'Krieg und Frieden' - Band 1, Teil 1 - Kapitel 01 - 17

  • Zuerst hatte ich in der sehr stark gekürzten Übersetzung von Hertha Lorenz gelesen; jetzt habe ich die ersten Abschnitte nochmal in der Version von Hermann Röhl gelesen. Mir gefällt, wie Tolstoi auch die unsympathischen Figuren interessant darstellt, z.B. Fürst Wassili. Auch Graf Nikolai Bolkonski, der später auftritt und, so viel ich weiß, den Großvater mütterlicherseits von Tolstoi zum Vorbild hat, ist keine so positive Person, aber mir macht es Spaß, von ihm zu lesen.

  • Fürst Wassili kann ich noch gar nicht einordnen; ob ich ihn symphatisch finde oder nicht.


    Auch Graf Nikolai Bolkonski, der später auftritt und, so viel ich weiß, den Großvater mütterlicherseits von Tolstoi zum Vorbild hat, ist keine so positive Person, aber mir macht es Spaß, von ihm zu lesen.

    :wow :wow :wow

    Eine Information, die mich etwas verwirrt. Hier wird Realität mit Geschichte vermischt.? Gab es die Person Graf Nikolai Bokonski wirklich? Ich muss gestehen, ich frage mich zum ersten Mal, welche Personen in "Krieg und Frieden" der Realität entspringen. Napoleon ist davon ausgeschlossen. Und der Zar. Soweit kenne ich die Personen. Aber bei den ganzen Grafen und Fürsten hört es auf. Ich habe mich nie gefragt, ob es sie einmal gab. Beschämend. :D:grin

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • Bei Wikipedia hab ich dazu Folgendes gefunden:


    "In die allgemeinen Beschreibungen und Analysen der vom Autor recherchierten geschichtlichen Ereignisse, v. a. der verschiedenen Schlachten des Dritten und Vierten Koalitionskrieges und des Russlandfeldzugs eingearbeitet sind die fiktiven Einzelhandlungen, in denen Romanfiguren gemeinsam mit den ca. 120 historischen Persönlichkeiten agieren, z. B. Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I. oder der Oberkommandierende Michail Illarionowitsch Kutusow. Einige Protagonisten sind nach real existierenden Personen gezeichnet wie die Bolkonskis, die Ähnlichkeiten mit der Adelsfamilie Wolkonski haben."


    Das mit Graf Nikolai Bolkonski war vielleicht etwas zu weit von mir spekuliert. :gruebel Ich hatte irgendwo gelesen, dass Tolstoi seiner eigenen Mutter Marja Wolkonskaja in der Figur von Marja Bolkonskaja (der Tochter von Graf Nikolai) "ein liebevolles Denkmal gesetzt habe". Daraus hatte ich geschlossen, dass auch Marjas Vater Tolstois Großvater als Vorlage hat; das müsste ich mal nachrecherchieren.

  • Auch Graf Nikolai Bolkonski, der später auftritt und, so viel ich weiß, den Großvater mütterlicherseits von Tolstoi zum Vorbild hat, ist keine so positive Person, aber mir macht es Spaß, von ihm zu lesen.

    Aahhhh, jetzt verstehe ich, was du mit Vorbild meinst. Ich hatte es erst so verstanden, dass Tolstois Großvater ein Vorbild für Nikolai Bolkonskigewesen sei. Aber du meintest, dass die Vorlage für die Figur Nikolai Bokonski Tolstois Großvater gewesen sein könnte.

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • OK, sorry, ich drücke mich manchmal etwas missverständlich aus. Deutsche Sprache, schwere Sprache. :)


    Ich meine, ich hätte beim Recherchieren vor 2 Tagen eine Bestätigung gefunden, dass Nikolai Bolkonski Tolstois Großvater als Vorlage hatte, finde die Seite aber nicht mehr.

    Woanders hab ich dagegen einen Hinweis dafür gefunden, dass der Vetter von Tolstois Großvater die Vorlage für Nikolai Bolkonski lieferte:


    "Ein Vetter des Großvaters des Schriftstellers [Tolstois], Graf Peter Alexandrowitsch, diente mit Auszeichnung unter Suworow. (...) Er war in Wirklichkeit ein würdiges Vorbild zum alten Fürsten Nikolai Bolkonski, des Vaters des Fürsten Andree in »Krieg und Frieden«." (E. Schuyler)


    Wegen Pierre hab ich jetzt auch mal die Hauff-Übersetzung bei gutenberg.spiegel mit den anderen verglichen und finde sie in der Hinsicht tatsächlich positiver. "großer, plumper" klingt natürlich nicht so negativ wie "derber, dicker" (M. Kegel); "guter" Blick besser als "kluger" Blick.

  • Ich mache mir mal den Spaß und stelle einen kleinen Ausschnitt zweier Übersetzungen aus Krieg und Frieden gegenüber und gebe meinen Kommentar dazu ab. Es handelt sich um einen zusammenhängenden Text. Ich habe die Absätze in einzelen Zellen getan, damit es etwas übersichtlicher ist.


    Übersetzung von Hauff; entnommen aus Projekt Gutenberg
    Übersetzung von Werner Bergengruen; entnommen aus dem Buch ISBN 3-423-59009-2
    Mein Kommentar
    »Oh! Oh!« riefen mehrere Stimmen. Der Graf zuckte mit den Achseln. "Ah! Oh!" ließen sich verschiedene Stimmen vernehmen.
    "Capital!" sagte Fürst Ippolit auf englisch und schlug sich einige Male mit der flaschen Hand auf das Knie.
    Der Vicomte zuckte nur die Achseln. Pierre sah über seine Brille hinweg triumphierend die Zuhörer an.
    Oh! Oh! wirkt aufregender auf mich als Ah! Oh!. Und bei Bergengruen ist dieser Absatz länger, was die Aufregung wieder sinken lässt.
    "riefen mehrere Stimmen" klingt lauter als "ließen sich verschiedene Stimmen vernehmen.".
    "Pierre sah [...] triumphierend die Zuhörer an." Das Wort triumphierend lässt das ganze als 'berechnend' auf mich wirken. Als ließe er sich gerade nur von seinem Verstand leiten und nicht zusätzlich von seinen Gefühlen.
    »Ich sage das«, fuhr Peter fort, »weil die Bourbonen vor der Revolution geflohen sind und das Volk der Anarchie überlassen haben. Napoleon allein hat es verstanden, die Revolution zu besiegen und deshalb durfte er sich nicht von einem einzelnen auf seinem Wege aufhalten lassen, wenn er das allgemeine Wohl im Auge hatte.« "Ich sage das deshalb", fuhr er tollkühn fort, "weil die Bourbonen vor der Revolution geflohen sind und das Volk der Anarchie preisgaben. Napoleon allein vermochte die Revolution zu begreifen und zu überwinden, und darum konnte er, wo es das Wohl des Ganzen galt, nicht vor dem Leben eines einzelnen Menschen haltmachen."
    "Napoleon allein hat es verstanden, die Revolution zu besiegen" klingt überzeugter und siegreicher als "Napoleon allein vermochte die Revolution zu begreifen und zu überwinden".
    "fuhr er [Pierre] tollkühn fort": tollkühn klingt abwertend und somit weniger sympatisch.
    »Wollen Sie nicht an den andern Tisch gehen?« sagte die Hofdame, "Wollen Sie nicht vielleicht mit an den anderen Tisch kommen?"
    Die Übersetzung von Hauff lässt die Hofdame unfreundlich dastehen. Bei Bergengruen ist es eine freundlichere Aufforderung. Wenn ich den jeweiligen oberen Abschnitt mit diesen hier vergleiche, stelle ich fest, dass die Stimmung bei Hauff vom Positiven ins Negative kippt. Bei Bergengruen bleib sie führ mich gleich. Dadurch wirkt Hauff 'aufregender' auf mich.
    aber Peter fuhr immer lebhafter fort: Aber Pierre fuhr fort, ohne ihr zu antworten.
    "lebhafter" unterstreicht positive Aufregung.
    »Ja, Napoleon ist groß, weil er sich über die Revolution gestellt hat, weil er ihre Mißbräuche unterdrückt und beibehalten hat, was sie Gutes hatte, die Gleichheit, die Freiheit der Presse und des Wortes, und nur dadurch hat er die Macht erlangt.« "Nein", sagte er und wurde jetzt immer lebhafter, "Napoleon ist so groß, weil er über der Revolution stand, weil er ihre Auswüchse gewaltsam besetigte, aber das Gute, was sie gebracht hat, beibehielt: die Gleichheit aller Bürger, die Freiheit des Wortes und der Presse - und nur darum ist er auch zu dieser Macht gelangt."
    "Ja" klingt positver als "Nein". Jetzt taucht zwar auch "lebhafter" bei Bergengruen auf, aber durch das "Nein" ist das Lebhafte negativ behaftet.
    "Napoleon ist groß": klare, überzeugende Aussage.
    "Napoleon ist so groß": das "so" kann die große Sache auch wieder klein machen. Vielleicht ist so groß ja gar nicht groß sondern mäßig groß.
    "weil er sich über die Revolution gestellt hat": klingt nach siegreichem Tatendrang.
    "weil er über der Revolution stand": klingt weniger aufregend.

    In diesem Abschnitt geht es immer so weiter. Hauff klingt kurz und knackig. Bergengruen etwas ausführlicher und dadurch weniger knackig.


    »Wenn er diese Macht dem legitimen König zurückgegeben hätte, ohne sie zu benutzen, um einen Mord zu begehen, dann würde ich ihn einen großen Mann nennen«, sagte der Graf. "Ja, wenn er diese Macht, nachdem er sie erlangt hatte, nicht zum Mord missbraucht, sondern sie dem legitimen König übergeben hätte", sagte der Vicomte, "dann würde ich ihn auch einen großen Mann nenne."
    Bei Hauff wirkt der Graf zurückhaltender, was Peter enthusiastischer dastehen lässt.
    Bei Bergengruen wirkt der Vicomte lebendiger auf mich durch das "Ja" am Anfang. Die Unterschiede der beiden Personen zwischen Peter und Graf wirken krasser auf mich als bei Pierre und dem Vicomte.
    »Das war ihm unmöglich. Die Nation hatte ihm die Macht nur gegeben, damit er sie der Bourbonen entledigen solle. Die Revolution war ein großes Werk.« Peter bewies seine jugendliche Unbedachtsamkeit, indem er so vorgeschrittene Ideen äußerte. "Das konnte er nicht. Das Volk hatte ihm ja die Macht nur übertragen, damit er es vor den Bourbonen rettete, und weil das Volk eben einen großen Mann in ihm sah. Die Revolution war eine große Tat", furh Monsier Pierre fort und bewies durch diesen tollkühnen und herausfordernden Nachsatz seine große Jugendlichkeit und seine Neigung, sein Herz so gründlich wie möglich auszuschütten.
    Hier könnt ihr ja mal selber vergleichen. Im Prinzip gibt es da nichts Neues.
    »Die Revolution ein großes Werk! . . . Aber wollen Sie nicht an den anderen Tisch gehen?« wiederholte die Hofdame.
    "Revolution und Königsmord eine große Tat? ... Dann allerdings ... Aber wollen sie nicht vielleicht mit an den anderen Tisch kommen?" wiederholte Anna Pawlowna. "Die Revolution ein großes Werk!"
    vs.
    "Revolution und Königsmord eine große Tat? ... Dann allerdings ..."
    Diese Aussagen sind für mich verschieden.
    Der Name Anna Pawlowna fällt mehr auf als Hofdame. Dadurch wirkt Peter bei Hauff für mich mehr im Mittelpunkt, als Pierre bei Bergengruen.


    Es ist schon interessant zu sehen, wie unterschiedlich Übersetzungen sein können. Wie das Original eigentlich wirkt, werde ich wohl nie erfahren. Dazu müsste ich Russisch und Französich lernen und das sehr gut.

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • Die ersten zwei der Absätze hab ich mal mit meiner Röhl-Übersetzung verglichen. Bei Bergengruen und Röhl mag ich, dass es detaillierter ist und dass sie die Reaktionen der verschiedenen Personen mitübersetzen; auch das französische "capital" finde ich nett - bei Röhl heißt es "Vorzüglich!". Hauffs Oh! Oh! finde ich auch aufregender als Ah! Oh! oder Röhls Ah! Ah!


    Das Wort "triumphierend" (auch bei Röhl) ordne ich ganz anders ein, nämlich als begeisterten Stolz über seine (aus seiner Sicht) kraftvollen Argumente und darüber, den bewunderten Napoleon in so gelungener Weise verteidigen zu können. So gesehen also deutlich eher als Ausdruck von Pierres Gefühlen, nämlich seiner Begeisterung.


    "Napoleon allein hat es verstanden..."/"Napoleon war der einzige, der es verstand..." (Röhl) finde ich auch überzeugter/siegreicher. Röhls "fuhr er kühnen Mutes fort" ist positiver als Bergengruens "tollkühn".


    In Abschnitt drei stimme ich zu, dass Hauff deutlich 'aufregender' ist als Bergengruen.

  • Diese Vergleiche sind ja sehr interessant!


    Ich will nur auf den zweiten Punkt eingehen.


    "Napoleon allein hat es verstanden, die Revolution zu besiegen ..."


    "Napoleon allein vermochte die Revolution zu begreifen und zu überwinden ..."


    Für mich klingt in der zweiten Version Napoleon tiefgründiger. Er kann die Revolution beenden, weil der ihre Ursachen und Hintergründe verstanden hat.

  • Bei Bergengruen und Röhl mag ich, dass es detaillierter ist und dass sie die Reaktionen der verschiedenen Personen mitübersetzen

    Genau. Jetzt, da ich Hauff und Bergengruen verglichen habe, erkenne ich auch, wie Hauff kürzte. (Die Übersetzung von Hauff ist eine gekürzte Version, falls ich das hier noch nicht erwähnt haben sollte.) Ich bildete mir immer ein, dass ganze unwichtig erscheinende Abschnitte weggelassen wurden, wie z.B. bei Hörbüchern, aber jetzt erkenne ich, wie ein Text auch durchweg abgespeckt werden kann, sodass er kürzer wird. Nur leider muss die Wirkung des Textes dafür einbüßen.


    Für mich klingt in der zweiten Version Napoleon tiefgründiger. Er kann die Revolution beenden, weil der ihre Ursachen und Hintergründe verstanden hat.

    Genau, genau. Dieses Sache mit dem Verstand kommt bei Bergengruen gut durch. Bei Hauff für mich eher weniger. Deshalb wirken die Personen bei Hauff auf mich, als seien sie gefühlsgeleitet. Wie soll ich das nur erklären. Hm... Peter ist von Napoleon begeistert. Bei Hauff denke ich im ersten Moment, weil Peter Napoleon als König, als starke Person hochjubelt. Im zweiten Moment erkenne ich erst, dass er ihn interssant findet aufgrund seiner Taten. Bei Bergengruen gibt es für mich den ersten Moment des Hochjubelns nicht. Der Fokus ist klar auf Gedankengänge gerichtet, nicht auf Gefühlsausbrüchen. Um es ganz krass zu sagen: Hauff hat mitreißende Gefühlsausbrüche, Bergengruen mitreißende Gedanken.

    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • Die Abschnitte 3 und 4 habe ich jetzt auch mal mit Röhl verglichen. Röhl nennt Anna Pawlowna beim Namen, was ich gut finde; so muss man nicht immer wieder überlegen oder nachschlagen, wer gemeint ist.

    In der sehr stark gekürzten Version von H. Lorenz ist das noch extremer; da gibt es oft kaum Zwischenbemerkungen oder Namensbezeichnungen während den Dialogen; ziemlich oft gibt es logische Fehler, z.B. sind Personen da, die man gar nicht hat kommen sehen, oder man muss rätselraten, auf wen sich die Personalpronomen beziehen könnten, oder was in dem zuvor offensichtlich weggekürzten Abschnitt passiert sein könnte.


    In Abschnitt 4 übersetzt Röhl ausführlicher bzw. weitschweifiger:

    "Aber Pierre fuhr, ohne ihr zu antworten, in seiner Meinungsäußerung fort."

  • Mich lässt Krieg und Frieden auch noch nicht los, weshalb ich mir gelegentlich Eure Diskussionen anschaue. :wave


    Genau. Jetzt, da ich Hauff und Bergengruen verglichen habe, erkenne ich auch, wie Hauff kürzte. (Die Übersetzung von Hauff ist eine gekürzte Version, falls ich das hier noch nicht erwähnt haben sollte.) Ich bildete mir immer ein, dass ganze unwichtig erscheinende Abschnitte weggelassen wurden, wie z.B. bei Hörbüchern, aber jetzt erkenne ich, wie ein Text auch durchweg abgespeckt werden kann, sodass er kürzer wird. Nur leider muss die Wirkung des Textes dafür einbüßen.


    Genau, genau. Dieses Sache mit dem Verstand kommt bei Bergengruen gut durch. Bei Hauff für mich eher weniger. Deshalb wirken die Personen bei Hauff auf mich, als seien sie gefühlsgeleitet. Wie soll ich das nur erklären. Hm... Peter ist von Napoleon begeistert. Bei Hauff denke ich im ersten Moment, weil Peter Napoleon als König, als starke Person hochjubelt. Im zweiten Moment erkenne ich erst, dass er ihn interssant findet aufgrund seiner Taten. Bei Bergengruen gibt es für mich den ersten Moment des Hochjubelns nicht. Der Fokus ist klar auf Gedankengänge gerichtet, nicht auf Gefühlsausbrüchen. Um es ganz krass zu sagen: Hauff hat mitreißende Gefühlsausbrüche, Bergengruen mitreißende Gedanken.


    Wie schwer es sein muss, einem solchen Werk in einer Übersetzung gerecht zu werden, darüber haben wir Leser, denke ich, keine Vorstellung. Es gibt eine neuere Übersetzung, die sehr dicht am Original sein soll. Das macht sie aber nicht unbedingt schöner. Tolstoi muss sehr schwer zu lesen sein, hat mir eine Übersetzerin für Russisch erklärt. Zudem gebrauchen die Russen doppelt so viele Adjektive wie wir Deutschen. Und die Bedeutungen selbiger können je nach Ausdrucksweise sehr verschieden sein. Dies allein bietet schon viel Raum für eigene Interpretationen des Übersetzers.

  • Die Absätze 5-8 hab ich jetzt auch mal mit Röhl verglichen.

    In Absatz 5 übersetzt er etwas anders, "Napoleon ist ein großer Geist", und wieder etwas ausführlicher, "nur durch dieses Verfahren hat er die Macht erlangt".

    In Absatz 6 finde ich ihn spannender: "entgegnete der Vicomte" zeigt den Konflikt deutlicher.

    Absatz 7 ist in Bezug auf Pierre negativer: "und bekundete durch diese unnötige Hinzufügung" (...) "seinen Eifer, alles möglichst schnell herauszureden".

    Absatz 8 ist wieder spannender: "Revolution und Königsmord eine große Tat . . .! Wenn jemand so redet . . .", sowie "... wiederholte Anna Pawlowna ihre Aufforderung".

    aber jetzt erkenne ich, wie ein Text auch durchweg abgespeckt werden kann, sodass er kürzer wird. Nur leider muss die Wirkung des Textes dafür einbüßen.

    Eigentlich hatte ich es so verstanden, dass du Texte durch (kleine) Kürzungen lebendiger und knackiger, also wirkungsvoller findest. Aber wahrscheinlich hat sich das auf die Hauffsche Art der "lebendigen" Kürzung bezogen. Und längere, ungekürzte Werke wirken natürlich mit der Zeit "epischer", also in anderer Hinsicht wirkungsvoller. Z.B. dadurch, dass sie mehr und tiefere Gedankengänge enthalten. Auch ausführliche Landschafts-, Umgebungs- und Personenbeschreibungen können letztlich (zumindest auf lange Sicht) die Wirkung des Textes erhöhen, auch wenn sie für manche Leser weniger spannend sind.

  • Das mit Graf Nikolai Bolkonski war vielleicht etwas zu weit von mir spekuliert. Ich hatte irgendwo gelesen, dass Tolstoi seiner eigenen Mutter Marja Wolkonskaja in der Figur von Marja Bolkonskaja (der Tochter von Graf Nikolai) "ein liebevolles Denkmal gesetzt habe". Daraus hatte ich geschlossen, dass auch Marjas Vater Tolstois Großvater als Vorlage hat; das müsste ich mal nachrecherchieren.

    Um in Büchern nachzusehen, hatte ich noch keine Gelegenheit. Allerdings wurde ich bei Wikipedia fündig: auf russisch. :-)


    Auf der deutschen Wikipedia-Seite findet man bei 'Krieg und Frieden' unten die Literaturnachweise --> Kategorie Hauptpersonen --> letzter Punkt: (Liste der Charaktere in dem Roman «Krieg und Frieden»), russische Wikipedia.

    Ich habe angefangen, den russischen Text Stück für Stück in den Google-Übersetzter zu kopieren. Ich bin fündig geworden. Dort steht, dass Nikolai Sergejewitsch Wolkonskij, Tolstois Großvater, der Prototy für Nikolai Andreevich Bolkonsky gewesen sei und für Marja Tolstois Mutter.


    Ich habe auch entdeckt, dass Tolstio wohl sehr viele Personen als Prototypen hergenommen hatte. Laut Wikipedia sollen es allein 6 Personen für die Familie Rostow gewesen sein.


    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • Eigentlich hatte ich es so verstanden, dass du Texte durch (kleine) Kürzungen lebendiger und knackiger, also wirkungsvoller findest. Aber wahrscheinlich hat sich das auf die Hauffsche Art der "lebendigen" Kürzung bezogen. Und längere, ungekürzte Werke wirken natürlich mit der Zeit "epischer", also in anderer Hinsicht wirkungsvoller. Z.B. dadurch, dass sie mehr und tiefere Gedankengänge enthalten. Auch ausführliche Landschafts-, Umgebungs- und Personenbeschreibungen können letztlich (zumindest auf lange Sicht) die Wirkung des Textes erhöhen, auch wenn sie für manche Leser weniger spannend sind.

    Die kürzere Variante wirkt auch lebendiger. Nur wird es sicher nicht so sein, wie das russiche Original, das ich nicht kenne. Ich meinte mit der Aussage, dass die Wirkung des Textes einbüßen müsse, wenn es gekürzt würde, dass die gekürzte Version anders herüberkommt als das "Original".


    Es gibt eine neuere Übersetzung, die sehr dicht am Original sein soll.

    Meinst du die Übersetzung von Barbara Conrad?

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    Sasaornifee :eiskristall



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    "Wer seid ihr und was wollt ihr?" - Die unendliche Geschichte - Michael Ende

  • Genau die meinte ich, Sasaornifee.


    Hier ein Link zu einem interessanten Artikel über diese Übersetzung:


    Martynova: Hier hört man den Meister


    Demnach sind alle anderen Übersetzungen gekürzt, die Sätze teilweise in mehrere aufgespalten, um das Epos lesbarer/verständlicher zu machen.


    P.S. Sollte der Artikel von Zeit Online über den Link nicht zu lesen sein, einfach googeln. Dann wird er komplett dargestellt.

  • Auf der deutschen Wikipedia-Seite findet man bei 'Krieg und Frieden' unten die Literaturnachweise --> Kategorie Hauptpersonen --> letzter Punkt: (Liste der Charaktere in dem Roman «Krieg und Frieden»), russische Wikipedia.

    Ich habe angefangen, den russischen Text Stück für Stück in den Google-Übersetzter zu kopieren. Ich bin fündig geworden. Dort steht, dass Nikolai Sergejewitsch Wolkonskij, Tolstois Großvater, der Prototyp für Nikolai Andreevich Bolkonsky gewesen sei und für Marja Tolstois Mutter.


    Ich habe auch entdeckt, dass Tolstoi wohl sehr viele Personen als Prototypen hergenommen hatte. Laut Wikipedia sollen es allein 6 Personen für die Familie Rostow gewesen sein.


    Tja, Google Translator lüftet die letzten Geheimnisse der Menschheit...


    Ich hab auch noch einen Link gefunden (auf deutsch), der das bestätigt. Bin noch nicht weit damit gekommen, mir dort die verschiedenen Kapitel anzuschauen (mal sehen, was da noch weiteres über die Prototypen steht), aber ich hab unter anderem auch diese Anekdote über einen Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert gefunden:


    >>Einer der Nachkommen des Indris, Peter Andrejewitsch Tolstoi, war „Tischaufseher“ bei Hofe und einer der Haupträdelsführer im Strelitzen-Aufstand (1683). Nach dem Fall der Zarentochter Sophie trat dieser Peter Andrejewitsch Tolstoi auf die Seite Zar Peters, der sich indes lange Zeit hindurch mit größter Zurückhaltung zu ihm verhielt. Zar Peter soll ihm bisweilen beim Trinkgelage die hohe Perücke vom Kopfe heruntergerissen und ihn auf den kahlen Schädel schlagend so angeredet haben: „Köpfchen, Köpfchen, wärst du nicht so verdammt gescheit, längst schon hättest du vom Körper Abschied nehmen müssen!“<<


    http://www.lexikus.de/biblioth…e-Ahnen-vaeterlicherseits

    http://www.lexikus.de/biblioth…-Ahnen-muetterlicherseits

    Den Link zu Barbara Conrads Übersetzung finde ich interessant, aber er bedeutet leider, dass ich auch nur eine gekürzte Version habe.

  • Ich bin jetzt endlich gestartet, und werde wohl recht lange lesen, denn ich habe mir den Tolstoi erst einmal als Zweitbuch fürs Pendeln auserkoren. Mein Print ist sehr schlecht zu lesen, hätte ich wohl doch schon vor 20 Jahren, als ich es mir kaufte, lesen sollen, damals waren meine Augen noch deutlich besser.


    Also Ebook, wobei ich hier möglicherweise eine gekürzte Fassung habe.


    Beide passen auch nicht zur Einteilung hier, wobei ich das Print übertragen kann und dann halt schaue, wie das Ebook dazu passt.


    Die ersten Seiten fielen mir etwas schwer, mal sehen, ob es noch besser wird. Ich mag den historischen Zeitraum, bin also sehr interessiert. Nun, ich bin gespannt ...