Charlotte Roche - Feuchtgebiete

  • ... brauch ich nicht...


    Ich wüsste nicht, warum mich anderer Menschen Ausscheidungen interessieren sollten, auch nicht in Buchform. Nicht, dass mich so etwas anekeln könnte; ich raff' nur nicht so recht, wie mich die Lektüre weiterbringen sollte.
    Ergo- wieder Geld gespart! :grin

    Receive what cheer you may- the night is long that never reaches the day (Willy Shakespeare)

  • Ich habe das Buch zwar noch nicht gelesen, dafür aber sämtliche Interviews mit Frau Roche gesehen. Das hat mir eigentlich vollkommen gereicht um das Buch nicht zu kaufen!
    Es ist zwar alles wahr: Schönheitswahn, übertriebene Hygiene usw. und es ist auch durchaus zu kritisieren, aber das Thema ist im Großen und Ganzen viel zu unwichtig um es als eine Art Mission oder Kampf darzustellen! Es hat mit Tiefgründigkeit und Feminismus gar nichts zu tun. :nerv

    "Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene."
    (Carl Hillty)

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  • Ich kann nur im Rahmen einer Leseprobe entscheiden, ob mir dieses Werk gefällt und ich habe mich ganz eindeutig dagegen entschieden dieses Machtwerk zu lesen. Nicht aufgrund ihres Tabubruchs über Exkremente, Sex, Masturbation oder Erbrochenes zu schreiben, sondern weil dieses Buch einfach platt geschrieben ist.


    Schlüsseln wir mal auf, was bleibt, wenn wir die s.g. Tabubrüche entfernen: Ein Mädchen, was ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenbringen möchte und ihrem Aufenthalt im Krankenhaus verlängert, um ihnen eine Gesprächsmöglichkeit zu geben. Dieser Plot ist nicht neu, man sehe sich "Der Bergdoktor" bzw. "Schwarzwaldklinik" oder jede andere mit einem Stückchen Heimat angereicherte Arztserie.
    Gut, seit der Bibel wurde nichts neues erfunden, dementsprechend könnte diese Uninnovativität nicht ins Gewicht fallen, wäre der Schreibstil der Autorin nicht so auf jugendlich-modern getrimmt àla Benjamin Leberts "Crazy". Der Schreibstil ist nicht gut beschreibend, nicht gut erklärend oder atmosphäreschaffend. Er wirkt einfach nur plump und darauf bedacht Roches' s.g. Tabubrüche zu transportieren.


    Zum Thema Tabubrüche: Wo ist hier bitte ein Tabubruch? Das ist eine angereichte Provokation über Körperhygiene nachzudenken, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht in seiner Drastigkeit einzigartig, aber nur deswegen, weil sich die Autorin bemüht jede Seite mit einer neuen Ekelhaftigkeit zu füllen, so dass fast künstlich und aufgesetzt wirkt. Helen Mehmel probiert alles aus, probiert ihre eigenen Körpersäfte, monologisiert über ihr Menstruationsblut, ihre Kotze, ihren Urin und Kot. Auch diese Idee ist nicht neu, man sehe sich den Film "Trainspotting" an, dass ist ähnliches "Ekeltheater", wie man so schön sagt. Nur, bei "Trainspotting" steckt wesentlich mehr Handlung dahinter; dort wird eine Generation pervertiert, die keine Perspektiven und Lebensziele hat, und somit zu allen möglichen Perversionen neigt. Warum Helen ihren eigenen Urin z.B. trinkt, tut Charlotte Roche, mit Neugier ab.


    Neugier ist offensichtlich der tragende Charakterzug an Helen und ansonsten bleibt von ihr als Figur nicht viel. Sie wirkt blass; man nehme ihre Sex- und Masturbationslust, ihre Perversionen und die Angst um die Scheidung ihrer Eltern und es bleibt... nichts. Die Figur hat keinen Tiefgang, keine Botschaft, sie transportiert nichts.


    Was wird von diesem Buch bleiben? Der Hinweis, dass der Feuilleton regiert, und zwar mit mehr oder weniger peinlichen Artikulierungen zu Charlotte Roches Buch, dass ihr mehr Aufmerksamkeit bringt, als sie es verdient hat. Kerner, Blaues Sofa bei der Leipziger Buchmesse, Buchzeit... die Medien überschlagen sich geradezu Interviews zu senden und die "dolle Provokation" des Buches darzustellen, aber schaut man einmal auf das Buch als literarisches Werk bleibt einfach nichts vom Wert da.


    Eine Autorin, die sich freut über Schlagzeilen, weil sie sich jede Menge Ekelkram hat einfallen lassen. So ein Buch hat es NATÜRLICH verdient in den Medien zu sein... :rolleyes

    „Die Literatur greift immer dem Leben vor.
    Sie ahmt das Leben nicht nach, sondern formt es nach ihrer Absicht.”

    Oscar Wilde, irischer Schriftsteller und Aphoristiker

  • Allles vollkommen richtig. Ich bin mal gespannt, wie weit es dieses Buch bei Bestsellerlisten schaffen wird...es wird wahrscheinlich der absolute Verkaufsrenner werden.
    Schade... Es gibt so viele wertvolle Bücher, die absolut unbemerkt bleiben und so viele Autoren die deswegen scheitern :-(

    "Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene."
    (Carl Hillty)

  • Auf der Spiegel-Bestsellerliste steht Feuchtgebiete auf Rang 2.
    Ich denke, dass sich der Roman dort nicht lange halten kann, bei uns im Laden ist die Nachfrage zumindest schon wieder abgeflaut.
    Sobald die Autorin nicht mehr durch Talksendungen tingelt, wird sich das ganze relativ schnell erledigen ...

  • Zitat

    Original von Seestern
    Auf der Spiegel-Bestsellerliste steht Feuchtgebiete auf Rang 2.
    Ich denke, dass sich der Roman dort nicht lange halten kann, bei uns im Laden ist die Nachfrage zumindest schon wieder abgeflaut.
    Sobald die Autorin nicht mehr durch Talksendungen tingelt, wird sich das ganze relativ schnell erledigen ...


    Das Buch wurde aber auch schon, bevor es erschienen war angeprisen.
    So viele konnten es da also noch nicht gelesen haben.


    Wie gesagt, der Rummel legt sich auch wieder...

  • Ich hab's gelesen - und ich lebe noch.


    Ein wenig erinnert mich die 18-jährige Erzählerin an eine Vierjährige, die gerade ihre Aa-Pipi-Phase voll auslebt und sich köstlich amüsiert, wenn die liebe Familie "pfui" schreit, weil sie gerade in der Nase bohrt. Richtig ernst nehmen kann ich das Buch nicht. Okay, es wird KEINE Körperöffnung und kein Sekret ausgelassen, aber wenn man sich auf der einen Seite so richtig schön geekelt hat, dann gibt's ein paar Seiten später etwas, über das man einfach nur lachen kann.


    Bedenkt, dass wir Fernsehkinder gerade massiv den Angriffen von Werbung und Privatsendern ausgesetzt sind, was perfekt gestylte Frauenkörper betrifft. Rasieren, Desodorieren, Stylen, Färben, Kämmen, Modellieren, Weghungern - das ist die eine Seite. Roches genüsslich ausgelebte Ekelphantasien sind das Gegenteil, die Antithese sozusagen.


    Wenn das Buch bewirkt, dass wir ein wenig lockerer hinsichtlich des o. g. Zwangs zum Stylen werden, wär's okay. Trotzdem dusche ich gerne und ziehe den Duft frisch gewaschener Haare dem Geruch von ... vor.


    Noch jemand hier, der das Buch gelesen hat? Würd' mich interessieren, wie euer Eindruck ist.


    Lieben Gruß


    polli

    Ja, das Schreiben und das Lesen
    ist nie mein Fach gewesen,
    denn schon von Kindesbeinen
    befasst' ich mich mit Schweinen.
    (Der Zigeunerbaron)

  • Zitat

    Original von Babyjane
    @ Lili
    Eigentlich schon, aber ich mag Frau Roche nicht, gar nicht und es gibt nichts widerlicheres als ungepflegte Menschen.
    Und ungepflegt ist für mich jeder, der Haare an unpassenden Stellen hat und offensichtlich die Funktion eines Deos nicht kennt, darüber auch noch Bücher zu schreiben und diese dann zu lesen, widerstrebt mir.Aber ich bin so ein Fashionvictim, auch was Bücher angeht, daher werde ich es wohl kaufen, lesen und dann verreißen müssen. :-] :lache


    Das ist doch alles nur Fiktion - keine Autobiographie (hoffe ich doch)... :grin


    So, habs bestellt und gebe dann ggf. meinen Senf dazu.


    Edit: Außerdem - schlimmer als Die 120 Tage von Sodom wirds nicht sein...

    Lilli
    "The more you ignore me, the closer I get." [Morrissey]

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  • Nun, meine Ekel-Schwelle ist nicht unbedingt niedrig (sonst dürfte ich nicht im Krankenhaus arbeiten) aber nachdem ich die Leseprobe gelesen habe, wollte ich alles andere als dieses Buch kaufen. Die Idee ist sicherlich ganz nett, aber ich bezweifel mal, dass die Umsetzung geglückt ist. Wenn ich mir da die sprachlichen Aspekte des Buches an Hand der Leseprobe anschaue, sehne ich mich einfach nur nach lesenswerteren Büchern.


    Zitat


    Ich kann nur im Rahmen einer Leseprobe entscheiden, ob mir dieses Werk gefällt und ich habe mich ganz eindeutig dagegen entschieden dieses Machtwerk zu lesen. Nicht aufgrund ihres Tabubruchs über Exkremente, Sex, Masturbation oder Erbrochenes zu schreiben, sondern weil dieses Buch einfach platt geschrieben ist.


    Dem schließe ich mich uneingeschränkt an. Ein Thema kann noch so uninteressant sein, solange die Sprache und die Umschreibung der Story stimmt. Aber so? Nein danke.

  • Zitat

    Original von Lucy1987


    Hier gibt es eine Leseprobe. ;)


    Danke, Lucy :wave
    Also ich bin mir ja nicht sicher, ob das Buch was für mich ist. Schon ziemlich eklig das Ganze. Und wenn es auch nur oberflächlich bei diesem ekligen bleibt, ist es schade drum. Denn eigentlich finde ich, dass Roche Recht hat damit, dass der Hygiene-Wahn übertrieben ist. (Und ich wasche mich trotzdem gerne und benutze Deo usw.)


    Ich glaube, wenn das Buch nicht von einer prominenten Persönlichkeit geschrieben worden wär, gäb es da jetzt auch nicht so viel Aufhebens von Seiten der Presse und Leserschaft.

  • Befreiungsschlag gegen parfümierte Slipeinlagen, Rasierzwang und Hygienewahn


    Charlotte Roches erster Roman musste ja irgendwie etwas besonderes sein, sie selbst ist es ja schließlich auch selbst.
    Protagonisten ihres Romans ist die 18 jährige Helen. Bei einer Intimrasur am Arsch, schneidet sie sich in den selbigen. Als die Wunde zu eitern beginnt geht sie ins Krankenhaus, muss operiert werden. Der Aufenthalt im Krankenhaus wird in Helens Leben schließlich ein Wendepunkt.


    Hygiene wird bei mir kleingeschrieben


    Helen hat ein - sagen wir - sehr inniges Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität. Es ist sozusagen ihr Lebensinhalt. Jede kleine Fantasie muss ausgelebt werden und jeder noch so verschrobenen, unbeantworteten Frage muss nachgegangen werden. Mit unbelasteter Neugier und Pioniergeist geht Helen auf eine etwas andere Entdeckungsreise ihres Körpers. Hiervon wird nichts an Körperflüssigkeiten ausgespart, Eiter, Wundschorf, Smegma… Helen plaudert über Analverkehr und Tampontausch mit der Freundin, wie andere in ihrem Alter über Schminktipps plaudern.
    Charlotte Roche provoziert bewusst und übertreibt sicher auch an der ein oder anderen Stelle gerne mal mit Helens Ekel-Aktionen, ihrem Fetischismus und Hygieneekel. Allerdings ist das auch im Kontext notwendig damit der Leser aus der konventionellen Welt der Hyperhygiene erstmal hinausgeschleudert wird und sich in den Ursprüngen des Menschen wiederfinden kann.


    Die Idee zu diesem Buch entstand aus Roches Wut über parfümierte Damenbinden und Intimlotionen, die Frauen suggerieren sie stinken da unten und zwar so schrecklich, dass man man das nicht einmal mit normaler Seife wegwaschen kann, beziehungsweise mit Maiglöckchenduft überdecken muss. Das führt bei vielen Frauen zu Hemmungen z.B. beim Oralverkehr. Während Männer losgelöst mit ihrem Sperma und Smegma wenig Sorgen haben, ich habe bis dato zumindest noch keine Intimlotion für Männer entdeckt. Frauen haben nun einmal Vaginalsekrete, Frauen kacken, Frauen haben ihre Tage, Frauen sind eben Menschen, Menschen die ihre Fetische und auch ihre Ekelseiten haben. Ich kann Roches Bedürfnis nach diesem Buch sehr gut verstehen und bin froh solch offene und unverklemmte Worte zu dem Thema gelesen zu haben. Ein Befreiungsschlag gegen die Mafia der Damenhygiene.


    Die andere Seite des Buchs ist fast tragische Hintergrund der Figur Helen. Er scheint nur an einigen Stellen des Romans durch, gerade genug um zu verstehen, warum einiges an dem Mädchen so extrem ist. Helen ist Scheidungskind, leidet sehr darunter, fühlt sich unsichtbar. Daher ihr starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, danach andere zu schockieren und einen Teil von ihr mit anderen zu verbinden, was ihr scheinbar nur über das Verstreuen ihrer Bakterien zu gelingen scheint. Einzig Pfleger Robin kommt Helen nah. Ihm gelingt es durch Helens Fassade zu dringen.


    Roches Romans ist in einer Sprache geschrieben, die der der 18-jährigen Helen entspricht. Einach, kurz auf den Punkt gebracht, cool, nah der realen Gegenwart. Es liest sich daher locker flockig, auch durchs Roches einmaligen Humor, der mal subtil durchscheint, mal wie ein Hammer kommt. Ich habe an einigen Stellen herzlich gelacht und auch sonst habe ich mich prächtig amüsiert. Auch die Message ist bei mir angekommen. Also ein stimmiges, gutes Leserlebnis.


    Witzig finde ich vor allen Dingen die Reaktionen, bzw. Rezensionen zu diesem Buch, besonders die bei Amazon. Allein der Klappentext, bzw. Beschreibungen des Buchs lassen doch ziemlich deutlich durchblicken was einen erwarten könnte. Nein, jeder Otto-Normal-Spiesser muss das Buch trotzdem haben und lesen, und sei es nur um sich hinterher über die sooooo ekligen Szenen (die meist gar nicht sooooo ekelig sind) aufzuregen. Ist mir ein Rätsel. Vielleicht um vor den anderen klarzustellen, wie sauber und rasiert sie doch sind im Gegensatz zu Ekel-Helen, sonst könnte man ja sonst was von Ihnen denken. Lustig, dass man die Leute doch noch so einfach schocken kann!


    Weiter so Charlotte!

  • Meine Freundin möchte dieses Buch unbedingt lesen... und jetzt wo ich das hier mal gelesen habe, kann ich das gar nicht verstehen... also für mich wäre das Buch absolut nichts, aber ich bin gespannt, was meine Freundin davon halten wird...

    :wave Gruß Dany


    Die Wirklichkeit ist etwas für Leute, die mit Büchern nicht zurechtkommen.
    Leserweisheit

  • Zitat

    Original von Morgaine
    Wens interessiert, Charlotte Roche ist heute um 23.15Uhr bei Stefan Raab :wave Ich werd mir mal anschauen, was sie so zu sagen hat, und vor allem was er dazu sagt :lache


    Das kann sehr lustig werden... ich glaub, ich muss heute abend mal TV Total gucken!

    :wave Gruß Dany


    Die Wirklichkeit ist etwas für Leute, die mit Büchern nicht zurechtkommen.
    Leserweisheit

  • Ich habe es heute morgen gekauft und schon fast die Hälfte gelesen. Es ist ziemlich heftig, aber ich mag es ja schräg :grin


    Danke Morgaine für den TV-Tip.