Nick Hornby - How to be good

  • Kurzbeschreibung bei Amazon
    Sie ist eine gute Ärztin. Sie hat eine normale chaotische Familie – zwei Kinder und einen zynischen Mann. Katie Carr, Ich-Erzählerin und Heldin in Nick Hornbys neuem spritzigen Roman, tut ihr Bestes. Doch das reicht nicht, als der charismatische Heiler DJ GoodNews auftaucht und alles ins Trudeln gerät... Katies Seitensprung ist eigentlich nicht das Problem, auch wenn sie ihrem Mann spontan einen Scheidungsantrag macht, der nicht angenommen wird. David, ein frustrierter unveröffentlichter Schriftsteller, hält das Banner der Familie hoch, zu deren Unterhalt er nur bescheiden mit giftigen Zeitungskolumnen beiträgt. Aber immerhin ist er ein recht ordentlicher Hausmann und ein eingespielter Ehepartner. Katies großes Problem ist DJ GoodNews. Der moraltriefende Heiler mit dem exotischen Augenbrauenpiercing und unbestreitbaren Heilerfolgen zieht zu den Carrs und krempelt die Familie um. David verwandelt sich in einen unerträglichen Gutmenschen, der das Geld, das er nicht verdient, mit den Armen teilen will. Die zickige Tochter Molly wird lieb und der nette Tom bockig. Ein Riss geht durch die Familie. Katie sieht sich plötzlich in der Ecke der kalten Egoistin und mit der Forderung konfrontiert, ein besserer Mensch zu werden. Die beiden Männer, nicht nur erfolgreich in ihrem humanitären Tun, wenden sich zur Abwechslung der Theorie zu und schreiben ein Buch: »How to Be Good«.


    Über den Autor
    Nick Hornby wurde 1957 geboren. Er studierte in Cambridge und arbeitete als Lehrer, bis er direkt mit seinem Debüt, dem Fußball-Buch Fever Pitch - Ballfieber in England über Nacht zum literarischen Shooting-Star wurde. Mit seinem Single-Roman High Fidelity, der bereits in Amerika verfilmt wurde, eroberte er die internationalen Bestsellerlisten und wurde mehr als einmal als "bester Autor seiner Generation" (Die Woche) gefeiert. Nick Hornby lebt mit seiner Frau und seinem Sohn im Norden Londons.


    Meine Meinung
    Das Buch ist teilweise komisch, teilweise bitterernst, aber nie langweilig. Zu Beginn dachte ich, es wäre eine "normale" Ehegeschichte, die dann aber durch das Eingreifen von DJ GoodNews dazu führt, dass Gut und Böse diskutiert wird. Kann man durch Geld verschenken oder das Aufnehmen von obdachlosen Kindern die Welt verbessern? Der Gedanke ist vorbildlich, aber hat weit reichende Konsequenzen, die zur Krise in der Familie führen.
    Ich hätte sowohl den selbsternannten Heiler GoodNews als auch meinen Mann aus dem Haus geworfen, wenn sie es bei mir versucht hätten...


    Lesenswert, mein erster Hornby, aber bestimmt nicht der letzte.


    ISBN: 3426615355 (Aber bitte nachfragen, ob es wirklich die deutsche Ausgabe ist, bei Amazon erscheint dazu eine englische Inhaltsangabe)

  • Huhu, Geli.


    Nach dem wirklich interessanten "Fever Pitch", dem absolut fantastischen "High Fidelity" - eins der besten Bücher der Neunziger - und dem eher drögen "About A Boy" hat "How To Be Good" meine Hornby-Liebe wieder ein bißchen auf Vordermann gebracht:


    Fast schon traditionell hat der deutsche Verlag den englischen Titel beibehalten, wie schon zuvor bei der Fußballnovelle "Fever Pitch", dem unglaublichen und sehr zärtlichen "High Fidelity", dem etwas spröden "About A Boy" (wie "High fidelity" inzwischen verfilmt) und jetzt bei "Wie man gut ist" (oder wird).


    Eine ziemlich schwierige Frage.


    Kate und David sind Anfang vierzig, knapp zwanzig Jahre verheiratet, haben zwei Kinder - Molly und Tom -, wohnen in einem Londoner Vorort. Kate ist praktische Ärztin und arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis, David führt den Haushalt, schreibt an einem schlechten satirischen Roman und einmal pro Woche eine bissige Kolumne für irgendein Lokalblättchen - unter dem Titel "Der zornigste Mann Londons". David ist agressiv, mieslaunig, zynisch, wütend - manchmal auf unterhaltsame Weise, meistens jedoch auf enervierende. Ansonsten funktioniert das Zusammenleben gut; die Familie hat keine Probleme, bis auf Mollys Neurodermitis, Toms zunehmend schnippische Art - und natürlich die Tatsache, daß es über die zwanzig Jahre hinweg deutlich spürbare Veränderungen im Verhältnis der Eheleute gegeben hat.
    Kate ist auf einer Geschäftsreise, einer Konferenz, und hat gerade ihren ersten Seitensprung hinter sich, als es zum fatalen Telefongespräch kommt: Im Rahmen der üblichen Streitereien läßt sie sich dazu hinreißen, David um die Scheidung zu bitten.


    Doch es kommt nicht so weit. David ignoriert die Bitte - und begibt sich in die Hände eines seltsamen, dürren, etwas wirren Männchens, dessen Augenbrauen mit Wasserschildkrötenbroschen gepierct sind: DJ GoodNews saugt mit seinen heißen Händen die Traurigkeit aus den Menschen, heilt Gebrechen (so unter anderem Mollys Ausschlag) und verwandelt den geifernden David in einen sanften Philanthropen, der die Spielsachen seiner Kinder verschenkt und versucht, die Nachbarn dazu zu überreden, Obdachlose in den leerstehenden Gästezimmern ihrer zu großen Häuser unterzubringen. Während die erstaunte Kate noch immer mit dem Entschluß, der Ehe ein Ende zu setzen, hadert, praktiziert ihr Mann Güte und Nächstenliebe in reinster Form.


    "How to be good" laviert oft hart an der Grenze zur absoluten Trivialität, ist dabei aber so herzig, weise im Detail, witzig und fantastisch geschrieben - übrigens aus Sicht der Kate -, daß nach dem etwas lahmen und konstruierten "About a boy" wieder echtes Hornby-Feeling aufkommt: Figuren, die insbesondere in ihrer Unsicherheit, was Lebensführung ganz allgemein anbetrifft, plastisch und glaubhaft werden. Was den ganz besonderen Reiz dieses Buch ausmacht, ist jedoch die fortwährend präsente und hauptsächlich im inneren Monolog der Kate diskutierte Frage, was denn nun *tatsächlich* einen guten Menschen ausmacht und wie viel man von sich selbst opfern darf und muß, um ein wirklich reines Gewissen haben zu können. Die verschiedenen Antworten auf diese Frage fallen ganz erstaunlich aus, originell, erschreckend, überaus offen und meistens sehr, sehr amüsant. Ein feines Buch, viel zu schnell zuende, wie immer in solchen Fällen, wie ein Tag am See, ein Abend mit wirklich guten Freunden, sowas. Schön!

  • Danke Tom, super Ergänzung. :wave


    Ich habe vor einigen Tagen "About a boy" im TV gesehen und dann "How to be good" aus dem SUB geholt. "High fidelity" ist auch ein klasse Film, das Buch dazu kenne ich noch nicht, aber wie gesagt, das war nicht mein letzten Hornby.

  • Hab gestern gelesen, dass "Fever Pitch" verfilmt wird, Filmstart soll der 1.9. sein.



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    Fever Pitch, USA 2005
    Start: 01.09.2005


    Regie: Peter Farrelly, Bobby Farrelly
    Drehbuch: Lowell Ganz, Babaloo Mandel
    Schauspieler: Jimmy Fallon, Drew Barrymore, Ione Skye, Kadee Strickland


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    Quelle


    Allerdings wurde das Buch 1996 schon mal mit Colin Firth verfilmt.


    Fever Pitch, Großbritannien 1996, 105 Min., von Evans, mit Colin Firth, Ruth Gremmel, Neil Pearson, Lorraine Ashbourne und Mark Strong - ab sechs Jahren


    Wenn Fußball zur Sucht wird, gerät die Liebe leicht ins Abseits. So ergeht es den Beziehungen von Fußballfan Paul in David Evans Film "Fever Pitch" nach einem Bestseller von Nick Hornby: Paul, der seit 21 Jahren ausschließlich am Wohlergehen seines Lieblingsvereins FC Arsenal London interessiert ist, fordert von seinen Freundinnen absolute Selbstaufgabe. Bis Sarah kommt, die Paul das Lieben lehrt und ihrerseits begreift, was Fußball alles bedeuten kann...


    Quelle

  • Zitat

    Hab gestern gelesen, dass "Fever Pitch" verfilmt wird, Filmstart soll der 1.9. sein.


    :lache


    Es geht nicht mehr um Fußball, sondern um Baseball, es spielt nicht mehr in London (und rund um Arsenal), sondern in Boston, und überhaupt ... ist wahrscheinlich nur der Titel geblieben. Die Nähe, die ein echter europäischer Fan zu seinem Fußballclub verspürt (und davon erzählt "Fever Pitch"), die kann selbst ein hartgesottener amerikanischer Baseball-"Fan" nur ahnen - und leider geht es, wie angedeutet, hauptsächlich darum.

  • Hallo, Geli.


    Zitat

    Wobei die Farrelly-Brüder für schräge Komödien à la "Hier kommt Mary" bekannt sind.


    Lies mal "Fever Pitch"! Das ist eigentlich eine Milieustudie - und von einer Liebesgeschichte, wie sie in diesem Remake im Mittelpunkt zu stehen scheint, ist da nur ganz am Rande die Rede. Mit "Verrückt nach Mary" hat das so viel zu tun wie "Ben Hur" mit "7 Zwerge alleine im Wald" (oder wie diese Scheiße hieß).


    Die Verfilmung von "High Fidelity" war bereits nach Amerika umgesiedelt worden, was gerade noch so funktionierte - dank John Cusack (D) und Stephen Frears (R).

  • Da hab ich ja genau das richtige thema gefunden.


    Ich fand About a boy gut (Film und Buch (Hugh Grant auf der Bühne und singt "killing me softly"^^))
    und ich liebe High Fidelity (ebenfalls Film und Buch).


    Bei How to be Good bin ich leider noch nie über den Anfang hinaus gekommen (also nie über die Stelle wo sie am Morgen nach dem Anruf mit Ihm in der Küche steht oder so), obwohl ich es schon zwei oder drei Mal versucht habe.


    Fever Pitch hört sich auch sehr interessant an. Werds mir wohl mal von einem Freund ausleihen.

  • Was für eine bitterböse Satire. Hornby at his best.


    Ich war so ins Lesen versunken und habe mitgelebt, dass ich Aggressionen und Magenschmerzen bekam. Am liebsten hätte ich diesen Versagern David und GoodNews eine reingehauen. Es ist leicht, Dinge zu verschenken, die einem nicht gehören und Geld, das man nicht selber verdient hat. Dass eine so selbstbewusste, intelligente Frau wie Kate diese beiden Schmarotzer so lange bereit ist auszuhalten grenzt für mich an ein Wunder.

    Kinder lieben zunächst ihre Eltern blind, später fangen sie an, diese zu beurteilen, manchmal verzeihen sie ihnen sogar. Oscar Wilde

  • Mein erster Hornby, der mir Mut für weitere gemacht hat.
    Die Geschichte selber hab ich fast nicht ausgehalten, so sehr gingen mir diese Weltverbesserer gegen den Strich (vielleicht weil ich ein paar Quäntchen Eigenanteile erkenne? :lache), aber sie macht andererseits Mut zum ein bißchen mehr politisch unkorrekt sein. Auch das eheliche Beziehungsgeflecht hat mir so einiges zu denken gegeben.

    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das nicht allemal das Buch.
    Georg Christoph Lichtenberg

  • Zitat

    Original von Taschenbuch
    Mein erster Hornby, der mir Mut für weitere gemacht hat.


    Wenn dies mein 1. Hornby gewesen wäre, hätte ich nichts weiter von ihm gelesen. Ich fand die Story mehr als langweilig und an den Haaren herbeigezogen - mochte ich einfach nicht. Daher bin ich froh, dass ich mit "High Fidelity" begonnen hatte - das war phänomenal.

  • Auf "How to be good" freu ich mich grad wie Graf Koks ;)
    Steht auf der Warteliste schon direkt auf dem ersten Platz. Ich denke, nein, ich bin mir sicher, dass auch dieser Hornby mir wieder gefallen wird, da ich seine Bücher überhaupt einfach vergöttere. Mein Einstieg war "High Fidelity", dazu muss man kaum was sagen, dann "A Long Way Down", was auch noch gut war, danach "About a Boy", auch genial, und nun wartet "How to be good". Ich zähle schon die Seiten meines aktuellen Buches... ;)

  • Zitat

    Original von Lilli


    Wenn dies mein 1. Hornby gewesen wäre, hätte ich nichts weiter von ihm gelesen. Ich fand die Story mehr als langweilig und an den Haaren herbeigezogen - mochte ich einfach nicht. Daher bin ich froh, dass ich mit "High Fidelity" begonnen hatte - das war phänomenal.

    Ich entnehme diesen Zeilen in erster Linie, dass ich mich auf ein weiteres Buch von ihm freuen kann?! :-)
    Oder heißt das nur, dass Herr Hornby so unterschiedliche Geschmäcker bedient? :gruebel
    Wie auch immer, High Fidelity wird sicher nicht ungelesen an mir vorbeigehen.

    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das nicht allemal das Buch.
    Georg Christoph Lichtenberg

  • Zitat

    Original von Taschenbuch
    Ich entnehme diesen Zeilen in erster Linie, dass ich mich auf ein weiteres Buch von ihm freuen kann?! :-)
    Oder heißt das nur, dass Herr Hornby so unterschiedliche Geschmäcker bedient? :gruebel
    Wie auch immer, High Fidelity wird sicher nicht ungelesen an mir vorbeigehen.


    HIGH FIDELITY ist vom Thema her ein völlig anderes als HOW TO BE GOOD.
    Ersteres ist (für mich) englische Underground-Literatur in der es um verzwackte Typen und ihren Musikgeschmack geht. Liest sich richtig gut @ Taschenbuch.

  • Zitat

    Wenn dies mein 1. Hornby gewesen wäre, hätte ich nichts weiter von ihm gelesen.


    Geht mir auch so. :wave
    Es ist nicht so, dass mir das Buch gar nicht gefallen hätte, aber trotzdem hätte es nicht gereicht, um noch ein weiteres Buch von ihm zu lesen.


    Den Anfang fand ich so fürchterlich langweilig, dass ich schon nahe dran war, das Buch einfach liegen zu lassen, aber da ich gerade viel lernen musste, kam mir dieses langweilige Stück irgendwie auch ziemlich recht. :-]


    Den Mittelteil fand ich mehr als klasse. Da hat es mich dann richtig gepackt (also im Vergleich zum Anfang zumindest) und ich hab mich gewundert, warum der Anfang so langweilig sein kann, wo doch das Mittelding so toll ist.


    Den Schluss fand ich wieder eher langweilig und darum weiß ich gar nicht, mit wie vielen Sternchen ich das Buch bewerten soll.


    Fakt ist aber, dass ich kein anderes lesen würde, wenn es mein erstes gewesen wäre. An "A long way down" reicht es bei weitem nicht heran.


    Fakt ist aber auch, dass ich Hornbys Bücher aus gerade dem Grund so mag, weil die Menschen so menschlich dargestellt werden.
    Ich konnte mich großteils so richtig gut mit Katie identifizieren. :-]
    Fand sie herrlich sympathisch. :wave

  • Für mich war es der zweite Hornby - nach "A long way down". Diesmal nicht als Buch, sondern als Hörbuch. Die Sprecherin ist Esther Schweins und ich finde ihre Stimme nicht nur sehr angenehm, sondern finde auch, dass sie das Buch wirklich gut liest.


    "How to be good" hat mir gut gefallen und es war sehr unterhaltsam zu hören. Ich bin neugierig geworden, noch mehr von Hornby zu lesen oder zu hören.

  • Ich würd euch empfehlen "How to be good" in Englisch zu lesen. Bei der Übersetzung gehen oft so viel gute Dinge verloren und man muss die Sprache nicht mal perfekt beherrschen um "How to be good" zu verstehen.
    liebe grüße

    "Es gibt Bücher mit denen man Ungeziefer erschlägt. Und es gibt Bücher, mit dene man das eben nicht tun würde."