selfpublisher spielen kaum noch Rolle

  • Es hat doch niemand bestritten, dass es ein paar Erfolgsträger gibt.
    Es gewinnt auch alle paar Wochen mal einer viel Geld im Lotto. Die Zahl derer, die nennenswert Erfolg haben, ist aber vergleichsweise klein verglichen mit der Anzahl derer, die es versuchen, bzw in den letzten Monaten versucht haben.


    Ich sehe das Ausdünnen für die Branche der Selfpublisher übrigens sehr positiv. Die Spreu trennt sich vom Weizen, nachdem die erste Euphorie nachgelassen hat und es finden sich auch immer mehr jene angesprochenen Gatekeepers, die den interessieren Leser zumindest davon abhalten, sich durch den größten Schund wühlen zu müssen, ehe er ein gutes Buch findet.


    PS: Redest du von 100000+ verkauften Exemplaren? Oder zählen die umsonst herausgegeben dazu?

  • Hallo, Helmut.


    Zitat

    Dafür, dass der normale Buchkäufer sie nahezu überhaupt nicht wahrnimmt, sind die 100000+ verkauften Exemplare von Nika Lubitschs "Der 7. Tag" doch schon ganz ordentlich.


    Schön, dass Du noch ein Beispiel dafür lieferst, wie die meisten Selbstveröffentlicher denken. So denken Lottospieler übrigens auch.


    Natürlich gibt es Erfolge. Einfach, weil auch gute Autoren diesen Weg gehen, selbstbewusste Schriftsteller, die tatsächlich ordentlich schreiben können und tolle Geschichten auf Lager haben - und das in Eigenverantwortung beherrschen, weshalb sie darauf verzichten können, anderthalb Jahre darauf zu warten, bis ein Verlag aus dem Manuskript ein Buch gemacht hat. (BTW, die meisten, die dann Erfolg haben, nehmen überraschenderweise sofort das Verlagsangebot an, wenn es auf dem Tisch liegt.) Aber diese Erfolgsgeschichten stehen einer haarigen Masse von Erfolglosengeschichten gegenüber. Die um ein Vielfaches größer ist als die Menge der erfolglosen Verlagsautoren. Und Nika Lubitsch ist das Pseudonym einer erfahrenen Sachbuchautorin.


    Du hast im Dezember 2012 ganze 10 Exemplare von "die elefanten meines bruders" (Kindle-Version) bei Amazon verkauft - und 2 bisher im Januar. Damit befindest Du Dich in guter Gesellschaft, mit einem Rang um die 30.000 sogar in etwas besserer. Du schreibst seit Jahren, wenn ich das richtig sehe, und vermutlich nicht einmal schlecht. Trotzdem würden die Verkäufe Deiner selbstpublizierten Titel nicht einmal reichen, um Deinen Klopapierverbrauch zu finanzieren.


    Es waren die Blogger, die plötzlich hofiert wurden; Verlage druckten ihre Kommentarsammlungen, und auf einmal bloggte jeder, der eine Maus bedienen konnte. Ergebnis: Blogs interessieren, auf die Menge bezogen, fast überhaupt niemanden mehr. BoD - dasselbe. eBook-Selbstveröffentlichung: Das Strohfeuer köchelt noch, aber ein Ende ist abzusehen, weil sich Millionen an der schmalen Flamme wärmen wollen. Leute, die Mist schreiben.


    Ist nun einmal so. :schnarch

  • Anmerkung: Diese Diskussion wird hunderten Foren geführt; eigentlich genügt es, sich dort die seltsamen (letztlich aber immer gleichen) Argumentationsstränge anzuschauen. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Verweisen auf die wenigen wirklich Erfolgreichen.


    Selbstpublikation - anfangs per BoD, jetzt zusätzlich auch noch über die eBook-Programme - versammelt in der Hauptsache (nicht ausschließlich) all jene, die, zuweilen jahrelang, versucht haben, ihre Texte Agenturen und Verlagen anzubieten. Dabei sind sicher auch ein paar Perlen durchs Rost gefallen, das übrigens nicht nur ein qualitatives ist, sondern auch eines, das die Kapazität des Marktes im Blick hat. Aber die meisten, die diese Hürde nie überwunden haben, sind aus guten Gründen gescheitert. Selbstpublikation ändert hieran überhaupt nichts.

  • Zitat

    Original von Tom
    ... Aber Nachfrage kann man nicht herbeireden, auch wenn man noch so viel in den Communities herumfeiert. Leute wollen gute Geschichten lesen, die gut erzählt sind. Nicht irgendwelche. Und sie kaufen nicht aus Mitleid - oder weil irgendeine Technik neu ist. Die Technik ist nur ein Seitenaspekt.


    Damit hast du die Angelegenheit für mich sehr gut auf den Punkt gebracht. Leser suchen eine Geschichte, die zu ihnen passt oder ihnen heute gerade gefällt. Das Herumfeiern lässt den Leser, der die Texte kaufen soll, völlig außer acht. Oder auch die immer öfter gehörte direkte Vorwurfshaltung: Mein Buch muss einfach toll sein, weil ich mich so dafür angestrengt habe.


    Den Niedergang der KDP-Szene hat amazon natürlich dadurch vorangetrieben, dass sie selbst stärker über den Preis anbieten. Wenn ich ein Verlagsbuch für 0,99€ bekommen kann, werden unlektorierte Texte im Vergleich dazu uninteressant, weil eben die äußere Form doch eine Rolle spielt. Ich denke immer gern an Doris Beispiel mit der farbverschmierten Scheibe, durch die ich bei unkorrigierten Texten als Leser blicken muss. :-)

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Mein Buch muss einfach toll sein, weil ich mich so dafür angestrengt habe.


    Die alte Geschichte. Je mehr man sich angestrengt, desto größer die Erwartungshaltung.


    Das ist fast wie bei der Partnersuche: Die, die am längsten auf den/die "Richtige/n" warten, stellen an diese/n immer höhere Ansprüche - schließlich haben sie ja so lange gewartet.


    Diese Einstellung liegt vielleicht an dem (deutchen?) (Irr-) Glauben, dass man sich alles verdienen kann. Nach dem Motto "Arbeit muss sich auszahlen".


    Die Menschen sind schon lustig: Weil einer unter Millionen etwas im Lotto gewinnt/einen Bestseller landet/ein Filmstar wird, glauben sie, das auch erreichen zu können. Wird dagegen einer unter 100.000 vom Blitz getroffen, gehen sie ganz selbstverständlich davon aus, dass ihnen das nicht passiert. Die Wahrscheinlichkeit ist ja so gering.

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    (Danny Kaye) :flowers

  • Man sollte, obwohl ich das auch angedeutet habe, die Rolle von Amazon bei dieser ganzen Geschichte nicht vergessen. Amazon hat vitales Interesse daran, die eigenen eBook-Reader zu verkaufen, die im Gegensatz zu den meisten anderen Geräten erstens billiger (aber keineswegs schlechter) und zweitens auf Gedeih und Verderb mit Amazon verknüpft sind. Diese Rechnung geht bislang auf: Der Marktanteil von Amazon im eBook-Bereich liegt bei weit über 60 Prozent, aber im Druckbereich sind es um die 17 Prozent. Mehr als zwei Drittel aller Elektrobücher werden in Deutschland von Amazon verkauft; die "Kindles" sind unangefochten Marktführer bei den Lesegeräten. Konkurrenzprodukte sieht man nur selten.


    Das KDP hat hier nicht nur ein neues Anbieter-, sondern vor allem auch ein neues Käuferpotential eröffnet. Autoren, die ihre eigenen eBooks kaufen - und die Reader gleich mit. Amazon steht keineswegs für die neue Freiheit im Selbstverlagswesen, sondern in der Hauptsache für ein vitales Eigeninteresse. Diese Strategie ist sehr klug und außerdem erfolgreich. Keine Technik der Welt hindert mich daran, meinen eigenen 99-Cent-Titel 50 Mal in den Einkaufswagen zu legen, in der Hoffnung, er würde dann auf einem dreistelligen Rang landen. Ich würde darauf wetten, dass nicht wenige Selbstverleger mehr Geld in ihre eigenen Bücher investiert haben als sie damit verdienen.

  • Du scheinst dich ja gut auszukennen, Tom. Eine Sache vielleicht als kleine Ergänzung: wenn ein und derselbe User bei amazon ein Ebook zweimal hintereinander kaufen will, bekommt er eine Meldung, dass er das Ebook bereits am soundsovielten gekauft hat. Es wird dann kein zweites Mal "gekauft", sondern es kommt der Hinweis auf die Cloud.
    Ob sich dann alle User immer die Mühe machen, über andere Accounts oder gar IP's das Buch trotzdem zu bestellen, wage ich zu bezweifeln. Aber wie gesagt, offenbar kennst du dich ja gut aus.


    viele Grüße, Dorit

  • Ich verstehe, ehrlich gesagt, weder das Problem noch was an der Liste interessant sein soll. Bestelle ich ein Buch nur darum, weil es auf irgendeiner Liste auf Platz eins steht? - Sicher nicht.
    Ich für mich persönlich erklär ich mir den Rückgang der Selfpulisher mit den günstigen Preisen eher so, dass viele e-book-Neulinge ganz begeistert sind: ein Buch für nur 99 Cent! Kauf ich! Egal, ob das gut ist oder nicht. Die Kindle-Gratis-Tage über Weihnachten. Ich bin Neuling auf dem Gebiet und selbst ich musste mich zurückhalten, nicht einfach jeden Scheiß für umsonst zu kaufen, obwohl ich eigentlich ziemlich genau weiß, welche Literatur mich interessiert und welche nicht.
    Welches Buch auf Rang 1 oder 500 oder 5000000 steht, ist mir egal, ich kauf die Bücher, die mich interessieren. und wenn Selfpublisher nun zurückgehen, dann finde ich das eher positiv. Denn ich unterstelle einfach, dass viele Kindlenutzer - ich schließe mich da nicht aus - anfangs einfach begeistert sind von der Fülle an Büchern, die es umsonst gibt oder für nur 99 Cent. Ich unterstelle, wenn das zurückgeht, dann liegt es eher daran, dass jeder irgendwann entdeckt: Moment, ich wollte doch lesen mit dem Kindle! Und zwar die Bücher, die mich vorher auch interessiert haben! Und nicht jeden Mist, nur weil er umsonst oder günstig ist.
    Und wer danach Bücher kauft und liest, nur weil ein Buch in Verkaufscharts auf Platz 1 ist, dem ist eh nicht zu helfen.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Frettchen,
    auf dieser Bühne "Umsatz der Selfpublisher" werden zwei Theaterstücke gespielt. Das eine: Wenn ein KDP-Buch so oft verkauft wird, muss es gut sein, also ist den Verlagen da evtl. ein erfolgreicher Autor durch die Lappen gegangen.


    Das andere: Kaufen Kunden ein Buch, weil es auf einer Bestsellerliste steht oder ist ihnen das egal? Bei Printbüchern war es ihnen nicht egal; denn da hat die Bestsellerliste Einfluss auf den Umsatz oder die Bekanntheit eines Autors.


    Die Umsatz-Topliste der Selfpublisher hat allerdings einen Haken. Ein Buch konnte anfangs durch die Gratisaktionen im Ranking steigen und durch den prominenten Platz wurde es natürlich auch noch besser wahrgenommen, wenn das Buch längst wieder verkauft wurde. Ich vermute - amazon hält sich in diesen Fragen wohlweislich bedeckt - dass es auf der Liste inzwischen weniger einfach ist, durch Gratisaktionen auf prominente Plätze zu kommen. Verschwörungstheoretiker würden annehmen, dass amazon lieber eigene 0,99€-Bücher verkaufen will als den KDP-Autoren diese Marge zu überlassen.

  • Buchdoktor, du verstehst mich nicht so recht. Ein Autor, der für 99 cent seine Bücher an willige Erstkindlenutzer vertickt, die jeden Scheiß für 99 Cent kaufen. Das ist kein guter Autor. Und auch keiner, den die Käufer gut finden. Die kaufen nur, weil es so billig ist. Das war meine Meinung.
    Und ich glaube nicht, dass Verlage sich nun denken: oh je, hätt ich das Buch nur mal veröffentlicht! Die denken sich eher: schlimm, dass die Menschen für 99 Cent alles kaufen!
    Ich jedenfalls werde auch bei ebooks weiterhin das kaufen und lesen, was ich immer kaufte und las, und selbstveröffentlichtes Zeug von Leuten, die offenbar nicht schreiben können, wird nicht zu meinen Einkäufen gehören, nur weil es sehr günstig ist.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Ich staune ja, dass "billig" überhaupt so zieht.


    Billige Bücher mit billigen Covern (die selbstverlegten erkennt man immer, und wenn sich derjenige noch so viel Mühe gibt und ein gewisses grafisches Talent aufweist) verkünden: billiger Inhalt.


    Gut, für 99 Cent tut es nicht weh, ins Klo zu greifen, aber die Zeit, es zu lesen, bleibt doch gleich teuer.


    Und dauernd etwas abzubrechen und zu löschen - macht Lesen da noch Spaß?

  • Du meinst, wenn ein Autor sein vergriffenes Buch später selbst nochmal verwertet? Die meinte ich nicht (von denen weiß man ja, was man erwarten kann.)


    Es macht einfach den Eindruck, dass, wenn an der Verpackung gespart wurde, es auch am Inhalt hapert. Sicher wird diese Rechnung auch bei original Selbstverlegtem nicht immer stimmen.

  • Das "Problem", das ich mit der Liste habe, ist ganz ein anderes:


    "Zum Jahresanfang listet Amazon wieder die meistverkauften Kindle-E-Books des Vorjahres auf."
    Und:
    "Titel aus renommierten Verlagen scheinen fortan automatisch höher in den Top-Listen platziert zu sein."


    Was jetzt? Geht es hier um die meistverkauften Kindle-E-Books oder um ein Ranking, das Amazon aufgrund nicht öffentlicher Berechnungen erstellt? Der Autor dieses Artikels widerspricht sich hier doch selbst. :-(


    Ich habe zu wenig Einblick in Amazon, um zu wissen, ob wirklich eine Liste der "meistverkaufen" Kindle-E-Book existiert. Wenn ja, erwarte ich eine ehrliche Liste aufgrund der tatsächlichen verkauften E-Books, egal ob selbstverlegt oder verlagsverlegt oder was auch immer. Nur Verkaufszahlen! Keine undurchsichtigen Rechenspielchen


    Natürlich könnte diese Liste auch anhand des Umsatzes berechnet werden. Dann muss das aber auch so genannt werden.


    Oder es kann ein amazoninternes Ranking sein. Völlig okay, wenn es dann auch entsprechend gekennzeichnet wird.


    Aber wenn "meistverkauft" draufsteht, muss auch meistverkauft drin sein. Alles andere ist für mich Verarsche.


    Wie heißt es so schön: Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast! Und so vertraue ich der Eulen-Studie, die momentan einen gelesenen E-Book-Anteil (egal ob selbstpubliziert oder nicht) von ca. 10 % ausweist, weitaus mehr als irgendwelche Jubelmeldungen von Amazon und Konsorten, die mir weißmachen wollen, dass E-Books die gedruckten Bücher schon längst überholt haben. Glaube ich einfach nicht mehr!

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020


  • Und das merken die Kunden eben langsam.
    Zu Anfang funktionierte das. Weil den meisten Lesern überhaupt nicht klar ist, wie groß der Graben zwischen einem selbstverlegten und einem Verlagsbuch sein kann.
    "Och, komm, für 99cent stören mich ein paar Tippfehler nicht."


    Manche begreifen nicht einmal, dass da ein Unterschied ist!


    Und gerade da ziehen die Ranglisten extrem. Dass ein Buch offenbar gefragt ist, macht neugierig.


    Aber früher oder später merken die Leute eben, dass in den meisten Fällen ein Haken an "Es lebe billig" dran ist. Die Skepsis steigt und das Interesse sinkt.
    Das ist schade für die, die wirklich gute Bücher machen (und die gibt es!) aber in meinen Augen auch eine Chance: Qualität setzt sich durch. Wenn auch vielleicht nicht immer sofort und beim ersten Buch und vermutlich auch nicht immer derart lohnend, wie im Fall Nika Lubitsch.


  • :write


    Es gibt einen Unterschied zwischen "billig" und "preiswert".

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Dass Qualität sich immer durchsetzt, wage ich zu bezweifeln.


    Die Leute kaufen auch bei Takko oder Kik ein und sehen DSDS, "Die Geissens" & Co. :grin



    Außerdem habe ich den Eindruck, dass viele Leser einen guten Stil nicht von einem mittelmäßigen oder sogar schlechten unterscheiden können, sondern ein Buch vor allem dann für schlecht halten, wenn ihnen die Story nicht gefällt - mag der Text noch so vor Wortwiederholungen, ungelenken Sätzen oder Recherchefehlern strotzen.
    Das ist natürlich eine gewisse Chance für Texte Marke Eigenbau.

    :flowersIf you don't succeed at first - try, try again.



    “I wasn't born a fool. It took work to get this way.”
    (Danny Kaye) :flowers

  • Interessante Diskussion, die, wie Tom schrieb, in vielen Foren ähnlich geführt wird, natürlich dort weniger fachkundig als hier. :wave


    Ich tendiere zur Toms Position, die sehr vielschichtig ist und m.E. die Situation sehr gut darstellt. 2 Punkte füge ich hinzu:


    1. Es ist ein Mär zu glauben, viele Verlagsprodukte wären gut designed und professionell lektoriert. Man sollte sich die ganzen Unterhaltungsverlage rund um Goldmann, Bastei & Co. mal ganz genau anschauen. In den meisten Schinken wimmelt es nur so von Rechtschreibfehlern und das Grauen scheint von Jahr zu Jahr zuzunehmen. Ich habe schon selbstvermarktete Bücher gelesen, die viel besser lektoriert waren als so genannte Profi-Artikel (natürlich ist das mein Eindruck, der keinesfalls repräsentativ sein muss).


    2. Es scheint sich wohl doch ein "Selfpublisher-Nischenmarkt" zu etablieren, der die Hauptströmung in Zukunft beeinflussen und verändern wird. Wie - das bleibt (noch) offen. Die Agenturen und Verlage sind verunsichert und haben sich noch nicht darauf eingestellt. Sie müssen sich verändern und Antworten finden auf Veränderungen im Leseverhalten und im Unterhaltungskonsum. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Multimedia ebooks mit Filmsequenzen, Trailer, Making-of etc.) entwickeln werden.

  • Zitat

    Es gibt einen Unterschied zwischen "billig" und "preiswert".


    Erstens das.
    Und zweitens geht es um Substanz.


    Es gibt immer Wege, um von etwas Neuem viel zu verkaufen, und manch ein origineller Weg generiert beachtliche Käuferzahlen. "Virales Marketing", was viele immer noch als Allheilmittel-Schlagwort im Mund führen, erzeugte YouTube-Stars (inzwischen benötigt man Klickzahlen im Milliardenbereich, um Aufmerksamkeit zu erregen); nicht wenige Amazon-Selbstveröffentlicher haben alle denkbaren Hebel umgelegt, um die dortigen Systeme so für sich zu nutzen, dass möglichst viele auf ihre Texte aufmerksam werden. Vor drei Jahren hat eine Autorengruppe das "Lieblingslisten"-System so missbraucht, dass ihre fade Sex-Anthologie plötzlich bei jedem Bestseller präsentiert wurde, so dass diese Anthologie auf einmal selbst zum Bestseller wurde - sehr zum Ärger der Kunden, die meinten, ein beliebtes Buch zu kaufen, und dann totalen Schrott auspackten, als das Paket eintraf. Amazon hat das System daraufhin geändert; der Titel wurde sogar aus dem Sortiment genommen. Solche und ähnliche Praktiken wenden jetzt auch viele Selbstpublizierer an, gefördert von Amazon selbst - die Kostenlos-Aktionen für eBooks sind ja nicht nur ein Marketinginstrument für Verlage, sondern auch für Selbstverleger.


    Natürlich ist es wichtig, dass Kunden auf Bücher aufmerksam (gemacht) werden, sonst greifen sie einfach nicht danach. Während früher einzig die Presse Bücher verkaufte (heute ist es bevorzugt das Fernsehen - Presse generiert kaum noch Nachfrageschübe), sind es inzwischen die Multiplikatoren im Internet - auch bei Amazon als Marktführer -, die dafür sorgen, dass sich ein Buch herumspricht. Wenn man ohnehin auf der Suche nach Lektüre ist und einen Titel angeboten bekommt, den scheinbar viele mögen, spart man sich die mühevolle Suche. Dieser Gedankengang ist tatsächlich - aus Verkäufersicht - richtig, aber es kommt eben trotzdem und vor allem darauf an, was dann gekauft wird. Und hierbei geht es eben um Substanz. Vor allem, wenn man etwas langfristiger denkt als nur bis zur nächsten Neuberechnung des Verkaufsrangs.


    Und an dieser Stelle unterscheidet sich der "unabhängige" Buchmarkt eben vom professionellen. Dem geht es auch um Verkäufe, aber kein Verlag kann es sich leisten, nur kurzfristig zu denken. Die Bücher, die verkauft werden, sollen die Leser auch zufriedenstellen, also qualitativ wie bezogen auf die vorherige Werbeaussage etwas Wertiges liefern. Das tun die allermeisten selbstveröffentlichten Texte eben nicht. (Ja, auch die Verlage verkaufen Schrott - aber wenigstens gut gemachten - und auch hierfür gibt es Zielgruppen.)


    Will sagen: Verkaufen ist ein Aspekt. Das Produkt muss aber auch etwas taugen, sonst knistert lediglich ein kurzlebiges Strohfeuer. Genau auf das setzen aber die meisten Selbstverleger - weil sie eben in den überwiegenden Fällen kein werthaltiges Produkt anzubieten haben.


    Karaoke eben. Laientheater. Mit dem Hauptfokus darauf, aus dem Text, der letztlich zur Nebensache wird, über die Anwendung der vermeintlichen Marketinginstrumente wenigstens kurzfristig etwas zu machen, das sich wie Erfolg anfühlt, aber keiner ist.