Der letzte Wunsch – Andrzej Sapkowski

  • So, ich beginne es zu hassen:
    Anscheinend habe ich an dieser rezi eine stunde zu lang herumgebastelt, so dass sich mein server inzwischen abgeseilt hat: also nocheinmal. Ich versuche meinen blumigen stil und den prosaischen schwulst meiner in den abgründen des speichers verschwundenen ersten rezi wieder auf die reihe zu kriegen... Niemals eine textdatei ohne sicherheitskopie in word abschicken; merk dir das für die zukunft, mein kind.


    Also: Es geht in dem BUCH um... - Nein, so hat es vor zwei Stunden nicht begonnen... - Zurücklehnen augenschliessen, nachdenken... wo war ich letzte Nacht...?


    Ach ja, ich war in Wyzima, einem kleinen, heruntergekommenen, von einem König regierten Stadtstaat.


    Ein Fremder kam in diese Stadt, wahrscheinlich ein Söldner; zu fuss, mit einem Bihänder am Rücken, sein aufgezäumtes Pferd führend, geht er zielsicher auf die übel-beleumdetste Kneipe der ganzen Stadt zu, um sich ein Bier und ein Nachtlager zu bestellen.
    Der Wirt ist skeptisch, der Fremde sieht nicht so aus, als könne er bezahlen. Er versichert, dass er zahlen kann, aber das reicht dem Wirt nicht. Der Mann kommt von weit her, ist müde und dreckig. Er ist dürr, und sein langes Haar hat früh seine Farbe verloren, obwohl er nicht alt scheint, und zu allem Überfluss spricht er den Dialekt der Bewohner von Rivia.
    Schnell finden sich einige Strauchdiebe und Kneipenschläger, die ihm beim Austrinken und Gehen helfen wollen.
    Einen Augenblick später sind zwei von ihnen tot und ein dritter liegt sterbend in einer langsam grösser werdenden Blutlache. Die anderen Gäste suchen ihr Heil in der Weite, oder verstecken sich hinter ihren Bierkrügen.
    Die herbeigerufenen Wachen sind ganz glücklich, dass der Fremde denselben Weg hat, und sie freiwillig zum Statthalter und obersten Richter begleitet, denn er hat mit ihm zu sprechen.
    Die Stadtregierung liess überall an den Wegkreuzungen anschlagen, dass sie ein Problem hat: Im alten Schloss haust eine menschenverschlingende Striga. Die reichsten Bürger der Stadt haben sich zusammengetan um 1500 Goldstücke zu zahlen, an denjenigen, dem es gelingt, das Untier zu töten. Der König jedoch ist bereit 3000 Goldstücke an denjenigen zu bezahlen, dem es gelingt, das Monster zu erlösen. Denn dieses Monster ist seine aus dem Inzest mit seiner Schwester entsprungene, totgeborene Tochter. Die Erbin des Reichs.
    Der Fremde stellt einige Fragen, lächelt, und macht sich auf den Weg zur wüstgefallenen Ruine des alten Schlosses. Er ist Geralt von Rivia. Er ist Hexer. Einer von wenigen die ihre Erschaffung überleben. Und die Jagd auf Monster aller Art ist sein Beruf, seine Berufung.
    Und er weiss, wie man das Monster daran hindert, dass es vor dem dritten Hahnenschrei zurück in seinen Sarg steigt und seiner Erlösung ein weiteres Mal entgeht, und für 3000 Goldstücke macht er es.


    Diese Geschichte ist der Auftakt zu einem in einer Rahmenhandlung eingewobenen Geschichtenzyklus um den Hexer Geralt:
    Kurzbeschreibung: dreckig, blutig, grausig.


    Andrzej Sapkowski, Jahrgang 1948 war eigentlich Wirtschaftswissenschaftler, auch Literaturkriter, ehe er zum Schluss kam, er sei doch besser selber Schriftsteller. Und in seiner polnischen Heimat und in Osteuropa hat man ihm den Entschluss den Fantasy-Zyklus um den Hexer Geralt von Rivia zu schreiben mit einer Millionen-Auflage, dem Literaturpreis der Politiyka (1998), einer Fernsehserie und zuguterletzt einem in diesem Oktober international erscheinenden PC-Rollenspiel gedankt.


    Wer wissen will, was in Osteuropa Begeisterungsstürme und ein Fandom hervorgerufen, hat, das man westlich von Polen so nur vom Herrn der Ringe kennt, soll sich an Geralt versuchen. Ich glaube nicht, dass er es bereuen wird.


    Was mir am Hexer gefällt... Also, nicht nur, dass Geralt als PC-Avatar so schnucklig und vielversprechend aussieht – nein, mir gefällt, dass man hier Schwarz und Weiss vergeblich sucht, sondern sich mit Geralt in einer Welt aus Grauschattierungen herumtreibt, die einen genauso orientierungslos und desillusioniert wie den Helden selbst zurück lässt:
    Was schön, gut und nett scheint, ist nicht selten in Wahrheit monströs, wohingegen die Monster gelegentlich sehr nett sind. Am häufigsten entpuppen sich die Menschen als die grössten aller Monster. Und oft – zu oft ist Geralt, der für Geld tötet, keinen Gott kennt und keinem Herren dient, das grösste Monster von allen.
    Er tötet, zerstört, nimmt das Geld und zieht weiter, denn „Es hat keinen Sinn, zurückzuschauen.“

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

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  • So, bestellt :grin


    Das hört sich ja toll an.


    Weisst du denn eigentlich, wie viele Teile es sind?
    Bei amazon stand nix dabei....

  • In Wikipedia steht, dass es fünf Bände sind.
    Wobei der erste Teil aber "Das Blut der Elfen" heisst.
    Jetzt bin ich irritiert... :gruebel


    "Der letzte Wunsch" soll eine Kurzgeschichtensammlung sein...

  • Na ja. Seltsam ist nur, dass da steht, dass es der erste Band der Saga ist... :gruebel

  • Mit diesem Reigen aus Kurzgeschichten die eine Art Rückerinnerung/Alpträume Geralts in einem Kloster der Erdpriesterinnen darstellen, setzt die Geschichte von Geralt ein.
    Es ist gewissermassen das erste Buch. Die kurzen Geschichten beschreiben seinen Charakter, erzählen von wo er seine Narben hat, und was ihn verflucht hat, und erst dann folgen ... soweit ich sah, fünf ineinander abgeschlossene Romane über die Figur und ihr weiteres Schicksal. Sowie zwei weitere Kurzgeschichten-Bände, der letzte relativ neu.


    Ich weiss nicht ganz, aber Geralt, der als Hexer selbst halb Mensch, halb untotes Monster ist, scheint irgendwann zwischendurch oder gegen den Schluss der Reihe zu sterben, und seine Brüder erwecken ihn wieder ... zumindest ist das so in der Handlung des Rollenspiels angedeutet, er hat auch schon im ersten band Todesahnungen.


    Lassen wir uns überraschen.

    DC :lesend


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  • Und das ist der Kampf aus der ersten Geschichte, des obigen Buchs, mit dem auch das Rollenspiel beginnen sollen


    EDIT: links deaktiviert deshalb: auf You tube:


    watch?v=TkDYelrzj1I
    (Geralt vs Striga)


    watch?v=VQkgfhU60Qk


    The Witcher - Cinematic Trailer 2


    The Witcher Story - Wiedzmin Historia by NebulaHelix


    The Witcher: Rise of the White Wolf - (Game Trailer HD)

    DC :lesend


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  • Aaach, bis 2012 kratzt du es dir schon zusammen :wow :lache


    bartimaus hat mir vorgeschlagen, wenn ich die bücher schneller haben will, soll ich polnisch lernen... haha. Aber sollte ich ungeduldig werden, weil es einen unerträglichen cliffhanger irgendwo gibt, ist das eine echte option.


    Und es gibt schon im ersten band jede menge Cliffhanger.



    Seine heissgeliebte Yen kann, da sie als zaubererin sich wie Geralt innerlich vergiften musste, keine kinder kriegen, aber sie will ein kind von ihm, auf biegen und brechen, und sie will ihn erst wieder sehen, wenn es ihr gelungen ist, ihr inneres wieder zurechtzuzaubern. Inzwischen gehen sie sich waidwund, andere gründe vorschiebend, aus dem weg und durchstreifen die welt eigentlich immer auf der suche nacheinander.


    Die Novizin Iole, hat ihm vorgespielt, sie sei Yen, vielleicht hat das was genützt, um Yen ein kind von Geralt zu beschaffen. Obendrein hat Iole seinen tod vorausgesehen, und wird dieses wissen - so sensibel wie sie ist - wahrscheinlich nicht lange überleben. Zuletzt wird er von einem monster zerfleischt werden.


    Die junge Striga-Prinzessin von Wyzima hat am morgen, als sie schon in menschlicher gestalt war, sein vergiftetes blut getrunken, und er wusste nichts besseres zu tun, als ihr als gegenleistung einen vampirbiss in den hals zu geben, und ihr strigenblut zu trinken. Jetzt sind die beiden irgendwie auf gedeih und verderb miteinander verkettet. Eine art blutsbruderschaft. Es besteht aber das risiko, dass sich seine blutschwester in eine Striga zurückverwandelt... wenn man sie nach ihrem sehr wahrscheinlich vorzeitig eintretenden tod (der vermutlich durch nichteinhaltung und vernachlässigung magischer regeln gegenüber einer erlösten Striga eintreten wird) nicht pfählt.


    Und Geralt ist inzwischen ziemlich gegen das monstertöten, weil es nicht mehr viele von ihnen gibt, die meissten mit sich reden lassen, und ihn seine auftraggeber allesamt anekeln.


    Geralt hat einigen bergelfen den kampf auf leben und tod versprochen, weil sie mit würde im kampf sterben wollen und nicht dahinsiechen obwohl keiner von beiden seiten es wirklich will.
    Will wissen wie's weitergeht... buhääää

    DC :lesend


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  • :knuddel1 Wird schon nicht so schwer werden. Da gibts doch bestimmt genug Lehrbücher ("Polnisch mit Papst JPII" oder sowas ;-)).
    Ich warte einfach und verkürze mir die Zeit dann eben mit ein "paar" anderen Büchern. *pfeif*

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Heute nun habe ich dieses Buch auch zugeschlagen. Die Verwirrung bezüglich des Namens hat sich inzwischen gelegt (zum einen wird der Hexer auf der Rückseite als Geralt von Rivien, im beschreibenden Innentext als Geralt von Riva bezeichnet). Rivien ist wohl ein Fürstentum / Königreich / Landstrich, dessen Hauptstadt (aus der der gute Geralt kommt) eben Riva heist. Somit ist beides richtig. Trotzdem meine ich, in den Beschreibungen die zum PC-Spiel erschienen sind schon mal Geralt von Rivia gelesen zu haben. :gruebel Aber was solls, im Zweifelsfall hat das Buch recht, also "von Riva".


    Die Kurzgeschichten dieses Bandes werden durch die Rahmenhandlung eines Krankenaufenthaltes verbunden. Geralt ist nach dem Kampf mit der Striege in ein Heiligtum der Göttin Melitele (NEIN, nicht Melitta!) weitergereist und wird dort von der matronenhaften aber freundlichen Oberpriesterin Nenneke gepflegt. Er erinnert sich immer wieder an Begebenheiten aus seiner Vergangenheit die entweder mit seiner eigenen Herkunft zu tun haben oder mit ersten Schicksalhaften Begegnungen (zum Beispiel der mit seinem besten Freund, dem Troubadour Rittersporn oder der mit seiner großen Liebe Yennefer).


    Eine witzige Spielerei des Autors ist das Einflechten altbekannter Märchen und Sagen, sei es als Haupthandlung (z.B. das Märchen "Die Schöne und das Biest" in der Geschichte "Ein Körnchen Wahrheit" oder von Schneewittchen in "Das kleinere Übel") oder nur in einem Nebensatz ("Vorigen Winter hat der weniger gnädige Fürst Hrobarik versucht, mich für die Suche nach einem hübschen Mädchen anzustellen, das seine ordinäre Buhlerei satt hatte und von einem Ball floh, wobei es einen Schuh verlor.") Dabei allerdings so wie man es in einem solchen Buch erwarten würde: Völlig verändert, morbide und nur noch entfernt mit dem verwandt was wir aus unserer Kinderzeit kennen (erinnert dabei fast ein bisschen an den Film "Brothers Grimm" oder einige der Manga von Kaori Yuki).


    Der Humor der immer wieder aufblitzt gefällt mir ganz prächtig. Der verklärte Blick eines Elfen, der gerade sein Haus niederbrennen sieht und auf die Nachfrage eines Priesters erwidert, er hätte eine enorm hohe Versicherungspolice abgeschlossen oder auch die Wortgefechte zwischen Geralt und Rittersporn sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben ("Als Angler bist du so gut wie ein Ziegenarsch als Trompete."). Auch der Charakter von Geralt weiß zu überzeugen, ist hart aber sympathisch, da er seine eigenen Vorstellungen von Recht und Berufsehre hat. Er verurteilt andere nicht aufgrund ihres Aussehens. Auf der anderen Seite muss er sich oft genug aus den Dörfern, die er eigentlich gerettet hat, mit Schimpf und Schande davonjagen lassen. Die Leute mögen keine Hexer, sie sind ihnen unheimlich auch wenn sie Monster töten.


    Zu der namensgebenden Kurzgeschichte muss ich noch was loswerden:


    Dieser Band macht mit Sicherheit Lust auf mehr! Sowohl auf das PC-Spiel als auch auf die Nachfolgebände, mit denen sich der Verlag hoffentlich nicht allzu viel Zeit lässt.


    Von mir gibts 9 von 10 Punkten.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Ich denk, die wollten beide überleben,

    und er nimmt seine angebliche traumliebe zu Yen als vorwand keine andere feste beziehung einzugehen.


    Ja, ich hab mich das mit dem Namen der Hauptstadt auch schon gefragt: im englischen Vorspann steht tatsächlich Geralt of Rivia, wird auch so ausgesprochen, aber im deutschen heissts Geralt von Riva. Die übersetzer nehmen halt, was ihnen klanglich am besten gefällt.

    DC :lesend


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  • Ich seh ja ein


    Kommt Yen im Spiel eigentlich auch vor? Ich hab mitgekriegt, dass ihre Freundin Triss Merigold ja im Tutorial auftaucht.

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