Tage wie Salz und Zucker - Shari Shattuck

  • Kurzbeschreibung:
    Ellen Homes liebt es, ihre Mitmenschen zu beobachten – sie selbst aber möchte nicht gesehen werden. Sie versteckt sich hinter zu vielen Kilos und ihr Gesicht hinter langen Haaren. Nachts putzt sie in einem Riesensupermarkt.
    Eines Tages trifft Ellen im Bus eine junge Frau: Temerity ist blind, sprüht vor Lebensfreude, hat keinerlei Berührungsängste. Sie ist der erste Mensch seit langem, der Ellen «sieht». Die folgt ihr fasziniert und rettet sie prompt vor zwei Handtaschendieben. Fortan ist nichts mehr, wie es war. Temerity lockt Ellen gnadenlos aus der Reserve. Zusammen fangen die beiden ungleichen Freundinnen an, sich einzumischen – immer da, wo jemand sich nicht wehren kann oder wo Unrecht geschieht. Sehr schnell wirbeln sie jede Menge Staub auf ...



    Meine Meinung:
    Vom Sehen und Gesehenwerden - ein unglaublich schönes Buch...


    Ellen ist unsichtbar, zumindest tut sie alles dafür, dass niemand sie wirklich wahrnimmt. Ihr entstelltes Gesicht hat dafür gesorgt, dass sie sich ganz in ihren eigenen Schutzpanzer zurückgezogen hat und einfach nur versucht, jeden Tag zu überstehen, ohne dass sie Kontakt mit Menschen haben muss. Nachts putzt sie in einem Supermarkt und den Rest des Tages schläft sie oder futtert große Mengen, um die Leere in ihrem Inneren zu füllen.
    Temerity ist blind, aber voller Lebensmut und -freude. Sie lebt mit ihrem Bruder zusammen, fühlt sich aber dennoch manchmal einsam, da sie eigentlich keine Freunde hat.
    Diese beiden Menschen treffen nun durch Zufall (oder Schickal?) aufeinander und plötzlich "sieht" jemand Ellen, obwohl oder gerade weil Temerity blind ist.
    Eine außergewöhnliche Freundschaft beginnt...


    Was für ein wunderbares, ergreifendes Buch... Einmal begonnen konnte ich den Roman nur schwer aus der Hand legen, so tief hat er mich berührt. Ellen und Temerity sind ungewöhnliche Charaktere und beide wachsen einem sehr schnell ans Herz. Es hätte eine schwer verdauliche Geschichte werden können bei der Vergangenheit von Ellen und der Behinderung von Temerity, aber es ist eine Art "Roadmovie" mit Herz, so viel Action erleben die beiden. Und wie Ellen so ganz langsam ihr Schneckenhaus verlässt und mit Temerity endlich jemanden an sich heranlässt, ist hochspannend und ergreifend.
    Ich habe mich am Ende des Romans nur ungern von den Personen verabschiedet und hoffe, dass dieses Buch viele, viele Leser bekommt.
    Und ich bin wirklich sehr froh, dass ich diesen Roman "gesehen" habe, sonst hätte ich eine wahre Perle verpasst :-)


    ASIN/ISBN: 3499268671

  • Ja, besser wie Brummi kann ich es auch nicht ausdrücken.


    Vielleicht sollte jeder in seinem Leben mal über seine "Perspektive" nachdenken.


    Ergreifendes Buch!


    9 Eulen von mir

    “Lesen ist das Trinken von Buchstaben mit den Augen.” H. Lahm


    :lesend Erik Axl Sund - Scherbenseele


    SuB 01.09.: 159
    SuB-Abbau-Wette: 5. Runde 3/5

  • "Dieses Buch ist für alle, die je das Gefühl hatten, nicht zu zählen.
    Du zählst...."


    Was erwartet man, wenn ein Buch mit so einer Widmung beginnt? Kitsch? Schmalz? Große Gefühle? Oder doch vielleicht eine echte, ehrliche Geschichte über eine Außenseiterin, die niemand sieht und die gar nicht mehr gesehen werden will?


    Ich habe das Buch in den letzten Tagen gelesen und jedes Wort genossen.
    Die beiden Hauptfiguren sind so unglaublich symphatisch und dabei auch so echt, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen. Ellen, die Hauptfigur, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, hatte bis jetzt kein gutes Leben. Sie hat sehr schlimme Dinge mit ihrer Mutter erleben müssen, ist von Pflegefamilie zu Pflegefamilie "gewandert" und ist für ihre Umwelt bewusst "unsichtbar" geworden. Allerdings macht sie das zu einer perfekten Beobachterin von allem, was um sie herum geschieht. Ihre Sicht auf die Dinge ist durch all das, was sie durchmachen musste, geprägt. Ihre Perspektive ist eine besondere.
    Dann tritt Temerity in ihr Leben, die trotz ihrer Blindheit Ellen "sieht". Die beiden verbindet bald eine gute Freundschaft, was für Ellen, eine völlig neue Perspektive auf ihr eigenes, aber auch auf das Leben ihrer Mitmenschen bringt.


    Was die beiden jungen Frauen auf ihrem gemeinsamen Weg nun erleben, ist manchmal ein bisschen unglaubwürdig und sehr rasant. Aber das hat mich nicht gestört, denn darum geht es in der Geschichte auch gar nicht. Ellens Gefühlswelt, ihre Gedanken, ihre Perspektive, sind für diese Geschichte bedeutsam. Ich habe das Gefühl, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sie ist eine gute Beobachterin, ähnlich wie Ellen eben.


    In ihrer Danksagung schreibt die Autorin, dass Seele und Freundlichkeit nichts mit der äußeren Erscheinung zu tun haben. Meiner Meinung nach ist es ihr gelungen, Widmung und Danksagung in dieser Geschichte in Einklang zu bringen und das auf meine sehr warmherzige Weise.
    Besonders beeindruckt haben mich beispielsweise die Momente, in denen Ellen etwas erlebt, was irgend etwas in ihrer abgestumpften Gefühlswelt rührt, was ihren Schutzwall bröckeln lässt.


    Von mir bekommt dieses einfühlsame Buch 10 Punkte.

  • Saiya :knuddel1


    besser kann man es garnicht ausdrücken.


    ich war ja ziemlich skeptisch als ich die ersten Seiten las ob das nicht eine typische Frauenschnulze wird aber die Autorin hat wirklich mit zarten und sanften Tönen eine zauberhafte Geschichte über das gegenseitige Anerkennen geschaffen ohne die von vornherein wertende und herabsetzende Verurteilung einer Person nur durch ihr Äußeres.


    Wie Ellen sich, allein durch die Zuwendung der beiden Geschwister nach und nach in ein mitfühlendes Wesen verwandelt ist einfach wunderbar zu lesen.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Im Urlaub habe ich letzte Woche das Buch eingetauscht und am folgenden Tag gleich mit Begeisterung gelesen. Viel zu schnell war ich auf der letzten Seite, leider. Das Buch ist so wunderbar und entzückend geschrieben, habe schon mehreren nun davon vorgeschwärmt, so dass es fast mein Monatshighlight geworden wäre. Ellen und Temerity, doch auch ihr Bruder und viele andere Personen werden so sympathisch beschrieben und die Handlung ist drollig ´, unterhaltend und auch noch spannend. Ein tolles Buch!

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • "Tage wie Salz und Zucker" ist in meinen Augen ein wunderschönes und gefühlvolles Buch mit liebenswerten Charakteren und bewegenden Momenten, und dennoch mit viel Witz und Humor. Mir gefällt die Botschaft des Buches (einen Menschen nicht zu verurteilen nur weil er anders aussieht, und mit offenen Augen durchs Leben zu gehen).


    Darum bekommt diese zauberhafte Geschichte 10 Punkte von mir. :wave


    [SIZE=7]Edit: Fehlerteufel..[/SIZE]

  • Ich habe das Buch meiner Mutter geschenkt und sie hatte es so schnell durch und war so begeistert, das ich es auch gleich lesen wollte. Und ich hatte es in zwei Tagen durch.
    Ganz lieb, mal was ganz anderes und es eröffnet einem eine andere Perspektive! Wunderbar! Mehr davon!

  • Ich wurde zunächst nicht warm mit Ellen. Eine Frau, die ihre Mitmenschen beobachtet und sich Notizen macht, sich in ihrem Leben eingerichtet hat, ohne Kontakte haben zu wollen, sich nicht einmischen will, bis sie der blinden Frau beisteht, die überfallen wird.


    Ab da wird alles anders. Sie beobachtet nicht nur, sondern empfindet Mitgefühl, bewertet ihre Beobachtungen, woraus sich, dank der blinden Temerity, Handlungen ergeben.


    Irgendwann nahm mich die Geschichte um Ellen und ihre Umwelt mit auf die Reise. Ich hab das Buch sehr gern gelesen. Es ist eine andere Art von Story, als ich sonst lese. Wie aus Ellen, der Raupe schließlich Ellen, ein Fast-Schmetterling wird, las sich wirklich gut.


    8 Punkte von mir.

  • Wie schade, dass der zweite Teil anscheinend nicht übersetzt wurde. Muss ich da etwa mein verrostetes Englisch wieder hervorkramen? Für Ellen fing das Leben doch eigentlich gerade erst an, als das Buch endete...


    Eine volle Punktzahl gibt es von mir nicht, da ich die Geschichte insgesamt „zu rund“ fand, aber ein gutes 8 Punkte Buch ist das schon.

    „An solchen Tagen legt man natürlich das Stück Torte auf die Sahneseite — neben den Teller.“

  • Der Klappentext hat mir eigentlich gar nicht zugesagt, ich bin auch sehr skeptisch an das Buch herangegangen. Aber es hat mich tatsächlich schnell in seinen Bann gezogen - und dann hat auch die Spannung zugepackt. Das war richtig klasse und realistisch, wie Ellen aus ihrem Schneckenhaus herausgeholt wurde, so eine Freundin wünscht sich doch jeder. Nur das Ende hat mich etwas skeptisch zurückgelassen.