Erbarmen - Jussi Adler-Olsen

  • 417 Seiten
    Deutscher Taschenbuch Verlag, Oktober 2009
    Originaltitel: Kvinden i buret
    Übersetzt von Hannes Thiess


    1. Fall um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q


    Kurzbeschreibung
    Und dann kam die Angst wie ein schleichendes Gift. Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?«
    Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten. Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?


    Über den Autor
    Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film und arbeitete in vielen verschiedenen Berufen. 1997 erschien sein erster Roman ‚Alfabethuset`, der nach Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen verkauft wurde. Dann folgten die Kriminalromane ‚Firmaknuseren' (2003) und ‚Washington Dekretet' (2006), bevor Adler-Olsen 2007 mit ‚Erbarmen', dem ersten Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit ‚Fasandræberne', dem zweiten Fall für Carl Mørck, die Bestsellerlisten und gilt seither als bestverkaufter dänischer Krimiautor. Jussi Adler-Olsen ist verheiratet und Vater eines Sohnes.


    Meine Meinung
    Dieser Roman ist der Auftakt einer neuen Serie um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, im Original ist schon der zweite Fall erschienen.
    Zunächst gibt es die Einführung der Hauptperson Carl Mørck, ein kurzer Abriss über die Vorkommnisse zuvor und wie das Sonderdezernat Q entstand.
    Das neu gegründete Sonderdezernat Q beschäftigt sich mit alten, aufgegebenen Fällen aus dem ganzen Land Dänemark. Einer der Fälle ist das Verschwinden von der jungen und hübschen Politikerin Merete. Zusammen mit seinem syrischer Assistent Hafez el-Assad, welcher mir schnell sympathisch wurde, nimmt Mørck den Fall wieder auf und ermittelt weiter. Schnell wird klar, das damals nach dem Verschwinden von den damaligen Ermittlern nicht alle Spuren verfolgt wurden und so es gibt immer neue Hinweise auf das Verbleiben Meretes. Parallel zu den Ermittlungen, die aus Carl Mørcks Sicht geschildert werden, wird die Entführung und die Erlebnisse aus Meretes Sicht erzählt. Man erfährt, ebenso wie sie und Mørck, erst mit der Zeit, die Gründe, die dazu führten, das sie entführt wurde.


    Die Geschichte ist weniger düster und depressiv als die Werke von anderen skandinavischen Autoren. Zwar ist die Person Carl Mørck weder privat noch beruflich ganz und gar unbelastet, aber es erschien mir glaubwürdig und auch zu seinem Charakter passend. So wird er als fehlerhafter Mensch dargestellt, der doch nur sein bestes tun möchte. Die dänischen Namen sind einfach und gut zu merken.
    Der Fall selbst wird gut erzählt, die Auflösung wird mit der Zeit deutlich, ohne das es unglaubwürdig erscheint. Ich habe das Buch gerne gelesen und wäre auch dem nächsten Teil nicht abgeneigt, da es spannend erzählt ist und bin gespannt, wie sich die Figuren weiterentwickeln werden.

  • Ich habe bisher nur die Leseprobe von dem Buch gelesen, fand es sehr spannend und den Schreibstil sehr gut. Wie ich gelesen habe gibt es mittlerweile schon den zweiten Fall für Carl Mørck, leider noch nicht in Deutsch. Ich könnte mir vorstellen das Jussi Adler-Olsen´s Bücher für mich zum MUSS werden. Freue mich schon darauf das Buch komplett zu lesen.

  • Danke für die Rezi, Wiggli.


    Ich hatte auch die Leseprobe gelesen und habe es mir gerade vorhin bestellt. Ich denke, das war kein Fehler :-].

    Liebe Grüße, Sigrid

    Keiner weiß wo und wo lang

    alles zurück - Anfang

    Wir sind es nur nicht mehr gewohnt

    Dass Zeit sich lohnt

  • Spezialermittler Carl, der nach einer Schussverletzung im Keller des Sonderdezernats Q wieder zurück ins Berufsleben findet, glaubt im Falle der vor fünf Jahren entführten Politikerin Merete Lynggaard nicht an Selbstmord oder an einen Unfall. Daher rollt er den Fall zusammen mit seinem Assistenten Assad neu auf.
    Im Zuge der Ermittlungen wird klar, dass bei den damaligen Aufklärungsarbeiten einiges übersehen wurde.
    Wer war der Mann der Merete zum Valentinstag ein Telegramm sandte? Hatte Merete politische Gegner? Gibt es noch Zeugen die nicht befragt wurden?


    Assad und Carl wachsen immer mehr als perfektes Team zusammen, auch wenn sie eigentlich total verschieden sind. Während Carl anfänglich noch lieber Sudoku spielt als sich seinen Aufgaben zu widmen, fügt Assad schon die ersten Puzzleteile zusammen – obwohl er eigentlich nur für die Sauberkeit in den Büroräumen zuständig ist.
    Carl wird dadurch vom Ehrgeiz und Ermittlungsfieber gepackt und erwacht endlich aus seiner Lethargie.


    Dieses Buch ist der perfekte Thriller. Das Cover spricht an, der Prolog fesselt und die Ermittlungsarbeiten sind an Rasanz und Spannung nicht so leicht zu übertreffen. Immer abwechselnd zu Carls und Assads Arbeit wird über Meretes Gefangenschaft in einem Betonbunker berichtet.
    Ihre Angst, ihre Schmerzen und ihre Verzweiflung sorgen für Gänsehaut, Herzklopfen und Kopfschütteln beim Lesen. Den Beton auf dem Merete saß, konnte ich beim Lesen schon fast spüren, so tief war ich im Geschehen. Manchmal kam ich mir selbst schon beobachtet vor.
    Immer wenn ein Kapitel zum Höhepunkt der Spannung gelangt, endet es abrupt. So ist man ständig in einem Gefühlschaos zwischen spannender Ermittlungsarbeit und beängstigender Bunkeratmosphäre.


    Ich war schon lange bei keinem Thriller so versucht vorzublättern, da ich endlich des Rätsels Lösung wissen wollte. Mehrmals wurde ich auf eine falsche Fährte gelockt, wer denn nun hinter Meretes Entführung stecken konnte. Die Auflösung war der perfekte Abschluss eines mit Spannung geladenen Thrillers!


    So hoffe ich, dass Carl schnellstens eine neue Akte aufschlägt und wieder ermittelt.

  • Meine Meinung:
    Das ist für mich der bisher beste Thriller des Jahres, er verdient seit langem mal wieder die höchste Punktzahl. Und es gibt außer am Preis nichts zu beanstanden. Titel und Cover sind wirklich gut gewählt, die Sprache des Autors ist klar und präzise, die Übersetzung flüssig.


    Die Idee ist nicht neu und ich wurde anfänglich ein wenig an Akte X erinnert: ein neues Sonderdezernat für unaufgeklärte Fälle soll eingerichtet werden. Und diese Abteilung von Kommissar Carl Mørck liegt auch noch im Keller. Abgeschoben wie Fox Mulder, dachte ich.


    Mørck hat es nicht leicht. Bei seinem letzten Einsatz wurde er angeschossen und nimmt gerade erst seinen Dienst wieder auf. Aus seinem ehemaligen Team hat er einen Kollegen verloren, ein anderer liegt noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Seine von der Midlife Crises geschüttelte Nochehefrau Vigga nervt ihn. Ich mag Carl Mørck. Ein anständiger Kerl, der seinen querschnittsgelähmten ehemaligen Kollegen Hardy nicht im Stich lässt. Kauzig, unbequem, stur, clever und wieder Willen amüsant.

    Wie in vielen skandinavischen Krimis spielt auch hier die Politik eine eigene Rolle. Mørck wird von seinem Chef zum Leiter des aus politischen Gründen neu geschaffenen Sonderdezernats Q gemacht, das sich mit unaufgeklärten Fällen aus ganz Dänemark beschäftigen soll. Mørck ist nicht begeistert. Außer ihm gibt es nur einen weiteren Mitarbeiter, den Syrer Assad, mit dem er zunächst nicht viel anzufangen weiß. Er möchte am liebsten seine Tage damit verbringen, die Füße hochzulegen und auf den Feierabend zu warten. Doch mit seinem gewitzten Assistenten kommt frischer Wind ins Büro und in die Ermittlungen.


    Zwischendurch lässt der Autor den Leser immer wieder teilhaben am Martyrium der jungen Politikerin Merete Lynggaard, die, über Jahre hinweg eingesperrt, unvorstellbare Qualen erleiden muß, ohne dass sie auch nur den Hauch einer Ahnung hat, warum ihre Peiniger sie derart behandeln.


    Die geschickt aufgebaute Story ist ungeheuer spannend geschrieben, ein echter Pageturner eben. Im Laufe der Handlung werden Täter und Motiv erkennbar, mir hat das gut gefallen.
    So erschreckend grausam und unmenschlich die Vorgehensweise der Täter auch ist, schafft der Autor es am Ende doch, dem Leser das Tatmotiv verständlich zu machen.


    Ich kann es kaum erwarten, weiteres vom ungewöhnlichen Ermittlerduo zu erfahren.

  • Ich habe es mir heute gekauft, und stell erst jetzt fest wie teuer es war :yikes. War irgendwie irritiert, über den Preis (kam noch ein Buch für meinen Sohn dazu), aber irgendwie hab ich dabei nicht stillgestanden.


    Ich hab noch 2 oder 3 Bücher vorher zu lesen, aber wenn Ihr Geduld habt, bin ich gerne bereit es danach als WB zur Verfügung zu stellen.

    LG Katja :wave


    "Die reinste Form des Wahnsinns ist es ,
    alles beim alten zu lassen .
    Und gleichzeitig zu hoffen , das sich etwas ändert."-Albert Einstein ."


    :lesend "FÜNF "- Ursula Poznanski

  • Zitat

    Original von Katja
    Ich habe es mir heute gekauft, und stell erst jetzt fest wie teuer es war :yikes. War irgendwie irritiert, über den Preis (kam noch ein Buch für meinen Sohn dazu), aber irgendwie hab ich dabei nicht stillgestanden.


    Ich hab noch 2 oder 3 Bücher vorher zu lesen, aber wenn Ihr Geduld habt, bin ich gerne bereit es danach als WB zur Verfügung zu stellen.


    Ooch Katja, das wäre super. WEil 15 € sind ganz schön happig für unsereins.
    Ich meld mich gleich mal an :grin

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Für mich auch, aber ich habs ja nicht gemerkt beim kaufen :rofl.


    Ok, ich setz es rein. Aber wie gesagt, ich muss es erst selbst lesen :lache.

    LG Katja :wave


    "Die reinste Form des Wahnsinns ist es ,
    alles beim alten zu lassen .
    Und gleichzeitig zu hoffen , das sich etwas ändert."-Albert Einstein ."


    :lesend "FÜNF "- Ursula Poznanski

  • Meine Meinung :write
    Der erste Fall für Karl MØrck: nachdem dieser bei einem Unfall zwei seiner besten Freunde und Kollegen verloren hat - einer davon, vegetiert seitdem im Krankenhaus vor sich hin - wird er in eine neue Abteilung versetzt.
    Nun soll er das Sonderdezernat Q - die sich auf ungeklärte Fälle spezialisieren - leiten in dessen Abteilung er bislang der einzige Mitarbeiter ist.


    Nach einigem Hin und Her mit seinem Vorgesetzten wird ihm ein Assistent zur Verfügung gestellt, der in erster Linie die neuen Büroräume - die sich weit ab, von seinem bisherigen Kollegen im Keller befinden - sauber halten und “Handlangerarbeiten” erledigen soll.
    In Assad steckt allerdings mehr als nur ein lebendiger Staubwedel und Chauffeur.


    Vor fünf Jahren verschwand die Politikerin Merete auf bislang unerklärliche Weise und wurde zwischenzeitlich bereits für tot erklärt.
    Ein Fall für das Sonderdezernat Q.


    Nachdem MØrck und Assad sich der umfangreichen Akte widmen, Zeugen von damals befragen und nach und nach auch Beweismaterial auftaucht, setzt sich das Puzzle immer weiter zusammen.


    Während MØrck und Assad ermitteln kämpft Merete in einer Druckluftkammer um ihr Leben. Jedes Jahr wird der Luftdruck um ein Bar erhöht und die “Entführer” drohen ihr immer wieder damit, den Luftdruck sofort runterzusetzen, was bedeuten würde, dass ihr Körper durch diese Differenz explodieren würde.



    Dieser Thriller wurde vorab von ganz vielen Seiten hoch gelobt und als echter Geheimtipp gehandelt. Dementsprechend hoch waren meine eigenen Erwartungen.


    Außerdem bin ich immer sehr neugierig, wenn mich auf dem Buchrücken so Sätze wie “Ein ungewöhnlich schöner, grausamer und todspannender Thriller, der einem von der ersten bis zur letzten Seite den Atem abschnürt”, locken.


    Spannend wurde es für mich erst nach 300 Seiten und danach hielt sich das Ganze auch in Grenzen, sodass es von “todspannender Thriller” meilenweit entfernt war.


    Die einzelnen Charaktere und die parallelen Erzählstränge haben mir gut gefallen und haben auch die nötige Abwechslung in das Buch gebracht.
    Allerdings war mir die Vorgeschichte zu unserem Ermittler viel zu ausführlich und auch Merete´s Leben vor dieser Entführung war ein bisschen viel.


    Der Punkt, an dem ich gefesselt und “Blut geleckt” habe, setzte erstaunlich spät ein und hat das ganze daher für mich
    etwas zäh und unspannend gestaltet.


    Alles in allem war der Plot sehr gut, allerdings ausbaufähig.
    Aus dieser “Gefangenschaft” hätte man viel mehr rausholen können, denn im Gegensatz zu anderen Thrillern, fand ich das, was Merete in den fünf Jahren durchgemacht hat, nicht besonders schlimm oder herausragend.


    Aber MØrck und auch Assad haben Potential und trotzdem freue ich mich auf den zweiten Fall von dem dänischen Sonderdezernat und hoffe, dass der Autor dann an Spannung und vor allem Tempo zulegen wird.


    Von mir gibts 7 Punkte!

  • Merete Lynggard verschwindet von einer Fähre - und keiner hat es gesehen. Carl Morck verschwindet als Chef im Keller - und keiner will ihn sehen. Die Parallelen zwischen den beiden sind nicht zu übersehen, beide sind gefangen, die eine in einem luftdichten Raum, der andere in sich selbst. Nach den traumatischen Erlebnissen einer Schießerei bei einem Einsatz, bei dem ein Kollege umgekommen und ein weiterer querschnittsgelähmt zurückbleibt, kommt Morck, der nur leicht verletzt wurde, wieder in den Dienst zurück. Von Schuldgefühlen zerfressen ist es mit ihm nicht auszuhalten, so bekommt er eine neugegründete Abteilung Q, die sich um ungelöste Fälle kümmern soll. Sein einziger Mitarbeiter ist Assad, ein Syrer, hochintelligent und geheimnisvoll. Das Zusammenspiel der beiden reizt immer wieder zum Lachen, eigentlich hat Carl überhaupt keine Lust sich um die Fälle zu kümmern, aber Assad reizt ihn durch hingeworfene Bemerkungen und stachelt seinen Ehrgeiz an, sich doch näher mit den Fällen zu befassen.


    Fast sofort kann Carl Ungenauigkeiten in der Bearbeitung des Falles Merete Lynggard feststellen, er rollt den Fall wieder auf und kommt auch schnell zu neuen Ergebnissen. Nebenbei hilft er noch durch gezielte Hinweise einen aktuellen Fall zu lösen und er kümmert sich auch noch um seinen Freund, der im Krankenhaus liegt. Indem er ihn in die Ermittlungen mit einspannt, kann er wieder seinen Lebensmut erwecken. Auch Assad zeigt durch seine messerscharfen Schlussfolgerungen, dass er seine Talente vergeudet, solange er nur die Büros saubermacht. Und so wird aus Carl und Assad ein interessantes Gespann, die schnell und logisch Ungereimtheiten aufdecken, nicht nur bei den ungelösten Fällen.


    Das Buch ist spannend, die Seiten fliegen nur so dahin, aber als gewiefter Thrillerleser weiß man spätestens ab der Mitte, warum Merete im Bunker ist. Aber das schadet dem Buch überhaupt nicht, die Ermittlungen sind allemal spannend und man hat ja auch noch das untypische Gespann Carl und Assad, das immer wieder für Überraschungen sorgt. Das Ende ist dann leider wieder etwas überzogen, ein filmreifes Actionspektakel, wo manche Bemerkungen Assads eigentlich so gar nicht zu seinem sonst so scharfen Verstand passen. Aber trotz des Shootdowns ist der ganze Thriller eigentlich recht unblutig, der Focus liegt eindeutig auf der Ermittlungsarbeit und dem Zusammenspiel der einzelnen Charaktere.


    Ein bisschen unglaubwürdig ist die Zeit im Bunker, die Merete übersteht. Nach so langer Zeit ohne die Möglichkeit sich die Haare zu waschen und die Zähne zu putzen, dem Schlafen auf reinem Beton muss eigentlich mehr mit dem Körper passieren. Wenn man dann noch überlegt, dass sie immer die gleichen Sachen anhat, kann man sich gar nicht vorstellen, wie sie aussehen und auch riechen müssen. Eine eindeutige Schwachstelle, denn jeder kann sich denken, dass es so nicht funktionieren kann. Eine weitere Schwachstelle ist auch Carls Ehefrau - warum lässt er sich von ihr soviel gefallen? Völlig unverständlich, es passt auch nicht zum Buch, bei dem ansonsten auch die Nebencharaktere sehr gut getroffen sind.


    Alles in allem ist "Erbarmen" ein gelungener Auftakt, hoffentlich wird der nächste Band auch noch übersetzt. Es ist doch immer wieder spannend, alte Fälle aufzurollen und hier haben wir es auch noch mit ein paar ganz gewieften Charakteren zu tun, von denen noch viel zu erwarten ist.


    Fazit


    Fesselnd, packend, spannend und ein ungewöhnlicher Plot, dabei noch recht unblutig. Ein richtiges Schmankerl für Thrillerfreunde, die Gefallen an Ermittlungsarbeit und ungewöhnlichen Charakteren haben. Ein Pageturner mit einem ungewöhnlichen Täter und einem ungewöhnlichen Motiv.

  • Zitat

    Original von tinkerbell
    Eine weitere Schwachstelle ist auch Carls Ehefrau - warum lässt er sich von ihr soviel gefallen? Völlig unverständlich, es passt auch nicht zum Buch, bei dem ansonsten auch die Nebencharaktere sehr gut getroffen sind.


    Das sehe ich ganz anders. Ich finde, dass sie hervorragend in das Buch passt. Und warum Carl sich so viel von ihr gefallen läßt? Ich denke, er liebt sie immer noch.

  • Erbarmungslos ist die Stimme, die zu der seit vielen vielen Tagen gefangen gehaltenen Merete spricht und weitere Folterstadien ankündigt: sei es nun, dass der Luftdruck in der Betonkammer um ein weiteres Bar erhöht wird, sei es, dass das Licht für ein Jahr nicht mehr ausgeschaltet werden soll. Und immer wieder die Frage an Merete, ob sie nun endlich weiß, warum sie eigentlich festgehalten wird? Nein, Merete weiß es nicht: sie ist eine erfolgreiche Politikerin, war quasi auf der Überholspur im Leben und verschwand bei einer Überfahrt spurlos von der Fähre. Die Polizei vermutete schließlich, dass sie über Bord gegangen und ertrunken sei.


    Fünf Jahre später: Carl Mork wird zum Dezernatsleiter des neu gegründeten Dezernats Q berufen. Was sich wie eine Beförderung anhört, ist in Wirklichkeit eine Degradierung und eine Abschiebung in ein abgelegenes Kellerbüro. Carl war vor einigen Monaten bei einer Ermittlung in eine Schießerei verwickelt, bei der ein Kollege ums Leben kam und ein weiterer schwer verletzt wurde. Er selber behielt einen psychischen Knacks zurück und macht sich seitdem Vorwürfe, nicht richtig reagiert zu haben. Das Dezernat Q soll sich mit alten Kriminalfällen befassen, die nicht gelöst werden konnten und die anschließend ad acta gelegt werden sollen. Der erste Fall, den er sich ansieht, ist der der verschwundenen Politikerin Merete Lynggard, die spurlos von einer Fähre verschwand.


    Es stellt sich heraus, dass seinerzeit sehr schlampig ermittelt worden ist. Zunächst geriet Meretes seit einem Verkehrsunfall behinderter Bruder Uffe ins Visier der Ermittler, und als diese Theorie nicht gehalten werden konnte, favorisierte man den Tod durch Ertrinken. Carl findet schnell neue Anhaltspunkte, und mit Hilfe seines kongenialen Assistenten Assad, der eigentlich nur das neue Büro putzen soll, kommt man zum Schluss dem Verbrechen auf die Spur.


    Das Buch war sehr spannend, erbarmungslos hat es mich vom Schlafen abgehalten. Witzig ist das Beziehungsgeflecht zwischen Carl und Assad, auch das Privatleben Carls kommt nicht zu kurz und ist etwas schräg. Da dies der erste Band der Reihe um Carl Mork ist (mindestens einen weiteren gibt es wohl auf Dänisch), hat es ein wenig gedauert, bis die Person Carl eingeführt und das Dezernat Q eingerichtet war, aber das machte nichts, es war nie langweilig. Wer die Entführer Meretes waren und warum - nun, dass war relativ schnell klar, änderte aber nichts an der Spannung. Vielleicht hätte man etwas weniger dick auftragen können was die geistigen Fähigkeiten Carls angeht - dass er den anderen Fall des Kommissariats quasi mit aufklärt ist etwas viel für eine Person. Auch sprachlich ist das Buch sehr angenehm, gut zu lesen und wohl auch gut übersetzt. Schön sind die Bemühungen Assads, Redewendungen zu verstehen - er nimmt immer alles wörtlich. - Ich hoffe, dass es noch viele andere Fälle mit Carl und Assad gibt!

  • Hier meine Rezi:


    Die Abende werden lang, und schon gibt es einen schönen neuen Stern am funkelnden skandinavischen Krimihimmel. Mit seinem Debüt-Krimi „Erbarmen“ legt Jussi Adler-Olsen einen faszinierenden Thriller „Made in Denmark“ vor. Dabei ist „Erbarmen“ eine ganz klassische Ermittlungsgeschichte, bei der die Leser den Beamten immer einen Schritt voraus sind und stets zittern müssen, ob sie denn wohl die richtige Fährte wählen. Mit dem körperlich wie seelisch angeschlagenen Kommissar Mørk und seinem syrischen Assistenten Assad schafft Adler-Olsen ein sympathisches Ermittlerduo, das sich wunderbar ergänzt und bei seinen Nachforschungen viele humorvolle Wortgefechte liefert.


    Sehr geschickt baut er dabei die Leidensgeschichte der jungen Politikerin ein, die – soviel sei verraten – in Wirklichkeit entführt wurde, ohne zu wissen warum. Mit seinem fulminanten Ende ist „Erbarmen“ ein echter Pageturner, der verdient am oberen Ende der Buchhitlisten steht. Freuen wir uns auf weitere Fälle!

  • Erbarmen


    Die Aufmachung des Buches lässt auf eunen eher blutigen Thriller schließen - dem ist aber nicht so:
    Das Buch hat natürlich an manchen Stellen brutale Elemente, ich würde es aber als sehr spannenden Thriller mit Tiefgang bezeichnen.


    Worum geht es?
    Der traumatisierte Ermittler Carl beginnt nach zweimonatigem Krankenstand wieder seinen Dienst im Präsidium. Psychisch noch immer sehr angeschlagen und "unzumutbar" für seine alten Kollegen, wird er zum Chefermitttler des neu ins Leben grufenen Sonderdezernats Q ernannt, wo er Fälle aufrollen soll, die nicht aufgedeckt wurden, die allerdings hoffnungslos, aber von ziemlicher Brisanz sind. Zunächst scheint es, als wolle sein Chef ihn aus dem Weg räumen wollen, damit die Arbeitsatmosphäre nicht gestört wird und er wird mit einem aussichtslosen Fall beauftragt, der fünf Jahre zurückliegt. Während sich seine Kollegen mit den wichtigen Verbrechen befassen geht Carl ziemlich unmotiviert an diesen Fall heran. Es geht um das mysteriöse Verschwinden einer Politikerin.
    Unverhofften Beistand erhält Carl durch den Asylanten Assad aus Syrien, den das Arbeitsamt ihm zur Verfügung stellt. Dieser stellt sich als sehr gewöhnungsbedürftig heraus, bildet aber nach und nach eine immer größere Bereicherung für den Ermittler.
    Ohne dass das unfreiwillige Team es richtig merkt, rutscht es immer mehr in die Abgründe des Falles ein.


    Das Buch ist klasse und hat mich sehr gefesselt. Wie für den Nord-Thriller schlechthin wird auch hier dem Ermittler wieder eine Menge Leben in Form von diversen menschlichen Schwächen des Anti-Helden eingehaucht.
    Dies und die schöne Beschreibung des sich annähernden Teams Carl/Assad, gemischt mit einem wirklich spannenden Fall ergeben einen richtig guten Thriller voller Abgründe und Menschlichkeit.


    9 Punkte