'Katzentisch' - Seiten 231 - Ende

  • Ich bin auf der letzten CD und das Finale läuft auf Michaels Treffen mit Emily in Kanada hinaus. In einem gemeinsamen Gespräch reflektieren sie die Ereignisse auf der Oronsay.
    In der Gesamtheit kann ich schon sagen, dass mich die gut durchdachte Romankonstruktion überzeugt und auch sprachlich gab es oft besondere Momente.

  • Ich bin heute mit dem Hörbuch fertig geworden .
    Der letzte Abschnitt hat mir noch mal richtig gut gefallen und mich für einige Teile in der Mitte des Buches entschädigt.
    Zwischendurch hat mir so ein wenig der rote Faden gefehlt und ich habe alles aus einer gewissen Distanz betrachtet ohne das es mich berühren konnte. Aber das Ende fand ich sehr gut. Mir hat das Treffen zwischen Michael und Emily gut gefallen und ihr Gespräch über ihre gemeinsame Zeit auf dem Schiff.
    Und ich empfand auch die Überlegungen zu der Flucht des Gefangenen zusammen mit seiner Tochter noch mal als eine sehr intensive Szene. Wie sie beide über Bord gegangen sind, dann den Schlüssel mit dem Mund ausgetauscht haben und das Mädchen davon geschwommen ist Das war noch mal eine Szene die mich erstaunlicherweise bewegt hat.
    Sprachlich fand ich das Buch auch sehr gut. Der Autor hat immer wieder schöne Bilder und Vergleiche herangezogen, die mir positiv aufgefallen sind.
    Komplett begeistern konnte mich die Geschichte nicht, aber insgesamt fand ich es ein interessantes Buch.

  • Zitat

    Original vom Herrn Palomar
    (...) dass mich die gut durchdachte Romankonstruktion überzeugt und auch sprachlich gab es oft besondere Momente.


    Letzteres kann ich für mich unterschreiben. Es gab viele Momente, in denen ich innehalten musste, um Sätze und Szenen auf mich wirken zu lassen und zu genießen. Das hat Spaß gemacht und hebt das Buch auch positiv von vielen schnell inhalierbaren Romanen ab.
    Die Konstruktion allerdings war nicht so meins. So wie Rouge hat mir zwischendurch immer wieder der rote Faden gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Schicksale noch stärker miteinander verknüpft gewesen wären. Natürlich ist klar, dass ein Roman, der sich an einer Schiffsreise entlanghangelt, nicht zu jeder Figur ein Woher und Wohin entwickelt. Viele Lebensspuren kommen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden auch wieder dorthin. Es ist von der Konstruktion her in sich absolut stimmig, aber es gefällt mir eben nicht. Ich möchte gerne wissen, woher und wohin. Bin da halt etwas einfacher gestrickt. :rolleyes

  • Zitat

    Original von Rouge
    Sprachlich fand ich das Buch auch sehr gut. Der Autor hat immer wieder schöne Bilder und Vergleiche herangezogen, die mir positiv aufgefallen sind.


    Zitat

    Original von Nadezhda
    Es gab viele Momente, in denen ich innehalten musste, um Sätze und Szenen auf mich wirken zu lassen und zu genießen. Das hat Spaß gemacht und hebt das Buch auch positiv von vielen schnell inhalierbaren Romanen ab.


    Diese Stärke von Michael Ondaatje hat dazu geführt, dass ich mich auch für seine Lyrik interessiere. Daher habe ich mir sein Gedichtsband "Handschrift" bestellt.


    Über das Verhältnis von Lyrik zu Prosa hat sich Ondaatje in diesem Interview mit der Welt ganz interessant geäußert:
    hier


    Auch weitere Romane könnte ich mir vorstellen. Bisher kannte ich nur Der englische Patient und Anils Geist. Aber Katzentisch hat mir am Besten gefallen.

  • Ein bisschen OT...


    Zitat

    Original vom Herrn Palomar
    Diese Stärke von Michael Ondaatje hat dazu geführt, dass ich mich auch für seine Lyrik interessiere. Daher habe ich mir sein Gedichtsband "Handschrift" bestellt.


    ... mir ging es haargenau so mit den Gedichten von Anne Michaels ("Fluchtstücke") und ich frage mich, ob das eine kanadische Spezialität sein könnte. :lache

  • Der rote Faden hat mir zwischendurch auch etwas gefehlt, was mich aber nicht weiter gestört hat, dafür fand ich die meisten der Einzelschicksale zu interessant und vor allem auch einfach gut erzählt.


    Für mich war das mein erstes Buch von diesem Autor, aber ich werde bestimmt noch mehr von ihm lesen.

  • Zitat

    Original von Rouge
    Der letzte Abschnitt hat mir noch mal richtig gut gefallen und mich für einige Teile in der Mitte des Buches entschädigt.
    Zwischendurch hat mir so ein wenig der rote Faden gefehlt und ich habe alles aus einer gewissen Distanz betrachtet ohne das es mich berühren konnte. Aber das Ende fand ich sehr gut.


    Ich habe das auch so empfunden, wie bei einem Wollknäul, wo jemand den Faden aus der Mitte raus zog, ein Stück damit weiter strickte und sich dann doch wieder für das außen liegende Ende des Fadens entschied, mal wieder ein Stück abschnitt, die Enden aber nur selten miteinander verknotete. Die Geschichten einiger Personen hätte ich wert gefunden weiter erzählt zu werden.


    Zitat

    Mir hat das Treffen zwischen Michael und Emily gut gefallen und ihr Gespräch über ihre gemeinsame Zeit auf dem Schiff.


    Gefiel mir auch, auch dass sie die Nähe, die sie auf dem Schiff in ihren jungen Jahren hatten, kaum wieder finden konnten. Das machte ihr Wiedersehen realistischer, denn glatt läuft so etwas nicht im wahren Leben.


    Und ich empfand auch die Überlegungen zu der Flucht des Gefangenen zusammen mit seiner Tochter noch mal als eine sehr intensive Szene. Wie sie beide über Bord gegangen sind, dann den Schlüssel mit dem Mund ausgetauscht haben und das Mädchen davon geschwommen ist Das war noch mal eine Szene die mich erstaunlicherweise bewegt hat.[/quote]


    Mir gefiel, dass er, immer noch gefesselt, beim Auftauchen nach der Richtung lauschte, in die sie schwamm, um sich später selbst retten zu können. Das verstärkt noch mal die Bedeutung, die das stille Mädchen für die Rettung des Vaters, des fremden Vaters, hat.


    Zitat

    Sprachlich fand ich das Buch auch sehr gut. Der Autor hat immer wieder schöne Bilder und Vergleiche herangezogen, die mir positiv aufgefallen sind.
    Komplett begeistern konnte mich die Geschichte nicht, aber insgesamt fand ich es ein interessantes Buch.


    Auch hier bin ich ganz bei dir. Ich habe mir immer wieder Sätze markiert, die ich außergewöhnlich fand, aber der ganze Roman war in gewisser Weise eine Herausforderung für mich. Mag auch an den äußeren Umständen liegen, unter denen ich zur Zeit lese, aber auch und vor allem daran, dass mich die zwar interessanten, aber sehr abrupten Wechsel zwischen den Personen und Geschichten manchmal komplett aus der Geschichte und dem Lesefluss schleuderten.

  • Zitat

    Original von Clare
    Ich habe mir immer wieder Sätze markiert, die ich außergewöhnlich fand, aber der ganze Roman war in gewisser Weise eine Herausforderung für mich. Mag auch an den äußeren Umständen liegen, unter denen ich zur Zeit lese, aber auch und vor allem daran, dass mich die zwar interessanten, aber sehr abrupten Wechsel zwischen den Personen und Geschichten manchmal komplett aus der Geschichte und dem Lesefluss schleuderten.


    :write
    Ich habe es zum Teil auch als Herausforderung gesehen, mit meinen Gedanken wirklich bei der Geschichte zu bleiben und den Sprüngen in der Zeit und zwischen den Personen zu folgen.
    Ich habe mir schon gedacht, es wäre vielleicht besser gewesen,das Buch nicht als Hörbuch zu hören sondern zu lesen. Vielleicht hätte es mich dann mehr begeistert. Aber wenn Du genauso empfindest, dann hätte es bei mir wahrscheinlich doch keinen Unterschied gemacht.

    Liebe Grüße von Rouge !
    :lesend Heinrich Mann - Der Untertan

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  • Zitat

    Original von Rouge


    :write
    Ich habe es zum Teil auch als Herausforderung gesehen, mit meinen Gedanken wirklich bei der Geschichte zu bleiben und den Sprüngen in der Zeit und zwischen den Personen zu folgen.
    Ich habe mir schon gedacht, es wäre vielleicht besser gewesen,das Buch nicht als Hörbuch zu hören sondern zu lesen. Vielleicht hätte es mich dann mehr begeistert. Aber wenn Du genauso empfindest, dann hätte es bei mir wahrscheinlich doch keinen Unterschied gemacht.


    Ich glaube nicht, dass mir das Hörbuch leichter gefallen wäre. Ich fand die vielen kleinen Geschichtchen und Sprünge einerseits reizvoll, andererseits aber auch anstrengend.

  • Ich habe es dann gestern Nacht auch geschafft und konnte das Buch beenden. Es war interessant, es war mal was anderes, mal mehr Erzählung als reine Unterhaltung. Von daher gesehen war die Lektüre sicherlich ein Gewinn und wäre es vielleicht auch noch viel mehr, wenn man (ich) nicht ansonsten so viel schlichter konstruierte Bücher konsumieren würde.


    Wir haben das Buch ja aus unserer Querbeet-Perspektive heraus gelesen und unter der Prämisse war es vollumfänglich passend und ein Buch, dass ich ohne dazu veranstaltete Leserunde wohl nie gelesen hätte.

  • Zitat

    Original von xexos


    Wir haben das Buch ja aus unserer Querbeet-Perspektive heraus gelesen und unter der Prämisse war es vollumfänglich passend und ein Buch, dass ich ohne dazu veranstaltete Leserunde wohl nie gelesen hätte.


    :write
    Das sehe ich auch ganz genau so!
    Ich hätte das Buch ohne die Leserunde hier bestimmt nie in die Hand genommen, und das wäre sehr schade gewesen ( auch wenn es kein Lieblingsbuch von mir geworden ist. ;-) )
    Aber ich finde es einfach schön, dass ich durch die Querbeet Leserunden immer wieder neue interessante Bücher und Autoren entdecken darf.

  • Zitat

    Original von xexos
    Wir haben das Buch ja aus unserer Querbeet-Perspektive heraus gelesen und unter der Prämisse war es vollumfänglich passend und ein Buch, dass ich ohne dazu veranstaltete Leserunde wohl nie gelesen hätte.


    Aus unserer Querbeet-Perspektive - sehr treffend.
    Mir geht es da manchmal mehr darum, ein Buch mit euch zu lesen, als primär um das Buch, und wie Rouge habe ich dabei schon Bücher für mich entdeckt, die mir sonst entgangen wären. Oder ich mochte das Buch nicht, dann war aber die Querbeet-LR das Lesen wert. :knuddel1

  • So, ich habe das Buch jetzt auch beendet. Ehrlich gesagt bin ich ganz froh darum. Irgendwie hab ich mir schwer getan damit.
    Ich denke, ohne die Leserunde hätte ich es nicht gelesen. Oder es nicht beendet, wenn ich es denn begonnen hätte.


    Ich hätte doch noch gern mehr zu Mrs. Lasqueti erfahren, die blieb mir dann am Ende doch zu schemenhaft, auch wenn sie ja ihre Geschichte durch den Brief an Emily noch enthüllt hat. Aber ich hätte da doch gerne noch erfahren, was sie nach der Reise denn getan hat. Und was sie wohl bei der Flucht des Gefangenen ins Meer geworfen hat :gruebel


    Niemeyer ist mir selbst recht fremd gelieben und auch Ashunta konnte ich nicht so recht greifen. Die Flucht war ja recht spektakulär, allerdings ist Emily da wohl wirklich ganz fies benutzt worden. Ich geh mal davon aus, dass sie über den Schnitt unter Drogen gesetzt wurde und daher nicht wusste was genau passiert ist. Das hat sie dann ja auch ihr Leben lang beschäftigt und wie war ja wohl nie sicher, ob sie Perera nicht umgebracht hat.
    Auch keine schöne Sache.


    Das Wiedersehen von Michael und Emily fand ich gut, irgendwie scheint Emily da dann doch ein wenig ihren Frieden gefunden zu haben.

  • Zitat

    Original von streifi
    So, ich habe das Buch jetzt auch beendet. Ehrlich gesagt bin ich ganz froh darum. Irgendwie hab ich mir schwer getan damit.
    Ich denke, ohne die Leserunde hätte ich es nicht gelesen. Oder es nicht beendet, wenn ich es denn begonnen hätte.


    Geht mir auch so. Das Buch war zwar nicht so meins, aber nicht uninteressant und auf keinen Fall Zeitverschwendung.


    Zitat

    Ich hätte doch noch gern mehr zu Mrs. Lasqueti erfahren, die blieb mir dann am Ende doch zu schemenhaft, auch wenn sie ja ihre Geschichte durch den Brief an Emily noch enthüllt hat. Aber ich hätte da doch gerne noch erfahren, was sie nach der Reise denn getan hat. Und was sie wohl bei der Flucht des Gefangenen ins Meer geworfen hat :gruebel


    Mrs. Lasqueti wurde ja im letzten Abschnitt, speziell im Brief, den sie an Emily schreibt und Michael gibt, näher beleuchtet. Vielleicht hätte ihre Geschichte ja ein Buch füllen können, das ich sogar interessanter gefunden hätte. Trotzdem bleibt sie geheimnisvoll.
    Wenn ich nicht völlig daneben gelesen habe, dann hat sie doch die Pistole ins Meer geworfen, mit der sie auf den Inspektor/Detektiv (mit fällt der Name nicht mehr ein) geschossen hat, damit Ashunta und ihr verbrecherischer Vater fliehen können. Oder?


    Zitat

    Niemeyer ist mir selbst recht fremd gelieben und auch Ashunta konnte ich nicht so recht greifen. Die Flucht war ja recht spektakulär, allerdings ist Emily da wohl wirklich ganz fies benutzt worden. Ich geh mal davon aus, dass sie über den Schnitt unter Drogen gesetzt wurde und daher nicht wusste was genau passiert ist. Das hat sie dann ja auch ihr Leben lang beschäftigt und wie war ja wohl nie sicher, ob sie Perera nicht umgebracht hat.
    Auch keine schöne Sache.


    Ich habe es auch so gelesen, dass Emiliy etwas gegeben wurde, damit sie nicht mehr alles mit bekommt. Sie war Mittel zum Zweck.
    Niemeyer ist für mich ein Verbrecher durch und durch, auch ohne Reue und Skrupel. Da muss ich beim Lesen gar keine Nähe oder gar ein Mitempfinden aufbauen, fand ich.

  • Zitat

    Original von Clare



    Mrs. Lasqueti wurde ja im letzten Abschnitt, speziell im Brief, den sie an Emily schreibt und Michael gibt, näher beleuchtet. Vielleicht hätte ihre Geschichte ja ein Buch füllen können, das ich sogar interessanter gefunden hätte. Trotzdem bleibt sie geheimnisvoll.
    Wenn ich nicht völlig daneben gelesen habe, dann hat sie doch die Pistole ins Meer geworfen, mit der sie auf den Inspektor/Detektiv (mit fällt der Name nicht mehr ein) geschossen hat, damit Ashunta und ihr verbrecherischer Vater fliehen können. Oder?


    Ah ok, da hab ich dann drüber gelesen. Aber das mit der Pistole leuchtet mir ein.


    Bei Mrs. Lasqueti hätte ich auch die weitere Lebensgeschichte interessiert. Alles was ihr Leben nach der Zeit in Italien betrifft ist es ja nur bei Andeutungen geblieben. Fand ich schade, ich habe sie als sehr interessant empfunden.


    Was aus Mr. Daniels geworden ist, bleibt ja völlig im DUnkeln.
    Die Ankunft am Ende des Buches ist ja auch recht knapp beschrieben. Michael hätte ja an Bord noch Zeit gehabt sich zu verabschieden, statt dessen werden die Jungs beim Verlassen des Schiffes getrennt. War ja sehr abrupt das Ganze. Wenn es vorher nicht schon die Ausblicke in die Zukunft gegeben hätte wäre mir das Ende zu kurz gewesen.


    Aber schön, dass Michaels Mutter ihn tatsächlich abgeholt hat und da auch gleich wieder Vertrautheit da war. In dem Moment ist er wieder einfach ein kleiner unsicherer Junge.


    Seltsam eigentlich, dass man über seine Mutter im ganzen Buch eigentlich nicht wirklich was erfährt.
    Es wirkt so, als wäre er eigentlich bei Ramadhins Familie aufgewachsen.

  • Zitat

    Original von streifi
    Aber schön, dass Michaels Mutter ihn tatsächlich abgeholt hat und da auch gleich wieder Vertrautheit da war. In dem Moment ist er wieder einfach ein kleiner unsicherer Junge.


    Das empfand ich auch als besonderen Moment! Mutter und Sohn waren ja offenbar einige Jahre voneinander getrennt.