'Der Ruf des Kondors' - Kapitel 01 - 08

  • Hallo Chiclana, hier fürs erste mal ein paar Fakten zu meinen 3 Jahren in Chile: Mein Mann (damals noch Lebensgefährte) hatte sich für eine Stelle als Lehrer an der Deutschen Schule in Santiago beworben, und ich bin aus Abenteuerlust mit (hatte damals eine Stelle in einem Freiburger Software-Haus). Kurz vor dem Flug dorthin hatte ich übrigens festgestellt, dass ich schwanger bin, und so kam unsere Tochter Lisa in Santiago zur Welt, was für mich natürlich das wichtigste Ereignis dieser Zeit war. Ich hab also Kind großgezogen und nebenher für die deutsch-chilenische Wochenzeitung "Condor" gearbeit und bei Reisen viel vom Land kennengelernt. Eben auch, dass so viele Menschen mit deutschen Namen und Wurzeln dort leben, vor allem im Süden des Landes, wo es aussieht wie bei uns im Allgäu (!!!), was mich dann zum Recherchieren gebracht hat.
    Dazu und zum Recherchematerial steht auch was auf meiner Website www.astrid-fritz.de
    Meine erste Manuskriptfassung entstand dann auch, paralell zur "Hexe von Freiburg", kurz nach meiner Rückkehr aus Chile, als die Erinnerungen an das Land noch ganz frisch waren. So viel erstmal hierzu :waveAstrid

  • Zitat

    Original von Astrid Fritz
    Hallo Chiclana, hier fürs erste mal ein paar Fakten zu meinen 3 Jahren in Chile


    Danke! :-) Ich finde das immer sehr spannend, wenn jemand mal länger im Ausland gelebt hat...
    Deine Homepage werd ich gleich mal studieren.


    Ein Tipp noch zum Zitieren hier im Forum: Du kannst auch direkt unter dem zitierten Text weiterschreiben, dann erscheinen Zitat und Antwort im gleichen Beitrag.

  • Zitat

    Original vonVivian
    Im zweiten Kapitel auf dem Schiff konnte ich die Atmosphäre sowohl die Gegebenheiten gut nachvollziehen. Ich war mal vor längerer Zeit im Auswanderhaus in Bremerhaven und da wurden die Lebenssituationen der verschiedenen Bevölkerungsschichten auf einem Schiff sehr gut dargestellt.


    Interessanter Tip, dazu habe ich diesen Link gefunden, scheint einen Ausflug wert zu sein.


    Zitat

    Original von SciCollier
    Zum Ende des vierten Kapitels wissen wir wohl, daß Raimund sich Ramón nennt und in einer Mine arbeitet; denn ich gehe mal davon aus, daß die beiden identisch sind. Weshalb sonst sollte uns diese Szene interessieren?


    Das sehe ich genauso und damit wissen wir auch, dass Josef erstmal in die falsche Richtung zieht.


    So nun schnell weiterlesen!

  • Zitat

    Joschi:Interessanter Tip, dazu habe ich diesen Link gefunden, scheint einen Ausflug wert zu sein.


    Ja, lohnt sich auf jeden Fall. Danke für den Link. :wave


    Was ich immer wieder bewundernswert finde, dass Menschen (damals wie heute) alles hinter sich lassen um irgendwo anders wieder neu anzufangen. Ohne zu wissen, was da auf sie zu kommt. Und welche Entbehrungen sie auf sich nehmen müssen! Genau wie im Buch. Es wurde alles schön geredet und viel versprochen. Dann endlich am Ziel angekommen, stehen sie auf ihrem Stück Land und was sehen sie ? Weit und breit nichts (bzw. Wald :-)). Das Haus muss noch mit den eigenen Händen aufgebaut werden. Das Land muss erst noch fruchtbar gemacht und dann bestellt werden. Das stelle ich mir ganz schlimm vor, denn viele haben mit "sowas" bestimmt nicht gerechnet. Und die versprochenen Tiere haben sie auch nicht alle erhalten. Ich glaube, da kann einem der Mut schon mal verlassen.


    Schön, dass alle die Zähne zusammenbeissen, zusammenhalten und mit der Arbeit beginnen. Ausser die Familie Ehret. Die lässt für sich arbeiten, zieht ihr eigenes Ding durch und lässt die anderen im Stich. Sie sind der Meinung etwas besseres zu sein. Leider gibt es immer wieder solche Leute.
    Hoffentlich bekommen sie dafür noch die Quittung.


    Die Sache mit Herrn Armbruster, der Myrte und Luise fand ich auch schon merkwürdig. Ich habe den Verdacht, dass Herr Armbruster vielleicht doch Gefühle für Luise entwickelt hat ?


    Bei der Urwaldexpedition (und schon vorher) trifft Jospeh auf den Mapuche Jungen. Bin mal gespannt wie es weitergeht !

  • Zitat

    Original von SiCollier
    Sehr angenehm aufgefallen ist mir die doppelte Landkarte zu Beginn des Buches, vor allem auch die Kommentare in der Ausschnittskarte. Meine Kenntnisse der Geographie und Geschichte Südamerikas sind doch nicht unbedingt so groß, da ist das eine große Hilfe. Und auch das Glossar wurde aufmerksam registriert.


    Ich bin zwar auch noch nicht recht weit vorgedrungen, aber diese Karten finde ich auch supertoll!


    Die Kapitel finde ich etwas lang, oder? 178 Seiten oder hab ich was falsch gelesen?

    Ich lese gerade:
    Drachenfrau von Hildegunde Artmeier

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  • Ich fand es fast schade, dass der interessante Hamburger Hafen von 1852 so schnell verlassen wurde, aber die Beschreibungen an Bord der Helene waren ebenfalls sehr gelungen.
    Am besten gefällt mir allerdings die Entwicklung als die Familie Chile erreicht.
    Armbruster ist ein gelehrter Mann. Er ist so wichtig für den Roman, weil er nicht nur Josef informiert sondern auch den Leser.
    Schade, dass sie sich in Kapitel 5 erst einmal trennen, da er eine meiner Lieblingsfiguren neben Josef ist.
    Die Familie macht sich auf den Weg in den Süden Chiles von Valdivia nach Maiten. Sie kommen so schnell vorwärts (jedenfalls seitenbezogen), dass man denkt, sie hätten den ICE benutzt. :rofl


    In Kapitel 4 taucht mit Ramon eine weitere sehr interessante Nebenfigur auf. Ich bin gespannt, wie diese Figur noch eingesetzt wird.

  • So, mit einiger Verspätung bin ich jetzt auch dabei .... :wave



    Das Buch liest sich super gut. Die Sprache ist flüssig und sehr bunt und bildhaft. Mir gefällt es.


    Josef soll Bauer werden, will er aber nicht! Sein Vater versteht das nicht. Er verbietet ihm Tischler zu werden, verprügelt ihn so gar! Da sieht Josef nur eine Möglichkeit, es seinem Bruder Raimund, gleich zu tun und auszuwandern. Nach Chile! Ob Raimnud nun wirklich in Chile ist weiß er nicht. Aber Onkel Emil und Familie wollen dort auch hin und sind schon in Hamburg. Josef acht sich auf den Weg dorthin, er ist begeistert vpm Hafen und auch ein wenig verloren. Nach einigem Suchen findet er seinen Onkel ... und Herrn Armbruster. Ein netter, sympatischer Mann. (Ist ja auch Buchhändler ;-) was kann er da anderes sein?)
    Der 1.Steruermann, Feddersen, ist ein Ekel! Er sucht Streit und der Kapitän läßt ihn gewähren! Schön finde ich, wie sich Armbruster und Josef anfreunden. So hat jeder Familie, der eine mehr, der andere weniger!

    :appetit Lieber stark auf'm Hintern als schwach auf der Brust :zwinker

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  • Zitat

    Original von Herr Palomar
    ... aber die Beschreibungen an Bord der Helene waren ebenfalls sehr gelungen.
    ...
    Die Familie macht sich auf den Weg in den Süden Chiles von Valdivia nach Maiten. Sie kommen so schnell vorwärts (jedenfalls seitenbezogen), dass man denkt, sie hätten den ICE benutzt. :rofl


    :write:rolleyes



    Zitat

    Rosenstolz
    In diesem Abschnitt wird auch der Mate ( Tee ) zum ersten Mal erwähnt.


    Ich bleibe aber trotzdem bei meinen Unmengen an Schwarzem Tee, meist aus Darjeeling.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

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  • Nach Monaten auf See (allein schon diese Überfahrt ... mir war richtig schlecht) sind die Auswanderer wohlbehalten in Chile angekommen ... und doch ist alles anders als gedacht: Die deutsche Gemeinde gibt es so nicht mehr, Onkel Emil ist unentschlossen was er machen will ... Es gibt zuviele Möglichkeiten für ihn: in der Möbelfabrik, als Ackerbauer oder doch als Zimmermann arbeiten??? Josef weiß nicht wo er Raimnud finden soll. Armbruster ist "Doppelverdiener", Dank Privatlehrerjob und Klavierunterricht.

    :appetit Lieber stark auf'm Hintern als schwach auf der Brust :zwinker

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Bumkin ()

  • Ich habe nun knapp die Hälfte dieses Abschnittes gelesen und die Geschichte momentan um Josef gefällt mir ganz gut.


    Bin gespannt, ob der Erste Steuermann noch mit der Sprache um Josefs Bruder rausrückt. Irgendwie ist er mir unheimlich.

  • Zitat

    Orginal von SiCollier
    Wenn ich das so lese von wegen deutschen Dörfern, deutschen Familien, so fällt mir auf, daß mir bisher überhaupt nicht bewußt war, das damals anscheinend viele Deutsche nach Südamerika ausgewandert sind. Diese Tatsache ist mir bis dato noch nirgendwo begegnet.


    Das war mir auch gar nicht so bewußt :write


    Zitat

    Orginal von VivianWas ich immer wieder bewundernswert finde, dass Menschen (damals wie heute) alles hinter sich lassen um irgendwo anders wieder neu anzufangen. Ohne zu wissen, was da auf sie zu kommt. Und welche Entbehrungen sie auf sich nehmen müssen! Genau wie im Buch. Es wurde alles schön geredet und viel versprochen. Dann endlich am Ziel angekommen, stehen sie auf ihrem Stück Land und was sehen sie ? Weit und breit nichts (bzw. Wald ).


    :write


    Joschi, Danke für den Link zum Auswandererhaus :-)

  • Da ich erst noch ein anderes Buch zu Ende gelesen habe, steige ich nun leider etwas verspätet ein.


    Zuerst einmal finde ich das cover des Buches wunderschön, es passt von der Atmosphäre so gut. Hattest du da Mitspracherecht, Astrid?
    Auch die Karte und die schönen Versalien gefallen mir sehr.


    Ich habe die ersten vier Kapitel gelesen.


    Der Held, Josef, ist einem sofort sympathisch, und man kann sein Ausreißen auch gut verstehen. Was mich ein wenig verwundert hat, ist, dass sein Onkel sich so schnell entscheidet, ihn mitzunehmen, ist er doch in Chile weit weniger entscheidungsfähig. Andererseits, als Josef Feddersen begegnet, entscheidet er sich ja auch sehr schnell, in den Süden zu ziehen.


    Feddersen ist ein ungehobelter Mensch, mit dem ich nicht gerne verfeindet wäre... Die gesamte Schifffahrt war mir nicht sonderlich angenehm, da passte er aber gut dazu - und mindestens einen Bösewicht braucht's ja in einer Geschichte.


    Auch ich vermute in Kapitel 4, auf Raimund getroffen zu sein - er befindet sich also im Norden. Und die anderen ziehen in den Süden. Naja irgendwie wäre es sonst auch zu einfach gewesen :-].


    Sehr sympathisch ist mir Herr Armbruster, der scheint in gewisser Weise ein Idealist zu sein. Ach, ich hege sowieso immer Sympathien für Buchhändler. :-)
    Die können gar nicht böse sein, oder? Schön finde ich auch seine tolerante Einstellung gegenüber den "Wilden", die andere ja nicht so teilen.


    Ich freue mich schon auf die Begegnung mit dem Mapuche-Jungen, die im Klappentext erwähnt wurde :-]


    :wave bartimaeus

  • Hallo liebe Astrid,


    schön, daß es mit dieser Leserunde geklappt hat - und schade, daß ich ausgerechnet jetzt so viel um die Ohren habe und sogar am Wochenende arbeiten muß. Ich hoffe, daß es für Dich eine spannende Erfahrung wird, einmal über das Internet den direkten Austausch mti Deinen Lesern zu haben.


    Ich habe Dein Buch ja schon einige Wochen im Regal, es aber bewußt bis zur Leserunde aufgehoben, auch wenn es mich sehr gejuckt hat, es früher zur Hand zu nehmen, nachdem ich ja wußte, daß es ein Projekt ist, das Dir sehr am Herzen liegt (ah ja, ich sollte vielleicht erwähnen, daß Du mich definitiv kennst, am Nick erkennt man das ja nicht, wir sehen uns bestimmt auch mal wieder in Hohenacker).


    Zwar habe ich dank viel Arbeit erst das dritte Kapitel vollendet, aber ich habe schon jetzt den Eindruck, daß es Dein bisher schönstes Buch sein könnte (auch wenn ich von den vier Romanen, die Du außer dem Kondor veröffentlicht hast, erst drei gelesen habe).


    Ich finde, mit einem Auswandererbuch über Chile hast Du nicht nur ein Thema erwischt, daß Dir am Herzen liegt, sondern eins, zu dem es derzeit am Büchermarkt auch gar nichts gibt. Oder ist Dir ein historischer Roman bekannt, der sich um Chile dreht?


    Bereits im dritten Kapitel lockt es mich auch schon kräftig zu recherchieren. Von Beginn der Ankunft in Chile beginnst Du wissenswertes um Land und Leute einzuflechten (und zwar schön beiläufig, so daß das nie "oberlehrerhaft" wirkt) und ich stelle fest, daß ich eigentlich nichts, aber auch gar nichts über dieses Land und seine Bewohner weiß (verrat das bloß nicht meiner Schwester...).


    Die Figuren finde ich bisher sehr schön ausgestaltet, insbesondere Armbruster finde ich sehr interessant. Ich hoffe, daß sich da noch einiges zu seiner persönlichen Vergangenheit enthüllen wird, aber auch die Verknüpfung zur Paulskirchenverfassung finde ich an dieser Stelle sehr interessant!


    Leider komme ich wohl erst am späten Abend zum Weiterlesen, aber besser als gar nicht...

  • Zitat

    Original von bartimaeus
    Zuerst einmal finde ich das cover des Buches wunderschön, es passt von der Atmosphäre so gut. Hattest du da Mitspracherecht, Astrid?


    :write
    Das fällt mir auch jedesmal auf, wenn ich zum Buch greife, wie das Umschlagmotiv "Die Auswanderer" die große Atmosphäre der Romanhandlung unterstützt.
    Es spricht also doch einiges dafür, ein Umschlagmotiv zu wählen, dass etwas mit der Handlung zu tun hat.
    Astrid Fritz Bücher sind eigentlich alle sehr schön. Mir hat auch "The Lady Clare" von Die Gauklerin sehr gut gefallen.

  • Diesen Abschnitt habe ich durch, und nun werde ich mich mal wieder bei Autorin wie Mitlesern unbeliebt machen (wie schon in der letzten Leserunde). ;-) Da die Spoilerfunktion zu unübersichtlich würde, verwende ich sie nicht.
    Ich hoffe, Astrid ist mir nicht böse, wenn ich meine Meinung offen und frei kund tue. Aber vom reinen Schönreden hat niemand was.


    Also, ich habe ein Problem mit dem Buch (was aber die Ursache bei mir, in meiner Vorliebe für langsames Vorgehen haben könnte/dürfte). Herr Palomar hat einen schönen Vergleich gebracht (danke für die „Steilvorlage“ :anbet), und ich bin so frei, den in abgewandelter Form weiterzuverwenden (als alter Mibahner liegt das sowieso nahe.) Ich muß jedoch etwas weiter ausholen.


    Ich mag Züge. Schon immer. Allerdings nicht die schnellen (wenn’s über Dampflokschnelligkeit, meinetwegen auch die der älteren E-Loks, hinaus geht), sondern eher die nicht so schnellen, Eilzüge, D-Züge (seligen Angedenkens). Vor einigen Jahren fuhr ich zu einer Erfa-Tagung nach Eichstätt. Von Fulda bis Würzburg gibt es nur eine Art Zugverbindung: ICE. Die Fahrt war schlimm. Kaum hatte ich Platz genommen, wurde es ein paar Mal hell und dunkel, dazwischen huschten einige Eindrücke vorbei, und als ich in der Enge versuchte, an mein Buch zu kommen, kam die Durchsage, daß wir in Kürze Würzburg erreichen würden. Ich war nicht von Fulda nach Würzburg, gereist, sondern gerast. Dann stieg in Würzburg in einen guten, alten D-Zug Würzburg - München um (das war der letzte oder vorletzte Fahrplan, wo es die noch gab). 26,4 m Altbauschnellzugwagen, vorne eine E 10, wie es halt so war. Während der Fahrt konnte ich sowohl die vorbeiziehende Landschaft genießen, als auch in meinem Buch lesen. Diesen Teil der Strecke bin ich gereist, und wunderbar erholt angekommen. Noch heute denke ich an diese letzte, wirklich schöne, Eisenbahnfahrt zurück.


    Was hat das mit dem aktuellen Buch zu tun?


    Das ist jetzt sicherlich etwas übertrieben, aber vielleicht wird gerade dadurch deutlich, was ich meine. Das Buch kommt mir stellenweise vor wie ein ICE. Die Handlung schreitet ungemein rasch voran; in der Zeit zwischen den „Tunneln“ (Zeitsprünge) passiert so viel, daß ich gar nicht dazu komme, alles genau und bis ins letzte Detail zu betrachten bzw. mitzubekommen. Bis ich genauer hinsehen kann, ist die Szene vorbei. Es ist eine wirklich gut erzählte und interessante Geschichte, eine Mischung (so empfinde ich es) zwischen Abenteuer- und historischem Roman, die mich durchaus fesselt - aber nicht bis in die Tiefe berührt. So ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, eine „Beziehung“ zu den Protagonisten aufzubauen. Josef sucht seinen Bruder - das kann ich nachvollziehen, doch wenn er ihn nicht findet, auch gut. Luise hat eine schwere Geburt; es sieht zu Beginn gar nicht gut aus. Darf ich ganz offen sein? Es hätte mich nicht sehr belastet, wenn sie nicht überlebt hätte, obwohl sie eine sehr sympathische Figur ist. Ich komme mir vor, als ob ich als in jeder Hinsicht unbeteiligter Beobachter das Geschehen verfolge, ohne innere Anteilnahme.


    Um ein anderes Bild zu gebrauchen: es ist, als ob ein Film in einzelnen Szenen vor mir abläuft, die durch Zeitsprünge getrennt und recht kurz sind, so daß ein genaueres Hinsehen gar nicht möglich ist. Die Kamera geht so schnell drüber, daß alles verwischt.


    Einmal sind Emil und seine Famile kurz vor dem Verhungern, und im nächsten Absatz sind wir etliche Wochen weiter. Ja was nun, wie haben sie die Probleme gemeistert? Oder zum Ende des Teils wird Josef angeschossen, und im nächsten Absatz ist er wieder zu Hause und alles ist gut und (fast) verheilt.


    Es schreitet so schnell voran, daß es mir nicht möglich ist, eine Beziehung aufzubauen. Zumindest bis jetzt nicht.


    Damit will ich das jetzt erst mal sein bewenden sein lassen. Wenn ich mich nicht ganz verständlich ausgedrückt habe, bitte nachfragen. Dann versuche ich zu präzisieren.


    (Meine direkten Anmerkungen schreibe ich in einen Extra-Post.)


    Und jetzt erst mal :schnellweg vor dem geballten Zorn ...

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von Herr Palomar


    :write
    Das fällt mir auch jedesmal auf, wenn ich zum Buch greife, wie das Umschlagmotiv "Die Auswanderer" die große Atmosphäre der Romanhandlung unterstützt.
    Es spricht also doch einiges dafür, ein Umschlagmotiv zu wählen, dass etwas mit der Handlung zu tun hat.
    Astrid Fritz Bücher sind eigentlich alle sehr schön. Mir hat auch "The Lady Clare" von Die Gauklerin sehr gut gefallen.


    :write
    Ich finde auch, es hebt sich sehr schön ab. Ich habe es jetzt schon in einigen Buchhandlungen liegen sehen und mit der Farbgebung und der Differenzierung zu anderen historischen Romanen ist es ein schöner Blickfang, der auch animiert, es mal näher zu betrachten.

  • Seite 122: Teilweise beanspruchen die Indianer das Gebiet.
    Na ja, ich nehme an, das wird so gelaufen sein wie in den USA, die Indianer wurden gar nicht groß gefragt, was sie wollten.


    Seite 132. Täuschte er sich, oder lag da nicht auch Wehmut in Armbrusters Lächeln? (als erfuhr, daß Luise schwanger ist). Aha, also doch ...


    Auf Seite 145 wird dann beschlossen, einen Friedhof anzulegen. Das hat mich schon ein bißchen verwundert. Denn gerade zu der damaligen Zeit lagen Leben und Tod ja noch wesentlich dichter beisammen als heute. Was hatten sie also vor, mit ihren Toten zu machen? Jeden durch den Urwald in die nächste Stadt zu transportieren? - Aber immerhin scheint zumindest ein Ehret ein ehrenwerter Mensch zu sein.


    Es wird öfters zwischen „Chilenen“, „Araukanern“ und „Einwanderern“ unterschieden. Araukaner sind Indianer, Einwanderer ist auch klar. Aber was macht einen Chilenen aus? Sind nicht auch die Einwanderer jetzt Chilenen? Wann (bzw. durch was) wird man zum Chilenen?


    Und zum Abschluß des Teils schätze ich mal, daß Don Eusebio absichtlich auf den Indianerjungen geschossen hat (was zu meiner obigen Vermutung, was Indianerinteressen wert waren, passen würde).

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Ich sehe das von SiCollier angesprochene Problem des Ausblendens einiger Abschnitte auch, obwohl es mich nicht so stark stört.
    Eigentlich finde ich diese Methode des Weglassens ganz gelungen.
    Der Roman ist fast episch und breit aufgebaut, würden alle Abschnitte (auch wenn sie durchaus interessant sind) beschrieben, müsste der Roman 2000 Seiten oder mehr haben.


    Astrid, ich würde gerne wissen, ob du einige dieser Abschnitte geschrieben und am Schluß nicht verwendet hast, oder ob du sie von vornherein bewusst weggelassen hast.

  • @ SiCollier


    Ich gebe Dir zum Teil recht (bin aber ja erst bei Kapitel III), aber nur zum Teil. Die Passagen mit Armbruster sind m. E. deutlich langsamer als andere. Ich bin gespannt, was mich da erwartet.


    Die Ankunft in Chile könnte für mich auch ausführlicher sein. Z. B. die erste Begegnung mit Einheimischen, die Josef ja sehr fremdartig erscheinen dürften.


    Wahrscheinlich wäre das ganze dann aber wohl ein 1000-Seiter geworden (wogegen ich z. B. gar nichts hätte, was aber vielen Lesern deutlich zuviel wäre).