoriert, d.h. es wurde allenfalls auf Kundenwunsch bestellt und hinten ins Regal gestellt, 9 von 10 Thalia-Fillialen hatten es im Erscheiungsmonat überhaupt nicht. Keine Ahnung, was die gegen dieses Buch hatten, aber für das Buch war das schon eine kleine Katastrophe und es hätte mir als Autorin um Haaresbreite eine wahnsinnige "Katsche" in die Karriere gehauen. Unangenehm war es in jedem Fall. An solchen Details kann man komplett scheitern. Wäre schade drum. Finde ich Winken


    Und während Thalia Dich ignoriert, stapelt Hugendubel plakativ Deine Bücher auf gesonderten Tischen zwischen junger Erwachsenenliteratur und Fantasy.
    Ich könnte provokativ nach dem Budget von script5 für derartige Aktionen fragen ;-).
    Sollte ich die Tage Zeit für eine Stippvisite bei Thalia haben, schaue ich nach, was Thalia vorrätig hat.

  • Zitat

    Original von Mulle


    Weil der Buchhändler vielleicht das Buch vergisst - nicht aber die Tatsache, dass er es schlecht verkauft hat.


    Man kann sich das gar nicht vorstellen, an was für Punkten manchmal alles steht und fällt.
    Nimm mal mein Dark Canopy als Beispiel: Die Buchblogger nennen es ein "Hype-Buch". Weil es auf zahllosen Bloggs besprochen wurde. Offenbar gefiel es den Bloggern. Es hat Fans. Es hat seit heute 100 mal die volle Punktzahl beim großen Fluss.
    Thalia hat dieses Buch komplett ignoriert, d.h. es wurde allenfalls auf Kundenwunsch bestellt und hinten ins Regal gestellt, 9 von 10 Thalia-Fillialen hatten es im Erscheiungsmonat überhaupt nicht. Keine Ahnung, was die gegen dieses Buch hatten, aber für das Buch war das schon eine kleine Katastrophe und es hätte mir als Autorin um Haaresbreite eine wahnsinnige "Katsche" in die Karriere gehauen. Unangenehm war es in jedem Fall.


    Da kenne ich wohl die beiden Thalia-Filialen, die Dark Canopy auf einem Tisch in der Jugendbuchabteilung liegen haben. Ebenso der Nachfolger, der es schon am Montag zu kaufen gab. Aber vielleicht sind das wirklich Ausnahmen. :gruebel

  • Zitat

    Original von Mulle: Thalia hat dieses Buch komplett ignoriert, d.h. es wurde allenfalls auf Kundenwunsch bestellt und hinten ins Regal gestellt, 9 von 10 Thalia-Fillialen hatten es im Erscheiungsmonat überhaupt nicht. Keine Ahnung, was die gegen dieses Buch hatten, aber für das Buch war das schon eine kleine Katastrophe und es hätte mir als Autorin um Haaresbreite eine wahnsinnige "Katsche" in die Karriere gehauen. Unangenehm war es in jedem Fall. An solchen Details kann man komplett scheitern. Wäre schade drum. Finde ich Winken


    Dass Thalia gewisse eigentlich beliebte Reihen ignoriert, ist leider gängige Praxis dort. Entgegen sämtlicher anderer Buchhandlungen meiner Stadt, die die gesamte Reihe vorrätig haben, ist dort zum Beispiel auch kein einziges Buch von Andrzej Sapkowski zu finden.


    Aber ich dachte eigentlich auch, dass Dark Canopy wirklich gut laufen würde. Bei meinen Freunden von Wortspiel geht es jedenfalls weg wie warme Semmeln.

  • Zitat

    Original von SabineW


    Auch wenns schade ist: So denke ich auch.


    Ich auch.
    Wenn man auf einer Seite hundert Leser vergraetzen muss, um auf der anderen Seite tausend zu gewinnen, hat man - zumindest wenn die fuers Schreiben abgezogene Arbeitszeit sich einigermassen rechnen muss - kaum eine Wahl, als den Kollateralschaden in Kauf zu nehmen.


    Das mag bedauerlich sein, weil die verlorenen Leser eben oft die sind, die man ganz besonders gern erreicht haette. Die Alternativen sind aber Erbonkel oder Lottogewinn, und an die ist derzeit so schwer dranzukommen.


    Das Argument von Asmos ist natuerlich nicht von der Hand zu weisen. Als betroffener Autor kann ich dazu nur sagen: Natuerlich ueberlegt man sich, ob man, wenn man ohne Erfolg schreibt, das Schreiben nicht lassen sollte, weil man es eben nicht gut genug kann. Ich zumindest ueberlege mir das unentwegt, und ich weiss es auch von anderen Kollegen. Dass ich selbst im Erfolgsfall fuer einen Stundenlohn arbeiten wuerde, den ich in meinem eigentlichen Beruf leicht verfuenffachen kann, sagt aber vielleicht, dass Autoren in der Hinsicht haeufig bekloppt - beziehungsweise unbelehrbar sind.
    Ganz so extrem ist es nicht. Ich moechte nicht acht Pseudonyme ausprobieren und weitermachen, bis ich saemtliche Ressourcen meiner Familie verkloppt habe. Aber als Sucht, bei der der Ausstieg schwerfaellt, empfinde ich Schreiben (mit dem Ziel, Leser zu erreichen! Tagebuch hab ich nie geschrieben) durchaus. Was eventuell erklaert, warum man nach dem ersten Flop eben nicht sofort aufsteckt, sondern nach dem Strohhalm des Pseudonyms dankbar greift und versucht, sich bei dieser zweiten Chance naeher zum Leser hinzuschreiben.


    Dass Buecher wie "Dark Canopy" sich nicht gut genug verkaufen, will mir (nach 25 Jahren Arbeit in der Branche ...) auch nicht in den Kopf. Ich habe dafuer keine Erklaerung. Wenn aber Leute wie Jennifer aufhoeren zu schreiben, weil der erste Versuch den Verlag nicht ganz befriedigt hat, dann habe ich zumindest in der Unterhaltungsliteratur bald nichts mehr zu lesen.
    Auch das waere eventuell noch als Kollateralschaden einzuordnen. Aber als einer, den ich lieber vermeiden wuerde.


    Charlie

  • Zitat

    Original von Charlie
    Wenn man auf einer Seite hundert Leser vergraetzen muss, um auf der anderen Seite tausend zu gewinnen, hat man - zumindest wenn die fuers Schreiben abgezogene Arbeitszeit sich einigermassen rechnen muss - kaum eine Wahl, als den Kollateralschaden in Kauf zu nehmen.


    Was die Problematik mit den Leser betrifft, so verstehe ich diese 'Taktik' [nennen wir's mal so ^^]. Allerdings macht es doch [rein auf die Leser und nicht die Buchhändler bezogen] eigentlich nur Sinn, wenn man sich mit neuem Namen in DERSELBEN Sparte erneut versucht.
    Ich meine, wenn du das Genre wechselst, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Leser deines alten Buches mit dem deines neuen überschneidet, eher gering, zumindest wenn das erste Buch tatsächlich nicht so der Verkaufshit gewesen ist. Lohnt sich das Pseudonym in diesem Falle denn überhaupt? Im neuen Genre wäre ja auch der Erstname/Klarname für die potenziellen Leser ein neuer Name. :gruebel


    Zitat

    Dass Buecher wie "Dark Canopy" sich nicht gut genug verkaufen, will mir (nach 25 Jahren Arbeit in der Branche ...) auch nicht in den Kopf. Ich habe dafuer keine Erklaerung. Wenn aber Leute wie Jennifer aufhoeren zu schreiben, weil der erste Versuch den Verlag nicht ganz befriedigt hat, dann habe ich zumindest in der Unterhaltungsliteratur bald nichts mehr zu lesen.
    Auch das waere eventuell noch als Kollateralschaden einzuordnen. Aber als einer, den ich lieber vermeiden wuerde.


    Ich hoffe ja, dass solche Autoren über den Bekanntheitsgrad in der Blog/Vlog-Welt einigermaßen auf dem Laufenden sind und somit sehen, dass ihre Bücher gelesen, geliebt und vor allen Dingen weiterempfohlen werden.
    Es ist mir schleierhaft, warum sich die Buchhändler das Medium Rezensionen nicht stärker zu Nutze machen. Es lässt sich damit doch in vielen Fällen erkennen, welche Bücher zur Zeit gut laufen und von den Lesern verschiedener Genres bevorzugt werden.
    Faulheit? Desinteresse?

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Meiner - beschraenkten - Information nach macht das, was im Internet geschieht, auch weiterhin in den meisten Genres nur einen Bruchteil der eigentlichen Verkaeufe aus, und kann somit vernachlaessigt werden.
    Ob diese Aussage zutrifft, kann ich nicht nachpruefen. Denken wuerde ich mir, dass fuer ein Buch wie "Dark Canopy", das auch speziell junge Leser ansprechen soll, das Internet tatsaechlich ein wichtiges Werbemittel ist. Aber ich weiss es nicht. Fuer eher konservative Genres wie historische Romane spielt es aber - soweit es mir gesagt wurde - keine Rolle.


    Ob Pseudonyme sich generell lohnen, kann ich natuerlich auch nicht beurteilen. Bei mir hat sich die Verkaufszahl verdoppelt - bei anderen Kollegen ist das Ergebnis noch deutlich besser. Daran kann man nicht so einfach vorbei.
    Ob sich das haelt oder ob es ueberhaupt reicht, weiss ich nicht. Aber ich lebe da nach dem Motto: It was nice as long as it lasted ...


    Einen froehlichen Tag wuenscht Charlie

  • Ich wollte in dem Thread nichts mehr schreiben, aber da ich direkt angesprochen wurde (ich habe das Originalpost von SabineW gelesen):


    Ich habe mal geguckt, weshalb ich mich damals abgemeldet habe. Das tat ich seinerzeit von allen LR, weil ich zu viele mitgemacht hatte. Es gab, meine ich, damals auch eine Diskussion über die Leserundenteilnahme. Da ich zu viele abgebrochen habe, habe ich dann einfach alle abgesagt. Das Buch habe ich allerdings dennoch gekauft, Dein Honorar ist insofern gesichert. ;-)



    Die Diskussion hier habe ich mit Interesse weiterverfolgt und gebe zu, daß die Argumente eine gewisse Stichhaltigkeit haben. Das heißt jedoch nicht, daß ich als Leser anders fühle, wie früher beschrieben. Ob ich als Leser mein Denken und Handeln ändern werde, weiß ich noch nicht.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von Charlie
    Meiner - beschraenkten - Information nach macht das, was im Internet geschieht, auch weiterhin in den meisten Genres nur einen Bruchteil der eigentlichen Verkaeufe aus, und kann somit vernachlaessigt werden.


    :yikes
    Der Leser wird also in vielerlei Hinsicht von der Buchindustrie vollkommen ignoriert.


    Aber wenn Blogs und Vlogs und soziale Netzwerke wie die Eule oder lovelybooks eigentlich so wenig Nutzen haben, warum versenden die Verlage dann überhaupt Leseexemplare und sponsorn Testleserunden? Es scheint dann schlussendlich ein fast sinnloser Tropfen auf dem heißen Stein zu sein.



    Zitat

    Ob Pseudonyme sich generell lohnen, kann ich natuerlich auch nicht beurteilen. Bei mir hat sich die Verkaufszahl verdoppelt - bei anderen Kollegen ist das Ergebnis noch deutlich besser. Daran kann man nicht so einfach vorbei.
    Ob sich das haelt oder ob es ueberhaupt reicht, weiss ich nicht. Aber ich lebe da nach dem Motto: It was nice as long as it lasted ...


    Einen froehlichen Tag wuenscht Charlie


    Ich wünsche es jedem Autor, dass sich die Namensänderung entsprechend lohnt. Wenn es denn tatsächlich funktioniert, dann gönne ich es natürlich jedem Einzelne ;)

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Asmos, Deine Bemerkung zum Ignorieren des Lesers habe ich, glaube ich, nicht verstanden. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich mich doof ausgedrueckt habe? Ich habe nicht vom Ignorieren des Lesers gesprochen, sondern vom - partiellen - Ignorieren des Internets. Der Buchhandel richtet sich selbstredend nach Leserwuenschen - sonst ginge er ja noch schneller in die Knie, als er das ohnehin tut. Mir ging es nur um die Frage, wie diese Informationen ueber Leserwuensche ermittelt werden.


    Und wie gesagt - ich kann hier nur kundtun, was ich selbst gehoert und erfahren habe. Bei mir war es tatsaechlich so - im Internet wurde mein Buch toll besprochen, die Amazonraenge waren bombastisch, und das Buch war ein Riesenflop. Mein unter Pseudonym erschienenes, im Internet kaum erwaehntes und bei Amazon kaum verkauftes Buch lief mehr als doppelt so gut. Von Kollegen aus demselben Genre habe ich sogar noch krassere Dinge gehoert. Aber ueber andere Genres kann ich mir gar kein Urteil erlauben - es ist also gut moeglich, dass es da voellig anders aussieht.


    Herzliche Gruesse von Charlie

  • Zitat

    Original von Charlie
    Asmos, Deine Bemerkung zum Ignorieren des Lesers habe ich, glaube ich, nicht verstanden. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich mich doof ausgedrueckt habe? Ich habe nicht vom Ignorieren des Lesers gesprochen, sondern vom - partiellen - Ignorieren des Internets.


    Das schon, aber was, wenn nicht das Internet gibt dem Leser die beste Möglichkeit seine Meinung zu äußern und - zumindest dachte ich das - dem Handeln und den Verlagen mit den Lesern in Kontakt zu treten?
    Wie, wenn nicht übers Internet, gebe ich den Verlägen zu verstehen, was und wen ich überhaupt lesen will?


    Zitat

    Und wie gesagt - ich kann hier nur kundtun, was ich selbst gehoert und erfahren habe. Bei mir war es tatsaechlich so - im Internet wurde mein Buch toll besprochen, die Amazonraenge waren bombastisch, und das Buch war ein Riesenflop. Mein unter Pseudonym erschienenes, im Internet kaum erwaehntes und bei Amazon kaum verkauftes Buch lief mehr als doppelt so gut.


    Der Buchverkauf scheint mir ein Buch mit mindestens sieben Siegeln zu sein :gruebel
    Umso mehr, dass es schlussendlich auch noch Genreabhängig sein könnte.

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Zitat

    Original von Asmos


    Wie, wenn nicht übers Internet, gebe ich den Verlägen zu verstehen, was und wen ich überhaupt lesen will?


    [


    Indem du dein Geld fuer bestimmte Buecher ausgibst - und fuer andere nicht.


    Ich persoenlich glaube, das ist alles, wonach entschieden wird. Aber ich habe jetzt langsam Angst, mich auf sehr duennem Eis zu bewegen, weil ich eben nur meine eigene beschraenkte Ecke beurteilen kann. Ich hoffe also, es aeussern sich noch andere, die eher als Experten gelten koennen.


    Herzlich,
    Charlie