'Krieg und Frieden' - Band 2, Teil 3 - Kapitel 01 - 13

  • Im Gegensatz zu Pierre gelingt es Andrei wirklich Verbesserungen und Reformen auf seinen Gütern durchzuführen. Auf die Dauer ist das beschauliche Landleben, das ihm nach seiner Verletzung so gut getan hat allerdings doch nichts für ihn und er kehrt nach Petersburg zurück. Dort wird er Mitglied des „Komitees zur Abfassung des Militärreglement“. Schon der Name klingt nach Bürokratie pur :lache


    Die Tagebucheinträge von Pierre habe ich nur überflogen, sie waren mir einfach zu wirr. Auch wenn Pierre mir immer noch irgendwie leid tut, er nervt mich auch gewaltig.

  • ich habe mir nun wieder Zeit für das Buch genommen und das Kapitel gelesen, in dem Andrej mit der Kutsche fährt, an einer bestimmten Eiche vorbei. Wie genial Tolstoi doch schreiben konnte, ich habe dieses Kapitel ungemein genossen. :wave

  • Andrej krempelt sein Leben um. Im Gegensatz zu Pierre hat er ein Händchen für Reformen auf seinem Gut. Aus Überdruss ist Tatkraft geworden.

    Sein Lebensstil ähnelt jetzt dem seines Vaters. Der hatte sich auch von der Gesellschaft zurück gezogen, weil ihm die zuwider war, kümmerte sich um seine Güter und bildete sich fort. Zuletzt übernahm er dann doch wieder Verantwortung.

    Eigentlich hätte Andrej diesen Lebensweg schon früher einschlagen können. Aber er brauchte wohl die Kriegserlebnisse, um neu anzufangen.

  • Pierre ist mit den Freimaurern unzufrieden. Allerdings ist ihm die Meinung des Edlen (so heißt er bei mir) wichtig. Auf seinen Rat hin gibt er dem Drängen von verschiedenen Seiten nach und lebt wieder mit Helene zusammen. Das geht so weit, dass er sie sogar um Verzeihung bittet.

    Das ganze hat für mich etwas von Selbstkasteiung an sich, aus der er "ein beglückendes Gefühl der Selbsterneuerung" gewinnt.

    Und wieder einmal haben andere die Entscheidung für ihn gefällt.


    In der Gesellschaft wird er als Sonderling angesehen. Doch in seinem Inneren geht was vor. Das macht Hoffnung. "In seiner Seele aber ging während dieser Zeit eine komplizierte, mühsame Arbeit innerlicher Entwicklung vor sich, die ihm vieles entdeckte, ihm viele Zweifel, aber auch Freuden brachte."



    Endlich hat sich auch Vera verlobt. Sie ist 42 Jahre alt! Natascha hingegen ist 16 Jahre alt und hat somit 26 Jahre Altersunterschied zu ihrer Schwester.

    Wie der Heiratsmarkt funktioniert, wird hier sehr klar. Geld spielt eine große Rolle. Auch Boris ist auf eine Ehe aus, die ihm Geld bringt.

  • Ende dieses Abschnitts in meiner Ausgabe; Kapitel 13. Seite 598:


    „Am folgenden Tage ließ die Gräfin Boris zu sich bitten. Sie hatte eine Aussprache mit ihm, und von diesem Tage an stellte er seinen Verkehr im Rostowschen Hause ein.“

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Gleich zu Beginn des Abschnitts fand ich den beschriebenen Kontrast zwischen Pierre und Andrej interessant: was der eine, letztlich ohne es erfolgreich abzuschließen, versucht, setzt der andere, ohne groß Aufhebens darum zu machen, um. Ich schätze, Pierre kann nur überleben, weil er so unermeßlich reicht ist, daß er machen kann, was er will, das Geld reicht immer noch.


    Daß er sich zum erneuten Zusammenleben mit Helene überreden hat lassen, hat mich zwar gewundert, auf der anderen Seite dann aber wieder nicht. Er ist so leicht beeinflußbar und ohne jede eigene Meinung, daß das fast schon abzusehen war. Ich bin allerdings gespannt, was alles passieren muß und wie lange es dauert, bis er sich endgültig von ihr trennt. Denn auf Dauer kann das nicht gut gehen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Hier wurde schon alles Wesentliche zu diesem Abschnitt geschrieben.


    Andrej krempelt sein Leben um. Im Gegensatz zu Pierre hat er ein Händchen für Reformen auf seinem Gut. Aus Überdruss ist Tatkraft geworden.

    Sein Lebensstil ähnelt jetzt dem seines Vaters. Der hatte sich auch von der Gesellschaft zurück gezogen, weil ihm die zuwider war, kümmerte sich um seine Güter und bildete sich fort. Zuletzt übernahm er dann doch wieder Verantwortung.

    Eigentlich hätte Andrej diesen Lebensweg schon früher einschlagen können. Aber er brauchte wohl die Kriegserlebnisse, um neu anzufangen.

    :write


    Was Andrejs neuen Lebensweg angeht, glaube ich, ist es nicht unwichtig, dass er erst nach seinen Kriegserfahrungen von seinem Vater das Gut Bogutscharowo als selbstständiges Eigentum überwiesen bekommt. (Bergengruen, dtv 19932, S.487.) Erst dies versetzt ihn in die Lage, frei schalten und walten zu können, wie er es tut. Und dies ohne viel Aufhebens! Das gefällt mir besonders gut an Andrejs Charakter. Er handelt, statt nur darüber zu reden.


    Endlich hat sich auch Vera verlobt. Sie ist 42 Jahre alt! Natascha hingegen ist 16 Jahre alt und hat somit 26 Jahre Altersunterschied zu ihrer Schwester.

    Wie der Heiratsmarkt funktioniert, wird hier sehr klar. Geld spielt eine große Rolle. Auch Boris ist auf eine Ehe aus, die ihm Geld bringt.


    Es handelt sich wohl um einen klassischen Zahlendreher in Deiner Ausgabe. Denn:


    „Wera war bereits vierundzwanzig Jahre alt, ...“ (Bergengruen, dtv 19932, S.589.) Ich habe diese Angabe auch noch in anderen Ausgaben gefunden. Somit beträgt der Altersunterschied zwischen Wera und Natascha acht Jahre. Für die damaligen Verhältnisse war vierundzwanzig Jahre für eine unverheiratete Frau schon ein beträchtliches Alter. Es war höchste Zeit, sie an den Mann zu bringen.


    Meine am Anfang des Buches gemachte Behauptung, ein Adeliger dürfte keiner Tätigkeit außer dem Militärdienst nachgehen, trifft offenbar nicht auf den russischen Adel zu. :bonk Denn: „Es lag klar zutage, daß für den alten Grafen eine Stellung im Staatsdienst allein noch Rettung bedeuten konnte, ...“ (Bergengruen, dtv 19932, S.588.)

  • Was Andrejs neuen Lebensweg angeht, glaube ich, ist es nicht unwichtig, dass er erst nach seinen Kriegserfahrungen von seinemVater das Gut Bogutscharowo als selbstständiges Eigentum überwiesen bekommt. (Bergengruen,dtv 19932, S.487.) Erst dies versetzt ihn in die Lage, frei schaltenund walten zu können, wie er es tut. Und dies ohne viel Aufhebens! Das gefällt mir besonders gut an Andrejs Charakter.

    Ich denke, Andrej wäre auch ohne die Kriegserfahrungen in der Lage gewesen, ein Gut zu verwalten. Allerdings hätte er es ganz anders gemacht als jetzt.

  • Klar wäre Andrej dazu in der Lage gewesen, ein Gut zu verwalten. Er hatte nur keines!


    Ich denke, das ist nicht unwichtig. Außerdem erwartete sein Vater von ihm, dass er sich im Krieg beweist, wie er es selbst eins tat. Sein Sohn Andrej kam als Held zurück. Nun darf sich dieser mit der Verwaltung eines eigenen Guts auch aus dem Leben zurückziehen. Er hat seinem Vater alle Ehre gemacht und sich als dessen Sohn würdig erwiesen.


    Zudem hatte Andrej vor dem Krieg eine Frau, die die Stadt liebte. Es fällt auf, wie die "hübsche" Lisa mit ihrem kleinen Oberlippenbart :grin während ihrer Schwangerschaft auf dem Lande "hässlich" wird! Anders ausgedrückt, Andrej hätte sich nur sehr schwer mit seiner Ehefrau völlig aufs Land zurückziehen können. Lisa zumindest wäre todunglücklich und damit bestimmt auch unausstehlich geworden.


    Vielleicht denken wir beide aber auch zu kompliziert. Vielleicht geht Andrej diesen Umweg über den Militärdienst auch nur, weil Tolstoi einen ähnlichen Lebensweg hatte.


    Und ich denke, wir sind uns einig, dass Andrejs Militärdienst einfach ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist. :wave

  • Vielleicht denken wir beide aber auch zu kompliziert. Vielleicht geht Andrej diesen Umweg über den Militärdienst auch nur, weil Tolstoi einen ähnlichen Lebensweg hatte.

    Es war halt ein ganz üblicher Weg. Dem entzieht man sich nicht so ohne weiteres.

    Und ich denke, wir sind uns einig, dass Andrejs Militärdienst einfach ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist.

    Auf jeden Fall.

  • Vielleicht denken wir beide aber auch zu kompliziert. Vielleicht geht Andrej diesen Umweg über den Militärdienst auch nur, weil Tolstoi einen ähnlichen Lebensweg hatte.

    Ich habe mich etliche Male gefragt, inwieweit in dem Buch auch Familiengeschichte von Tolstoi steckt. Ich bin nun nicht informiert über die Häufigkeit bestimmer Namen in Russland, aber im Buch kommt des öfteren ein "Graf Tolstoi" vor.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Obwohl Andrei zunächst so konträr den Gedanken von Pierre gegenübersteht, lässt er sich doch von ihm beeinflussen und verlässt seine selbstgewählte Einsamkeit.


    Pierres Tagebucheinträge fand ich auch ein wenig seltsam. Der ganze Stil des Buches änderte sich plötzlich. Dass er Helene wieder aufnimmt liegt aber vor allem an seinem freimaurerischen Kodex, der ein Verzeihen ja vorschreibt. Helene galt ansonsten wohl gesellschaftlich als entehrt?

  • Ich habe mich etliche Male gefragt, inwieweit in dem Buch auch Familiengeschichte von Tolstoi steckt. Ich bin nun nicht informiert über die Häufigkeit bestimmer Namen in Russland, aber im Buch kommt des öfteren ein "Graf Tolstoi" vor.

    Lt. wikipedia gab es ein Adelsgeschlecht mit Namen Tolstoi, dem auch Lew Tolstoi entstammt.

    Außerdem gab es in den Napoleonischen Kriegen einen Offizier Alexander Iwanowitsch Graf Osterman-Tolstoi.

    Anscheinend gab es den Namen öfter.

  • Pierres Tagebucheinträge fand ich auch ein wenig seltsam. Der ganze Stil des Buches änderte sich plötzlich. Dass er Helene wieder aufnimmt liegt aber vor allem an seinem freimaurerischen Kodex, der ein Verzeihen ja vorschreibt. Helene galt ansonsten wohl gesellschaftlich als entehrt?

    Mir ist nicht ganz klar, warum Helene wieder zu Pierre zurück wollte. Sein Angriff auf sie hatte doch sicher Eindruck hinterlassen. Ich denke auch, dass ihr Ansehen in der Gesellschaft unter der Trennung gelitten hat.

    Bei Pierre stelle ich mir vor, dass er in so einer Stimmung war wie ein großer Sünder, der gebeichtet hat und bei der Reue und Wiedergutmachung seiner Verfehlungen ein Hochgefühl empfindet.

  • Ja, Helene galt wohl als verstoßen und im Sinne der Gesellschaft sicher als schuldig. Es ist ja auch immer noch eine strenge Männergesellschaft.


    Da Piere von seinen Brüdern enttäuscht war, wollte er sich zumindest selbst ganz im Geiste der Bruderschaft verhalten.