'Weit übers Meer' - Seiten 101 - 180

  • Zitat

    Original von beowulf
    Ich breche jetzt ab. Die Tiefe, die Nomadenseelchen und Vandam in ihrem Rezis beschreiben finde ich (gerade?) nicht. Ich werde dem Buch villeicht später noch eine Chance geben. Dereit kommt es mir vor wie das gut geschriebene Drehbuch für den Sendeplatz ZDF Sonntag 20.15 Rosamunde Pilcher und Co. Nicht mein Ding.


    Täusch ich mich, oder stehen wir jetzt wie die Volltrotteln da, die den ZDF-Sonntagsschmonzes für was ganz Tolles halten? :fetch Nu, ich werd's überleben.


    Ansonsten gilt natürrrlich auch für Romane: "'Geschmacksache', sagte der Affe und biss in die Seife." Kann sein, dass der Roman eher ein Frauending ist.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

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  • Zitat

    Original von Vandam


    Täusch ich mich, oder stehen wir jetzt wie die Volltrotteln da, die den ZDF-Sonntagsschmonzes für was ganz Tolles halten? :fetch Nu, ich werd's überleben.


    Ansonsten gilt natürrrlich auch für Romane: "'Geschmacksache', sagte der Affe und biss in die Seife." Kann sein, dass der Roman eher ein Frauending ist.


    Kann sehr gut sein, dass es mehr ein Frauenroman ist. Sicherlich haben auch Männer ihr Verpflichtungen, aber sie waren nie so stark in ihrer persönlichen Entwicklung eingeschränkt, wie Frauen es immer waren. Nicht umsonst sind alle tragischen (und großen) Gestalten der Weltliteratur Frauen - mir fällt zumindest kein Mann ein.


    Langweilig sind daher die einzelnen Schicksale keineswegs - jedes ist alleine für sich schon ziemlich starker Tobak. Nur durch die Erzähldichte wirkt es oft ein bißchen penetrant.

  • Mir gefällt es immer besser, gerade diese Tiefe der einzelnen Charaktere macht es so interessant.
    Die Gedanken und Motive der Personen, das sozusagene Neuentdecken ihrer Selbsts in dieser außergewöhnlichen Situation der Schiffsreise.
    Menschen, die sich so nie kennen gelernt hätten, miteinander kommuniziert hätten befinden sich auf engstem Raum zusammen.


    Ich finde die Gedankengänge, Lebensgeschichten von Valentina & Henri besonders gut beschrieben.
    Die Hintergründe, in welcher Situation sie waren, als sie das Schiff betraten.
    Das Nachdenken über die jeweilige Situation,wie es so kommen konnte, wie es gerade ist.


    Als würde die Schiffsreise endlich die Emotionen und Gedanken herauslassen können, vor denen sie sich immer geweigert haben, sie wahrzunehmen.


    Getade auch die unterschiedlichen Sichtweisen, Henris & Lisetts sind so real beschrieben, so zeitlos und so typsch (auch heute leider noch) für partnerschaftliche Kommunikation.


    Wenn ich ins spekulieren käme, würde ich meinen, Lisette hatte auch noch einen weitern besondern Grund für den Wunsch nach Heirat. Aber da warte ich dann doch noch lieber ab.



    Fazit: gerade das doch oft sehr unterschiedliche Denken von Frauen & Männern wird besonders deutlich.
    Und genau das finde ich psychologisch sehr interessant.

  • Zitat

    Original von Johanna


    Wenn ich ins spekulieren käme, würde ich meinen, Lisette hatte auch noch einen weitern besondern Grund für den Wunsch nach Heirat. Aber da warte ich dann doch noch lieber ab.


    Meinst du dieses verdächtige Zögern Henris vor der Verneinung der Frage nach einem Kind? Fiel mir jedenfalls auf.


    Zitat

    Original von Nomadenseelchen
    Kann sehr gut sein, dass es mehr ein Frauenroman ist. Sicherlich haben auch Männer ihr Verpflichtungen, aber sie waren nie so stark in ihrer persönlichen Entwicklung eingeschränkt, wie Frauen es immer waren. Nicht umsonst sind alle tragischen (und großen) Gestalten der Weltliteratur Frauen - mir fällt zumindest kein Mann ein.



    Boris Pasternak - Doktor Schiwago
    Alexandr Scholschenitzin- Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
    Günther Grass- Die Blechtrommel
    Selma Lagerlöff- Die abenteuerliche Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen


    --soweit die Nobelpreisträger, Frau Lagerlöff wg. der Frauenquote


    Ansonsten: Herr Palomar und vorallem SiCollier sind ja sehr angetan von dem Buch. Herr Palomar hat mich überredet und so lange ist das Buch ja nicht..

  • Die Dialoge zwischen Henri und Lily haben mir sehr gut gefallen. Für eine 12-Jährige ist sie erstaunlich weit in ihren Gedanken und Plänen. Sie hat eine wirklich gute Beobachtungsgabe.


    Lisette: Teilweise kommt sie mir kindlich unbeschwert vor, teilweise aber älter als sie ist. Ich vermute, dass Lisette

    , als sie Henri die Heiratsanträge gemacht hat. Heftig, wie er darauf reagiert hat. Das ist die Seite an Henri, die ich gar nicht mag. Und ich vermute auch,
    Auf S. 129 steht: "Henri sehnte sich zurück nach der Welt, in der es Lisette gegeben hatte. Nach einer Welt, die es nie mehr geben würde." Daher wird er ihr gedanklich so hinterher hängen.


    Valentinas Art der Konversation ist bemerkenswert. Sie scheint sehr gebildet und sprachlich raffiniert. So fragt sie Henri nach dem Zweck seiner Reise mit dem Hinweis, dass er doch wohl nicht so langweilig sei, ihr die selbe Frage zu stellen. Klasse. :grin Und wie geschickt sie dem Kapitän eine Abfuhr erteilt hat, so dass er sein Gesicht wahren konnte, auch wenn er einfach nur eine Ohrfeige verdient hätte, mindestens.


    Wie ihr Sohn wohl ums Leben kam?


    Die Witherspoons: Ich bin gespannt, ob Thomas bei Valentina weiter kommt, da doch auf beiden Seiten eine starke Vertrautheit und Zuneigung vorhanden zu sein scheint. Thomas Schwester tut mir eigentlich sehr leid. Blöde Situation, in der sie steckt, aus der sie auch kaum noch raus kommt. Sie hat sich "aufgeopfert" für ihren Bruder und auf ein eigenes glückliches, selbstbestimmtes Leben "verzichtet". Wie sich dieser Konflikt wohl löst?


    Überhaupt habe ich hier das Gefühl, das so ziemlich alle Passagiere in Lebenssituationen stecken, die sie belasten. Jeder wünscht sich, wenn er ehrlich zu sich selbst wäre, eine Veränderung.


    Wie SiCollier schon schrieb: Geht es hier um den Sinn des Lebens?


    Mr. Vanstraaten ist in meinen Augen auch so ein armer Wicht. Geprägt durch seine Erziehung ist er so nüchtern geworden, dass er Träume lieber begräbt, anstatt sie zu verfolgen. Dass seine Söhne darunter leiden müssen, ist umso schlimmer. Und ebenso seine Frau, die nur noch als Mutter existiert.


    "Knabenkorsetts" - Oh je... :rolleyes


    Zu S. 176: Das Lied, was Valentina singt, ist hier zu finden. Händel, gesungen von Cecilia Bartoli.

  • Zitat

    Original von geli73
    Zu S. 176: Das Lied, was Valentina singt, ist hier zu finden. Händel, gesungen von Cecilia Bartoli.


    Genau an die Version mit Cecilia Bartoli habe ich an der Stelle auch denken müssen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von beowulf
    Danke für den Link- aber woer hast du die Meinung Lily sei 12 ?( Sie ist wesentlich älter.


    Dann habe ich das falsch in Erinnerung. :wow Wie alt ist sie denn?

  • Falls ich auch antworten darf: sie ist, wenn ich mich recht entsinne, 15 oder 16. Das stand zwar genau im Buch, aber ich habe es nicht mehr genau im Kopf.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Ich habe Eure Postings erst mal nur überflogen, weil ich mit dem Abschnitt noch nicht durch bin...


    Die Begegnung von Valentina mit Thomas Witherspoon fand ich interessant, im ersten Moment dachte ich, dass ich die beiden kennen. Und seine Schwester benimmt sich eher wie eine eifersüchtige Ehefrau... merkwürdig.


    Liebenswert finde ich die kleine Lily im Rollstuhl - hoffentlich taucht sie noch öfter auf!


    Und endlich gibt es eine Erklärung dafür, dass Valentina trotz Trauer ein weißes Abendkleid trägt.


    Amüsant fand ich die verschiedenen Spekulation der anderen Passagiere über Valentina - wie überall, jeder dichtet ein bißchen was dazu und schon sind die wildesten Geschichten im Umlauf. :lache


    Und der Kapitän hat seine Sympathiepunkte vom Anfang wieder eingebüst mit seinem Versuch Valentina ins Bett zu kriegen...


    Ich freu mich auf's Weiterlesen!

  • Schön, was Lily zu Henri sagt. Zitat S. 105: "Und jetzt die Wellen, wie ein Teppich, unter dem eine Kamelherde mit schwankenden Höckern durch die Wüste reitet ..."


    Es gibt eine stark detaillierte Beschreibung von den Figuren, was sie gerade tun, aber sie sind mir nicht spannend oder nahe genug, als dass es mich dauerhaft mein Interesse geweckt hat. Dadurch kommen Längen zustande.


    Für mich ist es ziemlich gewöhnungsbedürftig, wenn die Protagonistin nicht den Protagonisten liebt oder mag oder irgendetwas mit ihm zu tun hat, sondern sich auf eine andere Person bezieht, die noch nicht einmal eingeführt wurde (Thomas W.). Dadurch habe ich das Gefühl, als würde das Buch an der Hauptfigur (Henri) vorbeischreiben.


    Was mich erstaunt hat, dass Valentina so von Thomas schwärmt, wie er sie angeblickt hätte. Dabei waren doch fast alle Männer so von ihr hingerissen.


    Ich muss leider sagen, dass mir das Buch nicht so gut gefällt.
    Es ist so in die Länge gezogen, nichts richtiges passiert, die Figuren kommen mir nicht nahe, es kommt nicht auf einen Punkt und der Hipe um die Protagonistin ist für mich einfach gar nicht nachvollziehbar!
    Schade - hatte mir ein bisschen mehr erwartet und werde das Buch beenden.

    :lesend Ich lese: "Weit übers Meer" von Dörthe Binkert


    - Beständigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg -

  • Wir erfahren mehr über Henri und Lisette. Sie wollte ihn heiraten, er sie nicht. Obwohl er sie liebt(e). Hier wird das Klischee vom Künstler als freiheitsliebender Mensch bestätigt. War Lisette denn schwanger? Da Henri ja ihre volleren Brüste vor dem Antrag bemerkt. Ich finde die beschriebenen Szenen mit Lisette übrigens besonders schön.


    Was ist mit Billie? Warum weint sie? Auch sie trägt ein Geheimnis mit sich herum, das uns (noch) nicht verraten wird.


    Der Kapitän will mit Valentina schlafen, quasi als Pfand... :fetch


    Valentina und Thomas Witherspoon erleben Liebe auf den ersten Blick. Wird die neidische Schwester ihnen zum Verhängnis? Haben sie überhaupt eine Chance?


    Da weniger Berichte von Mitreisenden eingeschoben sind in diesem Abschnitt, ist die Spannung und die Vorahnung eines Unglückes geringer.


    Mich haben die Gedanken von Mme Vanstraaten auf S. 138 besonders berührt: "Ich dachte: Sie ist frei. Sie hat alle Bürden abgeworfen. Es gibt nur noch die Erde, das Meer, den Himmel und sie. Doch, da war ein Neid. Ich bewundere ihren Mut. Aber ich fühlte auch, wie traurig das war: dass sie alles verlassen musste, nur um sie selbst sein zu können."


    Mir ist da spontan Janis Joplin's "freedom is nothing left to loose" eingefallen.


    Sehr interessant fand ich auch die verschiedenen Empfindungen zur Überfahrt, zusammen auf einem Schiff. Ist man zusammen frei, oder zusammen eingesperrt?


    Nach dem Abschnitt habe ich sofort weitergelesen.

  • Eine gute Coverversion, die Janis Joplin da singt, aber "Bobby McGee" ist im Original nicht von ihr, sondern von Kris Kristofferson, darin kommt die Liedzeile vor: Freedom´s just another word for nothing left to loose...

  • beowulf : danke für die Ergänzung. Ich wollte übrigens tatsächlich "freedom is just another word for nothing left to loose" schreiben, aber irgendwie ist mir das nicht gelungen. Hab wahrscheinlich schon wieder an den nächsten Satz gedacht... :rolleyes

  • Zitat

    Original von SueTown
    Was es mit den Geschwistern Witherspoon auf sich hat, ist auch interessant. Erst dachte ich Thomas Witherspoon kennt Valentina, so kam es mir zumindest im ersten Moment bei diesem Gedankenaustausch vor. Kurze Zeit später aber, merkt man, dass das scheinbar nur eine Wellenlänge war, auf der sich beide befanden. Trotzdem ist es sehr seltsam, dass Thomas Witherspoon sich schon Gedanken um die Zukunft macht und wie er seine Schwester dazu bekommen möchte die Situation mit Valentina zu akzeptieren.
    Warum ist er sich seiner Sache so sicher?


    Das ging mir auch ein wenig schnell, woher kommt diese plötzliche Seelenverwandschaft? Ich bin gespannt, ob es dafür noch eine Erklärung gibt.


    Insgesamt fällt mir in diesem Abschnitt auf, dass eigentlich keine der Figuren wirklich frei ist. Thomas Witherspoon kommt nicht los von seiner Schwester, diese kommt nicht los von ihm und von ihrer Morphiumabhängigkeit. Die Vanderstraatens sind gefangen in ihrem Familiengefüge. Der Vater engt auch die Möglichkeiten seiner Kinder ein, sie müssen ihre Träume begraben (wie auch er seine), um seinen Anforderungen gerecht zu werden. Die Mutter bewundert Valentina für ihre Freiheit, doch auch diese ist gefangen in der Trauer um ihren Sohn.


    Und auch Henri ist nicht frei, er ist gefangen in der Vergangenheit, in seinen Erinnerungen an Lisette.


    Lily ist einmal gefangen in ihrem Körper, doch ich denke, die Einschränkungen, die sie durch ihre Mutter erfährt, sind größer als ihre körperlichen Einschränkungen.


    Langsam kommt man den Geheimnissen der einzelnen Charaktere näher, nur Billie bleibt mir ein Rätsel. Was ist ihr Geheimnis?


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wer es letztlich schafft, sich aus seinen Fesseln zu lösen.

  • Die Geschichte zwischen Thomas und Valentina hat mich erst auch ein wenig überrascht, vor allem da Valentina ja sogar ein leises "Nein" flüstert. Scheint ein klarer Fall von Liebe auf den ersten Blick zu sein. Wobei jeder für den anderen wohl nicht mehr als ein Fluchtgrund aus der eigentlichen Beziehung zu Ehemann / Schwester sein kann. Ich denke um echte Liebe geht es hier nicht. Ob diese Beziehung wohl den schnöden Alltag überleben würde? Ich glaube eher nicht....


    Herr Van Straaten hat mich auch schockiert. Der lebt sein Leben nicht, der erfüllt nur Erwartungen anderer Leute. Und seine Söhne will er ebenfalls zu solch leblosen Hüllen machen. Die Sache mit dem Knabenkorsett ha mich schockiert. Und das in einer Zeit in der Frauen wie Madame Klöppler für die Abschaffung der Korsetts für Frauen kämpfen.


    Henri und Lisette: Ich denke Henri ist zu sehr mit sich und seiner Arbeit beschäftigt, als daß er irgendwie auf Lisettes Bedürfnisse eingehen mag. Er ist in seinen Routinen so gefangen, daß er sich einen Wandel überhaupt nicht vorstellen kann. Warum auch, ist doch alles bequem, Lisette ist für ihn da, wenn er sie meint zu brauchen und nervt ihn nicht.
    Ich denke auch Lisette könnte schwanger sein und zu stolz es ihm zu sagen (oder aber sie kommt auf Grund seiner Reaktion nicht mehr dazu es ihm zu sagen). Ob sie nun tot ist oder nicht, aus Henris Leben ist sie wohl wirklich für immer verschwunden.
    Das wird ihm wohl erst jetzt so richtig klar, wo ihn keine Arbeit mehr ablenkt und beschäftigt. Durch die Enge auf dem Schiff wird er endlich gezwungen über sich und sein Leben nachzudenken (schadet ihm meines Erachtens nicht)


    Lily ist eine gute Beobachterin, sie wird wohl gerne geflissentlich übersehen und sieht daher mehr als Menschen die ins Geschehen verwickelt sind. Ich hoffe doch wir bekommen noch mehr von ihr zu lesen.


    Den Übergriff des Kapitäns fand ich ekelhaft. Aber es gibt wohl zu allen Zeiten Menschen die ihre vermeintlich Macht nutzen um sich selbst Vorteile und Gefälligkeiten zu erschleichen. Ich hoffe doch sehr, daß dies eine einmalige Episode bleibt.