Was charakterisiert einen Frauenroman?

  • Zitat

    Original von Batcat
    Frauenroman muß ja nicht zwangsläufig fieser Schmonzes sein.


    Sag ich doch gar nicht *g*. Allerdings fällt mir auf Anhieb kein als Frauenroman kategorisiertes Buch ein, was in meinem Besitz ist und ich toll finde - ich glaub ich gehe mal stöbern ;-)

  • @Doc:
    Belladonna war natürlich eindeutig einer. Aber ich hätte gern den Lavendelblues anders gewichtet gehabt. Mir ging es darum, wie Menschen sich aus einer wirtschaftlichen Krise befreien und wieder auf die Beine kommen. Ich ganz persönlich finde, in so einer Situation hat "frau" vielleicht mal einen One-Night-Stand, aber sie denkt ganz bestimmt nicht an Mr. Wonderful. Also ich hab zumindest in meiner Existenzgründungsphase von Formularen und Finanzamtssachbearbeiterinnen geträumt :lache


    Zitat

    Original von Batcat
    Warum wehrst Du Dich so vehement dagegen, daß Deine Romane als Frauenromane bezeichnet werden? (janda hat schon richtig angemerkt, ob du da nicht selbst auf die Labels reinffällst...?) Und wie würdest Du selbst sie bezeichnen, wenn sie keine Frauenromane sind?


    Gegen feste Verkaufsstrategien kann man sich nicht wehren (die haben ja auch ihren Sinn) - ich denke nur, ich bin keine Frauenbuchautorin (so wie ich mal ein kunsthistorisches Buch geschrieben habe und deshalb noch keine Kunsthistorikerin bin).


    Mein ungutes Gefühl beginnt eigentlich schon vorher... in der Zeit des Entwurfs. Für mich als Autorin bedeutet ja ein Genre etwas ganz anderes... damit sind Erwartungen verknüpft.
    Ich will glaubhafte Geschichten über Menschen schreiben, die sich aus den Charakteren und der Thematik folgerichtig entwickeln. Und da fühlte ich mich von Vorgaben wie oben beschrieben, doch eingeschränkt.
    Und wenn man dann manche Vorgaben brechen darf wie ich, hat man als Autor ein Problem: Diejenigen Leser, die das Herkömmliche suchen, enttäuscht man, weil sie vielleicht etwas finden, das sie nicht mögen. Und diejenigen, die das "andere" suchen, erreicht man vielleicht nicht, weil sie Genrevorurteile haben.
    Ich strebe da einfach nach größerer Freiheit...


    Außerdem hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich z.B. über das Label "Frankreichroman" viel genauer an mein Publikum komme und mich nicht so schlimm schämen muss. :wow


    Zitat

    Aber so wie es gute und schlechte Krimis gibt, gute und schlechte historische Romane usw. usw. usw. - genau so gibt es eben auch gute und schlechte Frauenromane.


    Stimmt. Ich lese aber privat tatsächlich am liebsten Bücher, die kein Genre haben. Und Krimis...


    Zitat

    Ich finde es nicht verwerflich, wenn ein/e Autor/in von sich sagt, Frauenromane zu schreiben. Es kommt ja immer darauf an, welche. ;-)


    Ich fand es schon ziemlich traumatisch. Obige Zitate sind noch die nettesten. Manchmal hab ich gedacht, ich müsste Latexhandschuhe verteilen... :lache


    Kurzum: Ich finde das gut, wenn einer ein Genre mag, sich absolut wohl darin fühlt und das auch richtig gut beherrscht. Oder als Leser sagt, ich lese das gerne. Da hab ich Hochachtung.
    Es ist, denk ich, mein ganz persönliches Problem, dass ich mich da inzwischen auf der falschen Party fühle :grin


    Wenn ich als Leserin etwas über Frauen lesen will, gehe ich eher zum Buchhändler und frage, ob er etwas im Stil von XY hat... oder mit der und der Thematik... oder mit mehr Psychologie statt Handlung... oder liebesgeschichtenfrei... Ich bekomme dann etwas empfohlen - und mir fällt halt dann auf, dass das nicht unbedingt Frauenromane sind.


    Schöne Grüße,
    Petra

  • Zitat

    Original von Petra


    Mein ungutes Gefühl beginnt eigentlich schon vorher... in der Zeit des Entwurfs. Für mich als Autorin bedeutet ja ein Genre etwas ganz anderes... damit sind Erwartungen verknüpft.
    Ich will glaubhafte Geschichten über Menschen schreiben, die sich aus den Charakteren und der Thematik folgerichtig entwickeln. Und da fühle ich mich von Vorgaben wie oben beschrieben, doch eingeschränkt.
    Und wenn man dann manche Vorgaben brechen darf, hat man als Autor ein Problem: Diejenigen Leser, die das Herkömmliche suchen, enttäuscht man, weil sie vielleicht etwas finden, das sie nicht mögen. Und diejenigen, die das "andere" suchen, erreicht man vielleicht nicht, weil sie Genrevorurteile haben.
    Ich strebe da einfach nach größerer Freiheit...


    Ich verstehe das nicht so ganz. Kommt der Verlag zu dir und sagt: schreiben Sie ein Frauenbuch?
    Oder lieferst du ein Buch ab und ärgerst dich, daß der Verlag es in diese Schublade steckt?

    Zitat

    Original von Petra
    Außerdem hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich z.B. über das Label "Frankreichroman" viel genauer an mein Publikum komme und mich nicht so schlimm schämen muss. :wow


    Das mag sein. Ich kenne nur keine einzige Buchhandlung, die eine Frankreichroman - Abteilung hat und dein Buch da platzieren könnte...
    Genres und Labels werden auch vergeben, um einem Buchhändler eine Platzierung zu ermöglichen.
    Denn ich hatte z.b. als Buchhändlerin die Order: was ich nicht weiß, wo ich es hinpacken kann, wird nicht eingekauft.

    Zitat

    Original von Petra


    Ich fand es schon ziemlich traumatisch. Obige Zitate sind noch die nettesten. Manchmal hab ich gedacht, ich müsste Latexhandschuhe verteilen... :lache


    Sei mir nicht böse, aber mein Eindruck ist, daß du mehr in Schubladen denkst, wie deine Leser... und wie die Leser, die ich kenne.
    Nach all dem, was du so schreibst, würde ich mich mal bei den Frauenromanen umschauen und du wirst sehen, wie breitgefächert und vielseitig dieses Label ist.
    Du scheinst mehr von Vorurteilen gefesselt zu sein, wie andere.
    Es gibt schnulzigste Nackenbeißer... es gibt die Chicklit und es gibt sogar gehobenere Unterhaltungsromane.
    "Frauen"roman sagt zunächt erst mal nichts über die literarische Qualität aus ... oder über das Thema. Es sagt erst mal was über die bevorzugte Zielgruppe.
    Und bei einem Anteil unter den Lesern von weit, weit über 50 % ist die Zielgruppe doch sehr gut gewählt.

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Zitat

    Original von Petra
    Für mich ist natürlich spannend zu erfahren, wie das die Leserinnen selbst sehen - ob sie tatsächlich diese engen Schubladen erwarten oder sich durchaus anderes vorstellen könnten? Und Wolke - hätten die Buchhändler wirklich solche Probleme mit ihren Regalen, wenn es diese engen Kisten nicht gäbe?


    Hallo Petra,
    wir haben im Laden einen Rundständer mit Frauenbüchern stehen. Daraus bedienen sich die Kunden ohne große Nachfrage, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern. Wenn wir einkaufen, kaufen wir immer mal hier und mal davon einiges für den Frauenbuchständer ein, damit er immer wieder aufgefüllt werden kann.
    Du mußt dir das einfach mal so vorstellen, dass morgens zig Kisten neuer Bücher eintreffen, die alle absortiert werden müssen (wenn irgend möglich vor der Ladenöffnungszeit, da der Laden so klein ist). Da wird ein Blick auf den Klappentext geworfen und dann ist man schon auf dem Weg zum richtigen Regal, Tisch etc. Für langes Lesen und Überlegen, wo gehört das Buch nun hin, ist wirklich keine Zeit.

  • Aber sollte es nicht wirklich so sein, dass die Sortierung wie Wolke schreibt vom KlappenteXt, dass heist lange nach dem Schreiben kommt? Und waren wir uns nicht einig, dass die Zielgruppe weibliche Leser auch über andere Signale z.B. im historischen Roman bereich über die unsäglichen "Die ...in " anelockt werden soll. Was dazu führt, dass ich Bücher von Ines Thorn oder Iny Lorenz nur auf dem Büchertisch habe liegen sehen und der Brechreiz deutete sich an, bis ich dann aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen informiert wurde einfach Cover und Titel zu ignorieren und Buch zu lesen. Da einen nicht unbeträchtlichen Teil deer Bücher die in unserem Haushalt so rumstehen die beste Ehefrau von allen auswählt, haben wir viel, was Brigitte oder Elke Heidenreich oder so auf ihrer Liste stehen haben, ich habe nicht den Eindruck ich lese nur Schund. Gut, von der Frau Zeus habe ich weder ein Lied noch ein Buch und was sonst Göttinnen noch produzieren bisher mir angetan (schliesslich ist Folter in Deutschland immer noch verboten?) aber Frauenliteratur ist entweder gut oder schlecht geschreibene Literatur, so wie gut oder schlecht geschriebene Kriminalromane oder Gedichte oder, oder...
    Vorgaben und Schubladen oder Scheren im Kopf, die sollte der Autor beim Schreiben vermeiden und der Verlag beim Lektorat, wir Leser schubladisieren schon von selbst.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Liebe Leute,
    nicht falsch verstehen: Ich wollte diese Diskussion jetzt eigentlich gar nicht so an mir und meinem letzten Roman festgemacht sehen! Wolke, ich denke, du hast die Fragen auch eher allgemein gestellt gehabt?
    Ich glaube, ich bin da wirklich ein Sonderfall, weil ich mir auf lange Sicht für mich selbst eine andere Themenbreite vorstelle (ich würde auch nie "nur" Romane schreiben wollen - ich brauche die Abwechslung mit meinen Sachbüchern). Mag sein, dass ich da Vorurteile habe... (die Latexhandschuhe waren für all die gedacht, die sich angeekelt gefühlt haben).


    Zurück zum Thema: Ines hat eine interessante Anregung gegeben zum weiblichen Schreiben:

    Zitat

    Dahinter verbirgt sich eine Auseinandersetzung mit dem konventionellen Rollenbegriff, herrschende Rollenbilder sollen bewusst gemacht und ausgehebelt werden.


    Gibt es denn heute solche Frauenromane? Ich erinnere mich an solche Bücher noch in den Achtzigern... dann hat das irgendwie aufgehört.
    Gibt es Frauenromane, die auch kritisch hinterfragen, relevant über Frauen sprechen oder gar neue Lebensentwürfe bieten?


    Neugierige Grüße,
    Petra

  • Zitat

    Original von Petra
    Liebe Leute,
    nicht falsch verstehen: Ich wollte diese Diskussion jetzt eigentlich gar nicht so an mir und meinem letzten Roman festgemacht sehen!


    Das mag durchaus sein... ich wollte nur einfach darauf hinweisen, daß du genau die Vorurteile bei dir feststellst und lebst, die du selbst hinterfragst.
    Darum glaube ich fast, könntest du dir deine Fragen fast selbst beantworten. ;-)

    :lesend
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    Oprah Winfrey

  • Literatur ist grundsätzlich für alle da. Wenn man nicht über den Tellerrand schaut, wird man den Teller weiterhin für die eigene Welt halten, und den Rand für ihren Horizont (und das ganze für eine Scheibe). Das gilt (aus Sicht eines männlichen Lesers) auch für Romane, die sich vermeintlich mit Frauen"problemen" befassen, oder aus der Sicht von (bestimmten) Frauen geschrieben sind, sich möglicherweise explizit auf Teile dieser Gruppe ausrichten (siehe Thread: "Bücher für Frauen, die Frauen lieben"). Alles, was geschrieben wird, erzählt eine Geschichte und vermittelt eine Sicht. Die muß man nicht verinnerlichen, nicht einmal verstehen, um das Buch trotzdem lesen zu können. Selbst, wenn man das Buch völlig empathie- und verständnislos nach bewältiger Lektüre beiseitelegt, hat man eine Erfahrung gemacht, und damit einen Lernprozeß in Gang gesetzt. Die Welt ist größer geworden, und mit etwas Glück nähert sich ihre Form derjenigen einer Kugel an.


    Ich habe kürzlich "Lipstick Jungle" von Candace Bushnell als Rezensionsexemplar bekommen. Das ist die Frau, die "Sex and the City" (in the City?) geschrieben hat. Man müßte das wohl als "Frauenroman" kategorisieren, wenn man gezwungen wäre: Alle relevanten Figuren sind Frauen, und es geht letztlich darum, wie sie sich in einer Welt behaupten, die (vermeintlich) von Männern beherrscht wird (womit hier die Geschäftswelt gemeint ist, aber es gilt nach dieser Lesart ohnehin für die gesamte Welt). Die zugrundeliegenden Paradigmen stellt das Buch nicht in Frage, das würde die Leser vermutlich auch nur verärgern. Denn es geht um das genaue Gegenteil, die Fundamentierung des Rollenverhaltens. Die Ausnahme bestätigt nur die Regel, und der Regelbruch hält sich auch so sehr in Grenzen, daß sich niemand wirklich auf den Schlips (ich habe dieses Kleidungsstück absichtlich gewählt) getreten fühlen könnte. So ähnlich ist es mit den rotzigen Frauen in von Kürthys Traktaten: Sie kratzen ein bißchen, aber sie verletzen nicht wirklich. Vermutlich sind das Frauenromane, weil die Frauen Frauen bleiben, und die Männer Männer und gut ist. Ob man das mögen muß oder nicht, das mag jeder selbst entscheiden.


    Ich habe mir tatsächlich noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich für eine Zielgruppe schreibe, die sich anhand der Geschlechtsmerkmale identifizieren läßt.

  • Ich bin eine typische Genreautorin - und ich bin es gern. Ja, wirklich! Ich schreibe Romane, die mit "Die" beginnen und mit "...in" enden. Und ich habe beim Schreiben und mit meinem Verlag die Erfahrung gemacht, dass die Genregrenzen sehr viel weiter sind als man allgemein glaubt. Hier wurden bisher nur die Nachteile des Genres an sich genannt, nun möchte ich mal die Vorteile aufzählen:
    Ich habe eine feste Zielgruppe und somit gute Verkaufszahlen.
    Ich kenne meine Leserinnen und deren Erwartungen und kann mich auf meine Zielgruppe einstellen, aber ich kann meinen Leserinnen gleichzeitig auch etwas zumuten (weil sie mich ja bereits kennen).
    Ich kann innerhalb des Genres experimentieren. Im besten Falle führt das dazu, dass sich meine Leserinnen mit mir entwickeln.
    Ich kann innerhalb des Genres - und das sehe ich als ziemlich große Herausforderung - meinen eigenen Stil entwickeln, pflegen und ausbauen. Iny und Elmar haben uns vorgemacht, dass es funktioniert, Iris ebenfalls (Iris, ja, ich zähle auch deine Bücher in das Genre des historischen Romans).
    Ich kann innerhalb des Genres - wenn ich es denn wollte - zwischen bestimmten Untergenres wandern, kann z.Bsp. auch mal einen historischen Kriminalroman schreiben oder eine Familiensaga oder gar einen Entwicklungsroman, ohne dass mir die Leserinnen das übel nehmen.
    Ich erwerbe im Laufe der Jahre ein umfangreiches Wissen über das Genre und kann deshalb authentischer schreiben.
    Ich weiß, wo meine Bücher hingehören. In den Buchläden haben sie ihre festen Plätze, werden leicht gefunden, werden von den Medien der entsprechenden Zielgruppe besprochen.


    Und letztendlich gehören die allermeisten Autoren einem bestimmten Genre an bzw. werden einem zugeordnet. Das ist ein Riesenvorteil, denn die Leser finden uns immer. Wenn ich das neue Buch von Tom kaufen möchte, gehe ich zuerst in die Ecke mit den Popliteraten, weil ich die letzten beiden Bücher von ihm genau dort gefunden habe. Ich suche die Bücher von keinkomma bei den Zweitgenossen und werde fündig, Martinas "Cyberschokolade" lag ebenfalls dort, wo ich sie vermutet habe: Bei den Jugendbüchern.


    Ich wiederhole: Ich bin sehr gern eine Genreautorin und möchte es auch bleiben. Natürlich überkommen auch mich hin und wieder Gelüste, mal in anderen Gärten zu graben. Die finanzielle Freiheit, etwas Neues auszuprobieren, erlaubt mir meine geliebte Genrearbeit und kommt - so meine Erfahrung - dann wieder dem Genre zu gute.

  • Zitat

    Original von Ines
    (Iris, ja, ich zähle auch deine Bücher in das Genre des historischen Romans).


    Ich auch. Wo habe ich das bestritten???

    Zitat

    Ich wiederhole: Ich bin sehr gern eine Genreautorin und möchte es auch bleiben. Natürlich überkommen auch mich hin und wieder Gelüste, mal in anderen Gärten zu graben. Die finanzielle Freiheit, etwas Neues auszuprobieren, erlaubt mir meine geliebte Genrearbeit und kommt - so meine Erfahrung - dann wieder dem Genre zu gute.


    Wunderbar, wenn du dich bei deinem Genre und speziell in deinem Genrebereich wohlfühlst und damit auch Erfolg hast. Es ist ein Bereich, denn ich nicht erfüllen kann und auch nicht erfüllen will. Es gibt einfach Dinge, die gehen mir (und damit meine ich "mir" und nichts allgemeines!) wider die Natur. Wider meine Natur. Das ist keine allgemein(gültig)e Wertung, nur eine Feststellung. Ich mag auch keine Austern, habe es nicht mit eßbaren Krabbeltieren, andere Menschen schon -- was soll 's? :-)


    Inzwischen werde ich auch nicht mehr zum Austernessen gedrängt -- und auch nicht mehr dazu, historische Frauenromane zu schreiben, weil sich herausgestellt hat, daß auch meine Arbeit ihre Abnehmer findet.


    Außerdem wäre es doch entsetzlich öde in den Buchläden, wenn wir alle immer nur dasselbe Thema beschicken würden. Mit anderen Worten: Es ist gut, daß es Autoren wie dich gibt -- aber auch, daß es Autoren wie mich gibt -- und wie Petra und viele andere mehr. Es ist nicht zuletzt die Vielfalt des Angebotes, die das Glück der Leser ausmacht. :-)


    Sicher, ich bin auch eine Genreautorin -- aber ich will nicht "nur" eine Genreautorin sein. Ich verstehe mich nicht als Genreautorin, sondern als Schriftstellerin und will mehr als zwei oder drei Themen in zwei oder drei Umgebungen behandeln. Oder auch Themen anders behandeln. Und ich halte die Annahme, daß Leser -- also Buchkäufer -- mir einen Roman in einem völlig anderen Gebiet so übel nähmen, daß sie Bücher von mir nicht mehr kaufen würden, für vollkommen absurd. :grin

  • Ich empfinde seit jeher allein schon den Begriff "Frauenliteratur" bzw. "Frauenroman" als Affront. :grin Was mich am meisten gruselt, ist die Tatsache, dass so wundervolle Bücher wie "Die Wand" von Marlen Haushofer und unzählige andere irgendwann in einer vom jeweiligen Verlag eingerichteten "Frauenreihe" erschienen sind. :fetch Ich will wirklich nicht wissen, wie viele Leute - Männer, unter anderem *g* - das abschreckt.


    Kurzum - diese Klassifizierung, egal was dann im Einzelnen damit gemeint ist, stülpt Frauen als Leserinnen und als Autorinnen UND dem ganzen Thema "Frau sein" einen Stempel auf, der weder Leserinnen noch Autorinnen noch dem 'Frau sein' gerecht wird.


    Natürlich gibt es diese Art von Literatur, bei der die Sache ziemlich klar ist - wie schrieb doch Batcat:


    Zitat


    Ein Frauenroman ist ein Roman von Frauen mit Frauen über Frauen für Frauen.


    (Es gibt ja auch Bücher, die aufgrund ihrer Thematik kaum eine Frau interessieren.) Aber offen gestanden, in dem Moment, in dem ein Buch per se nur für Frauen oder Männer geschrieben ist, fällt es mir schwer, es als Literatur ernst zu nehmen.


    Zitat

    Original von Tom
    Literatur ist grundsätzlich für alle da.


    Das will ich eigentlich auch hoffen. :grin Und mE finden Bücher ihre LeserInnen, weil sie gut sind, und zwar auch mal abseits der üblichen Zielgruppen. Ich jedenfalls lese Bücher gerne, wenn ich sie gut finde. Ich mag auch manchmal Geschichten lesen, die hauptsächlich beschreiben, wie das Leben als Frau - oder auch als Mann so sein kann. Ich lese beide Arten von Geschichten - und eigentlich hoffe ich, dass auch Männer sich für Frauenperspektiven interessieren.

  • Zitat

    Und ich halte die Annahme, daß Leser -- also Buchkäufer -- mir einen Roman in einem völlig anderen Gebiet so übel nähmen, daß sie Bücher von mir nicht mehr kaufen würden, für vollkommen absurd.


    Es sind ja nicht die Leser, die Autoren dazu drängen, vermeintliche Erfolge zu wiederholen (oder es zumindest zu versuchen), sondern die Agenturen und Verlage. Aber es gibt mit Sicherheit sehr viele Leser, die neue Bücher einiger Autoren quasi blind kaufen, weil die Marke (=Autor) verspricht, eine bestimmte Erwartungshaltung zu erfüllen. Wenn "Die Anhalterin" dann plötzlich auf Rufus VII im System Beutelgrütze spielt, inmitten der schweren Raumschlacht um den Müllplaneten Eva II, sind sie möglicherweise - sogar sehr wahrscheinlich - tatsächlich enttäuscht, weil kein einziger Ritter, Mönch oder Burgherr auftaucht, und auch kein blauäugiger Junge im Hof Kartoffeln schält. Aber mit diesem "Problem" haben sich m.E. in der Hauptsache Autoren auseinanderzusetzen, die eine große Fanschar vorweisen können. Andere Schriftsteller, die mit verkauften Auflagen < 50.000 leben müssen, reden sich derlei vielleicht ein, um das eigene Selbstbewußtsein anzuheben. Bei solchen Autoren sind es vielleicht 300, 400 Leser, die komisch gucken, wenn die Anhalterin ihren Phaser zieht. Vernachlässigbar. Bei jenen allerdings, die konsequent und hochauflagig eine Klientel bedienen, stellt sich vielleicht das Rex-Gildo-Syndrom ein: Ich hasse es, aber mit etwas Perückenhaftcreme und sieben, acht Drinks in der Garderobe wird es schon gehen. :grin

    Und außerdem, und das ist das Wichtigste, eine Frage des Anspruchs. Hier kann ich nur voll unterstreichen, was Iris geschrieben hat. Mag sein, Ines, daß Du meine beiden Romane bei den Popliteraten gefunden hast, aber spätestens den übernächsten wirst Du dort nicht mehr finden. Ich habe allerdings auch das Glück, wirtschaftliche Erwägungen bei der Konzeption völlig außenvor lassen zu können. Schreiben ist mein Zweitberuf, und ich habe nicht vor, das zu ändern, denn mein Hauptberuf erfüllt mich sehr. Aber ich würde auch nicht mehr schreiben wollen, würden mich Agentur und Verlag dazu drängen, noch einen und noch einen Underdog-Alkoholiker-Roman vorzulegen. Das hätte m.E. nur noch wenig mit Schriftstellerei zu tun, sondern eher mit einem lockeren, aber durchaus zielgerichteten Angestelltenverhältnis. Es grenzte an Auftragsschreiberei.


    Übrigens finde ich bei Ines' und Iris' Romanen nur wenige Gemeinsamkeiten. Ich würde sie keinesfalls dem gleichen Genre zuordnen, nur weil sie in der Vergangenheit spielen.

  • Zitat

    Original von Petra
    Das tut dann schon manchmal weh, wenn man einer künstlichen Schublade ausgeliefert ist und die Leute schon abgeschreckt werden, bevor sie das Buch überhaupt in die Hand nehmen. Dann hilft nur noch, sich so weit zu entfernen, dass man ins Froschprinzengenre nicht mehr passt...


    hm...die Frage ist ja tatsächlich, WILLST du dich überhaupt entfernen
    Bücher werden geschrieben um gelesen, also auch ver-und gekauft zu werden..wenn der Titel und das Bild (bleiben wir mal bei deinem Buch)
    ein bestimmtes Klientel anspricht und es gelesen WIRD..dann ist das doch okay.
    Wird von der Sorte Buch mehr verlangt, musst du eben liefern... dich von der Teppichkante stürzen, oder eben damit leben in eine Schublade gesteckt zu werden, in der du dich gar nicht so wohl fühlst.


    Ich persönlich würde nicht mal in den Klappentext schauen, weil eben der Titel UND das Bild in mir Assoziationen erwecken, die eben nicht mein Ding sind, und so geht es eben Vielen beim "Frauenroman"..möglich dass einem dadurch viele schöne Geschichten entgehen...aber die Verpackung und was drauf steht ist eben im ersten Moment wichtig....un bist du erstmal berühmt...kannst du schreiben was du willst..völlig egal

  • Zitat

    Original von Alexx61
    und bist du erstmal berühmt...kannst du schreiben was du willst..völlig egal


    Das bezweifle ich, Alex! Dann kommen die Daumenschrauben vom Verlag, der Erwartungsdruck. Ich habe das große Glück, noch nicht mal annähernd bekannt zu sein - und in Toms Sinn auch noch nicht allzu viele mit meinem Phaser zu verschrecken. Und deshalb pass ich jetzt haarscharf auf, dass ich mir selbst näher komme... ich bin da wie Iris, kann das alles unterschreiben, obwohl ich Krabbeltiere phasere, äh esse :grin
    Ines Bekenntnis empfinde ich als ebenso beneidenswert für jemanden, der in seinem Genre glücklich ist (mein Genre war eher ein Lebens-Unfall).


    Was ich eben aus dieser Diskussion mitnehme: Das Genre "Frauenroman" fühlt sich vollkommen unterschiedlich an, je nachdem ob für die Autorin, die Leserinnen, den Buchhändler oder den Verlag. Und dann gibt es noch die Unterscheidung bei den Autorinnen, die den Frauenroman lieben und sich mit Lust auf das Genre stürzen - und denen, die aus verschiedenen Einteilungsgründen eben damit leben müssen.


    Jeder sieht den "Frauenroman" anders. Für den Buchhändler ist es eine Hilfe und Arbeitserleichterung, man kann sein Regal schnell und gezielt bestücken... und wie ich Wolkes Beitrag entnehme, scheint der Frauenroman, obwohl er seine Blütezeit überschritten hat, doch noch ein Dauerbrenner zu sein.
    Für den Verlag ist das Genre einfach ein Marketinginstrument, das es erleichtert, an bestehende Zielgruppen zu gelangen (und damit nicht unbedingt neue aufbauen zu müssen) und vor allem den Vertretern und Buchhändlern schnelle Orientierung und Abverkaufsgarantien zu geben.


    In diesen Bereichen geht es also rein um Marketing, Werbung, Umsatz.


    Dann gibt es die Autoren mit unterschiedlichen Gruppen. Es gibt die, die gezielt und willentlich und sehr passend Frauenromane schreiben und glücklich sind, wenn sie das regelmäßig jedes Jahr machen dürfen. Es gibt Autorinnen, die ihre Schwerpunkte des Schaffens ganz woanders sehen, aber zufällig ins Genre gepasst haben. Es gibt Auftragsautoren mit dem Rex-Gildo-Effekt (köstlich, Tom!), die Frauenroman-Vorgaben frühstücken und auf Wunsch produzieren.


    In diesem Bereich ist der Frauenroman also manchmal Gegenstand von Umsatz, aber meist eher von Herzblut, Zufall oder Unfall... also auf jeden Fall mit Emotionen verbunden. Und da ist noch der Aspekt, dass man das ja für seine Leser tut.


    Bei den Lesern sehe ich die Emotionen als den wichtigsten Faktor. Als Leserin interessiert es mich nicht, womit mein Buchhändler seinen Hauptumsatz macht, ob das Regal rechts am Fenster steht oder der Verlag seine Knete aus Thrillern presst. Deshalb sehe ich die Leser hier auch in den Gefühls-Extremen: Frauenroman polarisiert als Genre. Er hat z.T. eindeutig einen schlechten Ruf bekommen (der nachher an den Autoren klebt, nicht an Buchhändlern und Verlagen) - er hat aber auf der anderen Seite auch eindeutig Fans, die dazu greifen, weil sie wissen, was so ein Buch verspricht - oder die auch aufgeschlossen wären für Neues.


    Und dann gibt es noch einen Aspekt, der hauptsächlich für Autoren interessant ist: Der Frauenroman wird in fast allen Medien nicht ernst genommen. Keinerlei Chancen auf Feuilleton. Rezensionen gibt es allenfalls in Zeitschriften wie Brigitte oder in online Medien. Hat zur Folge, dass es Frauenromane zuerst einmal ungleich schwerer haben, an ihre Leser zu gelangen. Also auch nicht unbedingt das Genre, um mal ganz schnell berühmt zu werden :grin


    Schöne Grüße,
    Petra

  • Zitat

    Original von BeritIch lese beide Arten von Geschichten - und eigentlich hoffe ich, dass auch Männer sich für Frauenperspektiven interessieren.


    Berit, ich glaube, Männer lesen heimlich Frauenromane. Ich bekam zu meinem Stechapfel und Belladonna mehr Leserzuschriften von Männern als von Frauen. Hat mich sehr verwundert, weil es doch wirklich ganz eindeutig ein Frauenroman war und um eine Frau geht, die nach zig Jahren Ehe verlassen wird, wieder leben lernen muss.
    Die Männer haben durch die Bank geschrieben, sie hätten das Buch absichtlich deshalb gelesen, weil sie mal in den Kopf einer Frau hineinschauen wollten, verstehen lernen, was in einer Frau eigentlich in so einer Situation vorgeht.


    Tja.. und jetzt die Frage: Angenommen, die Männer "lernen" tatsächlich gezielt aus Frauenromanen? Angenommen, sie übernähmen die Bilder und Rollen darin als authentisch? Was für Frauen werden ihnen da vermittelt?


    Schöne Grüße,
    Petra

  • Noch eine Ergänzung: Ich teile zwar nicht alle seine Ansichten :grin, aber der ganz wunderbare Autor Selim Özdogan hat mit seinem letzten Buch, "Die Tochter des Schmieds", eine valide Vorlage geliefert: Nach durchaus popliterarischen Kurzgeschichtensammlungen und Romanen legte er plötzlich ein Werk vor, das so ganz und gar nicht mit den "Vorgängern" in Übereinstimmung zu bringen war, Tendenz historischer Familienroman (im weitesten Sinne), vielleicht sogar <hüstel> "Frauenroman". Im Effekt hat er sicherlich zwei, drei Leser dazu gebracht, ein Buch zu lesen, das sie nie gelesen hätten, wenn er es nicht geschrieben hätte. So rum geht es also auch. :-)

  • Zitat

    Original von Petra
    Berit, ich glaube, Männer lesen heimlich Frauenromane. Ich bekam zu meinem Stechapfel und Belladonna mehr Leserzuschriften von Männern als von Frauen. Hat mich sehr verwundert, weil es doch wirklich ganz eindeutig ein Frauenroman war und um eine Frau geht, die nach zig Jahren Ehe verlassen wird, wieder leben lernen muss.
    Die Männer haben durch die Bank geschrieben, sie hätten das Buch absichtlich deshalb gelesen, weil sie mal in den Kopf einer Frau hineinschauen wollten, verstehen lernen, was in einer Frau eigentlich in so einer Situation vorgeht.


    Ach herrje, was sind denn das für Männer? Frauenromane lesen, um kennenzulernen, was im Kopf einer Frau vorgeht? Dazu reicht es normalerweise eine Zeit lang mit einer Frau zusammenzuleben.
    Ich habe das Buch wegen einer interessanten Rezension gelesen und eben genau das vorgefunden, was anscheinend einen Frauenroman ausmacht. Kann man ja in meiner Eulenrezension dazu auch nachlesen.


    Aber ich frage mich wirklich, was daran so schlimm ist in eine Genreschublade gesteckt zu werden? Egal ob es nun Lavendelblues, Radio Nights, Die Pelzhändlerin, Der Tribun oder Die Farbe aus dem All ist - es ist Literatur, die ihre Leser (und Leserinnen :-) ) findet. Who cares?


    Gruss,


    Doc

  • Ich bin total baff, wie spannend dieser Thread geworden ist. Autoren und Leser sprechen über verschiedene Sichtweisen des so ganannten "Frauenromans" und ich bin überzeugt, dass wir noch viel interessantes erfahren werden.


    Ich kann irgendwie nicht richtig nachvollziehen, warum das Genre "Frauenroman" so verteufelt wird. Denn die Schere der "Frauenromane" klafft in meinen Augen sehr, sehr weit auseinander. Sie fängt an bei ganz "platten oder einfachen" Romanen und geht bis hin zu sehr ernsthaften literarischen Büchern.


    Familienromane sind meines Erachtens den Frauenromanen sehr ähnlich, werden aber in meinen Augen nicht ganz so negativ angesehen. Was glaubt ihr, woran das liegt?