Die Einsamkeit der Primzahlen - Paolo Giordano

  • "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist meinem Empfinden nach eine Art zweischneidiges Schwert - einerseits ist es - anders kann man es nicht nennen - großartig, voller Tiefsinn, Melancholie, Gefühl. Anderseits gibt es aber auch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Ein Handlungsstrang hat mich besonders aufgebracht, ja so wütend gemacht, dass ich das Buch am liebsten abgebrochen hätte.


    Doch das ist gleichzeitig auch eine große Stärke dieses Buches - es bewegt.
    Dies liegt wohl an dem Schreibstil des Autors; seine Worte scheinen immer direkt den Punkt zu treffen, aber dennoch sind seine Sätze oft träumerisch, beinahe poetisch.
    Paolo Giordano gelang es tatsächlich, mir seine beiden Hauptcharaktere - Mattia und Alice - nahe zu bringen, sodass ich mit ihnen mitgefiebert habe. Und dabei kann ich es normalerweise nicht ausstehen, im richtigen Leben sowie in Büchern, wenn Menschen in ihrer Traurigkeit versinken und nichts oder nur wenig tun, um wieder auf den richtigen, glücklichen Pfad zu kommen.


    Die Handlung des Buches ist gut aufgebaut, und obwohl oft nicht viel, vor allem nichts "Actionreiches" geschieht, ist immer eine unterschwellige Spannung vorhanden, die einen zum Weiterlesen zwingt. So habe ich das Buch gestern angefangen und trotz vieler von der Außenwelt erzwungener Unterbrechungen heute fertig gelesen. Dem Sogeffekt konnte ich jedenfalls nicht widerstehen.
    Leider gefiel mir ein Handlungsstrang, der etwas später einsetzt, gar nicht, und dieser ist auch der Grund dafür, dass ich dem Buch einen halben Punkt abziehen muss. Zwar hatte es noch andere Schönheitsfehler, doch die haben den Gesamteindruck nur verbessert. Auch das Ende hat mir gefallen, da es gut zum Rest passte und dennoch eine leichte Fröhlichkeit beziehungsweise Lebensfreude durchblicken ließ.


    Insgesamt gebe ich der "Einsamkeit der Primzahlen" 9,5 von 10 Punkten und spreche eine Empfehlung aus.

    "Erfahrungen vererben sich nicht-jeder muss sie allein machen."
    - Kurt Tucholsky

    :lesend J.K. Rowling: Harry Potter and the Goblet of Fire
    :lesend Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

  • Zitat

    Original von Sternenstauner
    @ Nastja
    Ich habe zwar so eine Vermutung, aber würdest du mir - natürlich verspoilert - verraten, welchen Handlungsstrang du meinst? Rein aus Interesse. :wave


    Natürlich :grin.


    "Erfahrungen vererben sich nicht-jeder muss sie allein machen."
    - Kurt Tucholsky

    :lesend J.K. Rowling: Harry Potter and the Goblet of Fire
    :lesend Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

  • Kommt übrigens in Dezember als TB raus. Ich glaube, ich warte einfach. Jetzt hab ich schon so lange gewartet und im Moment könnte ich das Buch wohl noch nicht richtig genießen. Außerdem mag ich es als TB eher.


    Edit: Oh sorry...wer lesen kann,... :rolleyes :bonk

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    you're gonna find yourself some resolution.

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  • Wie spricht man denn Alice auf Italienisch aus? Also sie wie man es italienisch aussprehen würde (Alitsche) oder so wie die Alice im Wunderland? :gruebel Beide Varianten stellen mich nicht zufrieden :rolleyes

  • Zitat

    Original von Prombär
    Wie spricht man denn Alice auf Italienisch aus? Also sie wie man es italienisch aussprehen würde (Alitsche) oder so wie die Alice im Wunderland? :gruebel Beide Varianten stellen mich nicht zufrieden :rolleyes


    Also wenn es im Hörbuch richtig ausgesprochen wird, was ich mal annehme, dann ist deine erste Version die passende.

  • So, mittlerweile ist ja viel Zeit ins Land gegangen und mittlerweile habe ich das Buch abgebrochen. Der Anfang hat mir außerordentlich gut gefallen, aber dann wurde es nur noch schleppend und irgendwie passierte nichts und so berauschend fand ich den Schreibstil auch nicht und knapp über der Hälfte war ich von dem Buch nur noch genervt, vor allem, weil meiner Meinung nach einfach keine Spannung aufkam und auch nichts, was man irgendwie unter "Emotion" subsumieren könnte. Außerdem fand ich das Verhältnis zwischen Mattia und Alice einfach irgendwie... hm, unecht. Irritiert und leicht genervt haben mich die ganzen Zeitsprünge, kaum hatte ich mich an eine Zeit "gewöhnt", wurde ich schon wieder in die nächste geschupst.
    Das Thema Primzahlen wurde nur gestreift (zumidest so weit, wie ich es gelesen hatte) und obwohl der Titel unglaublich reizvoll klingt, wie ich finde, wurde mir nicht klar, warum die Primzahlen so einen Reiz auf Mattia ausüben. Trotzdem wollte ich das Buch fertig lesen, aber wenn ich merke, dass ich mich abends gar nicht mehr aufs Lesen freue, dann ist es Zeit, ein Buch abzubrechen und das hab ich getan. Andererorts wurde es als "hochwirksame Schlaftablette" bezeichnet, was sehr treffend beschrieben ist, wie ich finde. Schade, ich hatte mir mehr ewartet und der Titel hat mich echt neugierig gemacht.

  • Von dem Stil des Autors war ich auch einfach nur begeistert. Dieses Buch regt durch seine Sprache aber auch durch die Thematik an sich zum Nachdenken an, auch wenn die dabei aufkommenden Gedanken manchmal traurige sind.


    Nicht so begeistert war ich dagegen von dem Ende des Buches. Für meinen Geschmack ein wenig überstürzt. Gerade da der Schluss eines Buches genau der Teil ist, der einem am längsten im Gedächtnis bleibt. Trotzdem bereue ich nicht, dieses Buch gelesen zu haben.

  • Ich habs mir aus der örtlichen Stadtbücherei geliehen (obwohl es drei Exemplare gibt, musste ich neun Wochen warten) und habe etwa 20 Stunden vom Ausleihen an benötigt.
    Anfangs musste ich alle paar Seiten eine Pause machen, habs dann aber verschlungen.
    Zum Namensproblem: Alice habe ich immer französisch ausgesprochen ("Aließ"), da mir italienisch ("Alitsche") merkwürdig und englisch ("Älliß") unpassend erschien.
    Giordano schreibt so genial wie nur wenige Autoren, mit wunderschönen Metaphern und einer fesselnden Geschichte.
    Was hauptsächlich bei mir hängenblieb, ist Mattia, über den ich mich so oft geärgert habe wie selten über einen Buchcharakter. Der Professir hatte mit seiner Charakterisierung nicht so ganz unrecht, meine ich.
    Das Ende - nun gut, wers mag... aber andererseits: was für ein Ende wäre noch vorstellbar?
    Zu guter Letzt muss ich noch ein bisschen Werbung machen für ein sehr ähnliches Buch, das ich allerdings deutlich gelungener fand: ich rede von "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" von Peter Hoeg. Mattias mathematisch-physische Höhenflüge werden durch (nachvollziehbare) Theorien der Hauptfiguren über die Zeit ersetzt.


    Fazit: anderes aber großartiges Buch über aufeinanderprallende Einsamkeiten.


    Grüeßli

    Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, dass er sie tut. (Friedrich Nietzsche)

  • Zitat

    Original von Prombär
    Das Thema Primzahlen wurde nur gestreift (zumidest so weit, wie ich es gelesen hatte) und obwohl der Titel unglaublich reizvoll klingt, wie ich finde, wurde mir nicht klar, warum die Primzahlen so einen Reiz auf Mattia ausüben.


    Ich weiß nicht, ob gesagt wurde, warum sie so einen Reiz auf ihn ausüben, aber ich glaube, es war der Gedanke der "Primzahlzwillinge", die als Idee für den Titel diente. Die Titelwahl und die Idee dahinter find ich grandios. Das hat mich schon vor dem Lesen des Buches richtig berührt. Das Buch allerdings - auch wenn es keinesfalls schlecht war - blieb deutlich hinter meinen Erwartungen. Ich versprach mir (auch nach den Rezis) ein Buch, das noch nachhallt. Ein Buch, an das ich mich erinnern werde, auch noch Wochen oder sogar Monate, nachdem ich es gelesen habe. Das konnte das Buch jedoch leider nciht erfüllen. Sicher, es gab oft schöne Vergleiche und mir haben die mathematischen oder physikalischen Metaphern gefallen. Zum Teil war die Handlung auch ergreifend und die Sprache war sehr schön. Dennoch konnte ich mit den beiden Hauptfiguren kaum was anfangen und das Ende hat mich unbefriedigt gelassen.


    Ich bin nicht sicher, möglicherweise lag es daran, dass ich kurz vorher in "Zwei an einem Tag" rumgeblättert habe und die Rezis dazu noch einmal angesehen habe und da ich irgendwie dachte, "Die Einsamkeit der Primzahlen" würde mich mindestens genauso berühren (wenn nicht sogar mehr), war ich im Nachhinein enttäuscht.


    Fazit: Ein schönes Buch, auf jeden Fall. Aber aufgrund der Erwartungen nicht so schön wie erhofft. Schade. 8 Punkte.


    schöne vergleiche, zum teil schon irgendwie ergreifend, aber einfach mehr von dem buch versprochen. bleibt nicht so im gedächtnis haften, denke ich. evtl. hohe erwartungen wegen zwei an einem tag.(gehört nicht mehr hierher, war nur meine eigene Kurzfassung).

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  • Ich habe gestern die "Die Einsamkeit der Primzahlen" (Taschenbuchausgabe) fertig gelesen. Habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, was erst mal in den meisten Fällen doch für die Lektüre spricht :-]


    Was hier schon erwähnt wurde, die Sprache des Autors, hat mir auch gut gefallen. Sehr flüssig und gut zu lesen und dennoch mit sprachlichen Schnörkeln. Da sind wunderbare, kleine Sätze dazwischen, die ans Herz gehen und einfach schön zu lesen sind.
    Den ganzen mathematischen Querverweisen konnte ich nicht immer folgen.... habe sie aber nicht als zu häufig oder "aufdringlich" empfunden, und das wiederkehrende Hauptthema der Primzahlen-Zwillingspaaren finde ich faszinierend, passt in das Gesamtkonzept.
    Die Geschichte an sich ist tragisch. Im Verlauf des Buchs werden Mattia und Alice individuelle Charakter, für die man schon ein tiefer gehendes Verständnis entwickeln kann. Nicht in dem Sinne dramatisch, dass es überzogen und unrealistisch wird, sondern es werden die alltäglichen Abgründe der menschlichen Seele dargestellt, insbesondere die unglaubliche Sprachnot, Sprachlosigkeit der Protagonisten, die Alice durch visuelle Botschaften, Fotos und Mattia durch die "Mathematisierung" seiner Realität zu kompensieren versucht.


    Das sind so die Sachen, die mir spontan eingefallen sind. Vielleicht fällt mir, wenn die Geschichte etwas sacken konnte, noch mehr ein.


    Alles in allem: auf jeden Fall lesenswert.



    Viva la Vida : Danke für die Werbung ;-) Hört sich interessant an, ich denke, das kommt mit auf meine Liste. :lesend

    Bücher haben die gleichen Feinde wie der Mensch: Feuer, Nässe, Zeit und ihren eigenen Inhalt.
    (Paul Ambroise Valéry)