Der Himmel aus Bronze: Die Steine des Gorr - Viola Alvarez

  • Erschienen 09/2008
    446 Seiten
    ISBN 13: 978-3-785-71619-9


    Kurzbeschreibung:


    Als im kältesten aller Winter in den Wäldern des Gorr fünfzehn tote Männer gefunden werden, geraten die Dorfbewohner in Panik. Die Toten, aufgereiht wie zerbrochen Zweige, sind unerklärlicherweise mit Eis überzogen und ihre Augen fehlen. Um mögliches Unheil abzuwenden, schickt der grausame Rhinn ausgerechnet den sechzehnjährigen Hayso, Wasser von der Quelle bei "Den Steinen" zu holen, einer geheimnisvollen Kultstätte. Ohne Hoffnung lebend zurückzukehren, macht sich Hayso auf den Weg. Er ist ein Außenseiter, elternlos und durch seine schlechten Augen beeinträchtigt. Durch ein ausgeklügeltes Zählsystem kommt er unversehrt bei "Den Steinen" an. Doch was er dort findet, ist weitaus rätselhafter als die fünfzehn toten Männer. Bald schon wird Hayso klar, dass er nicht zufällig hier ist: Er ist der Erwählte, der "Das Geheimnis des Himmels" finden muss, um es vor den Mächten des Bösen zu schützen ...


    Über die Autorin:


    Viola Alvarez, in Lemgo/Westfalen geboren und in Detmold aufgewachsen, ging nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Skandinavistik als Dramaturgin nach Hamburg. Zusammen mit ihrem Mann schrieb sie ein Buch über indianische Heilmethoden. Viola Alvarez lebt heute als freie Autorin in der Nähe von Köln und veranstaltet Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist Leiterin des Galant- Theaters in Köln.


    Meine Meinung:


    Da mein absolutes Lieblingsbuch „Die Nebel des Morgens“ von Viola Alvarez stammt und ich im Vorfeld zur Leserunde geschrieben habe, wenn auf dem Telefonbuch der Name dieser Autorin stände würde ich auch dieses erwerben, halte ich die folgende Buchvorstellung nicht unbedingt für kritisch distanziert.


    Die Einsortierung in Vorzeit ist sicher richtiger, als in Altes Ägypten, obwohl die Zeit etwa 1.500- 1.000 v.Chr. liegen dürfte.


    Das Cover des Buches verrät dem Leser mehr, als die Protagonisten zunächst wissen- es zeigt die Himmelsscheibe von Nebra. Dieser Band „Die Wälder des Gorr“ ist der erste einer Trilogie „Der Himmel aus Bronze“ in dem dieser geheimnisvolle Fund aus der Bronzezeit im Mittelpunkt steht. Nun kann man schwer über die historische Genauigkeit eines Autors urteilen, der aus einer Zeit schreibt, über die so wenig bekannt ist. Viola Alvarez hat jedenfalls, das merkt man, viel recherchiert, die bekannten historischen Fakten mit alten Mythen verknüpft und erzählt so eine interessante und spannende Geschichte. Dies tut sie, wie schon zuvor, in einer Sprache, klar, prägnant, kurz, aber so was von fantastisch..man möchte sich jeden dritten Satz einrahmen.


    Der erste Band führt zunächst die Haupt- und Nebenfiguren ein. Lässt ihnen Zeit sich zu entwickeln, sich zu formen. Die Zeit ist in vielen Dingen grausam, oder erscheint uns heutigen zumindestens so. Menschenopfer, die im Moor versenkt werden oder für den Sonnengott massenweise geschlachtet werden. Auch wenn diese Szenen nur angedeutet sind, für Kinder und Jugendliche ist das Buch eher nicht geeignet.


    Hayso der Nichtsnutz, der als Kurzsichtiger zu nichts gebraucht werden kann, der weder Jäger noch Handwerker wird und hätte er nicht den Schutz von Onkel und Tante längst als Unrat beseitig worden wäre- ausgerechnet dieser Hayso, der nach so vielen Jahren der Unterdrückung von Selbstzweifeln zerfressen wird, soll als „der Erwählte“ das Geheimnis des Himmels retten und die dunklen Mächte daran hindern ungeheure Macht mit Hilfe dieses Geheimnisses zu erlangen.


    Wie er sich entwickelt, wie er lernt, von Gefährten, von Freunden und Feinden, wie er sich verirrt und verwirrt, wie er aber auch sicher lernt das richtige zu tun, davon berichtet dieses Buch aus der Zeit, in der die Wälder noch endlos waren…


    Eines der Jahreshighligts 2008, das mich mit Spannung und Freude auf die Fortsetzung warten lässt, allerdings nicht so mit der Spannung spielt, dass man es erst lesen kann, wenn alle drei Bände vorliegen.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend  :lesend

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  • Auch wenn ich nicht an der Leserunde teilgenommen hab, hier meine Meinung:



    Viola Alvarez überrascht mich immer wieder.
    Ich habe ihre 3 anderen Bücher der Erscheinung nach gelesen. Und jedes war anders, und in jedem hat sie sich gesteigert. Bis zum fast schon überirdisch schönen "Die Nebel des Morgens".


    In ihrem neuen Buch ist sie wieder einen Schritt in eine andere Richtung gegangen. Zwar kommt sie nie an den Schreibstil aus dem von mir so geliebten "Nebel des Morgens" heran, trotzdem gelang es ihr, mich für ihre Geschichte zu gewinnen.


    Sie erschafft sehr greifbare Charaktere, eine klare Geschichte, die in ihrem Verlauf mich leider oft an die Gradlinigkeit eines Jugendbuches erinnert. Erst gegen Mitte des Buches hat mich eine gewisse Spannung ergriffen. Aber ich finde ich es bemerkenswert, das sie bis zum Schluß in der Schwebe hält, welche Seite die "gute" ist und ob alle Personen so sind, wie sie scheinen.


    Hayso ist kein typischer Held. Von Selbstzweifeln geplagt und zum Jammern aufgelegt, hangelt er sich durch die Geschichte. Das macht ihn so sympathisch. Auch kennt die Autorin kein Pardon mit ihren Figuren, und liebgewonnen Gestalten bleiben auf der Strecke.


    Wie ich schon erwähnte, ist Alvarez' Sprache diesmal schlichter und weniger ergreifend als in ihren letzten beiden Büchern. Für mich gibt es tatsächlich einmal Minuspunkte für die Autorin: Der Verlauf der Handlung ist manchmal zu schlicht und schreiben kann sie viel schöner. Trotzdem gelang ihre eine weitgehend spannende und interessante Story, die vor allem durch ihre Personen glänzt. Und man merkt ihr an, das sie auf einen längeren Verlauf angelegt ist.
    Ich bleibe jedenfalls weiter Fan, auch wenn ich ihre letzte beiden Bücher weitaus besser fand, und warte auf die Fortsetzungen.

  • Ich habe dieses Buch jetzt auch im Rahmen der Leserunde gelesen.
    Ich muss sagen ich bin sehr beeindruckt. Es war mein erstes Buch von Viola Alvarez und wird wohl nicht das letzte bleiben.


    zum Buch: erzählt wird die Geschichte von Hayso, dem Nichtsnutz, der eines Tages erfährt, er wäre der Erwählte, der das größte Geheimnis der Welt vor dunklen Mächten retten muss.


    Kein Wunder, daß er erst nicht daran glaubt, unsicher ist und vor dieser Aufgabe zurückschreckt. Aber im Laufe seiner Reise lernt er eine Menge von seinen Mitreisenden und entdeckt, daß er doch mehr kann, als er sich selbst zutraut.
    Seine Mitreisenden sind sehr vielfältige Figuren, die immer wieder eine neue Seite ihres Ichs zeigen, je weiter die Reise fortschreitet. Besonders Kuras schwankt immer zwischen dem guten Freund und dem grausamen Krieger, dem man tunlichst nicht trauen sollte.


    In diesem Buch wird einem immer wieder vor Augen geführt, wie anders die Gesellschaft damals doch war. Das Individuum ist nichts wert, das große Ganze zählt. Wenn jemand durch seinen Tod der Gesellschaft dient, dann muss er eben sterben. Das mag auf uns heute teilweise brutal wirken, aber es war wohl einfach so.



    im großen und Ganzen ein wirklich gelungener Auftakt zu einer Trilogie, deren Band 2 und 3 ich sicher lesen werde.


    Von mir 9 von 10 Punkte und sicherlich auch eines meiner Jahreshighlights

  • Ich habe zwar auch nicht an der Leserunde teilnehmen können, aber das Buch hat es mir angetan, deshalb nun auch meine Meinung dazu: Es ist das erste Buch von Viola Alvarez dass ich gelesen habe und nun stehen alle anderen Bücher von ihr auf meiner Wunschliste. Natürlich ist das, was sie schreibt, historisch nicht zu belegen und sicher sind viele Dinge, der Zeit die sie beschreibt, nicht korrekt, doch es ist ein Roman und sie ist die Autorin und so hat sie sich die Freiheit genommen, uns eine Geschichte zu erzählen, die so oder so ähnlich stattgefunden haben könnte - oder auch nicht.


    Es ist eine sehr spannende Geschichte, die sie um die Himmelsscheibe von Nebra erdacht hat und doch muss man als Leser darauf warten, bis diese Scheibe vorkommt, denn zuerst muss sich Hayso, der kurzsichtige Außenseiter, der durch seine schlechten Augen in seinem Dorf den Beinamen „Nichtsnutz“ bekommen hat, auf eine lange und beschwerliche Reise machen.
    Er, der auch innerlich zum Nichtsnutz wurde, weil er durch die jahrelange Missachtung der Dorfgemeinschaft schließlich selbst glaubt einer zu sein, erfährt, dass es Menschen gibt, die mit ihm auf Augenhöhe sprechen und die in ihm einen auserwählten Retter sehen. Langsam beginnt er zu lernen - durch seine Fehler, die sie mehr als einmal in Lebensgefahr bringen und aus den Gesprächen mit seinen Gefährten, die ihn begleiten, um eine Prophezeiung zu erfüllen, deren Sinn sich ihnen erst erschließt, als sie am Ziel ihrer Reise angelangt sind...


    Ich hatte vermutet, dass genau dieses Thema durch unzählige Fantasy-Storys schon arg strapaziert ist und es nicht viel Neues mehr zu schreiben gäbe, doch hier habe ich mich sehr getäuscht, denn Viola Alvarez erfindet es neu. Überhaupt könnte man das Buch auch in die Kategorie Fantasy stecken, wäre da nicht die tatsächlich existierende Himmelsscheibe, denn hier findet sich alles, was man aus diesem Bereich kennt: eine „unbekannte“ Welt voller Aberglauben und Mystik, Städte und magische Orte mit zauberhaften Namen und unbekannten Bräuchen. Die Kategorie war mir dann aber doch letztendlich egal, denn die Autorin schreibt so interessant und webt mit schöner Sprache und Sätzen, die ich manchmal zweimal las, um ihren Sinn zu hinterfragen, eine Geschichte, die in eine sehr gefährliche Zeit entführt.


    Spannend bis zum letzen Augenblick, traurig, brutal aber manchmal auch weise, so werde ich dieses Buch in Erinnerung behalten und ich bin froh, dass noch zwei Bände zu erwarten sind und ich hoffentlich bald erfahre, wie es weitergehen wird.
    Dazu am Schluss ein Zitat aus dem Buch und eine dicke Leseempfehlung…
    „Wie soll es schon weitergehen? Wir werden Pläne machen, und einige davon werden aufgehen und einige nicht. Einige von uns werden es besser haben als vorher und einige nicht. Einige von uns werden leben und andere nicht. Und da wir nie wissen werden, was gut geht und was nicht, wird alles für uns gleich wichtig sein…“

  • Meine Rezension:


    Viola Alvarez zeigt mit ihrem neuen Roman, dem ersten Teil einer Trilogie um die Himmelsscheibe von Nebra, ihr Können, mit einer wunderbar poetischen Sprache, den Leser gleichermaßen zu faszinieren wie zu fesseln. Aus der Ich-Perspektive begleiten wir den jungen Hayso, der in seinem Dorf wegen seiner körperlichen Makel als Nichtsnutz angesehen wird und durch Zufall (?) einem Geheimnis auf die Spur kommt, das sein Leben völlig verändert. Er macht eine große Entwicklung durch, verliert seine Schüchternheit und sein Selbstmitleid, gewinnt Mut, Stärke, Verständnis und neue Freunde. Gemeinsam mit ihnen versucht er das Geheimnis zu lösen, doch es gibt noch andere, die ein Interesse an seinem Geheimnis haben, und die rücksichtslos für dieses Interesse kämpfen und töten. "Der Himmel aus Bronze" entführt uns in eine fremde Welt, in der Weissagungen, Geheimnisse, alte Mythen und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten das Leben bestimmen. Alle auftretenden Figuren sind lebendig und komplex, manchmal schwierig einzuordnen, aber immer authentisch. Auf diesem ersten Stück seiner Reise lernt Hayso viel über sich und das Leben - was er mit diesen Erkenntnissen anstellt, werden wir im zweiten Teil erfahren, den ich kaum erwarten kann, zu lesen. Ein fesselndes Lesevergnügen, für das man sich Zeit nehmen sollte, um die unzähligen wunderschönen Sätze genießen zu können.


    10 Punkte! :wave

  • Ich lese das Buch seit gestern und bin gerade mal auf Seite 52 angelangt. Mal eine bescheidene Frage: Wann fängt das Buch denn mal an, spannend zu werden. Ich finde noch keinen direkten Bezug zu dem Buch, weil ich noch keine wirkliche Handlung auffinden kann, zwischenzeitlich lese ich Zeilen, von denen ich hinterher garnicht weiß, was mir die Autorin damit mitteilen wollte. Dabei habe ich mich doch so auf das Buch gefreut.. :beleidigt

  • meines Erachtens geht es richtig los, als Hayso das Dorf verlässt.


    Ich hab grad nochmal nachgeschaut, lies einfach weiter, die Handlung nimmt jetzt relativ schnell an Fahrt auf.

  • Für mich war es das erste Buch der Autorin und ich bin von ihrer Sprache und ihrem Erzählstil wirklich angetan.
    Sie entwirft ein Konzept einer möglichen bronzezeitlichen Kultur und füllt dies mit viel Leben: wie könnten die Menschen gelebt, gedacht und gefühlt haben? Wie könnte ihr mythologisches Weltbild ausgesehen haben?
    Die handelnden Personen empfand ich als für dieses Setting überzeugend, auch wenn ihre Motive nach dem ersten Teil nur angeleuchtet, aber nicht vollständig geklärt wurden.


    Einzig das Ende hat bei mir Abzüge gekostet- sonst wäre das Buch mit Sicherheit mein Monatshighlight geworden. Es ließ mich etwas unbefriedigt zurück.



    Alles in allem war es ein wirklich gutes Buch und ich werde die Fortsetzungen sicherlich auch lesen.

    Ich weiß nicht, was das sein mag, das ewige Leben.
    Aber dieses hier, das diesseitige, ist ein schlechter Scherz. (Voltaire)

  • Zitat

    Original von grottenolm


    .


    Edith meinte zitieren im Spoiler geht nicht.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend  :lesend

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  • Ich habe das Buch auch im Rahmen der Leserunde gelesen.
    Es ist ein Buch das man verschlingen möchte, so fremdartig spannend ist es, dennoch zwingt man sich dazu es langsam zu lesen, weil man es geniessen will, weil man sonst so viele kleine sprachliche und gedankliche Kleinode überliest.
    Bronzezeit, in einem Wald Germaniens. 15 Tote Krieger liegen vor dem Dorf Haysos. Wo kommen sie her? Warum hat man ihnen die Augen genommen? Logische Fragen? Anscheinend nicht: denn nur Hayso, der Nichtsnutz stellt sie sich. Und schneller als er versteht was mit ihm geschieht, befindet er sich auch schon auf einem Weg ins Ungewisse: um den Tod des Fuchszauberers, den er gefunden hat, zu klären, um den Grund für den Tod der Krieger zu erfahren und vor allem auf der Flucht vor dem Groll seines Dorfes. Mit der Hilfe von Weggefährten und ganz neuen Erlebnissen verwandelt sich Hayso vom unscheinbaren, dicklichen Jungen zu einem mutigen jungen Mann.
    Aber ist er stark genug um das Geheimnis des Himmels zu finden und in Sicherheit zu bringen?
    Viola Alvarez hat es geschafft eine uns gänzlich fremde, unverständliche Welt auf originelle Art und Weise nahe zu bringen. Obwohl uns Mythen, Werte und Lebensweise der Bronzezeit (wie sie hätte sein können) fast gänzlich fremd sind, schafft die Autorin es, diese so darzustellen, dass sie dem Leser glaubhaft und nachvollziehbar sind.
    Zudem schreibt Frau Alvarez mit einem ihr ganz eigenen Stil, der sowohl poetisch (man denke an Wortkreationen wie "Fuchszauberer", "Dunkelwand" etc.), wie auch mitreissend ist.


    Fazit: für mich sicherlich eines meiner Jahreshighlights, ein originelles, schönes, brutales Buch, das so viele Überraschungen und Wendungen enthält, dass selbst extrem-Vielleser auf ihre Kosten kommen. Definitiv "something else". Ich erwarte sehr gespannt die Fortsetzung!

  • Eigentlich sollte "Der Himmel aus Bronze" ja kein Fantasyroman sein, trotzden finde ich beinhaltet es sehr viele Fantsayelemente, denn wenn auch keine Fabelwesen vorkommen so gibt es doch Prophezeiungen die dann auch eintreten, die Weitergabe von Wissen auf zumindest mysteriösen Wegen usw.


    Die Sprache beherrsch Viola Alvarez nach wie vor meisterhaft, ich war sofort wieder gefangen von den Bildern die sie entstehen lässt und von der Einfachheit ihrer Sätze, die doch genau zum Erzählten passen und mit minimalen Worten komplexe Dinge ausdrücken.
    Leider hat sie ihren Stoff nicht so gut im Griff, die Personen bleiben oft sehr nebulös, ihre Motivation im Dunkeln und ihre Handlungen unlogisch. Sicherlich werden im weiteren Verlauf der Bücher, immerhin sollen es 3 werden, noch einige Dinge geklärt werden, trotzdem bin ich z.B. sehr darüber gestolpert, dass die Hauptfigut je nach Bedarf mal gut sehen kann und sogar Kleinigkeiten erkennt, dann aber wieder kaum in der Lage ist einen Weg im Wald zu finden.


    Trotzdem, ich mag das Buch und wenn es auch nicht das Beste dieser Autorin ist, das wird für mich wohl immer "Die Nebel des Morgens" bleiben, so kann ich es doch jedem empfehlen.

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    (\__/)
    (o ,o)
    (>_<) <- This is Bunny.


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  • *Ich traue es mich fast gar nicht zu schreiben. :rolleyes*


    Dann „muß“ ich hier als Minderheitenmeinung mal das gute Bild etwas trüben. Ich habe das Buch im Rahmen der Leserunde begonnen, nach dem zweiten Abschnitt jedoch unterbrochen. Ob daraus ein endgültiger Abbruch wird, weiß ich noch nicht. Jedenfalls vorerst will ich nicht weiterlesen.


    Das Buch hat mich nicht so sehr gepackt, wie alle anderen. Sicher, es ist gut geschrieben, das berühmte Kopfkino lieg problemlos ab - doch es hat mich weder berührt noch betroffen (gemacht). Es ist ohne große Wirkung an mir abgeperlt.


    Auch die vielgerühmte besondere Sprache konnte ich für mich nicht feststellen. Sehr gut geschrieben, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Doch - um Beowulfs Vergleich zu zitieren - ich würde das Telefonbuch denn doch mit Sicherheit nicht lesen. Ich empfand den „Himmel aus Bronze“ als einen schwarzen, düsteren Betonblock, der an meinem Bein hängt und mich in eine dunkle Tiefe zieht.


    Die Leserunde habe ich nur bis zu dem Punkt verfolgt, soweit ich gelesen habe. Ich hatte - auch wenn die Autorin dies nicht beabsichtigt hat - doch das Gefühl, eher in einem Fantasy- denn einem historischen Roman zu sein.


    Ob mein Scheitern beim ersten Leseversuch an den vorher gelesenen Büchern oder an diesem hier selbst lag, vermag ich derzeit noch nicht zu beurteilen. Vielleicht war der Kontrast zu groß, sowohl was die Handlung als auch was die Sprache betrifft? (Von Nicoles Stil über den weit ausholenden eines Arabers hin zu diesem Buch hier ist allerdings ein großer Kontrast bzw. Gegensatz.)


    Ob und wann ich das Buch fertig lesen werde, weiß ich noch nicht. Wenn, warte ich auf jeden Fall ab, bis der dritte Band erschienen ist.


    Schade, mein erster Versuch mit einem Buch von Viola Alvarez ist erst mal schief gegangen. Aber alles kann eben nicht allen gefallen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • SiCollier :
    Hm, nach einigen gemeinsamen Leserunden bilde ich mir deinen Lesegeschmack etwas einschätzen zu können und ich muß sagen, das dieses Gefühl


    Zitat

    Original von SiCollier:
    Ich empfand den „Himmel aus Bronze“ als einen schwarzen, düsteren Betonblock, der an meinem Bein hängt und mich in eine dunkle Tiefe zieht.


    sich im Verlaufe des ersten Bandes eher noch verstärken wird. :-(
    Ich habe selbst an einer Stelle des Buches mit dem Gedanken gespielt abzubrechen, weil es mir zu heftig war, aber ich bin dann doch dran geblieben.


    Soweit ich das beurteilen kann, spielt die Autorin mit mythologischen Motiven, aber Hayso als angehender Held scheint ersteinmal eine ganz schön weite Strecke durch die Dunkelheit gehen zu müssen, bevor er ans Licht kommt. Sicherlich gibt es auch positive, lebensbejahende Stellen, die sprachlich wirklich schön gestaltet sind, aber diese sind zumindest im ersten Band in der Minderzahl (rein subjektiver Eindruck!). Mal sehen was die Folgebände bringen...


    Ich will dir keinesfalls von diesem Buch abraten, aber im Vergleich dazu sind die "Chroniken der Nebelkriege" heiter und fröhlich.

    Ich weiß nicht, was das sein mag, das ewige Leben.
    Aber dieses hier, das diesseitige, ist ein schlechter Scherz. (Voltaire)

  • Mit dem Himmel aus Bronze legt Viola Alvarez den ersten Teil einer Trilogie vor, die in der Bronzezeit spielt. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Himmelsscheibe von Nebra, die mystischen und wissenschaftlichen Zwecken dient, in diesem Teil jedoch erst am Schluss auftaucht.


    Im Wesentlichen führt die Autorin mit ihrer gewohnt grandiosen Sprache die Hauptperson ein: Hayso ist ein Nichtsnutz, der wegen seines schlechten Sehvermögens in der Dorfgemeinschaft zwar geduldet, aber nicht geachtet wird. Mit seinen 16 Jahren wäre er zwar schon auf dem Weg, erwachsen zu werden, allerdings wird er nie eine Familie haben können, da er nicht jagen kann.


    Durch verschiedene Dinge, die sich in der Vergangenheit ereignet haben, ist die Dorfgemeinschaft an sich schon sehr aus den Fugen, ein neuer Häuptling herrscht mehr mit Gewalt als mit Weitsicht und versucht so, die Oberhand zu behalten. Als dann eines Tages fünfzehn Krieger außerhalb der Dorfbefestigungsanlage tot und ohne Augen aufgefunden werden, beschließt der Herrscher, dass Hayso sich auf eine gefährliche Wanderschaft begeben muß, um die Götter wieder zu beschwichtigen. Damit beginnt für Hayso die Reise des Helden, wie wir sie aus diversen anderen mystischen Erzählungen kennen. Im Laufe des Buches wandelt sich Hayso vom trotteligen Nichtsnutz zum.... Nun, das müsst ihr schon selbst lesen.


    Viola Alvarez erzählt hier Geschichte, wie sie sich zugetragen haben könnte. Dabei werden Mythen und Sagen eingewoben, die dem Buch etwas Fantastisches verleihen, ohne in die Fantasy abzugleiten. Ich persönlich finde den Schluss des Buches unbefriedigend und die Handlungsweise von Hayso stellenweise inkonsequent und in sich nicht schlüssig. Allerdings werde ich mich gerne durch die Folgebände eines besseren belehren lassen.


    Mein Prädikat: Ich bin noch zwiegespalten...

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein

  • @ Grottenolm


    Oh je, jetzt kennen andere meinen Lesegeschmack schon besser als ich selbst. ;-)
    Na ja, immerhin probiere ich bisweilen eben noch etwas aus. :grin :wave



    Jetzt ernsthaft:


    Die Autorin „spielt“ auf jeden Fall mit mythologischen Motiven; das war mir auch aufgefallen, und wurde von ihr in der Leserunde deutlich angesprochen:

    Zitat

    Original von Viola Alvarez in diesem Post
    4. Star Wars/ Tolkien/ Fantasy
    Alle archaischen Geschichten sind letzten Endes Mythen, so auch diese.
    Mythen haben bestimmte Grundbedingungen an ihren Helden (vgl. Campbell, Hero with a Thousand faces. Power of Myths), die sind logischerweise nur wenig variabel.



    // OT: Das Thema „Heldenreise“ hatten wir bei unseren Heidelberger Mythological RoundTable Gesprächen: < Hier > von dieser Übersichtsseite kann man sich den dreiteiligen Vortrag (bzw. Zeitschriftenbeitrag) des Referenten als PDF herunterladen. OT aus //



    Star Wars ist geradezu ein Muster für eine Heldenreise in moderner Gestalt; insofern mußte diese Assoziation kommen, weil die Motive stets die gleichen sind, lediglich die Bilder wechseln. Wir hatten in der Leserunde zu „Die Trolle“ eine ausführliche Diskussion zum Thema „düstere Bücher“, die ich hier nicht wiederholen will. „Die Trolle“ sind immer noch nicht düster für mich - dieses Buch hier jedoch rabenschwarz.


    Ich hatte „einen Araber“ angesprochen. Gemeint habe ich Abdalrachman Munifs „Salzstädte“, die ich zunächst für die „Bronze-Leserunde“ unterbrochen, jedoch dann anstatt zu Ende gelesen habe. Dieses Buch müßte eigentlich düster sein, weil es vom Untergang einer jahrhundertealten Kultur erzählt, einige markante Gestalten sterben, und die Zukunftsaussichten trotz des letzten Satzes nicht unbedingt rosig sind. Aber dennoch war es (mit Sicherheit nicht nur, weil es in weitgehend in der sonnenheißen Wüste spielte) mitnichten düster oder deprimierend. Im Gegensatz zum „Bronzehimmel“.


    Wenn allerdings die „Chroniken der Nebelkriege“ im Vergleich zum „Himmel aus Bronze“ heiter und fröhlich sind, lege ich diese Trilogie hier besser gleich zu den Akten. Zumindest so lange, bis ich irgendwo das Ende des dritten Bandes gespoilert finde. Danke für den Hinweis. :wave

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • SiCollier :


    Kein Problem :-]
    Und wie gesagt, ich wollte dir jetzt auch nicht grundsätzlich von der Lektüre abraten, sondern nur einige zusätzliche Infos geben.


    Vielen Dank übrigens für den Link. Da werde ich sicherlich die nächsten Tage mal reinlesen.

    Ich weiß nicht, was das sein mag, das ewige Leben.
    Aber dieses hier, das diesseitige, ist ein schlechter Scherz. (Voltaire)

  • *räusper*
    Also ich fand das Buch nicht deprimierend.
    Hart ja, aber es waren ja auch harte Zeiten, in denen ein Menschenleben nicht ansatzweise nicht den Wert hatte, den es heute hat.


    Dass es ein Buch ist, das den Leser beansprucht, das will ich nicht abstreiten. Es ist auch kein Buch das man mal so schnell nebenbei wegliest. Ich habe den Eindruck jetzt noch an dem Buch zu "kauen" und darüber nachzudenken.
    Allerdings finde ich, wird man dann auch belohnt, denn, so hart es ist: es ist auch sehr schön.

  • Zitat

    Original von Cookiemonster
    *räusper*
    Also ich fand das Buch nicht deprimierend.
    Hart ja, aber es waren ja auch harte Zeiten, in denen ein Menschenleben nicht ansatzweise nicht den Wert hatte, den es heute hat.


    Hatte nach der richtigen Formulierung gesucht, aber deine trifft genau mein Empfinden! Und trotz der "Härte" ist auch wunderbar poetisch, lebensbejahend und hoffnungsgeladen. Schwierig zu beschreiben, aber für mich auf jeden Fall ein sehr lohnenswertes Buch :-]

  • Zitat

    Original von grottenolm
    Und wie gesagt, ich wollte dir jetzt auch nicht grundsätzlich von der Lektüre abraten, sondern nur einige zusätzliche Infos geben.


    Das ist mir schon klar. :wave



    Zitat

    Original von milla
    Und trotz der "Härte" ist auch wunderbar poetisch, lebensbejahend und hoffnungsgeladen.


    Auf mich überhaupt nicht - weder poetisch, noch lebensbejahend und gleich gar nicht hoffnungsgeladen.


    Zum Glück gibt es verschiedene Geschmäcker, sonst wäre es ja langweilig. Ich habe ohnehin schon mehrfach bemerkt, daß Bücher auf mich anscheinend oft anders wirken als "üblich".

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")