'Die Tote im Nebel' - Prolog - Kapitel III

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    Original von Torshavn
    [Wieso kommt Sophie bei den Sympathie- Werten so viel besser weg als Julius?
    In meinen Augen sind sich die beiden sehr ähnlich. Beide setzen ihre Denkweise gegen die herrschende Meinung von Familie, Freunde und Gesellschaft absolut durch. Den einzigen wirklichen Unterschied sehe ich darin, das Julius seine Meinung, seine Sicht mit Wissen füllen kann, während Sophie (da sie ja auch noch relativ jung ist) eher aus dem Bauch heraus argumentiert.


    Das ist eine interessante Frage und ich habe mich Mal selber unter die Lupe genommen. ;-)


    Sophie war mir mit ihrer offenen, lebensfrohen und intelligenten Art in der Tat auf Anhieb sympathisch. Julius hingegen lässt mich als Leser - genauso wie seine Mitfiguren im Buch auch - nicht wirklich an sich ran. Er wirkt auf mich in gewisser Weise unnahbar, was ich immer mehr als seine eigene Art von Selbstschutz zu verstehen glaube. Es ist also meinerseits keine Abneigung gegen ihn, sondern ich kann ihn noch nicht so richtig einschätzen. Auf jeden Fall ist er mir nicht unsympathisch und vor allem die Szene am Abendbrotstisch mit seiner Familie hat ihn mir dann am Schluss dieses Abschnittes doch noch ein bisschen näher gebracht. :-)

  • Zitat

    Original von Torshavn
    Eine meiner bisherigen Lieblingsszenen im Buch ist z.B. auch das Treffen zwischen Sophie und Wilhelm am 'maurisch anmutenden Gartenhaus' (S.118 ff).
    Eine Szene voller Naturromantik, zarter Liebesannäherung zwischen den beiden und Gedankenarbeit an der Lösung des Mordfalles. Eine großartige Stelle im Buch.


    Das kann ich absolut :write . Sprach ich in meinem ersten Posting (nachdem ich etwa erst die Hälfte des Abschnittes gelesen hatte) noch von Sophies Schwärmerei, hat mir diese Szene gezeigt, dass doch wohl mehr Gefühle im Spiel sind. Und auch hier bestätigt sich Sophies etwas ungestümer Charakter, indem sie auf einen Kuss hofft. Meine romantische Seite hat natürlich auch darauf gehofft - aber da hat uns Wilhelm einen Strich durch die Rechnung gemacht und da müssen Sophie und ich wohl noch Geduld aufbringen. ;-)

  • So, inzwischen konnte ich auch das dritte Kapitel lesen und bin wirklich gespannt, wo diese Geschichte hinführen wird.


    Sophie und ihre Schwärmerei für Wilhelm kann ich noch nicht so ganz ernst nehmen. Ich habe den Eindruck, er erwidert ihre Gefühle auch nicht in der gleichen Intensität, sondern findet sie nur nett und sympathisch, aber nicht mehr.


    Was Helene angeht... nur ertrunken wird sie sicher nicht sein.
    Der arme Hans, er hat sie so angebetet und konnte ihr doch nicht näherkommen als dass er die Blumen für sie ausgelegt hat. Ob er wohl mehr gesehen hat? Ich hoffe, er ist nicht der Täter!
    Helenes Stiefmutter wäre natürlich eine naheliegende Verdächtige, aber sie müsste einen Helfer gehabt haben. Andererseits, warum sollte sie die Tochter ihres Mannes umbringen lassen? Die beiden kamen nicht gut miteinander aus, aber das führt ja nicht gleich zu einem Mord.

  • Den heutigen Feiertag habe ich genutzt um endlich richtig in die Leserunde einzusteigen. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zum Lesen gekommen. Ich hoffe die nächsten Tage werden weniger stressig. :rolleyes
    Der Prolog führt schnell und überzeugend in die Geschichte, daher bin ich eigentlich froh das ich den ersten Leseabschnitt heute in einem Rutsch lesen konnte.
    Der Stil gefällt mir sehr gut, da fällt es leichter über die kleinen Rechtschreibfehler im Text hinwegzusehen, über die ich mich sonst auch immer ärgere.
    Historische Romane lese ich nicht so oft und bin daher weniger bewandert, aber durch die bekannten Nebenfiguren, die Sprache und das Verhalten der Protagonisten habe ich ein gutes Gefühl dafür in der passenden Zeit angekommen zu sein.
    Sehr schön wie die kleinen Anspielungen auf verschiedene Märchen immer wieder einfliessen.
    Sophie und Julius sind mir beide sehr sympathisch, gerade wegen ihrer gegensätzlichen Art ein schönes Ermittlerteam. Mit den Grimms bin ich noch nicht so warm geworden, mal sehen ob das noch kommt.
    Nachdem ich alle Einträge hier gelesen habe sind eigentlich alle meiner Fragen beantwortet, Heike war ja schon sehr fleissig. Vielen Dank dafür! :-]

    "Bücher haben eine Seele. Keiner muss die Seele eines Buches suchen. Die Seele des Buches findet den Leser. Das tut sie immer!" - Die wundersame Geschichte der Faye Archer

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    Original von Gronik
    Von Julius, dem weitgereisten und studierten jungen Mann, erwarte ich hingegen ein bisschen mehr Vernunft und Bedacht in seinem Tun.


    Aber wieso? Er kommt aus einer weltoffeneren Stadt, in eine klein(geistige) Stadt, die auch noch die zum Teil ungeliebte Heimat ist.
    Er hat gelernt seinen Verstand zu benutzen, und nach der 'objektiven' Wahrheit zu streben. Dann trifft er auf Ignoranz, Standesdünkel, Stadträson, Machterhalt u.a..
    Ich kann mir gut vorstellen, das er sich erst mal wie im Knast vorkommt. Dann macht er sich ja auch noch den Vorwurf, selbst zurück gegangen zu sein, der Mutter zu liebe.
    Das sind, meiner Meinung nach, keine gute Vorraussetzungen um ruhig, gewand und offen den Menschen dort (wieder)zubegegnen.



    Zitat

    Julius hingegen lässt mich als Leser - genauso wie seine Mitfiguren im Buch auch - nicht wirklich an sich ran. Er wirkt auf mich in gewisser Weise unnahbar, was ich immer mehr als seine eigene Art von Selbstschutz zu verstehen glaube.


    Ja das ist ein interessanter, für mich nachvollziehbarer Grund für sein offen provozierendes Verhalten, Ayasha.
    Aber ich glaube er macht es nicht bewußt. Es kommt mir auch ein bißchen wie ein Automatismus vor.
    Doch unsympathisch macht ihn sein Verhalten meiner Meinung nach nicht, wie Du ja auch sagst. Für mich ist eher der Reiz bzw. der Wunsch da, Julius näher kennen zu lernen.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

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  • Zitat

    Original von Ayasha
    Sprach ich in meinem ersten Posting (nachdem ich etwa erst die Hälfte des Abschnittes gelesen hatte) noch von Sophies Schwärmerei, hat mir diese Szene gezeigt, dass doch wohl mehr Gefühle im Spiel sind. Und auch hier bestätigt sich Sophies etwas ungestümer Charakter, indem sie auf einen Kuss hofft. Meine romantische Seite hat natürlich auch darauf gehofft - aber da hat uns Wilhelm einen Strich durch die Rechnung gemacht und da müssen Sophie und ich wohl noch Geduld aufbringen. ;-)


    Ich denke auch, das von Sophies Seite mehr Gefühle im Spiel sind als simple Schwärmerei, das zeigt die Szene ja ganz deutlich.
    Für Wilhelm, glaube ich, ist diese Situation eher ungewohnt. Er ist sich seiner Gefühle ja auch nicht so sicher. Er erwähnt es Paul gegenüber auch mal. Außerdem scheint er mir mehr der typische Gelehrte zu sein bzw. auf dem Weg dahin zu sein. Geselligkeit ist ihm zwar sehr wichtig (wenn auch meist in Männerrunden) als Ausgleich zur akademischen Tätigkeit. Aber irgendwie scheint ein intimeres Verhältnis zu einer Frau nicht so in seine Vorstellungswelt zu passen. Vielleicht lebt er aber auch schon zu lange mit seinem Bruder zusammen. (Vielleicht habe ich aber einfach auch zu viel Grimm- Biographien in letzter Zeit gelesen, die mir jetzt ein bißchen im Weg stehen.)

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Zitat

    Original von Ayasha
    Wie auch anderen Eulen möchte ich mir aber nicht vorstellen, dass Hans der Mörder ist. Ich könnte mir eher vorstellen, dass er noch zur Schlüsselfigur wird. Er beobachtet die Menschen im Geheimen und hat bestimmt so einiges gesehen. :gruebel


    Das hab ich mir zu dem zeitpunkt auch gedacht.


    Zitat

    Original von Ayasha
    Heike :
    Vielen, herzlichen Dank für die vielen, tollen Zusatzinfos, die du uns hier gibst! Das macht die Leserunde zu etwas ganz Besonderem! :knuddel1


    :write Hier schließ ich mich an! Super, die vielen Links und Erklärungen! Und vielen Dank auch für das Interview, was wirklich sehr interessant ist!

    "Leben, lesen - lesen, leben - was ist der Unterschied? (...) Eigentlich doch nur ein kleiner Buchstabe, oder?"


    Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

  • Zitat

    Original von Ayasha


    Das kann ich absolut :write . Sprach ich in meinem ersten Posting (nachdem ich etwa erst die Hälfte des Abschnittes gelesen hatte) noch von Sophies Schwärmerei, hat mir diese Szene gezeigt, dass doch wohl mehr Gefühle im Spiel sind. Und auch hier bestätigt sich Sophies etwas ungestümer Charakter, indem sie auf einen Kuss hofft. Meine romantische Seite hat natürlich auch darauf gehofft - aber da hat uns Wilhelm einen Strich durch die Rechnung gemacht und da müssen Sophie und ich wohl noch Geduld aufbringen. ;-)


    Ja, diese Szene war großartig und sehr gut beschrieben! :)
    Wilhelm weiß ja selber noch nicht, was er eigentlich will. Ich finds daher gut, dass er nicht einfach so "jede" küsst ;)
    Das kommt sicher noch. Immerhin sehen sich die beiden ja recht häufig.



    Zitat

    Original von Torshavn
    [Wieso kommt Sophie bei den Sympathie- Werten so viel besser weg als Julius?
    In meinen Augen sind sich die beiden sehr ähnlich. Beide setzen ihre Denkweise gegen die herrschende Meinung von Familie, Freunde und Gesellschaft absolut durch. Den einzigen wirklichen Unterschied sehe ich darin, das Julius seine Meinung, seine Sicht mit Wissen füllen kann, während Sophie (da sie ja auch noch relativ jung ist) eher aus dem Bauch heraus argumentiert.


    Ich muss sagen, dass ich denke, dass er Grund auch ist, dass Julius nicht allzu nett zu Sophie ist. Das senkt seine Sympathiepunkte doch! Immerhin ist Sophie diejenige, über die wir am meisten wissen und die wir sehr nett finden und wenn er dann kommt und so tut, als ob sie nur ein kleines dummes Mädchen wäre.. Naja, dann mag ich ihn in dem Moment nicht. Ansonsten finde ihn seine Entschlossenheit großartig und ich wünschte, er würde schnell Beweise finden um sie diesen dummen Professoren unter die Nase zu reiben! Ich kann solche Leute nicht leiden und die gibts in der Ärzteschaft ja heutzutage noch immer. Bäh!


    Irgendwie glaube ich auch an Katharina. Vll hat sie ja den vergifteten Apfel von der Hexe und ihn "Schneewittchen" untergejubelt? Immerhin würde das zu dem Märchen passen!
    Und Helena war doch sehr schön und hat ihrem Vater alles bedeutet? Das passt auch sehr gut! :) Und er ist auch ein wichtiger Mann. Ok, kein König, aber wichtig.


    Zitat

    Original von Ayasha
    Wie auch anderen Eulen möchte ich mir aber nicht vorstellen, dass Hans der Mörder ist. Ich könnte mir eher vorstellen, dass er noch zur Schlüsselfigur wird. Er beobachtet die Menschen im Geheimen und hat bestimmt so einiges gesehen. :gruebel


    Ja, daran kann ich auch nicht glauben. Er war so besorgt. Irgendwie glaub ich auch nicht dran, dass er ein Psychopath ist.


    Zitat

    Original von Heike


    Sophie ist etwa 15 bis 16 (ich habe mich nicht genau festgelegt, da es für das Buch nicht relevant war) und Lisbeth ein paar Jahre älter, 18 bis 20. Wilhelm Grimm ist zum Zeitpunkt des Romans übrigens 17, sein Bruder Jakob 18.


    Ah, danke für die Angaben! :)
    Und auch vielen Dank für die tollen Zusatzinfos. Dass das Cover ein Bild von Caspar David Friedrich ist passt ja hervorragend zu dieser romantischen Epoche! :)
    Und danke auch für die Infos zu den Vorbildern. Das macht alles noch viel authentischer, klasse! :)


    Zitat

    Original von Zwergin
    Die Grimm-Brüder habe ich mir deutlich älter vorgestellt, eher so Mitte 20.


    Haha kein Wunder. Früher wurde man ja viel eher erwachsen und daher haben sich vermutlich schon so junge Studenten sehr reif verhalten. Gar nicht zu vergleichen mit vielen Studenten heutzutage, leider... Alle unter 18 sind oft extrem unreif.


    Zitat

    Original von Deichgräfin


    Im Prolog glaube ich das Helene Angst vor einem Mann hatte.


    Hm, stimmt... :gruebel
    Vielleicht waren dann 2 Leute hinter ihr her: Katharina und noch jmd? Ahhh oder: wenn man nach dem Märchen geht: jmd, den Katharina angeheuert hat und der die Sache zuende bringt. Nur, dass es ihm hier leider gelingt im Gegensatz zu bei Schneewittchen, die ja den Jäger dazu bringt sie laufen zu lassen...



    Ja, so ein Stadtplan wäre toll gewesen. Ich finde das immer sehr faszinierend so alte Städte!


    Stimmt. Die Oma hat irgendwie oft Recht. Interessant!


    Aber ich les dann mal weiter ;)

  • Hallo zusammen!


    Ich hab das Buch zwar schon bei Erscheinen gelesen, aber neugierig wie ich bin, schaue ich bei der LR doch mal vorbei. :-)


    Die Frage, warum die meisten Sophie soviel sympathischer finden als Julius, bewegt mich nun dazu, auch hier etwas zu schreiben.
    Ich muss gestehen, dass ich Julius sehr mochte, mehr als Sophie. Er hat für mich mehr Tiefgang, mehr Ecken und Kanten, was ich sehr faszinierend finde, trotz seines nicht gerade einfachen Charakters oder vielleicht auch gerade deshalb.


    Heike


    Cool, du hast das Interview verlinkt! :-] Freut mich, dass es hier auch welche informativ fanden. Dafür verzeihe ich dir auch, dass du meinen Namen etwas verhunzt hast. *räusper* ;-)

  • Kein Problem, ich bin es gewöhnt, meinen Namen in den verschiedensten Aussprachen und Schreibweisen zu hören bzw. zu sehen. Viele Leute sind da echt kreativ. :lache


    Na, nachdem ich gesagt habe, ich schau mal vorbei, musste ich den Worten ja wohl Taten folgen lassen. :knuddel1


    Lieben Gruß
    Larna